Gedanken zum Stephanitag

eine Wiederveröffenlichung

Am 26. Dezember gedenken wir des Heiligen Stepahnus – Erzmärtyrer.

Zum Heiligen Stephanus haben wir Wiener eine ganz besondere Beziehung – steht ja der Stephansdom inmitten von Wien.  Die Anfänge des Doms gehen auf das Jahr 1137 zurück. Es sollte dem Bischof ermöglicht werden, außerhalb der damaligen Stadt eine Kirche zu bauen, die dem heiligen Stephanus geweiht sein sollte, dem Patron der Bischofskirche von Passau.

Selbst in Jerusalem, noch zur Zeit der Apostel, war man sich nicht immer einig. Man galt zwar als jüdische Sekte, aber innerhalb derer gab es aramäische Juden und griechische Juden.  Und es gab auch viele Arme – d.h. meist Witwen und Waisen zu betreuen. Damit befürchteten die Apostel, dass sie deshalb ihre Aufgaben in Lehre und Predigt vernachlässigen müssten. Die versammelte Gemeinde wählte darum sieben Diakone, Männer „von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“, die sich auch um die bisher übergangenen Witwen der griechisch sprechenden Judenchristen kümmern sollten. Einer dieser sieben Diakone -der erstgenannte –  war Stephanus, beschrieben als „voll Kraft und Gnade“. Wahrscheinlich entspricht seine Funktion der des jetzigen Caritas Präsidenten. Wie aus seinem griechischen Namen („Kranz“, „Krone“) zu schließen ist, gehörte Stephanus selbst zu den Juden, deren Familien meist lange außerhalb des Heiligen Landes, also im Bereich griechischer Sprache und Kultur, gelebt hatten. Als Diakon wirkte er in Jerusalem als Armenpfleger und Evangelist.

Stephanus wird als gelehrter Mann dargestellt, der die Tradition und Geschichte Israels kannte und sich in der Linie der Männer sah, die den Willen Gottes verkündigten, aber gerade deswegen vom Volk verachtet wurden. So wird Stephanus wie ein Bußprediger dargestellt, der den Anklägern mit Hilfe der Geschichte Israels und der Ablehnung ihrer Propheten vor Augen führte, dass sie selbst auf der Anklagebank saßen und wie ihre Väter den Fehler begingen, Jesus Christus zu verwerfen.

Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den hellenistischen Juden in Jerusalem in Konflikt. Sie brachten ihn unter dem Vorwurf der Reden wider die heiligen Stätten und das Gesetz mit falschen Zeugen vor den Hohen Rat. Er durfte seine Verteidigungsrede, in der er seinen christlichen Glauben bekannte und den Vorwurf des Prophetenmordes und der Nichtbeachtung der durch Mose überbrachten Gebote erhob, nicht zu Ende führen. Die Richter sahen sein Antlitz wie das eines Engels strahlen, hielten sich aber die Ohren zu ob seiner flammenden Verteidigungsrede, mit der er sein Bekenntnis ablegte. Hatte somit Stephanus schon vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündet?

Stephanus wurde bei Abbruch seiner Rede die Vision zuteil, wie Jesus zur Rechten Gottes steht; als er dies mitteilte, wurde er als Gotteslästerer empört umringt und von der aufgebrachten Menge vor den Stadttoren – nach der Überlieferung beim Damaskus-Tor – gesteinigt. Er sah den Himmel offen und die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen, kniete nieder im Gebet, vergab seinen Peinigern und starb. Stephanus ist der erste, von dem überliefert wird, dass er wegen seines Bekenntnisses zu Jesus Christus getötet wurde. Damit gilt er als der erste Märtyrer oder auch Erzmärtyrer. Im Bericht von seiner Hinrichtung heißt es: „Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß, Saulus von Tarsus aber war mit dem Mord einverstanden.“ Die Steinigung des Stephanus war der Auftakt zu einer Christenverfolgung in Jerusalem, an der sich Saulus, der spätere Apostel Paulus, besonders eifrig beteiligte.

Der Stephanus-Tag wurde schon seit der Einführung des Weihnachtsfestes als Fest am Tag nach dem Fest der Geburt Jesu begangen, wodurch die Freude über die Geburt und die Trauer über die Bedrohtheit des Lebens ganz nahe zusammen gesehen werden.

Am Stephanus-Tag wurde in manchen Kirchen ein Kelch mit Rotwein, in dem ein Stein versenkt war, gesegnet; der Rotwein erinnerte an das vergossene Blut, der Stein an die Art des Martyriums; dieser gesegnete Wein wurde dann bei vielen Krankheiten als Heilmittel verwendet, er trägt die weinrechtlich offizielle Bezeichnung Stefaniwein oder Stefanilese. An Arme wurde am Stephanstag Brot ausgeteilt, womit die ursprüngliche Tätigkeit der Diakone nachvollzogen wurde.

In der ostkirchlichen und römisch-katholischen Ikonographie wird Stephanus als Diakon dargestellt, oft gemeinsam mit Laurentius und Vincentius. In einer Hand hält er eine Märtyrerpalme, in der anderen Steine. Gelegentlich liegen diese auch auf einem Evangelienbuch, das er hält, oder neben ihm.

Heute werden Katholiken dazu aufgerufen, den Tag als Fürbitte Tag für verfolgte Christen zu begehen, aber auch Evangelische Kirchen begehen an diesem Tag den Gebetstag für verfolgte Christen.

Aber nicht nur der Stephansdom in Wien ist diesem Heiligen geweiht. In Rom gibt es die Basilica di Santo Stefano Rotondo al Celio, sie wurde zwischen 468 und 483 geweiht. Mitte des 5. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der Kirche zu Ehren des hl. Stephanus begonnen, wahrscheinlich veranlasst durch die schnelle Ausbreitung des Kults für diesen ersten christlichen Märtyrer, dessen Reliquien 415 in Jerusalem aufgefunden worden sein sollen. Einerseits hast mich die Architektur dieses Gebäudes besonders beeindruckt: es ist ein in ursprünglich drei konzentrischen Kreisen errichteter Bau. An den Wänden sind Märtyrer in ihrem Martyrium dargestellt, 32 an der Zahl, und diese Methoden lassen wieder an die Foltervorgänge des 21. Jahrhunderts denken.

So vieles hat sich über die Jahrhunderte verändert – aber so vieles ist auch gleichgeblieben.

Gedanken zum Stephanitag

Mein Heiliger Abend – 2021

sehr abwechslungsreich

Ich hatte es wieder einmal nicht geschafft, alles Erforderliche und wahrscheinlich Unnotwendige rechtzeitig zu erledigen. Vier Dinge hatte ich noch zu tun: die Bank – und das mir nächst gelegenem Foyer war unzugänglich, da gerade Geld nachgefüllt wurde – als musste ich ein anderes, wesentlich weiter weg liegendes aufsuchen. Den Weihnachtsstollen bekam ich anstandslos, aber die für die Pumpernickel war ich in drei Geschäften, ohne sie auftreiben zu können. Also musste ich ein anderes Brot nehmen, das nicht aufgrund des Hering-Belages sofort gatschig werden würde. Zuletzt fand ich noch den gewünschten Eicreme-Aufstrich. Als ich durch die Kärntnerstraße heimhetzte, lief mir fast eine dicke fette Ratte über den Weg. Das empörte mich!

Als nächstes bereitete ich für den traditionellen Besuch meiner Nicht und meines Neffen vor. Die beiden kommen jedes Jahr am 24. Dezember um 11 Uhr auf „ein Glas Sekt und (Hering-Brötchen)“. (Ich hatte vorher nicht einmal Zeit gehabt, meinen morgendlichen Kaffee zu trinken). Den rechtzeitig gepackten schweren Sack, der zu meiner Tochter gebracht werden musste, hatte zum Glück schon mein Enkel mitgenommen.

