Zwei Mal Koloman Moser

Wenn Sie auf Grund meines Blogs glauben, dass ich mir wirklich alle Ausstellungen anschaue, denn täuschen Sie sich.  Ich schaue mir nur diejenigen an, deren Thema mich interessiert, das sind genug und jene, für die es einen bestimmten Grund gibt.

Diejenigen, über die ich heute berichte, gehören der zweiten Kategorie an. Ich war in der Koloman Moser Ausstellung sowohl im MAK als auch im Theatermuseum. Wenn schon, denn schon, dann müssen es beide sein. Jetzt werden Sie sich fargen, was wohl der Grund war, warum ich mich für diese beiden Ausstellungen interessiert habe. Nun, ich kenne eine der Kuratorinnen dieser MAK- Ausstellung. Kennen, das ist wohl fast schon zu viel gesagt. Wir kennen einander vom Sehen. Die Kuratorin begleitet ihre Mutter im Rollstuhl und ich schob meinen Mann im Rollstuhl und so begegneten wir einander recht regelmäßig. Manchmal trafen wir uns auch „im Grätzl“ beim Einkaufen, ohne die jeweiligen Rollstühle. Als ich nun über die Ausstellung einen Fernsehbericht gesehen habe, fiel mir das Bild der Kuratorin auf – ja, das ist doch diese Dame. Wir hatten uns nie vorgestellt und kannten daher auch die Namen der jeweils anderen nicht.

Somit beschloss ich, mir die Koloman Moser Ausstellung anzusehen. Eines Sonntags am Nachmittag, machte ich mich auf den Weg. Es regnete. Als ich zum MAK kam, waren die Menschen bereits heraußen – im Regen – angestellt. Ich traute meinen Augen kaum. Das Haus ist überfüllt, wurde mir beschieden, ich wunderte mich. Ich wartete und wurde beim nächsten Schwung dann auch hineingelassen. Drinnen musste ich mich bei der Kasse neuerlich anstellen. Eigentlich wurde ich langsam grantig. Denn alle diese Besucher wollten nicht zur Koloman Moser Ausstellung, sondern noch zu der anderen noch laufenden (Beauty), die ich schon gesehen hatte. Während ich wartete, wurde mir noch eine Führung aufgeschwatzt.  Die würde aber erst in einer dreiviertel Stunde beginnen. Na gut, ich begab mich, wie angewiesen, in den ersten Stock, irrte herum und fand diese Ausstellung nicht. Alles andere war groß angeschrieben, jetzt war ich nicht mehr nur grantig, sondern ärgerte mich auch. Ist diese Ausstellung so unwichtig, dass sie nicht einmal angeschrieben ist? Endlich fragte ich einen „Aufseher“, der verwies mich in eine andere Ecke, wo ich eigentlich schon gewesen war, jetzt war ich aber schon bereit, wieder nach Hause zu gehen. Ich ging aber doch zurück und sah einen schmalen Gang der in einen anderen Gebäudeteil führte.

Wer war also Koloman Moser. Der Flyer sagt: ein Universalkünstler, geboren 1868; gestorben 1918. Noch einer aus dieser künstlerisch so fruchtbaren Zeit um die Wechsel der vorvorigen Jahrhundertwende.   Und ein weiteres Opfer dieser schrecklichen Spanischen Grippe, die zu Ende des Ersten Weltkriegs so viele von diesen begnadeten Künstlern hinwegraffte. Er war in den Disziplinen Malerei, Grafik, Kunstgewerbe und Innen-Raumausstattung ebenso tätig wie in Fragen der Mode und des Bühnenbildes.

Hier muss ich noch einen „Einschub“ machen: In meiner Kindheit waren Jugendstilobjekte, die bei meiner Großmama herumstanden, für mich eigentlich „altmodischer Kram“.  Das gefiel mir nicht. Mit der Zeit hat sich das etwas entschärft. Aber es gibt noch immer künstlerische Perioden, deren Ergebnisse mir besser gefallen. Von allen Werken von Künstlern aus dieser Periode, die ich bisher gesehen habe, erinnert mich Koloman Moser an ehesten n diese Objekte meiner Großmama.

Jetzt aber zurück – dieser Mann war ungeheuer vielseitig. Die Tafeln am Rande geben Auskunft über seine Entwicklung, über seine Begegnungen, man kann sich ein gutes Bild machen.  Interessant für mich war, wie sich in dieser Zeit die Künstler zusammenschlossen und verschiedenen Gruppen bildeten. Koloman Moser war aktiv dabei und arbeitete z.B. bei der Zeitschrift Ver Sacrum mit, für die er viele graphische Entwürfe lieferte. Überhaupt fand ich seine Graphik sehr ausdrucksstark. Ein bissel „mühsam“ für mich ist die Verwendung des Vierecks in fast allen Kunstrichtungen. Das zieht sich durch die gesamte Ausstellung. Ärgerlich für mich in dieser Ausstellung waren wiederum einige Besucher, es waren nicht extrem viele dort, aber manche,  die sich vor gewissen Kunstwerken aufpflanzten, um sie von allen Seiten zu photographieren und damit für andere Besucher auf eine ganze Weile zu blockieren.  Mich stört diese Photographiererei in Ausstellungen überhaupt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Leute das Bild gar nicht direkt anschauen, sondern nur durch die Linse ihres Handys oder sonstiger Apparaturen.

Es fehlen in dieser Ausstellung weder Möbel, noch Kleider (so genannte „Reformkleider – na, ich würde sie ungern anziehen, aber ich lebte auch damals nicht), noch Haushaltsgegenstände (Schalen etc.) noch sehr dekorativer Schmuck. Von Mosers Malerei war ich am meisten angetan.

