Gratulation an unsere jüdischen Mitbürger zu ihrem Neujahrsfest:  schana tova!

Ein paar Aspekte des Rosch ha-Schana

Unsere jüdischen Mitbürger feiern heuer vom 25. Bis 27. September Rosch ha-Schana, ihr Neujahrsfest. Die Mischna, die wichtigste Sammlung religiöser Überlieferungen des rabbinischen Judentums, legt dieses Fest als Jahresbeginn fest und daraus resultiert die Berechnung der Kalenderjahre.

Der Neujahrsgruß ist schana tova bzw. aschkenasisch (le)schono tauwo ‚ein gutes Jahr‘ oder auch schana tova u’metuka bzw. aschkenasisch schono tauwo u’messuko ‚ein gutes und süßes Jahr‘. Ein traditioneller aschkenasischer Neujahrsgruß ist auch leschono tauwo tikossëiw ‚zu einem guten Jahr mögest du (in das Buch des Lebens) eingeschrieben sein‘, der oft durch wessechosëim ‚und besiegelt‘ ergänzt wird.

Rosch ha-Schana ist laut Talmud Beginn und in der Folge Jahrestag der Weltschöpfung, steht aber auch für den Jahrestag der Erschaffung Adams. Es ist der Tag der Forderung, Bilanz zu ziehen über das moralische und religiöse Verhalten im abgelaufenen Jahr, und man tritt mit Gebeten für eine gute Zukunft vor Gott.

Rosch ha-Schana ist auch Jom haDin, „Tag des Gerichts“: Am Neujahrsfest werden laut Talmud drei Bücher geöffnet. Ins erste werden die ganz „Gerechten“ eingetragen, die sofort das „Siegel des Lebens erhalten“. Ins zweite Buch werden die ganz „Bösen“ eingetragen, die das „Siegel des Todes“ erhalten. Und das dritte Buch ist für die „Mittelmäßigen“ bestimmt, die sowohl Sünden wie Verdienste vorweisen können. Das endgültige Urteil bleibt in der Zeit vom Neujahrstag bis zum Versöhnungstag offen. Durch Einkehr und Umkehr ist es möglich, das Siegel des Lebens zu erhalten.

Rosch ha-Schana ist ein Tag des Schofar-Blasens. In der Tora wird dieser Tag auch Tag des Schofars genannt. Man nennt ihn auch „Tag des Lärmblasens“. Der Schofar (Widderhorn) erklingt nach in Tora und Talmud festgelegten Mitzwot zum Morgengebet beim Neujahrsfest, sofern es nicht auf einen Schabbat fällt.

An Rosch ha-Schana beginnen die Zehn ehrfurchtsvollen Tage, die mit dem Versöhnungsfest Jom Kippur enden. In den Schriften vorgesehen, sind Opferbestimmungen, Arbeitsruhe, Festversammlung und Widderhornblasen. Rosch ha-Schana ist kein Trauertag, sondern ein Fest, an dem sich die Juden – wegen Gottes Erbarmen – freuen sollen. Außer dem Hallel (Gebet bzw. Loblied, das aus den sechs Psalmen des Tanachs besteht., das an Neujahr ausgelassen wird, gleicht es in seinen feierlichen Merkmalen allen anderen Festen: Kleidung, Waschen, Haareschneiden, innere Vorbereitung und festliche Mahlzeiten.

Die verschiedenen jüdischen Gemeinschaften haben eigene Gebräuche für die Mahlzeit am Neujahrsabend ausgebildet, von denen einige weit verbreitet sind. Genuss von Honigkuchen, Zimmes, Weintrauben, süßem Wein und in Honig getauchten Apfel- (oder auch Challa-)scheiben drücken die Hoffnung auf ein gutes, süßes Jahr aus. Lekach ist ein traditioneller osteuropäischer Honigkuchen, der in seiner Rezeptur mit Schokolade, Ingwer, Apfel- oder Aprikosenstückchen verfeinert sein kann. In Süddeutschland und dem Elsass wurde häufig Zwetschgenkuchen für das jüdische Neujahrsfest gebacken. Jüdische Familien im Osmanischen Reich servierten Baklava oder ähnliche Süßigkeiten. Das Weißbrot (Challa) wird nicht wie üblich in Salz, sondern in Honig eingetunkt.

Anschließend wird eine Apfelscheibe in Honig getunkt mit dem Segensspruch über Baumfrüchte und gegessen, danach sagt man: „Möge es dein Wille sein, Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter, uns ein glückliches und angenehmes Jahr zu erneuern.“

Ebenfalls wird zuweilen ein symbolisches Stück von einem Fisch- oder Schafskopf mit den Worten „Möge es dein Wille sein, dass wir zum Kopf und nicht zum Schwanz werden“ gegessen.

Ein weiterer Brauch ist das Essen von Granatäpfeln. Sie stehen im Judentum symbolisch für Fruchtbarkeit, da sie viele Kerne enthalten. Dazu sagt man: „Möge es dein Wille sein, dass unsere Rechte sich wie der Granatapfel mehren.“

Manchmal werden auch Datteln gegessen mit den Worten: „Möge es dein Wille sein, dass unsere Verleumder und Ankläger zugrunde gehen.“

Das Neujahrsfest ist zwar der „Tag des Schofar -Blasens“, am Schabbat allerdings erklingt der Schofar nicht. Nach Maimonides hat das Schofar-Blasen im Neujahrsgottesdienst folgende Bedeutungen:

  • Es symbolisiert die Thronbesteigung Gottes als König der ganzen Welt.
  • Es erinnert an die Bereitschaft Abrahams, seinen Sohn Isaak zu opfern; Gott aber verlangte diese Tat nicht.
  • Es erinnert an die Gabe der Tora auf dem Berg Sinai.

Vor dem Erklingen des Schofar wird siebenmal Psalm 47 rezitiert. Der von der Gemeinde bestimmte Bläser lässt eine festgelegte Sequenz von Schofar-Tönen erklingen. Darauf folgt eine Zeit der Stille. Anschließend wird die Tora in den Schrein zurückgebracht und dieser geschlossen.

Das anschließende Musafgebet hat an Rosch haSchana eine besondere Form

  • Malkujot: „An uns ist es, zu preisen den Herrn des Alls … Gelobt seist du, Ewiger, König über die ganze Erde, der du Israel geheiligt und den Tag des Gedenkens.“
  • Zichronot: „Du gedenkst des Werkes der Welt und prüfst alle Gebilde der Vorzeit … Gelobt seist du, Ewiger, der des Bundes gedenkt.“
  • Schofrot: „Du hast dich in der Wolke deiner Majestät deinem heiligen Volke offenbart … Gelobt seist du, Ewiger, der du auf die Stimme der Therua [= den Schofar-Ton] deines Volkes Israel voll Erbarmen hörst.“

Schana tova Ihnen allen!

Gratulation an unsere jüdischen Mitbürger zu ihrem Neujahrsfest:  schana tova!

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