Ich bin marod – und daher grantig!

Es ist wirklich zu blöd, eine solche Verkühlung wie jetzt, habe ich schon lange nicht mehr gehabt. Die Nase und die Augen rinnen fast pausenlos, ich huste vor mich hin, der Hals kratzt und habe noch dazu Kopfweh.

Heute habe ich alles abgesagt, um mich immer wieder ausruhen zu können. Morgen wäre ich gerne wieder fit – ich hoffe ich schaffe es.

Ich weiß, wie ich mich angesteckt habe.  Ich bin mit meinem Enkel, der mit einer derartigen Verkühlung angefangen hat, zwei Mal im über längere Zeit im Auto gesessen. Corona ist es jedenfalls nicht.

Aber durch Corona, bzw. die Vorkehrungen, die wir dagegen treffen mussten, waren wir in den letzten Jahren kaum verkühlt. Jetzt hat’s mich halt erwischt und es ist mir wirklich lästig. Die Lehre, die ich daraus ziehe ist, dass die Maske ein nützliches Instrument ist, nicht nur gegen Covid.

Erkältung (österreichisch auch Verkühlung) und grippaler Infekt sind medizinisch nicht scharf definierte Bezeichnungen für eine akute, virale Infektionskrankheit der oberen Atemwege, die vor allem die Schleimhäute der Nase (einschließlich Nebenhöhlen), des Rachens und des Kehlkopfs betrifft. Erste Symptome können weniger als zwei Tage nach dem Kontakt mit dem Virus auftreten. Zu den typischen Symptomen zählen Husten, Halsschmerzen, eine laufende Nase, Niesen, Kopfschmerzen und Fieber. Die Betroffenen erholen sich normalerweise in sieben bis zehn Tagen, (oje oje!)  einige Symptome können aber bis zu drei Wochen anhalten.

Weit über 200 Virusstämme sind an der Verursachung von Erkältungen beteiligt. Rhinoviren, Coronaviren, Adenoviren und Enteroviren sind die häufigsten. Die Viren verbreiten sich bei engem Kontakt über die Luft oder indirekt durch den Kontakt mit Gegenständen in der Umgebung, gefolgt von der Übertragung auf den Mund oder die Nase.

Nicht zu verwechseln ist der grippale Infekt mit der „echten“ Grippe (Influenza), die bei etwa einem Drittel der Infizierten deutlich schwerer verläuft und besonders für immunschwache Personen sogar tödlich enden kann. Normalerweise lass‘ ich mich rechtzeitig jährlich dagegen impfen, aber diese Verkühlung kommt einfach viel zu früh. Die eine Erkältung auslösenden Viren mit ihren zahllosen Arten und ihren durch Mutationen ständig neu entstehenden Varianten können weltweit in allen Klimazonen auftreten und sich durch Infektion überall dort ausbreiten, wo Menschen anzutreffen sind.

Die krankheitsverursachenden Viren werden sowohl als Tröpfcheninfektion durch die Luft als auch direkt oder indirekt durch Kontakt mit Erkrankten oder über kontaminierte Gegenstände per Schmierinfektion (Kontaktinfektion) in deren Umgebung übertragen. Da hilft das auch im Zusammenhang mit Corona empfohlene Händewaschen.

Gerade bei Infektionen mit Krankheitserregern, die schon an den Menschen als ihren Reservoirwirt angepasst sind, wie es bei den Erkältungsviren der Fall ist, spielt der Zustand des Immunsystems des betroffenen Organismus eine wichtige Rolle. Ob nach einer solchen Infektion tatsächlich eine Erkrankung auftritt, hängt von der Menge und Virulenz der Erreger und vom Zustand des Immunsystems der betroffenen Person ab. Die Beobachtung, dass bei Erkältungen keineswegs alle Kontaktpersonen ebenfalls erkranken, hat verschiedene Ursachen. So kann durch vorherigen Kontakt mit der gerade umlaufenden Virusvariante bereits eine Immunität bestehen, die Virendosis oder -virulenz für einen Krankheitsausbruch zu gering oder das Immunsystem in der Lage sein, trotz Infektion Krankheitssymptome zu verhindern. Bei einem intakten Immunsystem und geringer Erregerdosis kann die Erkältung entweder überhaupt nicht ausbrechen oder einen weniger schweren Verlauf nehmen.

In der Regel verläuft eine Erkältung nach einer Inkubationszeit von etwa zwei bis acht Tagen harmlos. Die Hälfte aller Fälle sind nach 10 Tagen ausgestanden, 90 % nach 15 Tagen. Viele Menschen haben im Jahr mehrere Erkältungen, na hoffentlich nicht!

Wenn sich die Erkältungsviren von der Nasenschleimhaut auf Rachen, Hals, Bronchien, Stirn- und Nebenhöhlen und in den Gehörgang ausbreiten, können als mögliche Komplikationen der Erkältung beispielsweise Nasennebenhöhlen-Entzündung, Mittelohrentzündung, Mandelentzündung, Rachenentzündung, Luftröhren-/Bronchienentzündung und Lungenentzündung auftreten. Ich werd‘ halt versuchen, vorsichtig zu sein, um diese Komplikationen zu vermeiden.

Die Behandlung einer Erkältung besteht vor allem darin, dem Körper Ruhe zu gönnen und sich in warmen, nicht überheizten Räumen aufzuhalten. Bei Husten und Schnupfen sollte man in erster Linie seinem natürlichen Trinkbedürfnis folgen, dabei jedoch auf keinen Fall weniger als die tägliche Mindestmenge des Flüssigkeitsbedarfs in Form von Wasser, Fruchtsaft und Tee trinken, um den Schleim flüssig zu halten und einen Flüssigkeitsverlust des Körpers durch Schweiß, Tränen- oder Nasenflüssigkeit auszugleichen.

Im Gegensatz zur Grippe gibt es gegen Erkältungen keine Impfung, weil es über 300 Erkältungserreger gibt, wodurch eine spezifische Impfung keinen Nutzen hat. Somit bleiben vor allem prophylaktische Herangehensweisen. Eine Vorbeugung besteht u. a. darin, den Kontakt mit erkrankten Personen und deren viralen Schnupfen- und Hustensekreten zu vermeiden.

Ich hoffe, dass Sie mich ein wenig bedauern, ob meines Zustandes!

Ich bin marod – und daher grantig!

Eine Sünde meiner jungen Jahre

Einnahme von Preludin

Aus gegebenem Anlass habe wir neulich über Cannabis diskutiert. Meine Enkel, meine Kinder und ich. Und dabei ist mir eingefallen, dass ich in den 60er Jahren – allerdings unwissend – Amphetamine und Morpholine konsumiert habe.

Das kam so: ich esse gerne, wollte aber nicht zunehmen, und damals wurde ein „Medikament“ als Appetitzügler angepriesen, das ohne Verschreibung gekauft werden konnte. Ich merkte schon, dass ich – wenn ich dieses Medikament eingenommen hatte, wesentlich konzentrierter arbeiten konnte, dachte mir aber nichts Besonderes dabei. Ich nahm diese Pulver auch nicht in großen Mengen. Es war die Zeit, als mein erstes Kind auf die Welt gekommen war, und mit Arbeit, einen langen Weg ins Büro war ich einigermaßen überfordert. Als dann das Zweite kam, war bereits bekannt, dass Preludin ein gefährliches Mittel war, das ich selbstverständlich nicht mehr benutzte.

Phenmetrazin wurde 1958 von Boehringer Ingelheim patentiert, es wird seit 1955 von dem anglo-amerikanischen Pfizer-Konzern in England vertrieben und vornehmlich als „wirkungsvoll in der Behandlung von Fettleibigkeit“ gepriesen wird. Im Jahr 1954 wurden pharmakologische Eigenschaften beschrieben. Ziel der Entwicklung war ein Appetitzügler ohne die typischen Nebenwirkungen der Amphetamine. Klinische Studien wurden 1954 in Europa durchgeführt.

