Wie es so geht, mit der Liebe an alten Gebäuden.

Im Mezzanin, am ehemaligen Hauptsitz der ehemaligen Creditanstalt

Ich hänge halt immer noch an Gebäuden, in denen ich gearbeitet hatte, auch wenn mein Arbeitsleben schon lange vorbei ist. Und eines dieser Gebäude ist jenes der ehemaligen Creditanstalt (später Bank Austria, dann innerhalb der HypoVereinsbank Gruppe und jetzt UNICREDIT), das verkauft wurde und einer anderen Nutzung zugeführt wird.

In der Zwischenzeit ist das Parterre, der ehemalige Kassensaal, zum SPAR geworden, der auch dort auch ein Restaurant betreibt. Das Mezzanin. (Ich habe schon einmal darübergeschrieben: https://christachorherr.wordpress.com/2021/06/14/eine-restaurantempfehlung-am-montag-butterschnitzerl-mit-erdapfelschmarrn/).

Und weil man für alles „Neue“ besonders werben muss, ließ sich das Management etwas einfallen. Und ich durfte dabei sein. Es wurde ein „Kulinarisches Kultur Menü veranstaltet. Und was soll man sich darunter vorstellen?

Abends gab es ein köstliches Menü und dazwischen „Kultur“ – in der Form von zwei Lesungen von Adi Hirschal. Er ist ein österreichischer Schauspieler, Kabarettist und Intendant, der in Wien lebt. In der COVID Zeit gab es für ihn, wie für viele andere Kulturschaffende, wenig zu tun. Um die Zeit zu nützen, hat er beschlossen seine Biographie zu schreiben.  Und aus dieser Biographie hat der Autor gestern vorgelesen. Vorgelesen ist vielleicht viel zu wenig gesagt. Er hat zwar Texte aus diesem Buch zitiert, aber dazwischen – gesungen, alte Songs abgespielt – mit einem Wort, die ganze Geschichte sehr kurzweilig gestaltet. Es ging um seine Jugend, es ging aber auch um seine Sprache – und örtliche Dialekte.

Dem Publikum hat’s gut gefallen. Nicht nur einer hat mitgewippt, als die „alten Songs“ (Rock and Roll) ertönten. Manche waren durchaus gerührt – durch die Erzählungen.

Und zwischendurch wurde gespeist. Natürlich gab es einen Aperitif – schon beim Hineinkommen – ich war fast zu spät gekommen, da ich am Hinweg alte Freunde getroffen habe, mit denen ich unbedingt plaudern musste. Es ist so schön, dass das wieder passiert, hoffentlich wird es uns nicht wieder durch Corona abgedreht!

Naja, nach der Vorstellung des Programms für den Abend konnte man sich vorerst an der Vorspeise delektieren: Entweder Burrata, mit Paradeiser-Raritäten, frittierten Kapern und Basilikum, oder Carpaccio vom Murbodner Rind mit Rucola, Pinienkernen und Grana Padano.  Ich hatte ersteres gewählt, weil ich diese bunten kleinen Paradeiser sehr mag und außerdem Burrata den schon ziemlich langweilig gewordenen Mozzarella vorziehe. Dazu gab es roten oder weißen passenden Wein.

Nachdem das Brot am Tisch stehen gebliebenen ist, (man daher nicht verhungern musste) kam der Kunstgenuss, nämlich die Lesung.

Hierauf folgte wieder ein entweder/oder: also eine Gebratene Perlhuhn Brust mit Risotto mit Blumauer Paprika und Basilikum Öl. Oder Ricotta Ravioli mit Jungspinat und Lauchschaum. Da ich meist jene Sachen „bestelle“, die ich mir nicht oder ungern selber mache, nahm ich die Ravioli.  

Und um sich das Dessert wirklich zu verdienen, kam eine neuerliche Lesung! Die Nachspeise bestand dann aus Schokoladen Panna Cotta mit frischen Himbeeren und Salz-Karamell. Das mag doch jeder!

Ein durchaus gelungener vergnüglicher Abend!

Wie es so geht, mit der Liebe an alten Gebäuden.

Tücken, auch bei den Wiener Linien

Vorauszuschicken ist, dass ich viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien fahre, seit ich über kein eigenes Auto mehr verfüge. Ich kenne mich gut aus, weiß auch u.U., wie man eventuell „alternativ“ irgendwo hinkommt. Und ich bin meist sehr zufrieden.

Heute war das nicht ganz so.

Ich habe sehr selten „Vormittagstermine“. Aber heute wollten wir wieder einmal Reisefilme bei einer meiner Freundinnen ansehen. Davon dann später. Schon meine Haushaltshilfe kam zu spät – etwas, das sie sonst nie tut, und ich war eigentlich bereits in Sorge. Sie berichtet von Verkehrsproblemen.

Ich ging dann durchaus rechtzeitig weg, kam zur Haltestelle, auf der Anzeigentafel sah ich „Störungen“ bei einiger der sonst hier fahrenden Linien, aus dem Lautsprecher krächzte eine Stimme, ich verstand leider die Botschaft nicht. Ich wollte schon zur U-Bahn wechseln, als dann doch sogar zwei Linien daherkamen, wovon mich eine ziemlich nahe an mein Ziel gebracht hätte. Zufrieden stieg ich ein. Um kurz darauf wieder aussteigen zu müssen, weil vor uns eine Reihe von sich nicht bewegenden Straßenbahnen stand. Kurz ärgerte ich mich, nicht zur U-Bahn gegangen zu sein, dann nahm ich – wie man so halt sagt – meine Beine in die Hand und ging zu Fuß. Ich war nicht die einzige. Eine ganze Kolonne ging den Ring entlang.

Unterwegs überlegte ich mir, dass das ja eigentlich mein alter Büro-Weg gewesen ist, erinnerte mich, was ich alles in den Häusern entlang des Weges erlebt hatte, wo z.B. Freundinnen von mir gewohnt hatten, und im Nu war ich dann bei meinem Ziel angelangt. Ca. 15 – 20 Minuten hatte ich mich verspätet. Na so schlimm war das auch wieder nicht, da ich ja angerufen hatte, um meine Verspätung anzukündigen.

Wir schauten uns gemeinsam einen Reisefilm an, den meine Freundin 1990 gedreht hatte, anlässlich ihrer Reise nach Tibet. Es war noch eine Zeit, während derer die chinesische Bahnlinie dorthin noch nicht fertig war, und das alte, das einheimische Tibet noch teilweise „sichtbar“ war. ich gebe zu, ich verstehe vom Buddhismus sehr wenig, ich kann vieles nicht nachvollziehen, wie Gebetstrommeln, wie Gebetsfahnen, aber eindrucksvoll ist Lhasa schon, und die Landschaft dieses Gebiets mit ihren Sechstausendern. Ich werde kaum noch dorthin kommen, daher bin ich froh und dankbar noch ein wenig – halt nur indirekt – davon sehen zu können.

