Unsere Probleme, wo sind die Lösungen?

Und wer kümmert sich derzeit darum?

Hotels sperren zu, z.B. das Triest, Gasthäuser sind gezwungen Tische wegzuräumen, nicht damit man – wie in Corona-Zeiten – weniger eng sitzt, sondern weil das Personal, sowohl in der Küche, als auch im Servierbereich fehlt. Firmen suchen andererseits um „Kurzarbeit“ an, weil die „Lieferketten gestört“ sind.

Außerdem „träumen“ viele – von einer Arbeitszeitverkürzung. Würde diese mehr Arbeitskräfte schaffen? Eigentlich gibt es da ja schon Modelle, wie man „verkürzt“, also z. B halbtags oder 30 Stunden arbeiten kann. Vielleicht nicht in allen Berufen – aber dennoch in vielen!

Da stimmt doch einiges nicht! Ich lese wenig, welche Maßnahmen geplant sind, denn bevor sie implementiert werden, müssen sie doch auch abgestimmt werden, und das ist ja in Österreich ein langwieriger Prozess, wie wir alle wissen.

Jetzt haben wir eine Atempause – hoffentlich eine längere – während derer wir einmal weniger über Corona-Maßnahmen nachdenken, in der wir nicht nur vom Krieg in der Ukraine reden, sondern auch überlegen, wie wir die zu uns gekommene Menschen – und nicht nur Ukrainer – möglichst rasch in den Arbeitsprozess effektiv einsetzen können.

Es wird sicher eine sehr kontroverse Diskussion werden, aber wir werden keine „General-Lösung“ für alle Arbeitnehmer finden können. Aber denken wir doch einmal – möglichst ohne sofort in Rage zu kommen – über mögliche Lösungen nach.

Mir fällt z.B. ein, dass man das Regel-Pensionsalter hinaufsetzen könnte.  Ich weiß sehr gut, dass das nicht für alle gelten kann, ich denke derzeit weniger an den Hochofenarbeiter als z.B. an das gesundheitliche Personal. Es gibt sicher noch mehr Gruppen, denen man ein früheres Pensionsalter (ohne hohe Abschläge!) zugestehen müsste. Aber darüber müsste öffentlich geredet werden. Da hat „die Wirtschaft“ ihre Vorstellungen dazu, genauso wie die Arbeiterkammer oder der Gewerkschaftsbund. Meine Erachtens sollten auch die Medien das Thema jetzt verstärkt aufgreifen und Plattformen schaffen, wo gescheite Menschen – auch ohne Kammerbindung – dazu Stellung nehmen können. Man kann dieses Pensionsalter nicht nur erhöhen, es müssten ja auch Rahmenbedingungen dazu geschaffen werden. Ich bin sicher, dass an manchen Stellen Lösungen dazu aufliegen. Sie sollten an die Öffentlichkeit gebracht werden. Denn ich glaube noch immer, dass viele Menschen gerne arbeiten – selbstbestimmt zu arbeiten ist sicher lustiger (ich kann das selbst bestätigen), wenn sie sich wertgeschätzt fühlen.

Und ich glaube, wir müssen auch die Wertschätzung für viele Berufe neu überdenken!  Denn Berufe neu zu benennen allein, ist nicht ausreichend. Z.B. fallen mir die ehemals Kindergärtnerinnen ein, jetzt heißen sie Pädagoginnen, aber ist dafür unsere Wertschätzung gestiegen?

Und gerade Erziehung, Bildung und Ausbildung sind für alle (arbeitenden) Menschen wichtig. Berufliche Fortbildung ist essentiell. Aber denken wir einmal (möglichst laut) nach! Ist unser (Aus)-Bildungssystem – ganz allgemein – noch zeitgemäß?  Dafür müssten wir uns überlegen, wie unsere Zukunft in 5, 10, 20 Jahren aussehen wird. Unser politisches System verleitet leider zum Kurzfristdenken – in Legislaturperioden.

Wird es die globalisierte Welt in Zukunft noch geben? Müssten wir nicht – schon aus Sicherheitsgründen – nicht viel mehr von der ausgelagerten Produktionen zurückholen – z.B. medizinische Produkte. Es geht doch gar nicht, dass wir aufgrund „gestörter Lieferketten“ in unserem Gesundheitssystem nicht effektiv genug sind. Können wir noch alles lagern, wenn die Lieferketten gestört sind, was können wir selber produzieren. Aber auch: was können wir einsparen?

Sicher, dieser sinnlose Krieg war nicht vorhersehbar.  Jetzt einmal unabhängig von der Ukraine selbst, ja, auch unabhängig von der Flüchtlingsproblematik – welche Auswirkungen erwarten wir:  Permanente Ernährungskrise in Ostafrika – mit eventuellen Nahrungsmittelrevolutionen? Wieder neuerliche Flüchtlingsströme aus Afrika nach Europa? Oder auch neue Märkte für Produkte, die wir selbst erzeugen können.

Und wir sollten auch über unsere Landesverteidigung nachdenken. Zu sagen: Neutralität und basta, ist einfach nicht genug. Wir haben viele helle Köpfe in unserem Land, aber „motschgern“ ist nicht genug. (Und bitte nicht jeden Plan, wenn er von der parteipolitisch „falschen“ Seite kommt, gleich „verdammen“, vielleicht zuerst prüfen, ob diese Ideen nicht durchaus nützlich sein könnten.) Vielleicht könnten wir alle miteinander ein bissel „positiver“ werden.

Manche dieser Probleme sollte wahrscheinlich sinnvoller auf europäischer Ebene aufgegriffen werden, aber da müsste halt dann das dort bei manchen durchaus vorherrschende nationale Interesse etwas in den Hintergrund geschoben werden. Dort würde ich mir ein robustes „Mehrheitssystem“ statt des Einstimmigkeitsprinzips wünschen. Es würde uns allen guttun, wenn „Europa“ weltpolitisch relevanter würde. Auch darüber sollten wir nachdenken!

Ich hoffe, es brummt Ihnen nicht schon der Kopf, von den vielen relevanten Problemen, die eher bald gelöst werden sollten. Aber davor zurückschrecken und nichts tun, ist sicher keine Antwort!

Unsere Probleme, wo sind die Lösungen?

