Es erfreut mich immer wieder: das Ausstellungsgebäude der Wiener Secession

Mit seinem goldenen „Krauthappel“

Gestern war das Wetter einigermaßen wechselhaft – sollte ich wirklich weggehen? Aber man kann sich ja nicht so gehen lassen, und außerdem gibt es in Wien „unterirdische Wege“. Ich kann am Kärntnerring „abtauchen“ und bei der Sezession wieder auftauchen. Dieses unterirdische Stück Weges ist zum Teil relativ wenig begangen und – so finde ich – hübsch und informativ. Probieren Sie es einmal.

Ich muss ein Geständnis machen – ich war bisher noch nie in der Secession – also genau genommen, in dem Ausstellungsgebäude der Wiener Secession. Vorbeigegangen, Vorbeigefahren, und das Gebäude bewundert habe ich schon immer, dabei hat es mir die goldene Kuppel besonders angetan. Ja, und die Bronzestatue des Marc Anton, gleich neben dem Gebäude, von Arthur Strasser, die ursprünglich für die Pariser Weltausstellung 1900 geschaffen wurde, hat mich fasziniert.  Die Statue wird im Volksmund gelegentlich als „Löwenfiaker“ bezeichnet. Lange habe ich die Figur als Marc Aurel interpretiert, da dieser Kaiser sich doch in unseren Breiten aufgehalten hat. Was der Marc Anton hier verloren hat?

Die Secession wurde 1897/98 von Joseph Maria Olbrich als Ausstellungsgebäude für zeitgenössische Kunst errichtet, wozu es bis heute dient. Es ist eines der bedeutendsten Gebäude des österreichischen Secessionsstils (Jugendstil). Die Kosten für das Gebäude wurden Großteils von den Mitgliedern der Vereinigung bildender Künstler Österreichs aufgebracht. Als Baugrund wurde „seitens der Gemeindevertretung in Wien, laut Beschluss vom 17. November 1897, ein an der künftigen Wienzeile bei der Akademie gelegener, vortrefflich geeigneter Platz zur Errichtung eines Kunst-Ausstellungsgebäudes überlassen“. Angeblich wurde diese Lösung nach persönlicher Vorsprache bei Bürgermeister Karl Lueger gefunden, nachdem die Errichtung des Ausstellungshauses an der Ringstraße gescheitert war. Für die Stadt stand die Errichtung des Gebäudes im Zusammenhang mit der Regulierung des Wienflusses und der Neugestaltung des Karlsplatzes, die aber Stückwerk blieb! Der Karlsplatz bietet so viele schöne Gebäude, aber als Platz als Ganzes ist er leider ziemlich missglückt. Na jetzt bin ich neugierig, wie sich das umgestaltete Gebäude des von mir inhaltlich sehr geschätzten Wien-Museum machen wird. Ich fürchte, dieser Aufbau ist ein bissel „schwer“ geworden und drückt. Leider ist auch die Allee zwischen Karlskirche und Secessionsgebäude nicht zustande gekommen. Wäre schon hübsch gewesen. Aber der Verkehr hat halt noch immer Vorrang aber wo soll er sonst noch fließen?

Auch formal nimmt das Gebäude auf die Karlskirche Bezug, besonders durch seine goldfarbene Kuppel (ein Blätterwerk aus vergoldetem, bemaltem Schmiedeeisen), nach Eduard Pötzl vom „Volksmund“ Krauthappel (= Krautkopf) genannt. Aufgrund seiner großen glatten Wände und der kubischen Erscheinung wurde der Bau auch Assyrische Bedürfnisanstalt geschimpft. Die Wiener sind immer schnell mit ihrer bissigen Kritik zur Hand.

Unterhalb der Kuppel prangt in goldenen Lettern der Wahlspruch der Secession: Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit (von Ludwig Hevesi, * 1843; † 1910; ungarisch-österreichischer Schriftsteller und Journalist). Links neben der Eingangstür findet sich ein zweiter Wahlspruch: Ver Sacrum (Heiliger Frühling), der die Hoffnung auf eine neue Kunstblüte ausdrücken soll und der Titel des vereinseigenen Kunstmagazins war. Die Architektur ist ikonisch für die Aufbruchstimmung der Zeit um 1900.  Alleweil, bei uns gäbe es jetzt wieder eine derartige Aufbruchstimmung und einen derartigen, unserer Zeit angepassten Architekturstil!

Das Gebäude ruht auf acht Meter hohen Betonsäulen, die bis zu dem an dieser Stelle unterirdisch fließenden Wienfluss hinabreichen.

Einiges gibt es schon von außen noch zu bewundern: Von Gustav Klimts Bruder Georg stammt der Entwurf der eindrucksvollen bronzenen Eingangstüren. Die zwei Mosaikschalen neben der zum Eingangsportal führenden Stiege gefallen mir besonders gut.  Die sechs Eulen auf den beiden Seitenfassaden sind schon schwerer auszumachen. Der Reigen von Kranzträgerinnen an der Rückseite wurde zu einem nicht bekannten Zeitpunkt abgeschlagen. Wenn man die Stiegen zu den Toren hinaufgeht, blicken die Gorgonen über der Eingangstür auf den Besucher hinab.

Schon 1985/86 fand eine Renovierung bei laufendem Ausstellungsbetrieb statt. Von August 2017 bis September 2018 wurde, wieder bei laufendem Betrieb, die Fassade inklusive der Kuppel generalsaniert. Vieles wurde im Inneren verbessert, erneuert und modernisiert. Die abgeschlagenen Kranzträgerinnen von Koloman Moser an der Rückseite des Baus wurden rekonstruiert.

Und jetzt konnte ich erwartungsvoll das Innere betreten und vor allem – und das war mein Hauptziel, das Beethovenfries bewundern – ich wurde aber überrascht, was sonst noch alles geboten wurde.

Es erfreut mich immer wieder: das Ausstellungsgebäude der Wiener Secession

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s