Der liebliche Mai?

In früheren Tagen habe ich den Mai gefürchtet. Da sind Ereignisse zusammengefallen, die mich bedroht haben. Da fanden der Muttertag, der Geburtstag meiner Mutter und der Hochzeitstag meiner Eltern statt. Meine Mutter war sehr schwierig zu beschenken, man konnte es nicht richtig machen, egal – bei den Gedichten als Kind stotterte ich, bei den Klavierstücken patzte ich, Zeichnen war nie meine Stärke und so sahen die Zeichnungen aus, auf die meine Mutter kaum einen Blick warf, bevor sie entsorgt wurden. Wenn ich einmal – zusammen mit einer sehr kreativen Freundin -etwas gebastelt hatte, wurde es als „Schmarrn“ bezeichnet und ebenfalls gleich weggeworfen. Gekaufte Blumen kosteten zu viel und gepflückte, abgerissene Blumen (Flieder oder Vergissmeinnicht) galten als lieblos. Aber nichts zu schenken, kam auch nicht in Frage, das wäre dann als rücksichtlos und undankbar bezeichnet worden. Auch noch als Erwachsene konnte ich nichts richtig machen, bei Geschenken für meine Mutter. Kleidungsstücke wanderten umgehend in den Kasten und wurden nie getragen, Schmuck wurde später „zurückgeschenkt“ …

Den Hochzeitstag meiner Eltern „beachtete“ ich erst nach dem frühen Tod meines Vaters. Ganz genau weiß ich nicht, was mich dazu bewog, jedes Jahr meiner Mutter Blumen (von ihr dann ohnedies als unnötig bezeichnet) zu bringen.

Jetzt ist das alles anders, der (dräuende) Geburtstag etc. von meiner Mutter wurde abgelöst vom fast zeitgleich stattfindenden Geburtstag meiner Enkeltochter. Der Muttertag hat auch seinen Schrecken verloren.  Und beim Geburtstag meiner Enkeltochter hatte sich bald ein Ritual herausgebildet, das für alle Beteiligten sehr lustig war. Dazu ist vorauszuschicken, dass meine Enkeltochter ein „Shoemaniac“ ist, und man kann ihr mit kaum etwas mehr Freude machen als mit, ja, exzentrischen Schuhen. Und die allerschönsten Schuhe gab und gibt es:  beim Wunderl in Sollenau. Der Schuhkauf war auch eingebettet in einen Art Familienausflug: Teilnehmer meine Enkelin – die Prinzessin, daher wurde dieser Tag auch Prinzessinnentag genannt – ihre Mutter, mein Mann und ich. Gemeinsam fuhren wir am relativ frühen Nachmittag – werktags selbstverständlich – (die Terminsuche dafür war immer etwas schwierig) nach Sollenau. Dort wurde mein Mann in die Mitte des Verkaufssalons platziert, auf einem Tisch gab es Prosecco und kleine Häppchen für alle (auf Wunsch auch Kaffee) und die Prinzessin schritt durch den Salon und zeigte auf dieses und jenes. Schließlich saß sie beglückt – umgeben von mindestens 10 Schuhschachteln, die aber ständig wieder ausgetauscht wurden, und probierte. Mein Mann entschied dann letztendlich.  

Während dieser, doch länger dauernden Prozedur, wählten meine Schwiegertochter und ich dann ebenfalls Schuhe aus, allerdings meist eher „funktionstüchtige“, im Gegensatz zu „highest Heels und Bänder-Varianten“ meiner Enkeltochter. Aufgrund von „losen Verwandtschaftsverhältnissen“ waren die Preise der Designerschuhe für uns vorzeitig bereits auf „Ausverkaufsniveau“ und dazu gab es noch einen Familienrabatt. Es waren dann letztendlich mindestens vier Paar Schuhe mit denen wir alle miteinander beglückt weiterzogen.

Dann kam der zweite Teil der Veranstaltung: wir fuhren – auf den Tulbinger Kogel. Sie werden bemerken, dass der Tulbinger Kogel nicht genau neben Sollenau liegt, aber es war eben der Tulbinger Kogel, ein in der Familie sehr beliebtes Ausflugsziel und Geburtstagsfeierort. Als meine Enkeltochter dann schon verheiratet war, „klaubten“ wir ihren Mann auf dem Weg zum Restaurant auf. (Er meinte, dass ihn dieser Schuhkauf „weniger liege“). Meist war es im Mai, wenn wir im Restaurant ankamen, für den wunderschönen Garten leider schon zu kühl.

Die Zeiten änderten sich, meine Enkeltochter hat jetzt selbst zwei ganz goldige kleine Töchter, die allerdings zum Schuhkauf, der noch immer zelebriert wird, nicht mitkommen dürfen (noch nicht?). Mein Mann ist zwischenzeitlich leider gestorben und kann nicht mehr entscheiden, welche Schuhe die Schönsten für die Prinzessin sind. Corona hat uns diverse Lockdowns beschert.

Aber diese Schuhe (auch nicht mehr die „großen, berühmten“ Marken), sondern wunderschöne italienische, elegante Schuhe werden zuweilen auch in einen Pop-Up Geschäft in Wien verkauft. Und noch eine Änderung: von zwei Paar Schuhen wählt meine Enkeltochter doch auch ein Paar flache Schuhe aus! (Ich kann ohnedies nur mehr flache Schuhe, möglichst mit dicker Gummisohle tragen – auch schade!)

Aber eigentlich – wenn ich’s so recht bedenke, meine ich, dass wir dennoch wieder den Prinzessinnentag heuer in Sollenau zelebrieren sollten?

Der liebliche Mai?

2 Gedanken zu “Der liebliche Mai?

  1. Christiane Sandpeck schreibt:

    Ich kann´s verstehen, denn auch ich genieße mit meiner Prinzessin die Shoppingtour durch den Smyths Toys Superstores in Stadlau. Sie zu beobachten, da geht mir das Herz auf!

    Gefällt mir

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