Update zu Naschmarkt

Heute war ich angewiesen worden, etwas vom Naschmarkt zu besorgen. Ich nahm das zum Anlass, diesen wieder einmal zu besuchen – und in beide Richtungen zu durchqueren. Über den Naschmarkt – seine Lage und Geschichte – habe ich ja schon einmal geschrieben: „Der Naschmarkt beginnt noch immer bei der Bärenmühle“ (08.07.2017).

Dieser Markt, so scheint mir, ist noch orientalischer geworden, wo er denn „Markt“ ist. Über weite Teile ist er ja zur „Fressmeile“ geworden, es gibt jede Menge, jede Art Restaurant, Beisl, Wirtshaus dort. Mir scheint, dass jede in Wien vertretene Ethnie dort kocht. Und so riecht es auch. Man kann früh, mittags und abends dort essen.

Ich habe dort kaum „Wiener Hausfrauen“ (mit den berühmt-berüchtigten Einkaufswagerln) gesehen, aber viele, viele Touristen, teilweise mit Rollkoffern und Ähnlichem. Da kommen die älteren Damen mit ihren Walking Sticks vorbei, die Eltern mit ihren etwas gelangweilten Kindern. Gruppen, die diszipliniert zusammenbleiben und an denen kein Weg vorbeiführt. Fast alle photographieren, sie versuchen auch die Waren anzugreifen. Anderer schlendern wieder langsam durch.  Oft photogrpahieren sie die wenigen einkaufenden Wiener – und das mag ich gar nicht! Dies alles führt zu viel Gedränge in den doch weitgehend schmalen Wegen.  Und auch das Angebot richtet sich hauptsächlich an Touristen. Es gibt zwar die Kleiderstandeln, wie man sie sonst auf Kirtagen am Land sieht und auch sonstiges Krims Kram, aber hauptsächlich Esswaren. Es wird viel „zum Naschen“ angeboten, Trockenfrüchte, Nüsse jeglicher Art und es wird auch angenommen, meist ohne etwas einzukaufen.  Verständlich, der Markt heißt ja auch Naschmarkt.

Am oberen Ende, also bei der Kettenbrückengasse, gibt’s noch ein paar Obststandeln, einen wunderschönen Blumenstand und gleich gegenüber kann man jegliche Art Kräuter im Topf kaufen. Gemüse hab‘ ich kaum gesehen. Hier sind die Waren noch halbwegs preisgünstig, „unten“, also bei der Bärenmühle, da ist das Obst schon wesentlich teurer. Es gibt aber auch viele „spezielle“ Waren, die man oben z.B. nicht sieht. Neues findet man allemal: aufgefallen sind mir Trüffelerdäpfel – ich weiß nicht, was sie sind, außer schwarz. Hergerichtet ist es überall schön.

Ich hab‘ Ausschau gehalten, um meine alten Einkaufsquellen zu finden. Der Fleischhauer ist weg, es gibt aber einen, der hat schönes Lammfleisch. Mein Käsegeschäft mit dem großartigen Sortiment, das ist auch noch da.  Auch das Fischgeschäft, bei dem schon meine Mutter den Weihnachtskarpfen gekauft hat, ist noch an demselben Platz.

Wenn man als Wiener auf einem Markt einkaufen will, ist der Naschmarkt dafür sicher nicht der Beste. Gelobt werden z.B. der Karmelitermarkt, der Brunnenmarkt, der Viktor Adler Markt , der ist wiederum ein beliebtes Werbegelände für Politiker – und viele andere mehr.

Aber wesentlich ist halt auch die Erreichbarkeit! Für mich wäre der Naschmarkt nicht weit.

 

Update zu Naschmarkt

Stell‘ Dir vor, es geht das Licht aus

„Stell‘ Dir vor, es geht das Licht aus“, war ein Schlager aus dem Film „Hallo Dienstmann“, 1952. Und dort, im Lied,  ein wenig weiter: finster, finster, … oh wie wär‘ das schön.  Gesungen haben das Lied Paul Hörbiger und Maria Andergast (unvergessen für mich).

Ganz so schön dürften es die Menschen in Argentinien, Uruguay, in Teilen von Paraguay und Chile beim Blackout nicht gesehen haben.  Nur Feuerland war verschont geblieben.

Der Blackout begann um 7.07 Uhr Ortszeit, gut 50 Minuten vor Sonnenaufgang. In diesen Ländern hat gerade der Winter begonnen. 47 Millionen Menschen waren betroffen. Die Ursache der Havarie war zunächst noch unklar. Acht Stunden nach Beginn des Blackouts waren 56 Prozent der Kunden in Argentinien wieder an die Stromzufuhr angeschlossen. Aber das „Hochfahren“ dauerte dann doch noch mehrere Stunden.

Argentinien, wo im Herbst Präsidentschaftswahlen stattfinden, leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise. Die Infrastruktur gilt als marode. Lokale Stromausfälle sind häufig – allerdings eher in den Sommermonaten, wenn Klimaanlagen die Netze überlasten. Aber an diesem Tag standen in vier argentinischen Provinzen an diesem Tag Gouverneurswahlen an. Teilweise wurde der Beginn durch den Stromausfall verzögert.

