Rund um Wachauer Marillen

Gestern hat mir eine liebe Freundin einen Korb Marillen aus der Wachau gebracht, frisch gepflückt – aus Dürnstein. Wachauer Marille ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung für Marillen (Aprikosen) aus dem Gebiet der Wachau und einiger angrenzender Gemeinden Niederösterreichs. Wie haben sie mich doch angelacht, ich konnte nicht widerstehen, und habe umgehend einen Teil davon verzehrt (ja also besser: genossen). Der Name „Marille“ für Aprikosen ist bereits um das Jahr 1509 in der Wachau nachgewiesen. Ab 1890 erfolgte dort in großem Stil die Einführung der Marille als Ertragsobst. Seither ist der Marillenanbau ein traditionell wichtiger Erwerbszweig dieser Region. Bei der Wachauer Marille handelt es sich ausnahmslos um regionaltypische Sorten von Kegel-, Ananas- und Oval- bzw. Rosenmarillen. Hauptsächlich wird die Sorte „Klosterneuburger“ („Ungarische Beste“) angebaut.

Die Marille/Aprikose war in Armenien schon in der Antike bekannt und wird dort schon so lange angebaut, dass häufig angenommen wird, dass dies ihre ursprüngliche Heimat sei. Andere Quellen lokalisieren den genetischen Ursprung in China, und wiederum andere Quellen besagen, dass die Aprikose um 3.000 vor Christus zuerst in Indien kultiviert worden sei.

Traditionelles Anbaugebiet für Aprikosen ist unter anderem die ungarische Tiefebene. Die Türken besaßen zur Zeit ihrer Herrschaft über diese Ebene riesige Aprikosenplantagen, jedoch verödeten diese Gärten nach dem Abzug der Türken. Mit dem Obstanbau begann man in der Tiefebene erst wieder zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als sich diese Ebene aufgrund heftiger Sandstürme in eine einzige Sandwüste zu verwandeln drohte. Zum Binden des Flugsands erwiesen sich Aprikosenbäume als besonders geeignet, da sie nicht nur sandigen Boden, sondern auch Hitze und Trockenheit vertragen.

Das weltweit größte Anbaugebiet für Aprikosen liegt in der osttürkischen Provinz Malatya am Oberlauf des Euphrat. Dort werden die süßen Aprikosen entsteint und als ganze Frucht getrocknet. Mittlerweile stammen ca. 95 % der in Europa gehandelten getrockneten Aprikosen aus Malatya.

In Europa wurden Aprikosen lange Zeit für Aphrodisiaka gehalten. In diesem Zusammenhang tauchen sie auch z.B. in William Shakespeares Ein Sommernachtstraum auf. In China steht die Aprikose als Symbol sowohl für die weibliche Schönheit als auch für den Wunsch nach Kindern.

Bei uns isst man besonders gern Marillenknödel bzw. trinkt auch den guten Marillenlikör.  

Und dann gibt’s noch meine eigene Geschichte zu Wachauer Marillen und die stammt aus dem Jahr 1945. Wir – meine Mutter und ich – waren nach Kriegsende gleich nach Wien gekommen um nach unserer Wohnung und Habe zu sehen. Die Wohnung war nicht zerbombt, hatte nur Löcher in der Mauer und ausschließlich kaputte Fenster. Aber um unsere Nahrungsversorgung für den Winter zu sichern, fuhr meine Mutter zur Marillenerntezeit in die Wachau. Das sagt sich so leicht, war aber schwierig, denn Züge fuhren, wenn überhaupt, dann sehr unregelmäßig, waren total überfüllt. Also war es unmöglich, vorherzusagen, wann meine Mutter zurückkehren würde. Außerdem waren das Land und die Stadt von den Russen besetzt, deren Verhalten auch wenig vorhersehbar war. Die Reise meiner Mutter glich eher einer Expedition. Ich wurde einer Nachbarin anvertraut und fürchtete mich, ob und wann meine Mutter zurückkehren würde. Außerdem – ich war 10 Jahre alt – hörte ich in der Nacht ein Käuzchen rufen, und irgendwer hatte mir eingeredet, dass ein Käuzchenruf den baldigen Tod einer Person verkündete.

Also meine Mutter kam heil wieder zurück, beladen mit Koffern (und einem Rucksack) voll ziemlich reifer Marillen. Der Transport vom Bahnhof war schwierig, und nur gegen Überlassung von Marillen half ein Dienstmann meiner Mutter.

Ich kann mich gut erinnern, ich saß mitten im Vorzimmer und entkernte die süßen, reifen Marillen (wobei ein guter Teil „ins Kröpfchen und nicht ins Töpfchen“ ging). Die Kerne wurden sorgsam aufgehoben, später mit einem Hammer zerschlagen und die Kerne (die zwar eigentlich giftig sind – Blausäure ist enthalten) getrocknet und als Mandelersatz (für die wenigen weihnachtlichen Vanillekipferl) aufbewahrt. Meine Mutter verteilte inzwischen Marillen, an die Nachbarin, die auf mich aufgepasst hatte, an eine andere Nachbarin, die noch über einen beheizbaren Herd verfügte (Gas gab es nur stundenweise und war daher zum Einkochen ungeeignet), einer weiteren Person, die uns Holz zum Heizen des Herdes überließ. Jetzt wurde eingekocht, Zucker gab’s keinen, von Pektin oder Ähnlichem war nicht einmal die Rede.  Auch Gläser zum Abfüllen der Marmelade mussten zusammengeschnorrt werden, dafür wurde fertige Marillenmarmelade verlangt. Nur gut, dass meine Mutter so viele Marillen mitgebracht hatte – in den Koffern (!), im Rucksack etc.

Die Marmelade war natürlich nicht besonders haltbar, da der Zucker fehlte und auch kein Zellophanpapier zum Verschließen vorhanden war, aber sie war, genauso köstlich wie diese reifen Marillen und leider sehr bald aufgebraucht.

Marillenmarmelade zählt noch immer zu meinen Lieblingsmarmeladen!

Rund um Wachauer Marillen

Das Menetekel: der Aralsee

Nur ganz kurz zur Erläuterung: Als Menetekel bezeichnet man eine unheilverkündende Warnung, einen ernsten Mahnruf oder ein Vorzeichen drohenden Unheils. Der Begriff stammt aus dem Alten Testament, Gott soll dem König Belsazar als Ankündigung seines baldigen Todes und des Untergangs seines Königreiches die Schrift an der Wand gezeigt haben.

Jetzt zurück zum Aralsee: Der Aralsee (im Altertum Oxiana) war ein großer, abflussloser Salzsee in Zentralasien. Durch lang andauernde Austrocknung zerfiel der See um die Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert in mehrere erheblich kleinere Teile. Die seit etwa 1960 zunehmende Austrocknung des Sees stellt weltweit eine der größten vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen dar. Mit ursprünglich rund 68.000 Quadratkilometern Ausdehnung (beinahe die Fläche Bayerns) war der Aralsee bis Anfang der 1960er-Jahre der viertgrößte Binnensee der Erde. Der See liegt in Turan, in dieser Region herrscht semiarides Klima. Sie ist Teil der Eurasischen Steppe, wobei der Bewuchs der einer Trockensteppe ist. Pro Jahr fallen zwischen 30 und 200 Millimeter Niederschlag, am See etwa 100 Millimeter.

