COVID-Testen in nobler Umgebung

Schloss Neugebäude, das Juwel von Simmering

 Ganz wie geplant, lief der heutige Tag dann doch nicht ab. Kaum, dass wir uns Richtung “Alter Jüdischer Friedhof“ in Gang gesetzt hatten, fiel meinem Enkel ein, dass er sich eigentlich testen lassen wolle, bevor er etwas später seine Freunde treffen sollte. (Das machen sie immer so, alle lassen sich testen, die einander treffen wollen.) Wir gingen langsam zur Haltestelle um in die Stadt zu fahren und mein Enkel wollte unterwegs bei einer der Apotheken aussteigen, die gratis COVID-Tests anbieten. Da stieß er auf die Teststraße im Neugebäude, die nun gar nicht weit vom Zentralfriedhof entfernt liegt. Da ich schon immer neugierig auf das Neugebäude war, und es noch nie aufgesucht hatte, beschloss ich gleich, ihn zu begleiten, und da ich noch diese Woche einen Zahnarzt Termin habe, mich auch gleich dort testen zu lassen. Mein Enkel meldete uns an und wir machten uns auf den Weg, vorbei an der Feuerhalle, am Tierfriedhof, den ich auch noch nie besucht hatte und anschließend an einer G’stetten, wie man sie in Wien nur mehr sehr selten findet, entlang eines Wäldchens. Das war ein sehr hübscher Spaziergang in der Sonne.  Dann stießen wir auf die Straße, die direkt zum Schloss Neugebäude führte. Schloss Neugebäude ist ein von Kaiser Maximilian II. in Auftrag gegebenes manieristisches Schloss im 11. Wiener Gemeindebezirk Simmering. Der Legende nach wurde es an jener Stelle errichtet, an der während der Ersten Wiener Türkenbelagerung von 1529 die Zeltburg Sultan Süleymans stand.

An der Jahreswende 1568/69 begannen im heutigen Simmering die Vorarbeiten zu einem der bedeutendsten Baudenkmäler der Renaissance. Eine Stunde Kutschenfahrt von Wien entfernt plante Kaiser Maximilian II. ein Gesamtkunstwerk: Ein Schloss der Superlative, orientiert an der Antike und gleichzeitig an den modernsten Vorbildern Italiens, umgeben von farbenprächtigen Gärten mit Springbrunnen und Wasserkaskaden, Tierzwinger und   einem Ballspielhaus für das mondäne “Jeu de Paume” – die frühe Form von Tennis.

Die bereits um 1570 vollendeten Blumenbeete waren in komplizierten, teppichartigen Mustern angelegt, hier blühten kostbare Pflanzen, die erst wenige Jahre zuvor aus dem Vorderen Orient nach Mitteleuropa gekommen waren, wie Tulpen und Flieder. Für die wissenschaftliche Betreuung der Gärten hatte Kaiser Maximilian den berühmten Botaniker Carolus Clusius nach Wien berufen. Maximilian selbst war sehr an Botanik interessiert, seine große Liebe galt der Beschäftigung mit der Natur und es ist über ihn überliefert, dass er oftmals zum Vergnügen in seinen Gärten tatkräftig mitarbeitete.

Doch Maximilians großer Traum wurde jäh unterbrochen. Sein plötzlicher Tod 1576, aber auch die leeren Staatskassen und die drohende Gefahr aus dem Osmanischen Reich ließen sein Lebenswerk ins Stocken geraten und schließlich unvollendet zurück.

Maximilians Schloss, das bald in Vergessenheit geriet, bekam keinen Namen mehr und wurde fortan nur noch Newes Gepaeu – Neugebäude genannt. Nur ein Tiergarten an der Ostseite des Schlosses, der Löwenhof, sollte noch an den Kaiser erinnern. Als Liebhaber exotischer Tiere hatte er bereits 1552 in seinem nahegelegenen Jagdschloss Ebersdorf eine Menagerie gegründet.