Und ich fand noch heraus, dass es eine zweite Koloman Moser Ausstellung gibt (die man mit derselben Eintrittskarte besuchen kann) und nämlich im Theatermuseum. Der guten Ordnung halbe hab‘ ich auch diese besucht. Sie ist nicht sehr umfangreich, aber sehr aufschlussreich. Moser war z.B. mit Hermann Bahr (*1863; † 1934) befreundet und hat verschiedene Entwürfe für Bühnenbilder für ihn gemacht. Viele dieser seiner Werke sind nie in Einsatz gekommen. Er hat sich auch intensiv mit Richard Wagner beschäftigt. Schon interessant, wie er unterschiedliche historische Zeiten dennoch „jugendstilmäßig, ja Kolo-Moser-mäßig (mit vielen Vierecken) darstellen konnte. Seine Raxbilder sind faszinierend und haben mir sehr gut gefallen.

Überhaupt finden sich auch Postkarten von Urlauben, die man damals am Semmering und am Lido gemeinsam in Künstlerkreisen verbrachte, die den doch so anderen Lebensstil von damals zeigten.

Ob es einem gut, sehr gut oder weniger gut gefällt, interessant sind die beiden Ausstellungen allemal und hervorragend gemacht!

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Zwei Mal Koloman Moser

Wenn ein pflegender Angehöriger selbst plötzlich pflegebedürftig wird

Ein akutes Problem tritt auf, wenn jener, der pflegt, mehr oder minder plötzlich selbst „pflegebedürftig“ wird. Ich habe das erlebt.

Dramatisch war es, als ich mir während des Urlaubs den Oberschenkelhals gebrochen habe. Mein Mann war damals schon auf den Rollstuhl angewiesen, er konnte sich daher nicht mehr allein im Hotel bewegen. Ich bin zwar sicher, dass man im Hotel für ihn gesorgt hätte, aber für meinen etwas ungeduldigen Mann war das keine Option. Wir fuhren daher mit der Rettung beide ins Spital und ich verhandelte dort, dass auch er aufgenommen würde und mit mir das Zimmer teilen sollte. Nach einigem Hin und Her gelang dann diese Lösung auch. Ich musste aber auch Vorkehrungen treffen, dass das Gepäck im Hotelzimmer wieder zusammengepackt wurde und letztlich ins Spital gebracht werden musste. Ich musste dafür sorgen, dass mein Mann mitsamt dem Auto und dem Gepäck später, rechtzeitig für seine Termine, nach Hause gebracht werden musste. Und dann mussten Vorkehrungen getroffen werden, wie das laufen konnte, wenn ich in Wien aus dem Spital kommen würde – dann mit zwei Krücken.

Da in einem Krankenhaus an einem Sonntag sehr viel los war, musste ich relativ lange auf meine Operation warten. Diese Zeit konnte ich nutzen, um alle diese Schritte in die Wege zu leiten. Zum Glück hatte ich mein Handy und meinen Laptop mit ins Spital genommen – ich hatte mit längerer Wartezeit gerechnet – daher konnte ich umgehend Mails schreiben, Leute anrufen etc.

Ich erinnerte mich, dass eine Freundin kürzlich die Pflegerin ihrer eben verstobenen Mutter „angeboten“ hatte, um ihr auf privatem Weg einen „guten“ neuen Platz zu sichern. Ich kontaktierte diese Freundin umgehend, die Pflegerin hatte noch keinen neuen Platz gefunden und somit war dann dieses Problem gelöst (so meinte ich!). Nachdem die Operation vorbei war, kam ich recht bald wieder auf die Beine – mit Krücken halt. Ich übte fleißig, vor allem das Stiegen-Gehen mit Krücken.

Und was waren nun die auftretenden Probleme: Noch im Spital kümmerten sich die Schwestern ungleich mehr um meinen Mann, der ja behindert war, als um mich, ja er war charmant, lustig. Für mich hatten sie dann einfach weniger Zeit (das einzige Mal, als mich das wirklich störte, war, dass ich allein geduscht habe und einfach Angst hatte, auszurutschen. Ich bin nicht ausgerutscht.)

Nach einer Woche wurde ich in der Rettung dann von unserem Urlaubsort in ein Wiener Spital gebracht. Unsere Enkeltochter reiste mit der Bahn an und brachte meinen Mann samt Gepäck in unserem Auto nach Wien. Und dort wartete nun die neue 24-Stunden Hilfe. Ich konnte nicht dabei sein. Meine damalige Haushälterin hatte angeboten, bei der „Einführung“ der „Neuen“ dabei sein zu wollen – und ich war dafür dankbar. Das lief aber ganz anders, als ich gehofft (und erwartet hatte). Unsere damalige Haushälterin war eine sehr „resche“, zuweilen etwas hantige Person. Und statt „der Neuen“ zu helfen, wollte sie nur „ihr eigenes Territorium abgrenzen“. Was ich nicht realisiert hatte, war, dass sie fürchtete, ihren Job bei uns zu verlieren. Wäre im Grund auch sinnvoll gewesen, wenn diese 24-Stunden-Hilfe ständig geblieben wäre. Denn diese „Neue“ sollte ja „den Haushalt“ übernehmen. Da entstand sofort der erste große Konflikt – bei dem ich dann, als ich endlich wieder zu Hause war, ständig vermitteln musste (mühsam).

Also, die „Neue“ kochte für meinen Mann. Sie selbst war überzeugte Vegetarierin und selbstverständlich kochte sie auch dieses Tofu-Zeug auch für meinen Mann, der so etwas wirklich nicht ausstehen konnte. Als ich dann nach einer weiteren Woche nach Hause kam, übernahm ich selbstverständlich das Kochen für mich und meinen Mann. Dieses Essenlehnte die 24-Stunden-Hilfe aber ab. Wir einigten uns, dass sie für sich und ich für uns kochen würden. Da aber die Haushälterin ein Küchenverbot für die jetzt zusätzliche Hilfe erlassen hatte, solange sie in der Wohnung war, wurde es in der Küche gegen Mittag eng. Wir einigten uns, dass „die Hilfe“ von 11 – 12 kochen würde, ich dann ab 12 über die Küche verfügen könnte.