Immer weniger Christen – in Jerusalem

Unter Christen im Heiligen Land versteht man in der Hauptsache einheimische Christen, die in Israel beziehungsweise den Palästinensischen Autonomiegebieten leben. Sie stellen eine Minderheit innerhalb der jüdisch und muslimisch dominierten Bevölkerung dieser Region dar und gehören der Sprache nach in der Regel zu den Arabern, auch wenn sie einen israelischen Pass besitzen. Städte wie Bethlehem, Nazareth oder das Christliche Viertel und das Armenische Viertel der Jerusalemer Altstadt waren bis in die jüngere Vergangenheit mehrheitlich von Christen bewohnt oder geprägt. Die zunehmende Gewalt im Israelisch-Palästinensischen Konflikt führte nicht nur sondern verstärkt seit den 1990er Jahren zu zunehmender Abwanderung ins Ausland.

Christen werden weniger im Land (Israel-Palästina): Das liegt vor allem an wirtschaftlichen Gründen. Christen werden weniger in Jerusalem. Das liegt an extrem hohen Preisen für Wohnungen. Und wer von uns würde gerne in einem Land, einer Stadt leben, in dem/der permanent bürgerkriegsartige Kämpfe aufflammen, erst kürzlich wieder rund um den Tempelberg in Jerusalem.  

Für Jerusalem werden genannt: 732.000 Einwohner, darunter 469.000 Juden (64 %), 239.000 Muslime (32 %) und 14.700 Christen (2 %). Aufgrund der Bedeutung der Region für den Ursprung des Christentums sind fast alle christlichen Kirchen und Konfessionen im Heiligen Land vertreten. Unter den Begriff „Christen im Heiligen Land“ fallen daher auch alle Christen aus dem Ausland, die sich aus religiösen Gründen dort niedergelassen haben. Und das sind nicht wenige.

Aber dennoch fühlen sich die Christen nicht als Einheit: Als Patriarch von Jerusalem amtieren heute die Oberhäupter mehrerer verschiedener christlicher Kirchen Jerusalems: Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem steht in der Nachfolge des altkirchlichen Patriarchats von Jerusalem. Der katholische melkitisch-griechische „Patriarch von Antiochia und dem ganzen Orient“ führt seit 1838 auch die Titel eines Patriarchen von Jerusalem und von Alexandria. Er ist somit nominell Oberhaupt dreier altkirchlicher Patriarchate. Der lateinische Patriarch von Jerusalem ist seit 1954 bzw. 1964 der einzige lateinische Patriarch im Osten. Der armenische Patriarch von Jerusalem vertritt allein die armenische apostolische Kirche in Jerusalem. Er erhielt seinen Titel erst im Mittelalter und steht im Rang unter einem Katholikos.

Der griechisch-orthodoxe Patriarch und der syrische-orthodoxe Metropolit betrachten sich beide als Nachfolger auf der Kathedra des Apostels Jakobus des Herrenbruders, der als erster Bischof von Jerusalem gilt. Das Melkitische Patriarchat und das Lateinische Patriarchat sind Teilkirchen der Römisch-katholischen Kirche.

Da Jerusalem durch das Konzil von Chalkedon 451 zum Patriarchat erhoben wurde, dieses jedoch von den Orientalisch-orthodoxen Kirchen nicht anerkannt wird, führen weder der zuständige syrisch-orthodoxe Metropolit von Jerusalem (Patriarchat Antiochien) noch der koptisch-orthodoxe Bischof in Jerusalem (Patriarchat Alexandrien) den Patriarchen-Titel. Auch der anglikanische (anfangs zugleich uniert-protestantische) Bischof von Jerusalem führte nie den Titel eines Patriarchen.

Für alle diese unterschiedlichen Ausprägungen des Christentums liegen viele der bedeutendsten Ursprungsorte des Christentums in den Palästinensischen Gebieten. Im heutigen Nablus, früher Sichem, im nördlichen Westjordanland erschien Abraham, dem Stammvater aller drei monotheistischen Weltreligionen, nach der Überlieferung Gott und versprach Abrahams Nachkommen das Land. Jesus von Nazareth wurde in Bethlehem geboren, seine Grabeskirche ist in der Altstadt des von Israel besetzten Ostjerusalems gelegen. Selbst Gaza findet im Alten Testament Erwähnung, als Ort der Gefangenschaft und des Todes des jüdischen Helden Samson.

Auch politisch versuchen Christen auf ihre Situation im Heiligen Land aufmerksam zu machen. Im Israelischen Parlament gibt es meist einen christlichen Araber. In den Palästinensischen Gebieten müssen laut einem präsidentiellen Dekret von 2001 die Oberhäupter von zehn Gemeinderäten christlich sein. Dieser Erlass gilt u. a. für Bethlehem, Ramallah, Birzeit und Taybeh. Einige dieser Gemeinden haben eine (deutliche) muslimische Mehrheit. Ein Dekret von 2005 besagt, dass mindestens sechs Sitze des Parlaments (Palästinensischer Legislativrat) an Christen vergeben werden müssen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass diese Erlasse nicht allein für den politischen Einfluss der Christen verantwortlich sind. Auf dem 6. Generalkongress der Fatah in Bethlehem im August 2009 waren fünf der 80 gewählten Mitglieder des Revolutionsrats Christen. Damit sind sie, gemessen am Bevölkerungsanteil, überproportional in diesem einflussreichen Gremium vertreten.

Für uns Christen ist es das „Heilige Land“ wohl seit dem 4. Jahrhundert, als mit dem Ende der Verfolgungszeit im römischen Reich und der Auffindung des „wahren Kreuzes Christi“ in Jerusalem durch Kaiserin Helena (Mutter des römischen Kaisers Konstantin, des Großen) das Interesse der Christen an den Schauplätzen der Bibel, vor allem an Jerusalem, erwachte. Wir alle hier kennen die mittelalterliche Geschichte der Kreuzzüge – naja, innerhalb meiner Lebenszeit habe ich schon meine Ansichten darüber ändern müssen.

Wenn man wirklich kompetent über Christen in Jerusalem sprechen will, sollte man das Buch von Simon Sebag Montefiori „Jerusalem Die Biographie“ gelesen haben. (Und manche meiner lieben, geduldigen Freunde werden vielleicht mein Buch „Wessen Heiliges Land? Christen im Israel-Palästina-Konflikt“ in die Hand genommen haben, das 2008 erschienen ist, und kontrovers diskutiert worden ist).

Immer weniger Christen – in Jerusalem

Heute waren wir im Stöckl im Park (Schwarzenberg) Mittagessen.

Zuerst habe ich mit der Geschichte dieses Restaurants auseinandergesetzt, denn im „alten“ Belvedere Stöckl haben wir öfters gerne und gut gegessen.  