Nach diesen schönen Erlebnissen war ich dann doch recht froh, dass die Straßenbahn wieder regemäßig fuhr. Sie war ziemlich voll, vor allem, weil ja wieder viele Schüler unterwegs sind. Zufrieden stellt ich fest, dass fast alle Fahrgäste FSP2 Masken trugen (Ausnahme: eine ältere Frau mit einem Einkaufs-Trolley, die ihre unter dem Kinn hängende Maske nicht hinaufgeschoben hatte. Sie telephonierte, in einer fremden Sprache.  Sie stieg dann bald wieder aus).

Dann stieg ein jüngeres Paar (nebst vielen anderen Leuten) zu und „eroberte“ zwei gegenüberliegende Sitzplätze, beide sprachen laut miteinander, ihre Masken (nicht FSP2) hingen unter ihrem jeweiligen Kinn. Die beiden Sitznachbarn erhoben sich, um sich von ihnen zu entfernen. Eine Dame bat sie freundlich, doch ihre Masken aufzusetzen und bekam, wie wir wienerisch sagen, „eine Goschen angehängt“, obwohl die beiden sicher keine hier geborenen Wiener waren.  Die Dame drohte dann, die Polizei zu rufen, das bewirkte  wiederum nur höhnische Kommentare der Frau ohne Maske hervor. Demonstrativ stellte diese dann beide Füße auf die Bank vor sich.

Die anderen Fahrgäste schüttelten nur ihre Köpfe. Ich photographierte die „Szene“.

Aber was tut man wirklich in so einem Fall? Jeder will doch so schnell wie möglich an sein Ziel kommen. Auch ich stieg aus, und die zwei „Übeltäter“ konnten mit ihrer Frechheit davonkommen. Höchst unbefriedigend, und sicherlich nicht „integrationsfördernd“.

Tücken, auch bei den Wiener Linien

Antrainieren des Toilettengangs bei Kühen

Ich gestehe: ich bin eine Umweltsünderin. Ich esse gerne zuweilen – eh nicht oft – Fleisch, genau gesagt am liebsten Innereien. Ich trinke Milch, esse Joghurt, selten auch Schlagobers, genieße auch ein Butterbrot und liebe Käse!

Warum das so schlecht für die Umwelt ist:

Kuh-Urin enthält Urea, ein nitrogen-reiche Zusammensetzung, die, wenn sie durch Enzyme in Kuh-Fäkalien zersetzt wird, sich in Ammoniak verwandelt.  Bakterien, die sich im Boden befinden, verwandeln nun das Ammoniak in Stickstoffoxyd. Dieses – als Lachgas bekannt – wird einerseits bei Zahnbehandlungen zur Schmerzvermeidung verwendet, ist aber andererseits ein sehr mächtiges Treibhausgas. Und die gesamte Landwirtschaft erzeugt ziemlich viel davon. In der Europäischen Union trägt die Viehwirtschaft 70% der Treibhausgas-Emissionen bei.  

Nun wurde überlegt, was dagegen zu unternehmen sei. Kuh-Urin zu sammeln und zu behandeln bevor das Ammoniak erzeugt wird, scheint eine gute Idee zu sein. Aber WIE? Das scheint nur zu funktionieren, wenn man den Spielraum der Kühe sehr, sehr enge Grenzen setzt, etwas, das aber gar nicht zu ihrem Wohlbefinden beiträgt.

Nun gibt es Menschen, die meinen eine Lösung für das Problem zu kennen: man muss Kühe – die sich grundsätzlich frei bewegen dürfen – nur dazu bringen, eine Latrine zu benutzen!  Das fordert aber einigermaßen viel von den Rindviechern. Sie müssen lernen, festzustellen, wann ihre Blase voll ist, sie müssen lernen ihre „normalen Reflexe“, sich jederzeit und überall zu entleeren, zu beherrschen. Sie müssen in der Lage sein, eine Latrine aufzusuchen und sich nur dann und nur dort zu entleeren. Das bedeutet, sie müssen lernen bewusst ihre Muskeln, die den Urinfluss steuern zu beherrschen. Uff!

Es wurde nur ein Mehr-Stufen-Plan entwickelt, wie man Kühen Toiletten- also Latrinenbenutzung beibringen könnte.  Die erste Stufe bestand darin, die Kühe zu lehren, den richtigen Platz – also die Latrine aufzusuchen. Man versuchte es mit Kälbern – sie wurden in der Latrine eingesperrt durch Fütterung mit Melasse belohnt, wenn sie in die Latrine pissten, wenn‘s daneben ging, wurden sie geduscht. Etwas später durften sie sich in der der näheren Umgebung der Latrine bewegen. Wenn sie die Latrine aufsuchten, um sich zu erleichtern, wurden sie belohnt. Wenn sie Umgebung dafür „benutzten“ wurden sie mit Wasser besprüht. Nach und nach wurde die Umgebung erweitert, damit sollte erreicht werden, dass die Tiere Selbstkontrolle über längere Zeit ausübten und auch größere Distanzen zu den Latrinen zurücklegen konnten.

Kühe sind ziemlich intelligente Tiere, und das Lernen zeigte Erfolg. Getestet wurde an 16 Kälbern, 11 davon beherrschten nach dem Training den Toilettengang. Forscher meinten, den diesbezüglichen Lernerfolg mit jenen von kleinen Kindern vergleichen zu können. In 77% der Fälle schafften es die Kälber, sich in die Latrine zu erleichtern.

Forscher gehen davon aus, dass die Trainingsmethoden durchaus verbesserbar sind. Man könnte die Methode auch auf Fäkalien ausdehnen, die ebenfalls Nitrogen enthalten und daher weitere Quelle von Stickstoff sind.  Weiters könnte die Lernperiode ausgedehnt werden. Auch das Belohnungs- Bestrafungssystem könnte besser angepasst werden. Schon allein eine andere Aufstellung der Wassersprüher konnte eine Verhaltensänderung der Kälber herbeiführen. Allerdings war die Anzahl der behandelten Tiere zu klein, um eine statistisch valide Aussage machen zu können. Die Forschung auf diesem Gebiet muss noch erheblich erweitert werden.

Ein nächster Schritt besteht nun darin, zu untersuchen, ob das Vieh auf einer Farm ähnlich „ausgebildet“ werden kann. Was die Bauern, also die Viehhalter dazu sagen werden, ist noch recht ungewiss. Die Anlage von Latrinen und vor allem die Ausbildung der Tiere kosten beides, Geld und sehr viel Mühe.

Aber die Verbesserung der Umwelt sollte uns das doch wert sein?

Wenn jetzt in Zukunft die Fleischesser genauso verdammt werden, wie jetzt die Impfverweigerer, sehe ich uns schon auf der Alm beim „Unterricht der Kühe“, um diesen beizubringen regelmäßig „auf die Toilette“ zu gehen. Aber sind diese Kühe nicht manchmal recht aggressiv? Also vielleicht ist es doch gescheiter, auf das Fleisch zu verzichten? Aber wir sollten nicht vergessen, es geht doch nicht nur ums Fleisch, was ist mit Milch, Butter und Käse?????