Im deutschsprachigen Raum kamen Phenmetrazin-Tabletten 1954 nach einjähriger Testung als Preludin zur „Behandlung von Fettleibigkeit“ auf den Markt, bereits ein halbes Jahr nach Markteinführung erfuhren die Hersteller vom Gebrauch in Laienkreisen zur Bekämpfung von Ermüdungserscheinungen. Wissenschaftler der Nervenklinik des Universitätskrankenhauses Hamburg berichteten damals, bei gesunden Testpersonen habe „eine kräftige antriebssteigernde Wirkung mit Beseitigung oder verzögertem Eintritt von Müdigkeitserscheinungen“ überwogen. Demgegenüber seien „Zeichen psychischer Enthemmung und Änderung der Stimmungslage in den Hintergrund“ getreten.1955 wurde in Deutschland die Rezeptpflicht für das Mittel eingeführt, einige Staaten regelten Phenmetrazin 1966 wegen der Suchtgefahr schon betäubungsmittelrechtlich. Auch in Deutschland wurde Phenmetrazin später als Betäubungsmittel eingestuft, bevor es wegen lebensbedrohlicher pulmonaler Hypertonien in den 1970er Jahren vom Markt genommen wurde.

Phenmetrazin gehört zu den Sympathomimetika und wirkt auf das zentrale Nervensystem. Als solches dämpft es im Gehirn das Appetit- und Hungergefühl und aktiviert indirekt die Sympathikusaktivität, wodurch es unter anderem zu erhöhter Wachheit und verringertem Schlafbedürfnis sowie gesteigerter körperlicher und geistiger Ausdauer kommt. Durch die euphorisierende Wirkung besteht die Gefahr der Entwicklung einer Abhängigkeit.

Im Vergleich zu anderen Amphetaminen erzeugt Phenmetrazin weniger Nervosität, Erregbarkeit, Euphorie, Schlaflosigkeit und eine Verlangsamung der Pulsrate bei Übergewichtigen. In einer Studie wurde es von übergewichtigen Kindern bei einer zweimal täglichen Einnahme von einer halben Tablette gut vertragen, sodass deren Appetit stark zurückging sowie durch das wachsende Bedürfnis nach körperlicher Aktivität die körperliche Leistungsfähigkeit anstieg. In der Wirkung ähnelt das Präparat nach Feststellungen der Mediziner den sogenannten Weck-Aminen – jenen anregenden Substanzen, zu denen auch das Pervitin zählt.

Preludin is ein Mittel, das die Stimmung beeinflusst. Es kann den Menschen beschwingen wie „ein halbes Dutzend Gläser Champagner“. Später deprimiert es. Es verleiht ein auch Gefühl der Verantwortungslosigkeit. Obwohl die Gebrauchsanweisung der Firma Pfizer täglich zweimal eine halbe oder eine ganze Tablette empfiehlt (eine Anweisung, an die ich mich hielt), steigerten manche Preludin-Nutzer ihr Quantum zuweilen auf mehrere Dutzend Pillen am Tage.

Phenmetrazin wurde in vielen Ländern als Droge verwendet. Als der Konsum von Stimulanzien in Schweden in den 1950er Jahren erstmals gehäuft auftrat, wurde Phenmetrazin von den Konsumenten gegenüber Amphetamin und Methamphetamin bevorzugt. In ihrem autobiographischen Roman Rush schreibt Kim Wozencraft über die von ihr als euphorisierend und aphrodisierend wahrgenommene Wirkung der Droge. Phenmetrazin wurde 1959 in Schweden als Betäubungsmittel eingestuft und 1965 vollständig vom Markt genommen. Die illegale Nachfrage wurde zunächst durch Schmuggel aus Deutschland, später auch aus Spanien und Italien befriedigt. Zuerst wurden Preludin-Tabletten geschmuggelt, doch schon bald begannen die Schmuggler, rohes Phenmetrazin-Pulver einzuführen. Schließlich wurde Amphetamin aufgrund seiner größeren Verfügbarkeit zum dominierenden Stimulans des Missbrauchs. Ein bekannter Anwender war Paul McCartney von den Beatles, die die Droge zu Beginn ihrer Karriere konsumierten.

Preludin wurde in den USA in den 1960er und frühen 1970er Jahren als Droge verwendet. Es konnte in Wasser zerkleinert, erhitzt und injiziert werden. Der Straßenname für die Droge in Washington, DC, lautete „Bam“. Phenmetrazin wird weiterhin auf der ganzen Welt verwendet und missbraucht, unter anderem in Ländern wie Südkorea.

Der Handelsname für Phenmetrazin-Hydrochlorid (Tabletten) in den USA, in Großbritannien und Deutschland war Preludin.

Als ich von der Wirkung erfuhr – ob in der Apotheke oder bei einem Arzt (Betriebsarzt) – das weiß ich nicht mehr, setzte ich die Einnahme sofort ab. „Entzugserscheinungen“ hatte ich meiner Erinnerung nach, nicht.

Eine Sünde meiner jungen Jahre

Gratulation an unsere jüdischen Mitbürger zu ihrem Neujahrsfest:  schana tova!

Ein paar Aspekte des Rosch ha-Schana

Unsere jüdischen Mitbürger feiern heuer vom 25. Bis 27. September Rosch ha-Schana, ihr Neujahrsfest. Die Mischna, die wichtigste Sammlung religiöser Überlieferungen des rabbinischen Judentums, legt dieses Fest als Jahresbeginn fest und daraus resultiert die Berechnung der Kalenderjahre.

Der Neujahrsgruß ist schana tova bzw. aschkenasisch (le)schono tauwo ‚ein gutes Jahr‘ oder auch schana tova u’metuka bzw. aschkenasisch schono tauwo u’messuko ‚ein gutes und süßes Jahr‘. Ein traditioneller aschkenasischer Neujahrsgruß ist auch leschono tauwo tikossëiw ‚zu einem guten Jahr mögest du (in das Buch des Lebens) eingeschrieben sein‘, der oft durch wessechosëim ‚und besiegelt‘ ergänzt wird.

Rosch ha-Schana ist laut Talmud Beginn und in der Folge Jahrestag der Weltschöpfung, steht aber auch für den Jahrestag der Erschaffung Adams. Es ist der Tag der Forderung, Bilanz zu ziehen über das moralische und religiöse Verhalten im abgelaufenen Jahr, und man tritt mit Gebeten für eine gute Zukunft vor Gott.

Rosch ha-Schana ist auch Jom haDin, „Tag des Gerichts“: Am Neujahrsfest werden laut Talmud drei Bücher geöffnet. Ins erste werden die ganz „Gerechten“ eingetragen, die sofort das „Siegel des Lebens erhalten“. Ins zweite Buch werden die ganz „Bösen“ eingetragen, die das „Siegel des Todes“ erhalten. Und das dritte Buch ist für die „Mittelmäßigen“ bestimmt, die sowohl Sünden wie Verdienste vorweisen können. Das endgültige Urteil bleibt in der Zeit vom Neujahrstag bis zum Versöhnungstag offen. Durch Einkehr und Umkehr ist es möglich, das Siegel des Lebens zu erhalten.

Rosch ha-Schana ist ein Tag des Schofar-Blasens. In der Tora wird dieser Tag auch Tag des Schofars genannt. Man nennt ihn auch „Tag des Lärmblasens“. Der Schofar (Widderhorn) erklingt nach in Tora und Talmud festgelegten Mitzwot zum Morgengebet beim Neujahrsfest, sofern es nicht auf einen Schabbat fällt.

