Wird das neuerliche Leih- und Pachtgesetz der USA kriegsentscheidend für die Ukraine sein?

Nicht nur Russland scheint zu versuchen, den zweiten Weltkrieg derzeit in der Ukraine zu wiederholen, auch ein „Gegenspieler“ – die USA – möchte nun eine Taktik wiederholen, die im Zweiten Weltkrieg – noch ohne Kriegseintritt – prächtig funktioniert hat.

Die USA planen eine Art Leih- und Pachtgesetz (englisch Lend-Lease Act) für die derzeit hart bedrängte Ukraine einzuführen.  Offiziell war es ein „Act to Promote the Defense of the United States“ (ein Gesetz, um die Verteidigung der Vereinigten Staaten zu fördern), und wurde vom US-Kongress am 18. Februar 1941 verabschiedet. Es ermöglichte den Vereinigten Staaten, kriegswichtiges Material wie Waffen, Munition, Fahrzeuge, Treibstoffe, Nahrungsmittel, Flugzeuge etc. an die gegen die Achsenmächte (Deutschland, Italien, Japan) kämpfenden Staaten zu liefern.

Großbritannien, die UdSSR, China und viele andere Staaten erhielten aufgrund dieses Leih- und Pachtgesetzes Güter in einem Gesamtwert von knapp 50 Milliarden US-Dollar (ohne Transportkosten). Das Programm lief im August 1945 aus.

Präsident Roosevelt war immer darauf bedacht, seine Politik vor dem Volk und der Presse zu rechtfertigen. Für das Leih- und Pachtgesetz warb er mit folgender Erklärung:

„Wenn es bei meinem Nachbarn brennt, dann werde ich ihm selbstverständlich meinen Gartenschlauch leihen und nicht zu ihm sagen: ‚Herr Nachbar, der Schlauch hat $15 gekostet, Sie müssen mir jetzt die $15 zahlen. […] Ich will nicht die $15 – ich will meinen Gartenschlauch zurück, wenn Sie das Feuer gelöscht haben.“

Wie wird Biden das neuerliche Gesetz heute seinem Volk verkaufen?

Die Lieferungen im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes waren ein sehr wichtiger Faktor beim Durchhalten des Britischen Empire und beim späteren Erfolg der Alliierten Streitkräfte.

Es ist schon eine Ironie der Geschichte, dass nun Russland, das damals reichlich Unterstützung erhielt jetzt mithilfe der USA durch die Ukraine „besiegt“ werden soll.

Bereits unmittelbar nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion im Juni 1941 sicherte Roosevelt Stalin die Rüstungsunterstützung der USA zu. Stalin sandte eine Anforderungsliste zurück, was dazu führte, dass die USA und Großbritannien angesichts des Waffenbedarfs einen schnellen Zusammenbruch der sowjetischen Verteidigung befürchteten. Roosevelt trieb die Waffenhilfe massiv voran, und bereits im September trafen die ersten amerikanischen Militärflugzeuge in der Sowjetunion ein. Auf der Atlantik-Konferenz vom 14. August 1941 beschlossen Roosevelt und Churchill neben der Atlantik-Charta eine Ausweitung der Waffenlieferungen an Großbritannien und die Sowjetunion. Die USA weiteten das Gebiet, in dem sie mit ihrem bewaffneten Geleitschutz eigene Waffen-Transportkonvois vor deutschen Angriffen schützten, bis nach Island aus.

Ende 1941 stand die Sowjetunion kurz vor dem ökonomischen Kollaps. Die wichtigsten Industrie- und Landwirtschaftszentren des Landes, u. a. der „Brotkorb“ Ukraine und große Teile des Zentrums der Schwerindustrie, des Donezbeckens, das in der Bedeutung dem Ruhrgebiet für Deutschland gleichkam, waren besetzt. Und genau dieses Gebiet versucht sich Russland jetzt von der Ukraine zurückzuholen.

Der größte Teil der Lieferung aus den USA kam aber nicht in Form von Waffen, sondern in Form von Nahrungsmitteln, Rohstoffen, Maschinen und Industrieausrüstungen. 1942 machten die Lend-Lease-Lieferungen 5 % des sowjetischen Bruttonationaleinkommens aus, und 1943/44 10 %. Eine Besonderheit war, dass die Amerikaner 90 Prozent des gesamten hochoktanigen Flugbenzins der Alliierten lieferten und 58 Prozent des gesamten hochoktanigen Treibstoffs der Sowjetunion. Ohne diese Treibstoffe waren leistungsfähige Flugzeuge nicht zu betreiben. Die amerikanischen Lieferungen waren auch eine Quelle für westliche Technologie, wobei die Amerikaner allerdings ihre modernsten Technologien zurückhielten.

Wie auch heute wiederum bestimmten auch logistische Probleme die Lieferungen: Während die Nordmeergeleitzüge den kürzesten Weg für alle Lend-Lease-Lieferungen darstellten, war die meistbefahrene Transportstrecke für das Leih- und Pachtmaterial für die Sowjetunion die pazifische Route, die von der amerikanischen Westküste zum russischen Hafen Wladiwostok führte. Auch die dritte und wichtigste Route, die von amerikanischen Atlantikhäfen in der Regel um das Kap der Guten Hoffnung, seltener durch den Panamakanal und den Pazifik zum Persischen Golf führte, war nicht minder lang. Ende August 1941 hatten die Sowjetunion und Großbritannien den Iran u. a. mit der Absicht besetzt, eine Versorgungslinie für die Sowjetunion vom Persischen Golf über den Iran zum Kaspischen Meer zu errichten. Unmittelbar nach der Besetzung Basras wurde Stalin von Churchill bestätigt, dass britische Streitkräfte den Hafen ausbauen würden, um den Umschlag US-amerikanischer Lieferungen zu optimieren.

Die Sowjetunion erhielt aus den USA Waren im Wert von 9,8 Milliarden Dollar oder 17,8 Mio. Tonnen transportiert von 2803 Schiffen. Umgekehrt lieferte die Sowjetunion insbesondere Rohstoffe wie Mangan- und Chromerze im Wert von 7,3 Milliarden Dollar an die USA. Der Rest der Schuld wurde auch in Gold bezahlt.

Am 28. April 2022 hat der US-Kongress mit einer Mehrheit von 417 gegen 10 Stimmen den Land-Lease-Act von 1941 reaktiviert, um nach dem russischen Überfall der Ukraine Hilfslieferungen im Wert von bis zu 33 Milliarden Dollar zukommen zu lassen. Dies hatte US-Präsident Biden beim Kongress beantragt, um der Ukraine geeignete Waffen schenken zu können.

Im Zweiten Weltkrieg war diese Maßnahme kriegsentscheidend!

Wird das neuerliche Leih- und Pachtgesetz der USA kriegsentscheidend für die Ukraine sein?

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