Der jüdische Friedhof am Zentralfriedhof in Wien

Es war wieder einmal ein Friedhofsbesuch fällig, letzte Woche war unser Hochzeitstag (es wäre der 62. gewesen). Aber seit 2018 bin ich allein zurückgeblieben.

Aber ich wollte auch den alten jüdischen Friedhof einmal dort besuchen. Das Wetter war mir nicht hold, aber während ich am Friedhof herumspazierte regnete es nur leicht. Wie immer fuhr ich mit dem 71 zum Zentralfriedhof, wie immer war dieser ziemlich voll. Diesmal steig ich beim Ersten Tor aus.

Dort liegt der alte jüdische Friedhof. 1877 erwarb die Israelitische Kultusgemeinde das Grundstück von der Gemeinde Wien um 60 000 Gulden und nahm es zwei Jahre darauf offiziell in Betrieb. Innerhalb der nächsten 40 Jahre wurde auf den über 250.000 m² des alten jüdischen Friedhofs um die 80.000 Menschen beigesetzt. Da es im Judentum vorgesehen ist, die Toten am Ort ihrer Beisetzung ruhen zu lassen und einmal entstandene Gräber nicht mehr zu entfernen, stieß der alte Friedhof bald an seine Grenzen. 1917 eröffnete daher im östlichen Teil des Zentralfriedhofs der etwas kleinere neue jüdische Friedhof. Dennoch finden bis heute, wenn auch vereinzelt, Begräbnisse beim Tor 1 statt.

Eine Zeremonienhalle befand sich direkt hinter dem Tor 1, sie wurde die gleichzeitig mit der Eröffnung des Friedhofes eingeweiht. In der Reichskristallnacht 1938 wurde sie ein Raub der Flammen. Die Ruine blieb stehen und wurde erst 1978 endgültig geschleift. Heute befindet sich an ihrer Stelle eine Rasenfläche. 1941/42 wurden alle jüdischen Friedhöfe enteignet, dieser sollte als „Museum“ erhalten bleiben. Es war dies auch während der Nazizeit der einzige „Park“, in dem sich Juden aufhalten durften[CC1] . Im Zweiten Weltkrieg wurde auch dieser Friedhofsteil von vielen Bomben getroffen. Jene Grabsteinteile, die nicht mehr einer bestimmten Grabstätte zuzuordnen waren, hat man 1991 zusammengetragen, sie liegen als Zeichen der Erinnerung an mehreren Stellen des Friedhofes. Man kann noch auf etliche Grabsteine treffen, die noch die Spuren von Granatsplittern und Zerstörung aufweisen. Angeblich sollen hier am Friedhof auch Kämpfe stattgefunden haben.

Seit 2008 werden von der Stadt Wien diverse Gräber hier mit großem Aufwand renoviert. Die Auswahl hierzu trifft die Israelitische Kultusgemeinde. Darunter sind viele Ehrengräber, aber auch andere bedeutende Grabstätten und Mausoleen. Etliche liegen entlang der Zeremonienallee, andere auf den Seitenwegen.

In der türkischen Abteilung dieses jüdischen Friedhofs liegen jene Juden, deren Vorfahren ursprünglich aus Spanien vertrieben worden waren, und dann in der Türkei unter dem Schutz des Sultans gelebt haben. Durch die Kontakte während der Monarchie kamen sie auch nach Österreich, blieben hier und wurden in oft pompösen Grabmälern begesetzt.  Etliche Grabsteine erinnern an die Architektur der Alhambra. An einem, schon restauriert – von Jacques Menachem Elias – an der Zeremonienallee bin ich vorbeigekommen.

Im hintersten Teil des Friedhofes liegen die Kriegsgräber von gefallenen (jüdischen) Soldaten des 1. Weltkrieges.

Viele der höchst unterschiedlichen Grabsteine weisen hebräische Aufschriften auf, vieles ist aber inzwischen verblasst. Für mich war ein eigenartiger Bruch zwischen dem frühlingshaften Grünen und Sprießen und diesen doch alten Gräbern. Bei den unzähligen Gräbern sind verschiedene Stilrichtungen vertreten, es gibt einfachste Gräber bis zu monumentalen Familiengruften. An manchen Symbolen kann man noch den Beruf des Verstorbenen erkennen. Viele sind von rostigen Gattern umgeben, wenige der Gräber wirken noch gärtnerisch gepflegt. Manche sind fast ganz von Efeu überwuchert. Auf den Marmorplatten der Gruften liegt noch das Laub des vorigen Jahres. Ob aufgrund des Regens oder des Fernbleibens von Touristen in der Corona Zeit war ich ganz alleine dort unterwegs.

Dann begab ich mich weiter – innerhalb des Friedhofs, dass ich den jüdischen Teil verlassen hatte, merkte ich an den Grabmälern, auf denen wieder Kreuze oder Engel auftraten. Ich gedachte der Verwandten meines Mannes, Onkel Bertl und Tante Rosi, die hier irgendwo liegen müssen – ich würde das Grab heute nicht mehr finden, denn ich bin immer mit meinem Mann hingegangen, der die Lage einfach kannte. Wenn man so auf einer lagen Allee entlang geht, hört man Vogelstimmen, aber nur wenige, hauptsächlich vernimmt man das Krächzen der Raben/Krähen. Auf manchen Grabsteinen liest man Namen, die Interesse wecken, und wirklich, man trifft auf „alte Bekannte“, und man sinniert über Begegnungen mit ihnen.

Ein Begräbniszug kam mir entgegen. Vorne die trauernden Hinterbliebenen, hinten, die bereits schwatzenden Freunde des kürzlich Gestorbenen. Junge Trauernde trugen rote Rosen, ältere Daemn Maiglöckchen.

Von den vielen Familienmitgliedern, die hier begraben sind, habe ich nur das Grab der Großeltern meines Mannes aufgesucht, und mich wiederum geärgert, dass jemand den wunderschönen Efeu, der auf dem Grabstein gewachsen ist, abgerissen hat. Aber vielleicht gibt es Verwandte, die ich nicht kenne.

Zuletzt kam ich beim Grab meines Mannes an, naja, wir sollten wiederum einmal mähen, das Gras ist schon recht hoch.

Jedenfalls bin ich dankbar, dass ich nicht schon endgültig hier gelandet bin, sondern mich – zwar im Regen – wieder in Richtung Straßenbahn bewegen konnte.


 [CC1]

Der jüdische Friedhof am Zentralfriedhof in Wien

Zur Straße des 8. Mai in Wien

Bei uns ist es nicht so üblich, Straßen nach einem Datum zu benennen. Aber wer je in Italien Karten-lesend durch Städte gefahren ist, wird sich an die verschiedenen Datumsangaben bei Straßen erinnern, aber wohl nur bei sehr wenigen den Grund kennen, warum die Straße so und nicht anders heißt.  

Aber auch bei uns in Wien gibt es eine „Datumsstraße“.  Im Alsergrund (oder sollte es eigentlich am Alsergrund heißen?) wurde im Juni 2013 die Verbindungsstraße zwischen Währinger Straße und Universitätsstraße, zwischen Votivkirche und Sigmund-Freud-Park, in „Straße des Achten Mai“ umbenannt (wobei umbenannt nicht ganz richtig ist, denn vorher gab es dafür keinen Namen). Sie wurde zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945, die bedingungslose Kapitulation des nationalsozialistischen Regimes in Reims (Frankreich) sowie die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus durch die alliierten Truppen so benannt.

Dieser Tag wird in vielen (am Zweiten Weltkrieg beteiligten Ländern) teilweise als stiller Gedenktag und teilweise als Feiertag mit großer öffentlicher Beteiligung begangen. Das Kürzel VE-Day (Victory in Europe Day) ist in den USA sowie den drei Commonwealth-Staaten Vereinigtes Königreich, Kanada und Australien üblich. In Österreich gilt er seit 2013 als Tag der Freude.