An Rosch ha-Schana beginnen die Zehn ehrfurchtsvollen Tage, die mit dem Versöhnungsfest Jom Kippur enden. In den Schriften vorgesehen, sind Opferbestimmungen, Arbeitsruhe, Festversammlung und Widderhornblasen. Rosch ha-Schana ist kein Trauertag, sondern ein Fest, an dem sich die Juden – wegen Gottes Erbarmen – freuen sollen. Außer dem Hallel (Gebet bzw. Loblied, das aus den sechs Psalmen des Tanachs besteht., das an Neujahr ausgelassen wird, gleicht es in seinen feierlichen Merkmalen allen anderen Festen: Kleidung, Waschen, Haareschneiden, innere Vorbereitung und festliche Mahlzeiten.

Die verschiedenen jüdischen Gemeinschaften haben eigene Gebräuche für die Mahlzeit am Neujahrsabend ausgebildet, von denen einige weit verbreitet sind. Genuss von Honigkuchen, Zimmes, Weintrauben, süßem Wein und in Honig getauchten Apfel- (oder auch Challa-)scheiben drücken die Hoffnung auf ein gutes, süßes Jahr aus. Lekach ist ein traditioneller osteuropäischer Honigkuchen, der in seiner Rezeptur mit Schokolade, Ingwer, Apfel- oder Aprikosenstückchen verfeinert sein kann. In Süddeutschland und dem Elsass wurde häufig Zwetschgenkuchen für das jüdische Neujahrsfest gebacken. Jüdische Familien im Osmanischen Reich servierten Baklava oder ähnliche Süßigkeiten. Das Weißbrot (Challa) wird nicht wie üblich in Salz, sondern in Honig eingetunkt.

Anschließend wird eine Apfelscheibe in Honig getunkt mit dem Segensspruch über Baumfrüchte und gegessen, danach sagt man: „Möge es dein Wille sein, Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter, uns ein glückliches und angenehmes Jahr zu erneuern.“

Ebenfalls wird zuweilen ein symbolisches Stück von einem Fisch- oder Schafskopf mit den Worten „Möge es dein Wille sein, dass wir zum Kopf und nicht zum Schwanz werden“ gegessen.

Ein weiterer Brauch ist das Essen von Granatäpfeln. Sie stehen im Judentum symbolisch für Fruchtbarkeit, da sie viele Kerne enthalten. Dazu sagt man: „Möge es dein Wille sein, dass unsere Rechte sich wie der Granatapfel mehren.“

Manchmal werden auch Datteln gegessen mit den Worten: „Möge es dein Wille sein, dass unsere Verleumder und Ankläger zugrunde gehen.“

Das Neujahrsfest ist zwar der „Tag des Schofar -Blasens“, am Schabbat allerdings erklingt der Schofar nicht. Nach Maimonides hat das Schofar-Blasen im Neujahrsgottesdienst folgende Bedeutungen:

  • Es symbolisiert die Thronbesteigung Gottes als König der ganzen Welt.
  • Es erinnert an die Bereitschaft Abrahams, seinen Sohn Isaak zu opfern; Gott aber verlangte diese Tat nicht.
  • Es erinnert an die Gabe der Tora auf dem Berg Sinai.

Vor dem Erklingen des Schofar wird siebenmal Psalm 47 rezitiert. Der von der Gemeinde bestimmte Bläser lässt eine festgelegte Sequenz von Schofar-Tönen erklingen. Darauf folgt eine Zeit der Stille. Anschließend wird die Tora in den Schrein zurückgebracht und dieser geschlossen.

Das anschließende Musafgebet hat an Rosch haSchana eine besondere Form

  • Malkujot: „An uns ist es, zu preisen den Herrn des Alls … Gelobt seist du, Ewiger, König über die ganze Erde, der du Israel geheiligt und den Tag des Gedenkens.“
  • Zichronot: „Du gedenkst des Werkes der Welt und prüfst alle Gebilde der Vorzeit … Gelobt seist du, Ewiger, der des Bundes gedenkt.“
  • Schofrot: „Du hast dich in der Wolke deiner Majestät deinem heiligen Volke offenbart … Gelobt seist du, Ewiger, der du auf die Stimme der Therua [= den Schofar-Ton] deines Volkes Israel voll Erbarmen hörst.“

Schana tova Ihnen allen!

Gratulation an unsere jüdischen Mitbürger zu ihrem Neujahrsfest:  schana tova!

Aufruhr in totalitären Systemen

Russland

Putin will rund 300.000 Reservisten einziehen lassen, um nach den Niederlagen der russischen Armee in der Ukraine die dort noch besetzten Gebiete zu halten. Er hatte deshalb eine Teilmobilmachung angeordnet. Daraufhin bildeten sich an den Grenzen zu Georgien, Kasachstan, der Mongolei und Finnland lange Staus.

Die von Kremlchef Wladimir Putin angeordnete Teilmobilmachung im Angriffskrieg gegen die Ukraine hat für Ärger und neue Proteste in Russland gesorgt. In Russland hat es in mindestens 36 Städten Proteste gegen die von Präsident Putin verkündete Mobilmachung gegeben. Die Polizei ging mit Festnahmen gegen die Demonstranten vor, mehr als 780 Menschen wurden festgenommen. Die von Kremlchef Wladimir Putin in Russland angeordnete Teilmobilmachung trifft ethnische Minderheiten besonders hart. In der muslimisch geprägten Teilrepublik Dagestan im Kaukasus gingen Polizisten nach Angaben von Bürgerrechtlern mit Warnschüssen gegen Demonstranten vor.

Iran

Auch im Iran wird protestiert: Auslöser der Proteste ist der Tod der 22 Jahre alten Iranerin Mahsa Amini. Sie wurde von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Sie fiel ins Koma und starb später in einem Krankenhaus. Viele junge Iraner und Iranerinnen gingen auf die Straße.

Präsident Ebrahim Raisi erklärte er, der Tod der jungen Frau müsse untersucht werden. Gleichzeitig bezeichnete Raisi die Proteste als „Akte des Chaos“, die unakzeptabel seien. Der Iran erlebt derzeit die größten Ausschreitungen seit 2019. Die Menschen haben jegliche Angst verloren und gehen deshalb auf die Sicherheitskräfte los, deren Einsatz „völlig unverhältnismäßig“ ist. Die Leute gehen auch auf die Straße, weil sie kein Trinkwasser mehr haben, weil die Flüsse ausgetrocknet sind und die Bauern ihre Felder nicht mehr bewirtschaften können – auch wegen Missmanagement und Korruption. Und dann wird auf sie geschossen. Natürlich geht es um Frauenrechte, aber es gibt aber auch großen Unmut aus anderen Gründen, auch um die täglichen Gängeleien, um die Rechte der Minderheiten, um die Wirtschaftskrise etc. Die Demonstranten forderten nicht nur einzelne Reformen – auf den Straßen werde ganz offen die Systemfrage gestellt.

Der iranische Justizchef hatte zuvor ein hartes Durchgreifen der Sicherheitskräfte bei den landesweiten Protesten angeordnet. Damit soll nach den Worten des Justizchefs die Sicherheit der Bürger garantiert werden. Es wird befürchtet, dass die iranischen Behörden mit Härte durchgreifen werden, um die Demonstrationen auf der Straße zu beenden. Gegendemonstrationen werden organisiert.

