Ein Spaziergang in Padua und die Fahrt in die Toskana

Weitere Familienmitglieder (Enkel) waren mit der Bahn angereist, womit unsere Familienreisegruppe schon fünf Erwachsene und ein Kind (meine Urenkelin) umfasste.

Schön war’s, in Padua spazieren zu gehen, am Abend und untertags. Die Stadt mit ihren vielen, langen Arkadengängen ist so lebendig, untertags ein Marktplatz, abends ein Platz voller Bars und Restaurants.  Hübsche Geschäfte gibt’s mit wirklich sehenswerter origineller Handwerkskunst.  Viele junge, gut gelaunte Menschen sind unterwegs, das verdankt sich natürlich der Universität.

Die Universität Padua wurde 1222 gegründet. Sie ist somit eine der ältesten Universitäten Europas und nach Bologna die zweitälteste Universität Italiens. Sie entwickelte sich nicht infolge eines speziellen kaiserlichen oder päpstlichen Privilegs. Die Universität konstituierte sich als „Universitas scholarium“, eine freie Körperschaft von Studenten, welche sich nach eigenen Gesetzen richtete und selbstständig regiert wurde. Die Stadt Padua gab sich alle Mühe, die Universität zu schützen, ihre Selbstständigkeit zu respektieren und den Studentenzulauf zu fördern. Auf den Lehrstuhl ad mathematicam kam 1592 Galileo Galilei nach Padua. Er blieb dort achtzehn Jahre und veröffentlichte kurz vor dem Verlassen der Stadt die erste Reihe seiner großen astronomischen Entdeckungen. Das Gebäude ist wirklich sehenswert, ein Anbau ist eindeutig der Mussolini-Zeit zuzurechnen, und in einem Garten der Universität wachsen nicht nur Granatapfelbäume, dort ist alles voller Büsche und Blumen – hier kann man sich jeden Gelehrten trefflich vorstellen, der seine Studenten um sich schart – und doziert.

Aber nicht nur die Universität in bedeutend. Gerade der Adel hat hier eine bedeutende Rolle gespielt. Das merkt man auf der Piazza dei Signori, aber auch der Handel war bedeutend: mit den Markthallen in Piazza delle Erbe und Piazza della Frutta und dazwischen dem Palazzo della Ragione (Justizpalst) wird das nachdrücklich dargestellt.

Natürlich wanderten wir zur Basilika des Heiligen Antonius. Sie enthält Kunstschätze berühmter Bildhauer wie Donatello, der die aus 30 Skulpturen bestehende Figurengruppe unter dem Hochaltar und ein Kruzifix schuf. Die Seitenkapellen sind mit Freskomalereien dekoriert Hinter dem Altar befindet sich die Kapelle des Heiligen Antonius mit den Reliquien. Die Legende besagt, dass bei der Graböffnung im Jahr 1263 die Zunge des Heiligen Antonius noch unversehrt war. Es gibt die von mir so geschätzten Kreuzgänge, auf die man auch faszinierende Blicke auf die imposante Architektur werfen kann.

Gern wären wir auch in die Cappella degli Scrovegni gegangen, aber dafür muss man sich vorher anmelden und erhält dann einen Slot. Wir haben mit der Kirche degli Eremitani, vorliebgenommen. Besonders berühmt wurden die Freskenmalereien von Andrea Mantegna, die bereits von Goethe während seiner Italienreise bewundert wurden. Leider stürzte die Wand mit den Fresken bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg ein. Man hatte vorsorglich Fotos der Wandfresken angefertigt. Nach der Zerstörung rief man die Bevölkerung dazu auf, die Fragmente der Fresken zu sammeln und abzugeben, um die Gemälde wieder herstellen zu können. Die verblieben 88.000 Stücke des Freskos wurden in ein an die Wand gemaltes Bild wieder hineingepasst.

Nachdem unser Frühstück in eine Konditorei stattgefunden hat, speisten wir zu Mittag „al fresco“, in einem der Arkadengänge der Altstadt. Sie enthält Kunstschätze berühmter Bildhauer wie Donatello, der die aus 30 Skulpturen bestehende Figurengruppe unter dem Hochaltar und ein Kruzifix schuf. Die Seitenkapellen sind mit Freskomalereien dekoriert Hinter dem Altar befindet sich die Kapelle des Heiligen Antonius mit den Reliquien. Die Legende besagt, dass bei der Graböffnung im Jahr 1263 die Zunge des Heiligen Antonius noch unversehrt war.

Leider mussten wir dann das liebliche Padua verlassen, und fuhren mit der eingleisigen Straßenbahn zum Auto zurück, in dem es dann allerdings etwas eng war.

Ich mag diese Fahrten auf den italienischen Autobahnen, denn Italien beginnt für mich, sobald ich die ersten Zypressen und Pinien sehe. Ich mag auch diese dichten völlig künstlich angelegten Baumgruppen, von denen man mir gesagt hat, dass sie dem Windschutz dienen. Ich mag die Fahrt über den majestätischen Po, die historischen Städte sieht man nicht, nur eventuelle Sehenswürdigkeiten aus deren Nähe. Ja, ich muss es zugeben, und auch hier gibt es Schallschutzwände unterschiedlicher „Schönheit“.

Nachdem wir Florenz endlich umrundet hatten, verließen wir die Autobahn und begaben uns – auf immer enger werdenden Straßen durch hübsche kleine Ortschaften zwischen Weinbergen, letztlich fast auf Feldwegen zu unserem Quartier. Dieses entsprach noch keineswegs den Feldwegen, aber darüber werde ich Ihnen dann morgen Genaueres berichten.

Ein Spaziergang in Padua und die Fahrt in die Toskana

Am Weg von Wien nach Padua

Anfänglich sah es problematisch aus, wir saßen im Auto, alles war gepackt – wir waren fertig zur Abfahrt – und das Auto sprang nicht an. Der schnell gerufene Gelbe Engel – wir warteten nicht einmal eine halbe Stunde, konstatierte eine leere Batterie (Navi angelassen) lud sie, und empfahl uns eine halbe Stunde zu fahren. Nun konnten wir uns auf den Weg machen, wir hatten mit sehr vielmehr Verkehr gerechnet. Das Wetter war schön, sonnig, die Berge waren noch Nebel-verhangen, aber die herbstliche Färbung war atemberaubend. Die Fahrt in den Süden war nie so schön, die Wiesen waren noch saftig grün, die Sonne schien, die Färbung der Laubbäume von verblasstem Grün, über gelb, orange, rot bis bei manchen schon bräunlich, entweder waren ganze Bergrücken in dieser Färbung, oder es waren Tupfen in dunkelgrünen Wäldern. Die Berge dahinter türmten sich wie Kulissen auf, manche von den Gipfeln waren schon leicht angezuckert.

Unsre Mittagsrast machten wir auf der Terrasse der Raststation am Wörthersee. Sonnenschein, der glitzernde See, Wald und Wiesen herum. Einfach hinreißend.

Im Kanaltal änderte sich die Färbung der Bäume.

Am späten Nachmittag erreichten wir Padua. Aus praktischen Gründen hatten wir, der Nucleus der Familienreisegruppe, in der Nähe des Bahnhofs gebucht. Anfangs waren wir etwas verstört, als wir uns im Nordafrikaner-Viertel von Padua fanden, aber jedermann war sehr hilfreich, das Haus sehr ordentlich und der „Wirt“ versicherte uns, dass es hier sehr sicher wäre. Das Auto hinterließen wir auf einem etwas dubiosem Parkplatz.

