R.I.P. M! – Eine Reflexion

Ihr Ableben wurde mir nicht mitgeteilt, ich habe davon zufälligerweise gehört. Daher war ich weder beim Begräbnis noch bei der Seelenmesse. Aber als ich von M.s Ableben gehört habe, habe ich doch über die Gemeinsamkeiten und Differenzen in unseren Leben nachgedacht.

Wir wurden in demselben Jahr geboren. Wir lernten einander wärend unserer Volksschulzeit kennen, obwohl wir nicht in dieselbe Volksschule gingen. Aber wir besuchten beide die „Turnstunde“ in der Schwarzspanierstraße. Für mich war es eine Vorbereitung für die Aufnahmsprüfung in Gymnasium, denn in der Nazizeit musste man auch Turnen können, um ins Gymnasium zu kommen, vor allem Klettern wurde angeblich geprüft und zwar nicht nur mithilfe einer Stange sondern eines Seils.  Wenn diese Prüfung wirklich stattgefunden hätte (ausgefallen, aufgrund des Endes des zweiten Weltkriegs), hätte ich die Aufnahmsprüfung (wie ein Mehlsack an einem Seil hängend) wahrscheinlich nicht bestanden. Jedenfalls bei der Turnstunde saßen die Mütter am Rande des Geschehens im Turnsaal.

Wir trafen einander wieder im Mädchenrealgymnasium Wien XIX, Billrothstraße, acht Jahre lang teilten wir die Beschwernisse der damaligen Schulzeit. Wir hatten keine Bücher, erst in der Oberstufe gab es das erste „Lesebuch“. Die Klassenzimmer waren anfangs ziemlich kalt, denn die Schule bestand aus einer Villa, einem intern adaptierten Zinshaus und einem Gartentrakt – allerdings auch einen riesigen Sportplatz und wunderschönen Garten. Die Mehrzahl unserer Lehrerinnen war eher alt, da die jüngeren zumeist „bei der Partei“ (Nationalsozialisten) gewesen waren, und daher nicht unterrichten durften. M. konnte sehr gut singen, im Gegensatz zu mir, die ich den Ton nicht halten konnte.

M.s Vater arbeitete in hoher Position in einem Ministerium, das für Zuteilung von „Materialien“ zuständig war, auch an Schulen. M. wurde daher von der Mehrzahl der Lehrerinnen mit „Glace-Handschuhen“ behandelt, was mich – als gerechtigkeitsbewusstes Kind natürlich ärgerte. Sie war aber nicht die einzige in der Klasse, die einen prominenten Vater hatte. Die meisten – nicht alle – dieser „Bonzen-Kinder“ schlossen sich dann auch in einer kleinen recht exklusiven „Clique“ zusammen. Natürlich gehörte ich nicht dazu. Im Gegenteil, manche Mitglieder der Clique machten sich lustig über mich. Z.B. ich hatte ein paar pelzgefütterte Fäustlinge, (das Fell stammte von meinem Hasen, den ich zum Geburtstag bekommen hatte und der im Herbst unseren Speisezettel aufbesserte) auf die ich sehr stolz war. Sie wurden in der Schule von anderen (Clique) geschnappt, die einander die Handschuhe zuwarfen, dass ich sie nicht erwischen konnte. Ich war verzweifelt, was würde ich zu Hause sagen, ohne die kostbaren Fäustlinge – damals halt „wertvoll“ – dort anzukommen.

Allerdings gab es eine Lehrerin, die einzelne Schülerinnen – nicht nach der Qualität ihrer Väter – sondern – ich nehme an, nach ihrem eigenen Potential auswählte und in einen Kreis außerhalb der Schule zusammenbrachte (ob das „erzieherisch wertvoll war, kann ich auch jetzt nicht sagen). Wie ich lang nachher erkannte, ging es dabei um „Neuland Prinzipien“ (Bund Neuland: österreichischer Verein, der 1919 als „Christlich-deutscher Studentenbund“ gegründet wurde. Er ging aus der katholischen Jugendbewegung hervor.). Ich war damals froh, auch irgendwo dazu zugehören.  Aber dann bot die Mutter von M. ihre große Wohnung als Treffpunkt samt Bewirtung für diesen Kreis an, und M. stand schon wieder im Mittelpunkt … (Niemand anderer konnte eine Gruppe Mädchen bewirten – damals)

Später, schon in der Oberstufe, bewarb ich mich für ein Stipendium in den USA. Dazu musste man eine Prüfung ablegen, von der ich wusste, dass Fragen zu „Österreich“ gestellt wurden. Ich bereitete mich darauf vor, auch indem ich es mit Englisch in der Schule sehr genau nahm. M. lachte mich ob meines Eifers aus und meinte, wenn ihr Vater bei den Amerikanern anriefe, bekäme sie sofort dieses Stipendium … Ich war wiederum verunsichert. Aber ich bekam letztendlich dieses Stipendium.

Knapp vor der Matura kam es zu Beratungen der Schülerinnen, betreffend deren beruflichen Fähigkeiten. Ich kann mich nicht erinnern, was man mir geraten hat, aber M. prahlte wiederum, dass sie ob ihrer Rhetorik eine hervorragende Anwältin werden könnte.

Naja, das war nicht das Ende, bei den Klassentreffen, noch während des Studiums, während ich mit den Klausuren kämpfte, meinte sie, wie leicht ihr das Studium (Jus) fiele, und sie ohnedies nur an die Universität ginge, um „den richtigen“ Mann zu finden.

Wahrscheinlich war bei mir immer ein wenig (oder auch mehr) Neid dabei gewesen, wie gerne wäre ich so selbstsicher, so populär gewesen, wie sie. (Um diese Selbstsicherheit hatte ich lange im Leben kämpfen müssen und sie erst sehr spät gewonnen).

M. hat den richtigen Mann gefunden, der die richtige Karriere machte, sie war im eine gute, „richtige“ Frau, sie hatte mehrere später sehr erfolgreiche Kinder – aber das Schicksal hat auch ihr letztendlich nichts erspart.

Vielleicht hätte ich bei einem unserer letzten Klassentreffen mit ihr reden sollen, aber noch lange hat sie mich mit ihren Prahlereien über ihr Leben irritiert, das ich ihr nicht einmal mehr neidete. Vielleicht war auch sie unsicher und hat diese Prahlereien gebraucht?

Jetzt ist sie mir voraus gegangen!

R.I.P. M! – Eine Reflexion

Eine Stadt vieler Schlachten: Charkiw im Nordosten der Ukraine

Am 17. Mai 1942 (heute vor 80 Jahren): In der Zweiten Schlacht bei Charkow im Krieg gegen die Sowjetunion trifft die deutsche Wehrmacht mit verbündeten rumänischen Truppen zusammen und beginnt mit einer Gegenoffensive gegen die Rote Armee. Die Schlacht dauert bis zum 28. Mai und wird eine der letzten erfolgreichen Kesselschlachten der Wehrmacht sein.

Und heute:  Die ukrainische Armee hat offenbar weitere Geländegewinne in der Region um die Millionenstadt Charkiw im Nordosten der Ukraine erzielt. Soldaten der 127. Brigade hätten „die Russen vertrieben und die Staatsgrenze zurückerobert“, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Aber die Versorgungslage für die Bevölkerung der Stadt spitzt sich zu, wird berichtet.

Charkiw (russisch Charkow) ist nach Kiew mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Mit 42 Universitäten und Hochschulen ist sie das nach Kiew bedeutendste Wissenschafts- und Bildungszentrum des Landes. Die Stadt ist auch ein Industriezentrum (Elektro-, Nahrungsmittel-, chemische Industrie; Maschinen- und Schienenfahrzeugbau), mit sechs Theatern und sechs Museen ein kulturelles Zentrum und ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt (Flughafen, Eisenbahn, U-Bahn). Charkiw gehört zum mehrheitlich russischsprachigen Teil der Ukraine.