China

Lange Zeit verzichtete die chinesische Mittelschicht auf politische Mitsprache und blieb dafür meist ungestört. Doch die Unzufriedenheit wächst. In der chinesischen Provinz Henan versammelten sich im Juli 2022 Hunderte betrogene Bankkunden, um bei einem Sit-in vor der lokalen Finanzaufsicht ihr Geld zurückzufordern. Es waren gut situierte Leute aus dem reichen Osten des Landes, die falschen Versprechungen von Lokalbanken aufgesessen waren und nun ihre Lebensersparnisse durch Vetternwirtschaft und ein Versagen der Aufsichtsbehörden bedroht sehen. Einige protestierten: Männer in Zivilkleidung – die meisten von ihnen tragen schlichte weiße T-Shirts – schlagen auf die Protestierer ein und vertreiben sie. Die uniformierten Beamten greifen nicht ein, lassen die Schlägertrupps gewähren.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat sich Chinas Mittelschicht mit der Kommunistischen Partei gut arrangiert. Sie verzichtete auf politische Mitsprache, schaute über die Unterdrückung von Oppositionellen und Minderheiten hinweg und durfte dafür ungestört ihren Geschäften nachgehen. Doch der Sozialvertrag ist brüchig geworden. Erst nahm Staats- und Parteichef Xi Jinping jene privaten Internetkonzerne an die Kandare. Ihr Einfluss vertrug sich nicht mit seinem Kontrollbedürfnis. Dann erschütterten die Exzesse der Null-Covid-Strategie das Sicherheitsempfinden. Gesichtslose Männer und Frauen in weißen Ganzkörperanzügen drangen in Wohnungen ein, um sie mit Desinfektionsmittel zu besprühen und deren Bewohner in Quarantänezentren zu zwingen. Das ging den Menschen dann doch zu weit.

Und?

Und was bedeutet das nun für uns?  Können, dürfen, sollen wir hoffen, dass es zu Umstürzen, ja Revolutionen kommt, in diesen Ländern? Als gelernte Österreicherin bin ich einigermaßen skeptisch – für mich gilt das Motto: es kommt selten etwas Besseres nach. Und Revolutionen mit Massensterben kann doch auch nicht das Ziel sein. Andererseits ist es mit unseren Werten – oder sagen wir vielleicht besser mit unserem Gewissen, nicht vereinbar, dass Menschen in anderen Teilen der Welt so schamlos unterdrückt werden. Aber wie können wir ihnen helfen. Die Zeiten der Einmischung von außen sind – zum Glück – endgültig vorbei, ich hoffe ich es wenigstens. Das heißt aber, wenn diese unterdrückten Menschen einen Systemwechsel anstreben, dann müssen sie ihn selber in die Wege leiten, und der Erfolg ist nicht so schnell garantiert, denn diese Systeme sind hochgerüstet.  Und ein so gutes Beispiel für Hochhalten der Demokratie bieten wir im Westen wohl auch nicht – siehe Wahlen in Italien oder das schleichende Erodieren der Demokratie in den USA.

Schlimme Zeiten, in denen wir leben.

Aufruhr in totalitären Systemen

Wo bleibt er denn heuer, der Altweibersommer?

Altweibersommer, das darf ich noch sagen, Indian Summer in den USA zu sagen, ist politisch nicht korrekt!

Der Altweibersommer beginnt zwar erst am 1. November, nach anderen Definitionen zwischen Mitte September und Anfang Oktober – also, vielleicht ist heute kein Altweibersommertag, sondern ein „aprilähnlicher“ Herbsttag, einmal regnet’s, dann scheint wieder die Sonne – ein bisserl …

Aber auch dieser Begriff ist umstritten.  1989 hatte eine 77-jährige Darmstädterin gegen die Bezeichnung “Altweibersommer“ geklagt. Der Name diskriminiere sie nicht nur als Frau, sondern auch wegen ihres Alters. Das zuständige Landgericht war jedoch anderer Meinung: Der “Altweibersommer“ durfte seinen Namen behalten – immerhin stammt der schon aus einer Zeit, in der die beleidigte Klägerin noch gar nicht geboren war. Also eines muss ich schon sagen, ich gehöre zwar auch als alte Frau in die Kategorie dieser Dame, aber darüber zu klagen, wäre mir noch nie eingefallen. Es sind doch meist wunderschöne Tage.

Die Klage wäre auch deshalb nicht sinnvoll, weil der Altweibersommer nur ein verballhornter Begriff ist. Denn nach einer Erklärung leitet sich der Name von Spinnfäden her, mit denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Der Flugfaden, den die Spinnen produzieren und auf dem sie durch die Luft schweben, erinnert die Menschen an das graue Haar alter Frauen. In klaren September-Nächten kühlt es schon stark ab, so dass die vom Tau benetzten Spinnweben in der Morgensonne deutlich zu erkennen sind. Die glitzernden Fäden erinnern an die langen, silbergrauen Haare älterer Frauen. Mit „weiben“ wurde im Althochdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet. Im Volksglauben wurden die Spinnweben der Baldachinspinnen auch für Gespinste von Elfen, Zwergen oder der Nornen gehalten. Als Verursacherin galt aber auch die Jungfrau Maria, die zusammen mit 11.000 Jungfrauen das Land alljährlich um diese Zeit mit Seide überspinnen würden. Man nahm auch an, dass es Glück bringe, wenn sich die Fäden an der Kleidung des Menschen heften würde und wer sie mit sich herumträgt, würde berühmt werden. Ebenso würden sie eine baldige Hochzeit verheißen, wenn sich fliegende Spinnfäden im Haar eines jungen Mädchens verfangen. Ich weiß nur nicht, ob es aufgrund des Klimawandels, der ja auch Insekten sehr zusetzt, noch genug Baldachinspinnen gibt.

Nach der anderen Erklärung, in der eine sekundäre Bedeutung gesehen wird, liegt dem Wort das Motiv der zweiten Jugend bei Frauen, die als unzeitig und nur kurze Zeit dauernd angesehen wird, zugrunde. Diese Erklärung gefällt mir weitaus weniger gut

Im Schriftsprachlichen wird der “Altweibersommer“ seit Anfang des 19. Jahrhunderts erwähnt, als man das Jahr noch in die Winter- und die Sommerhälfte einteilte. Damals wurde der Frühling “Junger Weibersommer“ genannt, der Herbst hieß “Alter Weibersommer“.

Meteorologisch ist der Altweibersommer eine Phase gleichmäßiger Witterung im Herbst, oft Ende September und Oktober, die durch ein stabiles Hochdruckgebiet und ein warmes Ausklingen des Sommers gekennzeichnet ist. Das kurzzeitig trockenere Wetter erlaubt eine gute Fernsicht, intensiviert den Laubfall und die Laubverfärbung.

In den USA nennt man diese Periode „Indian Summer“. Die Wortschöpfung könnte zum Beispiel von der Haupt-Jagdsaison der nordamerikanischen Ureinwohner im Herbst abgeleitet sein, aber auch von der günstigen Witterung, die Überfälle auf koloniale Siedler noch vor dem Einsetzen des Winters begünstigte.

Die Irokesen erzählen sich die Legende von der Jagd auf den großen Bären. Jeden Herbst verfolgen zwei Jäger den großen Bären, dessen magische Kraft ihn hoch in den Himmel trägt. Doch die unermüdlichen Jäger und ihr Hund folgen ihm auch dorthin und erlegen ihn nach langer Hatz. Das Blut des Bären tropft auf die Erde und färbt die Blätter des Ahornbaumes rot. Wenn man zum Himmel sieht, kann man den Großen Bären (das aus vier Sternen gebildete Trapez im Sternbild des großen Wagens) und dicht dahinter die beiden Jäger und ihren Hund (die drei Deichselsterne) erkennen.

Die Art der Verfärbung ist von der Zusammensetzung der Vegetation in den Laubwäldern abhängig. Der Zucker-Ahorn, dessen Blätter sich von grün nach gelb, orange, rot und braun verfärben, ist einer der häufigsten Bäume Neuenglands. Dessen Verbreitung sorgt für das einzigartige, leuchtende Scharlachrot in den Wäldern, ein Farbspektrum, das in dieser Vielfalt und Leuchtkraft in Europa nicht zu finden ist.

