Das Experiment – fortgeführt

29. Dezember 2021

Es tun sich viele Fragen auf – auch im Zusammenhang mit dem Tod. Man schweigt zwar – den anderen Kursteilnehmern gegenüber (Ausnahme bei mir: meine Tochter, die mich bei allem, was diesen Aufenthalt betrifft, unterstützt) aber es gibt „geistliche Unterstützung“, ein tägliches Gespräch mit einem Mönch aus dem Kloster. (Was ich hier wiedergebe, ist, was ich gehört zu haben glaube, nicht notwendigerweise das, was gesagt wurde, Fehler sind ausschließlich meine!)

In diesen täglichen Gesprächen wird manches klarer. Z. B. wie kann man sich auf den Tod vorbereiten?   Wohl am besten, wenn man jeden Tag bis dahin genießt, aber am Schluss dann auch loslassen kann. „Genießen“ bedeutet erwartungsvoll in jeden Tag hineingehen, auch Schönes entdecken. „Loslassen“ bedeutet einen Leib zurücklassen, der möglicherweise Schmerzen bereitet, der nicht mehr so funktioniert, wie man das gerne möchte, der aber auch ein Leben lang ernährt werden, bekleidet werden, behaust werden, gepflegt werden musste. Vielleicht sogar mit viel Aufwand „verschönert“, verbessert werden musste.

Im Tod wird man von den Sorgen den Leib betreffend befreit. Man ist frei, man ist endlich „man selbst“. Und man ist gerne dort, in der Zeit- und Raumlosigkeit.  Und die Hinterbliebenen sollten nicht versuchen, die Hinübergegangenen zurückzuholen. Da gibt es eine Stelle im Alten Testament, wo genau das beschrieben wird: Saul bei der Frau in En-Dor, darin sagt der angerufene Tote, nämlich Samuel, zu Saul: „Warum hast Du mich aufgestört und mich heraufsteigen lassen?“  

Man sollte versuchen, Ungelöstes vor dem Tod aufzulösen, Frieden mit sich selbst und mit anderen zu machen, das kann ganz schön schwierig sein, vor allem sich selbst zu verzeihen. Es bleibt aber dann kein Ballast mehr übrig. Aber diese „Auflösung“ bedeutet, die Situation von allen Seiten zu beleuchten, Alternativen zu Ende denken, bevor wir zu der ersehnten „Lösung“ kommen können.

Und man sollte es den Hinterbliebenen nicht zu schwer machen, und möglichst jährlich eine aktualisierte Namensliste mit Adressen zu hinterlassen, mit jenen, die eine Parte bekommen sollen. Und die Hinterbliebenen sollten auf der Parte nicht von dem „Toten“ reden, sondern von seiner/ihrer leiblichen Hülle, die begraben wird. Das entspricht eher den Tatsachen.

Und wir haben auch von der Furcht – vor Gott – dem Richter – gesprochen. Vielleicht sollte es viel eher Ehrfurcht heißen. Aber Übersetzungen aus dem Hebräischen, das viel mehr „Nuancen“ hat, oft über das Griechische, können nicht jeden Aspekt eines Wortes wiedergeben.  Das müssen wir wohl schon selbst tun. Es kommt ja immer wieder in den Heiligen Texten vor: „Fürchtet Euch nicht“.

Überhaupt war die Rede von doppeldeutigen Wörtern, die aber nicht ein entweder – oder darstellen, sondern eher ein sowohl – als auch.

Wir sprachen auch von dem wiederum nicht mehr im täglichen Sprachgebrauch verwendeten Wort Huld. Eine sehr bedeutsame Seite Gottes, denn sie „verlangt“ keine Gegenseitigkeit. Liebe kommt bedingungslos von Gott, es liegt an uns, ob wir sie erwidern.

Dass es kein „muss“, sondern ein soll gibt, darüber muss ich noch nachdenken.  Es gibt überhaupt viel zum Nachdenken. Allein aufgrund der fünfmaligen Gebetseinheiten: Laudes um 6:30, Messe um 7:15, Mittagsgebet um 12 Uhr, lat. Vesper um 18 Uhr und 19:15 Komplet – hört und liest man viele Texte, aus denen Anregungen kommen, über die man nachdenken will. Man hört auch viele Worte, die nicht mehr so vertraut sind, über die man stolpert und deren Bedeutung man nicht immer gleich erfasst. Mir gefällt jetzt schon diese Struktur des Tages, man hat auch viel Freizeit dazwischen. Das frühe Aufstehen bleibt dennoch hart für mich.

Die Gegend ist wunderschön, jetzt sind die Wege auch nicht mehr eisig, der Schnee ist über Nacht verschwunden, auf den gepflegten Wiesen des Klosters sieht man die sprießenden Gänseblümchen. Heute regnet es zwischendurch immer wieder ein wenig, aber es ist heller, man meint wenigstens, das Länger-Werden des Tages befriedigt zu bemerken.

Ich werde mich jetzt – wie angeregt, dem 1. Brief des Johannes zuwenden, und zwar dem Kapitel Gemeinschaft mit Gott in der Liebe.

Das Experiment – fortgeführt

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