Über die Hochzeit von Kana

Heute möchte ich Ihnen von der Hochzeit zu Kana erzählen. Die Hochzeit zu Kana ist ein Teil des Johannesevangeliums aus der Bibel, die davon berichtet, wie Jesus von Nazareth als Gast einer Hochzeitsfeier Wasser in Wein verwandelt.

Bei der Hochzeitsfeier eines namentlich unbekannten Paares in Kana sind auch Jesus, seine Jünger und seine Mutter Maria anwesend. Das war sicher eine der großen orientalischen Hochzeiten, wie sie auch heute noch gefeiert werden, dabei wird „die ganze Umgebung“ eingeladen und diese Hochzeitsfeiern erstrecken sich auch über mehrere Tage. Da kann es schon vorkommen, dass Wein und/oder auch Nahrungsmittel knapp werden.

Jetzt geht der Wein aus. Maria weiß, dass ihr Sohn Jesus „helfen“ könnte. Und sie fordert ihn auf, genau das zu tun. Aber welchen Sohn freut es schon, von seiner Mutter aufgefordert, irgendetwas „außergewöhnliches“ zu tun. Und genau deshalb ist seine Antwort auch einigermaßen ruppig. „Was willst du von mir, Frau?“

Aber welcher gute Sohn macht dann letztendlich doch das, wenn er sich auch aufmüpfig gegenüber seiner Muttergeäußert hat, was ihm seine Mutter aufgetragen hat. Und Maria zeigt sich nicht beleidigt, sondern weiß ganz sicher, dass ihr guter Sohn helfen wird und empfiehlt den Dienern, das zu machen, was Jesus ihnen befiehlt.

Und Jesus ordnet an, sechs steinerne Wasserkrüge, die für die rituelle Reinigung bestimmt sind, mit Wasser zu füllen. Jeder dieser Krüge fasst zwei oder drei Metretes. Dieses Flüssigkeitsmaß, das im Neuen Testament nur hier erscheint, entspricht 39,39 Litern. Wenn man da ein wenig herumrechnet, kommt man schon auf eine ganze Menge Weins.

Als der für die Ordnung beim Mahl verantwortliche (Sklave) davon kostet, ruft er verwundert den Bräutigam und fragt ihn, warum er – entgegen aller normalen Praxis – den guten Wein bis zuletzt aufgehoben habe, wo doch die Gäste schon zu viel getrunken hätten, um die Qualität noch zu bemerken.

Auch das finde ich eine sehr lebenswirkliche Beschreibung, man serviert guten Wein, und erst, wenn die Gäste dann schon leicht betrunken sind, serviert man den billigeren, den schlechteren, in der Hoffnung, dass sie es nicht bemerken werden. Aber jedenfalls kann das Fest jetzt fröhlich fortgesetzt werden.

Wo das biblische Kana lag, ist nicht ganz klar. Meist wird es in Galiläa lokalisiert, Chirbet Qana oder Kenet-el-Jalil liegt 14 km nördlich von Nazareth am Nordrand der Asochis-Ebene. Kafr Kanna ist ein Dorf acht Kilometer nordöstlich von Nazareth. In Kafr Kanna wird der Anspruch auf Identität mit dem neutestamentlichen Ort durch die römisch-katholische „Hochzeitskirche“ unterstrichen, die an der Stelle steht, an der das Wunder stattgefunden haben soll. Diese Kirche wurde 1883 auf dem Gelände einer verfallenen Moschee errichtet, unter deren Boden sich das Mosaik einer Synagoge fand, die frühestens im 5. Jahrhundert errichtet wurde. So liegen die Dinge halt in Israel.

Es gibt auch ein sehr berühmtes Gemälde des italienischen Malers Paolo Caliari, genannt Veronese, das dieser 1563 vollendete. Veroneses „Die Hochzeit zu Kana“ gehört zu den monumentalsten Gemälden zu diesem Thema. Mit seiner Größe von 9,90 × 6,66 m ist es eines der größten Bilder, die je auf Leinwand geschaffen wurden. Das Gemälde diente der Gestaltung der Rückwand des Refektoriums des venezianischen Klosters San Giorgio Maggiore. Unter Napoleon wurde das Bild 1797 nach Paris gebracht, also gestohlen, oder nennt man das Kriegsbeute? Es ist heute im Louvre zu besichtigen. Am 11. September 2007, 210 Jahre nach dem Tag seiner Verschleppung nach Paris, wurde ein Faksimile des Bildes an seinem Bestimmungsort im Refektorium von San Giorgio Maggiore installiert. Dort konnte ich es bewundern.

Es ist ein grandioses Bild, aber ich stelle mir diese Hochzeit in einer weit weniger pompösen Umgebung vor. So hat es damals in Galiläa auch bei den reichen Leuten wahrscheinlich nicht ausgesehen und so schön bekleidet waren die Gäste dann später höchstens in Italien, in der Renaissance.  

Sagen Sie jetzt nicht, dass Sie bei diesem Hochzeitsfest nicht eingeladen waren. Natürlich sind wir das alle – und immer. Vielleicht werden nicht all unsere Bitten von so „hoher Stelle“ wie Maria weitergeleitet, aber gehört werden sie schon. Vielleicht aber werden sie deshalb nicht erfüllt, weil sie uns ins Unheil führen könnten. Denken Sie nach, was haben Sie sich nicht schon alles gewünscht, und es ist, zu Ihrem Glück, dann doch nicht in Erfüllung gegangen. Das merkt man manchmal erst viel, viel später.

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