Aber in der in den Vereinigten Staaten augenblicklich sehr aktuellen Debatte um cultural appropriation wird das Wort „Indian Summer“ als vorwiegend negativ besetzt angesehen und steht in der Diskussion. Ich hab’s bisher nicht gewusst – jetzt wissen wir’s. Schade!

Als Indian Summer bezeichnete man – als man das Wort noch verwenden durfte – eine ungewöhnlich trockene und warme Wetterperiode im späten Herbst auf dem nordamerikanischen Kontinent. Das Phänomen wird begleitet von einem strahlend blauen Himmel, warmer Witterung und einer besonders intensiven Blattverfärbung in den Laub- und Mischwäldern. Es beschränkt sich auf ein Gebiet, das von den Mittelatlantikstaaten nördlich nach Neuengland reicht, sodann westlich über das Ohio-Tal und die Region der Großen Seen, den Mittleren Westen der USA, den nördlichen Teil der Great Plains und Kanada, also Gegenden, in denen es eine ausgeprägte Kälteperiode im Winter gibt. In der öffentlichen Wahrnehmung, in der Werbung und im Tourismus wird der Indian Summer jedoch überwiegend mit den Neuenglandstaaten und Kanada assoziiert. Wir – mein leider verstorbener Mann und ich – waren dort, zu dieser Jahreszeit, es war atemberaubend. Die Nächte waren aber schon ziemlich kühl.

Das Wetter hält sich leider auch an keine althergebrachten Regeln. Der Klimawandel macht’s möglich – leider!

Wo bleibt er denn heuer, der Altweibersommer?

Was mir so einfällt, zum Ausgang der Wahlen in Italien

Vor fast genau 90 Jahren kam Benito Mussolini in Italien an die Macht

Bei den Parlamentswahlen in Italien zeichnet sich laut Hochrechnungen ein klarer Wahlsieg der Mitte-Rechts-Allianz um die Wahlfavoritin und Rechtsaußen-Politikerin Giorgia Meloni ab. Die Mitte-rechts-Koalition dürfte laut Exit Polls auf 41,1 Prozent der Stimmen kommen. Meloni erhob bereits Anspruch auf Regierungsbildung.

Dazu fällt mir folgendes ein: Fast genau vor 90 Jahren, am 30. Oktober 1922 kam Benito Mussolini an die Macht in Italien.

Benito Amilcare Andrea Mussolini (* 29. Juli 1883; † 28. April 1945) war ein italienischer Politiker. Er war von 1922 bis 1943 Ministerpräsident des Königreiches Italien. Als Duce del Fascismo („Führer des Faschismus“) und Capo del Governo („Chef der Regierung“) stand er ab 1925 als Diktator an der Spitze des faschistischen Regimes in Italien.

Nach Anfängen bei der sozialistischen Presse stieg Mussolini 1912 zum Chefredakteur von Avanti! auf, dem Zentralorgan des Partito Socialista Italiano (PSI). Als er dort offen nationalistische Positionen vertrat, wurde er im Herbst 1914 entlassen und aus dem PSI ausgeschlossen. Mit finanzieller Unterstützung der italienischen Regierung, einiger Industrieller und ausländischer Diplomaten gründete Mussolini bald darauf die Zeitung Il Popolo d’Italia. 1919 gehörte er zu den Gründern der radikal nationalistischen und antisozialistischen faschistischen Bewegung, als deren „Führer“ (Duce) er sich bis 1921 etablierte.

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg herrschen in Italien ähnliche politische Verhältnisse wie in Deutschland, zu Zeiten der Weimarer Republik. Auch Italien kann auf keine demokratische Tradition zurückblicken, die Inflation erreicht infolge der hohen Staatsverschuldung immer neue Höchstmarken, die Wirtschaft liegt nach Ende des Weltkrieges am Boden und die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Die wirtschaftliche und soziale Krise wird bald zu einer politischen – die alte Führungsschicht ist nicht in der Lage, eine Verbesserung der Situation herbeizuführen. Auch die Opposition, die Sozialisten, sind gespalten und politisch gelähmt – sie verbindet lediglich ihre ablehnende Haltung gegenüber dem bürgerlichen Staat.

In diesem Klima politischer und wirtschaftlicher Instabilität gründen sich landesweit nationalistische Gruppierungen, die politisch sehr heterogen sind. Unter Beteiligung Benito Mussolinis finden sich diese Splittergruppen am 23. März 1919 zur Gründungsversammlung der faschistischen Kampfverbände („fasci di combattimento“) ein. Die rechtsgerichteten Verbände von Kriegsteilnehmern eint die Forderung nach einer autoritären Ordnung und einer Revision der Friedensverträge zugunsten Italiens. Aus den Kampfverbänden wird später Mussolinis National-Faschistische Partei (ital.: Partito Nazionale Fascista, PNF) hervorgehen.

Die Faschisten sind zu Beginn politisch sehr heterogen. Es gab weder eine gemeinsame ökonomische Interessenlage noch eine in sich konsistente Ideologie, sondern vor allem eine im Gefühl begründete Einheit. Ihren Erfolg verdanken die Faschisten mehreren Faktoren: Anfangs leben sie vor allem von dem Terror ihrer Kampfverbände, den Squadren (Schwarzhemden), die auf Seiten der Landbesitzer gegen die Sozialisten kämpfen. Schon bald bringen die Faschisten ganze Regionen Italiens unter ihre Kontrolle und erproben dort ihre totalitäre Ordnung.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist auch Mussolini selbst. Er fungiert als Klammer des heterogenen Parteienspektrums. Im Laufe der Jahre wird der Personenkult um den „Duce“ professionalisiert. Gezielt werden auch die Massenmedien als Propagandainstrument eingesetzt, um den Mythos und die Verherrlichung der Person Mussolinis zu inszenieren.

Politisch versteht es der ehemalige Journalist und Grundschullehrer, die bürgerlichen Parteien nicht gegen die Faschisten aufzubringen. Denn die liberal-konservativen Parteien und die Faschisten haben einen gemeinsamen politischen Gegner: die Sozialisten. Am 15. Mai 1921 schaffen die Faschisten bei den Wahlen erstmals den Einzug ins Parlament.

Im Sommer 1922 rufen die Sozialisten mit einem Generalstreik zur Abwehr des Faschismus auf, der jedoch scheitert. Viele sehen in den Faschisten das kleinere Übel, im Vergleich zu der „roten“ Gefahr der Sozialisten. Mussolini nutzt diese ideologisch aufgeladene Stimmung und droht mit einer Machtübernahme, die als „Marsch auf Rom“ in die Geschichtsbücher eingeht: „Entweder wird uns die Regierung übertragen, oder wir nehmen sie uns durch einen Angriff auf Rom: Es ist jetzt die Sache von Tagen, vielleicht von Stunden“, so Mussolini. Am 27. Oktober mobilisiert er seine Schwarzhemden und kündigt an, die italienische Regierung notfalls auch gewaltsam zu übernehmen. Die amtierende Regierung will Mussolini und seine Squadren aufhalten. Doch König Viktor Emanuel III. hält die Aufnahme der Faschisten in die Regierung für notwendig, um keinen Bürgerkrieg zu riskieren. Am Abend des 29. Oktober 1922 bestellt er Mussolini nach Rom ein, um ihn zum Ministerpräsidenten zu berufen. Bereits einen Tag später präsentiert Mussolini seine Regierung.

Der legendäre „Marsch auf Rom“ hat somit niemals stattgefunden. Mussolinis Truppen sind vor der Stadt in Stellung gegangen und haben keinen einzigen Schuss abgegeben. Und der „Duce“ ist erst am Morgen des 30. Oktober 1922 mit dem Nachtzug aus Mailand in Rom eingetroffen.

