CO2-Ausstoß bei verschiedenen Autotypen

Mein Tweet „CO-2 Ausstoß von E-Autos höher als bei Diesel“ hat eine große Anzahl von Widersprüchen, sowie sonstigen Kommentaren ausgelöst. Ich möchte dafür danken. Die Frage nach der Quelle wurde öfter gestellt: die Äußerung stammt vom Münchner IFO Institut und war ein Titel zu einem Artikel, der folgendermaßen beginnt:  Das Münchner ifo-Institut sieht Elektroautos nicht als der Weisheit letzten Schluss und plädiert für Erdgas-Autos und langfristig für Wasserstoff oder grünem Methan als Treibstoff.

Noch eines möchte ich auch kurz klarstellen: ich plane nicht, mir ein Auto zu kaufen, und ich besitze auch keines. Ich bewege mich zu Fuß oder öffentlich, in manchen Fällen bin ich Mitfahrer. Ich gebe aber zu, dass ich mir manchmal wünsche, meine Auto stünde vor der Tür (eh nicht möglich, aufgrund der Parksituation!).

Aber eines würde ich (Nicht-Techniker) schon gerne genauer wissen: was ist nun die Öko-Bilanz eines Mittelklassewagens, betrieben mit Benzin, mit Diesel oder mit Batterien. Ohne technisch sehr viel Ahnung zu haben: aber auch der Strom für das E-Auto muss erzeugt werden, bei uns hoffentlich „erneuerbar“, aber gewährleistet ist das nicht. Naja, und wie steht es mit der Produktion der Autos???

Lehre aus der Geschichte: keinen Titel „übernehmen“

CO2-Ausstoß bei verschiedenen Autotypen

Gründonnerstag an der Alten Donau – und schwimmende Strandkörbe

In Wien gibt es wirklich wunderbar geruhsame Platzln. Z.B. heute, bei dem Kaiserwetter, an der Alten Donau, im Restaurant „Zum Schinakl“, am Laberlweg in Kaisermühlen. Man sitzt im Vorgarten- in der Sonne oder im Halbschatten und blickt auf die Alte Donau.  Was isst man denn heute – am Gründonnerstag – natürlich Spinat mit Spiegelei.

Am Gründonnerstag gedenken die Kirchen des letzten Abendmahles Jesu mit den zwölf Aposteln am Vorabend seiner Kreuzigung. Der vor dem 15. Jahrhundert bzw. um 1200 im mitteldeutschen Raum – entstandene Name Gründonnerstag beschränkt sich im Prinzip auf das deutsche (und tschechische) Sprachgebiet. Der lateinische Terminus ist viridium (wörtlich „Tag der Grünen“ – gemeint sind die durch Absolution von den Sünden und Kirchenstrafen Befreiten, im Sinne von „Erneuerten, Frischen“ war möglicherweise nicht, wie von der Sprachwissenschaft lange angenommen, das Vorbild für diese deutsche Bezeichnung, sondern scheint erst im 17. Jahrhundert entstanden zu sein.

Die Herkunft des Namens ist nicht geklärt, es konkurrieren vier Thesen, die sich nicht gegenseitig ausschließen müssen, da auch mehrere Faktoren bei der Entstehung des Namens zusammengewirkt haben können:

  • von virides („die Grünen“), den Büßern, die „dürres Holz“ gewesen waren und jetzt am Tag des Kirchenbußerlasses, wieder lebendiges, „grünes Holz“ der Kirche wurden.
  • Von der liturgischen Farbe Grün
  • Von, aus dem seit dem 14. Jahrhundert bezeugten, aber möglicherweise schon älteren Brauch, am Gründonnerstag besonders grünes Gemüse (Grünkohl, Salate, Nesseln, junge Triebe) und grüne Kräuter zu essen. Dies steht nicht nur im Einklang mit den allgemeinen Fastenvorschriften für die Karwoche, sondern auch in Verbindung mit vorchristlichen Vorstellungen, dass dadurch die Kraft des Frühlings und eine Heilwirkung für das ganze Jahr aufgenommen werde.
  • von „Greinen“ der Büßer am Gründonnerstag

Als Kinder wurde uns noch gesagt, dass an diesem Gründonnerstag die Glocken nach Rom geflogen wären – wir hatten sie aber nie dabei erwischt, wie sie dazu aufgebrochen sind – und dann zum Auferstehungsgloria wieder zurückkämen. Daher traten umgehend die Ratschenbuben auf den Plan, die die Christen an ihre Gebietspflichten erinnerten und hofften, am Ende ihrer Tätigkeit, mit Ostereiern und Schokolade belohnt zu werde.  Sie gehen mir heutzutage aber ab.

Das letzte Mal war ich vor ca. 2 Jahren hier, am Laberlweg. Am Wirtshaus hat sich wenig geändert, aber das „Gebiet“ davor, das damals noch eine so genannte „G’stätten“ war, wo man „frei baden“ konnte, ist jetzt ein Bootssteg. Und an dem Bootssteg sind „schwimmende Strandkörbe“ zu mieten, in unterschiedlichen Größen, aneinanderhängbar – für eine Party, zu denen das Wirtshaus Schinakl auch das Essen bei Bedarf liefert. Also so einen Strandkorb zu mieten und langsam auf der Alten Donau herumzugleiten, würde mich schon sehr reizen, nur allein – das wär‘ eine „fade G’schicht“.