Wir ließen nur unser Gepäck fallen und machten uns umgehend auf den Weg „in die Stadt“. Es ist von alters her eine Studentenstadt, einerseits breiten Boulevards und wunderschönen Platanen), andererseits Straßen mit einem Pflaster aus Flusskieseln und Lauben. Überall war alles noch offen, die Märkte haben gerade zusammengeräumt, viele Menschen saßen bei ihren Aperitifs, später dann beim Essen.

Es war gar nicht leicht einen Platz zu finden.

Am Weg von Wien nach Padua

Arbeiten, auch im Alter?

Bei uns gibt es ein gesetzlich geregeltes Pensionsantrittsalter: Das Regel-Pensionsalter für Männer beträgt 65 Jahre. Frauen können derzeit schon mit 60 Jahren in Pension gehen. Das ändert sich aber bald: Ab 1. Jänner 2024 wird das derzeitige Pensions-Antrittsalter von Frauen stufenweise angehoben: Und zwar um jeweils 6 Monate pro Jahr. Bis zum Jahr 2033 (!): Dann dürfen Frauen auch erst mit 65 Jahren in Pension gehen. Im Jahr 2020 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung von neugeborenen Männern in Österreich rund 78,9 Jahre; bei den Frauen waren es circa 83,7 Jahre.

In Zukunft wird die Lebenserwartung in Österreich laut Prognosen ansteigen und Ende des Jahrhunderts voraussichtlich bei 89,4 Jahren (Männer) bzw. 92,2 Jahren (Frauen) liegen. Dies bedeutet, dass die älteren Jahrgänge zahlenmäßig immer dominanter werden.

Das heiß aber auch für viele Menschen eine relativ lange Periode, in der sie meist weitgehend gesund sind und ohne für „ihr Brot arbeiten zu müssen“, leben können. Statistisch gesehen geht man davon aus, dass erst die letzten beiden Lebensjahre durch Krankheit stark beeinträchtigt werden.

All das hat erhebliche Auswirkungen – z.B. auf Wahlverhalten, aber auch für das Pensionssystem. Wenn sich am Pensionsantrittsalter nichts Gravierendes ändert, werden immer höhere Zuschüsse vom Budget in die Abdeckung der Pensionen gehen.

Wird das den Jungen gefallen? Derzeit funktioniert der Generationenvertrag noch. Unter dem Generationenvertrag versteht man die Absicherung der aktuellen Pensionen durch die Beiträge der aktuell Erwerbstätigen im Umlageverfahren. Der Generationenvertrag gilt im gegenseitigen Einverständnis, ohne dass er ausgesprochen oder schriftlich festgelegt wurde – er ist also ein fiktiver Vertrag. Die monatlich von ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen geleisteten Einzahlungen zur Pensionsversicherung werden zur Finanzierung der laufenden Pensionszahlungen benutzt. Die Erwerbstätigen zahlen also die Pensionen der heutigen PensionistInnen, so wie diese die Pensionen ihrer Elterngeneration bezahlt haben. Im Gegenzug sollten sich alle Erwerbstätigen darauf verlassen können, dass ihre Alterssicherung durch nachfolgende Generationen gewährleistet ist. Eventuell entstehende Lücken deckt der Staat ab!

Konkret garantiert das österreichische System eine Pension auf einen bestimmten Anteil des Lohns. Dahinter steht die Idee, dass jeder Versicherte bis zum Alter von 65 Jahren arbeitet, 45 Jahre ins Pensionssystem einzahlt und dann 80 Prozent seines durchschnittlichen Bruttolohns als Rente ausbezahlt bekommt. Wer früher in den Ruhestand geht, bekommt weniger, wer länger arbeitet, erhält mehr.

Da wir in einer Zeit leben, in der immer mehr Menschen immer älter werden, ist ein immer kleiner werdender Prozentsatz der Gesamtbevölkerung berufstätig. Von ihnen wird also weniger Geld erwirtschaftet, und jene, die nicht berufstätig sind, müssen anders unterstützt werden. Aber wie? Eine Methode, mit dieser Tatsache umzugehen, ist z.B. die Erhöhung des Pensionsantrittsalters.

Nun wird dagegen meist eingewendet, dass das nicht besonders sinnvoll wäre, da das aktuelle Pensionsantrittsalter unter dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter liegt. Frauen in Österreich (Werte von 2020) gingen im Schnitt mit 59,3 Jahren in Pension, bei Männern lag dieser Durchschnitt bei 61,3 (2020, leicht gestiegen) Jahren. In den letzten Jahren hat sich das effektive Pensionsantrittsalter aber kaum verändert. Das tatsächliche, effektive Pensionsantrittsalter ist das durchschnittliche Lebensalter, ab dem eine Person tatsächlich eine Pension bezieht. Im österreichischen Pensionssystem gibt und gab es mehrere Möglichkeiten, vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter in Pension zu gehen. Zum einen, wenn nicht mehr gearbeitet werden kann und entsprechend eine krankheitsbedingte Pension (Invaliditäts-, Berufsunfähigkeits- und Erwerbsunfähigkeitspension) bezogen wird. Zum anderen aber auch durch lange Beitragszeiten oder schwere Arbeiten („Hacklerregelung“ oder Langzeitversicherungspension, die Schwerarbeiterpension und die Korridorpension).

Ich weiß sehr wohl, dass man manche Berufe nicht „endlos“ ausführen kann, sie sind belastend, sie führen zu Burnout etc. Andererseits sollten wir uns z.B. nur Politiker ansehen, Joe Biden, geboren 1942, Konrad Adenauer, geboren 1876, Amtsantritt als deutscher Bundeskanzler 1949 und es soll keiner sagen, dass das ein stressfreier Beruf wäre. Man spricht auch vom „Alterswerk“ großer Künstler.

Ich glaube, dass man – wenn man Freude an einer Arbeit hat und dies will, sehr viel länger als bis zum gesetzlichen Pensionsantritt arbeiten kann. Viele Frauen, die „in Pension“ gehen, übernehmen die Enkelkinder, übernehmen die Betreuung der Alten und Gebrechlichen. Vielleicht ist man beim Arbeiten im Alter nicht mehr so schnell, vielleicht ist man auch fehleranfälliger. Aber genau das Arbeiten führt dazu, Strukturen aufrecht zu erhalten, diszipliniert zu bleiben. Ich glaube einfach, dass genau das auch zu einem längeren, gesunden Leben beitragen kann.

Viele „Alte“, also Pensionisten arbeiten „ehrenamtlich“ und viele Systeme würden nicht so gut funktionieren, wären die Ehrenamtlichen nicht bereit, ihre Zeit auf diese Arbeit zu verwenden. Wir leben jetzt in, und hoffentlich bald nach der Pandemie, „anders“. Es stellt sich heraus, dass es einen gravierenden Mangel an Facharbeitern gibt.  Na könnten nicht einige von den pensionierten Facharbeitern einspringen, und Junge in den Betrieben einschulen, das wäre dann keine „volle Verpflichtung“, sollte aber – ohne Abzug der Pension – entsprechend entlohnt werden.

Ich glaube, dass auch auf diesem Sektor ein bisserl weniger Bürokratie und ein bisserl mehr Flexibilität von allen Seiten förderlich sein könnten. Ich halte „Gebraucht-Werden“ für ein Lebenselixier.