In den folgenden Jahren radikalisiert sich die Faschistische Partei und errichtet mit Mussolini an der Spitze eine totalitäre Diktatur.

Wird sich die Geschichte wiederholen oder sind die Rahmenbedingungen jetzt doch ganz andere?

Was mir so einfällt, zum Ausgang der Wahlen in Italien

Der Nebel ist eingefallen …

Also, Muskelkater habe ich erstaunlicherweise keinen, nach dem gestrigen Marsch. Aber heute ist es nebelig, zuweilen hebt er sich, der Nebel, dann fällt er wieder ein.

Aber dennoch kann man nicht herumsitzen – obwohl es lustig ist, mit der ganzen Familie rundherum, also habe ich mich auf einen Spaziergang aufgemacht, ich schritt wieder munter fürbass, als ich die Kirchenglocken hörte. Z’sammläuten, für die Sonntagsmesse, aus dem Nebel tönte es laut. Sodann drehte ich hurtig um und ging dem Glockenton nach. Siehe da, da ragte schon der Kirchenturm aus dem Nebel. Die Pfarrkirche Puchenstuben befindet sich mitten im Ort. Die Kirche ist der Heiligen Anna geweiht und die Pfarre dem Dekanat Scheibbs der Diözese St. Pölten unterstellt. Die Heilige Anna passt ja trefflich für mich, sie ist doch die Großmutter Jesu – also eine Heilige Großmutter- jetzt auch meine Rolle, außer dem „Heilig“ halt.

Die Kirche 1727/28 wurde in der Nähe einer 1429 erwähnten Kapelle, die 1904 ausgegraben wurde, errichtet. Stifterin war die Fürstin Edmunda Theresia Maria von Liechtenstein, geborene von Dietrichstein-Nikolsburg. Sie begründete die Stiftung damit, dass der Ort seit der Reformationszeit nicht mehr durchgehend mit einem Priester besetzt gewesen war und für die Menschen wegen der großen Entfernung von der Frankenfelser Kirche „bey anhaltenden üblen Wetter und harten Winterszeith“ der Gottesdienstbesuch „höchst beschwerlich“ war. Ursprünglich war der Kirchenweiler eine Filiale von Frankenfels. 1784 wurde auf Anordnung von Kaiser Josef II. das Benefizium unter dem Patronat Weißenburg zu einer Lokalie (Filialkirche)erhoben und 1804 zu einer eigenständigen Pfarre.

Eine Außenseite (zur Straße hingewendet) ist mit Holzschindeln verkleidet. Als ich angehetzt kam, standen ein paar ältere Frauen davor, eine begrüßte mich wie eine alte Bekannte, „sans a wieder da“. Ich verneinte, „aber Sie wohnen doch im Kräuterhäusl“, dem konnte ich zustimmen. Ihre Bekannte war ich dann doch nicht.  Man wartete vor der Kirche, bis der Pfarrer eintraf. Langsam „tröpfelten“ ein paar weiter meist ältere Leute ein. Man begrüßte die Anwesenden mit Handschlag, und weil ich halt so dastand auch mich. Man macht mich darauf aufmerksam, dass halt jetzt sehr wenige Kirchenbesucher kämen, im Gegensatz zu früher „da wäre von jedem Bauernhof jemand gekommen. Nur zu den hohen katholischen Festen, da wäre die Kirche voll.

Als der Pfarrer dann eintraf waren knappe zwei Dutzend alte und ältere Personen in der Kirche, zumeist Frauen. Die Kirche ist in barockem Stil ausgestattet, aber keineswegs überladen. Der barocke Marmorhochaltar mit dem Altarbild der hl. Anna, dem Oberbild hl. Margarethe und den Statuen der hl. Maria und des Josef entstand um 1728. Die spätbarocke Kanzel hat mich besonders fasziniert, zeigt an der Brüstung die vier Evangelisten und eine Christus-Skulptur am Deckel. Sie war mit einem Vorhang geschlossen. Die Orgel ist in einem neoromanischen Gehäuse und wurde 1895 von Max Jakob gebaut. Diese Orgel begleitete auch die Messe, gesungen wurde die Schubertmesse, zumeist mindestens zwei Strophen, die ich kaum kannte. Der Pfarrer heißt Eugeniusz Warzocha, hatte es ziemlich eilig und ich verstand ihn aufgrund seines Akzentes eher nicht so gut, aber das kann auch daran liegen, dass ich zum Spazierengehen meine Hörgeräte nicht zum Einsatz gebracht hatte. Ob die Messeteilnehmer nachher ins Wirtshaus gegangen sind, kann ich nicht sagen, glaube aber eher nicht.

Als ich „heimging“ sah ich eine Hinweistafel nach Annaberg – und erinnerte mich, dass wir einmal nach Annaberg anlässlich eines Schulschikurses gefahren waren, in den späten 1940er Jahren.

Hier waren wir dann alle zum großen gemeinsamen Photo aufgerufen, alle hatten wir weiße Leiberln (sogar der Hund) an und standen möglichst „familienzusammengehörig und generationenweise“ zusammen – war gar nicht so einfach. Und das traditionelle Photo wurde vom Gastkind gemacht, damit wirklich alle abgebildet sein konnten. (Das Gastkind – aus Italien, kocht uns heute unser Mittagessen, darf aber aus Altersgründen an der heutigen Wahl in Italien nicht teilnehmen).

Und noch zu meinen Enkeln und Urenkeln, das müssen Sie einer stolzen Großmutter schon verzeihen: dreijährige Urenkelin – noch im Kindersitz sitzend, bittet herausgehoben zu werden, ich möchte zu den anderen Kindern, meint sie, ich bin doch auch ein Kind.  

Ich schimpfte über meinen Enkel, (11 Jahre), der ohne mein Wissen mein Telephonladekabel „verzaht“ hat, und sagte – ich werde ihm die Ohren langziehen. Seine Nichte (4), meinte besorgt: aber nicht zu fest. Wir klärten sie dann auf, dass das eine Redensart aber nicht eine Handlung wäre.

Und das erfüllt eigentlich einen Teil meiner Zielsetzung dieses “Familienausflugs“, den Zusammenhalt der nächsten Generationen zu sichern.

Der Nebel ist eingefallen …

Der ereignisreiche Ausflug zum Trefflingfall

Ein wenig traurig bin ich schon, weil ich von meinem Dachfenster auch den Sternenhimmel nicht sehen konnte, weil unweit eine Straßenlaterne strahlt.

Aber heute früh ist der Himmel weitgehend blau, mit vereinzelten Wolken, man sieht wieder Kondensstreifen von Flugzeugen. Ich kann natürlich nicht umhin, auch Nachrichten zu lesen, aber ich habe vor, mich davon während dieser Zeit hier in Puchenstuben nicht stören zu lassen. Noch ist unsere Welt hier in Ordnung. Vor meinem Fenster sehe ich drei Lärchen und rund herum viele dunkle Nadelwälder mit einzelnen Laubbäumen.

Bis sich so eine Gruppe formiert, dauert es, aber dann fahren wir los: nicht weit, bis zu einem Start-Punkt für einen Weg zum Trefflingfall. Es ist hübsch und angenehm zu gehen, es bilden sich immer neue „Konstellationen“, es ist gemütlich. Wir spazieren entlang des Trefflingbaches, ein leise murmelndes Gewässer.