Kaum hatten meine Gäste das Haus verlassen, fuhr ich zum Treffpunkt mit meiner Tochter. Geschirr etc. hatte ich einfach stehen gelassen. Wir fuhren gemeinsam nach Pernitz, das war dann gemütlich, wir konnten über Anstehendes reden, einiges planen, und sogar noch ein wenig plaudern. Unser Ziel in Pernitz war der Wolfskogel, wo wir eine weitere Enkelin und deren Tochter (eine weitere Urenkelin von mir) antrafen.

Meine Enkelin, ihr Mann und weitere Bewohner des Wolfskogels hatten ein Krippenspiel für Kinder statt der Weihnachts-Mette am Nachmittag vorbereitet. Und – da ja schließlich Corona-Zeit herrscht, fand die Veranstaltung im Freien neben der Kirche statt. Obwohl es leicht nieselte, aber ziemlich warm war, waren viele Menschen – mit ihren Kindern – gekommen. Darunter waren auch liebe alte Freunde, aus der Zeit. als wir jedes Wochenende, alle Ferien in Pernitz verbracht hatten, teilweise sogar mit diesen Freunden. Die andere Großmutter meiner Urenkelin war ebenfalls mit ihrer Tochter zu dem Ereignis angereist, und daher konnten die Eltern unbesorgt ihre Rollen spielen: Josef und Maria ,,Herberg-suchend“.

Die Veranstaltung war vom Pastoralassistenten der Pfarre liebevoll vorbereitet worden und die Kinder der Jungschar konnten mitwirken. Es wurde Musik gemacht, es wurde gesungen, sogar die Heiligen Drei Könige waren angetreten. Josef und Maria kamen aus „ihrer Zeit“, waren aber bei ihrer Herberg-Suche konfrontiert mit den Erfordernissen der Gegenwart – Pässen, Kreditkarten, 2-G-Nachweis, Masken, etc. Sie waren total verwirrt, und da sie nur über ein paar Silbermünzen verfügten, wurden sie weder in der Herberge/Hotel, noch in der Kirche, aber auch nicht im Spital zugelassen. Sie mussten sich in einen Stall zurückziehen, wo Maria endlich einen Platz fand, um ihr Kind zu gebären.

Die Aufführung war dann durchaus erfolgreich, meine Enkelin als Maria (in einem alten Dufflecoat, den mein Mann in seinen Jugendtagen erstanden hatte, um seinem Bild, wie ein „rasender Reporter“ auszusehen, nahe zu kommen), die ja derzeit selbst schon recht sichtbar schwanger ist und ihr Mann als Josef, waren sehr glaubwürdig. Meine Urenkelin wurde von einer der Großmütter betreut, die andere Großmutter konnte daher die Aufführung filmen.

Für meine Tochter und mich ging’s jetzt wieder zurück nach Wien, ich gebe zu, im Auto ein wenig geschlafen zu haben, nach all den Aufregungen dieses Tages.

In der Wohnung meiner Tochter war schon ein Christbaum vorbereitet und unser Nachtmahl hatte seit der Mittagszeit langsam gebrutzelt. Wir trafen meinen Enkel an, der auch mein Mitbewohner ist und damit beschäftigt war, die traditionellen Maraschino-Kugeln herzustellen (Maraschino ist ein Kirschlikör, der aus Maraska-Kirschen hergestellt wird, einer ursprünglich dalmatinischen, intensiv schmeckenden Sauerkirschsorte). Schon stand auch ein großer Teller mit Vanillekipferln bereit, auf die wir uns alle schon sehr freuten, zum Dessert dann halt.

Die Kerzen auf dem kleinen Christbaumwurden angezündet, keine Sprühkerzen, die gibt’s nur, wenn Kinder dabei sind. Das Weihnachtsevangelium wurde gelesen, das Lieblingsweihnachtslied meiner Tochter (eher schlecht als recht) gesungen. Meine Tochter las eine ihrer „alten“ Weihnachtsgeschichte -und ihre heurige.  Ich war wie immer sehr berührt, wenn sie nicht schon so viel arbeiten würde, wäre sie wahrscheinlich eine hervorragende Autorin. Meine Geschichten sind dagegen recht schlicht – weil meist auch zeitbezogen.

Aber schon war es Zeit für die Mette geworden. Also ich fuhr lieber nach Hause, ich hätte in der Mette wohl geschlafen, so müde war ich. Aber es war ein wunderbarer Heiliger Abend gewesen.

Mein Heiliger Abend – 2021

Am 23. Dezember – nur mehr einmal schlafen

Geschichten aus meiner Kindheit – für meine Urenkelinnen, zum Verkürzen des Wartens auf das Christkind.

Mein Weihnachten heuer findet „zizerlweise“ statt. Ich treffe meine Familienmitglieder „in Kleinstgruppen“, coronabedingt.  

Am 23. war ich bei einer meiner Enkeltöchter eingeladen, um – eigentlich die Vorfreude auf Weihnachten meiner zwei Urenkelinnen zu erleben. Der Vater war mit seinen beiden Töchtern im Wald gewesen, um Rinde für das Haus der Krippe und Moss für deren Ausstattung zu sammeln. Man sollte annehmen, dass die Beiden etwas müde wären, weit gefehlt. Bebend vor Energie, versuchten sie dem Vater beim Bau dieser Hütte zu helfen, sie konnten aber bei diesen Tätigkeiten keine Minute stillsitzen.

Vorgesehen war, dass ich den Kindern von „meinen“ Weihachten erzählen solle, die ich in dem Alter in dem sie jetzt sind, erlebt habe. Als ich vier Jahre alt war, schien mir die Welt fast noch in Ordnung. Das war 1939, obwohl – einer meiner Großväter war nicht dabei sein (großmächtig dachte ich nicht darüber nach), aber mit seinem Judenstern ging er gar nicht so gerne aus dem Haus, obwohl wir in derselben Gasse wohnten. Auch meine Taufpatin, meine Tante Maria war nicht dabei, denn die befand sich in England, dort hatte sie als „Deutschlehrerin“ für die Kinder bei einer Familie angeheuert. Was wir aber nicht wussten, war, dass sie als aus einem „befeindeten Land“ kommend, interniert worden war. Briefe dauerten halt lang, wurden zensuriert. Mich störte (!) damals, dass ich zwar viele Geschenke erhalten hatte, aber drei davon Buntstiftschachteln waren, so viele brauchte nun doch gar nicht.  

Ich muss leider zugeben, dass ich mich mehr an Geschenke erinnere, als an Feiern. Und dass es mir sehr wichtig war, etwas zu bekommen, das ich „ausführen“ konnte. Da war einmal eine Notenmappe – schwarz, ohne Henkel, die ich am Christtag trotz klirrender Kälte stolz mit mir herumtrug. Auch über Kleider freute ich mich und das waren ohnedies die meisten Geschenke.  

Die zweiten Weinachten, an die ich mich gut erinnere, waren jene im Jahr 1944, da war ich 9 Jahr alt, wir verbrachten sie – aus Wien sicherheitshalber entfernt, im Mühlviertel, in Oberösterreich. Dort, in Pregarten, hatten wir nur ein Zimmer, das als Schlaf-, Wohn-, Badezimmer und Küche dienen musste. Da konnte der Christbaum nicht versteckt aufgeputzt werden (womit eigentlich?), da tönte kein Glöcklein, um mich auf den erleuchteten Christbaum blicken lassen. Ja, es gab einen Christbaum, wir hatten ihn selbst aus dem Wald geholt, an Schmuck kann ich mich nicht erinnern, Kerzen waren wohl drauf, aber wohl nicht viele. Darunter lag ein Paket – es war eine Ledertasche, braun, zum Umhängen. Meine Mutter hatte wohl durch Eintauschen irgendein Stück Leder ergattert, und der Sattler hatte diese Tasche daraus gefertigt. Die Tasche war wirklich nicht schön – aber das Einzige, das man mir schenken konnte, und ich undankbarerer Fratz war aber nicht dankbar, denn ich brauchte keine Tasche … Schön war es aber dann, durch die verschneite Gegend in die Kirche zu gehen, wir – wie viele andere, hate eine Laterne mit (war zwar verboten – Verdunkelungsgebot) aber dennoch sah man rundumviele Laternen von Leuten die zur Mette gingen.

