„Drunt in der Lobau …“

Soviel ist derzeit vom Lobau Tunnel die Rede. Das haben Sie alles schon gehört oder gelesen und sich eine Meinung gebildet – dazu möchte ich mich eigentlich nicht äußern, aber kennen Sie auch die Geschichte der Lobau?

Die Lobau ist ein nördlich der Donau und Großteils innerhalb, teilweise aber auch östlich Wiens gelegener Teil des Auengebietes der Donau, das sich am linken Donauufer zwischen Wien und der Mündung der March (Grenze zur Slowakei) erstreckt. Die Lobau ist rund 22 Quadratkilometer groß und wird von der Magistratsabteilung 49 – Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien verwaltet und betreut.

Die Donauregulierung von 1875 beseitigte einen beträchtlichen Teil der bis dahin bestehenden Donauarme und Augebiete im Wiener Raum. Im 19. Jahrhundert war die Lobau Jagdrevier des kaiserlichen Hofes; Kronprinz Rudolf jagte häufig hier, allein an Rebhühnern wurden hier jährlich an die 10.000 Stück geschossen. Am 2. September 1903 unternahm Kaiser Franz Joseph I. mit König Eduard VII. von Großbritannien, der auf Staatsbesuch in Wien war, einen Jagdausflug in die Lobau. Die beiden Monarchen schossen je einen Zehnender.

1905 wurde die Lobau zum Schutzgebiet erklärt, 1918 schenkte Kaiser Karl I. die heutige Obere Lobau der Stadt Wien.

Heute trennt der Donau-Oder-Kanal die Lobau. Die obere (städtische) Lobau befindet sich mit Ausnahme des Ölhafens und der Raffinerie im Besitz der Stadt Wien, die untere Lobau ist Bundesbesitz. Die städtische Lobau wurde vor 1926 als Naturschutzpark allgemein zugänglich gemacht, ihr oberster Teil ist “Kolonialisten“ Gebiet. Am 23. Mai 1927 versammelten sich vor dem Wiener Rathaus etwa 300 Mitglieder des Vereins „Kolonien in der Heimat“, um in die Lobau abzumarschieren, wo ihnen die Gemeinde Wien ein Kolonisationsgebiet zugewiesen hatte. Arbeitslose bewirtschafteten eigens angelegte Ackerflächen, anfangs zur Selbstversorgung, später, um 1929 in Einzelfällen, zum Absatz von Produkten auf dem Wiener Markt. Die untere Lobau hat sich naturbelassener erhalten.

Als Projekt – Donau-Oder-Kanal – existierte dieser schon seit 1719. Konkrete Planungen gab es um 1900, der Baubeginn erfolgte allerdings erst zur NS-Zeit (1939). Bis zum Abbruch der Arbeiten waren 4,2 Kilometer schiffbarer Kanal entstanden; an der Abzweigung von der Donau wurden die oben erwähnten Ölhafen und Raffinerie angelegt. Bei den Arbeiten für den Ölhafen und den Kanal während der NS-Zeit wurden Zwangsarbeiter (vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene und Juden) eingesetzt, die in ihrem Lager den Luftangriffen ohne Schutzvorrichtungen, die dem Wachpersonal vorbehalten waren, ausgeliefert waren

Außerdem wurde hier das Grundwasserwerk Lobau, das die Stadt Wien zusätzlich zu der I. und II. Wiener Hochquellenwasserleitung in Spitzenzeiten mit Trinkwasser versorgen kann, errichtet.

Die untere Lobau spielte während der Franzosenkriege eine bedeutende Rolle. Am 21. und 22. Mai 1809 war die Lobau Schauplatz der Schlacht bei Aspern. Um die österreichischen Truppen, die sich nördlich der Donau befanden, zu stellen, befahl Napoleon seiner Armee, die Donau im Bereich der Lobau von Kaiserebersdorf her zu übersetzen. Der Übergang seiner Armee über die nicht regulierte, Hochwasser führende Donau war eine sehr mühsame Operation, da mehrere breite Stromarme zu überqueren waren und keine Brücke bestand.

Die Schlacht bei Aspern war die erste, die Napoleon nicht gewann. Die Kampfhandlungen fanden nördlich der Lobau auf freiem Feld und teilweise auch in den Ortschaften (besonders in Aspern und in Essling) statt. Nach der Schlacht zog sich Napoleon mit seinen Truppen in die Lobau, die damals eine Insel zwischen den Donauarmen bildete, zurück und schlug hier für einige Wochen sein Hauptquartier auf. In der Nacht zum 5. Juli 1809 ließen die Franzosen mehrere Brücken errichten, über die Napoleon innerhalb weniger Stunden 150.000 Mann auf das linke Donauufer brachte, die österreichische Armee sofort angriff und in der Schlacht bei Wagram schlug. Daran erinnern die Napoleonstraße und Denkmäler, z. B. bei Napoleons Hauptquartier (bei der Panozzalacke), Napoleons Pulvermagazin, der Franzosenfriedhof, der Übergang der Franzosen (südlich von Groß-Enzersdorf) sowie der Asperner Löwe an die Schlacht bei Aspern. An der Rückseite des Rathauses in Paris erinnert die Rue de Lobau daran; der folgenden siegreichen Schlacht ist die auf den Triumphbogen zulaufende Avenue de Wagram gewidmet.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Lobau als Naherholungsgebiet beliebt. Man konnte mit der (1922 eröffneten und 1970 eingestellten) Straßenbahnlinie 317 anreisen und hier ausgedehnte Wanderungen unternehmen und Badetage verbringen, ohne auf viele Menschen zu stoßen. An Alt- Armen in der Lobau etablierte sich die Freikörperkultur, erlaubt oder nicht, in den 1920er Jahren mit ihren bis heute bestehenden Treffpunkten.

Nachdem die UNESCO die Lobau 1977 als schutzwürdiges Gebiet anerkannt hatte, wurde auch der niederösterreichische Anteil an der Lobau am 1. Oktober 1978 (laut Verordnung der Niederösterreichischen Landesregierung) Naturschutzgebiet. 1996 wurden die Lobau und die gesamten Donau-Auen östlich von Wien bis zur Staatsgrenze der Slowakei zum Nationalpark erklärt.

Vielleicht im Frühling werde ich mich aufmachen und den Naturlehrpfad Obere Lobau oder ein Stück des Weges Weitwanderweg Ostösterreichischer Grenzlandweg und die Europäischen Fernwanderwege E4 und E8 abgehen. Jetzt ist es mir zu kalt und neblig, außerdem wird’s zu früh finster.

„Drunt in der Lobau …“

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