Und das Badezimmer: wir haben ohnedies zwei davon. Aber eines ist für meinen Mann vorgesehen und das andere „für Damen“.  Die Hilfe entschied, dass sie das Badzimmer von 13:30 – 14:30 Uhr benötige, na gut, das war dann keine „Konfliktzone“. Aber ab 15 Uhr bis ca. 18 Uhr wäre nun ihre Freizeit. Das war nun schon problematisch, denn in dieser Zeit durfte ich dann natürlich keine „Außentermine“ haben und konnte auch nicht weggehen. Und ihre Freizeit, die war „eisern“. Das war dann schon ein Problem für mich, wenn ich z.B. einen Arzttermin wahrnehmen musste. Mein wirklich gutmütiger Mann meinte, dass er dann eben allein bliebe, aber ich war dann schon sehr unsicher und beunruhigt, wenn er allein zu Hause war.

Natürlich hatte die Dame ein Zimmer für sich, aber in diesem standen noch Bücherregale und Kästen, die nicht ausgeräumt worden waren. Also – begann ich auf Krücken – zu mindestens einen Kasten für sie auszuräumen. Sie meinte, einen eigenen Fernseher zu benötigen, über den alle slowakischen Sender zu sehen sein müssten. Es fand sich ein alter Fernsehapparat in der Familie (der heute noch bei uns unnütz herumsteht), ein Fernsehtechniker karrte ein Zusatzkastl herbei und die slowakischen Sender konnten erreicht werden.  Huh.

Und dann noch der ganze Papierkram mit dem Anmelden, in der Wohnung, bei der Sozialversicherung etc.

Langsam störte mich das alles einigermaßen und ich klagte bei meinem Mann: „ich will mein früheres Leben zurück“. Mich irritierte es, wenn immer jemand „Fremder“ in der Wohnung war. Die Hilfe hatte nie genug zu tun. Sie wollte mit meinem Mann ins Kaffeehaus gehen – ich fand, wenn, dann sollte sie mit ihm Spazierengehen, d.h. ihn auch anzuregen, aus dem Rollstuhl aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen. Das betrachtete sie wieder nicht als ihre Aufgabe.

Ich überlegte sehr bald, auf ihre Dienste zu verzichten.  Jetzt packte mich wieder das schlechte Gewissen. Hätte sie vielleicht etwas Besseres gefunden, wenn ich sie nicht so abrupt benötigt hätte? Nach einiger Zeit nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und teilte ihr mit, dass wir sie in absehbarer Zeit nicht mehr benötigen würden. Sie war gar nicht so unglücklich darüber. Später erfuhr ich dann, dass sie als Haushälterin bei einem Gemüsebauern im Burgenland tätig und sehr zufrieden war.

Das war mein erster Versuch mit einer 24-Stunden-Hilfe. Ich war so froh, als sie endlich weg war, jede zusätzliche Arbeit war mir lieber, was ich auch allen gerne versicherte, als diese Lösung beendet war.

 

 

 

Wenn ein pflegender Angehöriger selbst plötzlich pflegebedürftig wird

Gedanken zur Pflege – aus eigener Erfahrung (I)

Ich erlaube mir, zum derzeit heiß diskutierten Thema „Pflege“ auch „meinen Kren dazu zugeben“, wie man bei uns sagt.

„Experte“ kann ich mich nicht nennen, aber ich habe ziemlich lange Erfahrung damit. Allerdings nur mit einem „Fall“, und wahrscheinlich ist jeder Pflegefall individuell anders. Und das macht eine allgemeine Lösung so schwierig.

Man kann die Situation der Pflege eines „Alleinstehenden“ nicht mir Pflege eines Angehörigen vergleichen. Man kann den Pflegebedarf eines geistig eingeschränkten nicht mit einem körperlich behinderten Menschen vergleichen. Man kann den Pflegebedarf eines jungen Behinderten nicht mit jenem eines langsam alt werdenden Menschen vergleichen. Ja, und jetzt wird es heikel, man kann die erforderliche Pflege für einen Mann mit jenem einer Frau nicht vergleichen. Und es ist wahrscheinlich die Pflege eines positiv denkenden Menschen mit jener für einen „ablehnenden“ Menschen nicht schon gar nicht vergleichbar. Über diese und noch eine Vielzahl anderer „Fälle“ kann kein einheitliches „System“ gestülpt werden.

Ich kann nur von den Herausforderungen, die die Pflege eines Angehörigen stellt, berichten. Mein Mann hat mit knapp 61 Jahren eine schwere Gehirnblutung erlitten. Das Ergebnis war eine halbseitige Lähmung der rechten Seite, und anfangs auch Sprachstörungen. Die Ärzte waren meinem Mann gegenüber sehr offen betreffend die Konsequenzen für sein weiteres Leben. Sie brachten ihn in dem zweimonatigen Krankhausaufenthalt dazu, mit einer Logopädin zu arbeiten, er musste 10 kg abnehmen und Physiotherapie wurde sehr früh eingesetzt. Z.B. musste mein Mann wieder lernen, sich allein im Bett umdrehen zu können. Aber er hatte klare Ziele, was er, trotz aller körperlicher Einschränkungen wieder erreichen wollte, für ihn war das Glas jetzt eben (nur mehr) halbvoll (aber er klagte nie über das halbleere Glas). Er konzentrierte sich darauf, was er alles noch konnte und arbeitete an dem, was noch erreichbar war. Das macht – damals nur Unterstützung – eines Angehörigen um vieles leichter. Meine erste Herausforderung war, als er anfangs noch im Spital lag, ihm zu helfen, seinen Schlafrock anzuziehen. Sie werden es nicht glauben, aber ich scheiterte, bis mir dann die Schwester erklärte, dass man IMMER mit der behinderten Seite beginne müsste. Im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt ging es dann noch 6 Wochen auf Rehabilitation. Zum Glück konnte das in Wien stattfinden, sodass ich meinen Mann täglich besuchen konnte und mir dort eigentlich auch die erforderlichen Übungen erklärt wurden.