PS: ich bin 86, seit meinem 63 Lebensjahr „in Pension“, habe aber bis 69 als „Experte“ in Teilzeit weitergearbeitet, seither habe ich 8 Bücher geschrieben und betreibe seit ca. 5 Jahren meinen Blog.

PPS: Es gibt da ein Buch, an dem ich seinerzeit mitgearbeitet habe. „Fressen die Alten den Kuchen weg? Das Alter neu denken“ von Karl Blecha, Andreas Khol und Christa Chorherr, erschienen 2012; aber das Meiste darin ist sicher noch heute gültig.

Arbeiten, auch im Alter?

Von einem Candleligth Dinner

Gestern war ich von lieben Freunden zum Candlelight Dinner eingeladen. Klingt schon sehr romantisch. Romantisch war es dann eher doch nicht.

Aber das habe ich auch nicht erwartet. Die lieben Freunde kommen aus dem Rotary Kreis, dem mein verstorbener Mann angehört hat und es gibt halt doch einige gute Menschen, die eine Witwe nach dem Tod ihres Mannes nicht gleich fallen lassen, wie einen heißen Erdapfel… Daher kannte ich auch einige der anderen Teilnehmer dieses Events, und es war nicht das erste Mal, dass wir alle zu einem Dinner im Hotel Marriott eingeladen worden waren.  Coronabedingt konnten wir halt über eine längere Periode nicht zusammenkommen. Und wie es bei unseren Freunden aus früherer Zeit so ist, sind wir halt allesamt nicht mehr die jüngsten. Und da unser Gastgeber früher bei der UNO in Wien gearbeitet hatte, kamen auch einige Freunde aus diesem internationalen Milieu.

Mit dem Hotel Marriott verbindet mich einiges: denn die die Redaktion der Zeitung „die Presse“, für die mein Mann solange gearbeitet hatte, hatte ihren Sitz über mehrere Jahre im Hotel Marriott. Um ihn von dort abzuholen, wartete ich nicht selten im Foyer – damals noch beim Wasserfall. Große Empfänge, die die Presse gab, fanden dort statt. Schwer bewacht war das Hotel zeitweilig auch, weil sich die Büros des Konsulats der USA hier befunden hatten. Auch noch nach der Gehirnblutung meines Mannes konnte er noch zu Fuß in die Redaktion gehen. Manche Interviews, die ich für die Bücher, die ich geschrieben habe, geführt hatte, fanden im Hotel Marriott statt. Ja, und eben auch die Candleligth Dinners unserer Freunde.

Und den Bau des Hauses selbst hatte ich miterlebt, Dieses Gebäude wurde zwischen 1983 und 1985 nach Plänen von Harry Glück und Peter Czernin erbaut. Die offizielle Eröffnung des Hotels fand am 27. September 1985 statt. Vorher stand hier ein Teil eines Hauses, das 1864 auf Gründen der Gartenbaugesellschaft errichtet worden war. Das Hotel Marriott hat auch gleichmehrere Adressen: Parkring 12a, Weihburggasse 29-31, Coburgbastei 3-9, Gartenbaupromenade 2-4.

Die k. k. Wiener Gartenbaugesellschaft wurde am 2. Mai 1837 zur Hebung des Gartenbaus gegründet und veranstaltete jährlich Ausstellungen in einem Garten auf der Landstraße und anderwärts (so wurde 1862 eine Obst- und Weinbauausstellung im Garten des Roßauer Liechtensteinpalais veranstaltet). Nachdem der Gesellschaft der Platz gekündigt worden war und sie nicht das Kapital zum Ankauf eines Grundstücks beziehungsweise zur Erbauung einer eigenen Heimstätte aufbringen konnte, gelang es, ein Baudarlehen aus dem Ausland zu erhalten. Mit diesem errichtete die Gesellschaft auf einem nach dem Abbruch der Braunbastei (1863) und der Einebnung des Stadtgrabens parzellierten Areal (das teilweise auf dem ehemaligen Glacis lag und unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde) ein für Ausstellungzwecke geeignetes einstöckiges Gebäude. Bei der Bebauung des Platzes war zu berücksichtigen, dass durch ein Servitut des Kaisers Franz Josef I. dem Palais Coburg bis heute der freie Ausblick auf die Ringstraße und den Stadtpark gesichert ist.

Und jetzt, nach all dem, wollen Sie sicher wissen, wie das Dinner so abgelaufen ist, und vor allem, was wir alles Köstliches gegessen haben. Es war ein „gesetztes“ Essen, wo jeder seinen fixen Platz hatte. Einer meiner Tischherren, ein Neurochirurg, konnte leider nicht kommen, da er Spital aufgehalten worden war. Dafür hatte ich wiederum ein düsteres Verständnis, denn wie mein Mann damals in der Neurochirurgie operiert wurde, wäre es mir auch lieber gewesen, dass ein verantwortlicher Neurochirurg anwesend gewesen wäre (er war es), statt im Marriott fein zu speisen.

Die Sprache am Tisch war teilweise englisch, teilweise deutsch, weil eben die internationalen Freunde der Gastgeber anwesend waren. Es wurde mit Champagner angestoßen, dann gab es Bier, Rot- und Weißwein. Das Essen holte man vom Buffet. Das war wirklich unfassbar reichhaltig. Bei den Vorspeisen hielt ich mich nur an Fische unterschiedlichster Art.  Natürlich hätte es verschieden Schinken (z.B. auch vom Hirsch gegeben), aber ich konnte all die Köstlichkeiten sehen, die mich noch erwarteten. Auf Empfehlung der Gastgeberin aß ich – mit großem Genuss – noch eine Bisqe des Homard (Hummercremesuppe). Trotz Wartens und Vermeidung, die verschiedenen Brotsorten zu kosten, war es mir unmöglich auch nur eine Hauptspeise zu essen. Aber ich hatte – undiszipliniert wie ich schon bin, einen Blick auf das Dessertbuffet geworfen. Und nach geraumer Zeit näherte ich mich diesem: es gab unterschiedlichste Torten, diverse Petit Fours (an denen ich -fast – vorbeiging) einen Kaiserschmarrn, aber und das war dann mein endgültiges Ziel: Früchte mit einem Schokoladebrunnen. Ein Schokoladebrunnen – der Traum der Kindheit.

Also überlegt habe ich mir schon, was mit all dem übrigbleibenden Essen (es waren schon noch andere Gäste anwesend) aber noch am Ende war alles vorhanden – wohl geschehen würde. Ich hoffe stark, dass es caritative Einrichtungen geht ….

Aber es war aber doch herrlich, wieder alte Freunde zu treffen – und zu schlemmen!

Von einem Candleligth Dinner

Der Kompromiss

Der uns weltweit, aber jetzt in Österreich und auch in der EU fehlt

Wir sind nicht alle einer Meinung, in der Demokratie, aber wenn jeder auf seiner Position beharrt, die anderen als Gegner oder gar Feinde sieht, entsteh Missachtung und Hass, und das ist keiner Demokratie förderlich. Leider scheint das aber weltweit der Fall zu sein: Trump versucht – fast um jeden Preis, das Leben von Präsident Biden schwer zu machen, er will ihn schwächen, aus dem Amt vertreiben. Na, und unsere Situation in Österreich ist diesbezüglich auch nicht rosig, nur selten können Kompromisse auf politischer Ebene erzielt werden. Auch in der EU scheint die Kompromissbereitschaft seit dem Brexit zu schwinden. Das Konzept eines Kompromisses schlägt eine taktische oder strategische Entscheidung vor, bei der die Vor- und Nachteile der einzelnen Einstellungen vollständig verstanden werden. ich bin nicht sicher, dass das immer der Fall ist.