Aufgrund natürlicher Klimaschwankungen und tektonischen Bewegungen war der Spiegel des Aralsees mehrmals großen Schwankungen unterworfen. In der Bronze- und der Eisenzeit (von 3000 bis 500 v. Chr.) lag der Wasserspiegel des Sees so tief, dass Menschen in 42 bis 46 Meter Höhe über dem Meeresspiegel siedelten. Rund 10 Meter höher wurden Siedlungen aus der Spätantike und dem frühen Mittelalter gefunden. Geologische Beobachtungen von Sedimentprofilen weisen darauf hin, dass der Seespiegel um 3000 und 1000 v. Chr. mit 65 bzw. 73 Metern deutlich höher als heute gelegen war. Vermutet wird, dass der Amudarja, der zuvor ins Kaspische Meer abgeflossen war, durch tektonische Bewegungen in den Aralsee umgeleitet wurde, sodass das Aralbecken vollständig gefüllt wurde. Vom 13. Jahrhundert bis Mitte des 16. Jahrhunderts dürfte der Amudarja erneut in das Kaspische Meer geflossen sein. Um das Jahr 1200 muss der See bereits einmal nahezu ausgetrocknet gewesen sein; eine Siedlung aus dem 13. Jahrhundert lag nur 32 Meter über dem Meeresspiegel.

Bis ins 17. Jahrhundert verlagerte der Amudarja sein Flussbett so weit nach Osten, dass er erneut in den Aralsee floss. Erst 1850 brachte die russische Marine eine erste genauere Karte heraus. Seit Beginn der Messungen Ende des 18. Jahrhunderts bis zu den sowjetischen Eingriffen in den Wasserhaushalt ab den 1960er-Jahren variierte die Höhe des Wasserspiegels über dem Meeresspiegel um 4,40 Meter.

Aus dem Jahr 1852 existieren Berichte, die vom Reichtum an Karpfen, Welsen, Stören, Pelikanen, Möwen, Igeln, Ziegen, Antilopen, Wölfen und Tigern im und um den See erzählen. Der See war damals schwach brackig (Salinität etwas über 1 ‰).

Die Hauptzuflüsse sind traditionell die Flüsse Amudarja (vom Süden herkommend) und Syrdarja (vom Osten). Ihnen werden seit der Stalinära (1929–1953) große Wassermengen für die künstliche Bewässerung riesiger Anbauflächen für Baumwolle in Kasachstan und Usbekistan entnommen. Durch den geringeren Zufluss sank seitdem der Wasserspiegel des Sees kontinuierlich. In diesen Gegenden sieht man noch heute die Baumwollblüte als Symbol auf öffentlichen Gebäuden. Seit den 1960er Jahren bis 1997 sank der Wasserspiegel um 18 Meter von 53 Meter auf 35 Meter und die Fläche des Sees ging um 44,3 Prozent auf 29.630 Quadratkilometer zurück. Das Wasservolumen reduzierte sich um 90 Prozent, gleichzeitig vervierfachte sich der Salzgehalt.

Die ehemals im See gelegene Insel der Wiedergeburt diente dem sowjetischen Militär und der sowjetischen Behörde Biopreparat von 1936 bis 1991 über viele Jahre als Testgelände von Biowaffen. Unter anderem wurden die Erreger von Milzbrand, Pest und Tularämie erprobt.

Zu Ende der Sowjetzeit zerfiel der Aralsee durch Verlandung in zwei Hauptteile: den südlichen Großen Aralsee und den nördlichen Kleinen Aralsee. Der Aibugirsee stellte vormals einen sich südwestlich des Großen Aralsees weit über 100 km nach Süden streckenden Teil des Aralsees dar, der sich allerdings schon vor 1960 abgetrennt hatte.

Der Wasserspiegel sank im Großen Aralsee schneller als vorausgesagt. Die starke landwirtschaftliche Nutzung und die sich beschleunigende Verlandung des abflusslosen Salzsees führten in den letzten 30 Jahren zur zunehmenden Versalzung des Sees, der Uferregionen und auch umgebender Bereiche. In den trocken gefallenen Gebieten rund um den See finden sich an vielen Stellen Dünen, bei denen es sich um eine Ansammlung vom Wind angewehter Salze handelt. Die früher östlich des Sees beginnende Kysylkum-Wüste reicht mittlerweile bis an den See heran, die sehr salzreichen Dünen teilweise bis in den See hinein. Die Wüste dehnt sich auch zunehmend in die fruchtbaren landwirtschaftlichen Bereiche südlich des Sees hin aus.

Gleichzeitig mit der Austrocknung stieg auch der Salzgehalt des Wassers an, was ein Fischsterben mit dem Niedergang von Fischerei nach sich zog. Nach dem Rückzug der Wasserlinie bleibt eine Salz- und Staubwüste, die durch jahrzehntelange hohe Einträge an künstlichen Düngemitteln, Herbiziden, Pestiziden und anderen Schadstoffen zudem sehr gesundheitsgefährdend ist. Im Staub in der Region um den Aralsee findet sich bis heute die chemisch sehr stabile und hochgiftige Verbindung TCDD, ein Nebenprodukt unsauber hergestellter Herbizide. Unter exzessiver Verwendung dieser verunreinigten Herbizide wurden vor der maschinellen Baumwollernte die durch die Umleitung der Flüsse bewässerten Plantagen entlaubt. Seit den 1970er Jahren stieg die Zahl der Magen- und Darmerkrankungen sowie die der Krankheiten der Atmungsorgane sprunghaft an. So breiteten sich Typhus, Paratyphus, Hepatitis und Tuberkulose aus. Die Kindersterblichkeit ist viermal höher als in Russland.

Um zumindest den kleineren (nördlichen) Teil des Aralsees zu retten, wurde in den 1990er Jahren von Kasachstan ein Deich gebaut, um das Wasser zurückzuhalten. Während seines Bestehens erhöhte sich der Wasserspiegel im Kleinen Aralsee, das Klima verbesserte sich und es konnten wieder mehr Fische gefangen werden. Aufgrund der unzulänglichen Bauweise brach dieser Damm jedoch nach kurzer Zeit.

Jetzt kommt es zu Zwistigkeiten zwischen den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, da jeder versucht „seinen“ Teil des Aralsees zu verbessern.

Und was bedeutet das alles für uns hier und heute?

Das Menetekel: der Aralsee

Gedanken zur islamischen (Bau-)kultur – anhand von Bauten in Turkmenistan

Heute hat mir eine liebe Freundin faszinierende Bilder von ihrer Reise nach Turkmenistan gezeigt. Ich hatte leider nie die Gelegenheit, dorthin zu kommen – und jetzt ist es halt leider zu spät (schon allein deshalb, weil nahezu 95 % der Landfläche von der Wüste Karakum eingenommen werden, die sowohl aus Sand- als auch Geröllwüstengebieten besteht).

Dennoch haben mich diese Bilder angeregt, nachzudenken. Es ist schon faszinierend, dass alle diese alten Moscheen, Medresen und Karawansereien trotz Sowjetherrschaft noch immer vorhanden sind und jetzt langsam restauriert werden. Geld gibt es ja genug, das Land hat reiche Vorräte an Erdgas. Denn bis 1894 hatte das Russische Reich die Herrschaft über Turkmenistan erlangt. Die Oktoberrevolution von 1917 in Russland führte zu einer Phase der Instabilität. Nach einer britischen Militärintervention in den Jahren 1918/1919 folgte die Eingliederung Turkmenistans in die Turkestanische ASSR. Die Ausrufung der Turkmenischen Sozialistischen Sowjetrepublik als eine der Republiken der Sowjetunion erfolgte im Jahre 1925. Zu dieser Zeit wurden die heutigen Staatsgrenzen Turkmenistans gezogen.

Aber der Stil der vielen Gebäude, die ich da bewundern konnte, mit den grandiosen Fayencen dekoriert, oder einfach nur mit Mustern aus Ziegeln geschmückt, hat sich über die Jahrhunderte kaum geändert. Es ist fast unmöglich zu sagen, wann welches Gebäude wann errichtet worden ist. Woher kommt dieser „Stillstand“?  