Hier war auch der erste, legendäre Elefant von Wien, ein Geschenk des Königs von Portugal, untergebracht. Dieser Tiergarten bestand zu einem großen Teil aus Raubkatzen und wurde nach dem Tod des Kaisers weitergeführt. Im 17. Jahrhundert wurde er ins Neugebäude übersiedelt, wo noch bis in die 1780er Jahre einzelne Löwen lebten.

Die folgenden Jahrhunderte lasteten wie ein böser Fluch auf dem Schloss. Unwetterkatastrophen, Kuruzzeneinfall und der Plan Maria Theresias ein Schiesspulverdepot für das Militär einzurichten, fügten dem Schloss schweren Schaden zu. Maria Theresia hatte wenig Sympathie fürs Neugebäude, ihr Interesse galt allein Schloss Schönbrunn und dessen Umbau. Dafür beauftrage sie 1774 den Hofarchitekten Hetzendorf von Hohenberg im Schloss Neugebäude die Säulen der Nordfassade abzunehmen und auf der Gloriette wieder aufzustellen. Die verbliebenen Tiere aus dem Tiergarten kamen, mit Ausnahme der Raubkatzen, die Maria Theresia verabscheute, in den 1752 fertiggestellten Schönbrunner Tiergarten. Mit diesem massiven Eingriff war aus dem einstmals prächtigen Schloss Neugebäude eine Ruine geworden.

Auch im 20. Jahrhundert kam das Schloss nicht zur Ruhe. Der drohende Abriss, die Einquartierung verschiedener Gewerbebetriebe, die Nutzung im zweiten Weltkrieg für die Rüstungsindustrie zur Herstellung von Panzermotoren und schließlich der Plan, in den alten Mauern ein Fußballstadion zu errichten hätten beinahe den endgültigen Untergang gebracht.

Schwerstens angeschlagen ging es nun ins neue Jahrtausend, das endlich die Wende in eine glücklichere Zeit bringen sollte. Das Interesse an Schloss Neugebäude war seit den archäologischen Grabungen in den 1980er Jahren geweckt worden. Schon lange Zeit davor hatte die kunsthistorische Fachwelt die überregionale Bedeutung des Schlosses erkannt und dessen Erhalt und Sanierung gefordert.  Nun war endlich diese Forderung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelang und hatte auch die Unterstützung der Politik erreicht. Ab 2001 wurde das Schloss schrittweise gesichert, revitalisiert und schließlich für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Heute gibt es dort ein buntes und breit angelegtes Veranstaltungsprogramm, vom Ostermarkt über den Sommer im Schloss bis hin zum Jahresausklang mit Adventzauber und Perchtenlauf, mit Kinderprogramm, Kabarett, Livemusik, Gastronomie und Schlossführungen. All das möchte Kinder und Erwachsene einladen im wahrhaft kaiserlich – historischen Ambiente den Alltag hinter sich zu lassen.

Und jetzt? Jetzt ist dort eine Teststraße der Gemeinde Wien eingerichtet. Also es ging alles sehr flott und freundlich vor sich. Es ist der Samariterbund, der die Tests abwickelt. Die Räumlichkeiten sind sehr stilvoll, wo das alles abläuft, teilweise stehen noch alte Möbel – etwas versteckt herum.

Ein Ausflug, auch ohne Impfung, zum Schloss Neugebäude lohnt allemal!

COVID-Testen in nobler Umgebung

Großmutter am Zentralfriedhof

Und im Bestattungsmuseum

Heute hatten wir vor, gemeinsam auf den Zentralfriedhof zu gehen, um meinen Mann dort zu besuchen. Einer meiner Enkel (aus unserer Wohngemeinschaft). Es versprach ein sonniger Tag zu werden, dennoch, in der Früh war’s noch recht kalt.

Wir fuhren – schier endlos – mit dem 71er durch Simmering, um dann endlich bei unserem Ziel, dem dritten Tor des Zentralfriedhofs anzukommen. Der Wiener Zentralfriedhof wurde 1874 eröffnet und zählt mit einer Fläche von fast zweieinhalb Quadratkilometern und rund 330.000 Grabstellen mit rund drei Millionen Verstorbenen zu den größten Friedhofsanlagen Europas. Er wurde im Laufe seiner Geschichte insgesamt sieben Mal erweitert, zuletzt 1921. Zum Zeitpunkt seiner Eröffnung galt er als größter Europas. Nach Bestatteten gilt dies bis heute, flächenmäßig größer sind hingegen die Friedhöfe in Hamburg und einer nahe London. Der Zentralfriedhof gehört aufgrund seiner vielen Ehrengräber, der Jugendstil-Bauwerke und des weitläufigen Areals zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt Wien.