Der Strandkorb allein ruft schon angenehme Assoziationen herauf, z.B. die Ost- und Nordseestrände, wo diese Strandkörbe die primäre Funktion haben, vor dem immer dort wehenden kühlen Wind zu schützen. Vorläufer des Strandkorbes gab es bereits im 17. Jahrhundert in niederländischen Wohnstuben und man findet sie auch auf Bildern des 18. Jahrhunderts in englischen Schlössern. Sie sollten vor Zugluft schützen. Die eigentliche Geschichte beginnt aber erst im Frühjahr des Jahres 1882 in der Werkstatt des kaiserlichen Hofkorbmachers Wilhelm Bartelmann in Rostock. Er wurde dort von der adeligen Dame Elfriede von Maltzahn aufgesucht, die unter schwerem Rheuma litt, das ihr die geliebten Aufenthalte am Strand erschwerte. Sie wünschte sich einen Stuhl, der sie vor Wind und Sonne schützten sollte, denn sie wollte trotz ihrer schweren Krankheit nicht auf die geliebten Urlaube am Meer verzichten. Sie teilte Bartelmann ihre Vorstellungen mit und er flocht aus Weiden und Rohr den ersten Strandkorb, eigentlich mehr noch ein Strandstuhl, denn es war noch ein Einsitzer. Andere Badegäste bestaunten diese außergewöhnliche Sitzgelegenheit, und Bartelmann bekam bald schon weitere Aufträge von anderen Badegästen.

In kürzester Zeit stieg die Nachfrage stark an und er gründete zusammen mit seiner Frau die erste Strandkorbvermietung in der Nähe des Leuchtturms in Warnemünde. Damals dachte noch niemand daran, dass dies einst Standort der Luft- und Raumfahrtindustrie werden sollte. Saisonale Artikel wie Strandkörbe lassen sich besser vermieten als verkaufen. Nun wurden auch die ersten Zweisitzer gebaut, die mit Fußstützen, Markisen und Seitentischen ausgestattet wurden. Auch viele Nordseebäder wurden mit Strandkörben beliefert. Noch immer wurde jeder Strandkorb in Handarbeit gefertigt.

1897 entwickelte Bartelmanns ehemaliger Geselle Johann Falck die Technik weiter zum Halblieger, dessen Rückenlehne nach hinten geklappt werden konnte. Er gründete auch die erste Strandkorbfabrik und bald wurde der gesamte Bereich der Ostseeküste mit Strandkörben beliefert. Bartelmann hatte verabsäumt, ein Patent anzumelden und so gab es reichlich Nachahmer, die sich neue Varianten ausdachten und den Strandkorb weiterentwickelten. Seine Werkstatt in Rostock, in der die Strandkörbe gefertigt wurden, fiel 1942 im Zweiten Weltkrieg Bombenangriffen zum Opfer. Der Betrieb wurde danach eingestellt.

Die Verwendung der Strandkörbe ist heute nicht mehr nur auf den Strand begrenzt, sondern sie werden immer beliebter auch als Sitzmöbel in heimischen Gärten, Wintergärten und auf Terrassen. Die Bauform hat sich seit den Anfängen nur geringfügig verändert. Moderne Strandkörbe haben Armlehnen, Polster, Fußstützen, Markisen und Regendächer aus wetterfestem Material. Strandkörbe sind heute wetterfest. Die Körbe werden nach wie vor von Hand hergestellt.

Es gibt im Wesentlichen zwei Bauarten des Strandkorbs: den Nordsee- und Ostseestrandkorb. Die beiden Varianten unterscheiden sich etwas in der Form. Der Nordseestrandkorb hat eine mehr gerade Haube und rechtwinklige Seitenteile, die auf das eher rauere Nordseeklima abgestimmt sind, der Ostseestrandkorb lädt mit seiner weicheren Form mit geschwungenen Seitenteilen und einer runden Haube zum Träumen ein.

Und jetzt gibt es auch noch die schwimmenden Strandkörbe an der Alten Donau in Wen.

Gründonnerstag an der Alten Donau – und schwimmende Strandkörbe

Gedanken zum „Ständestaat“

Während meines Studiums an der Universität für Welthandel (heute Wirtschaftsuniversität) bin ich in Kontakt mit einem der geistigen Väter der Idee des Ständestaates gekommen. Während meiner Zeit dort hat Dr. Walter Heinrich sowohl als Professor für Volkswirtschaftslehre und als Rektor fungiert. Er war sogar einer der „Väter“ meiner Dissertation. Diese Rolle hat er aber nicht selbst wahrgenommen, sondern seinen Assistenten überlassen. Damals war mir seine Haltung nicht bewusst gewesen. Kein Wunder daher, dass ich ein Kapitel, indem ich mathematisch nachweisen wollte, warum Österreich der Europäischen Gemeinschaft beitreten sollte, auf Vorschlage des Assistenten herausgenommen habe. Das war aber der echt eigenständige Teil dieser Arbeit, der Rest war hauptsächlich Recherche gewesen. Aber das reichte damals aus.