War das in der Geschichte der Region begründet? Ich glaube, vieles was an frühem kulturellem Erbe vorhanden ist, wurde noch von Alexander dem Großen und seinen Truppen grundgelegt. Alexander der Große eroberte das Gebiet im 4. Jahrhundert v. Chr. auf seinem Weg nach Indien. 150 Jahre später errichtete das Partherreich seine Hauptstadt in Nisa, einem Gebiet um das heutige Aşgabat. In der Spätantike standen Teile des Gebiets unter Herrschaft des Sassanidenreichs und der iranischen Hunnen. Im frühen 8. Jahrhundert n. Chr. nahmen die Araber die Region ein, wodurch die Bevölkerung mit dem Islam und der Kultur des Nahen Ostens in Berührung kam. Um diese Zeit entwickelte sich die Seidenstraße zu einem wichtigen Handelsweg zwischen Asien und Europa. Schon bald wurde das Gebiet des heutigen Turkmenistans als Chorasan bekannt, als der Kalif der Abbasiden, al-Ma’mūn (geboren um 786; gestorben am 9. August 833), Merw (die Reste davon sind einfach großartig) zu seiner Hauptstadt erhob. Das war damals die hohe Zeit des Islam, indem Wissen (und Bücher) als höchstes Gut geschätzt wurden. Damals wurde dieser phänomenale Stil entwickelt, den wir heute noch so ansprechend empfinden.

Mitte des 11. Jahrhunderts versuchten die Seldschuken über Turkmenistan in Afghanistan einzufallen. Das Seldschukenreich zerfiel im späten 12. Jahrhundert und die Turkmenen verloren ihre Unabhängigkeit, als Dschingis Khan (* wahrscheinlich um 1155, 1162 oder 1167; † wahrscheinlich am 18. August 1227) auf seinem Zug nach Europa die Kontrolle über die Regionen östlich des Kaspischen Meeres erlangte. Tamerlan, oder Timur Lenk (* 8. April 1336; † 19. Februar 1405) wurde sogar in Turkmenistan begraben, Timurs Herrschaft ist gekennzeichnet durch Brutalität und Tyrannei. Gleichzeitig galt er als großzügiger Kunst- und Literaturförderer und erkannte durch Unterredungen mit Ibn Chaldūn (geboren am 27. Mai 1332; gestorben am 17. März 1406), die dieser in seiner Autobiographie beschrieb, die Bedeutung von Wissen. Die nächsten Jahrhunderte lang lebten die Turkmenen unter verschiedenen Herrschern und führten Stammeskriege untereinander. Über die turkmenische Geschichte vor der Besetzung durch Russland im 19. Jahrhundert ist wenig bekannt.

Lag also der Grund für diesen kulturellen Stillstand im Land selbst – Stammeskriege – oder war es der allgemeine Niedergang der islamischen Welt – vor allem im Vergleich mit der stürmischen Weiterentwicklung im Westen. Im elften oder zwölften Jahrhundert christlicher Zeitrechnung beziehungsweise im vierten oder fünften Jahrhundert islamischer Zeitrechnung erklärten immer mehr islamische Rechtsgelehrte die „Tore des Idschtihād“ für geschlossen, was dann auch zum allgemeinen Konsens wurde und unangefochten bis ins 19. Jahrhundert so blieb. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts traten Persönlichkeiten wie Dschamal ad-Din al-Afghani oder Muhammad Abduh hervor, die sich um eine Erneuerung der islamischen Glaubenspraxis und Rechtsprechung bemühten. Seitdem gab und gibt es immer wieder Versuche Einzelner oder bestimmter Gruppen, die „Tore des Idschtihād“ wieder zu öffnen, oder sie wurden sogar tatsächlich von einigen in der Praxis geöffnet, was aber weder der fundamentalistische noch der konservative Islam bisher anerkannt haben. Das Faktum, dass die „Tore des Idschtihād“ aber mindestens 600, wenn nicht gar 800 Jahre geschlossen waren, wird jedoch nie bestritten.

Und wirkte sich das wirklich auch auf die Baukultur aus?

Gedanken zur islamischen (Bau-)kultur – anhand von Bauten in Turkmenistan

Gedanken zu zwei Jahrestagen: Weltflüchtlingskonvention und Earth Overshoot Day

Die verursachenden Ereignisse hängen zusammen

70 Jahre ist es her, dass man sich auf die Genfer Flüchtlingskonvention geeinigt hatte. Ich weiß schon, das haben sie in der Zeitung Ihrer Wahl gelesen oder auch im Rundfunkt gehört und auch im Fernsehen gesehen. Jetzt, so meinen Sie wahrscheinlich, brauchen Sie nicht auch noch meinen Krenn dazu.

Vielleicht werden Sie auch sagen, wir haben schon genug Flüchtlinge bei uns, alle können wir ohnedies nicht nehmen, integrieren wir lieber die, die schon da sind. Sie wollen es vielleicht nicht mehr hören, wie viele bei ihrer Flucht im Mittelmeer ertrinken, von Schleppern betrogen werden etc. etc.

Und doch! Wir alle müssen darüber nachdenken und unserer Politiker anhalten, endlich sinnvolle Lösungen zu finden um Menschen zu helfen, die aus den unterschiedlichsten Gründen flüchten. Und es halt schwer, zu unterscheiden, aus welchen Gründen Menschen ihre Heimat verlassen, ob diese Gründe „legitim“ sind – und wir die Flüchtlinge behalten, oder ob es nicht valide Gründe sind – und wir sollten (wenn wir das können) die Flüchtlinge zurückschicken, woher sie kamen.  

Aber so einfach ist das nicht mehr. Die Flüchtlingskonvention wurde aus dem Zweiten Weltkrieg geboren. Da flohen Europäer, weil sie um ihr nacktes Leben fürchten mussten. Jenen, denen ein Grenzübertritt oder Aufnahme in andere Länder nicht geglückt sind, kamen meist ins KZ, wo sie ein grausames Schicksal erwartete. Auch damals, als diese Flüchtlinge des Dritten Reiches geflohen sind, wusste man nicht, was sie bei ihrer Zurückweisung erwartete. Das wusste man erst nachher, als die KZs befreit worden waren.

Auch heute weiß keiner genau, wohin man Flüchtlinge zurückweist, zurückschickt. Welches Schicksal wirklich dort auf sie wartet. Ich denke da z.B. an Afghanistan.

Die Flüchtlingskonvention, so scheint mir, ist vor 70 Jahren von weißen Männern für Europäer erdacht worden. Es ist hoch an der Zeit, sie gemeinsam, weltweit den heutigen Gegebenheiten anzupassen.

Und auf noch einen „Tag“ möchte ich verweisen. Normalerweise bin ich kein Freund dieser Tage, aber dieser, morgen am 29. Juli scheint mir doch wichtig zu sein – und im ursächlichen Zusammenhang mit den unzähligen umherirrenden Flüchtlingen zu stehen. Der Earth Overshoot Day. Der Earth Overshoot Day – oder Welterschöpfungstag – fällt 2021 auf den 29. Juli: Ab diesem Tag verbrauchen „wir“ mehr natürliche Ressourcen als nachwachsen können. Dieses Jahr liegt der Tag wieder extrem früh. Am Earth Overshoot Day – auch „Erdüberlastungstag“ oder „Welterschöpfungstag“ genannt – haben wir das Ressourcenbudget der Natur für das ganze Jahr aufgebraucht, d.h. die globale Nachfrage nach natürlichen Ressourcen überschreitet die Fähigkeit der Erde, diese Ressourcen auf nachhaltige Weise (also nachwachsend) zur Verfügung zu stellen.

Der Rückgang 2020 war – vor allem im Holzverbrauch und der Verbrennung fossiler Brennstoffe – eine direkte Folge der weltweiten COVID-19-Quarantänen und -Lockdowns. Doch 2021 zeigt: Von einer Trendwende kann noch keine Rede sein – der ökologische Fußabdruck der Menschheit ist nun wieder erschreckend groß.