Unser Weg war nicht sonderlich weit. Dann, so meinte mein Enkel, sollten wir uns doch ein paar Ehrengräber anschauen. Wir gingen nicht über die „Hauptstraßen“, sondern einen kleinen Umweg durch den Waldfriedhof.  Bei den Ehrengräbern, zeigte sich unser Altersunterschied. Ich versuchte zu erklären, wer dort wer gewesen ist. Es waren Burgschauspieler, Opernsänger, Autoren, Bildhauer, Maler, dann wechselten wir zu den Politikern, auch z.B. ehemalige Gewerkschaftschefs sagten dem jungen Mann nicht viel. Bei den früheren Bundeskanzlern hatte er schon einige Vorstellungen, und die Bundespräsidenten scheinen ihm zu wenige – selbstverständlich prüfte er das auf dem Smartphone nach, aber sie waren vollständig. Für mich war das dort wie ein Treffen mit alten Freunden.

Nun, mein Enkel hatte eine Verabredung und wir hatten noch Zeit zur Verfügung, eigentlich wären wir gerne ins dort befindliche Oberlaa gegangen – auf eine Schokolade und eine Torte, aber es ist ja Lockdown, und noch immer alle Cafés etc. geschlossen. Da mein Enkel wirklich hungrig war, hielt er beim Zweiten Tor, wo wir inzwischen angekommen waren, Ausschau nach einem Würstelstand oder einem Restaurant, das Essen „to go“ verkaufen würde. Er fand nur eine kulinarische Wüste vor.

Da wir noch Zeit hatten, gingen wir ins Bestattungsmuseum. Dieses befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof im 11. Wiener Gemeindebezirk, Simmering, im Untergeschoß der beim Haupteingang bestehenden Aufbahrungshalle 2. Dieses Museum dort gibt es seit 2014. Das 1967 gegründete Museum hatte zuvor bis September 2013 seinen Standort in der ehemaligen Zentrale der Bestattung in der Goldegggasse im 4. Wiener Gemeindebezirk Wieden. Ich kann ihnen den Besuch dieses Museums nur empfehlen, es ist hervorragend „gemacht“ und wirklich interessant.   

„Die schöne Leich“ ist nicht nur ein aufwändiges Leichenbegängnis. Sie ist auch Ausdruck einer Lebenshaltung: Der Tod ist unvermeidlich – also feiern wir ihn. Im Bestattungsmuseum warten daher mehr als 250 Originalobjekte sowie Bildmaterial – vielfach zum ersten Mal ausgestellt – aus den Archiven der Bestattung und Friedhöfe Wien darauf entdeckt zu werden. Unter anderem ist ein originaler Fourgon (Kutsche für Leichentransport) aus der Zeit um die vorige Jahrhundertwende zu sehen, zahlreiche Uniformen der üppigen Tracht nach dem Spanischen Hofzeremoniell bis zum schlichten Talar der Gegenwart. Skurrile Relikte aus einer Zeit als man fürchtete, lebendig begraben zu werden wie ein Herzstichmesser und ein Rettungswecker. Ein Sitzsarg – entsprechend einem Recamier – fehlt auch nicht. Ein Klappsarg von 1784, aus der Zeit Joseph II, lässt ahnen, wie Mozart bestattet wurde. Als ein Stück Zeitgeschichte ist eine Rechnungsanweisung des kaiserlichen Hofs ausgestellt für die Überführung und Bestattung von Franz Ferdinand und seiner Gattin nach dem Attentat von Sarajewo. Fasziniert haben uns Filmausschnitte mit neu entdecktem und restauriertem Material von dem Begräbnis Franz Josephs I und dem prächtigen Trauerzug für Albert Baron Rothschild. Auch sieht man, wie sich Partezettel über die Jahrhunderte geändert haben, von der pompösen Trauerkleidung gar nicht zu reden.  Auch Begräbnisse waren “hierarchisch“, es gab Klassen, die halt zu unterschiedlicher Ausstattung der Trauerfeier und des Trauerzuges führten.