Es wird berichtet, dass Züge seien abrupt gestoppt worden waren, und auch die Metro funktionierte nicht. Die Verkehrsampeln blieben aus. Man konnte nicht tanken. Die meisten Krankenhäuser konnten sich über Notstromanlagen versorgen.

Mich erinnert die Situation an den Inhalt eines Buches, das ich vor einiger Zeit gelesen hatte, nämlich „Blackout“, von Marc Elsberg. Darin wurde ein europäischer Blackout beschreiben, der sich über eine wesentlich längere Zeit erstreckte und letztlich zum Zusammenbruch des gesamten zivilen Systems führte. Damals legten viele von uns nach der Lektüre des Buches Vorräte, vor allem Wasser (halt in Plastikflaschen) an.

Wir alle sind schon sehr von der Verfügbarkeit von Strom abhängig. Es geht nicht nur um Licht (da haben wir schon Kerzen und Zünder zu Hause, vielleicht auch ein paar einsatzfähige Taschenlampen), es geht um all die Geräte, die wir im Einsatz haben: viele von uns kochen mit Strom, wir haben Kühl- und Gefrierschränke (deren Inhalt nach einiger Zeit aufzutauen beginnt), die Waschmaschinen funktionieren nicht mehr, sowie auch die Geschirrwaschmaschinen. Auf die Mixer und Staubsauger könnten wir ja vielleicht ein paar Tage verzichten … Bei uns wird mit Strom geheizt und gekühlt, nicht mehr überall kann man Fenster aufmachen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Geschäfte aufsperren, wenn ihre Kassen nicht funktionieren, Tankstellen sind ohnedies nicht benützbar, weil die Pumpen mit Strom betrieben werde.  Geld kann man letztlich auch nicht mehr abheben, weil die Geldausgabeautomaten nicht mehr funktionieren. Als das Buch geschrieben wurde, hatten Elektroautos noch nicht den Stellenwert, den sie heute haben. Jedenfalls könnte man E-Roller, E-Bikes und E-Autos nach kurzer Zeit nicht mehr verwenden (bei E-Rollern würde mich das gar nicht stören!!). Arbeitsplätze könnte man wahrscheinlich gar nicht mehr betreten, – wenn man sie überhaupt erreicht hätte – da die Türen automatisch (elektrisch) gesichert sind. Und die Computer, die wir für unser Leben als unerlässlich einschätzen, im geschäftlichen und privaten Leben, würden nach kurzer Zeit ebenfalls den Geist aufgeben. Ebenso könnten unsere Handys nicht mehr aufgeladen werden – auch die derzeit darüber abgewickelte Kommunikation würde ziemlich bald wegfallen.

Unsere Mobilität wäre gar nicht mehr gewährleistet. Autos, wenn nicht nachtgetankt (Benzin oder Strom) werden kann, wären alsbald nutzlos. Der öffentliche Verkehr, der ja auf Strom beruht, würde vollständig zum Stehen kommen: keine Bahn, keine Straßenbahn, keine städtischen Autobusse (fahren meist auf E-Basis), keine U-Bahn… Dann geht’s nur mehr zu Fuß oder auf dem Fahrrad.

Manche Einrichtungen – wie z.B. Spitäler – haben Notstromeinrichtungen. Aber diese funktionieren auch nur über eine begrenzte Zeitdauer, wenn z.B. kein Benzin nachgeliefert werden kann.

Vieles Selbstverständliche würde dann einfach plötzlich wegfallen. Sind wir – persönlich und staatlicherseits – gerüstet?

In Argentinien war zur Zeit des Stromausfalles Wochenende, wodurch doch viele nicht zur Arbeit mussten, man nicht davon ausging, unbedingt einkaufen gehen zu müssen.  Die Umstände, wieso es dazu kommen konnte, sind noch nicht ganz geklärt. Irgendwo habe ich gelesen, dass es auch ein Hacker Angriff gewesen sein könnte.

Wir sind sehr von der Verfügbarkeit des Stroms abhängig, ja, bei uns kommt ein großer Teil des Stroms (nein, nicht aus der Steckdose) sondern aus erneuerbaren Quellen. Dennoch sind wir Teil des europäischen Netzes und da kommt Strom auch aus Atomanlagen – und die sind bei Stromausfällen – über längere Dauer – doch wieder außerordentlich gefährdet. Und manche dieser Atomanlagen stehen recht nahe an den Grenzen zu Österreich.

Als das Lied „Stell‘ Dir vor, es geht das Licht aus“ populär wurde, war das Leben in Österreich und Europa noch ein ganz Anderes. Damals hat man vielleicht noch etwas ungestrafter sagen können: „finster, finster, … oh wie wär‘ das schön“.