Vielleicht einmal grundsätzlich: was ist denn ein Ständestaat? Ein politisches Konzept des 20. Jahrhunderts eines ideologischen Rückgriffs auf die vormoderne Ständeordnung. Angestrebt wurde eine „ständische“, d. h. auf Gruppenzugehörigkeit basierende korporatistische Neuordnung der zeitgenössischen Staaten und Gesellschaften und die Abschaffung des Parteienpluralismus. Die Hauptstoßrichtung der Idee richtete sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gegen die organisierte Arbeiterbewegung: Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten sich gemeinsam innerhalb der Berufsstände organisieren, wodurch eine selbstständige Gewerkschaftsbewegung verhindert werden sollte. Die Überwindung des Klassenkampfes war ein vordringliches Ziel dieser Bewegung. Diesen berufsständischen Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit forderte vor allem die Enzyklika Quadragesimo anno (1931) von Papst Pius XI. Des Weiteren richtete sich die Idee des Ständestaates gegen die parlamentarische Demokratie und den liberalen Individualismus. Der österreichische Philosoph Othmar Spann, der wichtigste Propagandist des Konzepts, sprach 1929 an der Universität München von einem autoritären „Ständestaat“ als Drittem Weg zwischen Demokratie und Marxismus.

Uns ist naheliegenderweise der Ständestaat in Österreich vertraut, aber es gab diesbezügliche Versuche auch in anderen Ländern, wie z.B. in Salazars Estado Novo in Portugal (1933–1974) oder in der Slowakei während des Regimes Tisos (1939–1945). Auch in Spanien unter Francisco Franco und in Lateinamerika wurden korporatistische Strukturen geschaffen, so in Mexiko und in Argentinien unter Juan Perón. Heutzutage werden diese Regimes meist als faschistisch definiert.

Die unter Mussolini in Kraft getretene italienische Carta del Lavoro (Arbeitsverfassung) vom 21. April 1927 ist ein Basisdokument der Prinzipien des faschistischen Ständestaats. Sie erhob den Korporatismus zur Doktrin, proklamierte eine syndikalistische Ethik der Arbeitsbeziehungen und legte Grundzüge einer faschistischen politischen Ökonomie fest. Neben der Rolle der nach Branchen bzw. Berufsgruppen organisierten Ständekammern, in denen Arbeitgeber und -nehmer vertreten waren, wurden in der Carta auch die des Privateigentums und der kollektiven Arbeitsverträge festgeschrieben. Es gab außerdem ein eigenes Ständeministerium. Ziel war nicht zuletzt die wirtschaftliche Stärkung Italiens gegenüber den dominanten europäischen Mächten, sowie  die zunehmende Zersplitterung und Konflikte der politischen und sozialen Kräfte im liberalen Staates  durch Bündelung dieser Kräfte nach Branchen, Berufsgruppen, Regionen und Gemeinden zu verhindern. In der Praxis aber riss der Staat alle Rechtsgewalt an sich. Zumindest damit stand er im Widerspruch zu den Zielen des Vatikans, was in der Enzyklika zum Ausdruck kommt. Hinter dem Vorhang des Korporatismus überdauerten außerdem vor allem in Süditalien alte, halbfeudale Machtstrukturen, die in Konflikt mit den immer stärker werdenden staatlichen Interventionen und technokratischen Modernisierungsversuchen gerieten.

In Österreich erhielt durch die Weltwirtschaftskrise die Idee des Ständestaates zur Befriedung der Klassenauseinandersetzungen Auftrieb. Auch das Regime des österreichischen Dollfuß/Schuschnigg-Regimes 1934–1938 erhob den Anspruch, einen solchen Ständestaat in Österreich zu errichten. Die am 1. Mai 1934 „im Namen Gottes“ verabschiedete österreichische Maiverfassung sollte zur Grundlage eines „sozialen, christlichen, deutschen Staates Österreich auf ständischer Grundlage“ werden, der sich gegen den Klassenkampfgedanken stellte. Sie zielte auf ein von der katholischen Kirche getragenes, ständisch-feudales Gesellschaftsmodell. Der österreichische Ständestaat lehnte sich stark an das „italienische Modell“ an. Getragen wurde dieser Prozess 1933/34 von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß und nach dessen Ermordung durch Nationalsozialisten maßgeblich von Kurt Schuschnigg und der Vaterländischen Front, einer Sammelbewegung und Einheitspartei, zu der sich die Christlichsoziale Partei, die Heimwehr und der Landbund zusammengeschlossen hatten.

Mit dem Korneuburger Eid der Heimwehr (verfasst von Walter Heinrich) vom 18. Mai 1930 wurden die Ausschaltung des Parlaments und ein antidemokratischer Kurs, der sich in erster Linie gegen die oppositionelle Sozialdemokratie richtete, erstmals als Programm formuliert: „Wir verwerfen den westlich-demokratischen Parlamentarismus und den Parteienstaat“.

Die dramatische Stärkung der Nationalsozialisten bei der Nationalratswahl 1930 machte klar, dass die aus Christlichsozialen, Landbund und Heimwehren bestehende Regierung bei den nächsten Nationalratswahlen ihre ohnehin knappe Mehrheit (nur ein Mandat) verlieren würde. Dies führte zunehmend zu Bestrebungen zur Errichtung einer Diktatur; das Vorhaben wurde insbesondere von Benito Mussolini wesentlich unterstützt. Dollfuß – er war im Mai 1932 zum Bundeskanzler ernannt worden – regierte seit 1. Oktober 1932 teilweise unter Berufung auf das Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz aus dem Jahr 1917, welches im Rahmen des Verfassungs-Übergangsgesetzes, allerdings ohne die in der Monarchie gegebene parlamentarische Kontrolle, in die republikanische Bundesverfassung übergeleitet worden war. Den Anlass zur Beseitigung jeder parlamentarischen Kontrolle bot die am 4. März 1933 ausgelöste Geschäftsordnungskrise des Nationalrats. Sie wurde von der damaligen Regierung als „Selbstausschaltung des Parlaments“ bezeichnet. Dollfuß verwendete die Vollmachten des Verfassungsüberleitungsgesetzes von 1920 nun als rechtliches Instrument, um die Demokratie auszuschalten.