Vor vierzig Jahren, im Jahr 1981 fiel der Erdüberlastungstag noch auf den 11. November, zehn Jahre später, 1991, auf den 9. Oktober. 2001 war er bereits auf den 21. September vorgerückt und vor zehn Jahren auf den 3. August. 2019 fiel er erstmalig schon auf den 29. Juli und 2021 wird es wieder der 29. Juli. Die zwischenzeitliche Verschiebung des Earth Overshoot Day nach hinten auf den 22. August bleibt aktuell (pandemiebedingt) eine Ausnahme. Das bedeutet: Um den gegenwärtigen Ressourcenverbrauch der Menschheit zu decken, bräuchten wir mittlerweile 1,7 Erden. So wird der Earth Overshoot Day ermittelt: Zunächst wird die Biokapazität der Erde berechnet. Damit ist die Fähigkeit der Erde gemeint, die vom Menschen verbrauchten Ressourcen zu erneuern und Schadstoffe – wie Treibhausgase – abzubauen. Die Biokapazität stellt man dem globalen ökologischen Fußabdruck gegenüber. Dieser misst, wie viele natürliche Ressourcen der Mensch verbraucht. Ist der Verbrauch dieser Ressourcen größer als der Nachschub, spricht man vom „Overshoot“ – der ökologischen Verschuldung. Den Faktor legt man dann auf die Skala eines Jahres an. Die Formel lautet stark vereinfacht: Biokapazität der Erde / Bioverbrauch der Erde * 365 Tage. Das Resultat der Berechnung für 2021 ist eine Zunahme des Carbon-Footprints von 6,6 Prozent im Vergleich zu 2020.

CO2-Emissionen machen 60% vom Overshoot aus, denn etwas 60 Prozent des ökologischen Fußabdrucks der Menschheit beruhen auf CO2-Emissionen.

Und vielleicht sollten wir darüber nachdenken, woher die Flüchtlinge kommen und wo der große Ressourcenverbracht stattfindet. Ja, es stimmt: die Industrienationen sind größtenteils schuld am Ressourcenverbrauch. Und dorthin wollen auch die Flüchtlinge!

Gedanken zu zwei Jahrestagen: Weltflüchtlingskonvention und Earth Overshoot Day

Summer in the City

Der Text dieses Songs beschreibt die Situation recht gut:

Hot town, summer in the city

Back of my neck gettin‘ dirt and gritty

Been down, isn’t it a pity?

Doesn’t seem to be a shadow in the city

All around people looking half-dead

Walking on the sidewalk, hotter than a matchhead

Manchmal, wenn ich so durch die Stadt gehe, stelle ich meine Überlegungen an … Der Neue Markt zeigt schon, wie er vielleicht aussehen wird. Ein Teil des Platzes ist schon „gepflastert“, Teile des Donner-Brunnenrandes schon zusammengestellt. Der “Steg“ in der Mitte, von dem man besonders gut den Baufortschritt beobachten konnte, ist schon abgebaut und man kann den Platz schon queren. Soweit – so sehr gut. Es wird schon noch dauern, bis das Ganze fertig sein wird.

Gestern habe ich also diesen Platz am Nachmittag gequert – er lag teilweise in der Sonne und der helle Stein gleiste und es war wirklich sehr heiß. Da habe ich mir überlegt, ob auf diesen Platz – über einer Garage – auch Bäume gepflanzt werden könne, und ob das vorgesehen ist?

Sie werden sagen, dass der Platz in der Stadt liegt, dass man versucht seinen früheren optischen Status wiederherzustellen. Schließlich gibt es in dieser Stadt den Dankmalschutz, – den wir uns manchmal, in anderen Fällen dringend wünschen.

Aber sollte beim Städtebau, beim Verbau des öffentlichen Raumes nicht bedacht werden, dass sich unser Klima radikal ändert, dass wir klimatische Verhältnisse fast wie im Süden, in Italien haben.  Dass wir sehr viel Boden komplett versigelt haben. Und dass wir – unter diesen Umständen -, nämlich wir die wir hier wohnen bzw. hier arbeiten oder vielleicht auch noch hier einkaufen, eine andere Art von Schutz brauchen, als das vielleicht früher notwendig gewesen wäre.  Ich meine halt, dass ein paar Palmen in Töpfen nicht das Klima auf großen Plätzen verbessern werden, da bedürfte es schon ein paar „handfester“ ordentlich belaubter Bäume. Den ebenso dringend benötigten Brunnen – den Donnerbrunnen gibt es ja dort schon. Aber es gibt auch andere heiße Plätze in Wien, und die paar „Duschen“, die bei den Trinkbrunnen angebaut sind, werden kaum die nötige Abkühlung schaffen.

Mir fällt da gleich der Michaelerplatz ein. Also schön ist das Loch in der Mitte nicht, und was es zu sehen gibt, ist wahrhaft nicht spektakulär. Die Pflasterung, die möglicherweise jener der vorigen Jahrhunderte entspricht, rüttelt jeden Fahrgast eines Autos durch, ist recht unangenehm für Fahrräder und für Rollstühle fast nicht geeignet, weil man da in den Rillen hängen bliebt, gar nicht behindertengerecht. Mit Kinderwägen habe ich es nicht ausprobiert. Und laut ist es außerdem! Ich habe gelesen, dass die Kaufleute des Platzes einen Umbau planen. Bitte bedenken Sie, dass auch dieser Platz ziemlich heiß wird, im Sommer, ja, es gibt zwei Brunnen an beiden Enden, aber der Rest ist wirklich verbesserungswürdig – und bitte nicht wieder den Vorwand vorbringen, „das Pflaster entspricht jenem vor xxx Jahren und daher den Wünschen des Denkmalamtes!“

Auch der Josephsplatz liegt lange Zeit im Sommer in der Sonne. Seit dort der Eingang zum Parlament liegt, hat man begonnen, einige Tröge mit Büschen und Blumen aufzustellen. Das ist zugegebenermaßen durchaus hübsch, aber für den Platz eindeutig zu wenig um ihn nicht nur zu „behübschen“, sondern gegebenen Falles auch zu kühlen.  

Und dann noch jener Ort, dessen Begrünung ich schon mehrmals moniert habe: der Schwarzenbergplatz, einer der heißesten der Stadt. In der Gegend des Hochstrahlbrunnens wurde so ein Sprühgerät aufgestellt: falscher Platz, denn wenn der Wind weht, werden die Tröpfchen ohnedies vertragen! Aber der vordere Teil des Platzes, zum Ring hin, ist glühend heiß (besonders die Straßenbahnhaltestelle). Und es gibt dort einen gepflasterten Mittelstreifen – der wirklich zu nichts dient, ist keine Verkehrsfläche für Autos oder Straßenbahn, dort fährt kein Radfahrer, dort geht kein Fußgänger. Nur kleine Pflastersteine – hügelig verlegt, ein Denkmal und ein Kunstobjekt. Also dieser Boden muss doch nicht versigelt sein. Dort könnte entweder Gras wachsen oder niedrige Büsche gepflanzt werden (wie z.B. beim Bundeskanzleramt, an der Seite).

Ich habe gehört, dass das der Platz nicht verändert werden sollte, da er doch von einem Architekten so geplant war. Schon möglich, aber was sollte in einer Stadt Vorrang haben: doch das Wohl der Bürger, die hier wohnen und aber auch jener Gäste, die die Stadt besuchen. Und „verschandeln“, das ist wohl ein recht subjektiver Begriff (ich finde auch die Leuchten am Schwarzenbergplatz ziemlich unhübsch).

Und noch etwas: es gibt so viele asphaltierte Höfe in Wien, selbst wenn sie als Parkraum verwendet werden, kann man doch dennoch kleine Pflastersteine locker verlegen und dazwischen Gras wachsen lassen, die Bewohner würden’s danken!