Stell‘ Dir vor, es geht das Licht aus

Wichtiges und Unwichtiges zur Überreichung des Iffland-Ringes im Burgtheater

Wenn mich meine Freundin nicht vermittelt hätte …! Sie war es, die die Initiative ergriffen hatte und Zählkarten auch für mich für die Verleihung des Iffland-Rings an Jens Harzer geholt hatte. Ich hatte den Namen Jens Herzer das erste Mal gehört, als bekannt wurde, dass er den Iffland-Ring erhalten sollte (da ich nicht Salzburger-Festspiele-Besucher bin). Dann aber habe ich – wie üblich seit vielen Jahre die uralt-Sendung „Die holde Kunst“ gehört – und war von der Stimme des Sprechers absolut fasziniert: es war die von Jens Harzer.

Ich war eher neugierig auf die Veranstaltung, ich war bei so etwas noch nie dabei gewesen, obwohl ich die letzten drei Ausgezeichneten alle gesehen, gehört und bewundert hatte: Werner Krauß, Josef Meinrad und Bruno Ganz.

Dieser Ring hat eine etwas verworrenen Geschichte. Er ist Goldring mit Brillantsplittern und einem dunkelvioletten Halbedelstein (Firma Alexander Emanuel Köchert), in den die Züge des Schauspielers, Theaterdirektors und Dramatikers August Wilhelm Iffland eingraviert sind. Der jeweiligen Träger bestimmt testamentarisch den nachfolgenden Empfänger des Iffland-Rings. Angeblich wurden ursprünglich sieben dieser Ringe erstellt, aber nur einer hat Brillantensplitter um den Halbedelstein. Der ring ist klein, und passt selten auf die Finger der Schauspieler.

Die Übergabe war eine schöne Zeremonie, die von Karin Bergmann eingeleitet wurde, die davon sprach, dass dies der krönende Augenblick ihrer Burgtheaterkarriere wäre, sie aber liebe Bruno Ganz gewünscht hätte, länger zu leben. Ganz voll war das Burgtheater nicht, aber man sah Österreichs politische Kulturprominenz fast vollständig versammelt im Publikum. Dann wurden eher kurze Ausschnitte von Stücken (Ithaka, Die schönen Tage von Aranjuez, Die eine und die andere, Amphitryon, Cyrano der Bergerac, Immer noch Sturm, Onkel Wanja, Jedermann, Der Schimmelreiter, Penthesilea, Fountainhead) projiziert, in denen Jens Harzer an verschiedenen Theatern gespielt hatte. Dabei konnte man seine Vielseitigkeit und wunderbare Sprache bewundern.

Dann sprach Peter Handke über die Faszination des Schauspielberufes – eben, so wie Handke immer spricht, langsam, bedächtig, mit bedeutungsvollen Pausen, man hört ihm gerne zu. Interessant für mich war Johan Simons, der mit Harzer als Regisseur gearbeitet hatte. Er ist ein niederländischer Theater- und Opernregisseur und Intendant. Mit der Spielzeit 2018/2019 ist er Intendant des Schauspielhauses Bochum. Er versuchte, die Art der Zusammenarbeit zwischen Schauspieler und Regisseur zu erklären – mich hat gerührt, wie er gemeint hat, „Jeder Diamant sei dir gegönnt.“, sich auf die Brillantsplitter des Ringes beziehend.

Dann trat Jörg Widman auf, der eine Fantasie für Klarinette solo vortrug. Es war wirklich sehr virtuos vorgetragen – aber die Musik war teilweise so gar nicht nach meinem Geschmack. Der neue Interims-Bundesminister für EU, Kunst, Kultur und Medien überraschte mich positiv, als er seine neue Rolle als Kulturverantwortlicher, mit klaren Worten sehr gut vorgetragen, erläuterte.

Der absolute Höhepunkt für mich war dann allerdings Jens Harzer selbst, der Johann Peter Hebels „Unverhofftes Wiedersehen“ vortrug. Und wie er es vortrug, wir alle hingen an seinen Lippen, absolute Stille herrschte im Theater. Man bedauerte, dass dieser Vortrag nur so kurz gewesen war – und alle hoffen wohl, dass Jens Harzer recht oft in Wien zu sehen und hören sein wird. Dann allerdings brauste donnernder, langanhaltender Applaus los. Noch einmal traten alle Beteiligten dieser Veranstaltung auf die Bühne.

Kleiner Vorfall am Ende: als Jens Harzer die Bühne verließ, schüttelte er das Schächtelchen, in dem der Ring sein sollte – und nicht mehr war. Ein Herr hinter uns sprach von bösem Omen (finde ich gar nicht), aber nachdem Karin Bergmann die Suche in Angriff genommen hatte, wurde der Ring alsbald von einer Dame auf dem Boden vor der ersten Reihe gefunden, und dem Träger des Iffland Ringes, diesmal recht unzeremoniell überreicht.

Möge Jens Harzer diesen Ring lange tragen!

 

 

Wichtiges und Unwichtiges zur Überreichung des Iffland-Ringes im Burgtheater

Die Schweizerinnen streiken – für uns alle!

Aber machen sie es richtig?