Dann wird der Weg ein bissel mühsam, mit vielen Wurzeln und Steinen, meine Tochter und mein Enkel helfen mir, über gatschige Stellen. Und dann kommen wir zu den Trefflingfall, sehr eindrucksvoller Wasserfall in Stufen.  Der Trefflingfall befindet sich in den Vorderen Tormäuern des Naturparks Ötscher-Tormäuer und ist der höchste Wasserfall des Landes. Der Trefflingbach stürzt hier bis zu 120 m tief in die Erlauf. Er bietet das ganze Jahr über ausreichend Wasserstand, und ist auch neben uns hinuntergebraust. Man quert ihn mehrmals über Brücken und aufgrund des vielen Regens in letzter Zeit schäumt er laut zu Tale. Ich mag Wasserfälle sehr, das kommt wohl auch daher, dass ich als Kind sehr of die Myrafälle[CC1]  durchschritten habe – hinauf und hinunter. Und wenn einmal Niedrigwasserstand war, konnten wir Teile des dann trockenen Wasserfalls durchklettern.

Nun waren wir unten im Tal der Erlauf angekommen und ich erinnerte mich, dass wir schon einmal in dieser Gegend gewesen waren. Die sportlichen unter uns nahmen noch kurz noch kurz ein Bad im bitterkalten Wasser der Erlauf. Dann wurde gemeinsam entschieden, dass die jüngeren (mit Führerschein) den Wasserfall hinauf zurück zu den Autos gehen würden, und uns „Restliche“ mit Kindern dann am Ende des Weges durch das Erlauftal abholen würden.

Jetzt musste nur noch entschieden werden, ob wir flussaufwärts oder flussabwärts gehen sollten. Wir entschieden uns den Weg flussaufwärts zu nehmen, der länger sein sollte, aber dieses Tal ist so reizvoll, dass man nicht lange genug drinnen gehen kann. Der Weg war zwar nur mehr ein schmaler Pfad, nur teilweise gesichert. Er war reich an Wurzeln und kleinen und größeren Steinen und ganz so eben war er dann doch wieder nicht. Das für mich schwierigste Hindernis waren quer über den Pfad liegende Bäume. Drüber Steigen schafft ich nicht, also musste ich unten durchkriechen, noch dazu war es darunter ziemlich quatschig. An einer Stelle war ich schon etwas verzweifelt, weil ich fürchtete steckenzubleiben. Mit Schub von hinten (meine Tochter) und mit Zug von Vorne (mein Sohn) schaffte ich es, ich fühlte mich wie das „Zieh-mich, stoß-mich“.

Aber das Tal war einfach prächtig, die Wälder wechselten von hohen Fichtenwäldern zu Auwäldern, der Fluss änderte immer wieder seinen Lauf und seine Farbe. Und die hohen Felsen mit ihren wundervollen Musterungen! Schnell kamen wir nicht weiter, denn der Pfad war nicht besser geworden und ich musste immer auf den Weg schauen, um nicht zu stolpern. Je länger der Weg sich zog, desto müder wurde ich und desto öfter musste ich rasten.  Den ganzen Weg hatten wir keine Handyempfang. Aber dann wurden wir wieder mit einem wunderschönen Blick auf den Gipfel des mit Schnee angezuckerten Ötschers belohnt. Zwei Mal hatten wir die Hoffnung gehegt, dass sich der Weg jetzt bessern würde, weil sich ein Haus am Weg befand, und wir annahmen, dass es dorthin eine Fahrstraße geben würden, beide Male wurden wir enttäuscht. Nun freuten wir uns noch ob der am Weg gelegenen Teufelskapelle, eine natürlich Felsformation in Form einer Kirche.

Als wir uns schon sehr nahe am Ziel sahen, und sogar ein Auto auf einem Parkplatz erspäht hatten, kam es zu einer Umleitung (der direkte Weg war gesperrt) und wir befanden uns am falschen Ufer!

Dann, das muss ich zugeben, hat sich der Weg wirklich sehr „gezogen“, die Autofahrer kamen uns zu Fuß schon entgegen und versuchten uns aufzumuntern.

Ich gebe zu, wieder ziemlich erschöpft ins Auto gefallen zu sein. Die Straße war dann wieder landschaftlich prächtig, mit mehreren wunderschönen Blicken auf den Ötscher.

Aber fröhlich vereint trafen wir fast alle in einem Wirtshaus auf eine Jause wieder. Trotz aller Strapazen war es ein wunderschöner Ausflug gewesen. (Über den Muskelkater werde ich Ihnen dann morgen berichten).


 [CC1]

Der ereignisreiche Ausflug zum Trefflingfall

Kurzurlaub in Puchenstuben

Sie werden von mir in nächster Zeit nicht sehr viel vom Russland-Ukraine Konflikt hören, denn ich bin eigentlich „auf Kurzurlaub“, in Puchenstuben.

Diese herbstliche Tradition hat noch mein leider vor vier Jahren verstorbener Mann begonnen, er legte großen Wert darauf, – meist im Herbst – ein Wochenende mit seinen Kindern, also seinem Sohn und seiner Tochter und mir zu verbringen. Wir waren in Triest, in Abbazia, in Brünn … Nach seinem Ableben wollte ich diese Tradition fortführen, aber – wenn schon, denn schon – möglichst mit dem gesamten Clan.  Wir wohnen auch nicht mehr in großen eleganten Hotels und essen nicht mehr in schicken Restaurants ….

Hier wurde ein entsprechend großes „Selbstversorger-Haus“ gemietet, damit alle meine Kinder, Schwiegerkinder, Enkelkinder mit ihren Partnern, und meine Urenkelinnen, sowie ein besonders nettes Gast-Kind aus Italien und ein Hund Platz finden können. Das Gebäude nennt sich Kräuterhäusl, und ist ein umgebautes ehemaliges Gasthaus. Es bietet immerhin 19 Schlafstellen, und eine große Wirtsstube, die besonders die Kinder begeistert.

Schon die Fahrt hierher war eine wahre Freude. Abgefahren von der Westautobahn sind wir bei St. Pölten und die Straße geht durch das romantische Pielachtal, einigermaßen parallel zur Mariazeller Bahn, wir waren im Abendlicht unterwegs und sind grad zu Sonnenuntergang hier eingetroffen.

Puchenstuben ist eine Gemeinde mit 272 Einwohnern im Bezirk Scheibbs in Niederösterreich. Der Ort liegt im Mostviertel in der niederösterreichischen Eisenwurzen. Die Eisenwurzen sind ein Teil der Kalkvoralpen im Dreiländereck Niederösterreich (Mostviertel), Oberösterreich (Traunviertel) und der Steiermark (Östliche Obersteiermark). Sie liegen in den Ybbstaler Alpen und dem Reichraminger Hintergebirge, im Süden schließt sich der Hochschwab an. Historisches Zentrum ist der steirische Erzberg, dessen wirtschaftliche Bedeutung in der Vergangenheit die umliegende Region prägte. Die Region wurde vom Staat Österreich mittlerweile bei der UNESCO als Weltkulturerbe vorgeschlagen. Das Gebiet umfasst auch einige Naturschutzareale, wie die Nationalparks Kalkalpen und Gesäuse, die Naturparks Ötscher–Tormäuer, Niederösterreichische Eisenwurzen und Steirische Eisenwurzen, sowie das Wildnisgebiet Dürrenstein, eines der größten Urwaldgebiete Mitteleuropas.

Der Name Eisenwurzen rührt von der dortigen Eisenverarbeitung her, die durch die Nähe des Erzbergs und die Verfügbarkeit von Holz, Kohle und Wasserkraft in dieser Region zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert große Bedeutung hatte. Der Namensteil Wurzen ist seiner Herkunft nach unklar, scheint aber mit der dezentralen Organisationsstruktur dieses Wirtschaftsraumes in den teils schwer zu erreichenden Tälern dieser gebirgigen Region zusammenzuhängen: Vom Zentrum Eisenerz ausgehend, schlängeln sich die Transportwege wie Wurzeln weit ins umgebende Land hinein, überall verteilt finden sich die Produktionsstätten. Eine andere Erklärung führt diesen Namensbestandteil zurück auf die Zeit der Alchemie. Man glaubte, das Erz wächst und hat somit in der Tiefe seine Wurzel.