Die Stadt wurde ursprünglich als Festung zur Verteidigung der Südgrenzen des Zarentums Russland im Jahr 1630 (oder 1653) gegründet. Die umliegende Sloboda-Ukraine, ehemals Teil des sogenannten Wilden Feldes, wurde zu dieser Zeit von den aus Polen-Litauen massenhaft fliehenden ukrainischen Bauern und Kosaken sowie von russischen Truppen besiedelt. Ihre Funktion war unter anderem die Abwehr der regelmäßigen räuberischen Einfälle der Krimtataren nach Südrussland. In friedlichen Zeiten betrieben sie Handwerk und Ackerbau.

Mit der Eroberung Neurusslands und der Verschiebung der Grenzen nach Süden verlor Charkiw Ende des 18. Jahrhunderts seine Bedeutung als Festung. Die Stadt wurde jedoch zu einem Zentrum des Handwerks und des Handels. Die um die Mitte des 17. Jahrhunderts in Charkiw gegründete Rauhwarenmesse war ein Hauptstapelplatz der für die Pelzverarbeitung bestimmten südrussischen und sibirischen Rohfelle, sowie Verkaufsplatz für bereits fertig gearbeitete Pelzwaren. Zweimal im Jahr wurden den aus Russland und Mitteleuropa angereisten Fellhändlern die bis dahin angesammelten Vorräte angeboten.

Im Jahr 1805 wurde die Universität Charkiw eröffnet. Bei der Eröffnung waren unter anderen 28 deutsche Dozenten und Professoren angestellt. im Zusammenhang mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz (1869) und dem Beginn der Gewinnung von Kohle und Eisenerz in der Ukraine wurde Charkiw Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiges Industriezentrum.

Während des Bürgerkriegs 1917 bis 1920 kam es in der Stadt zu schweren Kämpfen zwischen Oppositionskräften. Im Januar 1918 tagte in Charkiw der erste ukrainische Sowjetkongress, der die Ukraine zur Sowjetrepublik ausrief und Charkiw zu ihrer ersten Hauptstadt erklärte, die sie bis 1934 blieb. 1933 hatte die Stadt 833.000 Einwohner. Im Frühjahr 1933 war Charkiw eines der Gebiete, die besonders stark vom Holodomor, einer maßgeblich durch das stalinistische Regime verursachten Hungersnot, betroffen waren. In der Stadt verhungerten innerhalb weniger Monate über 45.000 Menschen. 1934 wurde die Hauptstadt der ukrainischen Sowjetrepublik nach Kiew verlegt.

Im Zweiten Weltkrieg war Charkiw wegen seiner Verkehrsknoten und der entwickelten Rüstungsindustrie von großer strategischer Bedeutung. Hier wurde z. B. in der Lokomotivfabrik Komintern der Panzer T-34 entwickelt und produziert. Im Oktober 1941 eroberten Truppen der deutschen 6. Armee im Rahmen der Ersten Schlacht bei Charkow die damals viertgrößte Stadt der Sowjetunion. Nach den Erfahrungen während der Stalinschen Säuberungen begrüßten zahlreiche Einwohner der Stadt die einrückenden Einheiten der Wehrmacht mit Brot und Salz. Aber kurz danach begann der Terror gegen die Zivilbevölkerung. Bis zum Ende der deutschen Besatzung fielen mindestens 30.000 Einwohner der Stadt dem von der NS-Führung zwecks Abschöpfung der Lebensmittel für Wehrmacht und Deutsches Reich geschaffenen Hungerplan zum Opfer. Am 23. August 1943 wurde die Stadt endgültig durch die Rote Armee eingenommen. Insgesamt sind in der Oblast Charkiw 270.000 Menschen der deutschen Besatzung zum Opfer gefallen. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau Charkiws.

Seit 1991 gehört Charkiw zur unabhängigen Ukraine. Als erste Stadt der Ukraine wurde Charkiw 2010 mit dem Europapreis des Europarates für seine herausragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet.

Nach dem Sturz von Präsident Wiktor Janukowytsch am 22. Februar 2014 kam es ab Anfang März 2014 in Charkiw zu Auseinandersetzungen zwischen prorussischen Demonstranten und Unterstützern des Euromaidan.

Beim russischen Überfall auf die Ukraine 2022 wurde Charkiw intensiv beschossen, wovon auch die zu einem großen Teil russisch geprägte Zivilbevölkerung betroffen war. Ein Großteil der Bevölkerung war geflohen, aber rund 500.000 Menschen verblieben in der Stadt. Russische Streumunition wurde gegen die Stadt eingesetzt. Zahlreiche (Wohn-)Gebäude – in Charkiw wurden zerstört, Zivilisten getötet.  Ob z.B. auch die steinerne Kathedrale des Maria-Schutz-Klosters aus dem Jahr 1689 getroffen wurde, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Ich kann Charkiw nur eine friedliche Zukunft wünschen!

Eine Stadt vieler Schlachten: Charkiw im Nordosten der Ukraine

Eine weitere Auseinandersetzung Israel – Palästina

Anlässlich des Todes einer Journalistin des Senders al-Jazeera

Die Reporterin des Fernseh-Senders al-Jazeera war am Mittwoch während eines Militäreinsatzes im Westjordanland unter noch ungeklärten Umständen erschossen worden. Wie genau die in der arabischen Welt bekannte Journalistin Schirin Abu Akle ums Leben kam, ist noch unklar.

Laut der israelischen Armee hatte es am Todestag von Abu Akle ein heftiges Feuergefecht mit militanten Palästinensern während einer Razzia in der Stadt Dschenin gegeben. Möglicherweise sei die 51-Jährige von Kugeln der Palästinenser getroffen worden, hieß es. Generalstabschef Aviv Kochavi sagte, gegenwärtig könne man ohne ballistische Analyse nicht festlegen, welche Seite für die tödlichen Schüsse verantwortlich sei. Der Sender al-Jazeera warf Israel hingegen einen gezielten, kaltblütigen Mord vor. Auch der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas sprach von einem „Verbrechen der Hinrichtung“ und machte Israel für den Tod der 51-jährigen Schirin Abu Akle verantwortlich, sie war eine palästinensische Christin, die auch die US-Staatsbürgerschaft besaß.

Israel wies die Vorwürfe zurück und forderte eine gemeinsame Untersuchung. Die Palästinensische Autonomiebehörde solle die tödliche Kugel zur forensischen Analyse übergeben. Die palästinensische Seite lehnte ab, man werde eine eigene Untersuchung durchführen und die Ergebnisse an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag weiterleiten.

Journalisten, die sich während des Einsatzes in der Nähe Abu Akles befanden, gaben wiederum an, es habe keine Feuergefechte in Dschenin gegeben. Sie hätten zudem Schutzausrüstungen getragen, die sie eindeutig als Pressemitglieder identifizierten.

Der Israelische Premier Bennett hat die Vorwürfe bereits zurückgewiesen. Seit dem Tod der Journalistin steigen die Spannungen in Israel stark an. Beim Begräbnis am Freitag kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die UNO zeigte sich alarmiert. Tausende waren wegen des Begräbnisses Abu Akles gekommen und skandierten propalästinensische Slogans. Es gab Zusammenstöße, als Polizisten den Sarg der im Westjordanland erschossenen Reporterin aus dem St. Joseph-Krankenhaus holten. Etliche Personen im Trauerzug versuchten vor dem Gottesdienst, mit dem Sarg Abu Akles zu Fuß zu einer katholischen Kirche in der Altstadt zu marschieren. Dabei kam es zu brenzligen Szenen und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der israelischen Polizei. Hunderte Demonstranten hätten für Unruhen gesorgt, es seien Steine auf Polizisten geworfen worden, so die israelische Polizei.