Ganz so eindeutig ist das Ende des Krieges in Europa dann doch nicht an diesen Tag gewesen. Bei den Verhandlungen (erfolglose Verhandlungsversuchen der deutschen Seite) im Hauptquartier der alliierten Streitkräfte (SHAEF) in Reims wurde am 7. Mai die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Streitkräfte vereinbart und diese dort vertraglich unterzeichnet. Generaloberst Jodl, von Reichspräsident Dönitz dazu autorisiert, unterzeichnet am 7. Mai 1945 diese bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Als Zeitpunkt für die Einstellung aller Kampfhandlungen in Europa wurde der 8. Mai, 23:01 Uhr festgelegt. Diese bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht war eine Erklärung der Wehrmacht am Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. Die Kapitulation wurde vom 6. Mai in der Nacht zum 7. Mai 1945 im Obersten Hauptquartier der Alliierten Expeditionsstreitkräfte in Reims unterzeichnet und trat am 8. Mai in Kraft

Ich glaube mich daran zu erinnern, dass ich al 10jähriges Kind von dieser Unterzeichnung im Radio gehört hatte. Die Namen Jodl und Dönitz waren mir als „Militärs“ bekannt, Dönitz nicht aber als Reichspräsident, das war doch immer Hitler gewesen.  Für mich war diese bedingungslose Kapitulation trotz der Tatsache, dass ich die Auflösung des deutschen Heeres erlebt hatte, ein unerwarteter Schock. Wir, denen immer der „Endsieg“ eingeredet worden war, hatten den Krieg verloren, wir waren die Besiegten. Was würde jetzt aus uns werden?  Wir waren „ausgeliefert“, wir würden „fremdbestimmt“, und der Rache der Sieger ausgeliefert sein. Als einen Tag der Freude habe ich den 8. Mai damals sicher nicht empfunden, auch jetzt noch nicht, in Kenntnis vieler grauenhafter Taten des NS Regimes. Ich finde es sollte ein Tag sein, an dem man darüber nachdenkt, wie es zu einem derartigen Terrorregime der Nazis überhaupt kommen konnte.

Doch deutsche Streitkräfte setzten 1945 ihre Kampfhandlungen jedoch gegen sowjetische Truppen fort. Um auch die Kämpfe zwischen sowjetischen und deutschen Truppen verbindlich zu beenden, erfolgte am späten Abend des 8. Mai im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst  durch die Oberbefehlshaber der Teilstreitkräfte der Wehrmacht eine Gegenzeichnung der Kapitulationserklärung. Diese zog sich bis kurz nach Mitternacht hin. Da es zu diesem Zeitpunkt auf Grund der Zeitzonen in Moskau bereits zwei Stunden später war, also 00:01 Uhr, wird in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten der 9. Mai als Tag des Sieges begangen.

Eine Teilkapitulation der drei in Nordwestdeutschland operierenden deutschen Armeen wurde bereits am 4. Mai 1945 auf dem Timeloberg bei Wendisch Evern gegenüber dem britischen Feldmarschall Bernard Montgomery erklärt, die am folgenden Tag um 8 Uhr in Kraft trat. Die Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation wie auch die Teilkapitulation waren zuvor durch den letzten Reichspräsidenten Karl Dönitz, der sich mit der letzten Reichsregierung nach Flensburg-Mürwik abgesetzt hatte, autorisiert worden. Der Sonderbereich Mürwik wurde erst am 23. Mai besetzt und die dortige Regierung verhaftet.

Der militärische Sieg der Alliierten war die Voraussetzung, dass Millionen von den Deutschen verfolgter Menschen befreit werden konnten. Der politische, wirtschaftliche und moralische Zusammenbruch bedeutete das Ende des bisherigen politischen Systems in Deutschland, dessen Teil Österreich in dieser Zeit gewesen ist.

Aber noch in den letzten Kriegstagen war schon im April 1945 die Republik Österreich erneut ausgerufen worden. In den letzten Wochen des 2. Weltkriegs konstituierten sich im sowjetisch besetzten Wien und Niederösterreich die drei politischen Parteien SPÖ, ÖVP und KPÖ, die eine Provisorische Regierung unter der Führung von Karl Renner bildeten. Diese proklamierte am 27. 4. 1945 die Wiedererrichtung der Republik Österreich, diese wurde aber nur von der Sowjetunion anerkannt, deren Truppen Wien, Niederösterreich, das Burgenland und Teile der Steiermark einnahmen. (Wir aber befanden uns damals im Mühlviertel in Oberösterreich).

Wir alle, die wir heute leben, müssen über die Errichtung der Europäischen Union dankbar sein, innerhalb dieser derartige Kriege, wie den Zweiten Weltkrieg, nicht mehr möglich sind und sein werden.

Zur Straße des 8. Mai in Wien

Ein Vorschlag: den Umfang des Gedenktages gegen Gewalt und Rassismus etwas zu erweitern

Gestern, 5. Mai war also der Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus. Er wird seit 1998 alljährlich am 5. Mai begangen und erinnert synonym an die nach der deutschen Okkupation zwischen dem 12. März 1938 und Frühjahr 1945 der auch von österreichischen Nationalsozialisten begangenen Gräueltaten. Konkret bezieht sich das Datum auf die Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen.

Es wurde würdig gedacht – wie immer. Auch unser Herr Innenminister hat einen Kranz niedergelegt. Es wurde versprochen, nicht auf die Nebenlager von Mauthausen (z.B. Gusen) in Zukunft zu vergessen.

Der Gedenktag ist Ausdruck eines seit den 1990er Jahren geänderten Geschichtsbewusstseins in Österreich, nachdem an die Stelle der sogenannten „Opfer-These“ die „Mittäter-These“ getreten war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 herrschte lange Zeit die Vorstellung, dass Österreich „das erste Opfer des Nationalsozialismus“ gewesen sei und dass es daher keine Mitverantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten trage. Die Erinnerung an den Nationalsozialismus war zumeist nur geprägt von der „Erinnerung an das Leid der Soldaten und an das durch Krieg und Not bestimmte Elend der Zivilbevölkerung“; für die „Erinnerung an die Opfer von rassistischer, menschenverachtender und faschistischer Verfolgung“ war dabei nur selten Platz.

Nun, das hat sich ja sehr geändert.

Aber ich denke auch an die vielen jungen Menschen in Österreich, für die diese Ereignisse schon ziemlich in „grauer Vorzeit“ liegen, also Geschichte sind.

Gewalt und Rassismus gibt es aber auch im Heute und weltweit. Das umfasst selbstverständlich den Antisemitismus, aber doch nicht nur diesen. Sollte an diesem Tag nicht auch anderer Opfer, geschädigt durch andere Täter, gedacht werden? Ja, wir leben in Österreich, der Terroropfer in anderen Ländern sollen die Menschen dort gedenken, dennoch allein z.B. die Getöteten in der Charlie Hebdo Redaktion fallen mir spontan ein, oder auch jene der sogenannten 9/11 Ereignisse.

Und warum konzentriert man sich in Österreich ausschließlich auf Antisemitismus? Gibt es nicht auch z.B.Antiislamismus, den sehr viele hier Lebende erleiden müssen.

Auch in Österreich gibt es Terroropfer, und nicht nur aus 2020. Die Angehörigen dieser hätten es sicherlich als Genugtuung empfunden, wenn man an diesem Tag auch ihrer Toten gedacht hätte.

