Früher schwamm man noch in der Donau ….

Die Strombäder in Wien

Gestern hat das Fernsehen Bilder von der Trockenheit in Norditalien gebracht, ich war erschüttert, das „Rinnsal“ des sonst mächtigen Po zu sehen, oder verschlammte Reste des geschichtsträchtigen Tibers. Welche Zeichen benötigen wir eigentlich noch, um uns von unserem üppigen Lebensstandard zu verabschieden und endlich weniger „klimaschädigend“ zu leben? Der Klimawandel kennt keine nationalen Grenzen!

Wir, in Wien, haben die zwar selten blaue Donau, die aber dafür noch ordentlich Wasser führt. Und die Donau wurde auch immer von den Wiener zum sommerlichen Baden genutzt.   

Das älteste bekannte Bad ist ein im Donauarm beim Tabor 1780 erwähntes Freibad (Ferro-Bad), an dessen Stelle 1831 nach Erteilung der polizeilichen Schwimmbewilligung für Frauen (!) das Marienbad als Frauenbad errichtet wurde. 1832 wurde diesem Bad eine Männerschwimmabteilung angeschlossen. Dann folgte die 1813 erbaute Alte k. k. Militär- und Zivilschwimmschule im unteren Kaiserwasser (am Ende der damaligen Schwimmschulallee, heute Lassallestraße, in der Nähe des späteren Nordbahnhofs).

Im Donaukanalbereich ist das älteste bekannte Bad, das 1717 erwähnte Schüttelbad unterhalb der Franzensbrücke, kein echtes Strombad, da es lediglich über Rohrleitungen Wasser aus dem Donaukanal bezog. Ein Strombad wurde erst 1832 eröffnet (bei der damaligen Franzensbrücke). Im selben Jahr wird unterhalb eines im Fahnenstangenwasser bestehenden Militärschwimmbads ein Männerbad (mit Bierschenke, wie denn sonst?) und angrenzend eine Damenschwimmschule erwähnt, im selben Jahr im Kaiserwasser die Scherzersche Badeanstalt.

Sollten Sie noch nichts vom Fahnenstangewasser gehört haben: Zwischen dem historischen Hauptstrom der noch unregulierten Donau, der auf der Höhe Wiens Kaiserwasser hieß, und dem Donaukanal gab es weitere Arme, die teils schon in früher Zeit verschwunden sind, teils weiter bestanden (beispielsweise Schwarze Lacke, Fugbach und eben Fahnenstangenwasser). Dieser Donauarm erstreckte sich über Teile der heutigen Bezirke Brigittenau und Leopoldstadt. An den Ufern des Fahnenstangenwassers wurden die zu Schiff vom Oberlauf der Donau her anlangenden Hölzer ausgeladen. Die Landestellen wurden diesen Schiffen mit Hilfe von auf Stangen angebrachten Fahnen signalisiert. Durch die Donauregulierung 1868 bis 1875 verschwand das Fahnenstangenwasser.

Der nächste größere Bauabschnitt fällt in die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts. 1862 beschloss die Stadt Wien die Schaffung eines Herren- beziehungsweise Damenbads im Kaiserwasser. Vor der Donauregulierung bestanden in diesem Bereich insgesamt acht Freibäder. 1863 wurde das Holzerbad eröffnet.

Dann kam eine der mehreren weiteren Donauregulierungen. Die Regulierung der Donau wurde im 15. Jahrhundert begonnen und ab dem 19. Jahrhundert systematisch durchgeführt. Hauptmotive für die Regulierung waren die Schiffbarkeit zum Transport von Gütern und Truppen, die Landgewinnung und der Schutz vor Hochwässern. In den 1870er Jahren wurde der heutige Hauptstrom angelegt, der so genannte Donaudurchstich; von den früheren Armen blieben vor allem der Donaukanal und die Alte Donau erhalten.

Nach der Donauregulierung (1870-1875) ergab sich eine topographisch völlig veränderte Situation, der Rechnung getragen werden musste. 1875 schuf die Stadt Wien ein Freibad am linken Ufer des regulierten Stroms oberhalb der Reichsbrücke (für Männer und Frauen, 1914 aufgelassen). Am 15. Mai 1876 wurde am rechten Stromufer oberhalb der Reichsbrücke ein neues Kommunalbad eröffnet. Es war ein Schwimm- und Vollbad mit fünf Abteilungen. Der Baubeginn war 1871. Das Bad wurde während des Ersten Weltkriegs aufgelassen. Ebenfalls 1876 errichtet wurde das gegenüberliegende (ab 1863 als Holzerbad bestandene) Freibad am linken Stromufer. Es gab ein Strombadeschiff sowie drei Bassins (Damen-, Herren- und Sportbecken). Das Bad wurde 1914 geschlossen.

Die Alte k. k. Militär- und Zivilschwimmschule ging durch die Donauregulierung verloren und wurde durch die 1873-1875 erbaute (am 18. August 1875 eröffnete) Militärschwimmschule Krieau ersetzt. Sie diente der Wiener Garnison als Ausbildungsstätte und bestand bis zum Zweiten Weltkrieg. 1900 pachtete Florian Berndl von der Donauregulierungskommission einen Teil des (späteren) Gänsehäufels. Wegen verschiedener Unzukömmlichkeiten wurde der Pachtvertrag 1905 gekündigt. 1906 übernahm die Stadt Wien die ganze Insel pachtweise und errichtete eine städtische Badeanlage. An der unteren Alten Donau entstand 1912 am großen Dampfschiffhaufen das Polizeistrandbad. Nachdem 1892-1900 die Hauptsammelkanäle errichtet und die Einmündungen der Straßenkanäle in den Donaukanal beseitigt worden waren, wurden 1904/1905 Strombäder eingerichtet. Ihr Betrieb war nicht auf Gewinn ausgerichtet. Für den Sommerbetrieb gab es geeignete Holzkonstruktionen auf schwimmenden Eisenrohrpontons, in die „Badekörbe“ eingehängt waren: als erstes ein Bad bei der Sophienbrücke; weiters Bäder bei der Nußdorfer Schleuse, unterhalb der Verbindungsbahnbrücke am rechten Ufer, bei der Heiligenstädter Brücke, oberhalb der Augartenbrücke am linken Ufer, und das Kaiserbad bei der 1904-1908 errichteten Kaiserbadschleuse (seine Wiederherstellung wurde am 10. August 1991 in Angriff genommen).

Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Frequenz der Donaubäder zurück, weil sich das Schwergewicht auf die Strand- und Schwimmbäder verlagerte. Nur das Strom-, Luft- und Sonnenbad zwischen Aspernbrücke und Schwedenbrücke blieb in Betrieb. Aus der ehemaligen Militärschwimmschule „Alte Donau“ oberhalb der Kagraner Brücke entstand ein Familienbad, eröffnet 1919. Hier hatte zuvor ein Badeplatz bestanden, der von den Truppen der nahegelegenen Militärschießstätte benutzt worden war. In rascher Folge entstanden die Strandbäder Alte Donau, Stadlau und Mühlschüttel. Das Gänsehäufel wurde 1950 grundlegend erneuert, das Strandbad Alte Donau 1961.

Das Gänsehäufel war lange mein Lieblingsbad in Wien!

Früher schwamm man noch in der Donau ….

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