Was wird nun als Kompromiss bezeichnet?  Ein Kompromiss ist die Lösung eines Konfliktes durch gegenseitige freiwillige Übereinkunft, unter beiderseitigem Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Forderungen. Die Verhandlungspartner gehen aufeinander zu. Sie verlassen die eigene Position und bewegen sich auf eine neue gemeinsame Position. Ziel ist ein gemeinsames Ergebnis, auf das sie sich einigen. Der Kompromiss ist eine vernünftige Art, widersprüchliche Interessen auszugleichen (Dissens-Management). Er lebt von der Achtung der gegnerischen Positionen und gehört zum Wesen der Demokratie.

Gestatten Sie mir bitte den Blick in die Antike (das habe ich im Gymnasium so gelernt, bei der Lösung jedes Problems gehe man mindestens bis Aristoteles zurück): Der schon bei Cicero belegte Ausdruck compromissum stammt aus der lateinischen Rechtssprache und bedeutete dort, dass die streitenden Parteien „gemeinsam versprechen“ (com-promittunt), sich dem Schiedsspruch eines zuvor als Schiedsrichter angerufenen Dritten zu unterwerfen. Eine Partei, die den Schiedsspruch nachher nicht anerkennt, verliert eine zuvor hinterlegte Pfandsumme Geldes.

Hinter einem Kompromiss steht immer ein Konflikt zwischen verschiedenen Wünschen, Interessen und Bedürfnissen. Meist ergeben sich Konflikte zwischen verschiedenen Menschen. Manchmal aber auch im Inneren eines Menschen („Zwei Seelen in meiner Brust“), oder zwischen Gruppen, Organisationen, Staaten, Kulturen oder Religionen. Oft sind vermeintliche Widersprüche und die daraus erfolgenden Konflikte lediglich eine Folge von Missverständnissen. Und oft steht hinter einem Wunsch oder einem Interesse ein verborgenes und viel wesentlicheres Bedürfnis. Wird ein Missverständnis aufgelöst oder das eigentliche Bedürfnis hinter dem vordergründigen Interesse erfüllt, gibt es auch keinen Konflikt mehr.

Sie werden gleich einwenden, dass Kompromisse aufgrund von geheimen (intransparenten) Packeleien entstehen, dass es auch ziemlich viele „faule Kompromisse“ gibt. Ein „fauler Kompromiss“ ist eine Variante, bei der nur scheinbar ein Kompromiss erzielt wurde – in Wahrheit aber eine Partei den Kürzeren gezogen hat, und dies nicht gemerkt wurde bzw. das Problem unter den Tisch gekehrt wird, oder ein Partner „über den Tisch gezogen wurde“. Oder bei der man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigt hat und dabei beide eher verlieren. Nicht selten werden mangelnde Vorteile oder entsprechende Nachteile erst später ersichtlich und machen dann Nachverhandlungen erforderlich. Keine Lösung wäre es, wenn der Stärkere seinen Willen auf Kosten des Schwächeren durchsetzt.

Je nach kulturellem oder sprachlichem Hintergrund kann die Bedeutung des Wortes „Kompromiss“ und die Erwartungshaltung dazu verschieden sein. In England, Irland und den Commonwealth-Staaten bedeutet das Wort compromise etwas Gutes: Man betrachtet eine Übereinkunft, einen Kompromiss, als etwas Positives, das beiden Seiten zugutekommt. In den USA dagegen versteht man unter diesem Begriff eine Lösung, bei der beide Seiten verlieren. In Deutschland war früher der Kompromiss gar nicht hoch angesehen. Man bevorzugte das Durschlagen des gordischen Knotens, oder sprach „Lass dich in keinen Kompromiss; du verlierst die Sach, das ist gewiss!“, so als wäre der Kompromiss eine Sache für Unentschlossene, Schwächlinge oder Unklare. (Gordischer Knoten: ursprünglich kunstvoll verknotete Seile, die einer griechischen Sage nach am Streitwagen des phrygischen Königs Gordios befestigt waren. Sie verbanden die Deichsel des Wagens untrennbar mit dem Zugjoch. Bekannt wurde der aus dem Bast der Kornelkirsche bestehende Knoten, weil Alexander der Große ihn mit seinem Schwert durchschlagen haben soll. Der Sage nach prophezeite ein Orakel, dass derjenige die Herrschaft über Asien erringen werde, der den Gordischen Knoten lösen könne. Heute bedeutet die Redewendung „den gordischen Knoten durchschlagen“ oder „den gordischen Knoten lösen“ die Überwindung eines schwierigen Problems mit energischen beziehungsweise unkonventionellen Mitteln.)

Im Gegensatz zu Deutschland gilt die Donaumonarchie bzw. die habsburgische Idee mit ihrem Grundsatz des „Leben und leben lassen!“ durch die Erarbeitung unzähliger Kompromisse als übernationaler ausgleichender vorbildlicher Mittler zwischen Sprachen und angestammten Ethnizitäten. Dies, so finde ich, war bis vor Kurzem noch in republikanischen Österreich so – aber die derzeitigen Politiker scheinen den deutschen Weg einschlagen zu wollen, leider – so scheint es- hassgetrieben.

Aus Sicht der (christlichen) Ethik muss sich konkretes Handeln an den ethischen Werten sowie an den eigenen realen Möglichkeiten und den realen Erfordernissen des Anderen orientieren. Bei konkreten Entscheidungen ist oft ein Kompromiss erforderlich: „Kompromissbereitschaft ist nicht Schwäche, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung; sie ist eine geforderte und zu übende Grundhaltung oder Tugend.“

Wir alle sollten wieder kompromissbereiter werden.

Der Kompromiss

Rücksichtsloser Bodenverbrauch

Es ist mir ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass Österreich neben der Veröffentlichung der Chats (und ihrer öffentlichen Vorlesung im Burgtheater – ich halte das für höchst unangemessen) und der steigenden Corona Zahlen noch andere Probleme hat, die derzeit stark in den Hintergrund gerückt werden. Aber durch Verdrängung werden sie nicht weggehen, im Gegenteil, sie werden sich verschärfen. Und vor allem finde ich, dass – um dem Gerede um die Misere abzuhelfen – das Verlautbaren von ehrgeizigen Zielen nicht viel bringt. Das haben wir bei Klimazielen auf allen Ebenen und rundherum gesehen.

Die extreme Verbauung zerstört unsere Umwelt, beschleunigt die Klimakrise und belastet die Gesundheit der Menschen. Mit einem Bodenverbrauch von 13 Hektar pro Tag (2019) wird alle zehn Jahre die Fläche von Wien neu verbaut. Bodenverbrauch wird folgendermaßen definiert: dauerhaften Verlust biologisch produktiven Bodens durch Verbauung und Versiegelung für Siedlungs- und Verkehrszwecke, aber auch für intensive Erholungsnutzungen, Deponien, Abbauflächen, Kraftwerksanlagen und ähnliche Intensivnutzungen. Fast die Hälfte des auf diese Art beanspruchten Bodens (41 Prozent) wird versiegelt, also mit einer wasserundurchlässigen Schicht wie Beton oder Asphalt überzogen.