Aber wir sollten auch nicht vergessen, dass es in Österreich schon früher Terroranschläge und Opfer von Gewalt und Rassismus gegeben hat:

  • 24. Mai 2009: Bei einem Anschlag fundamentalistischer Sikhs auf einen Tempel in Wien-Rudolfsheim wird ein aus Indien angereister Guru getötet, neun weitere Personen werden teils schwer verletzt.
  • 13. Jänner 2009: Umar Israilow, ein nach Österreich geflohener Bodyguard des Tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow, wird in Wien-Floridsdorf auf offener Straße erschossen. Der mutmaßliche Todesschütze kann nach Russland fliehen, drei Komplizen erhalten langjährige Haftstrafen.
  • 11. April 1995: Bei einem misslungenen Anschlag auf einen Starkstrommasten in Ebergassing bei Wien sterben die beiden mutmaßlich linksradikalen Attentäter Gregor Thaler und Peter Konicek.
  • 4. Februar 1995: Eine vom Rechtsradikalen Franz Fuchs gelegte Rohrbombe tötet in Oberwart vier Roma. Josef Simon, Peter Sarközi, Karl Horvath und Erwin Horvath sind damit die Opfer des bisher folgenschwersten innenpolitisch motivierten Attentats in Österreich. Fuchs, Urheber weiterer Rohr- und Briefbomben mit zahlreichen Schwerverletzten, wird 1997 gefasst und begeht 2000 in Haft Selbstmord.
  • 13. Juli 1989: Iranische Agenten erschießen in einer Wiener Privatwohnung drei hochrangige kurdische Politiker, darunter den österreichischen Staatsbürger Fadel Rasoul. Die Täter können in der iranischen Botschaft untertauchen und dürfen nach Interventionen aus Teheran unbehelligt ausreisen – einer wird sogar unter Polizeischutz zum Flughafen Schwechat gebracht.
  • 27. Dezember 1985: Bei einem Anschlag der palästinensischen Abu Nidal-Gruppe auf den Schalter der israelischen Fluglinie El Al am Flughafen Wien sterben drei Passagiere und ein Attentäter, 38 Personen werden verletzt. Bei einem zeitgleichen Anschlag in Rom gibt es 16 Tote.
  • 19. November 1984: Der türkische Diplomat Enver Ergun wird am Wiener Schottenring in seinem Auto erschossen. Der Täter kann fliehen. Zum Anschlag bekennen sich armenische Extremisten. Bereits am 20. Juni war ein weiterer türkischer Diplomat Opfer eines Anschlags geworden.
  • 29. August 1981: Ein palästinensisches Terrorkommando überfällt die Synagoge in der Wiener Seitenstettengasse. Der Pensionist Nathan Fried und die 25-jährige Ulrike Kohut werden getötet, zahlreiche Menschen verletzt. Polizei und der zufällig anwesende Leibwächter des Industriellen Leopold Böhm verhindern ein schlimmeres Blutbad. Die Täter – auch für den Mord an Nittel (siehe unten) verantwortlich – werden festgenommen.
  • Mai 1981: Die palästinensische Abu Nidal-Gruppe ermordet den Wiener Stadtrat und Präsidenten der Österreichisch-israelischen Gesellschaft, Heinz Nittel (SPÖ).
  • 21. Dezember 1975: Ein Kommando unter dem berüchtigten Terroristen „Carlos“ überfällt die Opec-Zentrale in Wien. Die Bilanz: drei Tote und zahlreiche Verletzte. Die Terroristen erhalten freies Geleit und dürfen mit mehreren Geiseln nach Algier fliehen. Innenminister Otto Rösch (SPÖ) verabschiedet „Carlos“ mit Handschlag. Der Terrorist wird 1994 gefasst und sitzt in Frankreich in Haft.
  • 22. Oktober 1975: Terroristen erschießen in Wien den türkischen Botschafter Danis Tunaligil. Für den Anschlag werden armenische Extremisten verantwortlich gemacht.

Aus dieser Reihe wäre doch auch der ein oder andere des Gedenkens an diesem Tag würdig gewesen.

Ich schlage vor, den Umfang und die „Zeremonien“ anlässlich dieses Gedenktages gegen Gewalt und Rassismus doch etwas zu erweitern.

Ein Vorschlag: den Umfang des Gedenktages gegen Gewalt und Rassismus etwas zu erweitern

Eine Buchempfehlung und ein bissel rundherum

Marc Elsberg: der Fall des Präsidenten

Das Buch ist ausnehmend spannend und rasant. Ich „musste“ es zulasten des Schlafes zu Ende lesen. Ich mag ja Politthriller, und das ist einer der guten. Ein ehemaliger Präsident der USA wird verhaftet, um sich für Verbrechen gegen die Menschenrechte zu verantworten. Dieser Präsident landet in Athen um einen Vortrag auf einem wichtigen Kongress zu halten. Ein Einsatzkommando der Polizei verhaftet ihn im Namen des Internationalen Strafgerichtshofs. All das belastet aber die Wiederwahl des amtierenden Präsidenten, der seine Getreuen ebenfalls nach Athen schickt, nicht so sehr um den ehemaligen Präsidenten zu retten, sondern seine eigene Wiederwahl zu sichern. Der Internationale Gerichtshof hat viel weniger Mittel um seine Anklage zu stützen. Das Weiße Haus stößt sofort Drohungen in alle Richtungen aus, gegen den internationalen Gerichtshof, gegen alle europäischen Staaten. Die US-Geheimdienste suchen fieberhaft nach dem Whistleblower, der die Anklage überhaupt erst möglich gemacht hat. Eine gewaltsame Rettung steht auch im Raum. Mir scheint es wie eine David-Goliath-Situation. Vielleicht noch eines, ohne Ihre Spannung zu gefährden: es geht um „Verbrechen“ – und das ist für die Beteiligten strittig – die in Afghanistan begangen wurden, und für die der ehemalige Präsident persönlich beschuldigt wird. Mehr erzähl ich Ihnen lieber nicht, sollten Sie das Buch lesen wollen.

Aber es ist nicht nur ein „Tschin-Bumm“ Roman, es geht auch viel um rechtliche Fragen, und um die Rolle der sozialen Medien. Wie bei den guten US-Thrillern, lernt man auch viel beim Lesen.

Was nun das „Rundherum“ betrifft: derzeit werden alle ausländischen Truppen aus Afghanistan abgezogen. Wie schon die Engländer, dann die Russen, müssen nun auch die Amerikaner einsehen, dass man in diesem Land keinen Krieg gewinnen kann. Nicht nur US-Truppen ziehen aus Afghanistan ab. Nach fast 20 Jahren verlassen auch die österreichischen Soldaten das Krisengebiet. Spätestens im Juli soll der letzte österreichische Soldat nach Österreich zurückkehren. Die Aufgaben der Österreicher waren beratend und unterstützend, die Soldaten beteiligten sich nicht aktiv an Kampfhandlungen.

Aber die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit Beginn des Abzugs am 1. Mai 2020 nicht gerade verbessert. Es gibt laufend Drohungen der Taliban gegen die internationale Truppe. Diese Drohungen haben in den letzten Tagen und Wochen zugenommen. Außerdem werden jeden Tag Angriffe auf Sicherheitskräfte und die Zivilbevölkerung verübt.

Bei diesem Abzug aller Truppen aus Afghanistan ist man an Vietnam erinnert, damals gab es aber einen Vertrag zwischen den Kriegsparteien, der in Afghanistan fehlt (die Taliban waren nicht bereit dazu).

Das Land verbleibt im Chaos, es werden noch einige Flüchtlingswellen aus Afghanistan in Richtung Westen folgen. Aber danach wird dieses kostspielige Projekt abgeschlossen sein, und Afghanistan wird aus den Schlagzeilen der Nachrichten verschwinden.

Und was bedeutet dieser Abzug der Truppen für den Westen?