Als mein Mann das erste Mal nach seiner Gehirnblutung „auf Urlaub“ nach Hause kam, das war zu Weihnachten, war er noch auf den Rollstuhl angewiesen. Mein Sohn und mein Schwiegersohn trugen ihn über die 12 Stufen, die bei uns zum Lift führen, hinauf. Ich war dann in der Wohnung auch recht „patschert“ mit dem Rollstuhl, weil wir z.B. auch Schwellen zwischen den Räumen haben. An Duschen oder Ähnliches war damals noch gar nicht zu denken. Und für mich war es aufwändig, ihn zu betreuen, ihm alles zu bringen, was er brauchte, ihn hinzuschieben, wohin er wollte und gleichzeitig für Weihnachten zu kochen und alles herzurichten. Aber er war so glücklich, wieder zu Hause bei seinen Büchern, seinen Schallplatten zu sein, an seinem Schreibtisch zu sitzen! Ich biss daher die Zähne zusammen und hoffte, dass es nach der Reha leichter würde – und es wurde!

Dazu kamen dann später eine Physiotherapeutin und Ergotherapeutin in die Wohnung, die mir erklärten wo nun z.B. Haltgriffe im Bad, in der Toilette anzubringen wären. Die Badewanne wurde entfernt, dafür eine Dusche installiert (damals noch mit Duschtasse – leider).

Ich kann dem Personal des Rehab Zentrums nicht genug danken, denn nach eineinhalb Monaten konnte mein Mann selbstständig – zwar mit Stock – gehen und sehr vieles mit der linken Hand bewerkstelligen. Er konnte wieder schreiben – einerseits mit der linken Hand – nach unsäglicher Mühe – andererseits in der Zeitung, dort umgestellt von Eingabe in den Computer auf Diktieren. Das war eines der Ziele gewesen, die er erreichen wollte – und hat!

Ein weiteres Ziel – Autofahren – wäre nur durch einen Totalumbau des Autos möglich gewesen. Daher: wenn mein Mann allein unterwegs war, ging er kurze Stücke zu Fuß, größere Strecken mit dem Taxi. Ja und wenn “sein“ Auto benützt werden sollte, musste halt ich fahren. Das war ihm nicht sehr angenehm, aber er akzeptierte es bald. Auch ich musste mich an das wesentlich größere, stärkere Auto gewöhnen. Dass mir mein Mann beim Fahren dreinredete, störte mich (das „nächste Auto war dann mit „Automatik ausgestattet, damit fiel eine Quelle seiner Interventionen weg: wann zu Schalten wäre.)

Es kamen regelmäßig Physiotherapeutinnen und Ergotherapeutinnen zu uns ins Haus. Manche blieben uns über Jahre treu, sie wurden „Familienmitglieder“. Es wurden auch manche Urlaube für Rehabilitationen benutzt. Damals konnte ich noch nicht bei meinem Mann wohnen, entweder besuchte ich ihn zum Wochenende oder wohnte in irgendeinem Gasthaus „in der Nähe“.

Der „Pflegebedarf“ war damals gering, bei mir fiel eher Mehrarbeit an, vor allem alles zu tragen, beim Einkaufen, beim Reisen etc. an und bei den „Chauffeurdiensten“. Was mein Mann nicht konnte war das Anziehen von Schuhen, er musste eine Schiene tragen um zu verhindern, dass er über den „hängenden“ Vorfuß stolperte. Die musste von einem orthopädischen Schuster angefertigt werden.  Auch „Spezialschuhe“ waren erforderlich, um diese Schiene darin „unterbringen“ zu können.  Das Anziehen der Schuhe konnte recht anstrengend sein, weniger in der Früh, aber am Nachmittag, wenn die Füße bereits ein bisserl geschwollen waren, war das ein mühsamer Prozess. An eine Situation erinnere ich mich besonders: wir waren im Flugzeug unterwegs in die USA, alle hatten die Schuhe ausgezogen, auch so mein Mann, und es schien als ob ich sie nicht und nicht anziehen können. Alle Umsitzenden schauten mir fasziniert zu, als ich auf dem Boden kniete um den Schuh über die Schiene zu bringen. Letztlich ist es mit dann doch mit Kraftanstrengung doch gelungen.

Ich glaube, dass es „für pflegende Angehörige“ gut wäre, eine Ausbildung anzu bieten, damit man lernt, wie man jemand „anfassen“ kann, um ihm oder Ihr beim Aufstehen zu helfen, beim Ein- oder Aussteigen in ein Auto. Das würde für Pflegende und auch Behinderte mehr Sicherheit bedeuten.

Die Situation verschlechterte sich dann langsam, doch darüber ein anderes Mal.

Gedanken zur Pflege – aus eigener Erfahrung (I)

Eine interessante Theateraufführung und ein wunderschönes Konzert

Heute zur Abwechslung einmal keine „Schneegeschichte“, oder wie‘ s so ohne Handy war. Sondern: ich war gestern im Burgtheater – aber bevor ich Ihnen das erzähle möchte ich noch auf das heutige Philharmonische Konzert kommen (sie haben es vielleicht im Radio gehört). Ich hatte das Privileg dort zu sein. Es war einfach wunderbar. Ich schreibe nicht gerne über musikalische Veranstaltungen – ich genieße sie, aber kann nicht „professionell“ kommentieren. Das Programm hat mir gut gefallen (Debussy, Rachmaninow, Rimski-Korsakow, Ravel). Der Pianist (Trifonov) wirkte derart virtuos, dass man seinen Fingern auf dem Klavier kaum folgen konnte, die Flötistin war superb. Und der Dirigent (Altinoglu) tanzte nach der Rhythmik der Stücke am Dirigentenpult und wiegte sich nach den Melodien. In seiner Gestik und Dynamik erinnerte er mich fast ein bissl an Bernstein. Es war ein Fest für mich!