Und meine Urenkelinnen wollten wissen, warum wir im Mühlviertel waren, und da konnte ich nicht umhin, ihnen „vom Krieg“ zu erzählen.  Von den Bomben, von den Tieffliegern, von dem zuerst nur fernen Kanonendonner. Und dass man in den Keller gehen musste, sobald vor Fliegeralarm gewarnt wurde. Und die Vorwarnung war der Kuckucksruf im Radio gewesen – Bombengeschwader im Anflug auf … (Und Linz, 20 km südlich von uns, wurde sehr häufig angeflogen und bombardiert).

Und die kleinere der beiden Enkeltöchter, jetzt 4 war von dem Kuckucksruf – den sie „aus dem Wald ja kennt“ so begeistert, dass ich die Geschichte mit dem Kuckucksruf und dem Gehen in den Keller immer wieder erzählen musste. Ich erzählte auch, dass es Bombenangriffe auch in der Nacht gegeben hatte, und deshalb musste man seine Kleider für den nächsten Tag so herrichten, dass man sie „blind“ , also in der Finsternis, finden konnte. Denn es herrschte ja Verdunkelungsgebot (Erklärungsnotstand) und wenn dann der Strom ausfiel, musste man sich im Dunkeln für den Keller anziehen – und dort war es kalt und feucht und oft auch finster. Man benötigte Kerzen oder Petroleumlampen (neuerlicher Erklärungsnotstand) und auch das Köfferchen mit dem Nötigsten (damals für ein kleines Mädchen wohl die Lieblingspuppe und das Lieblingsstofftier – kleiner Foxl) enthaltend.

Und meine Enkeltochter ergänzte noch, dass sie ihren Opa (meinen Mann) auch immer gebeten hatte, „vom Krieg“ zu erzählen. Aus der Zeit stammt ihr Wissen, dass ihrem Großvater von seiner Mutter im Keller immer ein Topf aufgesetzt wurde. Das warum konnte beantwortet werden: falls in naher Umgebung Bomben fielen, wackelte es gewaltig und oft fielen Brocken des Putzes von der Decke.

Das alles klingt für meine Urenkelinnen „wie ein Märchen“, Gott sei Dank!, unvorstellbar. Ich wünsche mir sehr, dass es so bleibt.

Am 23. Dezember – nur mehr einmal schlafen

Weihnachten 2021

Chiara liegt im Spital, ja sogar auf der Intensivstation. Sie ist gerade 9 Jahre alt geworden. Jetzt hat sie „Corona“, eigentlich war sie mit Krebsverdacht ins Spital gekommen, aber dort hatte man vorerst eben Corona diagnostiziert, die eventuell Krebsbehandlung muss nun warten. Ihre Eltern und ihre Geschwister, ein älterer Bruder und eine jüngere Schwester, sowie auch beide Großeltern sind jetzt in Quarantäne. Es kann sie niemand aus der Familie besuchen kommen.

Sie geht so gerne in die Schule, dort sind jetzt ihre Freundinnen – kein Home-Schooling – und sie kann nicht dabei sein. (Natürlich sind ihre Freundinnen auch nicht in der Schule, denn die ganze Klasse musste in Quarantäne, aber das weiß Chiara nicht). Sie hört überhaupt nichts „von draußen“.

Chiara erinnert sich:  sie war – zusammen mit ihren Geschwistern – von ihren Eltern auf die Anti-Corona-Maßnahmen-Demonstrationen mitgenommen worden. Sie hat das sehr lustig gefunden. Da waren die Trommeln und die Tröten, das waren Fahnen und Tafeln mit unterschiedlichen Aufschriften, man hat gemeinsam gesungen, die Bundeshymne hat Chiara sogar mitsingen können, da sie den Text kennt. Mit der Straßenbahn war die Familie zu den Demos gefahren. Da musste man noch eine Maske tragen, aber für die Demo selbst, da hatten sie alle heruntergenommen.

Die Eltern hatten den Kindern erklärt, dass man für „Freiheit“ demonstriere, gegen die „böse Regierung“, die den Menschen vorschreiben wolle, was sie zu tun hätten. Und die Regierung wolle die Menschen verpflichten, sich impfen zu lassen, da man doch nicht wisse, was der Impfstoff enthalte und welche Auswirkungen er längerfristig haben werde. Die Polizei hat den Demonstrationszug über den Ring begleitet, war aber sehr freundlich gewesen. Jedenfalls en aufregender Tag für Chiara und ihre Geschwister.

Ganz haben Chiara und ihre Geschwister die Ziele der Eltern bei der Demonstration  nicht verstanden, sie wussten nur, dass sie in der Schule regelmäßig getestet wurden – sie mussten gurgeln – und sie wussten dann, dass sie nicht Corona-Infiziert waren, bis es sich dann bei Chiara herausgestellt hatte, dass sie „positiv“ wäre. Ganz verstand sie den Begriff auch wiederum nicht, denn positiv – bei den Noten – bedeutete doch, dass alles in Ordnung wäre.

Warum ich, fragt sie nun, warum gerade jetzt, wo sie sich doch schon sosehr auf das Christkind gefreut hat. Niemand hat Zeit, ihr auf diese Fragen Antworten zu geben!

Chiara ist auch traurig, dass sie jetzt nicht wissen würde, wann das Christkind käme. Im Spital, hier auf der Intensivstation läuft jeder Tag gleich ab. Es gibt keinen Sonntag, keinen Feiertag. Bekannt wird nur, dass jemand die Station verlassen habe, ob diese Menschen auf eine Normalstation gekommen oder gestorben waren, ist für Chiara schwer zu erkennen. Sie überlegt immer wieder: was wird mit mir geschehen? Werde ich auch sterben – und was heißt das eigentlich? Bisher hatte Chiara noch niemand aus ihrer Familie sterben sehen. 

Wenn nur irgendjemand Zeit fände, mit ihr zu reden. Dann könnte sie ihre Fragen stellen. Aber sowohl die Ärzte als auch die Schwestern – deren Gesichter man kaum in diesen „Raumanzügen“ erkennen kann, sind so erschöpft, dass Chiara sich nicht getraut, sie diesbezüglich anzusprechen. Und auch die sonst recht freundlichen Putzfrauen, stehen nicht zur Verfügung, da sie versuchen, so schnell wie möglich aus diesem Raum – Intensivstation – hinauszukommen.

Und müde ist sie auch immer, die arme Chiara, und das Atmen fällt ihr so schwer. Das Mädchen kann dem Christkind auch keinen Brief schreiben. Aber Chiara hofft, dass das Christkind vielleicht ihre Wünsche auch ohne diesbezügliches Brieflein kennt. Und das sind sie, Chiaras Wünsche: sie möchte nicht sterben, lieber sobald als möglich wieder gesund werden, und ihr altes Leben zurückerhalten (bitte, auch ohne Krebs). Sie wünscht sich, dass alle Familienmitglieder gesund bleiben – und die Freundinnen natürlich auch.

