Un-adventliche Gedanken im Lockdown

auch zur winterlichen Bekleidung

Es ist kalt geworden, naja schließlich ist Spätherbst. Auf meinem Balkon blühen die Schneerosen, das sind jene, die ich voriges Jahr geschenkt bekommen und nicht in der Wohnung gelassen, sondern am Balkon eingesetzt habe. Meine Babarazweigerl sind auch früh dran – heute, 4. Dezember: Barbara – stehen sie fürsorglich (Lockdown) schon in der Vase und zeigen die ersten grünen Spitzen der Blütenknospen. In Wien hat es zwar schon geschneit, aber der Schnee ist nicht liegengeblieben. Die weihnachtlichen Straßenbeleuchtungen sind alle montiert, die allermeisten davon wunderschön, die Geschäfte haben ihre Auslagen und ihre Portale weihnachtlich geschmückt, überall stehen prächtige Weihnachtsbäume – aber die Straßen sind fast leer – Lockdown ist. Die Punschstände sind zwar aufgestellt, aber die Läden geschlossen. Keine Menschen stehen dort – plaudern und trinken karitativen Punsch. Die Christkindl – und Weihnachtsmärkte sind geschlossen. Gestern bin ich durch den beleuchteten Rathauspark gegangen, sonst ein vorweihnachtlicher Hotspot samt Herzerlbaum (es ist die große Platane) und habe kaum Leute angetroffen. Er ist schon ein wenig traurig, dieser Lockdown-Advent.

Ja, heute werden wieder überall viele Menschen auf der Straße sein (27! Demonstrationen sind angemeldet), das heißt, dass auch viele Polizisten sie begleiten werden – aber diese Menschen wollen ihren Unmut über Corona- und sonstige Maßnahmen der Regierenden Luft machen.

Und wenn es kalt ist, muss man sich warm anziehen. Ich muss es gestehen. Ich besitze Pelzmäntel – und getraue mich nicht, sie anzuziehen.

Und das kam so. Meine Mutter schenkte mir einen schwarzen Persianermantel. Sie fand, eine verheiratete Frau mit zwei (damals kleinen) Kindern – nämlich ich – müsse so ein Kleidungsstück besitzen. Ich glaube, dass sie ihn selbst gern gehabt hätte, aber in ihrer bescheidenen Art angenommen hat, „er stände ihr nicht zu“. Ich fand, dass ich in dem guten Stück ziemlich alt aussah (ich war damals so Mitte dreißig), trug ihn aber nur „zum Ausgehen“.  Meinem Mann gefiel er auch nicht (wahrscheinlich schon allein deshalb, weil ihn mir meine Mutter mir geschenkt hatte, die beiden vertrugen sich nicht gar so prächtig). Der schwarze Breitschwanzpersianer hing herum, als meine Mutter gestorben war, schenkte ich ihn meiner Schwiegertochter, was sie damit tat, hinterfragte ich nicht.

Zu meinem 60. Geburtstag schenkte mir mein Mann einen Nerzmantel. Wir suchten ihn gemeinsam aus.  Ich hätte gerne einen feschen modischen gehabt, mein Mann wollte einen traditionellen, braunen, „zeitlos“, nannte man das damals. Die Mutter einer meiner Freudinnen hat einmal gesagt, dass jede Frau einen Nerzmantel und Goiserer – genagelte hohe Bergschuhe – besitzen sollte, denn wenn man fliehen muss (und das war in deren Generation häufig), wären diese Objekte unerlässlich.   Naja, der Nerzmantel war wirklich warm – leider auch sehr schwer.  Ich trug ihn wiederum nur zum Ausgehen, wenn es sehr kalt war. Also ziemlich selten.

Einmal zu Weihnachten wir waren bei meiner Tochter am Heiligen Abend eingeladen, da trug ich das gute Stück. Wir fuhren mit dem Auto und ich wurde ziemlich wütend, weil dieser Mantel – der sehr lang war – mich fast hinderte, zu den Pedalen zu kommen (mein Mann war schon behindert und es lag an mir, das Auto zu fahren). Das nahm ich zum Anlass, dieses „Trumm“ endlich modernisieren zu lassen. Gesagt getan, der geänderte Nerz war nun wirklich hübsch, aber die Zeit war schon so, dass man eigentlich keine Pelzmäntel tragen konnte, ohne Gefahr zu laufen, von Tierschützern besprüht zu werden. Diese aggressive Situation änderte sich, aber inzwischen war das Klima wärmer geworden und Tage, an denen es kalt war und ich ausgehen wollte, wurden rarer. Und ich trug den Mantel äußerst selten.

Aber dann überkam es mich und ich wollte – warum weiß ich nicht mehr – eine graue Pelzjacke. Meine Haare waren inzwischen grau geworden und braun passte mir nicht mehr besonders gut.  Außerdem – bei meinem damaligen Lebensstil – wäre eine (Pelz)-jacke sinnvoller (Autofahren) und leichter als ein Mantel. Daraus wurde eine wirklich schicke graue Nerzjacke – mit einer Kapuze, weil ich ja Hauben nicht leiden kann.

Inzwischen bin ich verwitwet, meine Haare sind weiß geworden, ich habe mein Auto aufgegeben, die wirklich winterlichen Temperaturen sind selten geworden. Ich habe diese Pelzjacke so selten getragen, dass man die Anlässe an einer Hand abzählen kann. Nur umgeräumt – und eingemottet – werden diese pelzigen Dinger jedes Jahr.

Und ich getraue mich diesen Mantel und diese Jacke nicht mehr anzuziehen. Irgendwie passt es nicht mehr in die Zeit – und zu mir. Ich trage so ein daunengefüttertes Ungetüm (das ich meine Tuchent nenne), wenn es wirklich kalt ist. Es ist weder schick noch elegant – aber warm.

Weder die Kinder noch die Enkelinnen wollen den Pelzmantel, noch die Pelzjacke. 

Ich überlege, mich zu überwinden, und sie doch zu tragen! Ich weiß nicht,  im Lockdown ist es doch egal, oder?

Un-adventliche Gedanken im Lockdown

6 Gedanken zu “Un-adventliche Gedanken im Lockdown

  1. Wenn die guten Stücke bei Ihnen im Schrank hängen, ist Ihnen nicht geholfen und den Pelzen auch nicht. Wenn Sie Lust drauf haben, undn Sie sich damit wohlfühlen – ziehen sie die Jacke oder den Mantel an. Vor Ihrer Haustür wird schon niemand mit einer Spraydose stehen und auf Sie warten.

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  2. Elena schreibt:

    Ich würde die guten Stücke verkaufen. Und den Erlös für eine gute Sache spenden – spontan fällt mir etwa „Ärzte ohne Grenzen“ ein; oder eine Umwelt-Organisation..

    LG Elena

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      1. Es gibt hier in der Umgebung einen Pelzankauf. Das hilft Ihnen zwar nicht weiter, aber vielleicht finden Sie sowas über das Internet. Was die damit machen, weiß ich nicht, vielleicht wird das ins Ausland weiterverkauft.

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