Das Ziel von Kriegen: Beute machen

Heute wie damals, wie schon immer!

An das Frühjahr 1945 – und die folgenden Jahre kann ich mich gut erinnern. Und Meldungen aus der Ukraine rufen viele dieser Erinnerungen wach.

Es empört mich derzeit: Russische Schiffe führen ukrainischen Weizen nach Syrien aus, die Armee beschießt Getreidesilos und konfisziert Landwirtschaftsmaschinen. Es droht eine Hungerkrise in der Ukraine und in der Welt. Eigentlich kann kein ukrainischer Weizen mehr über das Schwarze Meer transportiert werden. Denn Russland hat alle Häfen der Ukraine blockiert. Dennoch wird der ukrainische Weizen weiter verschifft – von russischen Frachtern.

Zwischen 400 000 und 500 000 Tonnen Weizen aus der Ukraine seien von Russland beschlagnahmt worden, sagt der ukrainische Landwirtschaftsminister. Diese Menge würde knapp 6 Millionen Menschen für ein Jahr versorgen! Der Großteil des konfiszierten Weizens wird auf dem Landweg auf die 2014 annektierten Halbinsel Krim gebracht. Von den Häfen auf der Krim wird der Weizen weiter über das Schwarze Meer und anschließend über das Mittelmeer verschifft. In den meisten Fällen ist Syrien das Ziel des Weizens. Die 27 000 Tonnen auf der „Matros Posinitsch“ hätten eigentlich nach Ägypten geliefert werden sollen, doch verwehrte die ägyptische Regierung dem Schiff die Einfahrt. Die Ukraine drängt andere Staaten, die russischen Lieferungen nicht anzunehmen. Das mit Russland verbündete Syrien ist daher einer der wichtigsten Importeure des von Russland konfiszierten Weizens. Von Syrien aus wird der Weizen dann laut dem ukrainischen Geheimdienst in andere Länder des Mittleren Ostens geschmuggelt.

Weil die Ukraine einer der größten Weizenexporteure der Welt ist, könnte der Krieg zu einer globalen Hungerkrise führen. Doch auch im eigenen Land droht Hunger. In den von Russland besetzten Gebieten würden Bauern an der Aussaat von hochwüchsigen Pflanzen wie Mais oder Sonnenblumen gehindert, denn diese könnten Schutz für ukrainische Partisanen bieten. Die besetzten Gebiete sind auch jene Regionen, die am stärksten unter dem russischen Beschuss von Getreidesilos und dem Diebstahl von Weizen und Landwirtschaftsmaschinen zu leiden haben.

Für Russland ist der Weizen eine attraktive Beute. Auf dem Weltmarkt ist Weizen so teuer wie letztmals 2008. Kürzlich verhängte Indien zudem aufgrund schlechter Ernten einen Exportstopp für Weizen, was die Preise voraussichtlich weiter in die Höhe treiben wird. Der Weizenverkauf ist daher auch eine Devisenquelle. Russland wird nun vorgeworfen, die Ukraine als Konkurrent auf dem Weltmarkt für Nahrungsmittel ausschalten zu wollen. Russland ist mit Abstand der größte Weizenexporteur der Welt. Nimmt der weltweite Hunger zu, hätte Putin mit dem Weizen ein weiteres starkes Druckmittel in der Hand. Ja, und es wird auch anderes „Privates“ in der Ukraine mitgenommen: Unlängst sah ich das Bild eines russischen Panzers, auf den eine Waschmaschine geschnallt war ….

All das erinnert mich, als die russischen Soldaten individuell 1945 (und später national) in meinem Umfeld „Beute gemacht“ haben. Sie haben vieles mitgenommen, ob sie es nur einmal benützt haben oder behalten haben, Uhren, Füllfedern, Fahrräder – an das erinnere ich mich besonders gut, weil es meine Uhr, meine Füllfeder und mein Fahrrad waren. Aber auch Geschirr war betroffen, Silberbesteck, Wäsche, und Lebensmittel. Damals in der Nachkriegszeit haben wir uns geärgert, dass die Russen Maschinen abmontierten und nach Russland transportierten, wir haben uns geärgert, weil sie „unser Öl“ aus Zistersdorf nicht uns überließen, weil sie alles was als „deutsches Eigentum“ deklariert war – aber eigentlich urösterreichisch war, z.B. Donaudampfschifffahrtsgesellschaft – „mitnahmen“. Die anderen Alliierten nahmen davon Abstand!

Ja, so war Krieg durch Jahrhunderte, der Sieger macht Beute, er vergewaltigt Frauen und nimmt Personen als Arbeitssklaven mit.  

Wir in Europa wollten keinen Krieg mehr – nach zwei furchtbaren Weltkriegen, wir schufen uns eine „Ordnung“, innerhalb derer keine Kriege untereinander mehr nötig waren, die USA unterstützten uns dabei. Sie machten keine Beute. Anfangs war der Marshallplan, dann wurde die Montanunion vereinbart (um die nationale Waffenproduktion zu kontrollieren), dann kam es zur Europäischen Gemeinschaft, zu Euratom, den Helsinki-Akten und daraus folgend die OECD etc. etc. Österreich verschrieb sich seine Neutralität.  Aber wir glaubten, damit den Krieg gebannt zu haben.

Wir waren erschrocken, als in den Neunzigern des vorigen Jahrhunderts, ohnedies erst zehn Jahre nach Titos Tod, Jugoslawien kriegerisch auseinanderbrach.

Und nach alldem macht jetzt der Kreml einen Krieg – wie er immer schon war: mit viel Beute, mit Vergewaltigung von Frauen, mit Verschleppung von Arbeitssklaven und Landgewinn. Putin darf damit nicht durchkommen, denn sonst fährt er fort, anderswo Land zu erobern, er ist diesbezüglich unersättlich, bis das „russische Imperium“ von ehedem seinen vollen Umfang erreicht haben wird.

Das Ziel von Kriegen: Beute machen

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