Ein Schwinden dieser Böden heißt nicht nur weniger Fläche für Getreide, Obst und Gemüse, sondern noch auch mehr Erosion, Überschwemmungen und weniger Biodiversität.

Es ist allerhöchste Zeit: Fast ein Fünftel der bewohnbaren oder landwirtschaftlich geeigneten Fläche Österreichs ist bereits verbaut – dieser „Flächenfraß“ steigt mehr als doppelt so schnell als das Bevölkerungswachstum. Rund 260 Fachmärkte und Einkaufszentren machen Österreich zum Land der Shoppingcenter, von denen viele auf der grünen Wiese errichtet werden. Ihre Anzahl hat sich allein in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt.  Mit rund 1,6 Quadratmetern Einkaufsfläche pro Kopf liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld. Vielleicht ist „Flächenfraß“ der nicht ganz richtige Ausdruck: es wird überall das Ackerland eher „angeknabbert“ als gefressen, aber die Summe aller ist dann das Erschreckliche. Und woraus bestehen diese Knabbereien? In der Erweiterung einer Abfüllanlage, im Neubau einer Schnellstraße, eines neuen Supermarkts mitsamt riesigem Parkplatz, aber auch in jedem Einfamilienhaus im Grünen, das dann eine Zufahrt, Zuleitung von Wasser, Strom, eines Kanals etc.  benötigt.

Flächenwidmung ist in Österreich Gemeindesache. Wer bauen will, geht zum Bürgermeister. Der steckt in einem Dilemma: Einfamilienhäuser bringen die für den Finanzausgleich so wertvollen Hauptwohnsitze, Gewerbegebiete füllen die Gemeindekassen durch Kommunalsteuer, die Unternehmen zahlen. Entscheidet sich die Lokalpolitik gegen die Umwidmung, entsteht das Einkaufszentrum eben im Nachbardorf. Letztlich stehen die mehr als 2100 Gemeinden zueinander in Konkurrenz. Beim Bau von Privathäusern ist es hingegen oft das Naheverhältnis zwischen Antragsteller und Politik, welches dazu führt, dass Umwidmungsanträge oft auf fruchtbaren Boden fallen.

Besonders anfällig für derartige Praktiken sind Gebiete mit hohem touristischem Aufkommen – denn dort sind es die Immobilienfirmen die „Chalets“ – in See-Nähe oder auf Almen bauen, die meist als Zweitwohnsitze (oder Geldanlage) genutzt werden, und daher nicht ganzjährig genutzt werden.

Der hohe Bodenverbrauch ist eines der dringlichsten Umweltprobleme unserer Zeit. Zu den negativen Folgen zählen die Lebensraumzerstörung, das Artensterben, der Verlust der für uns Menschen überlebenswichtigen Bodenfunktionen, die Verschärfung der Klimakrise sowie gesundheitliche Probleme.

Umweltforscher warnen vor den Folgen der Versiegelung angesichts höherer Unwettergefahr. Das abfließende Wasser kann nirgendwo versickern, sondern sammelt sich und verstärkt die Fluten. Neben dem Verlust der Lebensräume durch Verbauung ist auch die Zerschneidung durch Straßen und andere Infrastruktur ein Treiber, da dadurch die Ausbreitung von Tieren und Pflanzen verhindert wird. Verschlechterte Habitat-Bedingungen können zur Abwanderung oder gar zum Verschwinden von Arten führen.

Wir sollten auch an die Ernährungssicherung denken. Derzeit kann vieles Importiert werden, die derzeitigen Probleme mit den „Lieferketten“, die allerdings „nur“ technische Bauteile betreffen, zeigen, wie rasch die Abhängigkeit von internationalen Märkten zur Falle werden kann. Können wir davon ausgehen, dass die Erträge auf den besten Äckern im Marchfeld in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts wegen Hitze, Trockenheit, Unwetter extrem einbrechen werden?

Unsere Ernährung hängt genauso von ökologisch intakten Böden ab, wie unser Zugang zu Trinkwasser, zu sauberer Luft, zur Abkühlung im Sommer sowie dem Schutz vor Hochwasser und anderen Naturkatastrophen.

Aber es muss nicht so sein, wie unsere Nachbarn zeigen:  in Bayern und Südtirol sind Siedlungen viel kompakter als in Österreich. In Deutschland gibt es eine hierarchische Flächenordnung, die den Gemeinden nur noch eingeschränkte Möglichkeiten zur Umwidmung lasse. Südtirol wiederum habe so strenge Vorgaben – etwa was Geschoßanzahl betrifft –, dass manche schon vom „Ende des Einfamilienhauses“ sprechen würden.

In Österreich denkbar seien z.B. Siedlungsgrenzen, die Wohngebiete dauerhaft von Grünland trennen. Über diese Grenzen hinaus dürften Gemeinden dann keine Baugründe mehr widmen.  Das würde auch den 2100 österreichischen Gemeinden helfen. Rund 80 Prozent von ihnen haben weniger als 2000 Einwohner – und auch nur eine kleine Verwaltung, die man durch den Wegfall der Widmungsdiskussion entlasten würde.

Es gibt auch eine Resolution zum Bodenschutz, die das Europäische Parlament mit großer Mehrheit verabschiedet hat. Rechtlich bindend ist die Resolution nicht, denn ein Recht zur Initiierung von Gesetzen besitzt das EU-Parlament nicht. 2014 hatte die EU-Kommission eine Bodenrahmenrichtlinie zurückgezogen, nachdem einige Mitgliedsstaaten die Vorlage jahrelang blockiert hatten – darunter Österreich.

Es ist hoch an der Zeit, nicht nur Ziele zu verlautbaren, sondern an deren Umsetzung zu arbeiten, z.B. einer Verbesserung unserer Raumordnung. Eine Querschnittsmaterie?

Rücksichtsloser Bodenverbrauch

Warum stellten deutsche Fürstenhäuser die Könige von England?

Am 20. Oktober hat sich viel getan, das – sagen wir so – interessant für uns ist.

1696: Die russische Duma beschließt auf Wunsch von Zar Peter I. der Große den Aufbau einer Marine.

1740: Maria Theresia wird zur Erzherzogin von Österreich und Königin Ungarns und Böhmens gekrönt. Die Nichtanerkennung der weiblichen Erbfolge im Sinne der Pragmatischen Sanktion durch Karl Albrecht von Bayern und andere deutsche Fürsten ist der Auslöser für den Österreichischen Erbfolgekrieg.

1803: Der Senat der Vereinigten Staaten ratifiziert den Louisiana Purchase. Die USA erwerben damit die rund 2 Millionen km² große Kolonie Louisiana von Frankreich.

1827: Die Schlacht von Navarino markiert den Höhepunkt der Griechischen Revolution, an deren Ende Griechenland seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangt.

1973: Königin Elisabeth II. eröffnet das Opernhaus von Sydney. Die Eröffnung, bei der Beethovens 9. Sinfonie zur Aufführung gebracht wird, wird live im Fernsehen übertragen und mit einem großen Feuerwerk gefeiert.

1983: Der Meter wird in Paris von der 17. Generalkonferenz für Maß und Gewicht neu definiert als Strecke, die das Licht im Vakuum in 1/299.792.458 Sekunde zurücklegt.

Über jedes dieser Ereignisse ließe sich trefflich schreiben.

Aber immer, wenn mir etwas nicht klar ist, und ich es herausfinden möchte, dann erst ist es wirklich interessant für mich: 1714: Georg I., zugleich Herzog und Kurfürst in Hannover, wird in der Westminster Abbey zum König von Großbritannien und Irland gekrönt.

