Folgen den Worten auch Taten?

Oder soll uns allen nur eine Heidenangst eingejagt werden, zum Vorteil Russlands?

Soweit ich das über unsere Medien und in Übersetzung mitkriege, wird derzeit in Russland von den Verantwortlichen schauderhaft gedroht. Und zwar in wirklich ekelerregender Sprache: da ist vom „Ausradieren“ ganzer Städte in Westeuropa die Rede oder vom Verursachen eines Tsunami der ganz Großbritannien verschluckt, vom Einsatz von mit Atomwaffen bestückten unaufhaltbaren „Superraketen“ …

Was klingt, als käme es in einem Hollywood-Streifen vor, wird von Politikern und Militärs in Russland derzeit täglich und öffentlich in Fernsehsendungen diskutiert. Droht der Krieg mit der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine endgültig zu eskalieren und könnte der russische Präsident Wladimir Putin wirklich einen Atomkrieg starten? Denn nach einen Atomeinsatz Russlands in Europa bliebe wohl auch Russland nicht von Atombomben verschont. Eine grauenhafte Aussicht.

Das Russische Staatsfernsehen zeigt: wie die Unterwasserdrohne Poseidon einen Tsunami auslösen könnte, der die Britischen Inseln zerstört. Der russische Staatssender Rossija 24 hatte zuletzt in einer Grafik gezeigt, wie Kreml-Chef Wladimir Putin einen Atomschlag auf drei europäische Hauptstädte ausführen würde, und dazu erklärt, dass es „keine Überlebenden“ geben werde. Angeblich sollen Raketen von Kaliningrad, der russischen Enklave zwischen Polen, Litauen und der Ostsee, abgeschossen werden. Diese könnten demnach Berlin in 106 Sekunden, Paris in 200 Sekunden und London in 202 Sekunden erreichen. Die Sarmat-Rakete, die von der Nato als SS-X-30 Satan 2 bezeichnet wird, wurde am 20. April 2022 erfolgreich getestet. Putin schwärmt, das Waffensystem könne „alle modernen Mittel der Raketenabwehr überwinden“. Es wurde gewarnt, dass der Westen sich auf einen Krieg mit Russland in der Ukraine auf „im schlimmsten Fall“ vorbereiten müsse, da der russische Präsident die Parade zum Tag des Sieges am 9. Mai nutzen könnte, um den „totalen Krieg“ zu erklären. (Kommt Ihnen auch der „totale Krieg“ bekannt vor? Hat den nicht Goebbels 1943 verkündet? Und was ist daraus geworden?)  Gilt das Gleichgewicht des Schreckens (ehemals gültig im Kalten Krieg) nun heute nicht mehr?

Und das wird nicht nur vom Präsidenten selbst angekündigt, sondern breit im Fernsehen von selbsternannten „Experten“ (ich habe manchen Experten schon immer misstraut) diskutiert. Das alles, weil ein oder zwei Länder der Nato beitreten wollen, und sich die Grenze Russlands zur Nato verlängert, oder weil ein weiteres Land der Ukraine „schwere Waffen“ (Panzer) liefern will?

Darf das wahr sein, im 21. Jahrhundert? Ja historisch gesehen war es „üblich“, dass der „Stärkere“ den „Schwächeren“ beraubte, ihm Land entriss und sich als Sieger feiern ließ. Wir kennen das von den Römern – die auf diese Art ihr Weltreich errichteten. Das war im Mittelalter so, z.B. als England und Frankreich 100 Jahre auch um Land kämpften, das war bei der Eroberung der Neuen Welt durch die Spanier und Portugiesen so. Es war akzeptiert. Auch Russland hat sich periodisch vergrößert, bis es dann zu einem Imperium herangewachsen war. Die Osmanen haben es lange praktiziert, bis sie endlich durch Prinz Eugen geschlagen wurden. Napoleon – auch Hitler – war desbezüglich lange erfolgreich, wurde aber letztlich besiegt.  

Kämpfen, um Land zu erobern war akzeptiert – sogar Hitler hat man es noch lange nachgesehen (Tschechoslowakei), zu lange! Bis dann der große Krieg unvermeidlich war.

Aber heute ist es einfach nicht mehr „akzeptabel“. Der Westen ist vereint in der Meinung, dass „Land Erobern“ einfach NICHT GEHT! Naja, beim Einmarsch der Amerikaner in den Irak haben leider die meisten von uns geschwiegen – das war wohl ein Fehler.

Aber „der Westen“ war schon lange nicht so vereint, sowohl in der Haltung „gegen Eroberungskriege“ wie auch in der Haltung des Friedensbewahrung.

Vielleicht ist die Atomdrohung einerseits eine „Nachricht an den Westen“, andererseits eine Botschaft an das russische Volk. Putin hat recht früh mit der Nukleardrohung nach Start des Krieges begonnen, ja, es ist eine Option, dass solche Waffen ins Spiel gebracht würden. Primär aber ist es eine Warnung an den Westen, nicht in den Ukraine-Krieg einzugreifen. Aber es ist auch eine Nachricht an die eigene Bevölkerung – nämlich, dass man die Feinde Russlands und europäische Städte „ausradieren“ könne.

Vielleicht (sicher kann das leider keiner sagen) dient dieses grausliche Gerede über den Einsatz von „Unterwasserdrohnen, die einen Tsunami auslösen“ oder „mit Atomsprengköpfen bestückte unaufhaltsame Raketen“ nur dem Schüren der Angst der Europäer? Sollen sie veranlasst werden, noch möglichst viel Erdöl und Gas von Russland zu den plötzlich rasant steigenden Preisen zu kaufen, um die Kriegsmaschine Russlands gegen die Ukraine am Laufen zu erhalten?

Wir wissen es nicht. Ich kann nur den (echten westlichen) Experten vertrauen, die meinen, dass das nur die Kriegstrommeln wären, die heftig geschlagen werden.

Folgen den Worten auch Taten?

4 Gedanken zu “Folgen den Worten auch Taten?

  1. Danke für die Antwort. Hatte es sehr bereut, diesen Blogartikel gestern Abend noch gelesen zu haben. Das verfolgte mich in den kaum möglichen Schlaf. – Und was für eine schreckliche Angstmache das ist!

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