Am 7. März 1933 erließ der Ministerrat ein Versammlungs- und Aufmarschverbot. Als die Opposition die Geschäfte des Nationalrats am 15. März 1933 wieder aufnehmen wollte, wurde dies mit Polizeigewalt verhindert. Am 10. Mai 1933 verordnete die Regierung die Aussetzung aller Wahlen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene. Am 26. Mai wurde die Kommunistische Partei Österreichs aufgelöst, am 19. Juni die NSDAP und einen Tag später – auf Wunsch der katholischen Kirche – der Freidenkerbund. Sozialdemokraten und Großdeutsche durften vorerst weiter bestehen.

Dollfuß steuerte im September 1933, auf eine Konfrontation mit der Sozialdemokratie zu. Es kam zu einem kurzen Bürgerkrieg, den Februarkämpfen von 1934. Noch am selben Tag wurde die Sozialdemokratische Partei verboten.

Am 11./12. März 1938, mit dem „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich, wurde dieses Regime durch die Herrschaft der Nationalsozialisten abgelöst. Nach der Angliederung Österreichs an das Deutsche Reich 1938 gerieten die dort wirkenden Theoretiker des Ständestaates wie Othmar Spann und Walter Heinrich in Konflikt mit den Nationalsozialisten, u. a. weil ihre Ideen einer hierarchisch gegliederten Gesellschaft mit einer Elite an der Spitze nicht mit dem Konzept eines einheitlichen Volkskörpers und der nationalsozialistischen Rassenlehre kompatibel war.

Gedanken zum „Ständestaat“

Gedanken anlässlich des Brandes von Notre Dame in Paris

Ich habe es in den ORF Nachrichten gehört und gesehen. Auch die Menschen, die von diesem Ereignis erschüttert sind. In der Karwoche brennt Notre Dame! Neben einer kunsthistorischen Führung habe ich dort einmal vor Jahren eine Sonntagsmesse besucht.

Woran habe ich zuerst gedacht – wohl an unseren zerstörten Stephansdom im April 1945. Von dem Ereignis selbst, habe ich damals nichts gehört, es war ja die Zeit des Zusammenbruchs aller Strukturen und der Auflösung des Deutschen Heeres – ich war in Pregarten. Nachrichten gab’s damals kaum mehr. Ich habe den zerstörten Dom erst gesehen, als ich Ende Mai 1945 nach Wien gekommen bin. Damals war vieles zerstört ….

Wohl miterlebt habe ich den Wiederaufbau, vor allem das Sammeln für die Ziegel des Daches. Alle haben wir diese Dachziegel gekauft, auch wir Kinder, mit unserem damals doch recht mageren Taschengeld. Es war doch „unser Steffel“ der wiederaufgebaut wurde, diesmal das Dach mithilfe einer Stahlkonstruktion – von der VOEST – statt des verbrannten Holzes. Der Höhepunkt war wohl dann erreicht, als die „Pummerin“ 1952 nach Wien zurückkehrte. Der nun restaurierte Dom entsprach nicht mehr voll dem früheren. Die Glasfenster fehlten, im Inneren war es viel heller, weniger mystisch vielleicht. Ich weiß nicht, ob die alten Glasfenster in Notre Dame erhalten werden konnten, hoffe es aber!

Und gedacht habe ich selbstverständlich auch an den Brand in der Hofburg: es war am 27. November 1992 gewesen, dem 60. Geburtstag meines Mannes. Wir hatten wie immer zu seinen runden Geburtstagen „groß“ gefeiert. Selbstverständlich eilte mein Mann umgehend zum Brandherd. Es war eine aufregende Nacht, einschließlich der Evakuierung der Lipizzaner in den Burggarten. Mehr als 10 000 Bücher aus dem 16. Bis 18. Jahrhundert aus der angrenzenden Nationalbibliothek wurden in Sicherheit gebracht. Auch hier wurde 5 Jahre lang restauriert, die Deckenfresken waren verloren aber durch eine moderne Variante abgelöst, die man jetzt bei den Sitzungen des Parlaments sehen kann.

Auch die Sofiensäle waren in Wien 2001 spektakulär abgebrannt, und an den Brand des früheren Länderbankgebäudes 2011 erinnere ich mich gut.

Für die Restaurierung von Notre Dame werden genügend Geld, hervorragendes Material und beste Kräfte zur Verfügung stehen. Dennoch wird sie dauern.

Was bedeuten Kirchen in der doch recht säkularen Zeit für uns? De großen Metropolitankirchen, wie der Stephansdom, aber auch Notre Dame sind meist von unschätzbarem kunsthistorischem Wert. Wir brauchen uns nur an die Popularität des Romans „Die Säulen der Erde“ von Ken Follett erinnern, in der der Traum von der Errichtung einer Kathedrale beschrieben wird. Und darüber hinaus haben gerade diese großen Kirchen einen starken identitätsstiftenden Wert für eine Stadt, für ein Land. Und sie sind Magneten des Fremdenverkehrs, man braucht nur am Graben, an der Grenze zum Stock-im-Eisenplatz kurz stehen, um zu sehen wie die  Touristengruppen einander ablösen, die von hier den Turm der Stephanskirche – möglichst mit sich selbst – photographieren wollen. Gerade diese Kirchen, Kathedralen, Dome sind selten Orte der Stille, der Spiritualität, es wird zwar versucht an bestimmten Plätzen drinnen Raum dafür zu schaffen, aber ich suche z.B. den Stephansdom schon lange nicht mehr nur zum Beten auf.