Und meine Frage zu dem Thema: wie kommen deutsche Fürstenhäuser dazu, Könige in England zu stellen. Bekannt als ihre Vorgänger sind mir: Haus Wessex und Heptarchie – sieben angelsächsischen Kleinkönigreiche – (802 bis 1066), Normannische Herrschaft (1066 bis 1154), Haus Anjou-Plantagenêt (1154 bis 1399), Häuser Lancaster und York (1399 bis 1485), Haus Tudor (1485 bis 1603), Haus Stuart (1603 bis 1714).

Dann kam Königin Anne und der erste Act of Union (1707). Der Union Act selbst war ein Gesetz mit 25 Artikeln. Davon betrafen 15 nur wirtschaftliche Fragen wie beispielsweise die Währungs- und Zollunion wie auch die Vereinheitlichung von Gewichten und Maßen. Das schottische Rechtssystem mit dem oberen Zivilgericht wie auch die schottische Kirche blieben erhalten.1901), Haus Sachsen-Coburg und Gotha (1901 bis 1917), Haus Windsor (1917 bis heute).

Königin Anne Stuart hinterließ zwar keine Kinder, aber eine eindeutige Regelung ihrer Nachfolge. Das englische Parlament hatte bereits 1701 mit dem Act of Settlement ein Gesetz verabschiedet, dass die Thronfolge durch Katholiken kategorisch verbot.

Mit dem Act of Settlement (dt. „Gesetz zur Regelung“) schuf das englische Parlament 1701 die neue Grundlage der protestantischen Thronfolge im Königreich England. Als Thronfolgeregelung ist der Act of Settlement bis heute im Vereinigten Königreich gültig, aber seit 2015 durch das sogenannte Perth Agreement grundlegend verändert (männlich Primogenitur ersetzt durch absolute Primogenitur). Der Act of Settlement schreibt fest, dass nach dem Tod Annes, der letzten protestantischen Thronfolgerin im Haus Stuart (und späteren Königin von 1702 bis 1714), das Recht der Thronfolge – unter Umgehung der bis dahin gültigen Erbfolgelinie, auf Sophie von der Pfalz bzw. deren protestantische Nachkommen übergehen sollte. Sophie von der Pfalz war eine Tochter der Elisabeth Stuart und die nächste lebende protestantische Verwandte des Königshauses. Außerdem wurde geregelt, dass auch alle jene ihrer künftigen Nachkommen ihr Anrecht auf den englischen (ab 1707 britischen) Thron verlieren, die katholisch werden oder einen katholischen Partner heiraten („die päpstliche Religion bekennen oder einen Papisten heiraten“). Der historische Hintergrund war, dass der Vater Annes, Jakob II., der nach dem Englischen Bürgerkrieg und der republikanischen Herrschaft der Puritaner unter Oliver Cromwell im französischen Exil aufgewachsen war, nach der Wiederherstellung der Monarchie 1660 unter seinem älteren Bruder Karl II. um 1668 zum katholischen Glauben konvertiert war.

Mit dem Act of Settlement wurden auf einen Schlag gleich 56 Personen von der Thronfolge ausgeschlossen. Zugleich rutschte der damalige Kurfürst von Hannover aus dem Haus der Welfen zum Thronfolger auf. Dieser Georg I. entstammte dem deutschen Uradel und schuf eine neue Königslinie, die fast 200 Jahre über England beziehungsweise Großbritannien herrschte.

Und nun wie es zum Haus Sachsen-Coburg und Gotha kam: Königin Victoria war mit ihrem Cousin Albert von Sachsen-Coburg und Gotha verheiratet. Das Geschlecht geht auf die Wettiner zurück. Dieses Haus wiederum gehört zu den ältesten Geschlechtern des deutschen Adels. Sie wurden bereits vor dem Jahr 1000 urkundlich erwähnt. Der älteste Sohn von Victoria und Albert wurde am 9. August 1901 als König Edward VII. in Westminster Abbey gekrönt. Trotz damaliger Vorbehalte gegen den Deutschen war die Herrschaft bis 1910 insgesamt positiv.

Von 1910 bis 1936 regierte Georg V. das britische Königreich. Aufgrund der anti-deutschen Stimmung im Ersten Weltkrieg änderte er 1917 den Familiennamen seiner Dynastie. Er wählte als Bezeichnung den Namen einer Burg aus normannischer Zeit – Windsor Castle. So wurde aus den britischen Haus Sachsen-Coburg und Gotha mit einem Schlag das Haus Windsor.

All das könnte fast der Stoff für eine Netflix Saga sein?

Warum stellten deutsche Fürstenhäuser die Könige von England?

Ein kurzer Bericht aus der Stadt am 20. Oktober 2021.:

Auch in der Herrengasse hängt schon die Weihnachtsbeleuchtung. Ich werde mich in Zukunft nicht mehr darüber aufregen, weil die Kristalle auch hier im Sonnenlicht wunderschön funkeln, und aufgedreht – abends – ist die Beleuchtung ja noch nicht.

Gestern war wieder eine Demonstration am Ring. Ich merke das, wenn in meiner Gasse die Autos stauen. Daraus ist zu schließen, dass sie nicht in den verstopften Ring einbiegen können. Und etwas später merkte ich, dass der Ring ab Operngasse gesperrt war.  Dass eine „zivilisierte“ Demonstration erwartet wurde, war auch daraus zu schließen, dass keine Hubschrauber kreisten. Und sie dauerte dann auch nicht besonders lang.

Aber trotzdem sollte man auch die Folgen von Demonstrationen besonders im Hinblick auf Luftverschmutzung überdenken.  Solange man noch Autos in die Stadt lässt, sollte doch dafür gesorgt werden, dass sie da nicht im endlosen Stau stehen müssen. Fast keiner dreht zwischenzeitlich den Motor ab, auch wenn es nur – bestenfalls – im Schritttempo weitergeht.

Meine Gasse ist schon früh völlig zugeparkt: und wenn ich daran so vorübergehe, haben noch sehr wenige Autos grüne Kennzeichen (Zeichen für E-Autos). Die meisten der geparkten Autos sind entweder SUVs oder große, schwere Limousinen (und Autos von hier arbeitenden Handwerkern).  Und ich gehe sicher nicht fehl in der Annahme, dass da jeweils früh und abends eine Person drinnen sitzt. Nun man kann den Menschen nicht vorschreiben, welche Autos sie sich kaufen, aber wohin sie mit den Autos fahren und vor allem, wo sie damit parken, das könnte man schon regeln. (In den USA z.B. gilt auf Autobahnen, dass Autos mit nur einer Person nicht auf der Überholspur fahren dürfen.) Ich weiß schon, vielleicht wurden mit dem großen SUV vorher die Kinder in die Schule gebracht. Aber gewisse Beschränkungen in Ballungsgebieten für „riesige“ Autos sollte es doch geben. Ich versteh` auch, dass diese Fahrer dieser „riesigen“ Autos nicht gerne in Garagen fahren, denn diese jetzt existierenden Garagen sind für Mittelklassewagen gebaut worden, SUVs parken dann gerne auf Behindertenparkplätzen, die sind nämlich breiter (ich weiß das leider aus eigener Erfahrung).  