Denken wir an den Anfang dieses Krieges (war against terror): Die Ursprungsbegründung für das militärische Eingreifen des Westens in Afghanistan waren die dortige Präsenz von al-Qaida und die Weigerung des Taliban-Regimes, die in seinem Land befindlichen Al-Kaida-Basen zu schließen und die Anführer (u. A. bin Laden) der Terrororganisation an die USA auszuliefern. Aber damals stand die Vorstellung einer neu zu gestaltenden Weltordnung im Raum, die an die Stelle der bipolaren Konstellationen des Kalten Krieges treten sollte. Zu diesen, jetzt utopisch erscheinenden Vorstellungen, die nie feste Gestalt angenommen haben, gehörten die Absage an den Krieg als Modus politischer Interessendurchsetzung, eine weitgehende festgelegt Ordnung der internationalen Beziehungen, die weltweite Geltung bestimmter Normen, insbesondere der Menschenrechte, und die Umgestaltung des Militärs zu einer globalen Polizei, die gegen notorische Störer und Zuwiderhandelnde diese Ordnung durchsetzt. Afghanistan sollte zum Experimentierfeld für die Implementierung dieser Weltordnung werden: Durchsetzung vor allem von Frauenrechten, demokratische Partizipation, wirtschaftliche Entwicklung und insbesondere Schließung der Schattenglobalisierungskanäle, in denen Afghanistan als Opiumproduzent eine Rolle spielte. Aus der Befriedungsaktion wurde infolgedessen nach einiger Zeit ein Kampfeinsatz.

Der Truppenabzug ist nun das Eingeständnis, dass der Westen mit dem Projekt einer liberalen Weltordnung gescheitert ist. Nicht nur in Russland und China, immerhin mächtige Gegenspieler, lassen sich Menschenrechte und bürgerschaftliche Politikpartizipation nicht zur Geltung bringen. Sie sind auch in rückständigen Gebieten nicht durchzusetzen, nicht einmal dann, wenn Teile der Bevölkerung das wünschen. Die Religion und die ihr verbundenen Traditionen haben sich als stabile Widerstandsbastion erwiesen.

Die Idee einer globalen Ordnung mit gemeinsamen Werten ist definitiv aufgegeben worden, wohl auch weil es „westliche“ Werte sind. Sollte es weitere Militäreinsätzen an der Peripherie der westlichen Welt in Zukunft noch geben, dann wird es wohl nur noch um politische Stabilisierung und nicht mehr um menschenrechtliche Veränderungen, Demokratie gehen.

All diese Toten und Verletzen, Militärs aber auch viele, viele Zivilisten – wozu? 20 Jahre Krieg: Eine traurige Bilanz!

Eine Buchempfehlung und ein bissel rundherum

Impressionen im gelockerten Lockdown

In der Kärntnerstraße sind viele Leute unterwegs, es wird schon wieder schwer, sie zu queren. Die meisten haben Sackerln mit Aufschriften von Firmen in der Hand, sie haben also eingekauft. Man ist fröhlich. In vielen Schanigärten wird gewerkt, geputzt, man erwartet eine baldige Öffnung. Und überall sieht man Schlangen vor den Geschäften, ich bin auch gestanden, vor dem Bäcker – weil ja nur zwei Personen im Geschäft sein dürfen, oder vor dem Fleischhauer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in Zukunft anders sein wird. Ich gehe auch davon aus, dass wir weiterhin die Masken tragen werden, auch nach dem Ende des Lockdowns, wann immer das auch sein wird.  Und für die dritte Impfung kauft die Regierung schon ein.

Die Inhalte der Auslagen werden wieder gewechselt, zu lange haben wir uns schon dieselben Dinge angeschaut. Aber Prozente werden teilweise auch schon wieder geboten – die Frühjahrssachen müssen weg – wenn der Sommer da sein wird, ist es zu spät, sie verkaufen zu können.

Apropos, Inhalt der Auslagen. Für Damen scheinen heuer Shorts „in“ zu sein. Und zwar solche, die ihrem Namen alle Ehre machen. Ich hab‘ so ein Kleidungsstück das letzte Mal getragen, als ich noch in der Sandkiste gespielt habe, damals hat man es Spielhoserl genannt.  Gestern sah ich ein wirklich exquisites Exemplar: Jeansstoff, natürlich zerrissen, aber mit Spitze dekoriert. Man kann es auch Pailletten haben. Der Preis dafür schien mir exorbitant. Aber ich bin sicherlich nicht die Zielgruppe.

Schlangen – die bilden sich nicht nur in Einkaufsstraßen vor Geschäften. Ich muss diese Wochen endlich zum Friseur – naja und dafür braucht man noch einen Test, auch wenn man zwei Mal geimpft ist. Da ich auch wissen wollte, ob die Impfung gewirkt hat (ich habe überhaupt keine Nebenwirkungen gespürt) leistete ich mir einen Antikörpertest. Ich hoffe, dann zu wissen, ob ich auch ausreichend geschützt bin. Ich hatte deswegen im Labor meines Vertrauens angerufen, ja ich kann jederzeit ohne Voranmeldung kommen. Ich begab so ca. um 11 Uhr dorthin – und die Wartenden standen im Stiegenhaus – ein halbes Stockwerk lang. Es wurden immer nur Gruppen von drei Personen eingelassen. Alle hatten Masken auf, aber der zwei Meter Abstand ist nicht wirklich eingehalten worden.

Sie werden nicht glauben, was ich mir wünsche! Ich wünsche mir, dass die Bäder bald aufsperren. Warum? Mein täglicher Spaziergang führt durch den Burggarten, den Heldenplatz und den Volksgarten. Und dort lagern die Menschen, wie sonst nur auf den Wiesen in den Bädern. Viele schon mit recht wenig Beleidung – naja, ich verstehe, es ist heiß, wenn man turnt, wenn man Ball spielt, wenn man Yoga betreibt. Außerdem will man ja rundherum braun werden.  Viele bringen ihr Picknick mit, die Abfälle haben in den dafür vorgesehenen Kübeln oft keinen Platz mehr. Außerdem „räumen“ Krähen gerne diese Mistkübeln aus, um Fressbares zu finden. Ja es gibt auch – besser gesagt, nur drei Koloniakübeln im Burggarten. Aber die Plastiksackerln, die Plastikflaschen treibt der Wind durch den Park, oft auch in den Ententeich, dort ist eine Ecke voll mit diesem Abfall.  Es sind auch alle Bänke besetzt, nicht jeder sitzt gerne im Gras (gilt auch für mich, ich kann dann schlecht aufstehen). Aber hier blühen die Pfingstrosen in voller Pracht – und sie duften.

Am Heldenplatz gibt es eine Ecke beim Heldendenkmal, in der sich die „Kunstradfahrer“, die Skateboarder und Rollerskater herumtreiben. Das ist zwar laut, aber fröhlich. Eine der Wiesen ist noch „in restauro“, nachdem der ungenützte Steiermark-Pavillon wieder abgetragen worden ist. Auf den anderen Wiesen ist ein Ballspiel sehr populär, eine Art kleines Trampolin in der Mitte und rundherum Menschen, die einen Ball draufwerfen, der, wenn er aufspringt, vom Nächsten gefangen werden muss. Ich weiß nicht, wie das Spiel heißt, aber es ist sehr populär. Dort treten auch Akrobaten auf, entweder mit mehreren Bällen oder mit Keulen. Es ist ein munteres Bild. Dahinter bellen die Hunde in der Hundezone. Vögel hört man in diesem Lärm nicht mehr So hat der Kaiser sein „Kaiserforum“ sicher nicht vorgestellt. Mir gefällt’s. Vor allem aber auch die blühenden Fliederbüsche, dass man dann ganz genau das Bild vor sich hat, dass vor langer, langer Zeit einen Bühnenvorhang geschmückt hat.

Im Volksgarten gibt es mehr Sitzgelegenheiten, und trotz aller Einzäunungen die Stufen des Theseus-Tempels. Hier werden mehr und mehr Bäume mit Widmungstäfelchen versehen Die Rosenstöcke sind diesbezüglich alle schon “besetzt“. Und die Harfenspielerin sitzt auch schon wieder an ihrem Platzerl. Hier gehen die Kastanienkerzen gerade auf, halt nur bei jenen Bäumen die nicht jeden Winter gestutzt werden. Dass Kinder in den Rabatten spielen – ihre bewundernden und photographierenden Eltern hinterher, gefällt mir schon weniger, aber die Menschen scheinen keine Grenzen zu kennen. Und im Volksgarten, nahe dem Elisabeth-Denkmal sieht man – wenn man Glück hat – manchmal noch verliebte Pärchen.