Ist dann unsere Zukunft nur mehr vegan zu essen?

Antrainieren des Toilettengangs bei Kühen

Sehr persönliche Erinnerungen am Weg zur Kirche des Heiligen Severin – in Sievering.

Mich „verschlägt’s“ derzeit in die verschiedensten Teile Wiens. Gestern war ich in Sievering. Darüber habe ich aber schon einmal geschrieben: https://christachorherr.wordpress.com/2020/02/15/ein-dorf-in-wien-sievering/

Bei jedem Besuch nimmt man anderes wahr. Gestern wollte ich in die Sieveringer Kirche „St. Severin“, gehen, fand sie aber wegen Restaurierung geschlossen. Von außen stellt sie sich heute als eine spätgotische dreischiffige, vierjochige Halle mit Rechteckchor und einem auf der Nordseite angebauten Turm sowie einer zwischen Chor und Turm befindlichen Sakristei dar, die im Zuge der neugotischen Ausgestaltung um 1896 entstanden ist. Bis 1786 war die Kirche von einem Friedhof umgeben. Dort ist jetzt ein friedlicher Park.

Eine Kapelle zu Sievering wird 1330 erstmals genannt. 1344 wird Jakob der „Maedler“ als Priester, „Sohn von der Heiligenstadt“ erstmals in einer Urkunde genannt, damit wird auch das Abhängigkeitsverhältnis von der Pfarre Heiligenstadt dokumentiert. 1349 stiftet Andreas‚ Kämmerer Herzog Albrechts II., der Pfarrkirche einen Gesellenpriester. 1429 wird erstmals ein St.-Severin-Altar genannt. Somit sind das Andreas-Patrozinium sowie die Verehrung des hl. Severin zu dieser Zeit bezeugt.

Über das Leben des Heiligen Severin – wenn Sie es genau wissen wollen – habe ich allerdings schon einmal geschrieben, und zwar unter: https://christachorherr.wordpress.com/2021/01/17/das-romische-mautern-der-weinbau-an-der-donau-und-der-heilige-severin/

Martin von Leibnitz, Abt des Wiener Schottenstiftes (1446–1461), überlieferte als Erster die Herleitung des Ortsnamens Sievering vom hl. Severin. Im Jahr 1683 kam es offenbar im Zuge der Zweiten Türkenbelagerung zum Brand und zum Einsturz der Decke in der Kirche. Wiederholt mussten im 18. und 19. Jahrhundert Reparaturen am Kirchendach vorgenommen werden.

Die Kirche ist leicht „öffentlich“ zu erreichen. Und mit dem 39A Bus fährt man bequem von Heiligenstadt nach Sievering, eben durch die Sieveringer Straße. „Im unteren Teil“ befindet sich eine elegante Wohngegend, die Straßen sind mit Bäumen bepflanzt, die Häuser haben „Stil“. Man kommt auch beim „Eckel“ vorbei. Oft haben wir hier Freunde getroffen, sind im Garten oder in der Veranda gesessen und haben fein gespeist.

Erschreckt habe ich festgestellt, dass ich einfach nicht mehr weiß, wie weit der 39er – Straßenbahn – früher gefahren ist, und wo diese Linie umgedreht hat, dabei war ich in meiner Schulzeit oft in Sievering, weil dort eine Freundin gewohnt hat.  Aber das Bild hat sich verändert, aus den Winzerhäusern sind elegante Villen geworden und es gibt nur noch wenige „Heurige“, die auch ausgesteckt haben. Als Kind, das kann ich noch sicher erinnern, floss im oberen Teil der Sieveringer Straße der Erbsen- oder Arbesbach, der aber jetzt Großteils unterirdisch geführt wird. Aber soweit bin ich dann gestern doch nicht gekommen!

Denn in meine Kindheit hat mich meine Mutter mit nach Sievering (mit der 39er Straßenbahn genommen, dort sind wir bis zur Agnesgasse gegangen und diese bis zu ihrem höchsten Punkt. Dort befand sich eine, von meiner Mutter sehr geschätzte so genannte „Liegewiese“, das war ein Obstgarten, in dem man Liegestühle mieten und unter den Bäumen die Seele baumeln lassen konnte. Ich erachtete das als Kind als extrem fad und wäre viel lieber in ein Bad gegangen. Aber damals wurde mir schon erklärt, dass die Agnesgasse (1894) nach der Markgräfin Agnes von Waiblingen (1072–1143) benannt wurde, Tochter des Kaisers Heinrich IV., Ehefrau des Babenbergers Leopold III. Dieser Ehe entstammen zehn Kinder, darunter Heinrich II. „Jasomirgott“, Leopold IV., Otto von Freising und Konrad II. von Babenberg. Durch Agnes wurde die enge Beziehung zwischen den Staufern und den Babenbergern begründet. Die Gasse hieß aber ursprünglich Neustiftgasse. Mehr interessierte mich damals aber die Schleierlegende der Agnes:

Als Markgraf Leopold und seine Gemahlin im Schloß auf dem Kahlenberg sich an einem offenen Fenster besprachen und in christlichem Eifer verlangten, der Himmel möge ihnen den tauglichsten und gottgefälligsten Ort zur Gründung einer Kirche und eines Klosters durch ein Zeichen weisen, siehe, da ist urplötzlich bei schönem, stillem und heiterem Himmel aus göttlicher Anordnung der Hauptschleier der tugendsamen Gemahlin Agnes durch einen unverhofften Windstoß erfaßt und in den nahe an der Donau liegenden finsteren Wald getragen worden – vor beider Augen und im ersten Jahr ihrer Vermählung Anno 1106. Dort entstand Klosterneuburg!

Aber noch etwas entdeckte ich auf meinem Weg durch die Sieveringer Straße:  einen Heurigen, in den mein ehemaliger Chef uns manchmal eingeladen hatte: den Dreikugel-Schachinger:  Ich sah – da ich es kürzlich gelesen hatte – die drei Türkenkugeln, die dieses Haus während der Türkenbelagerung getroffen hatten und dem Haus seinen Namen gegeben hatten – neben dem Gehsteig eingemauert.

Wenn man lange lebt hat man vieles erlebt, aber an manches kann man sich dann doch nicht so genau erinnern – schade!

Sehr persönliche Erinnerungen am Weg zur Kirche des Heiligen Severin – in Sievering.

Erinnerungen an die Maxingstraße

Gestern bin ich ein Stück durch die Maxingstraße, in Hietzing, gegangen. Früher war ich hier öfter in der Gegend, und daher gibt es auch einiges, an das ich mich erinnere. Aber die Maxingstraße war auch Heimat berühmter Menschen. Da erste worauf man stößt, ist eine 1955 wegen Baufälligkeit abgerissenen Villa, von der heute nur mehr Fundamente erkennbar sind. Die Maxingvilla in Wien war eine 1849/50 im Auftrag von Ferdinand Maximilian von Österreich (1832–1867) erbaute Villa. (Sein Denkmal steht auch am Platzl). In der nahen Umgebung der Maxingvilla, auf der anderen Seite der späteren Maxingstraße, wohnten ab den 1870er Jahren zwei Frauen, zu denen Franz Joseph I. enge private Beziehungen unterhielt: Anna Nahowski und Katharina Schratt.

