Erinnerungen an den „Country Club“

Eine Wiederveröffentlichung,

Wenn ich so drüber nachdenke – und nach 86 Jahren hat man viel, woran man sich erinnern kann, war diese Zeit im so genannten Country Club doch eine wunderschöne.

Also wenn Sie jetzt gleich wieder glauben, welch „hochgestochene“ Angelegenheit das doch gewesen sein muss, dann irren Sie sich gewaltig. „Mein“ Country Club war ein etwas altmodisches Bad in einer der westlichen Wienerwald Gemeinden, den mein damaliger Arbeitgeber, die Atombehörde für ihre Angestellten gemietet hatte. Dieser Country Club bestand aus einem recht großen, hübsch gelegenen Areal, große Wiese, Bäume, Hecken, einem Schwimmbecken (damals unbeheizt) und einem Kinderbecken. Und dann gab es noch Umkleideanlagen und ich glaube mich zu erinnern, dass es auch so etwas wie eine kleine Küche gab.

In der Wiese liegend (und wie man damals sagte, mit der Seele baumelnd), konnte man die sanften Hänge des Wienerwaldes betrachten, und seine Wälder rauschen hören, eine biedermeierliche Aussicht.

Es war nie überfüllt dort, meistens wurde es von Familien mit kleinen Kindern frequentiert. Praktisch war es schon, wenn man über ein Auto verfügte, um hinzugelangen, aber eigentlich konnte man diese Anlage auch mit der Bahn erreichen. Der angemessen große Parkplatz lag im Schatten alter Kastanien. Ein einfaches Wirtshaus gab es auch in nächster Umgebung.

Mir gefiel es dort, im Sommer, mit zwei kleinen Kindern. Später, als wir dann über ein Häusl mit eigenem Garten verfügten, habe ich den Country Club erst so richtig nachgetrauert. Erstens war dort im Sommer ein Bad und man musste nicht bis nach Bad Fischau fahren, um schwimmen zu können, wobei sehr oft dann das Nachmittagsgewitter gekommen ist, als man endlich mit allem bewaffnet (Liegestühle etc.) dort eingetroffen ist, nachdem lange ein Parkplatz gesucht werden musste.  Man musste das Gras im Country Club nicht mähen, man musste nicht gießen oder Heckenschneiden. Man war fast frei von Verpflichtungen. Und es war näher dorthin, als ins „Häusl am Land“. Allerdings – mit dem späteren Abschied von der IAEA hätte ich die Mitgliedschaft ohnedies verloren.

Die Kinder im Country Club hatten immer Gesellschaft, sie kannten einander, teilweise weil sie auch den gemeinsamen Kindergarten der Atombehörde besuchten oder besucht hatten. Im eigenen Garten, dann später, mussten sie durch die Eltern „bespasst“ werden, wie man heute sagt. Selbst, wenn man, wie ich, manchmal ein kleines Schläfchen gehalten hat, musste man sich keine Sorgen um die Kinder machen, denn irgendeine Mutter war immer am Rand des Beckens, die bemüht war alle Kinder vor Ungemach zu bewahren.

Beide Kinder hatten im Country Club schwimmen gelernt. Meine Tochter wohl eher, durch das Hineinfallenlassen durch ihren Bruder.

Sicher, es war auch etwas mühsam, vor dem Aufbrechen an Wochenenden noch das Mittagessen vorzubereiten, das dann im Country Club verspeist wurde. Ich hatte immer eine Suppe im Thermos eingepackt, zumeist in der Früh schon ein Hendl gebraten und den obligaten Gurken- bzw. Erdapfelsalat vorbereitet. Als Dessert gab’s dann ein Eis aus der Kiste dort. Wir hatten einen großen Picknickkorb, für Teller Besteck etc. und eine Kühl- bzw. Warmhaltetasche. Und für „Zwischendurch“ immer Mengen von Packeln von Chips oder Keksen. 

Aber diese „Zwischendurchsnacks“ wurden immer unter allen Kindern verteilt, denn alle anderen Eltern hatten Ähnliches mitgebracht. Verhungern musste im Country Club keiner.

Da mein Mann oft an Sonntag Nachmittagen „Dienst“ hatte, fuhr er früher in die Redaktion und ich blieb mit den Kindern noch länger dort. Ich hatte meinen kleinen 4CV-Renault bzw. später die sogenannte Ente (2CV Citroen), mit dem ich Kinder und Gepäck leicht transportieren konnte. Wir wohnten anfänglich noch im Westen Wiens – und da war der Weg in den Country Club wirklich nicht weit. Später wohnten wir in Hernals – aber die Fahrt über den Schottenhof fand ich dann auch noch sehr hübsch – wenn auch wesentlich länger, wenn meine Autos auch nie eine Klima Anlage hatten. Und nach so einem Tag waren die Kinder dann auch rechtschaffen müde.  Beim Heimfahren kamen wir immer an einem Pfeil in die Baunzen (Purkersdorf) vorbei, wobei fast immer der Satz fiel, zum Raunzen geht man in die Baunzen. Naja!

Etwas Wichtiges war im Country Club die Regel: keine Gespräche über die Arbeit. Und daran haben sich auch alle gehalten. Es war auch keine Modeschau, denn in Familien mit Kindern wurde auf das „Aussehen“ kein so besonderer Wert gelegt.

Es war eine schöne, geruhsame Zeit, damals im Country Club.

Erinnerungen an den „Country Club“

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