Die Sicherheitskräfte, die in Alarmbereitschaft versetzt worden waren, reagierten nach palästinensischen Angaben mit Blendgranaten. Später führte die Familie der Journalistin den Sarg zur Kirche, die voller Trauergäste war. Die Polizei löste die Demonstration mit Tränengas auf. Im Fernsehen konnte man sehen, wie der Sarg mit der Leiche der Journalistin fast zu Boden fiel, als Polizisten die Sargträger und die begleitende die Menge, von denen viele Palästinenser-Fahnen trugen, auseinandertrieben. Das Krankenhaus befindet sich im besetzten Ost-Teil Jerusalems.

Die Spannungen in Israel steigen somit weiter an. Am 13. Mai 2022 wurde ebenfalls in Dschenin bei neuen Kämpfen ein israelischer Polizist getötet. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden 13 Palästinenser verletzt, einer von ihnen schwer. Seit März gibt es in Israel eine Terrorwelle, bei der inzwischen 19 Personen ums Leben kamen.

Der Planungsausschuss der israelischen Zivilverwaltung des Palästinensergebiets hatte laut der israelischen Nichtregierungsorganisation Peace Now zuvor grünes Licht für den Bau von 2.791 Wohneinheiten gegeben. Für 1.636 weitere Wohneinheiten stellte er eine vorläufige Genehmigung aus. 15 europäische Länder forderten unterdessen Israel auf, eine Entscheidung über den Bau von fast 4.500 Wohneinheiten für israelische Siedler im Westjordanland „rückgängig zu machen“. Diese seien ein „weiteres Hindernis für eine Zweistaatenlösung“ und stellten „eindeutig eine Verletzung des Völkerrechts dar“, erklärten sie.

Viele von diesen Auseinandersetzungen liegen in der Vergangenheit begründet. Eine der vielen „Sünden“, die begangen wurden, war das Sykes-Picot-Abkommen: am 16. Mai 1916 grenzten in dem im Geheimen ausgehandelten Sykes-Picot-Abkommen der französische Diplomat François Georges-Picot und der Brite Mark Sykes für Großbritannien und Frankreich ihre Einflusssphären im Nahen Osten für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ab. Es war nicht der einzige Vertrag, der über dieses Territorium entschied. In der Balfour-Deklaration vom 2. November 1917 erklärte sich Großbritannien einverstanden mit dem 1897 festgelegten Ziel des Zionismus, in Palästina eine „nationale Heimstätte“ des jüdischen Volkes zu errichten. Dabei sollten die Rechte bestehender nicht-jüdischer Gemeinschaften gewahrt bleiben.

Im ersten Weltkrieg hatten britische Truppen 1917/18 Palästina erobert.  Das Land wurde britisches Mandatsgebiet, bestätigt durch den Völkerbund im Juli 1922 und die Balfour-Erklärung, die 1923 in Kraft tritt.

Und seither gibt es laufend Auseinandersetzungen, später Kriege zwischen Israelis und Palästinensern.

Eine weitere Auseinandersetzung Israel – Palästina

Ich war dabei gewesen (eine Wiederveöffentlichung)

15. Mai 1955 Staatsvertragsunterzeichnung

Der 15. Mai, der hat’s so in sich. Nicht nur die Sophien wurden gefeiert – es war auch der Tag der Familie. Und natürlich auch jener Tag, an den ich mich besonders erinnere, nämlich dem, im Jahr 1955. Da wurde in Wien, im Belvedere der Staatsvertrag unterzeichnet.

Den Willen zur Unabhängigkeit hatte eine provisorisch eingesetzte österreichische Regierung noch vor Kriegsende am 27. April 1945 erklärt. Die Verhandlungen um einen Vertrag zur Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreich begannen 1947. Der von Österreich verwendete Begriff „Staatsvertrag“ wurde von den Alliierten übernommen. Zu Beginn der Beratungen in London hatte Österreich zunächst nur ein Anhörungsrecht, erst ab 1954 waren österreichische Politiker gleichberechtigte Gesprächspartner! Mehrere Streitpunkte verzögerten die jahrelangen Verhandlungen. Dazu gehörten die jugoslawischen Gebietsansprüche an Österreich. Diese Forderung wurde von der Sowjetunion unterstützt –bis 1948 (Bruch zwischen Tito und Stalin).

Mit Abschluss des Österreichischen Staatsvertrages am 15. Mai 1955 erlangte Österreich seine Eigenständigkeit wieder. Nach vollendeter Ratifizierung des Vertrages durch alle Signatarstaaten war ein Abzug aller alliierter Soldaten bis zum 25. Oktober vereinbart. Der 26. Oktober war somit der erste Tag Österreichs ohne jede Fremdbeherrschung, und an jenem Tag wurde die immerwährende Neutralität beschlossen. Gegenstand des Vertrages ist die Wiederherstellung der souveränen und demokratischen Republik Österreich nach der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich (1938–1945), dem Ende des Zweiten Weltkrieges (VE-Day) und der darauffolgenden Besatzungszeit (1945–1955), in der Österreich zwar formal wiederhergestellt, aber noch kein selbständiger Staat war. Der Staatsvertrag gilt auch als ein wesentlicher Kernindikationsfaktor für die Entwicklung eines eigenständigen Österreichbewusstseins. Am Tag vor der Unterzeichnung des Staatsvertrages gelang es Außenminister Figl in den Schlussverhandlungen in Wien noch, die Nennung der Mitschuld Österreichs am Zweiten Weltkrieg aus der Präambel des Vertrages zu streichen, wobei in erster Linie die sowjetische Seite davon überzeugt werden musste.

Grundlegende Inhalte des Staatsvertrages waren unter anderem das Verbot des Anschlusses an Deutschland und das NSDAP-Verbotsgesetz, zu dessen Beibehaltung sich Österreich zu verpflichten hatte. Erst am 15. April 1955 war  es im Moskauer Memorandum zwischen Österreich und der Sowjetunion zu einer Einigung über das in Österreich befindliche und unter Verwaltung der USIA stehende deutsche Eigentum sowie über die österreichische Neutralität gekommen, die nicht im Staatsvertrag, sondern vom bereits souveränen Österreich erklärt werden sollte. Dies war ein wesentlicher Schritt zur Unterzeichnung des Staatsvertrages.

Der Staatsvertrag trägt die Unterschriften folgender neun Personen: Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow (Außenminister der Sowjetunion); Iwan Iwanowitsch Iljitschow (Hochkommissar und Gesandter der Sowjetunion); Harold Macmillan (Außenminister von Großbritannien); Geoffrey Arnold Wallinger (Hochkommissar und Botschafter von Großbritannien); John Foster Dulles (Außenminister der USA); Llewellyn E. Thompson Jr. (Hochkommissar und Botschafter der USA) – ein sehr beliebter Mann in Österreich -; Antoine Pinay (Außenminister von Frankreich); Roger Lalouette (Stellvertretender Hochkommissar und Gesandter von Frankreich); Leopold Figl (Außenminister von Österreich).

Es war ein regnerischer, trüber Tag, dennoch ließ es sich kaum jemand nehmen, in irgendeiner Form an dieser Zeremonie beteiligt zu sein. Ich war mit einer Studienkollegin, also eigentlich Freundin verabredet, wir gingen ins Belvedere – besser gesagt in den Park des Belvedere – auf der Seite des Balkons, nicht jener der Auffahrt.  Und es standen dort so viele Menschen gedrängt, dass es unmöglich gewesen wäre, „rasch“ den Standort zu wechseln, um beides, die Auffahrt und dann die Präsentation vom Balkon – zu sehen. Natürlich waren wir aufgeregt, 10 Jahre hatten wir auf dieses Ereignis gewartet. „Österreich ist frei!“ Mit diesem Satz beendete der österreichische Außenminister Leopold Figl (ÖVP) am 15. Mai 1955 seine Rede im Schloss Belvedere in Wien, kurz nachdem der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet worden war. Dieser Satz fiel nicht auf dem Balkon, auf dem sich alle nach der Unterzeichnung eingefunden hatten.