Die Schweizerinnen haben sich solidarisiert, sie haben gestreikt. Überall in der Schweiz legten Frauen die Arbeit nieder, um für gerechte Löhne, bessere Bedingungen für Familien und ein Ende sexistischer Gewalt zu demonstrieren. Selbst das Parlament machte mit, zumindest für eine Viertelstunde: Die Präsidentin des Nationalrats ordnete um elf Uhr eine 15-minütige Sitzungspause an – auch wenn die Rechtspopulisten Einspruch erhoben. Wie denn anders, kamen sie mit ihren Kindern – sie schoben Kinderwage, auch Schwangere sind dabei.  Viele trugen rosa und lila Shirts. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift: „Schluss mit gratis“ oder „lieber gleich-berechtigt als später arm“. Manche Befragte meinen, dass das Leben immer noch auf den Mann ausgerichtet sei. Aber manche jungen Männer standen am Rand der Demonstration – und hüteten die Kinder, während die Mütter streikten.

Es ist ein landesweiter Streik, bei dem de Arbeit ganz oder teilweise niedergelegt wurde. Das Datum 14. Juni geht auf 1981 zurück, als das Schweizer Volk der Gleichstellung von Mann und Frau in der Verfassung zustimmte. Schon 1991 waren Hunderttausende Schweizerinnen auf die Straße gegangen, um für Gleichberechtigung zu kämpfen. Heute meinen viele, es habe sich zu wenig getan – seither. Dieser jetzige Streik ist nicht ganz so spontan, wie er wirkt:  seit etwa einem Jahr mobilisieren linke Gruppen und Gewerkschaften für diesen Tag, in fast allen Kantonen haben Streikkomitees Aktionen auf die Beine gestellt. Selbst Polizistinnen zeigten sich solidarisch und trugen rosa oder lila Bändchen.  Es gab z.B.  Streikpicknicks, selbstverständlich aber auch Straßenblockaden. Es waren mehr als eine halbe Million Frauen, die an den Streiks teilgenommen habe. Es ist die „größte politische Aktion seit dem Generalstreik 1918“ – so ordnete der Schweizerische Gewerkschaftsbund SGB den zweiten Frauenstreik in der Schweizer Geschichte ein.

Gesetzlich ist zwar alles ordnungsgemäß geregelt, es gibt Gleichstellungsgesetze – doch die Lohngleichheit ist noch lange nicht erreicht, und das und vieles mehrt wollen die Frauen sich nicht mehr länger bieten lassen.

Ist die Situation in anderen Ländern besser? Sollten wir nach neuer Diktion nicht alle laut rufen „ich bin Schweizerin“?

Aber ist ein Streik das angemessene Mittel? Ich unterstütze diesen Streik, ich nehme ihn ernst. Diese anstehenden Probleme müssen nachhaltig und angemessen gelöst werden. Altersarmut von Frauen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, ist unerträglich. Grundlegende Verbesserungen sind rasch umzusetzen. Denn – was wird sich jetzt – auf Grund des Streiks ändern?  Ich weiß auch, dass gesellschaftliche Änderungen nur in (kleinen) Schritten erfolgen können. Aber sie sollten möglichst rasch gesetzt werden – überall! Und die rechten Parteien wehren sich dagegen. Überall, und es gibt Länder, die werden von Rechten dominiert. Es ist Trump z.B., der gewählt wurde, trotz seines veröffentlichten Ausspruchs „Grab them by the pussy“.

Ich glaube unsere Vorfahrinnen haben effektivere Mittel ersonnen, um Männer ihre Meinung eindeutig zu zeigen. Der griechische Dichter Aristophanes hat eine Komödie darübergeschrieben.  Sie wurde Frühjahr 411 v. Chr. – im zwanzigsten Jahr des Peloponnesischen Krieges (zwischen dem von Athen geführten Attischen Seebund und dem Peloponnesischen Bund unter seiner Führungsmacht Sparta)  bei den Lenäen (Festspiele zu Ehren des Gottes Dionysos) – zur Aufführung gebracht. Nur kurz zum Inhalt: Das Stück thematisiert den Kampf einiger Frauen gegen die Männer als Verursacher von Krieg und die damit verbundenen Leiden. Getragen von dieser Erkenntnis verschwören sich die Frauen Athens und Spartas, um den Frieden zu erzwingen. Sie besetzen unter Führung der Titelheldin Lysistrata die Akropolis und verweigern sich fortan ihren Gatten sexuell. In Sparta veranlasst Lampito Gleiches. Nach einigen Verwicklungen und Rückfällen – mehrfach versuchen liebestolle Frauen, die Burg in Richtung der Männer zu verlassen, oder die erbosten Herren versuchen, die Burg zu erstürmen – führt der Liebesentzug tatsächlich zum Erfolg.

Ob diese Methode heute noch einen derartigen Erfolg brächte?

Die Schweizerinnen streiken – für uns alle!

Ein etwas überraschender Besuch bei einem Kultursalon

Manchmal ist es schon spannend, in welche Art von Veranstaltung ich so schneie. Ich wurde zu dem Kultursalon # 3 eingeladen.

Das kam so: vor Jahren, als ich noch Bücher schrieb, suchte ich ein Cover für eines dieser Bücher. Und da stieß ich über die Zeitung „die Presse“ auf einen Künstler, dessen Holzschnitte die Zeitung verwendet hatte. Ich suchte den Kontakt mit ihm, traf ihn auch – und wir hatten einen Plan, wie es gehen könnte. Leider war der Verlag anderer Meinung und es wurde ein anderer Cover (schade eigentlich).

