Die Berliner Blockade

Und ihre Parallelen zur heutigen Situation in der Ukraine

Während ich so über unsere derzeitige Situation und mögliche Zukunft nachdenke, fallen mir immer wieder Ereignisse der Vergangenheit ein, die auch ausweglos schienen, aber dennoch überwunden werden konnten.

Auch damals spielte die Sowjetunion – so wie heute Russland – ihre negative Rolle, aber sie hat letztlich nicht gewonnen! Ich denke an die Blockade West-Berlins durch die Sowjetunion vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949. Die Blockade war ein Mittel im Kalten Krieg, mit dem die Sowjetunion versuchte, West-Berlin und in der Folge ganz Deutschland in ihren Machtbereich einordnen zu können. Begründet wurde sie zunächst mit der Tage zuvor von den Westalliierten in der Trizone eingeleiteten Währungsreform. Die Westalliierten begegneten der Blockade mit der Berliner Luftbrücke und mit einer Gegenblockade. Die Sowjetunion hob die Berlin-Blockade auf, ohne ihre Ziele erreicht zu haben!

Berlin war damals von den Streitkräften der USA, des UK, der UdSSR und der Französischen Republik besetzt.  Ursprünglich waren keine Regelungen über die Verkehrswege zwischen den Berliner West-Sektoren und den West-Zonen getroffen worden. Verhandelt wurden Luftkorridore, Straßen und Zuglinien, sowie teilweise Wasserwege für die Versorgung mit Kohle. Von sowjetischer Seite wurde jedenfalls erklärt, dass die westlichen Sektoren Berlins weder mit Lebensmitteln noch mit Steinkohle aus der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) versorgt würden.

Dann begann die Blockade. Das Großkraftwerk Zschornewitz, das Berlin seit Jahrzehnten mit Strom versorgt hatte, stellte in der Nacht zum 24. Juni 1948 die Belieferung der Westsektoren offiziell ein. (Mich erinnert das an die heutige „Gaslieferungspolitik“ Putins). Die West-Berliner Kraftwerke konnten den fehlenden Strom nicht ersetzen. Viele Lichter in West-Berlin gingen aus. Gegen 6 Uhr am 24. Juni folgte die Unterbrechung des Güterverkehrs und Personenverkehrs auf der Autobahn von Helmstedt (britische Zone) nach West-Berlin und die Absperrung oder Unterbrechung der Schienen. Einige Tage später wurden durch Patrouillenboote entgegen der schriftlichen Zusage (!) von 1946 auch die Fluss- und Kanalwege zwischen West-Berlin und den westlichen Besatzungszonen gesperrt. Nur mehr oder weniger eingeschränkt und kontrolliert, aber nicht total blockiert wurden dagegen der Personen- und Güterverkehr zum Ostsektor der Stadt und zur SBZ. So verkehrte die Berliner S-Bahn bis ins Umland weiter.

West-Berlin war aber mit seinen damals etwa 2,2 Millionen Menschen wie jede Stadt dieser Größe vollständig von der Belieferung von außen abhängig. Bisher kam davon 75 % aus dem Westen.

Die Sowjetunion verstärkte während der Blockade ihre Bemühungen, den Einfluss der kommunistischen Kräfte in Berlin zu verstärken. Die Regierungen der Westmächte standen schon im Vorfeld der Blockade Berlins vor der Entscheidung, die Stadt aufzugeben. Am anderen Ende des Meinungsspektrums stand Winston Churchill, immerhin damals Oppositionsführer im britischen Unterhaus: Am 17. April 1948 schlug er dem damaligen stellvertretenden US-amerikanischen Außenminister Robert A. Lovett unter Hinweis auf das noch bestehende Kernwaffen-Monopol der USA vor, die Sowjetunion aufzufordern, Berlin und die SBZ zu räumen, andernfalls würden „ihre Städte ausradiert“. Auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt. (Auch derzeit wird mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht, allerdings von russischer Seite!) Es wurde der Einsatz militärischer Gewalt zur Brechung der Blockade erwogen, aber das würde Krieg bedeuten. (Heute versucht die NATO nicht militärisch in der Ukraine einzugreifen, es kommen nur Waffenlieferungen aus dem Westen).

General Clay (USA) befahl am 25. Juni 1948 die Errichtung einer Luftbrücke. Am 26. Juni flog die erste Maschine der US-amerikanischen Luftwaffe zum Flughafen Tempelhof in Berlin. Die britische Luftwaffe beteiligte sich an dem Unternehmen. Fast alle waren damals skeptisch, einschließlich dem damaligen Berliner Bürgermeister Willy Brandt. Eine Umfrage im Oktober 1948 brachte hervor, dass nun neun von zehn Berlinern strikt erklärten, sie würden die Bedingungen der Blockade einer kommunistischen Herrschaft vorziehen. Selbst der sonst für die Sowjetunion hilfreiche „General Winter“ kam den Sowjets nicht zu Hilfe. Die Folge war, dass die Luftbrücke den Bedarf der Westsektoren an Kohle und Lebensmitteln auch im Winter knapp einfliegen konnte. Bei einer Tagesration von 400 Gramm Brot, 50 Gramm Nährmittel, 40 Gramm Fleisch, 30 Gramm Fett, 40 Gramm Zucker, 400 Gramm Trockenkartoffeln und 5 Gramm Käse für den „normalen Verbraucher“ verhungerten die West-Berliner nicht, wenn sie auch ständig hungrig waren. Bei einer Zuteilung von 12,5 Kilogramm Holz, Kohle oder Kohleersatz pro Kopf für den gesamten Winter war an gut geheizte Wohnungen nicht zu denken, aber die öffentlichen Wärmestuben waren eine Ergänzung. Strom und Gas waren tagsüber meistens abgeschaltet, daher wurde nachts gekocht. Hier fanden die bereits im Ersten Weltkrieg propagierten Kochkisten wieder breite Verwendung, um das Essen anzukochen und bis mittags fertig garen zu lassen. (So schlimm wird’s bei uns ja hoffentlich nicht werden, wenn die Gaslieferungen völlig eingestellt würden, aber die hier demonstriert: es gibt immer Lösungen!) Die Westalliierten konnten durch bessere Organisation, mehr und besser geschultes Personal sowie mehr und größere Flugzeuge laufend steigende Frachtleistungen erzielen. Strom, Kohle für Heizungen und Lebensmittel mussten zwar weiterhin rationiert werden, aber die Versorgung besserte sich allmählich und war schließlich für manche Güter besser als vor der Blockade. In bescheidenem Umfang konnten sogar in den Westsektoren produzierte Güter als Luftfracht wieder in die Westzonen exportiert werden.

Die sowjetische Seite begann zunehmend die Luftkorridore zu behindern. Es kam zu einer Gegenblockade.

Dann aber kam die Berlin Blockade zu ihrem Ende. Kurz vor Mitternacht vom 11. auf den 12. Mai 1949 wurden die Westsektoren wieder mit Strom versorgt und um 0:01 Uhr wurde die Blockade der Verkehrswege zu Land und Wasser aufgehoben. Durch die sowjetische Blockade verfestigte sich der bereits in der Weimarer Republik angelegte antikommunistische Grundkonsens im Westen. Als Zeichen des aufziehenden Kalten Krieges wurde am 4. April 1949 in Washington ein transatlantisches Verteidigungsbündnis, die NATO, abgeschlossen.

Die Sowjetunion hat ziemlich das Gegenteil dessen erreicht, worauf sie abgezielt hatte. Auch jetzt – so hoffen wir, wird Putin seine bösen Ziele nicht hoffentlich nicht erreichen.

Die Berliner Blockade

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