Also entgegen unseren Planungen, reichte die Zeit nicht mehr, den alten jüdischen Friedhof zu besuchen. Aber es gibt ja noch so viel mehr hier. Die Laufstrecke für Sportliche, man kann auch eine Rundfahrt mit den hier verkehrenden Bus machen um sich eine Vorstellung von den unterschiedlichen (auch konfessionellen) Teilen des Friedhofs machen zu können. Außerdem müssen wir uns die „Friedhofs-Adressen der unterschiedlichen Vorfahren“ heraussuchen, um auch ihre Gräber besuchen zu können.  

Die Möglichkeit mit einem Fiaker hier am Friedhof herumzufahren, werden wir dennoch nicht ins Auge fassen.

Großmutter am Zentralfriedhof

Impfstoffdiplomatie

Impfstoffdosen als neue Währung

Israel gilt al Vorzeigeland Corona-Impfungen betreffend. 43 Prozent der 9,3 Millionen Einwohner Israels haben bereits ihre erste Dosis Vakzin erhalten, 2,6 Millionen die zweite. Das ist weltweiter Rekord! Dort öffnen nun Museen, Einkaufszentren und Fitnessstudios – allerdings zunächst nur für Geimpfte und Genesene.

Es gibt allerdings Probleme mit der Impfung von Palästinensern. Die Impfsituation in Israel und den palästinensischen Gebieten könnte derzeit nicht gegensätzlicher sein und führt zum Streit über die Frage, wer eigentlich für die Gesundheit der Palästinenser verantwortlich ist. Israels Regierung, die frühzeitig große Mengen an Impfstoff bestellt hat und weltweit am schnellsten gegen Covid-19 impft – oder die Palästinensische Autonomiebehörde, die PA, die seit Wochen vergeblich auf Lieferungen wartet?

Laut der Osloer Verträge, auf deren Grundlage die israelische Regierung argumentiert, zählt die medizinische Versorgung im Westjordanland und Gaza zu den Aufgaben der Palästinenser. Israels Gesundheitsministerium erklärte deshalb, ohne Gesuch der Palästinenser keine Hilfe anbieten zu können. Gleichzeitig hat Israel das Westjordanland besetzt, kontrolliert den Gazastreifen. Entsprechend der Genfer Konventionen, auf deren Basis auch internationale Nichtregierungsorganisationen Israel nun kritisieren, ist Israel als Besatzungsmacht für die Gesundheitsversorgung der Palästinenser verantwortlich.

Wie aber könnte die Hilfe für die Palästinenser aussehen? Während die Palästinenser in Ostjerusalem einen Aufenthaltstitel haben, deshalb wie alle israelischen Staatsbürger krankenversichert sind und Zugang zu den Impfungen haben, könnte Israel in den besetzten Gebieten kaum direkt helfen, ohne die PA (Palästinensische Autonomiebehörde) zu brüskieren.

Wegen Lieferverzögerungen wurde der Beginn der Impfkampagne für die Bürger im von Israel besetzten Westjordanland verschoben. Die palästinensischen Behörden erwarten insgesamt rund zwei Millionen Impfdosen verschiedener Hersteller sowie weitere Lieferungen im Rahmen der Covax-Initiative (Projekt der WHO zum weltweiten Zugang zu Covid-Impfstoffen). Im Westjordanland wurden bisher fast 115.000 Corona-Infektionen und fast 1.400 Tote registriert. Im Gazastreifen steckten sich nach Angaben der Hamas mehr als 53.000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus an. 537 Infizierte starben demnach.

Die israelische Zivilverwaltung für die besetzten Gebiete (COGAT) teilte mit, die palästinensischen Behörden hätten die Lieferung von 1.000 Impfdosen nach Gaza beantragt. Hierüber müsse aber noch eine „politische Entscheidung“ getroffen werden.