Am 14. Dezember 1955 wurde Österreich dann Mitglied der Vereinten Nationen. Österreich war mit dem Staatsvertrag der einzige europäische Staat, der nach 1945 bis zur samtenen Revolution 1989 auf friedlichem Weg frei von allen Besatzungsmächten wurde. In der Zeit des Kalten Krieges wurden das Anschlussverbot und die immerwährende Neutralität dahingehend interpretiert, dass Österreich der Beitritt zur EWG nicht erlaubt sei. (Ich war da ganz anderer Ansicht, hatte das auch in meiner Dissertation geschrieben. Bei einer Postenbewerbung (verstaatlichte Betriebe) wurde mir mitgeeilt, dass ich diese Haltung bei einem eventuellen Antritt des Postens nicht beibehalten können. Ich nahm diesen Posten, allerdings auch aus anderen Gründen nicht an. )

So trat Österreich 1959 mit Wirkung vom 1. Jänner 1960 der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) bei, der damals auch Norwegen, Schweden, Dänemark, Großbritannien, Portugal und die Schweiz angehörten. Erst 1995 wurde es Mitglied der Europäischen Union.

Ich war dabei gewesen (eine Wiederveöffentlichung)

Das Ziel von Kriegen: Beute machen

Heute wie damals, wie schon immer!

An das Frühjahr 1945 – und die folgenden Jahre kann ich mich gut erinnern. Und Meldungen aus der Ukraine rufen viele dieser Erinnerungen wach.

Es empört mich derzeit: Russische Schiffe führen ukrainischen Weizen nach Syrien aus, die Armee beschießt Getreidesilos und konfisziert Landwirtschaftsmaschinen. Es droht eine Hungerkrise in der Ukraine und in der Welt. Eigentlich kann kein ukrainischer Weizen mehr über das Schwarze Meer transportiert werden. Denn Russland hat alle Häfen der Ukraine blockiert. Dennoch wird der ukrainische Weizen weiter verschifft – von russischen Frachtern.

Zwischen 400 000 und 500 000 Tonnen Weizen aus der Ukraine seien von Russland beschlagnahmt worden, sagt der ukrainische Landwirtschaftsminister. Diese Menge würde knapp 6 Millionen Menschen für ein Jahr versorgen! Der Großteil des konfiszierten Weizens wird auf dem Landweg auf die 2014 annektierten Halbinsel Krim gebracht. Von den Häfen auf der Krim wird der Weizen weiter über das Schwarze Meer und anschließend über das Mittelmeer verschifft. In den meisten Fällen ist Syrien das Ziel des Weizens. Die 27 000 Tonnen auf der „Matros Posinitsch“ hätten eigentlich nach Ägypten geliefert werden sollen, doch verwehrte die ägyptische Regierung dem Schiff die Einfahrt. Die Ukraine drängt andere Staaten, die russischen Lieferungen nicht anzunehmen. Das mit Russland verbündete Syrien ist daher einer der wichtigsten Importeure des von Russland konfiszierten Weizens. Von Syrien aus wird der Weizen dann laut dem ukrainischen Geheimdienst in andere Länder des Mittleren Ostens geschmuggelt.

Weil die Ukraine einer der größten Weizenexporteure der Welt ist, könnte der Krieg zu einer globalen Hungerkrise führen. Doch auch im eigenen Land droht Hunger. In den von Russland besetzten Gebieten würden Bauern an der Aussaat von hochwüchsigen Pflanzen wie Mais oder Sonnenblumen gehindert, denn diese könnten Schutz für ukrainische Partisanen bieten. Die besetzten Gebiete sind auch jene Regionen, die am stärksten unter dem russischen Beschuss von Getreidesilos und dem Diebstahl von Weizen und Landwirtschaftsmaschinen zu leiden haben.

Für Russland ist der Weizen eine attraktive Beute. Auf dem Weltmarkt ist Weizen so teuer wie letztmals 2008. Kürzlich verhängte Indien zudem aufgrund schlechter Ernten einen Exportstopp für Weizen, was die Preise voraussichtlich weiter in die Höhe treiben wird. Der Weizenverkauf ist daher auch eine Devisenquelle. Russland wird nun vorgeworfen, die Ukraine als Konkurrent auf dem Weltmarkt für Nahrungsmittel ausschalten zu wollen. Russland ist mit Abstand der größte Weizenexporteur der Welt. Nimmt der weltweite Hunger zu, hätte Putin mit dem Weizen ein weiteres starkes Druckmittel in der Hand. Ja, und es wird auch anderes „Privates“ in der Ukraine mitgenommen: Unlängst sah ich das Bild eines russischen Panzers, auf den eine Waschmaschine geschnallt war ….

All das erinnert mich, als die russischen Soldaten individuell 1945 (und später national) in meinem Umfeld „Beute gemacht“ haben. Sie haben vieles mitgenommen, ob sie es nur einmal benützt haben oder behalten haben, Uhren, Füllfedern, Fahrräder – an das erinnere ich mich besonders gut, weil es meine Uhr, meine Füllfeder und mein Fahrrad waren. Aber auch Geschirr war betroffen, Silberbesteck, Wäsche, und Lebensmittel. Damals in der Nachkriegszeit haben wir uns geärgert, dass die Russen Maschinen abmontierten und nach Russland transportierten, wir haben uns geärgert, weil sie „unser Öl“ aus Zistersdorf nicht uns überließen, weil sie alles was als „deutsches Eigentum“ deklariert war – aber eigentlich urösterreichisch war, z.B. Donaudampfschifffahrtsgesellschaft – „mitnahmen“. Die anderen Alliierten nahmen davon Abstand!

Ja, so war Krieg durch Jahrhunderte, der Sieger macht Beute, er vergewaltigt Frauen und nimmt Personen als Arbeitssklaven mit.  

Wir in Europa wollten keinen Krieg mehr – nach zwei furchtbaren Weltkriegen, wir schufen uns eine „Ordnung“, innerhalb derer keine Kriege untereinander mehr nötig waren, die USA unterstützten uns dabei. Sie machten keine Beute. Anfangs war der Marshallplan, dann wurde die Montanunion vereinbart (um die nationale Waffenproduktion zu kontrollieren), dann kam es zur Europäischen Gemeinschaft, zu Euratom, den Helsinki-Akten und daraus folgend die OECD etc. etc. Österreich verschrieb sich seine Neutralität.  Aber wir glaubten, damit den Krieg gebannt zu haben.

Wir waren erschrocken, als in den Neunzigern des vorigen Jahrhunderts, ohnedies erst zehn Jahre nach Titos Tod, Jugoslawien kriegerisch auseinanderbrach.

Und nach alldem macht jetzt der Kreml einen Krieg – wie er immer schon war: mit viel Beute, mit Vergewaltigung von Frauen, mit Verschleppung von Arbeitssklaven und Landgewinn. Putin darf damit nicht durchkommen, denn sonst fährt er fort, anderswo Land zu erobern, er ist diesbezüglich unersättlich, bis das „russische Imperium“ von ehedem seinen vollen Umfang erreicht haben wird.

Das Ziel von Kriegen: Beute machen

Russki go home!

Es ist dringend erforderlich, dass Russland die Ukraine verlässt, denn jetzt muss ganz schnell der Wiederaufbau beginnen, schließlich muss der nächste Song-Contest – 2023 – in der (hoffentlich befriedeten) Ukraine stattfinden, da die ukrainische Band heuer gewonnen hat!

Vielleicht können sich manche von Ihnen noch erinnern: Ami go home – stand überall zu lesen, in der Nachkriegszeit, während des Vietnamkrieges, aber auch noch während der Kriege im Irak und in Afghanistan. Aber auch in Europa: Ami go home war nach dem Zweiten Weltkrieg ein besonders in der westeuropäischen Einflusssphäre und den Ländern des Ostblocks verbreiteter Slogan oder politisches Schlagwort, das sich gegen die Anwesenheit von US-Streitkräften in einem Land richtet. Und diese amerikanischen Truppen kämpften damals nicht!  