Beim Belvedere-Stöckl handelt es sich um einen denkmalgeschützten barocken Bau, in dem sich einst bereits ein Restaurant befand. Nach der Schließung des Lokals war das Gebäude lange dem Verfall preisgegeben. Der Verfall wurde erst gestoppt, als der Betreiber des nahen Salm Bräus und Besitzer des gleichnamigen Brauanlagenherstellers Salm, das Gebäude erwarb. Das 2017 präsentierte Projekt aus revitalisiertem Stöckl, dreistöckigem, gläsernem Neubau und Gastgarten stieß jedoch auf erbitterten Widerstand der Anrainer. Diese befürchteten Lärm- und Geruchsbelästigung durch den Gastronomiebetrieb und sprachen sich gegen die Rodung von Bäumen sowie die Verbauung einer Wiese aus. Durch diesen Anrainerwiderstand verzögerte sich die Eröffnung der Gasthausbrauerei um zwei Jahre, zudem entstanden erhebliche Zusatzkosten.

Die Brauanlage der Brauerei wurde im Altbestand untergebracht. Das dreistöckige Restaurant bietet 270 Sitzplätze, im Gastgarten können 610 Personen Platz finden. Die Speisenkarte wurde auf die Wiener bzw. Österreichische Küche ausgerichtet.

Wir sind im Gastgarten gesessen, unter uralten Bäumen, die zusätzlich zu den Schirmen guten Schatten liefern (und heute auch ein paar durchaus erwünschte Sonnenstrahlen durchließen). Außerdem blühen dort rote und rosa Rosen besonders prächtig. Der Boden ist gekiest, die Möbel – nach altem Park-Muster das Gestänge aus Metall, der Rest aus Holz, aber durchaus bequem. Man blickt stadteinwärts in den Park des Palais Schwarzenberg – indem sich dann auch die Bühne“ des Sommertheaters befindet. Um den dort befindlichen Teich steht eine ganze Menge unbesetzter Liegestühle.

Selbst heute – also nicht ganz so warm, konnte man im Stöckl sehr gemütlich im Freien sitzen – mit genügend Abstand, um auch plaudern und lachen zu können.

Die Getränke-Karte ist wesentlich größer als die Speiskarte, besonders was Biere betrifft. Und da ich Bier nur in Ausnahmsfällen trinke, kann ich dazu auch keine Stellungnahme abgeben. Das müssen Sie – so fürchte ich – schon selbst ausprobieren.

Wie in vielen Lokalen gibt es täglich ein Mittagsmenü sowohl vegetarisch als auch mit Fleisch.  Aber man kann auch a la carte essen. Am besten allerdings ist es, hier nicht allein her zu kommen: selbst die Stelze für zwei Personen scheint mir riesengroß. Ähnliches gilt wohl auch für Spareribs oder auch für die Surstelze.

Aber man durchaus auch Kleinigkeiten auf dieser Karte finden.

Ich habe heute eine Forellenfilet gegessen – wirklich vollkommen ohne Gräten, etwas, das nicht selbstverständlich ist, sie „saß“ auf Rote-Rüben-Risotto – schaut lustig aus, ganz rot und schmeckt auch köstlich!  Dazu gab’s noch Broccoli – etwas zu hart, für meinen Geschmack, aber ich weiß, wenn man Brokkoli länger kocht, dann fallen die kleinen Teilchen der Rose ab.  Dazu gab’s teilweise eben Bier oder Grünen Veltliner.

Und dann wurde noch einen Kaiserschmarrn bestellt. Für diesen Kaiserschmarrn – für den würde ich weit gehen!

Ein doppelter Espresso – macchiato, schloss das besonders gemütliche, lustige Essen ab. Vielen Dank an die Gastgeber!“

Heute waren wir im Stöckl im Park (Schwarzenberg) Mittagessen.

Walfischgasse, Moulin Rouge und Café Fenstergucker

Zurück in Wien, es ist gleich wärmer, und die Sonne scheint. So ist es halt. Und da möchte ich mich mit der Geschichte unserer näheren Umgebung beschäftige, z.B. mit der Walfischgasse und dem dortigen Moulin Rouge und dem legendären, aber untergegangenen Café Fenstergucker, Ecke Kärntnerstraße, Walfischgasse.

Also vorweg: die Gasse hat nichts mit einem Walfisch zu tun, aber auch nicht mit einem Wall, obwohl hier die Stadtmauer (Wall) nicht ferne lag. Walfischgasse wurde benannt (1919) nach dem Hausschild eines Gasthauses „Zum Walfisch“ beziehungsweise nach dem „Bey den Wallfisch“ (1700); die Schreibweise änderte sich und auch „Wallfischgasse“ war in Gebrauch.

Aber auch der Name des Gasthauses war Änderungen unterworfen: Zum Walfisch, aber auch „Zum großen Walfisch“, „Zum Jonas mit dem Walfisch“. Dieses Haus lag am ehemaligen Walfischplatz, der sich infolge veränderter Baufluchtlinien nicht mehr erhalten hat.

Die Geschichte dieses Hauses, wo sich das weiland „Zum Walfisch“, lässt sich bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts urkundlich nachvollziehen. Das Hofquartierbuch von 1566 nennt „Secretari Peugel“ als Eigentümer. Dabei handelt es sich um Balthasar Peugl, an welchen noch heute ein Epitaph an der Nordwand des Stephansdomes erinnert. Bei ihm handelte es sich wohl um den „Hausherrn“, er war jedoch nie Besitzer des Hauses. Heute haben sich auf dem wesentlich verkleinerten Platzl einerseits das Gasthaus zur Oper und im ehemaligen Moulin Rouge ein Vapiano angesiedelt – also essen kann man immer noch da.

Zum Moulin Rouge: 1884 entstand nach der Regulierung der Walfischgasse anstelle von Stallungen ein Wohnhaus, dessen Eigentümer Graf Nikolaus Esterházy und ab 1911 Benjamin Mautner-Meisels waren. Später wurde an der Westseite des Gebäudes ein pavillonartig gestalteter Seitentrakt angebaut, in dem ein Etablissement untergebracht werden konnte. „Nicht nur der Bau, auch die Architektur hatte provisorischen Charakter, ein wenig Bühnenbild, nach außen gekehrt, ein wenig Geheimnis der Schaubude.“ Und Provisorien erhalten sich in Wien immer sehr, sehr lange – also bis heute. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich hier das Kabarett Schiefe Laterne mit der angeschlossenen Rio Rita Bar. Eine am 8. April 1945 in das Dach eingeschlagene Bombe richtete keine größeren Schäden an. Nach dem Krieg entstand das Moulin Rouge in seiner heutigen Form als Varieté-Lokal mit einem Fassungsraum für 240 Personen. 1974 kaufte Heinz Werner Schimanko die Revue-Bar und betrieb sie bis Anfang der 1990er-Jahre. Weil „das (Moulin Rouge) seriös nicht mehr zu betreiben war“, verpachtete er es.