Aber es gibt solche – für mich magischen – Orte, wo man die Anwesenheit von Betenden über die Jahrhunderte hinweg noch spüren kann. Für mich ist das unter Anderen:  Saint Philibert in Tournus an der Saone im Burgund. Die mehr als tausendjährige Kirche Saint Philibert ist der älteste erhaltene romanische Großbau Frankreichs. Sie ist benannt nach dem heiligen Philibert, dessen Reliquien in der Zeit der Überfälle der Normannen hierhergebracht wurden und gehörte einst zur Benediktinerabtei von Tournus. Im Obergeschoss liegt noch die Michaelskapelle.

In Rom gehört z.B. auch San Clemente zu jenen Kirchen, in denen für mich Meditation möglich ist. Sie ist eine „basilica minor“, sie liegt östlich des Kolosseums an dem historischen Pilgerweg vom Lateran zum Forum Romanum. Zu dem Gesamtkomplex auf verschiedenen Ebenen gehören römische Gebäudereste des 1. bis 3. Jahrhunderts (mit einem Mithräum von ca. 240), Ausbau der antiken Räume als frühchristlichen Basilika mit der Bezeichnung Titulus Clementis um 384 („Unterkirche“), die mittelalterliche Basilika San Clemente über dem Niveau der frühchristlichen Kirche ab 1108 („Oberkirche“). Das ist nicht die einzige Kirche in Rom, die aus mehreren übereinanderliegenden Heiligtümern besteht, z.B. auch Santa Maria Sopra Minerva

Wahrscheinlich ist diese Auswahl eine sehr individuelle, sie ist möglicherweise auch abhängig von dem Zeitpunkt und den Umständen, unter denen man diese Orte gesehen bzw. erlebt  hat. Außerdem für Beten, spirituelles Erleben, Meditation kann auch die Natur gut sein.

Ich hoffe – wahrscheinlich mit vielen – dass Notre Dame weitestmöglich erhalten geblieben ist, es wieder sensibel aufgebaut werden kann und die Reliquien und Kunstgegenstände dorthin zurückkehren können.

Gedanken anlässlich des Brandes von Notre Dame in Paris

Palmsonntägliche Gedanken

Ich mag sie sehr, diese vorösterliche Zeit! Sie fällt heuer auch so richtig in den Frühling, der Flieder geht schon allenthalben auf, eine Glyzinien-Wand hab‘ ich schon in voller Blüte gesehen, und die Kerzen auf den Kastanienbäumen stehen knapp vor dem Aufblühen. Und trotz allem: an manchen Plätzen singen auch noch Vögel – nicht mehr überall.

Aber es ist nicht nur die Flora du Fauna, die mich erfreut, es sind auch die vorösterlichen Gebräuche und die kirchliche Liturgie.  Am Palmsonntag wird des Einzugs Jesu Christi in Jerusalem gedacht. Zum Zeichen seines Königtums jubelte das Volk ihm zu und streute dem nach Jerusalem Kommenden Palmzweige. Palmen wurden vielerorten als heilige Bäume verehrt, waren etwa in Delos dem Apollon heilig. Im Mittelmeerraum galten sie von alters her als Sinnbild des Lebens und des Sieges, in Israel insbesondere auch das Symbol für die Unabhängigkeit und den siegreichen König. Von daher stellte der so gestaltete Einzug in Jerusalem auch für die Römer eine besondere Provokation dar. Auch bei unserem Palmsonntag waren Palmzweige im Einsatz, früher und teilweise auch jetzt, waren es Palmkkatzerln gewesen, jetzt – wahrscheinlich ob des Klimawandels – waren schon mehr Palmzweige als Palmkatzerlbuschen bei der Prozession zu sehen.  Ein richtiger Palmbuschen besteht aus sieben Naturmaterialien: Palmkätzchen, Buchsbaum, Wacholder, Stechpalme, Eibe, Zeder und Segenbaum.

Die Palmweihe gehörte früher, bevor sie in vielen christlichen Gegenden auf den Palmsonntag verlegt wurde, zu den heidnischen Ostergebräuchen. Die geweihten Zweige sollten nicht nur das Haus bis zur nächsten Erneuerung vor Blitz und Feuersgefahr schützen, sondern sie wurden auch mit den Schalen der Ostereier und den Kohlen der Osterfeuer in den Ecken der Felder eingesteckt oder vergraben, um diese fruchtbar zu machen. Mancherorts werden die Palmzweige des Vorjahrs vor dem Aschermittwoch verbrannt, und deren  Asche wird dann für das so genannte Aschenkreuz verwendet.

Bereits seit dem 4. Jahrhundert ist der Brauch der Prozession am Palmsonntag bekannt. Am Palmsonntag werden in der Palmweihe die mitgebrachten Zweige, zuvor mit Weihwasser gesegnet, in der kirchlichen Prozession als „Zeichen des Lebens und des Sieges“ mitgetragen, und anschließend in den Wohnungen hinter das soweit vorhandene Kruzifix gesteckt. Manchmal auch mit Eiern behngt als Osterbaum weiterverwendet.