Man hat Chiara im Spital erklärt, dass es klug wäre, sich impfen zu lassen, um diese Krankheit nicht zu bekommen. Warum waren ihre Eltern eigentlich so dagegen? Eine weitere unbeantwortete Frage.  Sie meint aber tapfer, dass das Christkind vielleicht noch einen weiteren Wunsch zulassen würde: dass die vielen Menschen der Demonstration, die bisher das Impfen abgelehnt hatten, erkennen würden, dass es gar nicht lustig ist, auf einer Intensivstation zu landen, dass man die Wahrscheinlichkeit dafür durch Impfen verringern könne.

Also bitte liebes Christkind, mach‘, dass sich viele Menschen impfen lassen und dann diese Pandemie vorbeigeht und alles wieder so ist, wie früher!

Weihnachten 2021

Wehmütige Weihnachtsgedankensplitter

Heuer ist alles anders. Wehmütig denke ich an hektische Weihnachtsvorbereitungen zurück, da gab’s an einem 23. Dezember noch lange “To-do-Listen“, vor allem galt es noch den Christbaum zu schmücken.  Habe ich genug Kerzen, habe ich – vor allem – genug Lametta?   Na, einerseits bin ich ganz froh, denn am 23. Am Abend bin ich zuletzt immer – ohnedies schon müde, mit einer Leiter – so klein war der Christbaum dann doch nicht, gestanden – und habe Lametta draufgehängt. Mühsam. Denn ein Christbaum ohne Lametta war für meine Mann kein Christbaum, daher waren es zuletzt nur mehr Lametta und Kerzen, und da verwendete ich ohnedies bereits das von mir so benannte Faulpelzlametta, d.h. man musste nicht mehr jeden Lametta Streifen einzeln auf den Christbaum hängen. Und den Christbauschmuck hatte ich schon lange reduziert, der blieb in den „Weihnachtsschachteln“.

Als meine Kinder noch klein gewesen warten, ja da hatte ich in der Vorweihnachtszeit noch Pralinen in Fransenpapier gewickelt und Schnürln drangeknüpft, um sie auf den Christbaum hängen zu können. „Aufgeknüpft“ habe ich auch Fondantringerln – getunkt, Patiencebäckerei und Windringeln – farblich auf den restlichen Christbau angepasst. Natürlich durften die gewickelten Schnapsflascherln für die Herren nicht fehlen. Der Weihnachtsschmuck blieb in Wien, auch wenn wir in Pernitz gefeiert haben, dort waren es Strohsterne, die den Baum schmückten und anfänglich noch kleine rote Äpfel.

Heuer erstmals kein Christbaum!

Meine Mutter hat in der Vorweihnachtszeit immer Unmengen von unterschiedlichen Keksen gebacken, vor allem ihre Vanillekipferln warten unübertroffen. Sie hat nie nach Rezept gekocht und gebacken, und mir – die ich in den Augen meiner Mutter unfähig war, diese Tätigkeiten auszuüben -wurden keine Angaben überliefert. Jetzt bin ich – was Kekse betrifft, auf andere Quellen angewiesen. Meine Mutter hat für Weihnachten auch immer einen Nussstrudel und einen Mohnstrudel gebacken.  

Und am Tag vor Weihnachten (als meine Mutter nicht mehr lebte) war ich meist sehr hektisch. Habe ich wirklich alles zeitgerecht bestellt und dann auch abgeholt? Da waren sowohl der Striezel als auch der Weihnachtsstollen für die Familienjause. Da gab es in der Familie echte „Glaubensfragen“, war jener vom Demel oder der von der Konditorei Oberlaa der Bessere.  Ich weiß nur, dass ich einmal sehr enttäuscht war, als mein Schwager, dem die Aufgabe den Stollen zu besorgen, übertragen worden war, mit einem Stollen, den er bei seinem Fleischhauer gekauft hatte, daherkam.

Ich gebe zu, auch zuweilen grantig gewesen zu sein, denn die Ausrichtung der Familienzusammenkünfte war von meiner Schwiegermutter an die Frau des älteren Sohnes übergegangen. Und das war ich. Später wehrte ich mich dann – eh nur ein wenig – indem ich einige der Aufgaben an die Familie meines Schwagers delegierte.  Aber Organisation und Durchführung blieb mir. Ganz zuletzt hatten wir uns auf eine Alternativlösung geeinigt. Feste wurden abwechselnd bei uns und bei meinem Schwager gefeiert.

Meine Schwägerin brachte zu derartigen Festen immer den ebenfalls unerlässlichen Französischen Salat mit. Zu diesem durfte man Gott behüte ja nicht Gemüse-Mayonnaise sagen. Er wurde akribisch nach einem Rezept meiner Schwiegermutter zubereitet, und alle Zutaten mussten mit der Hand geschnitten werden (was ich wirklich nicht verstand – es gab doch auch schon damals tiefgefrorenes Gemüse), aber solche ketzerischen Ansichten musste ich leider unterdrücken.

Das Schinkenbein war wirklich unerlässlich, denn die Tradition aus dem Hause meiner Schwiegermutter besagte, dass, sollte das Schinkenbein fehlen, würde einer der Teilnehmer des weihnachtlichen Familientreffens sterben. Meine Schwiegermutter selbst hatte trotz Arbeit auch am so genannten Goldenen Sonntag das Schinkenbein beim Fleischhauer Ziegler (Ecke Favoritenstraße/Belvedere Gasse – daneben befand sich ihre Parfümerie/Drogerie) besorgt.

Waren genügend Eier im Haus, denn für das Familientreffen waren gefüllte Eier unbedingt erforderlich. Lachs und Heringe waren selbstverständlich, aber auch Extrawurst musste vorhanden sein, denn ohne dieselbe ging gar nicht.

Einmal – es war kurz nach der Gehirnblutung meines Mannes wollte ich „alles anders machen“. Es war auch der erweiterte Familienkreis (Schwiegereltern meiner Tochter) anwesend und ich wollte meine in letzter Zeit erworbenen Kochkünste zur Schaus stellen (blöde Idee, stellte sich nachher heraus). Ich hatte ein Rezept aus dem kürzlich erworbenen „Bocuse- Kochbuch“ vorbereitet „Confit d’oie et rillettes d’oie“ (Eingemachtes und Eingekochtes Gänsefleisch).  Das Gänsefleisch war ziemlich unessbar (hart und zäh). Ich weiß nicht, was letztlich schuld an dem Debakel war. Mir war’s grässlich peinlich. Aber seither kommt mir keine Gans mehr ins Haus.

Andererseits erinnere ich mich auch daran, dass auch meiner sehr versierten Mutter einmal eine Gans schief gegangen ist. Wie immer hatte sie meine Mutter recht früh ins Rohr geschoben, damit sie sicher zu Mittag fertig sein möge (die Methode des langen – kühleren Kochens kannte man damals noch nicht).  Sie war dann fertig, aber fürchterlich zäh. Meine Mutter fühlte sich blamiert, wir aßen die Beilagen – in meinen Augen ohnedies das Beste am Gansel – die Erdäpfelknödeln, das Rot- und das Weißkraut, die Preiselbeeren). Meine Mutter die nichts, aber schon gar nichts wegwerfen konnte, hat das Fleisch später mühsam abgelöst, es durch den Fleischwolf gedreht und am nächsten Tag hervorragende Gansellaberln daraus gemacht.

Heuer kein Schinkenbein, keine gefüllten Eier, kein Weihnachtsstollen.

Wie wir dann doch gemeinsam (leider halt Corona/Omikron bestimmt) „zizerlweise“ feiern, werde ich Ihnen berichten.

Wehmütige Weihnachtsgedankensplitter

Was ist die Ukraine – geographisch historisch gesehen?