Die Straße hieß bis 1894 mit dem von der Maxingstraße südostwärts führenden Teil der heutigen Elisabethallee Hetzendorfer Straße, weil sie, von Hietzing aus gesehen, nach Hetzendorf (12. Gemeindebezirk) führt. Da 1894 dort die Hetzendorfer Straße benannt wurde, wurde die im 13. Bezirk gelegene umbenannt.

Auf Nummer 6, Ecke Trauttmansdorffgasse, befand sich der älteste Hietzinger Friedhof, der aber auf Anordnung Josephs II. 1787 aufgelassen worden war.

Nummer 18 war eine berühmte Adresse, hier besaß Johann Strauss (Sohn) ein Wohnhaus, da wohnte er 1870-1878. Hier komponierte er die Fledermaus. Später lebten hier der Maler Julius Schmid (1898-1925); er war Schöpfer des berühmten und bekannten Bildes „Ein Schubertabend“, und von 1911- 1927 wohnte der Komponist Carl Prohaska in diesem Haus.

Auch im Haus Nummer 20 gingen berühmte Gäste aus und ein: es gehörte dem Autor und Übersetzer Siegfried Trebitsch, zu dessen Gästen u. A.  Arthur Schnitzler und Stefan Zweig zählten. Trebitsch bereitete auch George Bernard Shaw den Weg auf die deutschen Bühnen. 1938 wurde das Gebäude enteignet und ab 1941 als Luftwaffen-Feldgericht verwendet.

Die Villa auf Nummer 24 gehörte dem Verleger Paul von Zsolnay, der mit Franz Werfel befreundet war und sich mit seinen deutschen Ausgaben englischer Autoren international Ruf erwarb.

Auf Nummer 26 lebte Carry Hauser (eigentlich Carl Maria Hauser), * 16. Februar 1895, † 28. Oktober 1985, Maler, Graphiker, Bühnenbildner, und Schriftsteller. Einer seiner Freunde war Franz Theodor Csokor.

Nummer 38, das ist das Palais der Familie Wittgenstein – hier gegenüber liegt der bereits erwähnte Maxingpark.

Und es ist die nächste Villa, die für mich viele persönliche Erinnerungen birgt. Nummer 48-54 (Weidlichgasse 1-5), Residenz des Botschafters der USA; hier weilte am 4./5. Juni 1961 während seines Gipfeltreffens mit Chruschtschow der US-amerikanische Präsident John F. Kennedy. Zu diesen Ereignissen waren wir aber nicht geladen, mein Mann und ich.

Wir haben viele der in Österreich akkreditierten US-Botschafter – und Botschafterinnen (gut) gekannt. Wir waren zu den verschiedensten Anlässen dort eingeladen. Besonders in Erinnerung ist mir ein Empfang für Leonard Bernstein geblieben, er setzte sich auch ans Klavier … Ich glaube, dass unsere oftmalige Anwesenheit dort auch darauf zurückzuführen war, dass wir beide Fulbright Studenten in den USA gewesen sind und dass mein Mann lange Zeit Chefredakteur der Zeitung die Presse gewesen ist. Erstmals waren wir unter Llewellyn Thompson zu einer Weihnachtsfeier dort, es gab Eggnog und Österreich war noch besetzt.  

Auf jeden Fall waren wir fast immer am 4. Juli (Independence Day: erinnert an die Ratifizierung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten durch den Kontinentalkongress am 4. Juli 1776 in Philadelphia) in der Maxingstraße. Und meist konnte dieses Fest im herrlichen Garten der Villa stattfinden.  

Es gab große Empfänge und relativ „kleine“, sogenannte gesetzte Essen. Öfters fanden diese Essen für berühmte Persönlichkeiten aus den USA statt, so z.B. für Katherine Graham, die amerikanische Verlegerin; vielleicht haben Sie sogar den Film namens „die Verlegerin“ über sie gesehen, für mich war sie „ident“ mit der Washington Post. Auch Clare Booth Luce, Diplomatin, Schriftstellerin, Verlegerin und Politikerin, war einmal Gast in der Botschaft, wir waren bei einem Mittagessen dort. Besonders originelles Essen gab es zu Zeiten, als Ronald Lauder Botschafter war – ich erinnere mich an Spaghetti mit Vodka und Kaviar. Botschafter Huffington wurde von uns während der Zerfallskriege Jugoslawiens gar arg „bedrängt“, als sich die USA – die wir doch immer als die Weltpolizisten gesehen haben – noch immer nicht in diesen Krieg gemischt habe. Später taten sie es dann doch!

Dort haben wir auch erlebt, wie sich die Sicherheitsmaßnahmen im Laufe der zeit verschärft waren. Anfänglich stand mir der Mund offen, als mit Spiegeln die Unterseite unseres Autos untersucht wurde. Entschuldigen Sie die erwähnten Trivialitäten, aber an diese erinnert man sich dann doch am leichtesten.

Schön war’s – und vorbei ist es!

Erinnerungen an die Maxingstraße

Österreich lebt derzeit nach dem Hatschi-Bratschi-Prinzip:

… denkt an nichts, und freut sich sehr

Es ist ein milder Spätsommer, es „herbstelt“ zwar schon ein wenig, aber wir freuen uns über den Sonnenschein, die milden Abende, die man noch im Freien verbringen kann. Schon, die Pandemie ist noch nicht vorüber, aber eigentlich lassen wir die Regierung die Vierte Welle bekämpfen, die Regelungen dagegen sind uns etwas zu kompliziert, genau damit auseinandersetzen will man sich auch nicht – man genießt den Spätsommer. Derzeit jedenfalls scheinen wir nach dem Hatschi-Bratschi Prinzip zu leben: „(Er springt vergnügt im Gras umher) und denkt an nichts und freut sich sehr“. Wir wollen nicht gestört werden, wir wollen nicht wahrhaben, dass es anderswo nicht so gemütlich zugeht und die Menschen von dort fliehen müssen – zu uns sollen sie jedenfalls nicht kommen, das ist die These unserer Regierung. (Ich genier‘ mich dafür!)

Die großen Unwetter des Sommers verdrängen wir schnell, derzeit kein Grund besonders über Umweltschutz nachzudenken. Uns reicht derzeit die Pandemiebekämpfung. Aber wir ärgern uns ungern, wir schieben die Bekämpfung der Pandemie auf die Zeit nach der Landtagswahl in einem Bundesland. Wir verschieben die Umweltsanierung auf den St. Nimmerleinstag. Sind wir derzeit wirklich zu einem Volk der Phäaken geworden? Wir beobachten, eher genüsslich, die Wahl in unserem Nachbarland, entsetzen uns über die Demonstrationswut der Franzosen und tun so, als ob uns „Europa“ nichts anginge.