Am Palmsonntag wird das Vortragekreuz (eigentlich Kruzifix) mit grünen und blühenden Zweigen, in der Liturgie auch mit einer roten Stola geschmückt. Im Mittelalter – die früheste Erwähnung stammt aus dem 10. Jahrhundert – und besonders im Barock wurde bei Palmprozessionen oft ein Esel (später aus Holz) mit Christusfigur mitgeführt, ein sogenannter „Palmesel“. Dieser Brauch wird in einigen Pfarreien mittlerweile wieder gepflegt. Eine besondere Prozession findet in Jerusalem statt. Tausende schließen sich mit Palmen und Instrumenten den Franziskanern an, und pilgern vom Ölberg durch das Löwentor in die Altstadt von Jerusalem. In der St. Anna-Kirche wird dann traditionell der Segen gespendet.

Und bei all diesen Feierlichkeiten, die in vielen Kirchen mit den schönsten Kaseln und viel Weihrauch begangen werden, ist mir etwas eingefallen, das aber nur am Rande dazugehört. Es gibt einen Entscheid der Wiener Universitätsleitung, dass künftig keine Hörsäle mehr mit Glaubenssymbolen zu versehen sind. Das trifft auch auf die Katholisch-Theologische Fakultät zu. Anlass waren räumliche Änderungen, d.h. dass es nicht mehr „fix“ den einzelnen Fakultäten zugeordnete Räumlichkeiten gibt. Wenn man jetzt dieses vordergründige Argument beiseiteschiebt und auf den Kern des Problems zurückkommt, ist zu überlegen, ob die Achtung vor „dem Anderssein“ Andersdenkender und Andersgläubiger so weit gehen muss, dass das „Eigene“ der Theologie keinen Sichtbaren Ort mehr haben darf?

Seit der Gründung der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät im Jahr 1384 hingen Kreuze in den Hörsälen. Damit verschwindet das Kreuz als ein zentrales Symbol nicht nur des Christentums, sondern auch der Kultur und Geschichte Österreichs und auch der Universität.

Aus den Debatten an Schulen, in Gerichtsälen, Krankenhäusern  betreffend das Auf- oder Abhängen von Kreuzen sind gewisse Argumente ja bekannt. Die einen meinen, dass man das Kreuz nicht zu einem Kultursymbol herunterstufen solle, andere meinen, dass es ein Provokationssymbol wäre. Es sei ein bleibender „Skandal“ das Sterben eines unschuldigen Menschen sichtbar zu machen, von dem eben nur die Christen öffentlich bekennen, dass er der Christus und der Sohn Gottes sei. M.E. könnte man ja in öffentlichen Räumen einfach ein Kreuz – und kein Kruzifix – aufhängen (Kruzifix zeigt den Gekreuzigten), wenn manchen Menschen das Leiden zu sehen, unerträglich ist. Aber vielleicht bedarf dieses Symbol tieferer Erklärungen: Das Kreuz erinnert an die Verwundbarkeit und Fehlbarkeit menschlichen Lebens, es spiegelt Erlösungsbedürftigkeit und Sterblichkeit. Das sind Aspekte, die von vielen heutzutage gerne verdrängt werden, wenn versucht wird, den Menschen möglichst unverwundbar, vielleicht sogar unsterblich zu machen.

Und ist das Abhängen der Kreuze ein Zeichen von Religionsfreiheit? Manche Universitätsprofessoren suchen einen Ausweg: sie bringen ein Kruzifix zu ihrer Vorlesung mit, dass dann vorne am Katheder steht.

 

Palmsonntägliche Gedanken

Gestern war der Dreizehnte, aber nicht Freitag!

Und ich bin ja überhaupt nicht abergläubig.

Freitag, am Abend hat es in der Wohnung so komisch gerochen, da ich ein Fenster offen hatte, dachte ich, dass Ostwind herrsche und man halt die Raffinerie von Schwechat rieche. Als ich aber Samstag früh das Radio aufdrehen wollte, funktionierte es nicht. Das war schon ärgerlich, weil ich die Nachrichten hören wollte, ich bin nämlich en News-Junkie. Ich „wurstelte“ dran herum, drehte an allen möglichen Knöpfen, aber es geschah nichts. Aber die Geschichte ließ mir halt keine Ruhe. Bis ich meinen Wasserkocher erblickte. Der Plastikteil dran war komplett verschmort! Da wusste ich, wo ich hingehen musste: zum Sicherungskasten, wirklich, eine Sicherung war heraußen, ich steckte den Wasserkocher ab und die Sicherung wieder hinein – und ja, jetzt funktioniert auch das Radio wieder. Ich probierte andere Geräte in der Küche aus. Alles schien in Ordnung zu sein, bis ich feststellte, dass irgendetwas, das nicht ganz leicht zu lokalisieren war, laut (also wirklich störend) piepste. Enervierend!

Es war dann ein Verteilerkastl,  in das Kabel hinein und hinausgehen – zu welchem Zweck auch immer – das aber selbst keine Knöpfe hat.   Also eilte ich zu allen denkbaren Anschlüssen, hob sie ab – und legte wieder auf – und wirklich, das Piepsen hörte auf.  Allerdings war am späteren Nachmittag das Piepsen wieder penetrant aufgetreten – ich fürchtete schon für die Nachtruhe. Als ich dann nach dem Theater wieder nach Hause kam – hatte es zum Glück von selbst aufgehört!