Aber jetzt zur Medea, von Simon Stone, gestern abends im Burgtheater. Wenn das Stück im Untertitel nicht hieße nach Euripides, wäre meine Erwartungshaltung eine ganz andere gewesen. Ich erinnere mich nämlich an die großartige, düstere Medea, dargestellt von Minichmayr. Es war allerdings die Medea in „Das goldene Vließ“, von Franz Grillparzer, gespielt in den Jahren: 2002/2003.

Als ich das Programm las, stellte ich fest, dass nicht einmal die Personennamen mit dem griechischen Original von Euripides etwas gemein hatten. Außerdem, das Stück spielt in der Jetztzeit, in den USA. Außerdem soll sich diese Geschichte wirklich dort zugetragen haben. Na gut – es ist eine archetypische Geschichte. Ein (möglicherweise) tapferer, aber generell schwacher Mann entführt und heiratet eine sehr starke Frau aus einem anderen Kulturkreis. Zurück in seiner eigenen Heimat eckt sie mit ihren anderen Gebräuchen und Kenntnissen an. „Ihn“ stört das zunehmend, außerdem gibt es eine großartige Karrierechance, wenn man die Tochter der Chefs, die noch dazu hübsch und willig ist, heiratet. Dass er „ihr“ auch noch die Kinder wegnehmen will, um sie in die neue Ehe mitzunehmen, lässt dann das Fass überlaufen. Die ohnedies tief gekränkte Frau tötet – wohl um den Mann zu strafen – die beiden Buben.

Soweit, so wenig verändert. Die Schauspieler machen das großartig, vor allem die äußerst wandlungsfähige ausdrucksstarke Caroline Peters. Ursprünglich hätte Joachim Meyerhoff die Rolle des Lucas (entspricht Jason) spielen sollen, er wurde aber durch Steven Scharf ersetzt, der diesen „Schwächling“ recht glaubhaft spielt. Erwähnenswert ist noch Mavie Hörbiger, als Clara (Glauke, des Königs Kreons Tochter, bzw. des Firmenchefs Christophs Schwester).

Manche Kritiken werfen dem Stück „Netflix“ Niveau vor. Ich empfinde den Vergleich nicht so verwerflich. Archetypische Situationen wiederholen sich halt in anderem Gewand.  Das Einzige, das für mich irreführend war, ist der Subtext (nach Euripides), denn damit hat es wirklich wenig zu tun. Es wird der Inszenierung auch vorgeworfen, schon wo anders in der Form gelaufen zu sein, und in derselben Inszenierung später in London weiter gespielt zu werden.  Für mich war es neu. Dass die Bühne leer war, naja, ich brauche keine „Möbel“. Und dass teilweise Vergrößerungen im Hintergrund liefen, fand ich einen interessanten Aspekt, man kennt das ja von Parteiveranstaltungen.  Dass die Bühne schon zu Beginn offenstand, naja, das ist halt heute so, ich mag halt einen aufgehenden Vorhang noch lieber, aber relevant ist das nicht.

Mir hat’s gefallen, mich hat es bewegt. Was soll ich mir sonst vom Theater wünschen. Manche meiner Freunde haben noch moniert, dass die Sprache teilweise „sehr derb“ war, ich fürchte, dass das heute halt so ist. Aber kalt gelassen, hat diese Aufführung keinen. Es war auch der Jubel groß, obwohl es schon ein bissel seltsam ist, wenn die Toten (Mutter und Kinder) – unter „Erde“ (Rußflocken“) begraben, gleich plötzlich aufstehen und fröhlich lachend sich vor dem Publikum verneigen.

Gehen Sie in de Burg und schauen Sie sich Medea an und hören Sie das Philharmonische Konzert von heute Mittag nach – ich gehe davon aus, dass es Ihnen gefallen wird.

Eine interessante Theateraufführung und ein wunderschönes Konzert

Schnee – und Parken in Wien der 60er Jahre

Ich hab‘ doch über Schnee in Wien geschrieben, wie es so war, in meiner Kindheit. Aber auch später gab’s noch Schnee, und viel noch dazu.

Es muss in der ersten Hälfte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts gewesen sein. Wir hatten erst ein Kind. An einem Wochenende im Dezember, es war um den 8. Dezember herum, fuhren wir auf den Semmering. Es lag damals in Wien schon viel Schnee. Wir wohnten noch in Ober St.Veit, am Gemeindeberg. Das lag damals eher noch am Stadtrand. Es dauerte nur ein paar Minuten, um in den Wald zu kommen und vor unserem Haus gab es noch eine unverbaute Wiese, auf der Kinder rodeln und Schifahren konnten.   Es war idyllisch.

Fast alle Bewohner dieses Gemeindebaus in dem mein Mann eine Wohnung ergattert hatte, er bestand dort aus mehreren zweistöckigen Häusern, verfügten über ein Auto (es war noch nicht die Zeit der Zweitautos in der Familie). Und die Häuser waren damals nicht mit Garagen gebaut worden. Das Auto war auch notwendig, denn die Verkehrsanbindung war noch sehr mangelhaft, es gab zwar einen Autobus, der alle halben Stunden fuhr, zu Fuß ging man zur Hietzinger Hauptstraße ca. 30 Minuten (dort wartete der 158, damals noch Straßenbahn), zur Lainzerstraße 25 Minuten, dort fuhr und fährt noch der 60er. Auf beiden Wegen gab es noch das Hindernis einer Bahnüberquerung, dort fuhr die so genannte Vorortelinie. Jedenfalls, alles andere als bequem. Später, nach dem zweiten Kind kaufte ich mir dann selbst ein kleines Auto.