Irgendwie sollten wir, als Gesellschaft, es schaffen, das Auto als Fetisch, als Statussymbol, aus unseren Köpfen zu verbannen. Ja, ich höre, dass Car-Sharing im Zunehmen begriffen ist, aber wenn ich vernehme, dass dann ein Tag ca. EUR 100 kostet, dann verzichtet man nicht gar so gerne auf das eigene Fahrzeug. Vielleicht hat es sich bei den Jungen schon durchgesetzt, dass es eher ein Statussymbol ist, kein Auto zu besitzen, aber da stehen ja noch die Autos der Eltern zur Verfügung.

Jetzt sind auch wieder Touristen in Wien unterwegs, und gar nicht so wenige, oft auch in Gruppen -viele davon, glaube ich kommen von den Flusskreuzfahrtschiffen. Und manche Touristen fahren auch wieder mit den Fiakern. Viele in Wien leben von Touristen und daher sind wir zufrieden, dass „der Tourismus wieder anläuft“, aber ich gebe zu, dass mir die Stadt schon gut gefallen hat, als sie noch leerer war. Natürlich „schoppt“ sich der Touristenstrom auch an Schanigärten, die ja jetzt das ganze Jahr über offen gehaltenwerden dürfen. Und: vor dem Café Sacher, vor dem Café Zentral bilden sich Schlangen von Touristen, die dort Einlass begehren.

Man kann immer wieder feststellen, dass Wien eine sehr saubere Stadt ist. Dafür sind wir unserer Stadtverwaltung auch sehr dankbar. Aber die Mistkübel, die normalerweise in den Höfen oder Eingängen der Häuser untergebracht sind, stehen oft sehr lange auf den Gehsteigen herum und machen das Fortkommen etwas mühsam, besonders, da fast alle Schanigärten noch „in Betrieb“ sind, mit oder ohne Heizschwammerln.  Und morgens sind halt auch die Mistwagen unterwegs, die in den engen Gassen zusätzlich den Verkehr aufhalten.  Ein weiterer Grund, warum nicht alle Privatautos unbedingt in die Stadt kommen müssen.

Über herumliegende Stadtspielzeuge (also E-Roller) habe ich ja schon öfters geklagt.

Aber andererseits, ich gehe noch immer gerne zu Fuß durch die Stadt. Auch wenn mein geliebter Josefsplatz zuweilen verparkt ist, was ja eigentlich seit dem Brand in der Hofburg am 27. November 1992 (Geburtstag meines Mannes) verboten sein sollte, um die Feuerwehr bei eventuell erforderlichen Löscharbeiten nicht zu behindern. Bei diesem Brand damals wurden die Redoutensäle zerstört, die Lipizzaner sowie Bücher der Nationalbibliothek konnten aber in Sicherheit gebracht werden. Die Brandursache wurde nie restlos geklärt. Ich habe – nach dem Zweiten Weltkrieg in den Redoutensälen noch Opernaufführungen gesehen, als sie auch als Ersatz für die zerstörte Staatsoper dienten.  Und in den restaurierten Redoutensälen tagt (streitet) jetzt unser Parlament.

Ein kurzer Bericht aus der Stadt am 20. Oktober 2021.:

Ein Tag, im Leben einer pflegenden Angehörigen

So pflegebedürftig, wie ich es jetzt beschreiben werde, war mein lieber inzwischen verstorbener Mann erst gegen Ende seines Lebens. Aber begonnen hat die „Pflege (light)“bereits ab dem Zeitpunkt als er von der Reha nach der Gehirnblutung nach Hause gekommen war.

Immer schwierig war das Anziehen – man muss sich vorstellen, die rechte Seite „funktioniert nicht“, da gibt es kein Mithelfen beim Hineinschlüpfen in die Ärmel z.B. Knöpflen kann man linkshändig auch nicht besonders gut, auch Krawattenbinden ist schwierig – und 1994 war es für meinen Mann unabdingbar, nur mit Krawatte außer Haus zu gehen. Schwierig waren immer schon die Schuhe anzuziehen. Man kann sich das vorstellen, wie bei einem Kind, das die Schuhe nicht anziehen will.

Hier musste zuerst eine Schiene mit diversen Bändern angezogen werden (damit der Vorfuß nicht hängt, und man darüber stolpert) und dann über diese Schiene der Schuh – orthopädische Schuh. In der Früh war es etwas leichter, wenn das später notwendig war, war’s immer noch viel schwieriger, weil die Füße halt immer angeschwollen sind.

Mein Mann war immer bemüht, alles was er selber machen konnte, selbst zu machen, aber immer ging das halt nicht. Z.B. hat er schon während des Spitalsaufenthaltes versucht, links schreiben zu lernen, wie ein Erstklassler, auf liniertem Papier, Buchstabe für Buchstabe… Wir haben damals probiert, einen Computer zu erwerben, der Diktiertes in Text umwandeln könne. Das hat damals nicht funktioniert, weil das „Vokabular der Computer“ noch sehr beschränkt war, und jedes (für den Computer) neue Wort händisch eingegeben werden müsste. Mein Mann ist problemlos von selber auf einem Computer schreiben, als er noch gesund war, auf Diktieren übergegangen. Ich verweigerte allerdings das Schreiben nach Diktat, weil das einfach ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen hätte, die ich anfangs nicht hatte, ich war noch längere Zeit voll berufstätig – und dann, ich gebe es zu, wollte ich selber schreiben. Aber selbstverständlich, das Recherchieren für seine Bücher, für seine Kolumnen, das habe ich immer während dieser 15 Jahre gemacht. Zuerst war ich für Ihn in der Nationalbibliothek, mein Mann durfte die Bücher nach Hause nehmen.  Und dann habe ich auch alles für ihn im Internet gesucht. Nach seinem Tod, habe ich Mappen voll Ausdrucken, nach Themen geordnet, in seinem Schreibtisch gefunden, die er als Unterlagen für seine Kolumnen verwendet hat.

Ich habe auch für ihn seine „Ablage“ gemacht, er hat immer alles Papier geordnet abgelegt, da aber alles in Kastln unter der Bibliothek abgelegt war, war ich des Bückens und am Boden Herumkrabbelns dann doch müde.  Diese Arbeit wurde einer der Hilfen übertrag n, die dann zu uns kamen.

Nach und nach kamen diverse Hilfen ins Haus. Da war einmal unser Masseur, ein liebenswerter Herr, mit dem sich mein Mann bald angefreundet hatte, mit dem er lange Gespräche führte, der T. bis zu seinem Tod begleitet hat, er war ganz zuletzt sogar noch einmal auf der Intensivstation. Dann kamen eine Reihe von Damen, die mit ihm seine Bücher und Kolumnen schrieben, die er diktiert hatte, die entsprechende Korrekturen vornahmen und immer auch für ein Schwätzchen mit mir bereit waren. Zeitweilig kamen Logopädinnen, lange kam eine reizende Ergotherapeutin, die besonders die Hände mit ihm trainierte. Es kamen auch nette junge Damen, meist Schwesternschülerinnen, die eigentlich dafür sorgen sollten, dass er sich ausreichend und richtig bewegt. „Turnen“ hat mein Mann nie wirklich leiden können, auch, wie er noch gesund war. Aber dann, als er schon behindert war, hat er geschickt alle Anstrengungen, die dem Turnen nur irgendwie ähnlich waren, vermieden. Und letztlich bezog sich das alles auch aufs Gehen.