Anregend, so ein abendlicher Spaziergang.

Impressionen im gelockerten Lockdown

Zum Einsatz von Gesichtserkennungssoftware

bei der österreichischen Polizei

Vieles an der modernen Technologie kann sich enorm positiv aber auch negativ auswirken. Und um diese Nebenwirkungen einzudämmen, wird oft gegen den Einsatz dieser Technologien gekämpft.  Damit wird aber manchmal auch „das Kind mit dem Bad ausgeschüttet“.

„Der Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie ist gefährlich und birgt mehr Gefahren, als ihr Nutzen für die Sicherheit der Menschen rechtfertigen kann“, heißt es seitens Amnesty International (AI) Österreich. Die diesbezügliche Kampagne heißt: „Dein Gesicht gehört Dir“. Besonders der Einsatz zur Strafverfolgung ist Amnesty International ein Dorn im Auge. Die Polizei in Österreich setzt Gesichtserkennungstechnologien bereits ein, um Verbrecher auszuforschen. Dabei gibt es allerdings (noch) keinen Echtzeit-Abgleich, was aus Sicht von Amnesty International „besonders gefährlich“ wäre, sondern nur einen Abgleich von Bildern, die aus Überwachungskameras stammen, wenn es einen Verdacht einer strafbaren Handlung gibt. Überwachungskameras werden aber auch bei Demonstrationen eingesetzt!

Gesichtserkennung zählt zu den biometrischen Verfahren. Sie wird sicherheitstechnisch, kriminalistisch und forensisch eingesetzt, zum Zweck der Identifikation oder Verifikation (Authentifizierung) natürlicher Personen. Typischerweise dient die technische, computergestützte Gesichtserkennung zur Zutrittskontrolle zu sicherheitsempfindlichen Bereichen und zur Suche nach Dubletten in Datenbanken, beispielsweise in Melderegistern zur Vermeidung von Identitätsdiebstahl. Ein erkanntes Gesicht kann als biometrischer Faktor für die Authentifizierung eingesetzt werden. In China wird solche KI-gestützte Gesichtserkennung verstärkt eingesetzt. Viele dieser Anwendungen laufen im Bank- und Finanzbereich.

Kritiker der Technologie weisen auf die starken Eingriffe in die Privatsphäre hin und warnen vor dem Missbrauch für Massenüberwachung. Als abschreckendes Beispiel für einen Überwachungsstaat gilt die Volksrepublik China, deren Behörden mit etwa 200 Millionen Überwachungskameras und Gesichtserkennung landesweit Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren überwachen.

Als erste Stadt weltweit beschloss San Francisco im Mai 2019 seinen Behörden und der Stadtpolizei den Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie zu verbieten. Der Stadtrat begründet dies mit dem Schutz der Bürgerrechte.

Die Anti-Rassismus-Demonstrationen in Amerika im Frühjahr 2020 haben die Diskussion um Gesichtserkennungsprogramme verstärkt. Deshalb zieht sich IBM aus dem Geschäft zurück. IBM bietet diese Software nicht mehr an und steht allgemein gegen diese Technologie, wenn ihr Einsatz zu Massenüberwachung, Diskriminierung und der Verletzung von Menschenrechten führe. Die Anti-Rassismus-Demonstrationen nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd hatten die Diskussion um Gesichtserkennung weiter befeuert.

Auch Amazon hat der US-Polizei die Anwendung seiner Gesichtserkennungssoftware untersagt. Das vorläufige Verbot gelte für ein Jahr und solle dem Kongress die Zeit geben, „angemessene Regeln“ für den Einsatz derartiger Technologien zu verabschieden.

in Österreich wurde mit 1. August 2020 die Gesichtserkennungsanalyse bei der Polizei eingeführt. Die Software ist in die „EDV-Umgebung des Bundesministeriums für Inneres integriert“ worden und führt jetzt Abgleiche mit dem Gesichtserkennungssystem durch.

Das heißt jetzt: Wenn jemand eine schwere Straftat begangen hat, beispielsweise einen Bank- oder Tankstellenraub, kann die Polizei aus den Bildern der Überwachungskameras Fotos generieren lassen. Die Zentralsoftware gleicht dann bestimmte Merkmale aus dem Gesichtsfeld ab und vergleicht das Bild mit der Referenzdatenbank der Polizei.

Aber schon derzeit kommt die Software zur Ausforschung von Demonstranten zum Einsatz. Die Software gleicht Bilder von Überwachungskameras oder anderen Quellen mit Fotodatenbanken der Polizei ab. Das Innenministerium sieht die Nutzung der Fotos durch das Sicherheitspolizeigesetz gedeckt.

Dem Einsatz ist ein einjähriger Testbetrieb vorausgegangen: in 581 Fällen wurde ein Abgleich mit dem Gesichtserkennungssystem durchgeführt. In 83 Fällen wurde von den Ermittlungsdienststellen bestätigt, dass der Abgleich mit dem Gesichtserkennungssystem zur Identifizierung des unbekannten Täters geführt hat. Das System ist nicht „perfekt“: Bei zahlreicher Gesichtserkennungssoftware ist schon festgestellt worden, dass es etwa Personen mit dunkler Hautfarbe sowie Frauen schlechter erkennt. Die maschinelle Gesichtserkennung funktioniert derzeit am besten, wenn es um das Erkennen weißer Männer geht. Allerdings können schlechte Belichtungsverhältnisse zu einem schlechteren Ergebnis führen.

In Österreich aber werden (wohl derzeit) keine Echtzeit- oder Online-Abgleiche durchgeführt, die Software wird lediglich dazu eingesetzt, Fotos von unbekannten Tätern mit der Referenzdatenbank abzugleichen. Der Abgleich bzw. das Ergebnis des Abgleichs alleine löst keinerlei unmittelbare Reaktion aus. Derzeit werden die sozialen Medien nicht als „Referenzdatenbanken“ verwendet.

Die Gründe für die Ablehnung sind die folgenden: der Einsatz von Gesichtserkennungssoftware ist ein sehr schwerer Eingriff, denn es werden biometrische Daten gesammelt, analysiert und ausgewertet. Es wird befürchtet, dass der aktuelle Einsatz der Software nach und nach ausgeweitet werden wird und als Echtzeit-Tool fungieren kann.

Wir alle, als Bürger eines Rechtsstaates müssen überlegen, ob der Nutzen dieses Systems seinen Einsatz rechtfertigt. Sobald die Polizei über Mittel „zur Verbrechensbekämpfung“ verfügt, gibt sie diese Mittel nur sehr zögerlich heraus. Bitte sagen Sie jetzt ja nicht, dass Sie kein Verbrecher wären – ins Visier der Verbrechensbekämpfer – bei „ähnlichem“ Gesicht – können auch Sie jederzeit kommen.

Zum Einsatz von Gesichtserkennungssoftware

Erinnerungen anlässlich der Maiandacht.

Als Kind nahm mich meine Mutter in die Maiandacht mit. Darüber habe ich damals nicht viel nachgedacht, sondern bin einfach mitgegangen, diese Maiandachten fanden in der Votiv-Kirche (unsere damalige Pfarrkirche) statt, die eigentlich im Inneren keine sehr heimelige Kirche ist.