Rund 4.700 Palästinenser sitzen in israelischen Gefängnissen, darunter Attentäter, Terroristen. Zunächst wurde erklärt, die palästinensischen Häftlinge nicht zu impfen. Erst nach mehreren Corona-Ausbrüchen in den Haftanstalten und heftiger Kritik wurde umentschieden und getan, was medizinisch notwendig war. Mittlerweile sind alle Insassen geimpft.

Israelische Gewerkschaften fordern nun, auch den palästinensischen Arbeitern Impfungen zu ermöglichen. Insgesamt arbeiten über 130.000 Palästinenser aus dem Westjordanland in Israel, ohne sie funktioniert etwa der Bausektor nicht. Es sei deshalb nur logisch, die Arbeiter impfen zu lassen. Es wurde vereinbart, dass Israel die Impfung von 100 000 Palästinensern übernimmt, die in Israel arbeiten.

Und zusätzlich wurde nun folgendes bekannt: Im Austausch für zwei Schläfer ließ das Regime in Damaskus eine junge Israelin frei, so die offizielle Darstellung. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn angeblich willigte Israel ein, den Russen, die diesen Deal „gebrokert“ hatten, die Rechnung für die Lieferung des Covid-19-Impfstoffs Sputnik V nach Damaskus zu bezahlen. Das Regime von Bashar al-Asad bestreitet dies, was wenig erstaunlich ist. Offiziell befinden sich die beiden Länder im Kriegszustand, und Israel hält seit über fünfzig Jahren einen Teil der Golanhöhen besetzt. Israel habe Russland 1,2 Millionen Dollar für die Vakzine bezahlt. Da Sputnik V in zwei Dosen verabreicht wird, würde der Impfstoff bei einem Preis von 10 Dollar pro Dosis für 50 000 bis 60 000 Syrer reichen. Kenner des Landes gehen davon aus, dass die Impfungen nicht an Risikogruppen, sondern an Vertreter des Regimes gehen werden. Kritiker merken zudem an, es passe nicht zusammen, dass Israel Vakzine für Syrien bezahle, nicht aber für die Palästinenser in den besetzten Gebieten.

Seit Monaten betreibt die russische Regierung mit Sputnik V eine regelrechte Impfstoffdiplomatie. Der russische Impfstoff Sputnik V mausert sich zum Exportschlager. Manche argwöhnen, das internationale Prestige sei dem Kreml wichtiger als der Impf-Fortschritt im eigenen Land. Der Impfstoff war noch vor den Phase-3-Tests zugelassen und von Putin für wirksam erklärt worden. Die unverhohlene Politisierung warf zu Unrecht einen Schatten auf die wissenschaftliche Leistung des Moskauer Gamaleja-Instituts und schadete der Propagierung des Impfstoffs im In- und Ausland mehr, als dass sie genützt hätte.

In den Liefervereinbarungen mit mittlerweile über einem Dutzend Staaten ist explizit die Rede davon, dass die Lieferung von Produktionsstandorten in Indien, China, Südkorea und anderen Ländern erfolge, mit denen der RDIF die Lizenzproduktion angebahnt hat, oder der Impfstoff werde in dem betreffenden Land selbst in Lizenz hergestellt, etwa in Kasachstan, Brasilien und der Türkei.

Auch bei uns will jeder möglichst bald geimpft werden – der Impfstoff aber rar – da kommt es möglicherweise schnell zu einem „Schwarzmarkt“ (Bürgermeisterimpfungen) – warum sollte das international anders sein.

Impfstoffdiplomatie

Unvollendet

Meine Handarbeitskariere

Gestern habe ich die „Schätze“ meiner Wolltruhe an meine Schwiegertochter weitergegeben. Darin befand sich viel Geplantes, aber unvollendet Gebliebenes.