Schon seit 1950 hatten verschiedene europäische Kommunistische Parteien und ihre Anhänger den Slogan gegen die Präsenz von US-Soldaten verwendet: So hatten 1951 „Störtrupps der SED und FDJ“ auf West-Berliner Bahnhöfen neben Transparenten auch Klebestreifen mit dem Slogan „Ami go home!“ angebracht. Diese wurden jedoch vom Westberliner Polizeipräsidenten für „polizeiwidrig“ erklärt. Außerdem trat die Parole Yankee go home vor allem in Ländern auf, in denen eine starke Politische Linke sich gegen die US-Militärpräsenz im Rahmen der NATO wandte wie in Frankreich (bis 1966) oder Italien.

In den 1960er Jahren wurde der Slogan als Reaktion auf den Vietnamkrieg von der Außerparlamentarischen Opposition verwendet und blieb während der Zeit der Friedensbewegung in den 1970er Jahren aktuell. Danach verschwand er zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung, ging aber mit ironischem Unterton teils in den allgemeinen Sprachgebrauch über. Der Irakkrieg verschaffte dem Slogan ab 2003 neue Popularität in politischen Forderungen.

Aber es gibt noch andere Gründe für den Aufruf „Russki go home“! Ich betone, ich kann es nicht verifizieren (wie vieles in diesem schrecklichen Krieg):  Russland hat das Asow-Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol nach dem Sieg der Ukraine beim Eurovision Song Contest (ESC) mit Phosphorbomben beschossen. (Das russische Staatsfernsehen durfte die Show nicht zeigen. Russland ist wegen des Angriffskrieges auf die Ukraine vom ESC ausgeschlossen). Solche Brandbomben entzünden sich durch Kontakt mit Sauerstoff und richten verheerende Schäden an. Ihr Einsatz ist verboten. Dazu gibt es ein Video mit Luftaufnahmen, auf denen ein Feuerregen zu sehen ist, der auf das Stahlwerk niedergeht. In dem Stahlwerk haben sich nach ukrainischen Angaben rund 1000 Verteidiger von Mariupol verschanzt. Sie lehnen russische Aufforderungen ab, sich zu ergeben. In den russischen Hasskommentaren war mit Blick auf den Beschuss des Stahlwerks auch zu lesen, die Kämpfer hätten nun genug Zeit gehabt, aus der Industriezone herauszukommen.

Ob das nun alles wahr ist, oder nicht – schon das bisherige Vorgehen Russland ist verdammenswert genug, um Slogans wie Russki go home zu rechtfertigen. Vielleicht wäre es auch sinnvoll für Russland, sich aus der Ukraine zurückzuziehen, denn die russische Region Belgorod nahe der ukrainischen Grenze hat erneut einen Angriff aus dem Nachbarland beklagt. Die Grenzregionen, darunter auch Kursk, Brjansk und Woronesch, hatten wiederholt einen Beschuss von ukrainischer Seite gemeldet. Russland hatte gedroht, Kommandostellen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew als Ziele seiner Raketenangriffe ins Visier zu nehmen, sollte der Beschuss nicht aufhören.

Vielleicht nur zum historischen Hintergrund von Belgorod, schon immer ein umkämpftes Gebiet:

Der Bau der Eisenbahnlinie Kursk–Charkow (1869) beflügelte die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt deutlich. Ab Ende 1917 gehörte Belgorod zum Territorium der unabhängigen Ukrainischen Volksrepublik, ab April 1918 zum Ukrainischen Staat, einem (de facto) deutschen Marionettenstaat unter Pawlo Skoropadskyj. Nach dessen Sturz wurde die Stadt am 20. Dezember 1918 von der Roten Armee eingenommen und der Russischen SFSR angeschlossen. Kurzzeitig hatte in Belgorod jedoch die provisorische „Arbeiter- und Bauernregierung der Ukraine“ unter Georgi Pjatakow ihren Sitz.

Vom 25. Oktober 1941 bis zum 5. August 1943 war die Stadt von der deutschen Wehrmacht besetzt. Vor dem Einmarsch der Deutschen waren viele Einwohner nach Osten geflohen, so dass die Stadt nur noch etwa 20.000 Einwohner hatte. Ab 1942 wurden tausende verbliebene Einwohner im arbeitsfähigen Alter nach Deutschland verschleppt. Am 5. Februar 1942 gelang es Partisanen, die Stadt kurzzeitig zurückzuerobern. Im August 1943 war Belgorod während der Belgorod-Charkower Operation der Roten Armee erneut Schauplatz heftiger Kämpfe. Die Stadt wurde zu über 90 % zerstört. Zur Zeit der Befreiung, am 5. August 1943, lebten in Belgorod weniger als 700 Menschen. Heute – also 2010 – waren es 356.402 Einwohner.

1954 wurde Belgorod zur Hauptstadt der aus Teilen der benachbarten Oblaste Kursk und Woronesch neu gebildeten Oblast Belgorod. Der Boden besteht zu 77 Prozent der Fläche der Oblast aus der fruchtbaren Schwarzerde.

Ein brutaler Angriffskrieg auf ein anderes Land ist für Russland kein Problem. Doch nun tobt der Kreml, denn Ukrainer beschießen ein russisches Dorf! Russki go home!

Russki go home!

100 % – wo bleibt die demokratische Vorgangsweise?

Das möchte ich vorausschicken: ich gratuliere Karl Nehammer. Er hat ein schweres Erbe angetreten, und die Einigkeit, die bei der Wahl zum Parteiobmann zutage getreten ist, wird nicht anhalten.  Aber das ist Zukunftsmusik!

Die 100 % erinnern mich an Wahlen in den ehemaligen Volksrepubliken in den Ostblockstaaten. Eigentlich genier‘ ich mich dafür!

Ich finde es schon undemokratisch genug und mir unverständlich, wieso nur ein Kandidat aufgestellt wird (das bitte, betrifft aber derzeit alle Parteien in Österreich!). Gibt es nicht mehrere Persönlichkeiten, die für diesen Job in Frage kämen? Oder „reißt sich ohnedies keiner um dieses Amt“?  Verständlich wäre es.

Denn kaum wurde „der Kandidat“ gewählt, fallen die Oppositionsparteien über ihn her, und bezweifeln seine Fähigkeiten (auch das betrifft andere Parteien ebenso).

Überhaupt – wer will heutzutage noch Politiker werden? Die Arbeitszeit aller Berufstätigen wird laufend gekürzt, aber ein Politiker muss de facto täglich zur Verfügung stehen, und selbst wenn es ein schwerer Arbeitstag – mi vielen Terminen war – muss er sich abends noch den bohrenden Fragen der Moderatoren der diversen Nachrichtensendungen stellen. Wenn er „nicht kommt“, wird das ziemlich ätzend erwähnt. An Wochenenden wird er bei diversen Festivitäten erwartet, und es herrscht große Enttäuschung, wenn er/sie nicht auftaucht.

Wann immer es geht, wird auch seine/ihre Familie in die Berichterstattung über ihn oder sie hineingezogen. Urlauben dürfen Politiker: innen nur in Österreich. Es gilt an Landesverrat, wenn es/sie mit der Familie ins Ausland fährt. Und wenn jeder Österreicher davon träumt mit dem Flieger an die südlichen Strände zu fliegen – ein Politiker, eine Politikerin sollte das lieber nicht tun. Da „fremdflugschämen“ sich viele Bürger!  Was? Seine/Ihre Kinder gehen in eine Privatschule?  Was jedem zugestanden wird, geht für Politikerkinder gar nicht.

Die Kleidung des Politikers (und seiner Familie) – auch z.B.  beim Sport – wird streng beobachtet, und im Zweifelsfall heftig kommentiert bzw. lächerlich gemacht.  

Abgesehen davon, stelle ich mir „Personenschutz“ überhaupt nicht lustig vor. Auf Schritt und Tritt bewacht, alles muss geplant und angemeldet werden. Wo bleibt da Gelegenheit für fröhliche Spontaneität und der berühmte Schutz der Privatsphäre, die eigentlich jedem Staatsbürger zusteht?  Erholen unter Bewachung? Wahrlich kein Spass!