In der Tradition der römisch-katholischen Kirche ist der Monat Mai als Marienmonat seit der Barockzeit in besonderer Form von marianischer Frömmigkeit und diesbezüglichem Brauchtum im kirchlichen und privaten Bereich geprägt. Die Verehrung Mariens als Jungfrau und Gottesmutter in Gottesdiensten der Marienfeste im Mai und in speziellen wortgottesdienstlichen Maiandachten bilden dabei die feierlichen Höhepunkte. Hierbei können die Maiandachten als öffentliche Gottesdienste oder im privaten Bereich stattfinden. Für die Andacht wird ein Marienbildnis oder eine Marienstatue mit Blumen besonders geschmückt. Historisch reicht die Feier des Maimonats in Europa in die Mythologie der vorchristlichen Zeit zurück. Der Mai ist nach der römischen Fruchtbarkeitsgöttin Maia benannt. Diese wurde auch mit den Fruchtbarkeitsgöttinnen „Bona Dea“ und „Terra“ gleichgesetzt. Ein Entstehungsmotiv der Maiandacht ist in der mittelalterlichen Kreuzesfrömmigkeit im Frühling zu sehen. Die marianischen Maiandachten hatten ihren Ursprung 1784 in Ferrara in der Kirche der Kamillianer, wo öffentlich den ganzen Monat hindurch Marienandachten abgehalten wurden. Die Hochphase der Maiandachten fällt in die Zeit des sogenannten „Marianischen Jahrhunderts“ zwischen 1850 und 1950, der Zeit zwischen der Verkündigung der beiden Mariendogmen von der unbefleckten Empfängnis Mariens (1854) und der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel (1950). Aktuell habe die Maiandacht nach der Umbruchsphase des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Frömmigkeit der katholischen Bevölkerung sowie in der kirchlichen Kunst kaum noch eine besondere Bedeutung.

Heute noch wundert mich, dass wir damals die Maiandachten besuchten, denn ich weiß, dass meine Mutter keineswegs kirchenaffin war.  Das war sie wohl ob ihrer schwierigen Kindheit. Sie hatte zwar 5 Geschwister, aber diese waren nach dem sehr frühen Tod (Tuberkulose) ihrer Mutter bei einer Tante in Pernitz geblieben. Sie war als einziges Kind beim Vater (Maurerpolier) im Wien/Ottakring/Habichergasse geblieben. Sie musste ihm wohl den Haushalt führen. Aber der Vater war nicht lange allein geblieben und so kam eine Stiefmutter ins Haus. Und diese Stiefmutter behandelte meine Mutter schlecht. Meine Mutter hungerte (allerdings war dies auch Zeit und Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs), sie musste im Vorzimmer (mit Gangfenster) schlafen wo es nur die Beleuchtung, die eventuell vom Gang hereinkam, gab.

In den Ferien wurde meine Mutter nicht etwa zu ihren eigenen Verwandten geschickt, sondern zu jenen der Stiefmutter – in Oberschützen im Burgenland. Dort musste sie, die wohl sehr zart war, in den Backofen kriechen, um das gebackene Brot herauszuholen. Und welches Kind würde sich – in Kenntnis all der Märchen Backöfen betreffend – nicht fürchten, in so ein Ding zu kriechen.

Aber das war’s nicht, was ihre Abneigung gegen Priester begründet hatte. In ihrer damaligen Schule wurde vom Pfarrer, der dort Religion unterrichtete, das Thema des Sonntagsevangeliums abgefragt, um festzustellen, ob die Kinder auch brav die Sonntagsmesse besucht hatten. Die Stiefmutter war evangelisch, mein Großvater verlangte wohl eher von seiner Tochter, dass sie der Stiefmutter im Haushalt helfen sollte, daher war meine damals wahrscheinlich verschüchterte Mutter nicht in der Lage am Sonntag in die Kirche zu gehen. Der dort unterrichtende Pfarrer jedoch bestrafte Kinder, die nicht die Sonntagsmesse besucht hatten, er zog sie an den Ohren, blamierte sie vor der ganzen Klasse und verwendete zuweilen auch das Rohrstaberl.

Ich glaube, dass meine Mutter sehr wohl an Gott glaubte, besonders aber an die hilfreiche gnadenreiche Maria. Daher besuchte sie regelmäßig die Maiandacht, nicht aber sonstige Messen. Selbst auf dem Sterbebett kommunizierte sie nicht mit dem vom mir angeschleppten besonders freundlichen Priester. Vielleicht kam auch die in ihrer Generation unter den Sozialisten übliche Religionsablehnung und Kirchenfeindlichkeit dazu. Ich kann mich gut erinnern, wie meine Mutter über Prälat Seipel sprach. Ignaz Seipel (* 19. Juli 1876 in Wien; † 2. August 1932 in Pernitz) war österreichischer Prälat, katholischer Theologe und Politiker der Christlichsozialen Partei. Von 1921 bis 1930 war Seipel deren Parteiobmann, löste die erste Koalition mit den Sozialdemokraten auf und amtierte zweimal als Bundeskanzler (1922–1924 und 1926–1929). In Seipels Amtszeiten fielen einerseits die Sanierung der Staatsfinanzen und die Bundesverfassungsnovelle 1929, andererseits bekämpfte er besonders in seiner zweiten Amtszeit die Sozialdemokratische Arbeiterpartei sowie den Austromarxismus und unterstützte die Militarisierung von paramilitärischen Milizen wie der Heimwehr. Bei der heftigen Ablehnung durch meine Mutter half auch die Tatsache nicht, dass Seipel in Pernitz, besser gesagt im Erholungsheim in Feichtenbach gestorben war (Dieses Erholungsheim war in der Nazizeit dem „Lebensbornkonzept“ gewidmet).

Auch für den Ständestaat hatte meine Mutter gar nichts übrig. Die Heimwehr bezeichnete sie als „Hahnenschwanzler“.

Und dennoch besuchten wir regelmäßig die Maiandacht in der Votivkirche.  

Erinnerungen anlässlich der Maiandacht.

„Stadt und Land“ in der Albertina

Schauen Sie sich das an!

Gleich, nach dem Übergang von einem harten auf einen etwas weicheren Lockdown, habe ich mir eine ganz große Freude gemacht, ich bin in die Albertina gegangen. Und – ich kann es mir leisten, nur eine der mehreren dort gebotenen Ausstellungen anzusehen – demnächst gehe ich wieder hin – und schaue mir die Bilder von Xenia Hausner an. Diesmal wollte ich die Eindrücke nicht „mischen“ und habe mir „nur“ die Ausstellung „Stadt und Land – Zwischen Traum und Wirklichkeit“ angesehen.

Die Albertina ist so reich an Schätzen, dass sie eine derartige Ausstellung nur aus ihren eigenen Beständen zusammenstellen kann. Der Großteil stammt sogar noch vom Sammlungsgründer Albert von Sachen-Teschen (1738 – 1822), dem Namenspatron der Albertina, der größten Graphiksammlung der Welt, und seiner Frau Marie Christine (einer Tochter Maria Theresias). Ihr,  Marie Christine wurde das wunderschöne Grabmal (von Canova) in der Augustiner Kirche mit dem berührenden Text „Uxori optimae Albertus“ errichtet.

In dieser großartigen Ausstellung sind 170 Landschaftsbilder aus 450 Jahren zu sehen. Fast jedes einzelne hat mir gut gefallen, jedes einzelne würde ich gerne bei mir zu Hause aufhängen. Fasziniert hat mich die Akribie, mit der Stimmungen eingefangen wurden, hier – in diesen Werken ist der Impressionismus in jedem Jahrhundert vorweggenommen.

Leider musste ich wieder einmal verärgert feststellen, dass meine diesbezügliche Bildung einfach nicht ausreicht – hier sind gemalte Werke, Radierungen, Stiche etc. und was ist der Unterschied? Aber mit diesem technischen Thema muss ich mich ein andermal auseinandersetzen, für jetzt genügt die Freude am fertigen Werk, das man hier bewundern kann.

