Die „gnädige Frau“ und die Feminisierung der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik?

Zum ordentlichen Grüssen gehört auch die passende Anrede (eine Wiederveröfffentlichung)

Vorauszuschicken ist: ich war fuchsteufelswild, wenn ich im Berufsleben mit Gnädige Frau angesprochen wurde. Derjenige, der das tat, wäre, so versuchte man mich in meiner Wut zu beruhigen, ein „Kavalier der alten Schule“, und es wäre für ihn daher selbstverständlich, mich so anzusprechen. Für mich war es aber der Ausschluss der gleichberechtigten Kollegin, ich fühlte mich nicht „beruflich“ nicht ernstgenommen. Die anderen (Männer) wurden entweder mit ihren Titeln (sei es akademischen oder die beruflichen – ich verfügte über einen akademischen) angesprochen, oder Mit Herr und Zunamen oder bei größerer Vertrautheit als Fritz, Helmut oder Herbert – also ihren Vornamen. Er ließ nicht ab von seinen Konventionen, aber ich musste mit ihm verhandeln. Er ist dann früh in Pension gegangen und soweit ich informiert wurde, bald darauf gestorben.

Ja, es war in Österreich üblich, Frauen (Damen) mit gnädiger Frau anzusprechen. Im gesellschaftlichen Umgang war es auch praktisch, man (=Mann) musste sich nicht an einen Namen erinnern. „Gnädiger Herr“ gab es kaum mehr, höchstens für jene Herren, die über Butler verfügten.

„Die Gnädige“, so sprach man von der Gattin eines Mannes. Die Gnädige war auch die Arbeitgeberin für Haushaltshilfen. „Gnädige Frau“ wurde man noch – etwas früher – in manchen Geschäften beim Einkauf angesprochen.  Legendär war die Anrede in der dritten Person in der Konditorei Demel am Kohlmarkt in Wien.  In der Konditorei-Café Demel wird seit dem 19. Jahrhundert traditionell weibliches Servierpersonal beschäftigt. Von den Wienern werden die Kellnerinnen im Demel seit langem scherzhaft als Demelinerinnen bezeichnet. Früher kamen sie stets aus derselben Klosterschule im 18. Wiener Gemeindebezirk. Bei ihrem Eintritt arbeiteten die Demelinerinnen zunächst in der Bonboniere Abteilung, später wurden sie auch bei diversen Buffets außer Haus eingesetzt. Bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert trugen die Demelinerinnen weiße Hauben. Bis heute tragen sie eine in Schwarz und Weiß gehaltene Dienstbekleidung. Die Kleider sind schwarz, die Schürzen und Krägen weiß. Die Demelinerinnen pflegen den Kaffeehausgästen gegenüber eine noch aus der Monarchie stammende Sprache. Zu Berühmtheit gelangte vor allem der von den Demelinerinnen traditionell bei der Aufnahme der Bestellung geäußerte Satz „Haben schon gewählt?“ Wenn eine Demelinerin sagt „Wird die Dame selber streuen?”, so ist damit das Bestreuen der Mehlspeise mit Staubzucker gemeint.

Ausgestorben ist der Begriff „gnädige Frau“ noch nicht, aber Damen werden halt nur mehr sehr selten so angesprochen und ich glaube, dass es wenigstens im Berufsleben verschwunden ist.  Denn heute lese ich den Begriff: Feminisierung der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Vorerst im Netz habe ich recht wenig dazu gefunden. Z.B., dass man hofft, dass die Einbeziehung von Frauen in Friedens- und Sicherheitsgespräche zu integrativeren, konkreteren Plänen führt. Vor fast 21 Jahren (!) hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 1325 über Frauen, Frieden und Sicherheit verabschiedet. Aus Sicht von wichtigen Entscheidungsträgerinnen aus EU, Vereinten Nationen und NATO bleiben auch heute noch für eine gleichberechtigte Vertretung jedoch noch viele Jahre Arbeit. Also, wie man so sagt: Luft nach oben“. Österreich ist da jetzt einmal ziemlich „fortschrittlich“ – wir haben mit Klaudia Tanner die erste Bundesministerin für Landesverteidigung.

Ich habe beim Lesen dieser „Statements“ derzeit immer die Ukraine-Krise im Hinterkopf. Würden Frauen in Entscheidungspositionen anders handeln als die gegenwärtigen Männer? Derzeit ist das ohnedies nur ein „was-wäre-wenn“ Gedankenspiel. Denn derzeit versuchen Frauen in Führungspositionen oft nur noch männlicher als Männer zu sein, um sich in diesem Umfeld überhaupt behaupten zu können. Denn wenn nicht Frauen in der Mehrzahl in verschiedenen Staaten in diesen Verteidigungs- und Sicherheitspositionen im Einsatz wären, würde sich – so fürchte ich – herzlich wenig ändern. Es reicht ja wohl ein einzelner Macho bei einer der Supermächte, um die Kriegsrethorik und -handlungen aufrecht zu erhalten.

Aber ich bin davon überzeugt, dass Frauen viel eher auf Dialog setzen würden (ließe man sie), als mit Panzern und Geschützen um sich zu werfen. Denn auf den berühmten Roten Knopf für einen Atomangriff zu drücken, sehe ich eher keine Frau (und hoffentlich auch keinen Mann).

Ich fürchte, dass derzeit eine Generation „am Ruder ist“, die selbst keine Kriege im eigenen Land erlebt hat. Und weder mit Geschichte(n), noch mit Filmen oder Ausstellungen kann man Menschen die Gräuel des Krieges so nahebringen, dass sie das heutige „mit-dem-Feuer-spielen“ unterlassen würden.

Wir sind zwar keine „Gnädigen“ mehr, aber „feminisiert“ ist die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik – so fürchte ich – noch lange nicht.

Die „gnädige Frau“ und die Feminisierung der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik?

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