Am Nachmittag versuchte ich, im meinem E-Book-Reader zu lesen: er war zum Laden angesteckt gewesen, aber sonst????? Na jedenfalls war ich recht ungeduldig mit dem Gerät – bis ich dann halt doch die 4 Sekunden auf den Auf- /Abdreh-Schalter gedrückt hatte, und oh Wunder, das Ding ließ sich wieder in Betrieb nehmen.

Dreizehn (13) ist halt doch nur die natürliche Zahl zwischen Zwölf und Vierzehn. Sie ist ungerade und eine Primzahl. Manchen gilt siel als Unglückszahl, anderen als Glückszahl.

Und woher kann das alles kommen? Im 2. Buch Mose Kapitel 34, 6–7 werden dreizehn Eigenschaften Gottes angeführt. In der jüdischen Tradition ist die 13 eine Glückszahl und ein Symbol Gottes, weil sie über der Zwölf steht. Bei den Japanern gilt die 13 ebenfalls als Glückszahl. Der jüdische Kalender richtet sich nach dem Mond, sodass am 14. eines Monats immer Vollmond ist. Wenn der Vollmond auf einen Sabbat (Samstag) fällt, ist das ein Glücksfall, also ist auch Freitag, der 13. etwas Positives.

Nach dem Neuen Testament wurde Jesus Christus an einem Freitag gekreuzigt. Das Christentum gedenkt des Leidens und Sterbens am Karfreitag, einem Fast- und Trauertag. Katholiken bringen daher freitags das sogenannte Freitagsopfer. Aber noch bis 1930 galt n im protestantischen Norden Deutschlands der Freitag als Glückstag und besonders guter Termin zum Heiraten (auch „Freien“ genannt).

„Der Dreizehnte“ ist aber auch ein Synonym für den Teufel. Eine Anzahl von 13 Teilen wird auch als Teufelsdutzend bezeichnet.

Dreizehn gilt in vielen Kulturen als Unglückszahl. Menschen, die sich vor der Zahl 13 fürchten, meiden Räume, Stockwerke oder allgemein die Zahl 13. Dieser weit verbreitete Aberglaube geht so weit, dass in Gebäuden manchmal der 13. Stock „fehlt“, also übersprungen wird; in vielen Passagierflugzeugen wird die 13. Sitzreihe in der Nummerierung ausgelassen. Auch in manchen Krankenhäusern und Hotels wird auf ein Zimmer Nr. 13 verzichtet, in vielen Motorsportserien auf die Startnummer 13.

Der dreizehnte Tag eines Monats gilt in westlicher Tradition als Unglückstag, besonders wenn er auf einen Freitag fällt. Jedes Kalenderjahr hat mindestens einen und höchstens drei Freitage, die auf einen Dreizehnten fallen.

Im Märchen Dornröschen spricht die 13. weise Frau des Landes, die nicht zur Geburtstagsfeier von Dornröschen eingeladen ist, einen Fluch auf die junge Prinzessin aus. Hier ist die 13. die überzählige von üblichen 12 guten Feen. Im Tarot ist die 13 dem Tod (französisch La Mort) zugeordnet.

Die Zahl 13 gilt als Verschwörungs-Zahl auf dem 1-Dollar-Schein. Die Zahl 13 kommt auf dem Dollar-Schein 13-mal vor, versteckt in Bildern und Texten. Sie symbolisieren jedoch die 13 dreizehn Gründerstaaten.

Eine weitere häufige Behauptung ist die, dass der sogenannte „schwarze Freitag“ damit zu tun haben soll, dass dem Freitag, dem 13. Unglück zugeschrieben wird. Dem widerspricht jedoch die Tatsache, dass der US-amerikanische Börsenkrach von 1929 bereits an einem Donnerstag begann. Im öffentlichen Bewusstsein verknüpfte sich der Börsenkrach aber später mit dem Freitag, weil es zur damaligen Zeit aufgrund der Zeitverschiebung in Europa bereits Freitag war. Allerdings gab es bereits zweieinhalb Jahre vor den Ereignissen an der New York Stock Exchange einen deutschen schwarzen Freitag an der Börse Berlin. Der Börsenkrach am 13. Mai 1927 ließ den Aktienindex des Statistischen Reichsamtes innerhalb eines Tages um 31,9 Prozent einbrechen.

Eines der ersten bezeugten Ereignisse, die auf einen 13. fielen, war die im Oktober 1307 vom französischen König Philipp IV. befohlene Verhaftung aller Mitglieder des Templerordens in Paris (Tempelritter). Schon Tage zuvor wurden an alle Dienststellen des Landes versiegelte Umschläge mit den Haftbefehlen versandt. Diese mit Akribie durchgeführte Aktion führte letztlich zur Aufhebung des Templerordens durch die päpstliche Bulle Vox in excelso am 22. März 1312. Trotz der Tragik dieses Ereignisses wird es nicht als Ursprung für den Aberglauben um den Freitag, den 13. gewertet. Einer Legende zufolge soll der letzte Großmeister der Tempelritter, Jacques de Molay, an einem Freitag, dem 13. auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sein.

Naja, bei mir ist der 13. jedenfalls in Summe gut ausgegangen, außer, dass ich mir einen neuen Wasserkocher kaufen muss. War ja auch kein Freitag!

Gestern war der Dreizehnte, aber nicht Freitag!