Es sind große Namen die man hier trifft – gleich zu Anfang steht man vor Werken von Albrecht Dürer, aber es nicht nur das Rasenstück, das da fasziniert. Bei den „ganz großen Namen“, die man aus allen Museen kennt, faszinieren hier die „kleinen“ Arbeiten, die sie von einer ganz anderen Seite zeigen: Rembrandt, Canaletto, Boucher, Caspar David Friedrich, Menzel, Jakob Alt, Rudolf von Alt, Cézanne, Emil Nolde oder Paul Klee, das gilt für sie alle. Aber nicht nur die Bilder der „großen Namen“ faszinieren. Es sind einerseits  die Phantasielandschaften, sogfältig komponiert und zusammengestellt, andererseits die abgebildete Realität.  Dort der Verfall der römischen Kultur – dargestellt durch eine Scheune in den Resten eines Tempels. Ja, es zeigt, wie die Ruinen der Vorfahren als „Steinbruch“ für die eigenen Häuser (Schupfen) gedient haben.

Interessant fand ich auch, dass bei den frühen Werken, die Menschen verhältnismäßig klein im Vergleich mit den sie umgebenden Objekten der Landschaft waren. Man musste sie förmlich suchen. Später wurden sie dann „die Landschaft dominierend“ dargestellt.

Ein Faktum, das durchgehend zu merken war, dar diese „obligate Studienreise in die Antike“, die jeder der einem gehobenen Stand angehörte,  durchführen musste. Daher stammt dann wohl auch die große Nachfrage nach Bildern, seien sie nun realitätsnahe oder phantasievoll.

Idyllisch waren sie, die meisten der gebotenen Landschaften, gerne würde man dort weilen. Aber auch enorm „ansprechend“. Bei einem Bild Canalettos – den ich ja überhaupt sehr mag- stand ich lange. Es erinnerte mich an eine wunderbare Reise mit Freunden an den Brenta-Kanal und die Palladio Villen. Und beim näheren Hinschauen auf Maler und Gegend – hatte mich meine Erinnerung nicht getäuscht.

Aber nicht nur die Landschaften begeisterten mich, auch die Darstellung von Gebäuden mit großartigen Licht-Schatten Kontrasten, die die Gebäudeteile hervortreten ließen. Es sind auch die Städte, deren frühere Schönheit (teilweise aber auch noch heute erkennbar) in dieser Ausstellung sichtbar wird. Danke Jacob und Rudolf von Alt – für Landschaften und Städte.

Nicht zu vernachlässigen: die großartigen „Vogelschauen“, die gleichermaßen Pläne der damaligen Städte waren. Lang verbrachte ich vor einem derartigen Plan der Wiener Innenstadt und einiger umgrenzender Bezirke, bei denen sogar die Plätze beschriftet waren. Sie wurden zum Teil von Militärs gezeichnet, aber in ungeheurer Genauigkeit, aber auch hohem künstlerischen Geschick.

In die Moderne übergehend, wurden die Darstellungen wesentlich weniger lieblich, als die Landschaften der früheren Künstler, es wurde auch die beginnende Industrialisierung sichtbar, da hat mir Lyonel Feiniger sehr gefallen. Allerdings Macke, Klee, Nolde und Corinth haben mich in diesem Rahmen weniger beeindruckt. Die Darstellungen von Kubin waren mir dann doch etwas zu trostlos- dagegen waren „die alten Häuser in Krumau“ von Schiele schon eine recht fröhliche Ansicht.  

(Es gibt zwar in fast jedem Saal Sitzgelegenheiten, von denen man die Bilder allerdings nicht genau sehen und die Texte eher nicht lesen kann. Ich „stehe schon schlecht“ über längere Zeit – altersbedingt leider – und da haben mir diesmal halt die Bankerln wenig geholfen.) Ich muss mir eine „eigene Lösung“ überlegen).

Ich kann nur empfehlen, gehen Sie hin, suchen Sie sich ihre Lieblingsbilder, genießen Sie diese Ausstellung. Mach Sie sich selbst ein Bild.

„Stadt und Land“ in der Albertina

Wie Dämme Nationen spalten

Wir Österreicher – und das sollten wir nicht vergessen – leben in einem wahrhaften „el Dorado“ soweit Wasser betroffen ist. Wir können uns über ausreichend sauberes Trinkwasser freuen.  Wir können in sauberen Seen schwimmen, wir verdunsten Trinkwasser um uns im Sommer abzukühlen …. Manche meinen, dass der Zugriff auf sauberes Trinkwasser ein Menschenrecht sein sollte.

Aber es ist nicht überall so. Vor allem, weil es nicht nur um Trinkwasser geht, Wasser dient zur Erzeugung von sauberer Energie, Wasser dient zum Bewässern in Trockengebieten und somit indirekt zur Nahrungsmittelerzeugung.

An mindestens zwei Orten werden jetzt bereits kriegerische Töne laut.  Das eine beim großen Nil Damm in Äthiopien (über den habe ich schon einmal geschrieben:  https://christachorherr.wordpress.com/2018/03/22/ein-black-hole-dam-und-die-probleme-fuer-aegypten/) und jetzt im Fergana Tal zwischen Tadschikistan und Kirgistan.  

Auch der Bau und die Inbetriebnahme des Ilısu-Staudamms in der Türkei ist nicht problemlos abgelaufen. Dieser Damm ist Teil des Südostanatolien-Projekts der türkischen Regierung. Mit ihm wird der Tigris kurz vor der Grenze zu Syrien und Irak im Südosten des Landes zum Betrieb eines Wasserkraftwerkes und zur Wasserstandsregulierung aufgestaut. Ich kann mich gut erinnern, als es im Juli 2009 Deutschland, Österreich und die Schweiz ihre Exportrisikoversicherungen stoppten, weil sie Auflagen für Umwelt- und Kulturgüterschutz als nicht erfüllt sahen. Auch in dieser Region herrscht Wasserknappheit, und damit haben die Wasserlieferenten das Sagen. In der Region leben mehrheitlich Kurden, von denen ein Teil nach Autonomie strebt. Der geplante Ilisu-Staudamm liegt etwa 65 Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt. Ein Stopp des Wassers hätte Auswirkungen auf Syrien und den Irak; die Flüsse Euphrat und Tigris sind abhängig von türkischem Wasser. Am 19. Mai 2020 erfolgte die erste Stromproduktion mit der Inbetriebnahme einer ersten Turbine. Seit dem 23. Dezember 2020 läuft der Staudamm mit insgesamt 6 Turbinen unter Volllast. Die betroffenen Länder Syrien und Irak haben derzeit andere Problem – auch mit der Türkei, um sich wegen des Wassers anlegen zu können.

Aber jetzt zum neuesten Problem: An der kirgisisch-tadschikischen Grenze haben sich in den vergangenen Tagen Tragödien abgespielt, nachdem ein lokaler Streit eskaliert war. Bang blicken Beobachter auf die fragile Waffenruhe. Dass sich der schon lange schwelende Streit um Grenzverläufe und Wasser so heftig entlädt und die zentralasiatischen Republiken Kirgistan und Tadschikistan an den Rand eines Krieges bringt, ist eine neue Dimension.

Die beiden Staaten – wie auch Usbekistan – sind im dicht besiedelten, ethnisch diversen Fergana-Tal eng miteinander verzahnt. Einzelne Dörfer ragen ins andere Staatsgebiet hinein oder befinden sich als Exklaven ganz im Nachbarland. Zwischen Tadschikistan und Kirgistan ist nur etwa die Hälfte der Grenze genau festgelegt. Streit entzündet sich dabei nicht nur um Grenzverkehr und Grenzlinien. Das wichtigste und zugleich knappste Gut der teilweise fruchtbaren, teilweise sehr trockenen Region ist das Wasser. Um Quellen, Kanäle und Reservoirs wird hart gerungen.