Ich muss aber ausholen. „Handarbeiten“ wurde mir bereits in der Schule vermiest. In der Volksschule hielt man mich zum Stricken von Socken an, aus Wollresten, neue Wolle war rar und man hätte sie mir als Anfängerin nie anvertraut. Also musste ich mit den berühmten vier bzw. fünf Nadeln operieren. Da ich das immer mit viel Konzentration durchgeführt habe, wurden die Fäden stark angezogen, und das Gestrickte wurde hart und hässlich. Wir mussten zudem für Handarbeiten eine Schürze tragen – etwas, das ich wirklich verabscheute. Da ich nie mein vorgegebenes quantitatives Ziel erreichte, strickte meine Mutter zu Hause an meinen Objekten weiter, was natürlich anders aussah und die Handarbeitslehrerin merkte.  Im Gymnasium lernten wir Nähen, mit der Hand, war letztlich auch nicht viel besser, und beim frühestmöglichen Zeitpunkt meldete ich mich vom „Handarbeiten“ ab.

Das war’s dann, für lange Zeit. Vor allem, meine Mutter strickte sehr schön, Jacken, Pullover, Handschuhe, Socken, Hauben, sogar einen Mantel hat sie mir gestrickt, daher habe ich Stricken nie in Erwägung gezogen. Zuerst begann ich mit Sticken, Pölster (das war, als ich einmal krank war und im Bett bleiben musste, mir aber fad war) im Kelimstich, und dann kleine bunte Blumen, die als so genannte „Deckerln“ verwendet werden konnten.  Endlos viele benötigt man davon aber auch nicht.

Das war der Moment auf den meine Schwiegermutter gewartet hatte: denn selbst Unvollendetes kann vererbt werden: sie übergab mir eine begonnene Ajourtischdecke – um sie fertigzumachen. Unter Ajour Stickerei versteht man eine Stickerei, bei der mit einem Faden locker gewebte Stofffäden zusammengezogen werden, dabei entstehen Durchbrüche. Die Ränder müssen nicht versäubert werden, da die Durchbrüche nur durch das Zusammenziehen der Fäden erreicht werden. Mit unterschiedlichen Stichvariationen erreicht man unterschiedliche Arten von Durchbrüchen, die dann noch mit weiteren Spitzenstichen gefüllt werden können. Berühmte Beispiele dieser Stickerei waren die Dresdner Spitze und die Ayrshire Stickerei aus Schottland. Klassische Stickereien wurden nur in Weiß gestickt. Das Zeug liegt noch immer in meiner Handarbeitslade.

Sticken war aber dann bei Kinderbeaufsichtigung nicht mehr machbar, daher verlegte ich mich aufs Häkeln (Stricken war nach wie vor tabu). Da häkelte ich Überwurfdecken für Betten, die teilweise heute noch „in Betrieb“ sind. Kleidungsstücke vermied ich, bis mir einmal eine Freundin eine Jacke zeigte, die vom Kragen an „in einem“ gehäkelt werden konnte… Ich kaufte mir eine eher billige Baumwolle (teure Wolle wollte ich nicht verschwenden) und wirklich, die Methode funktionierte, es wurde eine in meinen Augen durchaus akzeptable Weste daraus. Ja, sie war schwer, die Baumwolle war dick gewesen (damit es schneller ging). Meine Mutter fand sie abscheulich und trennte sie umgehend auf – was mich sehr ärgerte, aber mich dann nicht dran hinderte einen damals benötigten Badezimmerteppich daraus zu häkeln, der auch noch sehr lange verwendet wurde. Später häkelte ich ein Trachtenjackerl (na so etwas Ähnliches), für das ich mir dann sogar Silberknöpfe in einem Antiquitätengeschäft erstanden habe (der Silberpreis war damals noch nicht ganz so hoch, wie jetzt).

Da ich Stricken effizienter fand, als Häkeln, ging ich die Geschichte anders an. Es gab ein kleines Wollgeschäft in der Postgasse, dort kaufte ich nicht nur Wolle, sondern ließ mich auch beraten. Man zeigte mir einige Handgriffe, die ich recht nützlich fand, man riet mir, wie ich beginnen könnte und man unterstützte mich beim Zusammenfügen der gestrickten Teile. Da kamen da einige ganz passable Stücke heraus. Ich betrieb Stricken nie als Zeitvertreib, sondern meist während des Fernsehens. Ich strickte auch gerne während irgendwelchen Ausbildungsvorträgen, was wiederum einen Kollegen ärgerte, der meinte das Klappern der Nadeln würde seine Konzentration stören. Ich strickte auch – etwas das heute undenkbar wäre – während langer Flüge.