Aber dieser Künstler sendet mir regelmäßig Einladungen zu seinen Ausstellungen, informierte über Erscheinen von Büchern etc.

Nun übermittelte mir jener Künstler, nämlich Lukas Pusch eine Einladung zu einem Kultursalon – in seinem Atelier. Ich meldete mich an – aber ich fand die Adresse nicht: Das Atelier liegt in einer Gasse, die um die Ecke geht. Das hab‘ ich irgendwie nicht ganz so vermutet und ging eher wütend nach Hause. Ich giftete mich sehr ob meiner Dummheit und bat daher zu weiteren Veranstaltungen dieser Art eingeladen zu werden. Was dann auch dankenswerter Weise geschah. Während des Zweiten Kultursalons, die immer in Ateliers von Künstlern stattfinden, war ich außer Landes.

Aber gestern, beim dritten klappte Mal es endlich – obwohl ich zugeben muss, dass mich die Einladung schon etwas stutzig gemacht hat. Einerseits: der Ort der Veranstaltung war das Atelier der Performance- und Installationskünstlerin Barbara Ungepflegt. Diese Dame stellte sich auch in ihrer Funktion als Heimatschutzministerin vor. Sie setzt sich mit Zwischenräumen und Utopien in der Öffentlichkeit auseinander (sehr viel konnte ich mir Banause darunter noch nicht vorstellen – auch nachdem ich das Atelier gesehen hatte, lichtete sich der diesbezügliche Schleier nicht).  Der Veranstaltungsort nennt sich Zentrale und liegt im achten Bezirk. Bein Hingehen konnte ich die Gründerzeit Häuser (?) betrachten – rund um den Benno- und Albertplatz. Auf Reisen würde ich derartige Häuser wohl als Sehenswürdigkeit einordnen.

Die einladende Dame ist jung und fesch. Dort – in der Zentrale –  jedenfalls bekam man gleich einen G’spritzten und es stand allerhand Essbares herum. Einige jüngere Leute waren schon anwesend, man stellte sich mit Vornamen vor und war sogleich per Du. Einige wenige Ältere waren benahmen sich etwas formeller. Manche schienen einander zu kennen. Man ließ sich auf bereit gestellten Sesseln nieder und wartete auf den Einladenden, Sepp Schellhorn. Eine etwas kulturbeflissene Dame versuchte schon vor weg Fragen zum Thema zu klären. (Gemein wie ich bin, unterstellte ich ihr, mit dem – sich später als Kulturmanager herausstellenden seriös wirkenden Herrn, anbandeln zu wollen). Das Thema der Diskussion sollte laut Einladung folgendes sein: „im eigenen Saft (frei nach Sigmund Freud: „Das Ich ist nicht Herr im eigenen Saft“)  – außerdem wollen wir der Frage nachgehen, warum es in Österreich keine kulturpolitischen Visionen mehr gibt.“

Eigentlich konnte ich nur mit dem zweiten Teil dieses Themas etwas anfangen, obwohl ich keine Ahnung habe, ob irgendwer nicht doch kulturpolitische Visionen (an sich schon ein belasteter Begriff) in diesem Land hat oder nicht.

Die Diskussion nahm einen – für mich etwas – chaotischen Verlauf. Die Mehrzahl der Anwesenden schienen in irgendeiner Weise auf dem Sektor der Bildenden Kunst tätig zu sein – entweder als Manager oder als Schaffender. Ich schien eigentlich die einzige “nur Kulturkonsumierende“ gewesen zu sein. Ich konnte noch nachvollziehen, dass die Museumslandschaft zu wenig strukturiert ist, weil jeder Museumsdirektor „Blockbuster-Ausstellungen“ durchführen will, ohne auf seinen Auftrag zu achten. Ich sehe es auch so, dass die „österreichische Kultur“ für den Fremdenverkehr wichtig ist, aber nicht nur dafür da sein sollte. Als aber dann eine Diskussion über Galerien und Künstler – Teilung der Kosten und Honorare – begonnen wurde, habe ich eine Themenverfehlung angenommen. Aber andererseits, ich bin ja nicht der Diskussionsleiter. Darüber wurde mit Leidenschaft gestritten. Man war sich überhaupt nicht einig, wie London (eher nicht Paris) das Problem der modernen Kunst im Vergleich zu Österreich löst (wenn ich da alles richtig verstanden habe). Dabei fingen einzelne Teilnehmer an, sich in den Hof zu begeben, oder im Nebenzimmer fernzusehen. Eigentlich wäre ich da schon gerne nach Hause gegangen, aber ich saß sehr ungünstig und konnte nicht abtröpfeln. Als ich dann die hohen Subventionen für die Staatstheater einwarf, fand man allgemein, dass dieses Geld völlig gerechtfertigt wäre, besonders weil die Subventionen seit dem Jahre Schnee nicht valorisiert worden wären, während die Gehälter der Angestellten, regelmäßigen angepasst werden. Man einigte sich, dass eine regelmäßige Valorisierung erforderlich wäre.