Also, dies ist eine Bitte an die Stadt- und Bezirksplanung und auch eine an das Denkmalamt. Springen Sie doch bitte über Ihren Schatten und tun Sie alles, um die Stadt NATÜRLICH, also durch Begrünung, durch Bepflanzung, kühler zu machen. Und das möglichst rasch!

Summer in the City

Wo ist Ihr Lieblings-Eissalon?

Gehen Sie auch gerne zuweilen in einen Eissalon – nicht nur um sich schnell ein Schleck-Eis zu holen, sondern sich dort niederzulassen, an einem der Marmortischchen, die Eiskarte studieren, und irgendeine Kombination aus verschiedenen Eissorten, Früchten, Schlagobers (viel) und eventuell Schokoladesauce mit einem Schirmchen obendrauf mit einem exotischen Namen bestellen? Haben Sie auch einen Lieblingseissalon, besser gesagt einen Lieblingsitaliener? Manches kann man nur in bestimmten Eisgeschäften „erobern“, da muss man dann aber auch hinfahren, z.B.um die Eismarillenknödel vom Tichy zu holen.

Angeblich erzeugte der Sizilianer Francesco Procopio, ein ehemaliger Koch des Sonnenkönigs Ludwig XIV., 1675 in Paris erstmalig „Gefrorenes“ in seiner heutigen, festen Form. In Wien wurde es erst nach der Zweiten Türkenbelagerung bekannt (Ende 17. Jahrhundert), blieb aber anfangs als Spezialität dem Adel vorbehalten. Mitte des 18. Jahrhunderts konnte man Frucht- und Schokoladeeis auch bereits in den Limonadehütten der Innenstadt konsumieren, doch behinderte der hohe Preis (12-30 Kreuzer pro Becher) eine weitere Verbreitung.

Die eigentlichen Erzeuger waren meist Italiener, drei Viertel stammen angeblich aus dem Val di Zoldo in der Provinz Belluno in den Dolomiten. Dies liegt hauptsächlich an der um 1850 herrschenden Armut der dortigen Bevölkerung, die sich daraufhin auf die Speiseeisproduktion spezialisierte. Viele gingen nach Österreich und in der Weimarer Zeit auch nach Deutschland, wo ab den späten 1920er-Jahren die „Eisdiele“ (im Gegensatz zum Eissalon oder Gelateria in Österreich) zum Bestandteil der gastronomischen Stadtkultur wurde. Sie waren es, die dazu übergingen, das Eis (das noch ohne Maschinen per Hand erzeugt wurde) im Straßenverkauf mit kleinen rot-weiß gestrichenen Wägelchen anzubieten und die Kunden mittels einer kleinen Glocke anzulocken. Einige Eissorten (meist Himbeer-, Vanille-, Zitronen- und Schokoladeeis) wurden in gekühlten Steingutgefäßen mitgeführt, aus denen das Eis mittels einer Hornspachtel herausgeholt und in „Stanitzeln“ verkauft wurde. Der größere Umsatz drückte die Preise je nach der Größe der Portion auf 2-5 Kreuzer. Solche Wagerln konnte man bis vor kurzem in der Kärntnerstraße, Ecke Stock-im-Eisen-Platz antreffen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der die Straßen abfahrende Gefrorenesmann (nicht zuletzt aus hygienischen Gründen) allmählich, nach dem Zweiten Weltkrieg fast endgültig von den Eissalons verdrängt.

Zahlreiche Eissalons schlossen früher in den Wintermonaten oder wurden anderweitig genutzt, weil die Inhaber diese umsatzschwache Zeit in Italien verbrachten. Diese Tradition begann sich mit dem Generationenwechsel um die letzte Jahrhundertwende zu ändern. Zum einen übernahmen die Kinder der Betreiber das Geschäft, die keine so starken Bindungen nach Italien haben wie ihre Eltern. Weiterhin ist eine so lange Schließzeit betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll: Mieten und Nebenkosten sowie Löhne sind gegenüber früher deutlich höher, andererseits besuchen an milden Wintertagen durchaus viele Gäste ihre Lieblingseissalons, um eventuell hier ihren Espresso zu trinken oder auch in Wintermonaten einen Eiskaffee als Dessert zu sich zu nehmen.

Selbstverständlich kann man das Eis vom „Lieblingsitaliener“ auch in einer Box nach Hause nehmen, aber es ist halt dann doch nicht dasselbe, als wenn man es aus den meist sehr verschnörkelten Glasschalen oder Bechern im Salon selbst isst.

Eissalons könne zu Glaubensfragen werden. Ich kenne Menschen, denen Eis nur von einem bestimmten Italiener schmeckt und sie nehmen weite Wege auf sich, um dort Eis zu essen. Ich bin nicht ganz so rigoros. Ich favorisiere mehrere Eissalons, weil ich bestimmte Eissorten dort besser finde, als in anderen. Überhaupt mag ich das „fette“ Eis – bereits mit viel Schlagobers gemacht weniger gerne, als das „wässrige“, aber es darf dann doch nicht zu wässrig sein. Und ich brauche ganz eindeutig extra dazu einige Hohlhippen oder Waffeln, selbst wenn sie extra zu bezahlen sind.

Es gibt viele, viele Eissorten – vor allem wird Eis aus fast allen jeweils verfügbaren Früchten erstellt. Ich bin da recht konservativ, ich mag Vanilleeis aber nicht Schokoladeeis. Ein großer Teil meiner Familie schwört auf Nocciolaeis – vom Schwedenplatz. Ein anderer Teil der Familie mag nur das Eis aus der Tuchlauben. Gar nicht meiner Eisvorstellung entsprechen Kräutereis (Basilikum) oder Gemüseeis.

Aber so eine Schale „Banana-Split“ oder „Heiße Liebe“ genossen in einem meiner Eissalons (in der Annagasse oder Himmelpfortgasse) können mich schon locken. Eine erfreuliche Aussicht in diesen schwülen Tagen – bevor noch das Gewitter kommt.

Wo ist Ihr Lieblings-Eissalon?

Namenstage: Thomas

Bei uns in der Familie werden Namenstage noch gefeiert, vielleicht nicht ganz so „groß“, wie Geburtstage, aber es wird gratuliert, bei Kindern gibt es kleine Geschenke, bei Erwachsenen wird meist angestoßen. Kürzlich haben einer meiner Enkel, mein Sohn und ich Namenstag gehabt.

Aber mein leider verstorbener Mann hat immer sehr großen Wert daraufgelegt, dass seines Namenstages gedacht wird. Mein Mann hieß Thomas, und war nach dem Apostel Thomas benannt. Früher durfte man nicht „nachtaufen“, also der Namenstag musste im Jahreskreis später als der Geburtstag liegen, und da mein Mann nach seinem Großvater Thomas benannt wurde, kam im Jahreskreis (Geburtstag Ende November) nur der Apostel Thomas in Frage.

Nun kam es zu einem Problem, denn im Rahmen des Vatikanischen Konzils wurden auch Änderungen der Feiertage von Heiligen vorgenommen. Und ausgerechnet der Heilige Thomas wurde vom 21. Dezember auf den 3. Juli verschoben. Das passte meinem Mann schon gar nicht und ein besonders netter älterer Geistlicher hatte ihm geraten, seinen Namenstag dennoch weiterhin am 21. Dezember zu feiern, was dann auch jährlich geschah. Denn mein Mann – Journalist – hatte den Heiligen Thomas zu seinem und aller Journalisten Patron erklärt, da Thomas ja nicht glaubte, sondern alles hinterfragte, was nach Meinung meines Mannes gute Journalisten tun sollten.