Woyzeck im Akademietheater

Gestern am Abend war ich im Akademietheater. Woyzeck wurde gespielt, in der Fassung von Koen Tachelet, eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum.

Also, leider, gefallen hat’s mir nicht. Ich war eher verwirrt. Wahrscheinlich habe ich etwas ganz anderes erwartet. Vielleicht hätte ich besser vorbereitet sein sollen? Aber sollte nicht eine Aufführung für sich selbst sprechen.

Vielleicht vorweg: Das Drama Woyzeck wurde von Georg Büchner (1813 bis 1837) als Fragment hinterlassen und erschien erst nach seinem Tod in überarbeiteter Fassung 1879.

Zum Inhalt: Der Soldat Franz Woyzeck lebt am untersten Ende der sozialen Hierarchie; nur seine Geliebte Marie und sein Kind sind ihm Halt. Aber er wird von seinen Vorgesetzten als Versuchsobjekt für medizinische Experimente missbraucht, seine Geliebte wird von einem Tambourmajor verführt, und er wird so gedemütigt, dass er seine Geliebte Marie ermordet.

Was geschah in dieser Zeit in Europa?  1813 – im Geburtsjahr Büchners, hatte die Völkerschlacht bei Leipzig stattgefunden. Ein Dutzend Ländern war an diesem Kampf beteiligt. In dieser wichtigsten Schlacht des Befreiungskrieges gegen die napoleonische Fremdherrschaft brachten die zahlenmäßig überlegenen verbündeten Heere der Österreicher, Preußen, Russen und Schweden Napoleon Bonaparte die entscheidende Niederlage bei, die ihn dazu zwang, sich mit der verbliebenen Restarmee und ohne Verbündete aus Deutschland zurückzuziehen. 92.000 Soldaten waren getötet oder verwundet worden. 1815 wurden durch den Wiener Kongress die Verhältnisse vor der Französischen Revolution von 1789 weitgehend restauriert. Damals begann auch die industrielle Revolution und es entstand eine Arbeiterklasse.

Georg Büchners dramatisches Fragment „Woyzeck“ geht auf einen Kriminalfall zurück: Der arbeitslose Friseur und Perückenmacher Johann Christian Woyzeck, 41 Jahre, erstach 1821 in Leipzig seine Geliebte, die 46-jährige Johanna Christiane Woost. Die Tat löste gerichtspsychiatrische Auseinandersetzungen über Schuldfähigkeit und soziale Ursachen der Verbrechen aus, die auch nach der Hinrichtung Woyzecks 1824 weitergeführt wurden.

Das Stück wurde erst 40 Jahre nach Büchners Tod bekannt und erst 100 Jahre nach Büchners Geburt uraufgeführt. Mit dem beginnenden Naturalismus um 1875 begann die Rezeption des Werkes, die 1920 einen ersten Höhepunkt und mit Alban Bergs Oper „Wozzek“ 1925 den nächsten Höhepunkt erreichte.

Ich habe Verschiedenes an dieser Aufführung überhaupt nicht verstanden: die Ansiedlung in einem Zirkus, die Zertrümmerung des Zirkuszeltes – am Anfang -mit großem Getöse -, der zweimalige Regen, die Notwendigkeit des Hauptdarstellers zeitweise nackt herumzurennen.

Es geht doch im Grunde nur um Folgendes:  Woyzeck ist Soldat und Barbier, Diener eines Hauptmanns, aber vor allem ein armer, von Allen ausgenützter Mensch. Er hört immer wieder Stimmen. Ein fanatischer, gewissenloser Arzt missbraucht ihn für fragwürdige Experimente – Woyzeck darf nur Erbsen essen, sonst nichts. Sein klägliches Honorar dafür erhält Marie, die Mutter seines unehelichen Kindes, die ihn mit dem Tambourmajor betrügt. Als Woyzeck davon erfährt, tötet er sie am Seeufer mit einem Messer. Dass er im Wasser verschwindet habe ich nicht wahrgenommen.  Überhaupt war ich vom Ende etwas überrascht, in den Vorankündigungen hat man von einer Länger der Aufführung von 100 Minuten gelesen, gedauert hat’s aber nur 80 Minuten und in denen gab es lange Pausen, in denen nicht gesprochen wurde.

Überhaupt, das Theater war nicht ausverkauft, es waren noch Plätze frei, nur ein Ehepaar hat den Saal während der Aufführung verlassen und ein Herr vor mir hat immer wieder auf die Uhr geschaut.

Es ist viel „Körpersprache“ im Einsatz bei dieser Aufführung, die Schauspieler beherrschen sowohl die Sprache (soweit sie im Einsatz ist, es wird auch gebrabbelt) – obwohl wenig Text in altertümlicher Sprache – gesprochen wird, als auch ihre Körper. Daneben ist auch viel Musik im Einsatz.

Ich gebe zu: ich war enttäuscht. Es ist doch eine archetypische Situation, der „Arme“ wird on „Reichen und Mächtigen“ ausgenützt und versucht sich auf irgendeine Art zu wehren. Das trifft doch auch auf die heutige Zeit zu. Aber ich war nicht berührt von der Aufführung, nicht einmal verstört, nur verwirrt, und dass der Tambourmajor im „Spielhoserl“ herumrennt finde ich schlichtweg nur komisch!

Aber vielleicht bin ich zu alt für eine derartige Vorstellung.

Woyzeck im Akademietheater