Wenn es nun in Ober St. Veit Schnee gab, waren die Parkplätze plötzlich viel rarer. Aber jeder Autobesitzer versuchte sich einen Parkplatz freizuschaufeln, manche stellten dann ein Taferl hinein, mit Angabe der Autonummer des Besitzers des Fahrzeuges, der hier freigeschaufelt hatte. Andere unterließen dies, um untertags ankommenden Autos die Möglichkeit zum Parken zu geben. Natürlich kam es bei dieser Situation zu Konflikten, einerseits konnte man seinen „heimlichen Feinden“ boshaft ihren Platz zuschaufeln. Andererseits konnte man das Taferl entfernen, sich hinstellen und behaupten, es wäre nie dagewesen. Und Autos waren damals noch wirklich „Heilige Kühe“, die gehegt und gepflegt wurden. Denn jeder wusste natürlich, wem welches Auto gehörte und wer welchen Parkplatz freigeschaufelt hatte.

Auch mein Mann hatte sich am Parkplatzschaufeln beteiligt, allerdings soweit ich mich erinnern kann, kein Taferl aufgestellt.   Er fand diese Markierung einfach kindisch. Naja.

Als wir somit von unserem Semmering-Ausflug zurückkehrten war „unser“ Parkplatz besetzt, das Auto kannten wir nicht, es musste wohl einem Besucher gehören. Nun war guter Rat teuer, es war natürlich schon abends, daher einigermaßen finster, das Kind war müde und musste dringend ins Bett, dass Auto war voll von Kram (Schier, Rodel, dicker – also feuchter – Jacken und Schuhen). Also blieben wir einmal auf der Fahrbahn stehen, um das Auto auszuräumen, in der Hoffnung, dass niemand vorbeikäme. Es war eigentlich die Zufahrt zum Ober St. Veiter Friedhof, daher war abends eher wenig Verkehr.

Nachdem wir alles hinaufgeschleppt hatten, es gab in diesen Häusern keinen Lift, brachte ich umgehend das Kind ins Bett, mein Mann heizte noch ein, wir betrieben ja noch einen Ofen, der einen Wassermantel hatte – das gewärmte Wasser wurde dann in Heizkörper in andere Zimmer geleitet.  Die Asche musste auch noch hinuntergetragen und in den Mistkübel befördert werden. Nun machte sich mein Mann, einigermaßen demotiviert („brummend“) auf, um einen Parkplatz zu suchen. Wir hatten zwar gehofft, dass der aus unserer Sicht ungebetene Gast vielleicht schon fortgefahren wäre – aber mitnichten. Mein Mann bleib lange weg, bis er einen Parkplatz gefunden hatte (ob das einer war, der jemand anderer freigeschaufelt hatte, weiß ich nicht – war mir zugegebenermaßen auch reichlich „wurscht“).

Mühsam war es wieder am nächsten Tag, einem Arbeitstag. Mein Mann hatte zwar keinen frühen Dienstbeginn, ich aber schon (damals noch in der Atombehörde) außerdem musste ja das Kind in den Kindergarten. Zum Glück war dieser von der IAEA installiert worden, nicht weit entfernt, von unserem Arbeitsplatz am Ring (Grandhotel), nämlich  am Heumarkt. Jedenfalls hatte ein anderer Kollege aus dieser IAEA, er stammte aus Indonesien ebenfalls einen kleinen Buben im dortigen Kindergarten und er wohnte auch in Hietzing und nahm uns beide mit ins Büro – bzw. in den Kindergarten. Ich musste allerdings jetzt in die Hietzinger Hauptstraße kommen. An diesem Morgen (wie auch an vielen anderen) bat ich meinen Mann, mich mitsamt unserem kleinen Buben dorthin zu bringen, das ging halt nicht ganz so ruck-zuck wie gewöhnlich, wenn mein Mann – manchmal noch im Pyjama – mich zur gewünschten Destination brachte, sondern es galt vorher das Auto zu holen. Dazu war doch „Winterausrüstung“ nötig. Letztendlich sind wir beide, der Bub im Kindergarten und ich im Büro rechtzeitig eingetroffen. Aber auch nur dank des Einsatzes meines Kollegen aus Indonesien, für den der Winter wahrscheinlich viel schrecklicher war, als für uns.

Mr. D. where ever you are now, THANK YOU again!

Bei allem Enthusiasmus für den Schnee: Parkplatzschaufeln würde ich gar nicht mehr gerne!

Schnee – und Parken in Wien der 60er Jahre

Vergangene Kinderwinter in Wien

Jetzt, alle die Bilder von verschneiten Orten betrachtend, tut’s mir schon leid, dass wir in Wien so gar keinen Schnee haben! Es ist mir bewusst, dass den Menschen in diesen verschneiten Orten der Schnee viel zu viel wird und sie durch die Folgen auch leiden müssen, gesperrte Straßen, drohende Gefahr von Lawinen, einstürzenden Dächer …. Aber schön sind die Bilder doch! Und ich weiß auch, dass es in Wien zu wenig Scheeschaufler gibt, dass Schnee, kaum dass er gefallen ist, durch Salz zu einer grauen Brühe wird, dass die gestreuten Steine wochenlang die Gehsteige unsicher machen – und doch!

Ich habe noch die Scheewinter meiner Kindheit in Erinnerung. Mein Vater zog mich mit einer Rodel durch die Porzellangasse, an der Seite zur Straße lagen Scheehaufen, ich fuhr, wie durch einen offenen Tunnel. Oder das Rodeln in der Berggasse, die sich durch ihre Steigung prächtig dazu eignete. Oder das Schneemannbauen im Votivpark. Oder der Spaziergang mit meinem Vater auf das Hameau, am 24. Dezember, um mich aus dem Haus zu kriegen, während „das Christkind“ werkte. Da war von Schiliften oder sonstigen Aufstiegshilfen noch keine Rede.

Auch waren winterliche „Ausflüge“ in den Türkenschanzpark ein wahres Vergnügen, den der ist nicht eben und daher konnte man munter rodeln – um die Wette mit den anderen dort versammelten Kindern.  Die Schneeballschlachten waren ein Fest für uns, der Schnee war frisch, die Schneeballen daher nicht eisig und schmerzten oder verletzten nicht.