Teil 1 (bis zum Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts)

Es weihnachtet – so sagt man wenigstens zu dieser Zeit – und eigentlich möchte ich mich nicht ängstigen lassen. Aber leicht ist das nicht: Da ist zuvorderst diese Omikron-Mutation.  Nicht nur bedroht sie uns alle neuerlich, sondern auch unseren Lebensstil, von dem wir so gehofft hatte, ihn bald wieder zurück zu bekommen, aber nix da! Da rumort es zwischen China und Taiwan, was sich wirklich in Tigray abspielt, weiß wohl keiner außerhalb der Region …

Und da ist auch noch „relativ nahe“ zu uns, die Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und Russland. Jetzt ist es zu einer Auseinandersetzung zwischen Russland und der NATO geworden. Natürlich bin ich der Ansicht, dass heute kein Land das Recht hat, sich ein Stück eines anderen (schwächeren) militärisch zu kapern. Aber es lohnt dennoch manchmal in die Geschichte zu schauen, unter welcher Herrschaft ein Land zu unterschiedlichen Zeiten gestanden ist.

Und wenn ich da in die Geschichte der Ukraine sehe, gibt es höchst unterschiedliche Zugehörigkeiten. Eine davon ist uns Österreichern ja wohl bekannt: Galizien und Lodomerien waren Teil des Habsburgerreiches! 

Vorher, während der Zeit des europäischen Frühmittelalters wurde die Ostukraine etwa um das Jahr 750 Teil des Chasaren Reiches. Außerdem gehörte es zum Handelsnetz der Radhaniten; diese jüdischen Kaufleute stellten etwa vom 8. bis zum 11. Jahrhundert die Handelsbeziehungen zwischen den verfeindeten Ländern des Abendlandes und der Islamischen Welt sicher und betrieben dabei sogar Handel mit Indien und China – dies stellt wahrscheinlich die beste Begründung für die Wichtigkeit des Judentums im Chasaren Reich dar.

Im 9. Jahrhundert errichteten ostslawische Stämme unter dem Einfluss skandinavischer Waräger an den Handelswegen von Skandinavien und Nowgorod nach Süden in Richtung Konstantinopel ein lose verfasstes Großreich mit der Hauptstadt Kiew, die „Kiewer Rus“. Dessen Herrscher Wladimir der Große (reg. 980–1015) entschied sich im Jahre 988 für die Annahme des Christentums nach östlichem Ritus. Der Süden der heutigen Ukraine wurde bis ins 13. Jahrhundert von nomadischen Steppenvölkern beherrscht.

Nach kultureller und wirtschaftlicher Blüte begann im 12. Jahrhundert der Niedergang der Rus mit zunehmenden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Fürstentümern. Im 13. Jahrhundert eroberten mongolische Nomadenstämme aus Asien („Goldene Horde“) die Herrschaft über alle Russischen Staaten außer der Republik Nowgorod und Pskow. Die Mongolen (von den Rus zum Teil auch als „Tataren“ bezeichnet) begründeten das Reich der Goldenen Horde – zu einem wesentlichen Teil auf dem Gebiet der heutigen Ukraine.

Aber erst 1375 setzte der Patriarch von Konstantinopel einen neuen Metropoliten von Kiew ein, zunächst mit dem Anspruch, nach dem Tode des in Moskau residierenden Metropoliten Alexej alle russischen Christen zu betreuen.

Der nordöstliche Teil wurde, wie auch die zentralukrainischen Gebiete am Dnepr mit Kiew, nach der Schlacht am Irpen Teil des Großfürstentums Litauen. Den südwestlichen Teil des Fürstentums, („Rotruthenien“, „Galizien“) eroberte Kasimir der Große von Polen Mitte des 14. Jahrhunderts.  Im durch die Lubliner Union von 1569 gebildeten litauisch-polnischen Doppelstaat wurden auch die bisher zu Litauen gehörenden ukrainischen Gebiete der polnischen Krone unterstellt.

Bis ins 18. Jahrhundert lag im Süden der heutigen Ukraine das Khanat der Krimtataren. Der Süden der heutigen Ukraine wurde zu einem eigenständigen, unter osmanischer Schutzherrschaft stehenden Krim-Khanat. Bezeichnungen „Kleinrussland“ und „Ukraine“

Das war so gekommen: nach den drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 wurde die westliche Ukraine mit Ausnahme Ost-Galiziens, das zum Habsburgerreich kam, russisch.

Denn 1796 wurden die südlichen und östlichen Gebiete der heutigen Ukraine, die Russland von den Osmanen erobert hatte, zu einem russischen Gouvernement zusammengefasst (Neurussland) und es wurden die Städte Sewastopol (1763, Militärhafen und Festung) und Simferopol (1784) auf der Halbinsel Krim sowie die Hafenstadt Odessa (1793) gegründet. Die bisher fast unbewohnten Steppengebiete im Südosten wurden urbar gemacht und größtenteils mit Russen, aber auch mit Deutschen bevölkert. Katharina die Große (Zarin von 1762 bis 1796) förderte vielerorts die Ansiedlung von Ausländern in Russland. Die Kern-Ukraine wurde in dieser Zeit auch als „Kleinrussland“ bezeichnet. Die westlichen Gebiete gingen als „Galizien und Lodomerien“ zum Habsburgerreich.

Beim Wiener Kongress verhandelten unter anderem die Großmächte über die territoriale Ordnung Europas. Russland wurde damals von Zar Alexander I. regiert und das Habsburgerreich von Kaiser Franz I. Russland sicherte sich durch die Anerkennung seiner territorialen Gewinne in Finnland und Bessarabien diese Ausdehnung nach Westen. Von den Gebieten, die Russland bei den drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 erlangt hatte, durfte es den größten Teil („Kongresspolen“) behalten.

Schon eine griechisch-byzantinische Urkunde aus dem Jahr 1380 im Zusammenhang mit den Aktivitäten zur Einsetzung Kiprians als Metropolit von Kiew bezeichnete den Norden mit Nowgorod und Moskau als Großrussland, den Süden als Kleinrussland.

Der Begriff Ukraina wurde erstmals 1187 in der Hypatiuschronik für die südwestlichen Gebiete des Kiewer Reiches, später für das galizisch-wolhynische Gebiet verwendet. Es bedeutete zunächst „Grenzland“, ein Begriff, der in der Rus bis zum 17. Jahrhundert auch für viele andere Gebiete benutzt wurde. Bevor man seit dem 19. Jahrhundert von einer ukrainischen oder weißrussischen Nation zu sprechen beginnt, war für die ostslawischen Bewohner der heutigen Ukraine der deutsche Begriff „Ruthenen“ und Kleinrussen gebräuchlich.

1648 wurde durch einen Vertrag mit dem polnischen König ein eigenständiger ukrainischer Kosakenstaat errichtet, der aber 1651 durch Bündnisse mit Russland und dem Osmanischen Reich wieder schnell in Abhängigkeiten geriet. Daraufhin wurde die Ukraine zwischen Polen, welches die Rechtsufrige Ukraine erhielt und Russland, das die linksdnieprischen Gebiete bekam, geteilt. Im russischen Teil der Ukraine begann der Aufstieg der Russischen Sprache in der Ukraine, während im polnischen Teil die schon lange anhaltende Polonisierung weitergeführt wurde.

Erst zu Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Lemberg die Grundlage für eine ukrainische Nationalbewegung geschaffen, indem man eine getrennte Entwicklung der Völker der Russen und Ukrainer postulierte. Daraufhin begannen sich in Kiew Kräfte zu formieren, die eine Unabhängigkeit von Russland einforderten. Sowohl Ukrainer als auch Russen beziehen sich positiv auf die mittelalterliche Rus.

Fortsetzung folgt.

Was ist die Ukraine – geographisch historisch gesehen?

Noch schnell ein Buchgeschenk zu Weihnachten?

Ein Vorschlag: Der neunte Arm des Oktopus

Da ja bald der Weihnachtsabend naht, suchen Sie vielleicht noch (hektisch) ein Geschenk für einen Freund?  Ein Buch ist immer gut! Ich kann Ihnen sogar noch schnell eines empfehlen, das mir gefallen hat recht gut in unsere Zeit passt.