Aber jetzt endlich zum Café Fenstergucker: Ich erinnere mich an das sehr elegante Büro der Air France an dieser Stelle, später, also 2001 bis 2016 in ein Lokal von Starbucks (in Wien würde ich nie ein Starbucks betreten, bei all den vielen Caféhäusern, die es hier gibt). Aber jetzt residiert dort ein Zara Home und das ganze Haus wurde aufwendig restauriert und ein riesiger Dachausbau draufgesetzt.   

In den Jahren von 1808 bis 1886 stand hier die Schwabenburg (1823 Wohnung Carl Marias von Weber), in die 1835 Jakob Goldbach sein Kaffeehaus aus der Naglergasse verlegte („Kaiser von Österreich“) und kostbar einrichtete (künstlerische Ausmalung der Räume, Spiel- und Billardzimmer, ab 1840 Spieluhr von Johann Nepomuk Mälzel). Von 1843 bis 1854 führte Johann Baptist Corti das Kaffeehaus (Cortisches Kaffeehaus), danach seine Mutter.

Cafetier Josef Scheidl feierte am 16. April 1897 sein 50-jähriges Jubiläum. Er kam 1847 aus Dobersberg in Niederösterreich nach Wien und wurde mit dem Literaten- und Künstler-Café Fenstergucker nach knapp zehn Jahren einer der populärsten Wiener Cafetiers. 1911 übernahm der Ober Leopold Steger seinen Arbeitsplatz, das Café. Nachdem Leopold Steger nach seiner Verabschiedung am 14. Mai 1921 auf das Land übersiedelte, wurde das Fenstergucker eine Wechselstube der Bodenkreditanstalt. Aber das blieb nicht so, im Jahr 1932 wurde es neuerlich eröffnet, aber nicht durch den Betreiber des Kursalons Hans Hübner, der als Favorit unter den Bewerbern galt, sondern neben zwei anderen Bewerbern und nach zahlreichen Verhandlungen von Caroline Leopoldine Schöner. Frau Schöner machte das Fenstergucker nach einem Umbau durch Carl Witzmann zu einem beliebten Stadtkaffeehaus. Dazu berichtet Major Zitterhofer in Danzer’s Armee-Zeitung am 19. Februar 1932, dass Frau Schöner als neue Besitzerin es in charmanter Art verstand, gesellschaftliche und kulinarische Brücken aus der neuen in die alte Zeit und umgekehrt zu schlagen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus – und damit das Café von Bomben zerstört.

Das Café Fenstergucker der Vorkriegszeit erlebte seine Auferstehung 1940 in einem Film. Dieser Film entstand im Atelier der Wien-Film am Rosenhügel. Das Café Fenstergucker der Vorkriegszeit wurde in der Aufnahmehalle nachgebaut. Dort drehte Géza von Bolváry seinen Film „Wiener G’schichten“. Das „Café Fenstergucker“ wurde damit nach dem Drehbuch von Ernst Marischka Schauplatz heiterer, besinnlicher, aber auch ein wenig dunkler Ereignisse, inmitten derer die beiden rivalisierenden Ober Ferdinand (Paul Hörbiger) und Josef (Hans Moser) rund um die von Ferdinand heimlich geliebte Chefin, Christine Lechner (Marte Harell) standen.

Schade, dass es dort kein Café mehr gibt.  Ich wäre dort sicher gerne Stammgast.

Walfischgasse, Moulin Rouge und Café Fenstergucker

Ausseer Land – im traditionellen Schnürlregen

Es ist schon wieder vorbei – das verlängerte Wochenende im Ausseerland. Schön war’s! Eine kleine Enttäuschung war aber leider auch dabei. Das Narzissenfest war bei diesem Ausflug nicht geplant gewesen und war demgemäß ein außerordentliches Geschenk. Aber leider ist es uns nicht gelungen auch nur eine Narzissenwiese zu entdecken. Ich weiß schon: selber schuld, ich hätte mich ja an Narzissen Pflücken (Teil des Festprogramms) beteiligen können, aber so etwas finde ich nicht lustig, ich wollte meine „eigene“ Narzissenwiese sehen. Dabei haben wir sogar Unterstützung gehabt, Freunde, die in der Gegend ansässig sind, haben uns zuerst zu einem Spaziergang zu Narzissen Wiesen und dann zu einem köstlichen Nachtmahl (in Bad Goisern) eingeladen. Wahrscheinlich war alles in der Umgebung schon „ausgepflückt“.

Andererseits haben wir bei dem Spaziergang (Teil des Dachsteinrundwegs) – aber auch schon bei der Autofahrt zum Anfang des Spazierganges die wunderbare Landschaft rund um den Koppenpass erlebt. Die Nähe der Traun und das regenreiche Wetter der letzten Tage machten diesen Spaziergang anfangs etwas „gatschig“; er bot aber fast mystische Landschaften und wir waren weitgehend allein unterwegs. Besonders angetan hat mir der kleine „See“ (vielleicht würden andere Teich sagen) – Koppenwinkel, auf dem Nebel lag, indem sich der Bewuchs der beiden Inselchen spiegelte, die Oberfläche war ganz ruhig, das Wasser war klar, man sah Baumstämme, die unter Wasser lagen, und ich war an Avalon erinnert. Es ist jetzt die richtige Jahreszeit für dieses Erlebnis, denn im Sommer ist dieses Gewässer manchmal ausgetrocknet.

Ein wenig weiter fanden wir eine wunderschöne Wiese mit unterschiedlichen Blumen (nur keine Narzissen!) mitten in diesem engen Tal, umgeben dunklem hohen Wald – recht naturbelassen, von steilen grauen Berghängen, die wir umgehend als Hexenwiese bezeichneten, denn grad hier könnten Hexen in der Walpurgisnach eingeritten kommen. Zu meiner ganz großen Freude konnte ich dann am Wegrand noch – diese lieblichen Trollblumen entdecken.

Am Sonntag – dem eigentlichen Höhepunkt des Narzissenfestes, an dem die „Parade“ der aus Narzissen gefertigten Figuren auf dem See erfolgt, hat es geregnet, zwar nicht sehr heftig, aber grad ausreichend um schön nass zu werden, der dort heimische Schnürlregen halt. Die Polizei, unterstützt von der Feuerwehr bemühte sich redlich, den Zustrom an Touristen zu regeln. Überall waren Buden aufgestellt, die allerhand Ess- und Trinkbares anboten. Wiesen waren in Parkplätze umgewandelt worden, wo dann schwerere Fahrzeuge aufgrund des aufgeweichten Bodens herausgeschoben werden mussten.