Unsere Winterkleidung unterschied sich von der heutigen, es gab keine wasserabweisenden Daunenjacken oder Stiefel. Wir trugen handgestrickte Pullover (in Norwegermuster!) und Stoffjacken (meist aus alten schon etwas abgewetzten Kleidungsstücken aus der Familie), und meist Goiserer (genagelte, hohe Schuhe). Wir warten meist ziemlich nass, wenn wir von derartigen Schneeausflügen zurückkamen.

Auch in den Hauptstraßen lag Schnee. Es gab ja nicht viele Autos, für die öffentlichen Verkehrsmittel wurde zwar der Schnee geräumt – aber sonst. Jedenfalls, in der Früh wurde man aufgeweckt vom den Metallschaufeln, die auf dem Pflaster scharrten, die Hausmeister waren verpflichtet, denn Schnee an die Seite zu schieben um einen Gehweg freizuschaufeln. Und sofern kein Hausmeister vorhanden war, musste während des Krieges „die Hausgemeinschaft“ einspringen. Ich sehe noch meine Mutter mit der Schaufel in der Hand, mit alten Kleidern, um den Mantel zu schonen, den Schnee auf Wagerln laden, die dann entweder zu einem Kanal fuhren, wo der Schnee hineingeleert wurde oder in nahegelegene offene Fläche, wie besonders in  so genannte „Beserlparks“ (kleine kümmerliche Parkanlage). Wenn es einen Fluss in der Nähe gab (die Wien, den Donaukanal oder die Donau selbst) musste der Schnee dorthin gebracht werden.

Besonders beeindruckt hat mich damals der Eisstoß auf der Donau. Ein Eisstoß entsteht, wenn die Eisdecke eines Flusses bricht und sich die Eisschollen entweder an der noch bestehenden Eisdecke oder an anderen Hindernissen wie Brücken zusammenschieben und aufstapeln. Das Wasser kann nicht mehr abfließen und es entstehen Überschwemmungen im Rückstaubereich. Wird der Wasserdruck zu groß, dann bricht der Eisstoß und verursacht eine Flutwelle. Es war schon eindrucksvoll, manche Leute kletterten drauf herum, aber mein Vater erlaubte es mir nicht. Seit den Hochwasserregulierungen, besonders jener letzten, nämlich dem Bau der Donauinsel, kommt es zu keinen Eisstößen mehr. Darüber sollte man wahrscheinlich froh sein, denn derartige Naturereignisse und die drauffolgenden Hochwasser haben viel Schaden angerichtet.

Als ich dann schon größer war,sind wir mit der Familie meiner Schulfreundin im Wienerwald Schifahren gegangen. Mit der Straßenbahn zur Endstation, die Schi auf den Schultern irgendwo hinauf und dann lustig, durch Hohlwege zurück ins Tal.

Eislaufen war eine große Freude meiner Kindheit und teilweise meiner Jugend. Unser Ziel war der Engelmann in Hernals. Dort gingen wir (meine Mutter und ich) zu Fuß (es musste ja gespart werden), von der Währingerstraße in die Syringgasse. Als wir dort ankamen war uns jedenfalls schon warm. Die Eisschuhe hatten wir in einem „Saisonkastl“. Die waren schnell angezogen und ich lief schon aufs Eis. Es war wunderbar, bis man versuchte, etwas „Struktur“ in mein Eislaufen zubringen, aber das Achterfahren und Ähnliches langweilte mich schon vom Hinschauen. Mir wurde zwar vorgehalten, dass ich nur so eine gute Eisläuferin werden könnte, wenn ich … Aber eigentlich wollte ich ja keine große Eisläuferin werden. Wir fuhren damals in Röcken! Es wurden dicke Strumpfhosen angekauft um uns auch warmzuhalten.

Als wir ab 1944 die Winter in Pregarten verbrachten, konnte ich auf der gefrorenen Aist Schlittschuhlaufen. Das war schon ganz anders, als auf dem Eislaufplatz, es war holprig, es gab nicht ganz zugefrorene Stellen aber man konnte über weite Strecken laufen.

Um meine Ambitionen zu wecken wurde ich wohl auch zur Eisrevue ausgeführt. Mitten im Zweiten Weltkrieg entstand die Vorläuferin der Wiener Eisrevue, die „Karl-Schäfer-Eisrevue“, benannt nach dem österreichischen Eiskunstläufer mit den meisten internationalen Titeln. Schäfer trainierte bei Engelmann! 1945 wurde die Wiener Eisrevue gegründet. Ihr erster Star war die EM-Dritte von 1937 und 1938, Emmy Puzinger. Die Aufführungen fanden am Platz des Wiener Eislaufvereins statt. Natürlich saß man im Freien und es war ziemlich kalt.  Stars waren vor allem Kunstläuferinnen und Kunstläufer gewesen, die noch bei internationalen Konkurrenzen starteten und daher keine Gagen nehmen durften. 1949 gewann die Wiener Eisrevue mit dem einstigen „Wunderkind des Wiener Eissports“ Eva Pawlik erstmals eine Europameisterin. Sie war die einzige promovierte Eisbombe des Ensembles -und daher das oft zitierte Vorbild für mich. Ich konnte dennoch nicht motiviert werden. Ich brachte es dann nicht einmal zum Eistanzen.

Die glitzernde Winterwelt im Winter in Wien geht mir schon ab!

 

 

 

Vergangene Kinderwinter in Wien

Der rettende rote Knopf

Der rote Knopf sitzt auf einem grauen Gummiband und sollte immer getragen werden. Es ist nämlich ein Notknopf, der das Rote Kreuz holen kann. Wir haben dieses Armband schon eine Weile zu Hause, ich habe immer insistiert, dass es ein Mann trägt, wenn ich außer Haus war. Wir haben es öfter benutzen müssen, wenn mein Man umgefallen war und ich ihn nicht allein aufheben konnte. Nun, nachdem mein Mann mich verlassen hat, habe ich ursprünglich geplant, dieses Band zurückzugeben, aber die Kinder haben drauf bestanden, dass ich es mir lasse, und immer trage, denn schließlich wohne ich ja allein. Anfänglich benutzte ich dieses Band nur einigermaßen schlampig, aber dann habe ich mir angewöhnt, es (mehr oder weniger) immer zu tragen. Manchmal war es ein bissel peinlich, weil ich vergessen hatte, es herunter zu nehmen, wenn ich weggegangen bin und dann schaute es nicht gerade elegant aus – naja.