Ich meine den Thriller (vielleicht Öko-Thriller): Der neunte Arm des Oktopus von Dirk Rossmann. Interessant an diesem Buch ist nicht nur der Inhalt – spannend – sondern auch sein Autor.  Dirk Roßmann (* 7. September 1946 in Hannover) ist ein deutscher Unternehmer. Er ist Gründer und Geschäftsführer der inhabergeführten Drogeriemarktkette Rossmann mit Sitz in Burgwedel bei Hannover. 1972 gründete er das erste Selbstbedienungsgeschäft für Drogeriewaren in Deutschland und gilt daher als Erfinder und als „Pionier des Drogeriemarktes“. 2020 ist sein Unternehmen die zweitgrößte deutsche Drogeriemarktkette mit 2.196 Filialen und 33.400 Mitarbeitern in Deutschland, weiterhin ist Rossmann in Ost-, Süd-, Südosteuropa vertreten (Polen, Tschechien, Spanien, Ungarn, Albanien, Türkei, Kosovo). Der Firmenname „Rossmann“ weicht orthographisch vom Familiennamen „Roßmann“ ab, weil eine Großschreibung des Buchstabens ß früher nur in wenigen Schriftarten möglich war und das ß im Auslandsmarkt in der Regel nicht bekannt ist.

Ab 30. September 2021 gab Dirk Roßmann die Geschäftsführung der Drogeriemarktkette an seinen Sohn Raoul ab, bleibt aber weiter im Beirat sowie Geschäftsführer und Sprecher der Rossmann Beteiligungs GmbH, die einen Anteil von 60 Prozent an den Drogeriemärkten hält.

Rossmann setzt sich in der Öffentlichkeit intensiv für den Kampf gegen die Klimakrise ein. Nach Lektüre des Buches Wir sind das Klima! von Jonathan Safran Foer beschloss er, sein Engagement zu intensivieren. Rossmann verschenkte im Herbst 2019 zunächst 2000 Exemplare des Buches an alle Bundestagsabgeordneten und Vorstände aller deutscher DAX-Unternehmen, weiterhin konnten über die Website seines Unternehmens 25.000 Exemplare kostenlos angefordert werden.

Dann hat er angefangen, selbst Bücher zu schreiben, und „Der neunte Arm des Oktopus“ habe ich soeben gelesen – und, ich kann dieses Buch auch zum Verschenken empfehlen. Denn es ist gut recherchiert, denn an seinem Buch haben mindestens 13 Frauen und Männer mitgewirkt. Das ist legitim, denn die Themen des Buches sind komplex – aber letztlich verständlich beschrieben. Der am 16. November 2020 bei Bastei Lübbe erschienene Titel erreichte Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste für Belletristik.

Die Botschaft des Buches ist in Fiktion verpackt, lautet dennoch ganz einfach: so kann es nicht weitergehen. Die Handlung spielt auf drei Zeitebenen, die immer wieder „vermischt“ werden: 2018 – 2025, 2015 – 2100, 2100.

China, Russland und die USA einigen sich auf Maßnahmen zum Klimaschutz, gegen den Anstieg der Weltbevölkerung und die Beilegung internationaler Konflikte. Die Supermächte, die sich inzwischen die Allianz der G3 nennen, ziehen sich aus der NATO und den Vereinten Nationen zurück und drohen Ländern, die mit deren Maßnahmen nicht einverstanden sind, mit Sanktionen. Das passt naheliegenderweise nicht allen – einerseits in China und Russland, aber auch andere Länder sehen eine Öko-Diktatur und wollen sich wehren. Ein russischer und ein chinesischer Regierungsbeamter, die beide Gegner der neuen Politik der G3-Allianz sind, treffen sich heimlich in Saudi-Arabien und bedienen sich der Dienste eines nigerianischen Waffenhändlers.

Im April 2025 kommt es zu einer internationalen Krise zwischen Brasilien und den G3-Staaten. Der Milliardär Bill Gates wird von der Allianz autorisiert, als „Emissär“ nach Brasilien zu reisen, um „einen guten Rat“ an ein Mitglied der Regierung Brasiliens, zu übermitteln. Die Allianz verlangt das Ende der Brandrodung des Regenwaldes, sowie eine Umstellung der brasilianischen Wirtschaft; im Gegenzug bietet sie finanzielle Kompensationen an. Während des heimlichen Treffens sagt Gates: „…die G3-Allianz ist entschlossen, ihre geballte – auch militärische – Macht zu nutzen, um bestimmte Projekte einzuleiten, bestimmte falsche Entwicklungen zu beenden. Sofort zu beenden! Nicht verhandelbar.“ Der brasilianische Verteidigungsminister argumentiert hingegen, dass Brasilien eine unabhängige Republik ist und eine Einmischung durch die G3-Staaten nicht tolerieren will.

Während die G3-Allianz ihre militärische Macht vor der Küste Brasiliens und in der Luft demonstriert, treffen sich in São Paulo die beiden Konspiratoren, der russische Soldat und der chinesische Wissenschaftler, um eine Lieferung von höchstmodernen Waffen für Brasilien zu organisieren, das  sich gegen die G3-Allianz verteidigen will. Bei einem Treffen der Gegner der G3-Allianz lauscht zufällig ein brasilianische Catering-Koch, und wird dabei aus der Ferne vom Waffenhändler beobachtet. Der Koch entscheidet sich, seine Informationen an geeignete Stellen weiterzuleiten.

Etwa zeitgleich erhält eine Mitarbeiterin des brasilianischen Geheimdienstes Besuch der beiden Verschwörer.  Sie vermutet aber hinter deren Aussage eine gezielte Fehlinformation. Wie es weitergeht werde ich Ihnen nicht verraten, kann Ihnen aber versichern, dass zuletzt die Kriegsgefahr gebannt werden – und ein Wendepunkt für das Weltklima erreicht werden kann.

Die kommende Zeit ist dann geprägt durch den immer stärkeren Einsatz künstlicher Intelligenz, das beschriebene Essen allerdings regt meinen Appetit gar nicht an.

Und was das alles mit dem Oktopus zu tun hat, müssen Sie schon selber herausfinden, sollten Sie sich das Buch zu Weinachten vielleicht sogar selbst schenken.

Noch schnell ein Buchgeschenk zu Weihnachten?

Letzte Besorgungen vor dem Weihnachtsfest 2021

Ausgemacht war, dass mein Mitbewohner/Enkel und ich heute den Christbaum kaufen gehen. Dann wären noch die Christbaumkerzen zu besorgen und diesmal zum ersten Mal, eine Lichterkette. Denn, noch geschockt vom brennenden Adventkranz, zünde ich sicher Kerzen nur am Heiligen Abend an. An den restlichen Tagen ist mir das zu „feuergefährlich“.  Meine Mutter hatte immer einen Kübel mit Wasser neben dem Christbaum stehen, wenn die Kerzen darauf bannten.

Aber es kam anders, da wir beide am heiligen Abend und den restlichen Tagen nicht zu Hause sein werden, entschieden wir, dass wir eigentlich keinen Christbaum brauchten, wobei ein kleiner in den hohen Räumen eh etwas mickrig wäre. Wir würden einfach Reisig kaufen und die Wohnung etwas schmücken und mit gutem Duft versehen.

Zuerst musste ich noch zu meinem Fleischhauer, aufgrund der überwiegenden Anzahl von Vegetariern in der Familie habe heuer keine Gansleber gekauft – und „eingelassen“. Ich habe sonst immer einige Familienmitglieder damit beschenkt. Aber im Grunde ist es deshalb mühsam, das selbst zu machen, weil die ganze Küche durch das Auslassen des Ganslfettes „fettig“ wird und riecht, und hinterher schwer zu reinigen ist. Ich hatte die Gänseleber – eingegossen, beim Fleischhauer bestellt und heute geholt.