Wissenschaftler aller möglicher Fakultäten rufen uns auf, nicht nur, uns doch endlich impfen zu lassen, sondern weisen auch mit drastischen Beispielen auf die unumkehrbare Zerstörung unseres Planeten hin – aber wir finden: „is‘ eh alles paletti“. Die Eierschwammerl, die noch immer radioaktiv sind, na, die kaufen wir halt nicht, gibt ohnedies genug anderes. Und unser Schnitzerl, das lassen wir uns weiterhin schmecken, obwohl es genug Gründe gäbe, aus Umweltgründen doch lieber weniger Fleisch zu essen.

Mit Schulbeginn sollte ja – wie man früher so schön sagte, und mich damit fürchterlich ärgerte – „der Ernst des Lebens“ wieder begonnen haben, nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Regierung, das Parlament, die EU-Abgeordneten, für uns alle! Naja, ich merke wenig davon. Möglicherweise berichten die Medien zu wenig davon, oder vielleicht wollen wir es auch nicht wahrhaben?

Manches ist einfach „zu weit weg“ um uns aufzurütteln: Der Meeresschleim im Marmara-Meer, na dorthin fahren die Österreicher ohnedies nicht auf Urlaub. Der organische Schlamm, ein Ausscheidungsprodukt bestimmter Algen, bedeckt mit seinem Schleim das Meer und tötet Meereslebewesen. Eine große Aufräumaktion der türkischen Regierung hat offenbar nur oberflächlich etwas gebracht. Aber der Schleim sank bis zu 30 Meter unter die Oberfläche und setzte sich auf den seltenen Korallen und dem Meeresboden ab. Leben dort wurde so erstickt. Das Wachstum der Algen wurde in den vergangenen Jahren vor allem durch Düngemittel und Abwässer aus den Städten und der umliegenden Industrie beschleunigt.

Der älteste Permafrostboden der Welt ist 650.000 Jahre alt und liegt in Sibirien: Er schmilzt jetzt. Das wird ausgelöst durch die Rodung von Wäldern, durch Nutzung von Kettenfahrzeugen, auch durch Waldbrände, wie es sie in den vergangenen Jahren in Sibirien häufiger gegeben hat. Für den Permafrost-Boden ist das das Aus, wenn er einmal aufgetaut ist, lässt sich das nicht mehr umkehren. In den nördlichen Permafrost Gebieten ist sehr viel altes, organisches Material enthalten, zum Beispiel Pflanzen- und Tierreste. Mit dem Auftauen steht dieser alte Kohlenstoff Bakterien zur Verfügung, dabei produzieren diese Treibhausgase. Damit wird der Klimawandel zusätzlich angeheizt.

Na gut, damit kann man also die Österreicher derzeit nicht aufrütteln. Haben sie wirklich schon vergessen, dass in ihren Lieblingsdestinationen in Griechenland die Wälder gebrannt haben – und sie ihre Urlaube frühzeitig abbrechen mussten? Haben sie wirklich schon vergessen, dass es ganz in der Nähe der österreichischen Nordgrenze einen Tornado gegeben hat, der fast ein ganzes Dorf zerstört hat? Haben sie wirklich schon die große Flut in Deutschland vergessen, deren Spuren noch immer nicht beseitigt werden konnten? Um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen, die uns näher liegen.

Oder wem Klimaschutz nicht so ein großes Anliegen ist, der könnte sich doch des Europa-Problems annehmen. Dort – so scheint mir – geht gar nichts weiter. Vielleicht könnten ein paar gescheite Leute beginnen, sich den Kopf zu zerbrechen, wie es mit Europa weitergehen soll, nachdem Großbritannien ausgestiegen ist (und mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hat), einige Visegrad Staaten die „europäischen Werte“ nicht akzeptieren wollen, manche eine Finanzunion fordern, die aber andere gar nicht wollen. Und im afghanischen Drama hat Europa bestenfalls KEINE Rolle gespielt, wollen wir immer nur danebenstehen und den anderen zuschauen?  

Vielleicht wäre es an der Zeit aufzuwachen und Probleme aufzugreifen und an ihrer Lösung zu arbeiten. Es gibt genug davon – höchst unterschiedlicher Art!

Österreich lebt derzeit nach dem Hatschi-Bratschi-Prinzip:

Achtung Schifahrer: Squaw Valley wurde zu Palisades Tahoe.

Vielleicht erinnern sich noch einige Ältere an die Olympischen Winterspiele 1960, in Squaw Valley. Dieser Ort hat Innsbruck als Austragungsort nur knapp ausgestochen. Österreich hat 6 Medaillen gewonnen.

Squaw Valley gehört zum Schigebiet Lake Tahoe. Ich habe Ihnen vor gar nicht so langer Zeit vom Lake Tahoe – und was ich dort erlebt habe, erzählt (https://christachorherr.wordpress.com/2021/09/01/sogar-der-beruhmte-lake-tahoe-ist-diesmal-vom-feuer-bedroht/)

Und jetzt lese ich, dass Squaw Valley seinen Namen ändert! Die Gründe: der Begriff wäre rassistisch, frauenfeindlich und verunglimpfend.  Das wäre das Ergebnis von Gesprächen mit den lokalen einheimischen Gruppen, die diesen Wunsch schon lange geäußert hatten.

Squaw – in der Algonkin-Sprache hatte zwar früher „Frau“ geheißen, aber jetzt steht es für „abwertend“, „verunglimpfend“, rassistisch und beleidigend. Daher wurde entschieden, diesen Begriff zu ersetzen.

Der Begriff Squaw Valley wurde den Einheimischen, den Washoe people, die dort über 1000 Jahre gelebt hätten, aufgedrängt. Sie lebten im Sommer auf den Höhen der Sierra Nevada, im Herbst an den östlichen Ausläufern; Winter und Frühling verbrachten sie in den geschützten Tälern. Pinienkerne, im Herbst gesammelt, dienten ihnen als Nahrung im Winter. Wurzeln, Samen und Beeren trugen den Rest des Jahres zur Ernährung bei. Nachdem ihre Jagdgebiete durch die Weißen in Farmen verwandelt und ihre Pinienwälder abgeholzt waren, um den Bedarf an Bauholz und Holzkohle für Virginia City zu decken, mussten sich die Washoe auf den Farmen und in den Städten Arbeit suchen. Mit dem Indian Reorganisation Act von 1934 wurde den Washoe das Land im Carson Valley zurückgegeben. Die Washoe hätten dem Begriff Squaw Valley nie zugestimmt. Er würde diese Menschen dauernd an die ungerechte Behandlung erinnern, die sie erdulden mussten.

Es gibt aber auch noch andere Ortsnamen, die geändert werden sollen: Patrick’s Point State Park in Trinidad, Kalifornien, soll Sue-meg State Park werden. Das wäre der ursprüngliche Name für dieses Gebiet gewesen, benannt von den Yurok people. Patrick Beegan, nach dem dieser Park benannt ist, hat im 19. Jahrhundert Einheimische ermordet.

