Ich bin dankbar!

Gedanken am Silvestertag 2021 – in Göttweig

Jetzt einmal für die Tage, die ich hier in Göttweig habe erleben dürfen. Es war schön. Es war eine Summe aus vielen, auch kleinen Momenten: z.B. die aufgehende Sonne hat die umgebenden Hügel beschienen und in strahlenden Herbsttönen leuchten lassen; eine Schar fröhlicher Vögel, die im Wald herumgeflattert sind; die Gesteinsformationen des Dunkelsteiner Waldes, den wir – dank meiner Tochter – langsam und vorsichtig durchwandert haben. Die höchst unterschiedlichen Wälder, z.T. bestehend aus Nadelbäumen, aber auch Eichen, einzelne Plätze haben mich an den Berg Tabor erinnert.  Beim Ankommen die tief-winterliche Landschaft, die jetzt aufgrund des Föhns fast frühlingshaft wirkt, durch die sprießenden Gänseblümchen.  Der Weg vom tiefer gelegenen Exerzitienhaus hinauf zu der prächtigen Fassade der Kirche, während des wohltönenden Glockengeläuts. Die harmonische Anlage des gesamten Komplexes Göttweig, und dennoch Festungscharakter.

Ich bin dankbar für diese Woche, gemeinsam mit meiner Tochter, es war, was man heute so eine Qualitätszeit nennt. So viel miteinander geredet haben wir schon lange nicht. Ich bin auch dankbar für die Texte, die ich gelesen habe, angeregt durch die gesungenen Texte, bei den Zusammenkommen in der Kirche, der Krypta, und in der Kapelle hier im Haus. Es waren viele Psalmentext dabei – die Fragen aufgeworfen haben, für die ich dann in der Bibel Antworten gefunden habe. Ich wusste z.B. nicht, wer Hanaja, Asarja und Mischael waren. Vielleicht werden Sie jetzt sagen – na und, muss man das denn wissen? Es waren drei Geiseln, die wie der berühmtere Daniel, Sie wissen schon, der u. A. von der Löwengrube am Hof Nebukadnezars leben mussgen. Geiseln wurden gut behandelt, und diese erhielten ihre Mahlzeiten und den Wein vom Tisch des Königs. Aber Daniel wollte diese Speisen nicht essen, da sie für Juden unrein – also nicht koscher waren. Der an sich recht freundliche Oberkämmerer sorgte sich, dass Geiseln, die nur Gemüse äßen, schlecht aussehen würden, im Vergleich mit den anderen jungen Leuten, die die Speisen vom Tisch des Königs äßen. Und das könnte e nicht riskieren, denn dann würde der Oberkämmerer bestraft werden. Der schlaue Daniel schlug vor, der Kämmerer solle diese Kost (nur Gemüse) doch bei den Knechten ausprobieren. Dann könne er sich selbst ein Urteil bilden. Den „Test-Knechten“ ging es nach 10 Tagen besser als den anderen. Daher wurde Daniels Wunsch nach vegetarischer Ernährung gewährt.

Aber genug der „Mäanderei“ (so hat mein verstorbener Mann immer Abweichungen vom eigentlichen Thema genannt): dankbar bin ich meinem Begleiter hier, für seine klugen Worte und hilfreichen Aussagen. Leider war die Zeit für die vielen Fragen immer wieder zu kurz. Dankbar bin ich auch dafür, dass ich nach Jahrzehnten wieder einmal gebeichtet habe, denn ich bin von einer Last befreit! (Wobei ich teilweise recht falsche Vorstellungen von der Schwere meiner Sünden hatte).

Das Schweigen an sich hat mich nicht so begeistert, wohl weil ich meist allein lebe und ohnedies weitgehend schweige, bzw. mit mir selber rede. Außerdem habe ich erwartet, dass ich auch fasten würde, aber das geschieht nur in der vorösterlichen Zeit – und nicht nach Weihnachten – hätte mir aber gutgetan. Ich hätte gerne meine Kursteilnehmer kennengelernt.

Und jetzt muss ich noch von einem hier etwas unzulässigen Exkurs berichten. Ich habe Nachrichten am Bildschirm gelesen. Dankbar bin ich, dass Südafrika berichtet, dass die Pandemie (also verursacht von der Omikron Variante) sich „zurückzieht“, aber viel besser gefallen hat mir die Nachricht, dass auf dem Berg Karkom in der Wüste Sinai ein „brennender Dornbusch“ gesichtet wurde. 2003 wurde das Phänomen entdeckt: um die Wintersonnenwende, zu Mittag, wenn die Sonne aufgrund der Jahreszeit   niedrig steht, kann man jenseits einer Schlucht eine seltsame Licht-Aura entdecken, flackernde Flammen – mitten auf dem Wüstenboden. Es ist ein Rand einer Höhle, auf den – in einem besonderen Winkel ein Lichtstrahl fällt. Aber aufgrund der Verbreitung über die Medien, wurde es bald zum „brennenden Dornbusch“ von Moses. In der Umgebung, und schon viel früher gefunden, gibt es viele Felszeichnung. Es wird davon ausgegangen, dass diese Höhle an einem uralten Migrationsweg liegt. Es gibt in der Nähe dort sogar einen Altar, von dem manche nun meinen, dass er von Moses selbst gebaut worden ist. Andere kritische Forscher meinen, dass sich das zeitlich nicht ausgehen könne.

Es gibt noch vieles hier im Stift Göttweig,  das ich aufzählen könnte, wofür ich dankbar bin. Aber ich gehe davon aus, dass Sie vielleicht am Silvesterabend etwas anderes zu tun haben, als meine G’schicht‘ln zu lesen.

Ich wünsche Ihnen allen einen guten Rutsch und ein gutes, gesundes 2022!

Ich bin dankbar!

2 Gedanken zu “Ich bin dankbar!

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