Diese Band ist mit einer „Station“ verbunden, die bei Knopfdruck automatisch das Rote Kreuz verständigt, dass jemand Hilfe braucht. Es funktioniert nur in der Wohnung. Natürlich kann es passieren, dass amn versehenlich drückt, aber dann kann man es abschalten (wenn man sehr schnell ist) oder man entschuldigt sich, wenn gefragt wird, ob man etwas braucht.

Vorgestern abends es war mir ein bissel schlecht, als ich ins Bett ging, und wirklich, ich musste mehrmals aufstehen, um mich zu übergeben, das letzte Mal, „direkt aus dem Tiefschlaf“. Als es vorbei war, merkte ich, dass sich alles drehte und ich sehr schwindlig wurde. Ich setzte mich auf den Boden, um einen unkontrollierten Sturz vorzubeugen. Dort saß ich nun, etwas erschöpft, und stellte fest, dass ich es nicht schaffte, aufzustehen. Der Fußboden ist aus Stein, ein Fenster war gekippt, ich kam direkt aus dem Bett und sah eigentlich keine Möglichkeit, dorthin schnell wieder zurückzukehren.  Denn selbst wenn ich es geschafft hätte,  mich hochzuhieven, was vielleicht möglich gewesen wäre, weil wir dort eine Reihe von Haltegriffen für meinen Mann angebracht hatten, konnte ich mir nicht vorstellen dann noch ins Schafzimmer zu gelangen.

Da saß ich nun und wusste mir anfangs nicht zu helfen, das Handy lag am Nachtkastl, zum Laden über Nacht. Ich überlegte hin und her, woher denn das Übelsein käme, naja, ich hatte sicher viel zu viel, viel zu süß und viel zu fett über Weihnachten gegessen, aber heute wahrscheinlich einfach zu viel. Über das Warum sollte ich wohl später nachdenken, besser jetzt, da mir langsam ziemlich kalt wurde, wie ich es ins Bett schaffen könnte. Bis ich dann schließlich den roten Knopf am Gummiarmband erkannte. Also drückte ich. Wie geplant, meldete sich die Stimme „Brauchen Sie etwas“. Ich war sehr dankbar, sie zuhören, und sagte, „ja, ich bin umgefallen“, man hörte mich, glaube ich, am anderen Ende nicht, weil der Apparat etwas entfernt stand. Ich brüllte noch einmal “Ich bin umgefallen“. Und dann die Antwort „wir kommen“. Ich war wirklich froh. Es dauerte nicht lang, wahrscheinlich ca. 20 Minuten, bis ich den Schlüssel im Schloss hörte. Da ich, wie immer in der Nacht, kein Licht gemacht hatte, musste ich erst auf meine Lage aufmerksam machen. Aber bald standen die drei Helfer um mich herum, zwei freundliche junge Männer und ein Mädchen. Die Burschen waren Zivildiener. Das Mädchen war wahrscheinlich freiwillig unterwegs. Es war immerhin drei Uhr früh. Es waren keine langen Erklärungen notwendig, flugs war ich ins Bett geschafft, es fand sich ein Kübel, falls es zu weiteren Speibereien kommen sollte. Man stellte mir auch den Stock (meines Mannes) zum Bett, „stehen Sie nicht auf, ohne sich anzuhalten“. Ich musste nur noch die Nummer der E-Card nennen und schon war alles vorbei. Ich wurde noch gefragt, ob ich ins Spital wollte, was ich naheliegender Weise verneinte.  Ich hab‘ dann gleich und gut geschlafen.

Am drauffolgenden Tag war ich noch ein bissel marod, wie man bei uns sagt. Nicht wirklich krank, aber Ich getraute mich nicht zu duschen, ich konnte noch nichts essen. Ich entschloss mich einfach im Bett zu bleiben, Fieber hatte ich keines, höchstens ein bissel erhöhte Temperatur. Ich konnte mich auch nicht entschließen einen Blogeintrag zu schreiben, obwohl er mir pausenlos im Kopf herumging. Zwischendurch schlief ich immer wieder ein.

Dazwischen dachte ich nach, wie es früher, als ich ein Kind gewesen bin, war, als ich krank wurde. Ein untrügliches Zeichen für mein Krankwerden als Kind war, dass ich mich unter einem Tisch verkroch. Ja, aber dann wurde ich verwöhnt, es wurde mir eine Hendlsuppe gebracht, ein Apfelkompott. Mir wurde vorgelesen und der Onkel Doktor kam. Allerdings nur bis 1939, weil ab es ab dann diesen lieben, verständnisvollen, kompetenten Doktor „nicht mehr gab“, der seine Ordination in der · Schwarzspanierstraße gehabt hat.  Danach hat es keinen Kinderarzt für mich mehr gegeben. Er war wohl Jude gewesen, so hatte es sich später herausgestellt. Auch später war es dann noch recht gemütlich gewesen, wenn man umsorgt im Bett bleiben konnte, wenn man krank war. Jetzt bin ich halt allein und muss schauen, wie ich – auch wenn ich krank bin – zurechtkomme. Ja, meine Haushaltshilfen sind sehr hilfsbereit, aber letztlich sind sie halt nur „temporär“ hier bei mir. Noch ein Grund mehr, bald wieder auf den Damm zu kommen.

Jetzt hab ich mir halt selbst eine Nudelsuppe gekocht, und den Apfel für’s Kompott habe ich schon geschält. Auch einen Kaffee hab‘ ich mir gemacht – und morgen gehe ich dann einkaufen und kauf mir ein Kipferl!

Und übrigens, das Armband mit dem Notknopf trage jetzt IMMER!

 

 

Der rettende rote Knopf