Elegie über den Sommer 2022

Ja, irgendwie herbstelt es schon heute. Es ist kühler, es ist bedeckt.

Noch stehen wir aber in der ersten Augusthälfte, noch ist die Stadt entleert – von Wienern, gefüllt mit Touristen. Noch gibt es viele Baustellen. Ja, noch herrscht ferragosto.

Noch sollte man keine endgültige Bilanz ziehen. Aber zufrieden über diesen Sommer bin ich gar nicht. Denn bei uns schlägt der Klimawandel ordentlich zu. Nicht nur war es teilweise unangenehm heiß, so dass ich gar nicht hinausgegangen bin. Aber das wäre wohl das Geringste. Was sollen da jene Menschen sagen, die von Unwettern berichten können, von Erdrutschen, von Hochwässern – und auch im Urlaub (in der Ferne) sich von Waldbränden bedroht sahen. Was sollen jene sagen, deren Ernte vertrocknet ist, weil es so lange überhaupt nicht geregnet hat?

Die schmelzenden Gletscher scheinen derzeit nur wenige zu bekümmern, das wird sich aber ändern, wenn es keine mehr davon gibt, und wir große Wasser- und Wasserkraftprobleme haben werden.

Ich sehe derzeit wenig Änderungen in unserer Haltung dem Klima gegenüber, ja, bedrängt vom eventuellen und schon beginnenden Energienotstand, planen wir vielleicht unsere Lebensumstände zu ändern. Aber Tempo 100 auf Autobahnen – na wie kämen wir denn dazu? Nicht in den Urlaub fliegen – geht nicht, denn auf Autobahnen befindet man sich ja im Megastau?

Wir spüren zwar die Teuerung, aber noch nicht im vollen Umfang, wir spüren zwar den Energienotstand, aber noch gibt es ja genügend Gas in den Speichern, wehe, wenn sie dann leer sein werde – und draußen die Kälte herrschen wird. Sind wir da wirklich vorbereitet?

Im Moment tun wir so, als ob die Pandemie vorbei wäre. Aber nur drei Viertel der Menschen hier sind geimpft, knapp 60% sind „geboostert“. Zum Glück haben wir noch nichts von neuen Mutationen gehört – aber der Herbst kommt bestimmt und ich wäre sehr unglücklich, sollten wir wieder in Lockdowns geschickt werden. Ich habe die Masken noch nicht weggepackt.

Wie wird es den Kindern in den Schulen gehen, wenn diese wieder öffnen. Wie das funktionieren soll, ohne Quarantäne für Angesteckte, kann ich mir nicht vorstellen. Denkt jemand über sinnvolle – für alle Beteiligten – Maßnahmen nach?

(Fast) keiner von uns hat es für möglich gehalten, dass es zu einem „konventionellen“ Krieg in Europa kommen könnte. Fast keiner von uns hat es für möglich gehalten, dass dieser Krieg so lange dauern würde. Und jetzt ist dieser Krieg zu einem so genannten Abnutzungskrieg geworden, und wir alle fragen uns: wie kann er wann beendet werden? Immer mehr Waffen werden auf die Kriegsschauplätze geliefert, immer mehr Menschen sterben, immer mehr Häuser, Denkmäler, etc. werden zerstört. Wo soll das enden?

Nur tröpferlweise wird das Getreide exportiert, wir staunen über 4 Schiffe, benötigt würden 400!

Wir alle spüren die Folgen (der Sanktionen), wie lange sollen auch wir das erdulden – und wofür? Ich höre, dass manche Firmen Monstergewinne machen, ich höre, dass die USA mächtig an Waffenlieferungen verdienen? Und wir Europäer? Wir büßen durch die Inflation unsere Ersparnisse ein, und können teures Gas und Erdöl aus den USA und anderen „unbeteiligten Drittländern einkaufen, unsere Wirtschaft überhaupt in Schwung zu halten und nicht zu frieren.

Und diese Taiwan/USA-China Auseinandersetzung hat uns grad noch gefehlt. Der findet zwar „weit weg“ statt, wir tragen sicher keine Schuld daran, und wir werden davon nicht die Hauptbetroffenen sein, aber „mitleiden“ werden wir dennoch, besonders wirtschaftlich! Denn Waren aus China – und besonders Taiwan (Halbleiter) werden unserer Wirtschaft fehlen und (preisgünstigen) Ersatz werden wir kaum finden.

Und die Situation in Afghanistan, die (besonders für die Frauen) schon schlecht genug war, verbessert sich durch den US-Drohnenangriff auf einen Balkon in Kabul auch nicht – oder?

Wenn ich das alles so betrachte, war es kein „guter“ Sommer, auch wenn er noch nicht zu Ende ist. Und was heißt das für die Zukunft? Manche meiner Altersgenossen meinen, dass sie froh wären schon so alt zu sein. Naja, viel von den künftigen Konsequenzen werden wir – Alten – wohl nicht mehr spüren. Wohl aber unsere Kinder und Kindeskinder. Und das wollen wir auch nicht, genauso wenig wie „bald sterben“. Es gäbe doch noch so viel Positives (?) zu erleben, das wir sicher nicht missen wollen.

Erfreuen wir uns halt zwischenzeitlich an den kleinen Dingen!

Elegie über den Sommer 2022

2 Gedanken zu “Elegie über den Sommer 2022

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