Viele der Besucher dieses Festes waren, wie man zu Unrecht sagt, „andirndelt“, also in Tracht gekleidet. Ich mag ja dieses Ausseer Dirndl (grüner Leib, rosa Rock, lila Schürze  – oder farblich umgekehrt) besonders gerne, aber auch andere Dirndlkombinationen waren zu sehen, halt leider unter teilweise Wetterflecken, aber auch Plastikjacken. Viele der Herren waren in der traditionellen Lederhose mit Joppe erschienen– aber auch oft unter allerhand Regenschutzmaßnahmen verborgen, man sah viele Hüte – für Damen und Herren. Man konnte auch die traditionellen Kopfbedeckungen der Kumpel aus den umliegenden Salz-Bergwerken sehen.  Wirklich schade, dass das alles immer – regengeschützt – ein wenig verhüllt war.

Und alle strebten zum Seeufer, wenn man sich in diese Richtung begab, sah man zuerst ein Meer von bunten Schirmen, am Ufer selbst, auf allen Wegen dorthin und entlang dieses Ufers.  Wir hatten ja ursprünglich vorgehabt, diesen wirklich atemberaubenden Spaziergang rund um den See zu machen, und dabei alle diese Aufbauten auf den Plätten zu bewundern. Aber bei dem Wetter! Naja, einige der Figuren fuhren auch an unserem Platz am Seeufer vorbei, aber wenn man mit Schirm in einer Plätte sitzen muss, ist das halt auch halb so lustig. Am meisten von den Figuren hat mich der Oktopus, der die Zähne (?) putzt, beeindruckt.

Sehr inspirierend fand ich auch die Blasorchester, die an verschiedenen Plätzen die Besucher unterhielten. Alle sind gleich anders „geschritten“, bei den Kängen von „Mir san vom K und K Infantrie-Regiment Hoch und Deutschmeister Numm´ro vier“. Da uns allen früher oder später etwas kalt wurde, wir mit und ohne Schirm einigermaßen nass waren, waren wir dann doch ganz froh, uns in beheizten Autos zurückzuziehen und leider zu  bald wieder die Heimfahrt anzutreten.

Schön war’s (wie immer) im Ausseerland.

Ausseer Land – im traditionellen Schnürlregen

L.`s Erstkommunion

Zu Christi Himmelfahrt haben wir die Erstkommunion einer meiner Enkeltöchter gefeiert. Sie war sehr aufgeregt und es war ihr ihr eigenes Aussehen wie aber auch das Aussehen ihrer Eltern und ihres Bruders sehr wichtig. Ich gestehe, dass sie alle miteinander auch sehr eindrucksvoll ausgesehen haben. Sie selbst in bodenlangem Weiß, die Haare in Locken und drüber ein Blumenkränzchen. Die Mama in elegantem Dunkelblau, der Vater mit Krawatte, die ihm seit „schon immer“ zuwider war, der Bruder in dem zu klein gewordenen eigenem Kommunionsanzug.

Die Zeremonie fand in der Schottenfelder Kirche, also der Pfarrkirche St. Laurenz am Schottenfeld, statt. Es handelt sich um eine barockklassizistische Saalkirche, eher groß. Den Hochaltar schuf von 1784 bis 1786 Benedikt Henrici nach einem Entwurf von Johann Baptist Hagenauer. Das ursprüngliche Altarbild Apotheose des hl. Laurentius von Peter Strudel wurde 1852 im Auftrag von Pfarrer Urban Loritz vom Maler Carl Hemerlein mit einer Darstellung des hl. Laurentius übermalt.

Aber allzu viel Aufmerksamkeit wurde ohnedies bei der Zeremonie nicht der Kirche selbst gewidmet. Die ersten Reihen waren den nächsten Angehörigen gewidmet, ganz problemlos verlief das nicht, einige – „weiter“ Verwandte mussten Spätkommenden nahen Verwandten dann Platz mach. Die Kirche war sehr gefüllt, überall auch an den Seiten standen Menschen, die Anteil an den Kindern nahmen.  „Musik“ war ein einer Seitenkapelle platziert, ein Photograph war angestellt worden (das hinderte Angehörige nicht, selbst zu photographieren, allerdings belästigten sie dann die Zeremonie nicht allzu sehr).

Dann zogen die Kinder ein. Es werden knapp zwei Dutzend gewesen sein, Mäderln und Buben, die meisten festlich gekleidet, nur bei einem – da hatten es die Eltern entweder verabsäumt oder nicht gewusst oder vielleicht auch die „feierlicher Bekleidung“ nicht finanzieren können.  Es war eine mäßig „multikultige“ Gruppe, die Wiener Bevölkerungsstruktur bedenkend, wobei man berücksichtigen muss, dass es eine römisch-katholische Zeremonie war.

Das „Mitsingen“ während der Messe fiel recht mager aus, naja, nicht alle Anverwandten durften regelmäßige Kirchgänger sein, obwohl entsprechende Unterlagen vorhanden waren. Einige der Kommunionskinder lasen die für Laien vorgesehene Texte, allesamt sehr bravourös. Der zelebrierende Priester versuchte, in seiner Predigt, auf das Wesentliche bei Kommunion hinzuweisen (eine nicht ganz einfache Aufgabe – in kindgerechter Sprache).

Nach dem Ereignis fand eine Agape in dem Hof der Kirche statt.  Es ist immer erstaunlich, welch wunderschöne Gärten in diesen dicht besiedelten Gegenden in Wien zu finden sind. Die Erwachsenen labten sich an Wein, die Kinder an Säften, es gab gute Brötchen, man saß vergnügt an Heurigentischen clan-weise beisammen. Die Geschenke (für mich ziemlich reichlich) wurden ausgepackt und bestaunt. Die Kommunionkinder und deren Geschwister konnten sich dann endlich etwas austoben. Natürlich wurde neuerlich viel photographiert.

Für mich gab es besonderes Privileg dabei: ich durfte meine im April geborene vierte Urenkelin kennenlernen. Sehr viel Notiz nahm sie (auch L. aber anders) verständlicherweise nicht von mir.