Dann trabten wir durch die beleuchtete glitzernde Wollzeile (und befanden, dass sie eigentlich zumindest eine Begegnungszone sein sollte) und am Stephansplatz kauften wir dann Kerzen, keine Christbaumkerzen, sondern einfach einzelne, aber richtig große. Das Geschäft, das zwar große Räumlichkeiten hat, war sehr voll (für mich im Hinblick auf Omikron schon fast bedrohlich), aber ich verstehe, dass die Geschäftsinhaber jetzt endlich ihre Ware verkaufen wollen und befürchten, dass Leute, die vor dem Geschäft warten müssten, dann vielleicht lieber woanders hingingen.

Wir schlenderten noch durch den Christkindlmarkt um den Stephansdom. Es gibt dort hübsche Dinge zu kaufen, zum Glück wirklich sehr wenig Kitsch. Bei den Punschständen stellten sich die Leute nun doch an, weil dort auf 2G geprüft wurde.

Die beheizten Schanigärten – nicht nur am Graben waren rammelvoll. Viele Menschen „champagnisierten“. Eigentlich auch verständlich, so lange konnten die Menschen nicht in Kaffeehäuser und Restaurants gehen, nun sind sie zufrieden, dass alles wieder offen ist. Und jeder ist sich bewusst, dass möglicherweise doch noch ein weiterer Lockdown kommt – da muss man die Chancen doch jetzt nützen.

Beim Christbaumhändler sahen wir genau den Christbaum (4 Meter 20 cm), der bei uns gepasst hätte, aber dennoch kauften wir dann nur Reisig und „Abfälle“, zum Zerkleinern und Asteln hinter die Bilderrahmen stecke, durften wir dann soviel wir tragen konnten, mitnehmen.

 Jetzt blieb nur noch das Standl mit italienischen Spezialitäten im so genannten Genussmarkt in der Mahlerstraße. Dort kann man viele der angebotenen Waren auch kosten. Wir ließen uns nicht lange bitten. Und da uns das Dargebotene auch wirklich gut schmeckte und Geschenke, die man verzehren kann, bei den meisten Freunden, denen ich eine Kleinigkeit schenken möchte, meist gut ankommen, haben wir zugeschlagen – aber uns selber haben wir dabei auch nicht vergessen.

Jetzt war uns aber richtig kalt geworden und wir freuten uns, wieder nach Hause zu kommen.

Ein Wermutstropfen, eine Hiobsbotschaft: meine ungeimpfte Freundin rief ich an, und teilte mir mit, dass ihr ebenfalls ungeimpfter Sohn und dessen Frau positiv auf Corona getestet worden sind. Sie will sich jetzt auch gleich wieder testen lassen. Hoffentlich wird die Krankheit bei den beiden harmlos verlaufen und meine Freundin Corona-negativ sein. Vielleicht werde ich sie neuerlich darauf hinweisen, dass es vielleicht doch gescheit wäre, sich jetzt impfen zu lassen. Aus dem lange geplanten Familienweihnachtsfest wird bei meiner Freundin wohl nichts werden.

Letzte Besorgungen vor dem Weihnachtsfest 2021

Eine bedrohliche wirtschaftliche Situation in der Türkei

Mit möglichen negativen Auswirkungen auf Europa

Viele von uns sind verständlicherweise sehr mit COVID19 befasst. Aber in der Türkei zeichnet sich eine Krise ab, die Auslöser einer neuen europäischen Wirtschafts- und Bankenkrise sein könnte.

Nur zur Einleitung: Das islamische Recht, die Scharia, verbietet die Erhebung und Auszahlung von Zinsen. Muslimen ist es laut Koran und Sunna weder erlaubt, Zinsen zu verlangen, noch zu zahlen. Demnach kann ein Muslim keine verzinsten Kredite oder Hypotheken in Anspruch nehmen oder gewähren. Dies betrifft jegliche Form des ethisch ungerechtfertigten Zuwachses an Kapital durch einen von der Performance unabhängig und im Voraus festgelegten Preis für die Überlassung von finanziellen Mitteln (Zins). Dies wird im Koran, Sure 2, Vers 275 deutlich gemacht: „Diejenigen, die Zins nehmen (w. verzehren), werden (dereinst) nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und geschlagen ist (so dass er sich nicht mehr aufrecht halten kann). Dies (wird ihre Strafe) dafür (sein), dass sie sagen: ‚Kaufgeschäft und Zinsleihe sind ein und dasselbe.‘ Aber Gott hat (nun einmal) das Kaufgeschäft erlaubt und die Zinsleihe verboten.“

Recep Tayyip Erdogan hat bekanntermaßen die Türkei aus einem säkularen Staat nach und nach in einen fast islamischen Staat umgewandelt. Und Erdogan hat die Zinspolitik der Türkei in seine Hand genommen. Erdogan hat nicht nur den Notenbankchef entlassen, er hat auch dessen Stellvertreter gefeuert. Damit wurde seit Mitte 2019 bereits zum dritten Mal der Notenbank-Gouverneur seines Postens enthoben. Die Entlassungen hatten erhebliche Turbulenzen auf den Finanzmärkten ausgelöst und Befürchtungen genährt, die Türkei könnte zu einer unorthodoxen Wirtschaftspolitik und zu schnellen Zinssenkungen zurückkehren. Und so geschah es dann auch. Erdogan verteidigt die angeordnete erneute Senkung des Leitzinses mit dem Argument, die Türkei befinde sich in einem „ökonomischen Unabhängigkeitskrieg“. Diese Propagandaparole soll anscheinend die Menschen auf harte Zeiten und auf den Feind von außen einstimmen.

Die türkische Lira ist auf historischem Tiefstand. In der darbenden Bevölkerung regt sich aber Widerstand. Immer weniger Menschen in der Türkei können sich die notwendigsten Grundnahrungsmittel leisten, weil die Preise täglich steigen. Wenn allerdings die Lira, wie momentan gegen über Dollar und Euro exponentiell an Wert verliert, werden auch die importierten Produkte exponentiell teurer. Die Inlandsproduktion kann das nicht kompensieren. Im Gegenteil, es destabilisiert die Produktion und den Handel in der Türkei gleichermaßen. Wegen der schwachen Lira verlangen die Warenlieferanten für Aufträge Bargeld im Voraus oder bestehen auf Verträgen in Fremdwährung.

Dabei hatte der Präsident doch sein Volk dazu aufgerufen, alle Euros und Dollars im Sparstrumpf gegen türkische Lira zu tauschen. Wer diesem Aufruf folgte, hat bis heute sehr viel verloren – nicht nur an Geldwert, sondern auch den Glauben an Staatspräsident Erdogan. Das birgt sozialen Sprengstoff für das Land. Immer weniger Menschen lassen sich mit der Propaganda der Staatsmedien einfangen, wenn ihnen das Notwendigste zum täglichen Leben fehlt. Die Wut der Menschen ob dieser Situation richtet sich primär gegen die Regierung. In den letzten Tagen kam es zu spontanen Protesten in Ankara, Istanbul und weiteren Städten der Türkei gegen die AKP-Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Immer mehr türkische Staatsbürger verfluchen sich selbst, die AKP gewählt zu haben. Die jüngere Generation sieht ihre Zukunft eher im Ausland.

Die Regierung antwortet auf die Proteste in gewohnter Weise: In Istanbul wurden 38 Personen wegen „provokativer Beiträge“ angeklagt, weil sie schon 2018 den Wertverlust der türkischen Lira vorhergesagt hatten. Die türkische Justiz beobachtet Beiträge in den sozialen Netzwerken genau. Wer den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisiert, riskiert eine Gefängnisstrafe.