Egal, was er oder sie vorschlägt, wird es gnadenlos von der Opposition „zerrissen“, selbst wenn diese im Grunde vielleicht mit Teilen davon einverstanden sein könnten. Aber wenn es von der regierenden Partei kommt, muss es „ein Schmarrn“ sein. Der Dialog scheint nicht mehr zu existieren. „Gemeinsame“ eventuelle auch gute Vorschläge für das Land, für seine Leute, sind leider heute unmöglich geworden. Ich finde das so schade, wenn sie dann ätzend in den Dreck gezogen werden müssen. Natürlich hütet sich jeder Politiker, jede Politikerin neue vielleicht bahnbrechende Vorschläge zu machen.

Ich weiß nicht, wann dieser Wandel in Österreich eingetreten ist – die Nachkriegspolitiker waren keiner derartigen „privaten Überprüfung“ ausgesetzt, da durfte so mancher noch ungestraft z.B. antisemitische Bemerkungen machen. Auch z.B. Bruno Kreisky wurde noch respektvoll behandelt, ja es wurde schon sein Kleiderstil kommentiert, aber keineswegs ätzend.

Was war zuerst? Nicht die Henne oder das Ei, sondern schwache Persönlichkeiten in der Politik oder ätzende Kritik an diesen (schwachen) Persönlichkeiten?

Ich meine halt, die Politiker sollten sich viel weniger um „Design“ (z.B. Parteifarbe) kümmern, sondern um sinnvolle Inhalte zum Wohl des Volkes. Aber Design steht derzeit in vielen Teilen des Lebens im Vordergrund, wir nannten es (viel früher) noch window dressing.

Jetzt bleibt mir nur zu hoffen, dass es Nehammer gelingen wird, in diesen schwierigen Zeiten das Schiff in ruhige Gewässer zu steuern, sein Team zusammenzuhalten, sich nicht im Feudalismus zu verrennen, sinnvolle (möglichst gemeinsame) Projekte für das Land und seine Menschen (und nicht für Klientel!) umzusetzen (war eigentlich bei der Ansprache davon die Rede? Ich habe diese Rede nicht gehört) um dann möglichst heil bei der nächsten anstehenden Wahl anzutreten – oder nicht.

Ich wünsch‘ ihm alles Gute, und dem Land und mir eine demokratischere Vorgehensweise!

100 % – wo bleibt die demokratische Vorgangsweise?

An einem sommerlichen Tag entlang des Donaukanals

Also, wenn ich mir’s ganz genau überlege möchte ich jetzt entweder in einer Wiese mit Narzissen stehen, wie es sie in der Umgebung von Mariazell gibt, oder in einer anderen Wiese, anderswo, z.B. im Traisen Tal, wo die gelben Trollblumen blühen. Ich weiß nicht einmal ganz genau, ob deren Zeit nicht schon vorbei ist, oder noch gar nicht gekommen ist … Aber selbst, wenn ich über ein Auto verfügen würde, glaube ich kaum, dass ich heute nur deshalb dorthin fahren wollte. Aber mir diese Blumenwiesen vorstellen, dass kann ich schon!

Es gibt natürlich auch in Wien schöne Gegenden, wo Blume, Sträucher und Bäume blühen. Und weil ich Wasser so gerne mag, sind für mich die Wege entlang des Donaukanals schön. Ich brauche sie nicht, die Strandlokale, ich mag’s lieber still, so ab der U-Bahn-Station Rossauer Lände, stromaufwärts da gibt es dann keine Lokale, sondern meist nur Radfahrer und Spaziergänger – oft mit ihren Hunden.

Und da lasst sich’s dann über die Geschichte dieses Gewässers sinnieren.  

Der Wiener Arm – im Mittealter

Der Donaukanal ist ein natürlicher Arm der Donau. Dieser Arm der Donau war schon immer ein Transportweg, der die Stadt an seinem Ufer versorgte: Salz kam aus den Salinen von Gmunden und Hallein (Lagerung am Salzgries, Salz Amt), Bausteine und Granit kamen aus der Gegend von Mauthausen (Lagerung in der Roßau), Holz wurde ebenfalls auf dem Wasserweg herangebracht (Lagerung in der Roßau und in der Leopoldstadt), Obst und Gemüse kamen aus dem Tullnerfeld, aus der Gegend um Stockerau und aus der Wachau (Verkauf am Schinzel und auf anderen Märkten); bei der Schinzel befand sich die Anlegestelle der Fischzillen. Seit dem Mittelalter wohnten beiderseits des Donauarms Flößer, Schiffer, Fischer und andere mit dem Wasser verbundene Bewohner, jedoch siedelten sich keine wasserabhängigen Gewerbebetriebe an. Aus dem Donaugebiet kamen seit dem Mittelalter Fische und Krebse auf die Wiener Märkte. Personenverkehr spielte auf der Donau lange Zeit hindurch keine besondere Rolle. Die Verbindung zum Donauhauptstrom hieß „Wiener Arm“.

Der Wiener Kanal

Bis 1598 hing die Brigittenau mit der Klosterneuburger Au und der Spittelauer zusammen. Um diese Zeit machte Ferdinand Freiherr von Hoyos den Vorschlag, einen „Wiener Kanal“ zu errichten, wodurch ein neuer Donauarm bis knapp an die Befestigungsanlagen Wiens geleitet wurde. Am äußersten Ende der Wolfs wurde ein Durchstich vorgenommen, der das neugegrabene Kanalbett mit dem Donauhauptstrom verband, sodass ein schiffbares Gewässer von Nußdorf zur Stadt entstand. Der Kanal hat von seiner Abzweigung bei Nußdorf bis zur (heutigen) Schwedenbrücke eine Länge von 5,6 Kilometer und von hier bis zur Wiedereinmündung beim Praterspitz eine Länge von 11 Kilometer. Ab 1598 ist der Donaukanal als regulierter Arm der Donau anzusehen. Der „Wiener Arm“ hatte in der Babenberger Zeit das meiste Wasser geführt, doch waren schon im 14. Jahrhundert Ausbaggerungen im Bett notwendig geworden, um ein weiteres Versanden hintanzuhalten.

1688 setzte Leopold I. eine „Donauregulierungskommission“ ein, die einen Plan ausarbeiten ließ; infolge der angespannten Finanzen konnte er jedoch nicht realisiert werden. 1712 wurde ein weiterer Plan für die Schiffbarmachung des Donaukanals entworfen, für den 1714 Geldmittel flüssig gemacht wurden. Unter Joseph II. wurde in Nußdorf ein Wasserbauamt eingerichtet.

Der Donaukanal

Aufgrund der Beschlüsse der 1892 gegründeten Kommission für Verkehrsanlagen kam es neben einer neuerlichen Ausbaggerung zum Bau von Kai- und Stützmauern, zur Errichtung einer Wehr- und Schleusenanlage in Nußdorf (1894-1898) sowie zur Einrichtung einer Staustufe beim Kaiserbad (Schützenhaus); die architektonische Ausgestaltung der Kaianlagen und die Errichtung der Wehranlage waren ein Werk Otto Wagners.

Erst als im Zuge der Donauregulierung (1870-1875) das unterhalb der Stadionbrücke gelegene Teilstück des Donaukanals begradigt wurde, erhielt der Donaukanal neue Funktionen; der Wasserstand konnte durch die Nußdorfer Schleuse (Nußdorfer Wehr) reguliert werden. Nachdem 1892-1900 die Hauptsammelkanäle (Linker- und Rechter Hauptsammelkanal) gebaut und die Einmündungen der Straßenkanäle in den Donaukanal beseitigt worden waren, wurden 1904/1905 Strombäder eingerichtet.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Stadtgebiet beiderseits des Donaukanals Hauptkampflinie; im April 1945 wurden durch die zurückweichenden deutschen Truppen nicht nur fast alle Donaukanalbrücken zerstört, sondern auch die Häuserzeilen beiderseits des Kanals während der Erdkämpfe größtenteils vernichtet.