Nach und nach setzten sich die Familien ab, wir fuhren zum gemeinsamen Essen in die nahe gelegene Stumpergasse. Dort traf sich nach und nach der Groß-Clan wieder. Wir saßen an zwei jeweils großen Tischen im Schani-Garten. Die Sonne schien, die Schirme beschützten uns vor einem zu viel an Sonne. Wir saßen im Gasthaus „Zum Wohl“, das bedeutet: Lokal mit gluten- und laktosefreien österreichischen und europäischen Gerichten sowie veganen Optionen. Wie der Wirt es definierte: auch Personen mit Allergien könnten bei ihm gut und sicher essen, und die anderen merken es nicht, denn alles Probierte war ausgezeichnet und trotz auch von diesem Wirt beklagter Personalnot ging es recht flott. Sowohl die Vorspeise  als auch Nachspeise konnte man sich (auch am Tisch) selbst auswählen und es gab auch bei der Hauptspeise mehrere Optionen.  Die Portionen waren groß, man konnte das Gebotene kaum aufessen, auf Wunsch wurden Rest‘ln eingepackt. Mein Risotto mit Shrimps war ausgezeichnet, aber die köstlichen Palatschinken mit hausgemachter Marillenmarmelade waren unübertroffen.

Nachher spazierte ich noch durch die Stumpergasse bis zur Gumpendorfer Straße und bewunderte einige der Jahrhundertwendehäuser (19. – 20. Jahrhundert – wohlgemerkt).

Wieder zu Hause musste ich mich von den Aufregungen und dem vielen Essen erst einmal erholen.

L.`s Erstkommunion

Ein Ausflug an einem verlängerten Wochenende

Fahrt nach Bad Aussee beim Narzissenfest

Ein schöner Tag, das Wetter stimmt, wir fahren gemütlich von Wien weg. Die Autobahn ist zwar „voll“ aber nicht überfüllt, und das Niederösterreich entlang der Westautobahn erfreut mich immer wieder mit wunderbaren Ausblicken: Das herrliche Melk z.B. oder weiter in der Ferne Maria Taferl – und im Süden die ferne Bergwelt, die noch schneebedeckt glitzert. Ich kann das genießen, da ich ja nicht selbst fahren muss. Aber bald schon biegen wir ab, Richtung Salzkammergut. Der Traunstein, schon von der Autobahn sichtbar, zeigt uns den Weg.

Wir halten in Gmunden, jetzt wissen wir, warum es so viele Umfahrungen gibt, der Verkehr is äußerst zäh, noch dazu fährt hier eine Tram. Sobald sich eine Möglichkeit ergibt, lassen wir das Auto fallen (Kurzparkzone, dazu braucht es Münzen, Scheine werden nicht genommen). Wir begeben uns zum See, wir bewundern eine Regatta, dir weit draußen stattfindet, wir freuen uns über die Schwäne, die gerade von Kindern einer Familie fleißig gefüttert werden. Der Rathausplatz ist gerade „angerammelt“, mit einer großen Bühne und sonstigen Geräten, die für eine Veranstaltung gebraucht werden. Die ersten Besorgungen sind fällig (ich hab das Zahnbürstl vergessen und ein Geschäft mit besonders hübschen Hüten lädt ein, dort ein wenig zu verweilen – gekauft haben wir nur eine Kleinigkeit. Es steht kein Anlass zum Huttragen an).

Langsam meldet sich der Hunger und wir halten Ausschau nach einem Lokal – mit Seeblick. Wir landen auf der Terrasse des Restaurants Schwan. Wunderbar, wir speisen fein, (wir teilen jeder 2 Hälften von einerseits Spargel, andererseits lokaler Saibling). Hinterher unternehmen wir noch einen kleinen Rundgang durch die Stadt – wir finden enge, alte steile Gassen, breite Straßen mit behäbigen eleganten Bürgerhäusern – und wir finden die gotisch-barocke Pfarrkirche, mit dem Dreikönigsaltars, ein Werk des bayerisch-österreichischen Barockbildhauers Thomas Schwanthaler.

Nun, vor dem Weiterfahren benötigen wir noch eine Stärkung, wir lassen uns auf einem Platz nieder, die Tische und Sessel stehen unter einer uralten Linde und betreut wird dieses “Kaffeehaus“ von einer Bäckerei. Wir gönnen uns als „Dessert mit Kaffee“ Affogato. Genau der Richtige.

Da wir noch eine Dirndlschürze suchen, wurde uns ein Outlet am Stadtrand empfohlen, wo wir aber nicht fündig werden. Schön ist es da, entlang der Straße, die herrlichen Wälder, die rauen Felsen und die sattgrünen Wiesen. Wir fahren mehr oder minder am Seeufer entlang, um dann nach kurzer Zeit Bad Ischl zu erreichen. Hier werden wir bald fündig und finden neben Schürze auch ein Dirndl, ein passendes Tuch eine dicke Wolljacke und einen „steirisches Sakko“. Sehr zufrieden ziehen wir durch das imperiale Bad Ischl, auf Schritt und Tritt trifft man auf Tafeln mit Namen von berühmten Persönlichkeiten, die in Bad Ischl abgestiegen sind. Ein bissel erinnert es mich das hier an Baden. Wir pilgern auch pflichtgemäß am bumvollen Zauner vorbei, um uns dann letztlich unserem eigentlichen Ziel anzunähern.

Wir finden es in Bad Aussee, in der Jugendherbergstraße (wie kann man eine Straße nur so benennen, auch bei der Sparkassenstraße und der Raiffeisengasse haben wir uns das schon gefragt). Das Salzberg liegt an einer nur einseitig bebauten Straße, das Gegenüber sind Wiesen, das Haus wurde wirklich liebevoll restauriert und der Gegend angepasst. Wir werden sogleich von der Besitzerin mit einem Glas Sekt begrüßt, uns wird die Geschichte des Hauses, der Familie erläutert. Man ist schon sehr stolz, dass heuer die Tochter der Familie Narzissen-Prinzessin ist. Derzeit findet hier – von uns eher nicht geplant – das Narzissenfest statt. Die Narzisse hat im steirischen Salzkammergut eine weiße Blüte und wächst in der Region auf den Wiesen, welche durch eine weniger intensive Landwirtschaft bewirtschaftet werden. Leider haben wir bisher keinen Narzissen Wiese gesehen. Das Fest dauert vier Tage, in denen den Gästen eine Vielzahl von Veranstaltungen geboten wird. Die Idee, ein Narzissenfest zu organisieren, kam eigentlich Ende der 1950er Jahre aus Mariazell. Dort scheiterte man nach einer ersten Durchführung an den Kosten, die nicht mehr tragbar geworden waren. Anders im Ausseerland: Narzissen-Wiesen gab und gibt es hier in großer Zahl, und die wirtschaftlich schwierige Situation bewältigten die Ausseerinnen und Ausseer durch eine enorme Eigenleistung. 1960 veranstaltete der Fremdenverkehrsverein Bad Aussee das Narzissenfest erstmals in Bad Aussee. Ich freue mich besonders auf den Bootskorso, den ich noch nie gesehen haben (außer im Fernsehen).