Einige meinten noch, dass der Kulturbegriff – national (?) – europäisch zu sein hätte – aber nicht rechts. Es wurde auch noch eingeworfen, dass man Volkskultur nicht vergessen sollte, ohne spezifisch zu werden. Auch die Rolle des Staates wurde beklagt und als zu bürokratisch (hofrätlich) dargestellt – aber wo sind die großen Mäzene in Ösgerreich?

Man begann während der restlichen, sich etwas dahinschleppenden Diskussion zu essen, (warum müssen Jourweckerln immer zach sein?).

Um ¾ 10 dankte der „Vorsitzende“ den Anwesenden und der Ateliersbesitzerin, die inzwischen wieder aufgetaucht war, und meinte, er hätte viele Anregungen erhalten. Naja?

Ich jedenfalls habe das alles sehr interessiert – als Außenseiter – betrachtet, aber ich werde diese Art Kultursalon nicht wieder besuchen (Achtung: sag‘ niemals nie).

Ein etwas überraschender Besuch bei einem Kultursalon

Oh Israel!

Wenn wir über Probleme in Israel hören, denken wir hier sehr oft an die Probleme mit den Palästinensern – im Land selbst, im Westjordanland und besonders in Gaza.

Aber derzeit scheint es, dass die Probleme im Land – unter den Juden -selbst liegen. Vor nicht allzu langer Zeit gab es eine Wahl, der designierte Premier – Benjamin Netanjahu – sollte einer Regierung bilden, er schaffte es nicht. Somit wird zum zweiten Mal binnen eines halben Jahres wahrscheinlich am 17. September in Israel ein neues Parlament gewählt werden. Es war dem rechtskonservativen Regierungschef Benjamin Netanjahu nicht gelungen, innerhalb einer Frist von sechs Wochen die notwendige Mehrheit zu sichern.

Der liberale Block, angeführt von der sozialdemokratischen Awoda und der nationalkonservative Block mit dem Likud, konnten bei den Wahlen nahezu gleich viele Wähler von sich überzeugen. Neben diesen beiden Blöcken existieren die politische Allianz Vereinigtes Thora-Judentum und die Schas-Partei als Vertreter der ultraorthodoxen Gemeinschaft. Zusammen haben sie ungefähr zehn Prozent der Wahlbevölkerung auf ihrer Seite. Im Schmieden von Koalitionen waren sie ironischerweise immer sehr flexibel und verhalfen dem Meistbietenden zur Macht. „Das macht die Ultraorthodoxen so ultramächtig. Sie sind die Königsmacher von Israel, an ihnen führt kein Weg mehr vorbei.“

Bei der Wahl am 9. April 2019 hatte Netanjahus rechtskonservativer Likud 35 von 120 Sitzen erhalten, genau so viele wie das Oppositionsbündnis der Mitte von Ex-Militärchef Benny Gantz. Insgesamt hat das Lager rechter und religiöser Parteien aber eine Mehrheit. Jedoch stritten die möglichen Koalitionspartner des Likuds vor allem über ein Gesetz, das schrittweise mehr strengreligiöse Männer zum Wehrdienst verpflichten soll. Der ultra-rechte Ex-Verteidigungsminister Avigdor Lieberman legt sich quer.

Dieser geforderte Wehrdienst strengreligiöser Männer spaltet das Land. Lieberman pocht darauf, dass sich strengreligiöse Juden stärker an den Kosten und Pflichten des Allgemeinwesens in Israel beteiligen. Doch wie so oft unterschätzte man den Einfluss der zwei ultraorthodoxen Gruppen Vereinigtes Thora-Judentum und Schas-Partei, die auch in der früheren Regierung Netanjahus drei Ministerposten besetzt hatten. Da die Agenda der beiden kaum über die Einhaltung des Sabbats und das Recht auf Wehrdienstverweigerung hinausgeht, sahen sie sich in ihrer Existenz bedroht. Man rief die Gemeinschaft zum Widerstand auf und mobilisierte gegen das Gesetz. Eine massive Protestwelle erfasste das Land und bescherte dem Kampf der Haredim die gewünschte mediale Aufmerksamkeit.

Hilfe für Netanjahu war zwar aus den USA gekommen – Trump wünschte am Montag auf Twitter, dass die Regierungsbildung noch erfolgreich verlaufen werde. „Hoffe, (…) Bibi und ich können weiter die Allianz zwischen Israel und Amerika stärker als jemals zuvor machen“, schrieb Trump. Bibi ist der Spitzname Netanjahus. Ein Oppositionspolitiker kritisierte die Aussage laut dem israelischen Fernsehen als Einmischung in die Innenpolitik des Landes.

Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner sowie der amerikanische Unterhändler Jason Greenblatt kamen inmitten der Politkrise in Israel an. Sie wollten nach Medienberichten bei Gesprächen um Unterstützung für den lange erwarteten amerikanischen Friedensplan für den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern werben. Ende Juni 2019 soll als erster Teil des Plans eine Konferenz für wirtschaftliche Investitionen in den Palästinensergebieten in Bahrain stattfinden. Die Palästinenser lehnen diese Konferenz aber ab. Sie verlangen eine politische Lösung des Nahost-Konflikts und ein Ende der israelischen Besatzung. Unklar war, ob bei einer abermaligen Wahl in Israel die Präsentation des lange erwarteten Friedensplans wieder verschoben werden könnte.