Man fragt sich, sich, was Erdogan mit einer Zinspolitik bezweckt, die völlig konträr zu den ökonomischen Realitäten verläuft. Er vertritt die eigentümliche geldpolitische Haltung, dass man Inflation mit Zinssenkungen bekämpfen kann.

Es droht eine Pleitewelle bei Banken und Unternehmen. Nach den wiederholten Verlusten der Lira an den Devisenmärkten der letzten Tage ordnet der Staatspräsident eine Untersuchung wegen „Kursmanipulation“ an!

Ist Erdogan gar senil, krank beziehungsweise nicht mehr zurechnungsfähig, fragen sich nun viele? Erdogan soll an Epilepsie leiden, schlief bei öffentlichen Veranstaltungen ein, hatte Probleme eine Treppe zu überwinden, konnte bei einem Empfang vor wenigen Wochen kaum einen Fuß vor den anderen setzen. Es wird auch von Anfällen von Verwirrung und Atemproblemen berichtet. Das mögen böswillige Gerüchte sein. Oder wollen Erdogan und seine Klientel absichtlich eine Krise verursachen und einen erneuten Putschversuch ausrufen, um der Opposition den Todesstoß zu verpassen?

Der Zusammenbruch der Lira und eine türkische Staatspleite könnten sogar Auslöser einer neuen europäischen Wirtschafts- und Bankenkrise sein.

Keine hoffnungsvollen Aussichten für das Corona-geplagte Europa!

Eine bedrohliche wirtschaftliche Situation in der Türkei

Der Versuch eines Vergleiches: COVID19 und Spanische Grippe

Langsam werde ich verzagt. Ich hatte so gehofft, dass das jetzt der letzte Lockdown dieser Pandemie wäre, dass sich mit Frühjahr 2022 Corona zurückziehen werde, und wir wieder ein halbwegs normales „umfassendes“ Leben würden führen können. Dann kommt aus (fast heiterem Himmel) die Mutation Omikron daher.

Ich hatte damit gerechnet, dass COVID-9 in etwa so lange wie die Spanische Grippe dauern würde (Februar 1918 – April 1920), an irgendetwas muss man sich ja ausrichten. Ich hatte auch gehofft, dass ich jetzt mit der dritten Impfung weitgehend vor Ansteckung bzw. schwerem Verlauf geschützt wäre. Ich bin auch sofort bereit, mich noch einmal impfen zu lassen, sollte „etwas“ rechtzeitig auf den Markt kommen.

Aber die Krankheit ist ja nicht das einzige Problem. Wir müssen auch mit dieser Spaltung der Gesellschaft, mit diesen Unruhen und ja, eigentlich Aufständen leben.

Und nun habe ich mir die Geschichte zur Zeit der Spanischen Grippe angeschaut. Die Spanische Grippe umrundete 1918 binnen weniger Monate die Erde. Bis 1920 tötete sie mehr Menschen, als im gesamten Ersten Weltkrieg starben! Sie hinterließ wahrscheinlich mehr Tote als jede andere Krankheit davor. Die Spanische Grippe entfaltete vor allem dort, wo viele Menschen zusammenkamen, ihre große Wucht. In Rekruten- und Kriegsgefangenenlagern und -transporten steckten sich auf einen Schlag viele Menschen an.  Therapien wie invasive Beatmung standen Ärzten noch nicht zur Verfügung. Wenn überhaupt, haben Kranke Mittel zur Kreislaufstärkung bekommen.

Erste Impfversuche wurden zwar durchgeführt, man war aber noch weit davon entfernt einen effizienten Impfstoff herstellen zu können. Todesursache war oft nicht das Virus selber, sondern in den allermeisten Fällen eine bakterielle Lungenentzündung. Auch hier fehlte ein Gegenmittel, denn ein wirksames Antibiotikum zu deren Bekämpfung stand noch nicht zur Verfügung. Das heißt, man war damals wesentlich weniger gut gerüstet, um mit der Pandemie fertig zu werden.

1918 war ein Revolutionsjahr! Politische Bewegung im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn am Ende des Ersten Weltkriegs, begünstigt durch die zunehmende Friedenssehnsucht, die von Russland nach dem Frieden von Brest-Litowsk (3. März 1918) und der Machtergreifung der Kommunisten (7. November 1917) ausgehende Agitation (Streiks und Meutereien), die Proklamation der „14 Punkte“ US-Präsident Wilsons (8. Jänner 1918; Selbstbestimmungsrecht der Völker) und die sich abzeichnende militärische Niederlage führten dazu, dass im Deutschen Reich am 9. November 1918 die Republik ausgerufen und am 11. November ein Waffenstillstand geschlossen wurde. Die Entwicklung in Österreich-Ungarn wurde primär durch das Auseinanderstreben der Nationen (Zerfall in Nationalstaaten) geprägt; das Manifest Karls I. (16. Oktober 1918; Umgestaltung der Monarchie auf föderalistisch-nationaler Basis) kam zu spät. Am 24. Oktober erklärte sich Ungarn, am 28. Oktober die Tschechoslowakei, am 29. Oktober das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien) für unabhängig. Für die deutschsprachigen Gebiete der Monarchie („Deutsch-Österreich“) konstituierte sich am 21. Oktober 1918 im Niederösterreichischen Landhaus in Wien eine provisorische Nationalversammlung, die am 30. Oktober eine provisorische Verfassung beschloss und eine provisorische Regierung unter Karl Renner einsetzte, die am 31. Oktober von der kaiserlichen Regierung die politische Gewalt übernahm. Die k. und k. Armee löste sich nach dem am 3. November geschlossenen Waffenstillstand auf. Am 11. November 1918 verzichtete Karl I. auf die Ausübung der Regierungsgeschäfte, am 12. November wurde im Parlament die Republik Deutsch-Österreich (unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht als Bestandteil der deutschen Republik) ausgerufen; ein Putschversuch der kommunistischen Roten Garde scheiterte. Aufgrund der Wahl vom 16. Februar 1919 trat am 4. März 1919 an die Stelle der provisorischen die konstituierende Nationalversammlung. Im Friedensvertrag von Saint-Germain (10. September 1919) musste die Republik auf die Vereinigung mit Deutschland verzichten und nannte sich nunmehr „Österreich“. Am 1. Oktober 1920 beschloss die konstituierende Nationalversammlung eine Bundesverfassung (in Kraft getreten am 10. November 1920), am 10. November 1920 konstituierte sich der Nationalrat. Die politische Entwicklung in Österreich im November 1918 war keine Revolution im Sinne eines gewaltsamen politischen Umsturzes, sondern ergab sich aus dem Vakuum, das durch den Zerfall der Monarchie eingetreten war.

Aber „Demokratische Politik“ war damals Neuland. Es fehlte eine über einen längeren Zeitraum eingeübte Tradition im demokratischen Diskurs. Die Gegensätze zwischen den politischen Lagern verschärften sich. Dazu kamen Armut – auch durch Hyperinflation, Hungersnot, die Menschen waren durch Krieg geschwächt. Das schuf die Basis für die rasche Ausbreitung einer Seuche.

Die sozialen Spannungen, die in dieser Zeit 1918/1919 entstanden sind, haben lang angedauert!

Heute stehen uns andere Behandlungsmethoden zur Verfügung. Und vor allem: wir haben Impfstoffe und neuerdings bald auch Medikamente als Gegenmittel. Selbst wenn es Impfdurchbrüche gibt – meist ist dann der Verlauf der Krankheit „harmloser“ und das gefürchtete Long-Covid kann weitgehend vermieden werden.

Daher, ceterum censeo: Omicronem esse delendam – lassen Sie sich impfen, möglichst drei Mal!

Der Versuch eines Vergleiches: COVID19 und Spanische Grippe