Nachdem wir uns gemütlich in einem Appartement installiert hatten, und wirklich alles vorfanden, was man nur so brauchen könnte, fuhren wir noch nach Alt-Aussee, wo wir dann zusammen mit dem Groß Clan meines Sohnes, der in dem „angestammten Quartier“ logiert, in dem wir auch vor 2 Jahren gewohnt hatten, ein köstliches Nachtmahl verzehrten.

Nachdem es den ganzen Tag so schön gewesen war, zogen ganz dunkle Wolken auf, die Gewitter und Regen versprachen.

Der angekündigte Regen kam dann in der Nacht.

Ein Ausflug an einem verlängerten Wochenende

Manchmal leider selten, etwas zum Lachen

Im Zusammenhang mit dem schrecklichen Russland-Ukraine Konflikt

Ob Sie’s glauben oder nicht: es gibt den Pik (Wladimir) Putin, ein 4446 m hoher Berg im Westen des Tienschan-Gebirges in Kirgisistan. Das allein ist für mich schon g’spaßig. Der bis dahin unbenannte Berg wurde am 17. Februar 2011 auf Vorschlag des damaligen Premierministers Almasbek Atambajew (* 17. September 1956 in Araschan, Gebiet Tschüi, Kirgisische SSR, Sowjetunion, ist ein kirgisischer Politiker. Er war von 2011 bis 2017 Präsident seines Landes. Zuvor war er ab 30. Juni 1999 der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Kirgisistans sowie vom 29. März bis zum 28. November 2007 und nochmals ab dem 17. Dezember 2010 Regierungschef) mit Beschluss des kirgisischen Einkammer-Parlaments Dschogorku Kengesch nach Wladimir Putin benannt. Damit der „Pik Putin“ überhaupt möglich wurde, musste Premierminister Almasbek Atambajew dafür extra noch eine Gesetzesänderung durchboxen. Bis dahin war es nämlich nicht erlaubt, Berge nach noch lebenden Personen zu benennen. Pik Putin liegt etwa 50 Kilometer südlich der Staatshauptstadt Bischkek im Tschuja-Gebiet in den Alatau-Bergen. Naja, wo auch immer!

Aber Putin war nicht der Erste, nachdem Berge benannt wurden:  In Kirgisistan gibt es bereits im Terskej-Alatau den Pik Jelzin (5216 m) und an der Grenze zu Tadschikistan den seit 1928 so benannten Pik Lenin (7134 m). Die sind aber höher als der Pik Putin!

Dort, tausende Kilometer von Kiew und Moskau entfernt, haben einige unbekannte Kriegsgegner (?) nun die ukrainische Flagge gehisst (oder eine Bild-Montage vorgenommen).

Auf einem veröffentlichten Video ist jedenfalls zu sehen, wie die Fahne im starken Wind über dem Gebirge flattert. Inmitten des weißen Schnees und grauen Himmels sticht das Blau-Gelb der ukrainischen Nationalfarben direkt hervor.

Ob es Putin wohl gesehen hat und hat er sich vielleicht sogar geärgert?

(Hoffentlich bin ich damit nicht zum Opfer des Informationskrieges geworden!)

Manchmal leider selten, etwas zum Lachen

Im Akademietheater: Der Fiskus

meinerseits keine Empfehlung

Gestern war ich Akademietheater, ich sah ein Stück, das eigentlich für „das Kasino“ gedacht war. Es heißt „der Fiskus“, geschrieben von Felicia Zeller (* 1970 in Stuttgart, Schriftstellerin und Dramatikerin). Inszeniert wurde es von Anita Vulesica (* 1974, deutsche Schauspielerin).

Gespielt wurde m. E. gut, obwohl eine der Schauspielerinnen für diese Aufführung ausgetauscht werden musste. Die Idee ein Stück über Finanzen zu schreiben, finde auch auch grundsätzlich gut. Schließlich muss jeder von uns Steuererklärungen ausfüllen, die dann von – für uns anonymen Beamt: innen geprüft werden. Und um die Arbeit und Arbeitsbedingungen dieser Beamt: innen geht es in dem Stück. Das Bühnenbild von Henrike Engel ist – den Anforderungen (heruntergekommenes Finanzamt) entsprechend hässlich und für mich nicht ganz adäquat oder besser gesagt logisch, aber das war das geringste Übel.

Ich war gespannt – vor allem nach dem Lesen des diesmal ausgezeichneten Programms.

Naja, ich wurde ziemlich enttäuscht, ich weiß nicht genau, wer das Stück für den Mühlheimer Dramatikerpreis 2020 nominiert hat. Auf mich wirkte es wie eine Laienaufführung (bei der die Beteiligten eine große Hetz haben) einer Bürogemeinschaft für die Pensionierung ihres Chefs. Sorry! Und daran waren sicher nicht die Schauspieler schuld. Ich gebe aber zu, im Publikum wurde sehr viel und laut gelacht (wenn nicht sogar gekudert = auffällig, kindisch lachen). Das Theater war auch ziemlich voll und fast niemand trug mehr eine Maske. Nur 2 Personen verließen das Theater während des Stücks (ich hab‘ sie beneidet)

Manches war wirklich nicht unkomisch, das mehrmalige Ausgehen des Lichts im Büro, die darauffolgenden Abstürze der Computer. Noch erträglich komisch waren die staubigen Plastikabdeckungen und der steckengebliebene Lift. Ein bissel ernster war das Mobbing einer älteren Mitarbeiterin. Die Spannungen zwischen den Mitarbeitern waren eher schon spürbar.

Warum die Schauspierinnen und der Schauspieler sich pausenlos verrenken mussten (sie machten das großartig) und herumtanzen mussten, habe ich leider nicht eingesehen. Sollten das Entspannungsübungen sein?

Mein Problem bei der Aufführung war, dass ich trotz gut eingestellter Hörgerate, (ja in bin alt, ich höre schlecht) sehr, sehr schlecht verstanden habe. Es kam daher, dass im Stakkato gesprochen wurde (es hörte sich leider wie Schnattern an), dass die Schauspieler sich dabei in absurder Weise bewegen mussten und daher in alle Richtungen „sprachen“, teilweise mit Musik untermalt. Ich verstand nur einzelne Key-Words und konnte daher der „Handlung“ einigermaßen folgen. Für mich spielt aber Sprache eine große Rolle und ich finde es schade, wenn sie dem Klamauk untergeordnet wird.