Der Name Thomas hat seinen Ursprung im aramäischen Wort „teoma“, was „der Zwilling“ bedeutet. Er erfuhr erstmals im Mittelalter eine weite Verbreitung. Dies war zum einen dem neuen Testament zuzuschreiben. In diesem spielt der Apostel Thomas eine wichtige Rolle – als einem der Jünger Jesu, der ihn drei Jahre lang als Freund begleitete. Er ging als „Der ungläubige Thomas“ in die Bibelgeschichte ein, da er zunächst an der Wiederauferstehung Jesu, aber auch Mariens Aufnahme in den Himmel bezweifelte. In England erlangte der Vorname vor allem durch den Heiligen Thomas Becket Popularität, der im 12. Jahrhundert Erzbischof von Canterbury war. Hierzulande hatte Thomas in den 1950er und 1960er Jahren als meist vergebener Jungenname seine Blütezeit. Danach ebbte seine Beliebtheit zunehmend ab. Heute findet sich der Name aber zumindest noch in den Top 100. Es gab auch weitere Große in der Geschichte, die den Namen Thomas trugen: Thomas Jefferson, der 3. US-Präsident, der Theologe Thomas Müntzer, der Schriftsteller Thomas Mann, der Erfinder Thomas Alva Edison.

Und jetzt lese ich, dass in Indien am 3. Juli erstmals landesweit ein „Tag des christlichen Indien“ begangen wurde. An diesem Tag feiern viele Christen das Fest des Heiligen Thomas. Der Apostel Thomas verließ nach lokaler Thomas-Hagiographie Jerusalem etwa im Jahr 40 n. Chr. und kam – nachdem er eine Zeit lang im Mittleren Osten (heute Iran, Irak, Afghanistan und Belutschistan) evangelisiert hatte – um das Jahr 52 nach Nordindien. Dort reiste Thomas einer späteren Legende zufolge entlang der südwestlichen Küste Indiens (damals Malabar, heute der Bundesstaat Kerala) und gelangte schließlich nach Madras (heute: Chennai im Bundesstaat Tamil Nadu) an der Koromandelküste, wo ihn ein Speer tödlich getroffen habe. Über seinem vermeintlichen Grab wurde dort (heute St. Thomas Mount) 1547 eine Kirche errichtet, in der sich ein Kreuz mit einer mittelpersischen Inschrift aus dem 8./9. Jahrhundert befindet. Die bekanntere Verehrung von Thomas-Reliquien in Edessa wird mit der Überführung eines Großteils seiner Gebeine dorthin im 3. Jahrhundert erklärt. Die alten christlichen Kirchen Indiens betrachten Thomas bis heute als ihren Gründer und spirituellen Vater und bezeichnen sich als „Töchter des hl. Thomas“. Überliefert ist nicht nur, dass der Apostel Thomas in Indien wirkte und starb, sondern auch dass er lange Zeit dort begraben war, seine Reliquien nach Edessa überführt wurden, aber seine ursprüngliche Grabstätte weiter in Indien verehrt werde. Unabhängig davon besteht in Südindien die beständige, aus apostolischer Zeit herrührende Tradition von der dortigen Missionstätigkeit des Apostels, der Gründung der ersten sieben Gemeinden an der Malabarküste und von seinem Märtyrertod in Mailapur an der gegenüberliegenden Koromandelküste. Auch bestätigt die lokale Überlieferung der Thomaschristen Indiens eine Überführung des größten Teils der Reliquien nach Edessa, wobei einige wenige Überreste im dortigen Grab verblieben seien, die man tatsächlich bei späteren Ausgrabungen auffand. In einigen Traditionslinien, die vor allem in der Gnosis und im Manichäismus zum Ausdruck kommen, gilt Thomas als Zwillingsbruder Jesu. Das Thomasevangelium und die Thomasakten sind jedoch pseudepigraphische Schriften.

Das jetzige Gedenken an Thomas in Indien geht auf eine ökumenische Initiative zurück, mit dem Ziel, die Hindumehrheit im Land darauf aufmerksam zu machen, dass das Christentum keine ausländische Religion ist. Der Gedenktag soll künftig jährlich begangen werden. Einige rechts-nationalistische Bewegungen in Indien erwecken manchmal den Eindruck, dass das Christentum nicht zu Indien gehört. Es ist daher wichtig, daran zu erinnern, wie alt die Wurzeln des Christentums im Lande sind.

Ich selbst habe Thomas-christliche Priester im Vatikan erlebt, als sie an einer Messe teilnahmen, in der fast alle Priester grüne Messgewänder trugen, nur einige von ihnen waren in Rosa gekleidet. Auf meine Frage nach dem Grund für diese Abweichung, wurde mir erklärt, sie wären Thomaschristen und ihre Liturgie würde sich von der römisch-katholischen etwas unterscheiden.

So viel ist mir zum Namenstag vom Heiligen Thomas – dem Zwilling auf- und eingefallen.

Namenstage: Thomas

Die Andrea Doria sank an einem 26. Juli

(Wiederveröffentlichung)

Die Andrea Doria lief am 16. Juni 1951 vom Stapel und unternahm ihre Jungfernfahrt am 14. Jänner 1953. Warum mir das bemerkenswert erscheint: weil ich im September 1953 mit diesem Schiff den Atlantik überquert hatte. Und wahrscheinlich auch, weil der Luxusliner auf seiner 51. Fahrt am 25. Juli 1956 auf dem Weg nach New York vor der Küste von Nantucket mit dem ostwärts fahrenden Passagierschiff Stockholm kollidierte.

Nur kurz zum Background: Andrea Doria (* 30. November 1466; † 25. November 1560), war ein genuesischer Admiral und Fürst von Melfi. Obwohl er nicht das Amt des Dogen ausübte, wurde er zum eigentlichen Machthaber der Republik Genua. Er wuchs vaterlos auf und diente als Condottiere (Söldnerführer) zunächst Papst Innozenz VIII., dann auch anderen italienischen Fürsten. 1503 kämpfte er für seine Heimatstadt auf Korsika gegen die Franzosen, die er auch zum Rückzug aus Ligurien zwang. Danach wurde er Admiral und kämpfte an der Spitze der genuesischen Flotte gegen Osmanen und nordafrikanische Piraten.

Genua wurde sowohl von Frankreich als auch vom Heiligen Römischen Reich beansprucht und wiederholt besetzt. Als Kaiser Karl V. die Stadt 1522 eroberte, verbündete sich Doria mit den Franzosen und trat in die Dienste König Franz I. Andrea Doria wechselte er 1528 auf die Seite des Kaisers. Er reformierte die Verfassung des Stadtstaats Genua, überwand die Spannungen zwischen Ghibellinen und Guelfen und schuf die Grundlagen für eine aristokratische Regierungsform. Er hatte bis zu seinem Tod erheblichen Einfluss auf das „Parlament“ Genuas. Andrea Doria befehligte als kaiserlicher Admiral mehrere Einsätze gegen die Osmanen (unter Sultan Süleyman I). Sein persönlicher Reichtum und Einfluss brachten ihm Neid, Missgunst und auch offene Feindschaft ein. Diese Zeit beleuchtet Friedrich Schiller in seinem Trauerspiel „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“. 1555 kehrte er fast 90-jährig als alter und gebrechlicher Mann nach Genua zurück und legte alle öffentlichen Ämter nieder. Er starb dort 1560, wenige Tage vor seinem 94. Geburtstag.

Die Andrea Doria war das schnellste Schiff der italienischen Flotte. Nur außerhalb der italienischen Flotte existierten größere und schnellere Schiffe, z. B. die Queen Elizabeth und die United States. Als erstes die südliche Nordatlantikroute befahrendes Schiff war die Andrea Doria mit drei auf Deck liegenden Schwimmbecken ausgestattet – einem für jede Klasse: Erste, Kabinen- und Touristenklasse. Das Schiff konnte 218 Passagiere der ersten Klasse, 320 der Kabinenklasse und 703 Passagiere der Touristenklasse befördern. Das Schiff wurde vielfach als eines der schönsten Passagierschiffe bezeichnet, die je gebaut wurden.