Als Kind bin ich mit meiner Großmama entlang des Donaukanals bis zur „großen Donau“ gegangen. Die Wiener und Wienerinnen lagerten an den Ufern, Badanzüge hatten sie keine – also geschah dies in der Unterwäsche.

Als ich selbst Mutter geworden war und öfter am Alsergrund bei meiner eigenen Mutter weilte, fuhr ich gerne entlang des Donaukanals mit dem Kinderwagen, ich fand es abwechslungsreich, die Graffiti zu bewundern.

Später wurde der Donaukanal nun stärker in das städtische Leben eingebunden. Die etappenweise gärtnerische Umgestaltung der Ufer des Donaukanals zu Uferpromenaden begann. 1991 kam es zu Planungen zu einer grundlegenden Neugestaltung des Donaukanalbereichs mit dem Ziel der besseren Integrierung des Donaukanals in die Stadt.

Da ich öfters in Döbling, in der Muthgasse zu tun hatte, spazierte ich mit großem Vergnügen entlang des Donaukanals zurück in die Stadt – damals ein geruhsamer Spaziergang.

Seit den 1990er Jahren kam es zu der Errichtung des Wientalkanals sowie des rechten Hauptsammelkanal-Entlastungskanals, der den Überlauf von Schmutzwasser bei starkem Regen verhindert. Durch den Bau der Donaukanal-Verbindungsleitungen konnte der Auslass von Abwasser bei Reinigungsarbeiten der Hauptsammelkanäle abgestellt werden. Seit 2003 werden keine ungeklärten Abwässer mehr eingeleitet.

Auch heute mag ich das ruhig dahinfließende Wasser, die Zweige der Trauerweiden, die fast das Wasser berühren und der Verkehrslärm nur gedämpft in der Ferne (?) zu hören ist.

An einem sommerlichen Tag entlang des Donaukanals

An einem sommerlichen Tag entlang des Donaukanals

Also, wenn ich mir’s ganz genau überlege möchte ich jetzt entweder in einer Wiese mit Narzissen stehen, wie es sie in der Umgebung von Mariazell gibt, oder in einer anderen Wiese, anderswo, z.B. im Traisen Tal, wo die gelben Trollblumen blühen. Ich weiß nicht einmal ganz genau, ob deren Zeit nicht schon vorbei ist, oder noch gar nicht gekommen ist … Aber selbst, wenn ich über ein Auto verfügen würde, glaube ich kaum, dass ich heute nur deshalb dorthin fahren wollte. Aber mir diese Blumenwiesen vorstellen, dass kann ich schon!

Es gibt natürlich auch in Wien schöne Gegenden, wo Blume, Sträucher und Bäume blühen. Und weil ich Wasser so gerne mag, sind für mich die Wege entlang des Donaukanals schön. Ich brauche sie nicht, die Strandlokale, ich mag’s lieber still, so ab der U-Bahn-Station Rossauer Lände, stromaufwärts da gibt es dann keine Lokale, sondern meist nur Radfahrer und Spaziergänger – oft mit ihren Hunden.

Und da lasst sich’s dann über die Geschichte dieses Gewässers sinnieren.  

Der Wiener Arm – im Mittealter

Der Donaukanal ist ein natürlicher Arm der Donau. Dieser Arm der Donau war schon immer ein Transportweg, der die Stadt an seinem Ufer versorgte: Salz kam aus den Salinen von Gmunden und Hallein (Lagerung am Salzgries, Salz Amt), Bausteine und Granit kamen aus der Gegend von Mauthausen (Lagerung in der Roßau), Holz wurde ebenfalls auf dem Wasserweg herangebracht (Lagerung in der Roßau und in der Leopoldstadt), Obst und Gemüse kamen aus dem Tullnerfeld, aus der Gegend um Stockerau und aus der Wachau (Verkauf am Schinzel und auf anderen Märkten); bei der Schinzel befand sich die Anlegestelle der Fischzillen. Seit dem Mittelalter wohnten beiderseits des Donauarms Flößer, Schiffer, Fischer und andere mit dem Wasser verbundene Bewohner, jedoch siedelten sich keine wasserabhängigen Gewerbebetriebe an. Aus dem Donaugebiet kamen seit dem Mittelalter Fische und Krebse auf die Wiener Märkte. Personenverkehr spielte auf der Donau lange Zeit hindurch keine besondere Rolle. Die Verbindung zum Donauhauptstrom hieß „Wiener Arm“.

Der Wiener Kanal

Bis 1598 hing die Brigittenau mit der Klosterneuburger Au und der Spittelauer zusammen. Um diese Zeit machte Ferdinand Freiherr von Hoyos den Vorschlag, einen „Wiener Kanal“ zu errichten, wodurch ein neuer Donauarm bis knapp an die Befestigungsanlagen Wiens geleitet wurde. Am äußersten Ende der Wolfs wurde ein Durchstich vorgenommen, der das neugegrabene Kanalbett mit dem Donauhauptstrom verband, sodass ein schiffbares Gewässer von Nußdorf zur Stadt entstand. Der Kanal hat von seiner Abzweigung bei Nußdorf bis zur (heutigen) Schwedenbrücke eine Länge von 5,6 Kilometer und von hier bis zur Wiedereinmündung beim Praterspitz eine Länge von 11 Kilometer. Ab 1598 ist der Donaukanal als regulierter Arm der Donau anzusehen. Der „Wiener Arm“ hatte in der Babenberger Zeit das meiste Wasser geführt, doch waren schon im 14. Jahrhundert Ausbaggerungen im Bett notwendig geworden, um ein weiteres Versanden hintanzuhalten.

1688 setzte Leopold I. eine „Donauregulierungskommission“ ein, die einen Plan ausarbeiten ließ; infolge der angespannten Finanzen konnte er jedoch nicht realisiert werden. 1712 wurde ein weiterer Plan für die Schiffbarmachung des Donaukanals entworfen, für den 1714 Geldmittel flüssig gemacht wurden. Unter Joseph II. wurde in Nußdorf ein Wasserbauamt eingerichtet.

Der Donaukanal

Aufgrund der Beschlüsse der 1892 gegründeten Kommission für Verkehrsanlagen kam es neben einer neuerlichen Ausbaggerung zum Bau von Kai- und Stützmauern, zur Errichtung einer Wehr- und Schleusenanlage in Nußdorf (1894-1898) sowie zur Einrichtung einer Staustufe beim Kaiserbad (Schützenhaus); die architektonische Ausgestaltung der Kaianlagen und die Errichtung der Wehranlage waren ein Werk Otto Wagners.

Erst als im Zuge der Donauregulierung (1870-1875) das unterhalb der Stadionbrücke gelegene Teilstück des Donaukanals begradigt wurde, erhielt der Donaukanal neue Funktionen; der Wasserstand konnte durch die Nußdorfer Schleuse (Nußdorfer Wehr) reguliert werden. Nachdem 1892-1900 die Hauptsammelkanäle (Linker- und Rechter Hauptsammelkanal) gebaut und die Einmündungen der Straßenkanäle in den Donaukanal beseitigt worden waren, wurden 1904/1905 Strombäder eingerichtet.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Stadtgebiet beiderseits des Donaukanals Hauptkampflinie; im April 1945 wurden durch die zurückweichenden deutschen Truppen nicht nur fast alle Donaukanalbrücken zerstört, sondern auch die Häuserzeilen beiderseits des Kanals während der Erdkämpfe größtenteils vernichtet.

Als Kind bin ich mit meiner Großmama entlang des Donaukanals bis zur „großen Donau“ gegangen. Die Wiener und Wienerinnen lagerten an den Ufern, Badanzüge hatten sie keine – also geschah dies in der Unterwäsche.