Diese Besuche diverser Personen ermöglichten mir das Fortgehen. Denn mein Mann stolperte leicht oft (meist in der Wohnung). Ich konnte ihn nicht allein aufheben.  Anfangs holte ich noch Nachbarn, später dann das Rote Kreuz. Er hat sich eher selten dabei ernsthaft verletzt. Aber die Vorstellung, dass er allein in der Wohnung irgendwo am Boden liegen würde, war mir unerträglich.

Anfangs konnte T. noch gut – mit Stock – gehen, aber für Flughäfen verwendeten wir schon bald Rollstühle. Bald borgte ich mir für alle Reisen Rollstühle aus. Aber gegen Rollstühle zuerst in Wien auf der Straße kämpfte ich heftig, ich wusste, dass damit das Gehen nicht mehr stattfinden würde. Noch einmal habe ich gekämpft, gegen den Rollstuhl in der Wohnung. Aber ganz zuletzt war’s dann soweit, dass mein Mann nicht mehr selbstständig aus dem Rollstuhl aufstehen konnte, um sich z.B. ans Bett oder auf einen Sessel zu setzen.

Ein besonderes Problem waren 12 Stufen, die erklommen werden musste um in unserem Haus zum Lift zu kommen. Mein Mann hat sie gehasst. Zuletzt haben wir so einen „Stiegengeher“ gemietet, der aber sehr mühevoll zu bedienen war.

Vielleicht können Sie sich eine Vorstellung mach, was Pflege von Angehörigen bedeutet, dabei habe ich immer Hilfen gehabt, die pünktlich gekommen sind, und mir sehr vieles abgenommen haben, die sowohl meinen Mann als auch mich immer emotionell unterstützten.

Ich wollte, mein Mann weilte noch unter uns, aber die Corona-Zeit wäre schrecklich für ihn und für mich gewesen, keine Besuche von Freunden, von Therapeuten, keine Möglichkeit über die Stiegen zu kommen, um wenigstens ein bissel ins Freie zu gelangen.

Es gibt für alles eine Zeit – sagt schon die Bibel.

Ein Tag, im Leben einer pflegenden Angehörigen

Statt Sünden, diesmal Tugenden

Halten wir sie ein?

Zurecht haben einige der Leser meines gestrigen Beitrages https://christachorherr.wordpress.com/2021/10/18/zu-verhaltensmasstaben-z-b-die-sieben-todsunden/

gemeint, es wäre sinnvoller mit den Tugenden, statt mit den Sünden zu beginnen. Ich darf das jetzt nachholen. Aber für mich spießt es sich schon beim Wort „Tugend“ – in unserer Gesellschaft nicht sonderlich „beliebt“. Viele, gerade jüngere Menschen sehen das Wort als veraltet an. Dabei wird es von „taugen“ abgeleitet, Tauglichkeit im Sinne von Tüchtigkeit, Vorzüglichkeit.

Tugend kann (je nach Person) Unterschiedliches bedeuten, denn es gibt die: Kardinaltugenden, die christlichen und die himmlischen Tugenden, Rittertugenden, die „neun edlen Tugenden“ im germanischen Neuheidentum, Bürgerliche Tugenden, wissenschaftliche Tugenden, Herrschertugenden, aber auch preußische Tugenden, es gibt die Silas im Buddhismus, die fünf konfuzianischen Kardinaltugenden, Frauentugenden, Soldatische Tugenden … Wir haben die Auswahl.  Es wird aber auch von Sekundärtugend gesprochen, wenn man Charaktereigenschaften meint, die zur praktischen Bewältigung des Alltags und zum „störungsfreien“ Betrieb einer Gesellschaft beitragen, ohne aber für sich allein eine ethische Bedeutung zu haben, sofern sie als Selbstzweck hochgehalten werden und nicht zur Erfüllung der Primärtugenden dienen. Dazu gehören z.B.  Fleiß, Treue, Gehorsam, Disziplin, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ordnungsliebe, Höflichkeit, Sauberkeit. Diese Tugenden stehen selten hoch in der Prioritätenliste von (jungen) Menschen heute.

Mein Vorschlag daher: schauen wir lieber in die Antike. Die Gruppe von vier Haupttugenden ist erstmals bei dem griechischen Dichter Aischylos belegt, in seinem 467 v. Chr. entstandenen Stück Sieben gegen Theben. Er scheint sie als bekannt vorauszusetzen; daher wird vermutet, dass sie schon im griechischen Adel des 6. Jahrhunderts v. Chr. geläufig waren. Tugendhafte Menschen sind demnach: verständig, gerecht, fromm und tapfer (entspricht „gut“) bezeichnet. Kann sich ein materiell armer Mensch (damals eventuell Sklave) tugendhaft verhalten? Bestimmen nicht Umstände, dass – um überhaupt überleben zu können – er/sie sich gar nicht so tugendhaft verhalten muss?

Also ganz können wir heutzutage damit doch nicht auskommen: Platon übernahm die Idee der Vierergruppe. Er behielt die Tapferkeit, die Gerechtigkeit und die Besonnenheit bei, ersetzte aber die Frömmigkeit durch Klugheit oder Weisheit (wobei diese zwei Verhaltensweise gar nicht dasselbe bedeuten). Dadurch wurde aber die Frömmigkeit aus dem Tugendkatalog verdrängt.

Auch im Judentum wurden dieselben vier Haupttugenden genannt.  Die Römer übernahmen diesen Katalog (Cicero) von den Griechen. Das Christentum nennt Glaube, Liebe und Hoffnung als wesentliche Tugenden. Im Gegensatz zu den zehn Geboten sind diese drei Tugenden keine konkreten Handlungsvorschriften, sondern von Christen verlangte Einstellungen bzw. innere Haltungen. Sie werden von den vier aus der antiken Philosophie übernommenen Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung ergänzt. Auf Papst Gregor den Großen (540–604) geht dieser traditionelle Kanon der sieben Tugenden zurück, indem er drei göttlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung den antiken platonischen Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung hinzurechnete. Eine erste systematische Ausformung erhält die Tugendlehre im Rahmen der Morallehre des Thomas von Aquin, der die Kardinaltugenden als Angel bezeichnet, an der alle anderen Tugenden befestigt sind (wie die Tür an der Angel – lateinisch: cardo). Immanuel Kant lässt in Bezug zu den Sekundärtugenden nur eine Primärtugend gelten: „Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.“ Fehle dieser, können alle anderen Tugenden „auch äußerst böse und schädlich werden“.

Um „tugendhaft“ zu leben, müssen wir zwischen Gut und Böse unterscheiden können – das ist zuweilen gar nicht so leicht. Und dann kommt noch dazu, dass wir „das Gute“ auch wollen. Der freie Wille des Menschen, den wir alle so hochhalten, steht dem „Gut-Sein“ zuweilen im Wege. Aber selbst „das Gute“ sieht für unterschiedliche Menschen höchst unterschiedlich aus. Mir fällt dazu – aktuell – die Impfdebatte ein. Hier eckt auch noch der Freiheitsbegriff herein. Für mich aber hört Freiheit dort auf, wo sie die Freiheit eines anderen beeinträchtigt, hier müssten nun die platonischen Kardinaltugenden „eingreifen“.

Ich meine „tugendhaft“ zu leben ist schwer, sollte aber dennoch von vielen angestrebt werden. Und damit dies möglich ist, bedarf es der Beispielgebung jener, die besonders in der Öffentlichkeit stehen. Und das scheint mir derzeit eher nicht der Fall zu sein!

Statt Sünden, diesmal Tugenden