Also nicht nur bei uns wird fleißig umbenannt.

Achtung Schifahrer: Squaw Valley wurde zu Palisades Tahoe.

Universitäres Streitthema: Islamophobie

Es ist schwierig an den europäischen und US-amerikanischen Universitäten geworden. Nicht nur für Studenten, sondern auch für Professoren.

Ein Professor an dem politologischen Institut der Universität Grenoble wurde plötzlich – für ihn völlig unerwartet von den Studenten gemobbt.  Was wird ihm vorgeworfen: er hat in einer Diskussion mit Studenten den Begriff „Islamophobie“ kritisiert. Er vertrete reaktionäres, rechtsextremes und islamophobes Gedankengut. Er verhöhne Millionen von Opfern, weshalb er nach Ansicht „bestimmter Student*Innen“ sein Recht verwirkt habe, an Diskussionen teilzunehmen. Die Universität müsse Maßnahmen gegen diesen Professor ergreifen. Unterzeichnet ist der Aufruf von einer Gruppe namens Sciences Po Grenoble en lutte (=im Kampf).

Der Name des Professors: Klaus Kinzler, der wegen seiner wirtschaftsliberalen Haltung bisher „nur“ als Neoliberaler beschimpft worden war, soll plötzlich ein Rechtsextremer sein?  Für ihn, den gebürtigen Deutschen, der 1983 als junger Mann nach Frankreich ausgewandert war, ist dieses Wort gleichbedeutend mit Nazi. Er assoziiert es mit kahlrasierten Männern in Springerstiefeln, die Asylbewerber zusammenschlagen.

Der Professor wird der Islamophobie bezichtigt – das wäre bei uns vielleicht nicht so schlimm, aber in Frankreich lebt man sehr gefährlich, wenn man als islamophob gilt. Erinnern wir uns an jenen Tschetschenen, der 2020 den Lehrer Samuel Paty enthauptet hatte. Auch die 12 Charlie Hebdo Opfer galten 2015 für die Mörder als islamophob.

Jetzt muss Klaus Kinzler unter Polizeischutz an einem geheimen Ort leben!

Es is für „Außenseiter am universitären Geschehen“ schwierig zu verstehen: Es geht um den Konflikt zwischen studentischen Aktivisten und kritischer Wissenschaft, um politisch motivierte Rassismusvorwürfe und um die Missachtung rechtsstaatlicher Prinzipien. Es geht um die Macht, die kleine, aber radikale Gruppen in einem von Angst und Opportunismus geprägten Umfeld entfalten können.

Im Jänner 2021 ist in Grenoble eine Aktionswoche „für Gleichheit und den Kampf gegen Diskriminierung“ in Planung. Unter anderem sollen sich acht Studenten und zwei Professoren in virtuellen Konferenzen mit dem Komplex „Rassismus, Antisemitismus und Islamophobie“ beschäftigen. Schon bei der Planung kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Professoren: Klaus Kinzler und Claire Marynower.

Kinzler ist der Meinung, dass der Begriff Islamophobie in dieser Aktionswoche nichts zu suchen hätte. Sein Sinn sei fragwürdig, man könne sich gar fragen, ob es bloß „um eine Propagandawaffe von Extremisten geht, die intelligenter sind als wir“. Marynower meinte, der Begriff “Islamophobie“ sei in der Politik tatsächlich umstritten, aber: „In den Wissenschaften ist er es nicht.“ Kinzler ist über die apodiktische Antwort seiner Kollegin empört, und bezichtigt sie in einer Mail der intellektuellen Anmaßung.

Tatsächlich ist der Begriff „Islamophobie“ auch in den Wissenschaften umstritten. In allen Gesellschaften gibt Ressentiments gegen Muslime. Allerdings besteht die Gefahr, den Unterschied zwischen Fremdenfeindlichkeit – die sich in Frankreich schon vor den gegenwärtigen Debatten oft gegen Araber richtete – und aufklärerischer Kritik am Islam und an einzelnen muslimischen Personen und Organisationen zu verwischen.

Fakt ist, dass in Frankreich Islamisten seit 2015 mehr als 200 Menschen ermordet haben, darunter Frauen und jüdische Schüler. Der von den Islamisten geschürte Hass hat zudem dazu beigetragen, dass Tausende Juden das Land verlassen haben. Was aber Islamisten nicht daran hindert, sich als Opfer und „neue Juden“ zu inszenieren. Oft wird nach Terrorakten nicht über Islamismus, sondern über die Ausgrenzung der Täter und über Islamophobie geredet, denn diese sei der Ursprung allen Übels! Geschürt wird dieser Diskurs von islamischen, oft islamistisch beeinflussten Gruppen aber auch von linken Politikern, Aktivisten und Wissenschaftlern.

Die Situation in Grenoble eskaliert: Klaus Kinzler wird des Mobbings an seiner Kollegin beschuldigt, gefordert wird nun den Begriff „Islamophobie“ in den Wissenschaften zu forcieren, wegen der „Zunahme rassistischer Meinungen in unserer Gesellschaft“. Linksradikale  Studenten fordern die Direktion ultimativ auf, den Islamophobie-Begriff als wissenschaftlich einzustufen und gegen Kinzler vorzugehen. Sein Rücktritt wird gefordert unter dem Motto: „Faschisten in unseren Vorlesungssälen, Kinzler: Rücktritt! Islamophobie tötet.“

Kinzler trat zurück, schreibt an einem Buch. Er meint in einem Interview (an einem geheimen Ort!), dass die heutige Forschung im permanenten Kampf gegen Unterdrückung steht, abweichende Meinungen werden nicht geduldet. Ermuntert von linken Professoren, gehe es jungen Sozialwissenschaftlern oft nur noch darum, strukturellen Rassismus, Sexismus und Islamophobie zu beweisen, oft weniger faktisch als gefühlsbezogen. Man kann diese Studenten auch folgendermaßen darstellen: gravierende Defizite in der intellektuellen Neugier, bornierter Radikalismus, persönliche Feigheit, kombiniert mit perverser Lust am Machtrausch in der Gruppe.

Das wäre aber nicht nur ein französisches, sondern ein europäisches und US-amerikanisches Phänomen. Den Studenten werde nicht mehr beigebracht, zu denken. Es gehe nur noch darum, die moralische Gewissheit von Ideologen nachzuahmen.  Diese Art von Studenten meinen, dass z.B. die Unschuldsvermutung ein Werkzeug der Klassenjustiz wäre. Nur die Stimme der Opfer dürfe zählen, und wer Opfer angreife, müsse sofort bestraft werden. Wenn das Opfer immer recht hat und sämtliche Muslime als Unterdrückte eingestuft werden, sind auch Islamisten Opfer. Ganz egal, ob sie selber Rassisten, Sexisten, Antisemiten, Gewalttäter oder alles zusammen sind. Radikale Studenten, profitieren von einer Kultur der Duldung, der Angst und der Protektion.