Vielleicht können Sie es nachvollziehen, wie wir europäische Studenten, die wir auf dem Weg in die USA waren, uns fühlten, als wir mit diesem prächtigen Schiff Reise antraten. Ich war damals 18 Jahre alt und freute mich unbändig auf meine Studienzeit. Der Luxus des Schiffes überwältigte uns. Ja sicher, wir waren in der Touristenklasse untergebracht, zu viert in einer Kabine mit zwei Stockbetten, aber wir hatten uns schnell angefreundet und waren neugierig, der anderen Studenten kennen zu lernen.  Schwierig war’s nicht, da es viel mehr männliche als weibliche Studenten gab. Wir genossen das köstliche (italienische) Essen, wir erkundeten das Schiff, wir benutzen ausgiebig den Swimmingpool bei herrlichem Wetter. Wir genossen die Ausflüge nach Neapel, die Fahrt entlang der französischen Riviera, wir erkundeten Barcelona, und waren überwältigt von Gibraltar. Nur so rund um die Azoren war das Wetter etwas schlechter, es war etwas stürmisch und die Wogen gingen hoch. Das war mr dann doch nicht so ganz geheuer aber richtig seekrank bin ich dann doch nicht geworden. Die Einfahrt in den Hafen von New York am frühen Morgen, vorbei an der Freiheitsstatue war einfach überwältigend.

Und weil die Erste Klasse nicht ganz so ausgebucht war, und den Menschen dort abends nach dem Nachtmahl etwas fad zu sein schien, wurden wir Studenten eingeladen, in der Bar der Ersten Klasse zu tanzen.  Na, wir ließen uns das nicht zwei Mal sagen.

Dass ich dort meine „shipboard-romance“ getroffen habe, gehört wohl zum Zauber dieser Überfuhr. Er war groß, blond, blauäugig hieß Hans Joachim und studierte in Rechtswissenschaften Heidelberg. Er fuhr von New York, wo wir angekommen waren, in Ann Arbor Michigan und ich nach Fresno, Kalifornien.  Wir trafen einander dann in Kalifornien in den Semesterferien, aber Fernbeziehungen damals – brieflich – funktionierten nicht so gut wir heute mit WhatsApp und Skype. 

Mit ihrem doppelwandigen und mit wasserdichten Schotten in elf Abteilungen unterteilten Rumpf galt die Andrea Doria als eines der sichersten Schiffe. Es gab genügend Rettungsboote, um alle auf dem Schiff befindlichen Menschen unterbringen zu können. Außerdem war die Andrea Doria mit dem damals modernsten Radarsystem ausgestattet.

Am Abend des 25. Juli 1956 befand sich die Andrea Doria mit 1134 Passagieren und 572 Besatzungsmitgliedern auf Westkurs in Richtung New York, dem Ziel der am 17. Juli in Genua begonnenen Überfahrt. Der Zeitplan sah ein Einlaufen in den New Yorker Hafen für den nächsten Morgen vor. Zur gleichen Zeit befand sich die Stockholm, ein kleineres Passagierschiff, das am Mittag in New York abgelegt hatte, auf Ostkurs in Richtung des schwedischen Göteborg. Die Gewässer des Nordatlantiks südlich von Nantucket sind häufig von Nebelbänken betroffen, da an dieser Stelle der kalte Labrador-Strom auf den wärmeren Golfstrom trifft. Um etwa 23:10 Uhr kollidierten die Schiffe. Ein Großteil der Opfer starb auf den unteren Decks der Kollisionszone, die von Meerwasser geflutet wurden. Insgesamt starben 51 Personen. In den ersten Stunden wurden viele der Überlebenden mit Rettungsbooten zur Stockholm transportiert. Die Île de France rettete einen Großteil der verbliebenen Passagiere, indem ihre Rettungsboote zur Andrea Doria und zurück pendelten. Offiziell sank die Andrea Doria elf Stunden nach der Kollision, um 10:09 Uhr am 26. Juli.

Die Andrea Doria sank an einem 26. Juli

Am Neuiedlersee

Es ist dann gestern doch noch ein Ausflug an den Neusiedlersee geworden. Ich war schon lange nicht mehr im Burgenland gewesen. Der Anlass: einer meiner Enkel, der für den Triathlon trainiert „musste“ schwimmen, Rad fahren und laufen – unter „Echtbedingungen.  Seine liebe Frau begleitete ihn im Elektroboot, in dem auch der Hund mitfuhr, und seine liebe Mutter begleitete ihn bei 50 km Radfahren. Für’s Laufen war’s dann schon zu spät, und außerdem dräuten Gewitterwolken. Meine Rolle: keine!

Ich genieße daher auch die Fahrt – diesmal nach Podersdorf. Über die Autobahn geht’s doch am schnellsten. Und die Ostautobahn weist zum Glück nicht so viele von den hässlichen Schallschutzwänden auf, dass man doch auch die Landschaft sehen kann. Es ist schön, wieder einmal nach „Pannonien“ zu kommen, die Weite genießen, keinen Horizont mehr wahrzunehmen (vielleicht weil es doch diesig ist?). Es ist Teil der alten „Awarenmark“, die Karl der Große zur Bekämpfung der Awaren eingerichtet hat.  In den Feldzügen zwischen 791 und 803 schlug Karl der Große, verbündet mit dem bulgarischen Khan Krum, die Awaren vernichtend.

Das gesamte Burgenland gehörte bis 1920/1921 zu Deutsch-Westungarn. Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Name Fertő-tó verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn 1919 in den Verträgen von Saint-Germain und Trianon Österreich zugesprochen. Der See gehört seit 1921 überwiegend zum neu gegründeten Bundesland Burgenland. Danach kamen die ersten Touristen an den See; die Weltwirtschaftskrise zwang jedoch viele Burgenländer in die Emigration.

Es ist teilweise schon abgeerntet, die großen Ballen liegen auf den gelben Feldern. Aber der Mais wächst noch und ebenso grüßen die Sonnenblumen. Der Wein wächst hier „in Streifen“ – dazwischen jeweils ein oder zwei Äcker, was wohl der Grund hierfür ist? Und welcher Wein ist das wohl? Jener, den man im Supermarkt unter „Flat Lake“ erstehen kann?

Wir fuhren auch bei Parndorf, diesem riesigen Shopping-Center vorüber, von weitem sieht man schon den Hotelturm und entlang der Autobahn „hübschen Häuser“ die eigentlich Geschäfte sind. Aber selbstverständlich fällt uns auch das große Unglück von Parndorf ein, als neben diesem fröhlichen Outlet 71 Menschen aus dem Irak, aus Afghanistan, Syrien und dem Iran ums Leben kamen, die in einem Kühllastwagen von Ungarn aus nach Österreich einreisen wollten.

Entlang der Straße werden in Dörfern die reifen Marillen angeboten. Wir kommen zum See, wir wurden gewarnt, dass es schlecht mit den Parkplätzen aussähe. Aber so schlimm war das auch wieder nicht. Treffpunkt war: Beim Steg mit dem kleinen Leuchtturm.

Der Neusiedler See ist einer der wenigen Steppenseen in Europa und der größte abflusslose See in Mitteleuropa. Sein österreichischer Anteil macht ihn zum flächenmäßig größten österreichischen See. Der See zeichnet sich durch seinen Schilfgürtel, seine geringe Tiefe und sein mildes, aber windiges Klima aus. Dieser Schilfgürtel ist nach dem Donaudelta das größte zusammenhängende Schilfgebiet in Europa. Der seichte See wird überwiegend durch Niederschläge gespeist und durch Verdunstung entwässert. Dadurch ist der Wasserstand den Wetterbedingungen unterworfen und schwankt naturgemäß stark. Im Laufe der Jahrhunderte stieg und fiel der Seespiegel ständig, was auch das Leben rund um den See beeinflusste. Anfang des 17. Jahrhunderts trocknete der See über mehrere Jahrzehnte langsam aus, sodass sogar schon eine Rekultivierung des Seebodens erwogen wurde. Doch nach einigen Jahren war der See wieder voll.