Aber warum geht es bei diesem innerisraelischen Konflikt? Ultraorthodoxe erwarten wie alle Juden die Ankunft des Messias. Doch kann für sie nur Er das „Heilige Land“ erlösen. Die Errichtung eines säkularen Staates Israel als Heimstätte der Jüdinnen und Juden sei ein Akt der Gotteslästerung und widerspreche der gottgewollten Bürde des Exils, in dem Juden zu leben haben. Daher ist es für sie auch unmöglich, Militärdienst zu leisten. Anhänger des Chassidismus, einer Untergruppe der ultraorthodoxen Gemeinschaft, tragen die Tracht der osteuropäischen Juden des 18. Jahrhunderts und sprechen ihren alten Dialekt, Jiddisch. Das Leben, das diese unnahbare Gruppe führt, ist mit der modernen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts schwer zu vereinbaren. 70 Prozent der Haredim, wie die ultraorthodoxen Männer hier genannt werden, leben von staatlichen Geldern.

Viele dieser Männer gehen keiner typischen Lohnarbeit nach – sie verrichten im Auftrag ihrer Gemeinschaft das Werk Gottes. Meist haben sie große Familien mit vielen Kindern.  Vertreter der ultraorthodoxen Gemeinschaft wollen ihr Recht verteidigen, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Die Haredim widmen ihr ganzes Leben dem Studium der Thora und des Talmuds in selbstverwalteten Schulen, den sogenannten Jeschiwas. Naturwissenschaften oder andere weltliche Studien haben in diesen keinen Platz. Der dreijährige Militärdienst würde das Ende dieser abgeschotteten, rein religiösen Bildung bedeuten. Es ist unvorstellbar für die Männer aus unserer Gemeinschaft in dieser Institution – Militär – zu dienen.

Seit der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 beschäftigt die Frage des Militärdienstes für Ultraorthodoxe die Politik. Eine Debatte, die meistens hochemotional geführt wird, denn kaum eine Institution ist so identitätsstiftend für den Staat Israel wie die Armee. Durch den verpflichtenden dreijährigen Militärdienst für jüdische Männer und 21 Monate für jüdische Frauen hat die Armee eine starke Verankerung in der Gesellschaft und das über die politischen Gräben hinweg. Während sich die sozialistischen Zionisten mit dieser Volksarmee der arbeitenden Klasse identifizierten, sahen viele Religiöse in den israelischen Verteidigungsstreitkräften erstmals einen Garanten um in Sicherheit ihre religiösen Praxen ausüben zu können. Allen Juden im Land wurde eine Projektionsfläche für ihre Wünsche geboten und die Wehrpflicht zu einer wichtigen Säule des Zusammenlebens in Israel. Für alle, bis auf die Gemeinschaft der Ultraorthodoxen.

Der allgegenwärtige Staatsgründer David Ben Gurion gewährte den Thora-Schülern, sich vom Militärdienst aus religiösen Gründen freistellen zu lassen. Der säkulare Sozialdemokrat konnte jedoch nicht ahnen, dass die damals wenigen hundert Gläubigen eines Tages zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen würden. Nach jahrzehntelanger Uneinigkeit beschloss der Oberste Gerichtshof im Jahr 2012, dass die Ausnahmeregelung für die Haredim gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoße und damit verfassungswidrig sei. Ab 2017 wollte man die Gemeinschaft nun endgültig in die Streitkräfte mit einbeziehen.

Aber es ist noch immer ein Streit, der von beiden Seiten mit Vehemenz geführt wird.

 

 

 

 

Oh Israel!

Haben wir wirklich Grund zum Lachen?

Wir lachen gerne in meiner Familie. Ich glaube, dass das ein Erbe meines Mannes ist, der oft und fröhlich laut lachen konnte. Mein Mann hat dazu sogar ein Buch geschrieben, Ironimus (Gustav Peichl) hat es illustriert, es ist 2000 erschienen.  Es ist auch sein Lachen, das mir besonders abgeht. Denn allein, da lacht man kaum.

Wir lachen nicht verhalten. Wir brauchen keine Witze, um lachen zu können, wir lachen über uns selbst und übereinander. In Österreich sagt man zu solchen Menschen Lachwurzen – das sind wir aber lieber als Grantscherben. Bei uns – in der deutschen Sprache und in den mittleren Breiten – lacht auch die Sonne. Im Moment, vielleicht ein bisserl zu viel, aber keine Angst, der nächste Regen kommt schon, und dann werden wir wieder alle darüber klagen.

Aber haben wir wirklich gut lachen?  Na eigentlich schon! Wir haben eine politische Krise hinter uns, die – dank unserem Herrn Bundespräsidenten – gut ausgegangen ist. Wir haben eine stabile Übergangsregierung, ein sehr aktives Parlament und eine Verwaltung, die weiter funktioniert. Wir leben in einem noch recht friedlichen Europa, das daran geht auf demokratischem Weg seine Spitzenpolitiker zu bestellen.  Das wäre doch zum Lachen, wenn wir da nicht zufrieden wären.