Im Falle von Kinzler hat die Cancel Culture nicht gewirkt, sondern genau das Gegenteil ist eingetreten: sie hat Kinzler zum Medienstar gemacht.

Universitäres Streitthema: Islamophobie

Facts zu dem mir unverständlichen Handeln Nordkoreas

Ich kann manches nicht verstehen: z.B. Nordkorea. Da hungert ein Volk und der Machthaber baut sein Waffenpotential auf. Um was zu erreichen? Auf der „Weltbühne“ ernst genommen zu werden?  Das scheint mir für den Aufwand doch ein zu geringes Ziel. Korea ist noch immer geteilt, der Süden floriert, die Bevölkerung dort ist wohlhabend, im Gegensatz zu jener Nordkoreas. Allerdings ist der Süden hoch gerüstet, und wird von den USA seit dem Koreakrieg unterstützt? Aber wie schnell kann die Unterstützung der USA ausbleiben – das hat jetzt doch die Situation in Afghanistan gezeigt!

Nordkorea hat auf seinem Weg zum Atomwaffenstaat die Kunst der Provokation perfektioniert. Dies stellte Kim Jong Un, der Führer der Erbdiktatur, neuerlich unter Beweis, als Kims Militär nach eigenen Angaben einen neuen Typ Marschflugkörper testete, der weit entfernte Ziele erreichen kann. Was ist das Ziel dieser Provokation? Verschärfte Sanktionen sollen zwar vermieden werden, aber dennoch Nordkoreas Anspruch auf den Status einer Atommacht unterstrichen werden. Denn die Vereinten Nationen haben der nordkoreanischen Führung nur den Test von Atomwaffen und ballistischen Raketen untersagt, nicht aber den von Marschflugkörpern.

Könnte dieser Marschflugkörper bereits eine Atomwaffe tragen? Denn eine nukleare Abrüstung, die die USA und die UN fordern, ist heute genauso unrealistisch wie früher. Kaum jemand glaubt, dass die Atomwaffen für Kim noch Verhandlungsmasse sind, nicht einmal, wenn sein Volk, so wie jetzt hungert. Denn Kim Jong-un hat bereits eingestanden, dass die Lebensmittelversorgung in seinem Land zunehmend „angespannt“ sei. Als Grund nannte er Ernteausfälle infolge von heftigen Stürmen und Überschwemmungen im vergangenen Jahr. Auf einer Sitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei kündigte Kim nicht näher benannte „Maßnahmen“ an, um „das Problem zu lösen“. Die Partei müsse sich auf die Landwirtschaft konzentrieren, meint der Machthaber und die wirtschaftliche Lage werde durch die „unvorteilhaften Bedingungen“ der Corona-Pandemie erschwert. Hilfe aus dem Westen wird dennoch abgelehnt. China hat zuletzt Mais nach Nordkorea geschickt.

Ende Juli 2021 hatte Nordkorea nach rund einjähriger Gesprächspause wieder begonnen, auf Anrufe über innerkoreanische Kommunikationsleitungen zu reagieren. Der Schritt hatte auf südkoreanischer Seite Hoffnungen auf eine abermalige Tauwetterphase zwischen den beiden koreanischen Staaten geweckt. Infolge der alljährlichen Übungen der amerikanischen und südkoreanischen Armeen hatte die nordkoreanische Seite jedoch nicht mehr auf Kontaktaufnahmen aus dem Süden reagiert.

Nordkorea hat seinen Atomreaktor in der umstrittenen kerntechnischen Anlage Yongbyon wieder in Betrieb genommen. Diese Aktivitäten werden als Zeichen gewertet, dass eine neue Wiederaufbereitungskampagne im Gange ist, die darauf abzielt, Nordkoreas Bestand an spaltbarem Material für Atomwaffen zu erweitern. Ich halte es für naiv, anzunehmen, dass damit nur Druck auf die USA ausgeübt werden soll, Gespräche mit Nordkorea wiederaufzunehmen.

Nordkorea hat den 73. Jahrestag seiner Staatsgründung am 9. September mit einer nächtlichen Parade eingeleitet. Gegen Mitternacht begann die Veranstaltung auf dem durch Scheinwerfer hell ausgeleuchteten Kim-Il-sung-Platz, der nach dem Staatsgründer und Großvater des derzeitigen Machthabers, Kim Jong-un, benannt ist. Bei dieser Großveranstaltung waren jedoch keine neuen Waffensysteme zu sehen. Stattdessen wurde die Parade fast ausschließlich von den Arbeitern-und-Bauern-Rotarmisten, einer paramilitärischen Organisation Nordkoreas, angeführt. Artillerie wurde an Traktoren gehängt über den Platz gefahren. Außerdem waren Sicherheitskräfte auf Pferden und mit Schäferhunden zu sehen. Eine Einheit führte leuchtend rote Schutzanzüge und Gasmasken vor.

Lange hatte die nordkoreanische Führung stets behauptet, es gebe keinen Corona-Fall im Land. Das glaubte international kaum jemand. Aber das Coronavirus dürfte deutlich stärker um sich greifen als bisher bekannt.

Vielleicht ganz kurz zur Entstehung Nordkoreas:

Die Demokratische Volksrepublik Nordkorea mit der Hauptstadt Pjöngjang ging 1948 aus der Teilung Koreas hervor. Das Kaiserreich Korea wurde 1910 von Japan annektiert und zu einer japanischen Kolonie gemacht. Nach der Kapitulation Japans am Ende des Zweiten Weltkrieges fiel der nördlich des 38. Breitengrades gelegene Teil Koreas unter die Kontrolle der Sowjets, während die US-Armee den südlichen Teil kontrollierte. Nachdem in beiden Teilen unabhängig voneinander Wahlen abgehalten wurden, kam es zum Koreakrieg, der 1953 mit der endgültigen Teilung des Landes am 38. Breitengrad endete. Erst seit 2003 existiert die Sonderwirtschaftszone Kaesŏng, in der nordkoreanische Arbeitnehmer für südkoreanische Unternehmen arbeiten.

Der 1948 im Norden gewählte Präsident Kim Il-sung regierte bis 1994 als Diktator nach stalinistischem Vorbild das Land und begründete die erste kommunistische Dynastie der Welt: Seinem Sohn Kim Jong-il folgte 2011 der Enkel Kim Jong-Un. Hoffnungen auf Entspannung erfüllten sich bislang nicht: Nordkorea gilt als restriktivstes Regime der Welt, in dem es weder freie Wahlen noch freie Meinungsäußerung gibt. Die Einwohner des Landes dürfen nicht ausreisen und ausländischen Besuchern sind nur ausgewählte Bereiche Nordkoreas unter strengen Auflagen zugänglich.

Die Grenze zwischen Nordkorea und der Volksrepublik China gilt als durchlässig, die zwischen den beiden koreanischen Staaten als die am strengsten bewachte der Erde.

Und noch einmal: das Volk dort hungert!