Im 16. und 17. Jahrhundert waren die Eisenwurzen – wie weite Teile der Donau- und Alpenländer – weitgehend protestantisch geprägt. Im Zuge der Zwangsrekatholisierungen insbesondere nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurden deshalb zahlreiche Evangelische ausgewiesen und hatten sich eine neue Heimat zu suchen. Die spezielle, sich über Jahrhunderte entwickelnde Wirtschaftsstruktur wird als Kleineisenindustrie bezeichnet. Ab den 1820er Jahren wurden teilweise alte Hämmer aufgekauft und ausgebaut, damit begann die industrielle Stahlverarbeitung. Zum Niedergang der Kleineisenindustrie der Eisenwurzen kam es durch die Industrialisierung ab den 1860er Jahren. Heute ist der Begriff der Eisenwurzen daher hauptsächlich von historischer und touristischer Bedeutung.

Da es sich um ein altes Gebäude handelt, in dem wir hier wohnen, und es für moderne Zwecke umgebaut werden musste, ist der Oberstock mit den vielen Schlafgelegenheiten etwas verwinkelt. Ich habe ein Weilchen gebraucht, bis ich mich zurechtgefunden habe.

Und weil heutzutage derartiges oft gefragt wird, ja es ist geheizt. Mein Kämmerlein ist mir nächtens allerdings fast zu warm geworden und ich musste lüften. Ein anderes Problem gibt es sehr wohl, das betrifft aber ganz Puchenstuben, das Wasser aus der Leitung soll nicht getrunken werden, also wir nutzen das Wasser derzeit aus – Plastikflaschen.

Gestern abends mussten wir, vollkommen gegen unsere Gewohnheiten – denn während unserer Familienurlaube wird nie ferngesehen, gemeinsam sehr wohl eine Sendung ansehen, aber darüber erzähle ich Ihnen gesondert. Dabei haben wir noch dazu gegessen, eine absolut köstliche Kürbissuppe, die meine Schwiegertochter, assistiert von einigen Arbeitswilligen, produziert hat. Der Salat wurde auch ratzeputz aufgegessen. Süßigkeiten nachher mussten wohl auch sein. Die Ingredienzien waren schon von unterwegs mitgebracht werden. Zum Glück gibt es hier in der Küche auch sehr große Töpfe

Nachher saßen einige von uns noch lange zusammen – wir haben sehr viel gemeinsam gelacht.

Kurzurlaub in Puchenstuben

Die vielen Schichten dieses Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine, die EU und den Westen

Dieser Krieg, der nicht so genannt werden dar (in Russland) läuft auf verschiedenen Ebenen ab und betrifft auch unterschiedliche Teilnehmer. Da ist einmal der Krieg in der Ukraine selbst. Dieser wird durch die Teilmobilmachung – die allerdings erst zeitverzögert wirksam werden kann – neuerlich angeheizt. In diesem Krieg kämpft Russland auch um territoriale Erweiterung (auch Eroberung von Ressourcen), das bezeugen die heute begonnenen Scheinabstimmungen in den Besetzten Gebieten in der Ukraine. Der Krieg in der Ukraine geht aber mit unverminderter Härte weiter. Russland soll in den letzten 24 Stunden acht Raketen- und 16 Luftangriffe durchgeführt und 115 Flugabwehrraketen auf militärische und zivile Ziele abgefeuert, vor allem in den Gebieten Saporischschja und Donezk. Allein die Zerstörungen von Infrastruktur bisher dürften etwa 110 Milliarden US-Dollar ausmachen!

Russlands Krieg stellt einen eklatanten und vorsätzlichen Verstoß gegen die Gründungscharta der Vereinten Nationen dar. Dabei handelt es sich bei Russland um ein ständiges Mitglied des UNO-Sicherheitsrats, „dem Organ, das für die Wahrung der Charta und des internationalen Friedens und der Sicherheit zuständig ist“!

In diesem Krieg fand auch der Gefangenen-Austausch statt. Bei dem Austausch, an dem Geheimdienstchef Budanow beteiligt war, wurden 215 Ukrainer und zehn Menschen anderer Nationalitäten in die Ukraine gebracht. Sie waren in verschiedenen Einrichtungen in den von russischen Truppen besetzten ukrainischen Gebieten sowie in Russland gefangen gehalten worden. Unter ihnen waren auch hochrangige Kommandeure der Kämpfer aus dem Asow-Stahlwerk in Mariupol, eine Tatsache, die russische nationalistische Kreise empört. Auch zehn Gefangene aus Großbritannien, den USA, Schweden, Kroatien und Marokko befanden sich unter den Freigelassenen. Sie wurden mit einem Flugzeug nach Saudi-Arabien gebracht. Das dortige Außenministerium kündigte an, eine sichere Heimkehr der Freigelassenen zu gewährleisten.

Nach Russland wurden im Zuge des Austauschs 55 Militärs zurückgeschickt. Zudem soll der ukrainische Millionär Viktor Medwedtschuk nach Russland gebracht worden sein. Er gilt als enger Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin. In der Ukraine wurde er des Hochverrats und des versuchten Diebstahls von ukrainischen Rohstoffen beschuldigt.

Als Reaktion auf die Teilmobilisierung Russlands will die EU ihre Sanktionen gegen Russland weiter verschärfen, und zwar mit neuen sektorspezifischen und individuelle Maßnahmen. Außerdem werde die EU die Ukraine weiterhin mit mehr Waffen unterstützen. Allerdings gab es sofort Widerspruch aus dem EU-Land Ungarn. Außerdem werden zusätzliche Exportkontrollen für zivile Technologie vorgeschlagen, da Russland zu einer vollständigen Kriegswirtschaft übergeht. Ministerpräsident Viktor Orban allerdings forderte die Aufhebung der EU-Sanktionen spätestens bis Ende des Jahres. Orban meint, die EU-Sanktionen hätten die Gaspreise und die Inflation in die Höhe getrieben. Würden diese Maßnahmen aufgehoben, würden die Gaspreise sofort um 50 Prozent sinken und die Inflation würde ebenfalls zurückgehen (damit hat er aber das Narrativ von Putin aufgenommen). Zunächst muss nun die EU-Kommission Vorschläge für ein achtes Sanktionspaket vorlegen, bevor die Mitgliedstaaten der Gemeinschaft darüber einstimmig (?) entscheiden müssen. Die neuen EU-Sanktionen gegen Russland könnten auch einen Preisdeckel für russisches Öl umfassen. Daneben ist auch ein Diamanten-Embargo im Gespräch.

Russland führt auch einen Handelskrieg – einerseits gegen Europa als „Energiekrieg“, andererseits gegen arme Länder in Afrika – als „Weizenkrieg“. Putin versucht die Schuld an diesen Kriegen, den Europäern in die Schuhe zu schieben, indem er „die seitens des Westens verhängten Sanktionen“ als Verursacher aller dieser Krisen darzustellen versucht.

Und das zeigt gleich, dass Putin einen großflächigen Informationskrieg führt, indem er „alternative Facts“ (wie dies bereits unter Trump genannt wurde) verwendet, um es klar auszudrücken, er verdreht die Wahrheit und verbreitet schlichtweg Lügen. Die Gefahr darin besteht, dass diese von einer gewissen Zahl von Personen im Westen einfach geglaubt werden. Damit wird der Ukraine Krieg eine Bedrohung für „uns alle“, nämlich den gesamten Westen.

Wie es scheint, wird dieser Krieg nicht sehr bald zu Ende gehen können. Wie viele Tote und wieviel Zerstörung soll noch in Kauf genommen werden, bevor manche Politiker zur Vernunft kommen.

Die vielen Schichten dieses Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine, die EU und den Westen