Aber zum Glück hat dieser Spuk nur 1 ¾ Stunden gedauert – keine Pause!

Im Akademietheater: Der Fiskus

Vom Rosinenbomber 1948/49 zu Babynahrungsbomber 2022 in Richtung USA

Es ist schon erstaunlich, wie sich die Welt dreht. Ich denke noch an die so genannten Rosinenbomber, das waren jene Flugzeuge der Alliierten zur Zeit der Berliner Luftbrücke, die West-Berlin mit Lebensmitteln und anderen lebenswichtigen Hilfsmitteln versorgten. Dazu gehörte ganz wesentlich auch Brennmaterial wie Briketts, nachdem die sowjetische Besatzungsmacht die Land- und Wasserwege von der Trizone nach West-Berlin vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 durch die Berlin-Blockade gesperrt hatte. Am 30. September 1949 wurde die Luftbrücke offiziell beendet. Der Name „Rosinenbomber“ nimmt Bezug auf die freiwilligen Hilfspakete, die die US-amerikanischen Flugzeugbesatzungen vor der Landung und vor der eigentlichen Verteilung an kleinen selbstgebastelten Fallschirmen aus den Flugzeugen warfen, um den wartenden Kindern eine Freude zu machen. Die abgeworfenen Päckchen enthielten meistens Schokolade, Kaugummi und vermutlich auch Rosinen. An der Luftbrücke nahmen Piloten und Flugzeuge mehrerer Nationen teil, die mit allen möglichen Flugzeugtypen verschiedene Ziele in Berlin anflogen, einschließlich Landungen auf der Havel bei Kladow mit britischen Flugbooten. Die Anflugstrecken zum damaligen Flughafen Tempelhof und dem während der Blockade erbauten Flughafen Tegel führten allerdings über dicht besiedeltes Stadtgebiet, wo sich viele Kinder nach der Schule versammelten, um auf die Rosinenbomber zu warten.

Und heute: fliegen Flugzeuge von Ramstein (Militärflugplatz der United States Air Force und das Hauptquartier der United States Air Forces in Europe – Air Forces Africa und das Hauptquartier des Allied Air Command Ramstein, einer NATO-Kommandobehörde zur Führung von Luftstreitkräften) in die USA vollgefüllt mit Babynahrung, denn die Regierung Biden lässt Säuglingsnahrung aus Europa per Sondertransporte in die USA fliegen. An Bord befinden sich Produkte des Nestlé-Konzerns. Schon zuvor wurden Nestlé Babymilch-Dosen nicht mehr nur per Schiff in die USA geliefert, sondern per Luftfracht – „damit es schneller geht“.

Wie kam es überhaupt dazu: Die Babymilch-Krise in den USA wurde virulent, als Mitte Februar 2020 der größte Anbieter im Land, Abbott Laboratories, gewisse Produkte wegen gesundheitlicher Bedenken aus dem Verkauf nehmen und eine Fabrik stilllegen musste.

Nestle bietet schon lange Säuglingsnahrung in den USA an. Die Fläschchenmilch stammt von der Tochtermarke Gerber. Diese produziert einerseits in zwei Fabriken in den USA. Die Werke liefen mit voller Auslastung, anderseits wird eine Gerber-Produktlinie für Kinder mit Kuhmilch-Allergie in einer Fabrik in den Niederlanden hergestellt. Diese spezielle Säuglingsnahrung war Teil der Sonderlieferung, die nun per US-Militärmaschine in die USA ging. Ebenfalls in dem Militärflugzeug befanden sich Nestlé-Produkte der Marke Alfamino. Diese Linie für Kinder mit Allergien wird im in der Schweiz für den Export in die USA und in weitere Märkte hergestellt. Auch dort wurde das Produktionsvolumen ausgeweitet.

Dennoch wird diese Krise kurzfristig schwer zu beheben sein. Mit Abbott Laboratories hat ausgerechnet jener Anbieter einen großen Teil seiner Produkte zurückgerufen, der zuvor über 40 Prozent aller Säuglingsnahrung in den USA verkauft hatte. Die fehlenden Mengen sind kaum zu kompensieren. Zum andern ist das Potenzial für Einfuhren in die Vereinigten Staaten begrenzt. Der Markt für Säuglingsnahrung ist streng reguliert: Es dürfen nur Produkte verkauft werden, die von der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) zugelassen worden sind. Deshalb können im Moment nur jene Produkte verstärkt in die USA liefern, die sie schon dort registriert hatten.

Die FDA hat jetzt allerdings neue Richtlinien erlassen. Sie sollen es auch ausländischen Herstellern ermöglichen, Säuglingsnahrung einzuführen, die nicht für den US-Markt produziert wurde. Das wäre doch auch eine Chance für österreichische Baby-Nahrungsproduzenten, wie z.B.  Hipp oder Milupa?

Es stellt sich aber schon die Frage, wie lange die Babymilch-Krise in den USA noch dauert. Abbott Laboratories hat sich mit der FDA geeinigt, die ausgesetzte Produktion Anfang Juni wieder aufzunehmen. In ein bis zwei Monaten könnte deshalb wieder genug Säuglingsnahrung in den Regalen amerikanischer Detailhändler zu finden sein.

Grundsätzlich ist der Verkauf von Säuglingsnahrung ein attraktives Geschäft. Laut Schätzungen dürften die großen Anbieter in der Branche operative Gewinnmargen von 20 bis 25 Prozent erzielen. In der Corona-Krise ist die Zahl der Geburten zwar in vielen Weltregionen vorübergehend zurückgegangen, weshalb die Absätze schwächelten. Aber wichtiger dürften die längerfristigen Aussichten sein. Hersteller setzen darauf, dass sich die Eltern auch in Schwellenländern Gedanken über die Ernährung ihres Nachwuchses machen. Wenn Stillen nicht infrage kommt, soll eine möglichst hochwertige Alternative zur Verfügung stehen.

Das Produktangebot muss sehr differenziert sein: So gibt es spezielle Säuglingsnahrung für Kinder mit Allergien. Ebenfalls werden Produkte auf Bio-Basis oder in veganen oder Halal-Versionen angeboten. Gerade in diesen Nischen  müssten doch auch längerfristig für Österreich Chancen bestehen.

Vom Rosinenbomber 1948/49 zu Babynahrungsbomber 2022 in Richtung USA