Im Jahr 2003 sank der Wasserstand des Neusiedler Sees wieder stark ab. Vorhergesagt wird eine weitestgehende Austrocknung des Neusiedler Sees ab 2010 bis 2050. Die globale Erwärmung und immer geringere Niederschlagsmengen sollen zu einer sukzessiven Austrocknung des Sees in den kommenden Jahrzehnten führen. Es wurde untersucht, ob eine Zuleitung von Donaubegleitwasser (Grundwasser) in den Norden des Neusiedler Sees möglich sei. Als problematisch wurde dabei, neben den bautechnischen Erfordernissen, vor allem der Unterschied in der Zusammensetzung der beiden Binnengewässer gesehen. So könnten der zusätzliche Nährstoffgehalt und der geringere Salzgehalt des Donauwassers das Wachstum des Schilfgürtels wieder beschleunigen.

Durch seine ehemalige Trennung durch den Eisernen Vorhang wurde der See in Österreich aus der geographischen Nähe zum Ballungsraum Wien hauptsächlich von Wienern besucht und darum auch als Meer der Wiener bezeichnet.

Die Strandbäder am See wurden, zum Teil mit Ziel-1-Geldern der Europäischen Union, ausgebaut. Podersdorf am See hat sich als Zentrum des Tourismus am Neusiedler See etabliert. Die Gemeinde hat die höchsten Nächtigungszahlen, das breiteste Angebot und liegt am einzigen schilffreien Strandabschnitt des Sees.

Ich konnte, durch keinerlei Aktivitäten behindert, ungestört die Menschen beobachten, die sicherlich nicht nur aus Wien kamen. Es war eines Großteiles fröhliche Gesellschaft, mit vielen Kindern, die sich dann an den Stränden gut verteilten und dort die zahlreichen Freizeitangebote nutzten: ein Badebetrieb fast wie an der Oberen Adria!

Am Neuiedlersee

Ich bin ein Kind der Stadt

Heute hätte es eigentlich an den Neusiedlersee gehen sollen. Aufgrund widriger Umstände ist der Plan – ins Wasser gefallen. (Verspätet hat er sich dann doch realisiert – ich bin ja flexibel). Und siehe da, ich war gar nicht so traurig. Oja, es tut mir leid, dass die ich die Menschen, mit denen es hätte stattfinden sollen, die ich sehr mag, nicht sehe, aber der See, die grünen – doch bunten Wiesen, die Wälder – erfreuen mich, aber sie gehen mir nicht besonders ab, eher schon die lichten Föhrenwälder von Pernitz. Natürlich gibt es auch für mich Sehnsuchtsorte, aber die liegen am Meer – z.B.in Abbazia (ich bitte um Entschuldigung: Opatje)

Denn – „ich bin ein Kind der Stadt“!   Dieser Text, dieses Gedicht ist mir eingefallen, das ich aus meinem Lesebuch der Schulzeit kenne. Ich habe den vollständigen Text gesucht, zum Glück nicht in unserer Bibliothek, denn da hätte ich es nicht gefunden. Denn irrtümlicherweise habe ich angenommen, dass der Autor Ferdinand von Saar wäre. So kann man sich täuschen. Unsereins hat heutzutage ja Google und da kann man mit „Textfetzen“ das ganze Gedicht, mitsamt dem Autor finden. „Ich bin ein Kinder Stadt“ wurde von Anton Wildgans geschrieben und hat mich als Halbwüchsige damals sehr beeindruckt.  Gefunden habe ich es interessanterweise unter „das rote Wien, dem Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie.

„Ich bin ein Kind der Stadt. Die Leute meinen,

und spotten leichthin über unsereinen,

daß solch ein Stadtkind keine Heimat hat.“

Anton Wildgans (* 17. April 1881 in Wien; † 3. Mai 1932 in Mödling,) war ein österreichischer Lyriker und Dramatiker. Er war zweimal Direktor des Wiener Burgtheaters und für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Seine künstlerische Entwicklung ging vom Naturalismus (beeinflusst von Gerhart Hauptmann) über den Symbolismus zum Expressionismus. Die von ihm geschaffene Lyrik stand anfangs unter dem Einfluss von Rilke und Hofmannsthal, erfuhr aber bald durch realistische Naturnähe, Anmut und Musikalität persönliche Prägung; eine tiefe Liebe zu aller Kreatur, aber auch Hingabe an den Zauber der Landschaft und Verbundenheit mit seiner Heimatstadt kommen in ihr zum Ausdruck. Er war vor allem für seine sozialkritischen Werke bekannt. Wildgans setzte sich sehr für die staatliche österreichische Eigenständigkeit ein, als nach dem Ersten Weltkrieg viele an der Lebensfähigkeit des nunmehrigen Kleinstaates zweifelten.

Ich mag meine Stadt, besonders im Sommer, und speziell heuer. Da ich mich meist zu Fuß bewege und mein „normales Einzugsgebiet“ auf so genannten Touristenmeilen liegt, freue ich mich zwar, dass heuer wieder Touristen kommen, aber doch nicht so viele, dass sie die Stadt überschwemmen (sorry, Tourismuswirtschaft).

Und da ist so ein Sonntagvormittag schon sehr gemächlich. Die Sonne lacht von einem strahlend blauen Himmel, es ist kaum Verkehr, es gibt noch jede Menge freie Parkplätze. Die Restaurants sperren gerade auf, die Schanis werden gekehrt, eventuell der Gehsteig abgespritzt, die Tische werden gedeckt. Aber die Ober von benachbarten Restaurants haben noch Zeit für ein kurzes Schwätzchen. Der ein oder andere holt sich seine Sonntagzeitung aus den umherhängen Säckchen, ob er Geld einwirft, mag ich in manchen Fällen bezweifeln.

Kirchenglocken beginnen zu läuten, um die Menschen daran zu erinnern, dass Sonntag ist, und man in die Kirche gehen sollte. Zuerst diese von einer Kirche und bald stimmen die Glocken mehrerer Kirchen ein. Ein schöner Klang! Menschen strömen nicht gerade in die Kirche, aber einige gehen doch hinein. Brav setzen sie sich vor dem Eintritt die Maske auf.

Etwas später sieht man schon die Touristen, eifrig aufs Handy schauend (wohl um den Weg zu finden), selten aufschauend, meist eigentlich nur um die zu photographieren. Manchmal bleiben sie auch nur stehen, um aus ihren Wasserflaschen zu trinken. Dabei gibt es so viele Konditoreien und Caféhäuser, in die man sich setzen könnten, um etwas zu trinken.  Wenigstens fahren am Sonntagmorgen keine Autos durch die Kärntnerstraße, die somit ganz den Fußgängern gehört – auch die Geschäfte sind geschlossen, wobei dann doch einiges der sonst herrschenden Hektik entfällt. Nur Blumen kann man kaufen oder sich daran erfreuen, wie ich es tue im Vorübergehen.

Und bin der flutend-namenlosen Menge,

die deine Straßen anfüllt mit Gedränge,

ein Pünktchen nur, um welches du nicht weißt;

und hab‘ in deinem heimatlichen Kreise,

gleich einem fremden Gaste auf der Reise,

kein Stückchen Erde, das mein Eigen heißt.

Ich finde es schön, dass man in der Schule ein Gedicht gelernt hat, einen Bezug dazu gefunden hat, an das man sich im hohen Alter noch erinnern kann.

Ich bin ein Kind der Stadt