Als ich selbst Mutter geworden war und öfter am Alsergrund bei meiner eigenen Mutter weilte, fuhr ich gerne entlang des Donaukanals mit dem Kinderwagen, ich fand es abwechslungsreich, die Graffiti zu bewundern.

Später wurde der Donaukanal nun stärker in das städtische Leben eingebunden. Die etappenweise gärtnerische Umgestaltung der Ufer des Donaukanals zu Uferpromenaden begann. 1991 kam es zu Planungen zu einer grundlegenden Neugestaltung des Donaukanalbereichs mit dem Ziel der besseren Integrierung des Donaukanals in die Stadt.

Da ich öfters in Döbling, in der Muthgasse zu tun hatte, spazierte ich mit großem Vergnügen entlang des Donaukanals zurück in die Stadt – damals ein geruhsamer Spaziergang.

Seit den 1990er Jahren kam es zu der Errichtung des Wientalkanals sowie des rechten Hauptsammelkanal-Entlastungskanals, der den Überlauf von Schmutzwasser bei starkem Regen verhindert. Durch den Bau der Donaukanal-Verbindungsleitungen konnte der Auslass von Abwasser bei Reinigungsarbeiten der Hauptsammelkanäle abgestellt werden. Seit 2003 werden keine ungeklärten Abwässer mehr eingeleitet.

Auch heute mag ich das ruhig dahinfließende Wasser, die Zweige der Trauerweiden, die fast das Wasser berühren und der Verkehrslärm nur gedämpft in der Ferne (?) zu hören ist.

An einem sommerlichen Tag entlang des Donaukanals

Es brennt an allen Ecken und Enden

Manche Länder versuchen dabei Vorteile für sich herauszuschlagen

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat nicht nur erhebliche Auswirkungen für die Ukraine selbst, ihre Nachbarländer aber z.B. auch die für die Lebensmittelversorgung in Afrika. Außerdem lösten und lösen die kriegerischen Handlungen weiterhin eine erhebliche Teuerungswelle aus, die sämtliche Länder bedroht – und manche davon vielleicht destabilisieren könnte. Und diese Krise ist eine strukturelle, systematische und langwierige.

Zwei Länder versuchen, schnell der NATO beizutreten – aber dort herrscht, wie bei vielen internationalen Organisationen das „Einstimmigkeitsprinzip“. Das kommt daher, dass diese internationalen Institutionen anfangs von wenigen – einheitlichen – Ländern gegründet wurden und sich im Lauf der Zeit erheblich ausgedehnt haben. Und damit haben die Mitglieder äußerst heterogene Zielsetzungen. Einstimmigkeit muss zuweilen „erkauft“ werden.

Die Vorteile eines NATO-Beitritts der nordischen Länder: Die Schwelle für militärische Konflikte würde erhöht, und hätte damit einen konfliktpräventiven Effekt in Nordeuropa. Die Mitgliedschaft Schwedens und Finnlands würde nicht nur ihre eigene Sicherheit stärken, sondern auch zu Sicherheit gleichgesinnter Nachbarländer beitragen. Schweden und Finnland würden dann bald Sicherheitsgarantien genießen, die ohne Mitgliedschaft nicht gegeben seien.

Aber die Aufnahme neuer Mitglieder muss von den NATO-Mitgliedstaaten einstimmig gebilligt werden. Von den meisten Bündnisstaaten kam bislang Zuspruch zu den schwedischen und finnischen Ambitionen. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte wiederholt, die Länder würden „mit offenen Armen“ empfangen. Beide Staaten seien willkommen.

Die Türkei beschuldigt seit Langem die nordischen Länder, insbesondere Schweden, wo viele türkische Einwanderer leben, extremistische kurdische Gruppen sowie Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen zu beherbergen. Erdogan hat sich immer wieder beschwert, dass der Antiterrorkampf der Türkei von europäischen Ländern zu wenig unterstützt wird. Tatsächlich sind in der Vergangenheit, als Schweden noch für eine liberale Flüchtlingspolitik bekannt war, viele Kurden in den Norden Europas geflohen. Zwar wird die PKK in der EU insgesamt als Terrororganisation gelistet, dennoch schöpft die PKK den größten Teil ihrer materiellen Ressourcen aus europäischen Ländern.

Seit Jahren liegt die Türkei darüber hinaus mit der Nato-Führungsmacht USA in einem erbitterten Streit wegen deren Zusammenarbeit mit dem syrischen PKK-Ableger YPG (Bewaffnete kurdische Miliz in Syrien, kontrolliert verschiedene mehrheitlich kurdisch besiedelte Gebiete in Nordsyrien, darunter auch solche mit einem bedeutenden Anteil an arabischer Bevölkerung). Die kurdische YPG-Miliz, die der PKK nahesteht, war in den letzten Jahren quasi die Bodentruppe der USA bei der Bekämpfung der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien und im Irak.

Zum großen Ärger der Türkei hat die US-Armee die YPG immer wieder mit Waffen und anderem wichtigen Material versorgt, um deren Kampffähigkeit zu unterstützen. Die türkische Armee behauptet regelmäßig, dass diese Waffen später bei Angriffen auf türkische Soldaten benutzt worden wären. Der Konflikt eskalierte so weit, dass türkische Truppen bei ihren verschiedenen Vorstößen auf syrisches Gebiet fast mit US-Truppen aneinandergeraten wären. Nicht zuletzt dieser Konflikt hatte Erdogan zu einer engen Zusammenarbeit mit Putin in Syrien getrieben.

Erdogan erinnerte auch daran, dass sich die Türkei schon einmal mit einem neuen NATO-Mitglied schlechte Erfahrungen eingehandelt habe, als man dem Beitritt Griechenlands zustimmte. Griechenland, so Erdogan, hätte seine Nato-Mitgliedschaft anschließend gegen die Türkei benutzt. Die türkische Regierung, die dem Beitritt damals zugestimmt hat, hätte einen großen Fehler gemacht. Diese Erfahrung, sagte Erdogan, wolle man nicht noch einmal machen.

Die Türkei pflegt gute Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch zu Russland. Zum Ukrainekrieg hat sich das Land bisher ambivalent verhalten: Ankara lieferte der Ukraine Kampfdrohnen, schloss sich aber westlichen Sanktionen gegen Russland nicht an. Auch wurde der Bosporus für Kriegsschiffe gesperrt.  Erdogan brachte sich in den vergangenen Wochen wiederholt als Vermittler zwischen Moskau und Kiew ins Spiel. Außerdem ist für Erdogan wohl auch eine taktische Überlegung, dass er mit der Kritik an einem möglichen Nato-Beitritt der Skandinavier Pluspunkte bei Putin sammeln kann, ohne viel dafür tun zu müssen.

Selbst wenn ein baldiger Beitritt Finnlands und Schwedens gelingen wird, erwarten beide Länder erhebliche Einschränkungen seitens Russlands. Als am wahrscheinlichsten werden Versuche betrachtet, die Öffentlichkeit und Entscheidungsträger in Schweden und Finnland zu beeinflussen. Auch Cyberangriffe seien denkbar.

Russland kündigt an, ab Samstag keinen Strom mehr nach Finnland zu liefern, nachdem die Regierung in Helsinki angekündigt hat, der Nato beitreten zu wollen. Ein Nachteil eines schwedischen Beitritts wäre demnach, dass Russland negativ darauf reagieren dürfte.

Und dass Russland ein Auge auf Georgien geworfen hat, ist auch ein Faktum.

Die abtrünnige georgische Region Südossetien hat für den 17. Juli 2022 eine Volksbefragung über einen Beitritt zur russischen Föderation angekündigt. Die georgische Regierung hatte das geplante Referendum bereits als „inakzeptabel“ verurteilt. Mit dem Ansetzen des Referendums wird dem „historischen Streben“ der Menschen in Südossetien entsprochen.

Wie lange wird das „neutrale“ Österreich von all diesen Konflikten nur indirekt betroffen sein?

Es brennt an allen Ecken und Enden