Auch der jüngste Konflikt entzündete sich am Streit um Wasser. Nahe der südkirgisischen Provinzhauptstadt Batken sollen Tadschiken Ende April 2021 versucht habe, eine Überwachungskamera bei einer Wasserverteilstelle einzurichten – bei einem Kanal, der für die Siedlungsgebiete auf beiden Seiten der Grenze lebenswichtig ist. Dies führte zu einem Konflikt, der sich schnell auf benachbarte Dörfer ausweitete. Zum Einsatz kamen offenbar Feuerwaffen, Minenwerfer und Schützenpanzer[CC1] .

Der jähe, ungewöhnlich heftige Gewaltausbruch kam nicht aus heiterem Himmel. Er hat in beiden Ländern auch aktuelle innenpolitische Hintergründe. Die im Herbst 2020 an die Macht gekommene, nationalistisch-populistische Führung in Kirgistan mit Präsident Sadyr Schaparow und dem Geheimdienstchef Kamtschybek Taschijew als starken Männern versucht seit Jahresbeginn verstärkt, die Grenzstreitigkeiten mit den Nachbarländern zu regeln.

Die auswärtigen Akteure schalteten sich erst spät ein. Ausgerechnet Tadschikistan steht derzeit der von Russland angeführten Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit vor. Schon in früheren Jahren hatte Moskau vor Einflussnahme zurückgeschreckt, obwohl Russland sich gleichzeitig, auch gegenüber den wirtschaftlich einflussreichen Chinesen, sicherheitspolitisch als der zentrale Akteur in Zentralasien sieht. Aber Moskau betrachtet die ehemaligen Sowjetrepubliken Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Turkmenistan noch immer als seinen „Hinterhof“. Doch auch die Chinesen zeigen zunehmend Begehrlichkeit im Rahmen ihres Seidenstraßen-Projekts.

Selbst die Verfügbarkeit über Wasser kann zu einem Pulverfass führen.

(Über meinen sehr persönlichen Bezug zum Fergana-Tal – obwohl ich leider nie dort gewesen bin – habe ich in https://christachorherr.wordpress.com/2021/04/28/tadschikistan-eine-spurensuche-im-kopf/ beschrieben)


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Wie Dämme Nationen spalten

Was ich mir so denke – zur Frauenmord Debatte

Zum Patriarchat und zum Feminismus

Man hört, dass an diesen fürchterlichen Frauenmorden das Patriarchat Schuld tragen könnte. Ich meine, dass Patriarchen nicht geboren, sondern erzogen werden. Und da setzte ich ganz große Stücke auf die heutige Generation. Väter sind sehr viel stärker in die Erziehung ihrer Kinder, aber auch in die Hausarbeit eingebunden. Und nicht nur die eigentliche Arbeit wird heutzutage schon geteilt, sondern auch die Verantwortung.

Und da ich in der Erziehung die Vorbildwirkung für sehr wesentlich halte, meine ich, dass damit das Patriarchat einigermaßen zurückgedrängt werden kann. Natürlich ist das ein langsamer Prozess und greift nicht sofort und nicht bei allen. Sie werden sagen – JETZT brauchen wir eine Lösung. Stimmt. Aber Grundvoraussetzungen sind eben nur langsam zu schaffen.

Ich gebe offen zu, dass ich meiner Schwiegermutter ziemlich gram war, ob der Erziehung ihrer Söhne – meinen Mann und meinen Schwager. Dabei war meine Schwiegermutter durch den Zweiten Weltkrieg Witwe geworden und hat mithilfe von 2 Parfümerie-Drogerie Geschäften ihre Familie durchbringen müssen. Und sie hat es geschafft, Haushalt, Kindererziehung und Geschäft. Es war mühsam, das kurze Wochenende diente der Buchhaltung etc. Aber sie hat Machos herangezogen, die sie aber beide bis zum Universitätsstudium gebracht hat. Keine kleine Leistung.  Beide, mein Mann und mein Schwager waren von der Überlegenheit von Männern gegenüber Frauen dennoch voll überzeugt. Und Hausarbeit war etwas für „Domestiken“, also für das „Mädl“ (meist aus dem Waldviertel), das im mütterlichen Haushalt die Hausarbeit machen musste.

Vielleicht sollte ich meiner Schwiegermutter diesen Vorwurf nicht machen, denn sie selbst ist in einer Zeit erzogen worden und hat in einer Zeit gelebt, in der „der Mann noch das unumstrittene Haupt der Familie“ war. Die Familienrechtsreformen kamen erst in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Ob ich es schon besser gemacht habe, bei der Erziehung?  Ganz sicher bin ich nicht. Ich habe Fehler gemacht, ich habe meinen Sohn z.B. in ein reines Bubengymnasium geschickt, und so genannte „elitäre Schulen“ unterstützen dann wiederum das „hierarchischen“ Denken in der Familie. Und ich bin auch für „gemischte Schulen“; ich finde, dass Buben und Mädchen auf diese Art einander besser kennen lernen und es später im Leben leichter haben, miteinander umzugehen. Ich bin in eine Mädchenschule gegangen – notgedrungen und ungern.

Wenn ich jetzt meine Enkelgeneration betrachte, besonders halt jene, die schon „in Beziehung“ bzw. Ehe leben, dann schaut das alles ganz anders aus. Da wird die Hausarbeit geteilt, da wird die Kindererziehung geteilt, das ist selbstverständlich. Beide arbeiten, beide haben ihre Freiräume und den Kindern geht’s dabei prächtig. Sicher, es gibt noch Hilfe von den Großeltern, aber die gab’s früher auch.

Was nun das Patriarchat betrifft, da bin ich eigentlich recht zuversichtlich. Besonders, wenn ich auch muslimische Männer in Wien, die Kinderwagen schieben, sehe …

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt, den ich für wichtig in diesem Zusammenhang halte. Es gibt jetzt – besonders in Krisenzeiten – „erfolglose“ Männer. Diese Männer fühlen sich durch erfolgreiche Frauen herabgesetzt. Allenthalben hört man “Quote“, „Powerfrauen“, die Hälfte der Regierenden sind Frauen – in Österreich, in Wien, in der EU. Viele Männer fühlen sich durch starke Frauen benachteiligt, und da meinen manchen von diesen „Erfolglosen“, dass sie aufgrund der Bevorzugung von Frauen nun benachteiligt wären. Und „bestrafen“ Frauen in ihrer Umgebung. Männer neigen „im Frust“ auch zu trinken, womit ihre Hemmungen abgebaut werden. Je mehr, Errungenschaften von Frauen in den Vordergrund gerückt werden, desto frustrierter – und wahrscheinlich – aggressiver werden die „männlichen Looser“. Und wenn sich nun eine ehemals „ihnen gehörende“ Frau einem anderen zuwendet, oder nur sich von im abwendet, „schlägt er zu“. Und das kann bis zum Totschlag gehen.

Ich bin weder Soziologe noch Psychologe oder ein Experte auf einem einschlägigen Gebiet, daher kann ich keine Lösung anbieten. Denn ich möchte keinesfalls die Errungenschaften für Frauen rückgängig machen, noch den Fortschritt in der Gleichstellung behindern. Aber wahrscheinlich muss dabei an flankierende Maßnahmen gedacht werden, wie man den „sich dadurch geschädigt fühlenden“ Männern irgendwie helfen kann, damit sie sich nicht an den Frauen „ihrer Umgebung“ rächen.  

Vor allem jetzt, in der noch immer herrschenden Pandemie, einer Zeit, in der viele Jobs bedroht sind, ist die Gefahr groß. Denn mit einem Jobverlust geht auch oft das Selbstwertgefühl des Arbeitslosen verloren. Die Pandemie wird vorübergehen, Jobangebote werden wieder kommen, aber es werden andere Jobs, mit ganz anderen Anforderungen sein, und ob die frustrierten Looser für diese Jobs qualifiziert sein werden, ist zu bezweifeln.

Hier anzusetzen wird schwierig sein, aber unabdingbar für eine sichere Zukunft (nicht nur für Frauen).

Was ich mir so denke – zur Frauenmord Debatte