Facts zu dem mir unverständlichen Handeln Nordkoreas

Wenn ich heute so die Nachrichten durchsehe – fällt mir so einiges auf

Wenig Positives: also doch Ärgernisgreislerei

Lieferketten:

Die Pandemie hat die internationalen Warenlieferungen durchgeschüttelt. Seit Monaten spüren Produzenten von Laptops, Kühlschränken, Möbeln oder Autos weltweit die Knappheit von Materialien und Schwierigkeiten in der Logistikkette, was vor allem im Automobilsektor Produktionskürzungen und Kurzarbeit mit sich brachte. Die angespannte Lage auf den Weltmeeren, an den Frachthäfen und an den Flughäfen könnte auch zu Verzögerungen in der näheren und weiteren Zukunft führen. Bei vielen Produkten müssen sich Kunden wegen weltweit stockender Lieferketten derzeit auf lange Wartezeiten einstellen. Betroffen sind Produkte von Spülmaschinen über Fahrräder bis hin zu Notebooks. Über fünf Millionen Autos können dieses Jahr laut Schätzungen nicht produziert werden, weil Teile für z.B. zehn Euro fehlen. Der eklatante Mangel an Chips betrifft zahlreiche Hersteller und Zulieferer. Schnelle Abhilfe zur Entschärfung der Halbleiterkrise ist auch nicht in Sicht.

Frauen in Afghanistan

An Afghanistans Universitäten sollen Frauen nach einer Ankündigung der neuen Taliban-Machthaber weiterhin studieren dürfen – es soll aber nur noch getrennten Unterricht für Frauen und Männer geben. „Die Koedukation steht im Widerspruch zu den Grundsätzen des Islam sowie zu den nationalen Werten, Sitten und Gebräuchen“, sagte der amtierende Minister für höhere Bildung, Abdul Baghi Hakkani. Auch auf den Geländen der Universitäten solle es künftig eine Trennung nach Geschlechtern geben, kündigte Hakkani an. Falls dies nicht möglich sei, sollen Hochschulen zunächst abwechselnde Unterrichtszeiten einrichten oder eine Trennung in den Klassenräumen sicherstellen. Für Studentinnen wollen die Taliban Dozentinnen einstellen – aber auch Männer sollen Frauen unterrichten dürfen, solange der Unterricht nach den Regeln der Scharia erfolgt. Dazu zählten auch islamische Kleidungsvorschriften, so der Minister. Studentinnen müssten eine Kopfbedeckung tragen. Ob dabei nur ein Kopftuch vorgeschrieben wird oder auch das Gesicht verhüllt werden soll, sagte Hakkani nicht.

Corona Spürhunde

Nun werden erstmals wieder Fans zu Spielen in Miami zugelassen. Bei der Einlasskontrolle sollen speziell trainierte Hunde an den wartenden Fans schnüffeln. Gehen die Hunde weiter, so darf der jeweilige Fan in die Halle, setzt sich der Spürhund jedoch vor dem Fan hin, ist dies ein Zeichen, dass er bei der entsprechenden Person eine mögliche Infektion wahrgenommen hat. Coronavirus-Spürhunde kommen bereits an den Flughäfen in Dubai und Helsinki zum Einsatz. Eine Studie hat festgestellt, dass die trainierten Hunde in 94 Prozent der Fälle richtig lagen mit ihrem Corona-Gespür.

Recall,  Republikaner gegen Demokraten in den USA

Die amerikanische Verfassung erstaunt immer wieder. Es gibt da den Recall: Das ist im Staatsrecht das Recht einer Anzahl Stimmbürger, einen Urnenentscheid über die Abberufung eines gewählten Amtsträgers während dessen Amtszeit herbeizuführen. Zugelassen ist er in bestimmten Bundesstaaten der USA, in der kanadischen Provinz British Columbia, in Venezuela auch auf der gesamtstaatlichen Ebene, in den Präfekturen und Gemeinden Japans, im Vereinigten Königreich für Abgeordnete des Unterhauses, in bestimmten Kantonen der Schweiz, in denen indessen nicht einzelne Amtsträger, sondern stets eine gesamte Institution abberufen werden kann, in Bayern, wo ein Volksentscheid zur Abberufung des Landtages beantragt werden kann, in Berlin, wo ein Volksbegehren nach vorgezogenen Neuwahlen durchgeführt werden kann, in Nordrhein-Westfalen.  

In 18 Bundesstaaten der USA ist die Abwahl von gewählten Amtsträgern auch auf der Ebene des Bundesstaates zulässig, in einigen weiteren nur auf lokaler Ebene. Bei der regionalen Verteilung ist auffällig, dass es den Recall fast nur in westlich gelegenen Staaten gibt. Auf der Bundesebene gibt es keinen Recall, ebenso wenig bei den Senatoren, weil diese nach Bundesrecht gewählt werden. Die ersten gesetzlichen Regelungen für einen Recall gab es 1903 in Los Angeles, auf Ebene eines Bundesstaates 1908 in Oregon. Seitdem fanden in den USA über 5000 Recalls statt, die meisten auf der lokalen Ebene. Vor 2003 wurde in den USA erst einmal ein Gouverneur mit einem Recall abgewählt: der Pazifist Lynn Frazier 1921 als Gouverneur von North Dakota.

Jetzt ist der Recall wieder einmal in Kalifornien aktuell: einen Fall, sogar mit Österreich-Bezug gab es schon einmal: 2003 wurde der kalifornische Gouverneur Gray Davis von den Demokraten durch den Republikaner Arnold Schwarzenegger ersetzt. Bis dahin hatte es in Kalifornien 117 Versuche eines Recalls auf der Bundesstaats-Ebene gegeben, davon 48 gegen Gouverneure. Davon waren insgesamt nur fünf erfolgreich; bei den Gouverneuren gelang nur die Absetzung von Gray Davis.

Nun geht es um einen demokratischen Kandidaten, dieser ist erst seit zweieinhalb Jahren im Amt. Die strikten Maßnahmen Newsoms zur Pandemiebekämpfung verliehen den (republikanischen) „Recall“-Initiatoren Auftrieb. Die Hürde für einen „Recall“ in Kalifornien liegt tiefer als in anderen Bundesstaaten, in denen ein Gouverneur abberufen werden kann. Es reichen Unterschriften von zwölf Prozent der Wähler, die sich an der jeweils jüngsten Wahl beteiligt haben. Kritiker weisen daher darauf hin, dass das plebiszitäre Element, das in der progressiven Ära vor mehr als hundert Jahren eingeführt wurde, unter demokratischen Gesichtspunkten zweifelhaft ist. Für Präsident Biden wäre eine Abberufung Newsoms ein neuerlicher Tiefschlag. Für die Republikaner ist die Westküste ein Test. Wenn sie es hier schafften, glauben sie, es auch anderswo zu schaffen.

Über Nordkorea dann ein anderes Mal!

Wenn ich heute so die Nachrichten durchsehe – fällt mir so einiges auf