Wir alle – insbesondere die Kinder – haben fröhliche Ferien vor uns, der erwartete grausliche Wahlkampf wird erst im September beginnen und damit nicht lang dauern. Hinterher werden sich alle „zusammenraufen“ und hoffentlich wird keiner in den Keller gehen müssen, um zu lachen.

Ja, es vergeht uns zuweilen, das Lachen: manche von uns denken an den Brexit und die Wahl des Parteivorsitzenden der Tories – und da es scheint, dass es Boris Johnson werden wird, werden weder die Menschen in Großbritannien noch wir „Resteuropäer“ viel zu lachen haben. Und Boris Johnson ist nicht die einzige Lachnummer. Auch mit Mateo Salvini werden wir alle miteinander nichts zu lachen haben. Italien, mit ihm an der Spitze könnte eine große Gefahr für uns Europäer werden. Auch mit Viktor Orban können wir nicht sicher sein, wer dann zuletzt lacht. Wird Recep Tayyip Erdogan in der Frage des EU Beitritts vielleicht gar der lachende Dritte sein?

Vielleicht lacht sich „unser Donald“ jetzt ins Fäustchen, dass er den Iranern den Angriff auf die zwei Tanker anhängen kann, aber wer zuletzt lacht, lacht dann wohl am besten, wer wird das in dieser Causa wohl sein?  Es wäre doch wohl auch gelacht, wenn Philippa Strache in den Nationalrat und H.C. Strache in den Wiener Landtag käme. Aber Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Können wir noch immer lachen, auch wenn wir Angst haben, „lachen wir dann die Angst weg“?  Lieber lachen, als sich fürchten! Denn Lachen, das wissen wir ja, ist allemal gesund, und wer nicht mehr lachen kann, der hat sich wohl selbst aufgegeben. Vielleicht könnte bei Gelegenheit die Cliniclowns zu Regierungssitzungen oder ins Parlament eingeladen werden?

Erinnern Sie sich an das Osterlachen? bezeichnet den Brauch, in der Predigt zu Ostern die Teilnehmer an einem Gottesdienst zum Lachen zu bringen. Grundanliegen des Osterlachens war es, die Osterfreude zum Ausdruck zu bringen. Es sollte die Überlegenheit und der Sieg über den Tod symbolisiert werden, der sich an Christus „verschluckt“ hat und der Lächerlichkeit preisgegeben ist. Das Osterlachen war auch eine Art, in lustiger Form Kritik an der weltlichen oder kirchlichen Obrigkeit zu üben. Als exemplarisch dürfte der Predigtstil des Wiener Hofpredigers Abraham a Sancta Clara (1644 – 1709) gelten. Vielleicht könnte so manchen weltliche Potentat von ihm lernen?

Erlauben Sie mir, zu diesem Thema ein Gedicht von Wilhelm Busch zu zitieren:

Ein Philosoph von ernster Art,

Der sprach und strich sich seinen Bart:

»Ich lache nie. Ich lieb‘ es nicht,

Mein ehrenwertes Angesicht

Durch Zähnefletschen zu entstellen

Und närrisch wie ein Hund zu bellen;

Ich lieb‘ es nicht, durch ein Gemecker

Zu zeigen, daß ich Witzentdecker;

Ich brauche nicht durch Wertvergleichen

Mit andern mich herauszustreichen,

Um zu ermessen, was ich bin,

Denn dieses weiß ich ohnehin.

Das Lachen will ich überlassen

Den minder hochbegabten Klassen.

Ist einer ohne Selbstvertraun

In Gegenwart von schönen Fraun,

So daß sie ihn als faden Gecken

Abfahren lassen oder necken,

Und fühlt er drob geheimen Groll

Und weiß nicht, was er sagen soll,

Dann schwebt mit Recht auf seinen Zügen

Ein unaussprechliches Vergnügen.

Und hat er Kursverlust erlitten,

Ist er moralisch ausgeglitten,

So gibt es Leute, die doch immer

Noch dümmer sind als er und schlimmer.

Und hat er etwa krumme Beine,

So gibt’s noch krümmere als seine.

Und tröstet sich und lacht darüber

Und denkt: Da bin ich mir doch lieber.

Den Teufel lass‘ ich aus dem Spiele.

Auch sonst noch lachen ihrer viele,

Besonders jene ewig Heitern,

Die unbewußt den Mund erweitern,

Die, sozusagen, auserkoren

Zum Lachen bis an beide Ohren.

Sie freuen sich mit Weib und Kind

Schon bloß, weil sie vorhanden sind.

Ich dahingegen, der ich sitze

Auf der Betrachtung höchster Spitze,

Weit über allem Was und Wie,

Ich bin für mich und lache nie.«

 

Vielleicht konnten Sie ein wenig lächeln oder sogar lachen – das wäre dann heute mein Erfolg

 

Haben wir wirklich Grund zum Lachen?