Aber mit zunehmendem Alter kamen Schmerzen im Zusammenhang mit meiner etwas verkrümmten Wirbelsäule, die Ärzte empfahlen, mit dem Stricken aufzuhören.  Ja, und wenn es mir dann wieder gut ging und ich schmerzfrei war, kam der Wunsch nach handwerklicher Betätigung – also dem Stricken. Mein Wollgeschäft hatte inzwischen zugesperrt, Wollgeschäfte waren überhaupt ziemlich rar geworden. Also, ein Schal für ein Weihnachtsgeschenk müsste doch noch möglich sein – naja, die Zeit bis Weihnachten war zu kurz, das Projekt bleib unvollendet.

Bei einer hübschen kleinen Österreichreise ins Salzburger Land – wie das früher halt so üblich war, vor Corona, sah ich ein reich ausgestattetes Wollgeschäft, das handgesponnene Wolle vertrieb, naja, so eine Jacke hatte ich mir doch schon lange gewünscht, gesagt, getan- Wolle gekauft – nie gestrickt!  Und jetzt in der Corona Zeit – habe ich einen neuerlichen Anlauf genommen – mir wunderschöne jeans-blaue Wolle gekauft. Es gab ein Geschäft in der Gluckgasse, gleich in der Nähe. Ich habe begonnen, naja die Wolle war sehr dünn, ich strickte während des Fernsehens, eine Masche fiel herunter, sie aufzufangen, das kann ich nicht gut – das Wollgeschäft – wohin ich um Hilfe eilte, war umgezogen.  Und wenn ich meine Strickerfolge ansah, wusste ich, dass ich diese Jacke nicht zu meinen Lebzeiten, selbst wenn ich 95 würde, beenden könnte …

Und da war sie nun, diese nicht verarbeitete Wolle. Meine Schwiegertochter strickt gern und schön – vor allem für ihre Enkeltöchter (meine Urenkelinnen), aber auch für mich, also brachte ich ihr den Sack mit dieser unverstrickten Wolle.

Vielleicht wird sie die Wolle auch „weitervererben“? Aber alles ist besser – als ein Mottenbefall!

Unvollendet

Fastengedanken – soll ich verzichten?

Jetzt ist Fastenzeit – nein, nicht heute, heute ist Sonntag und damit Fasten unterbrochen.

Fasten, darunter verstehen viele Menschen Verweigerung von Nahrungsmitteln, bestimmten Nahrungsmitteln, zum Zwecke eines gesunden Lebens, zum Zwecke einer schöneren Figur, einer besseren Haut etc. Viele wissen es gar nicht mehr, oder wollen es gar nicht wissen, dass jetzt Fastenzeit ist, was Fastenzeit ist oder was der ursprüngliche Sinn der Fastenzeit ist.

Fasten gibt es nicht nur im christlichen Glauben, Fasten gibt es auch im Islam – Sie wissen schon, kein Essen, kein Trinken untertags – während des gesamten Monats.

Aber woher kommt unsere 40 tätige Fastenzeit – vom Aschermittwoch bis Ostern? Im Neuen Testament (Matthäus) kann man lesen: „Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden.  Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.“

Was heißt aber „versucht werden“? „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.  Jesus aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“.

Also geht es auch um „Essen“. Aber Fasten bedeutet für mich viel eher „verzichten“, auf etwas, das mir lieb und teuer ist – und das muss nicht die Cremeschnitte, das Punschkrapferl sein, das kann der Verzicht auf den Kauf eines besonders verlockenden Schnäppchens sein, das könnte, wenn nicht gerade gelockerter Lockdown wäre, der Besuch eines Theaters sein, der Abend im Restaurant mit Freunden…

Eine „Versuchung“ tritt an uns heran. Eine Versuchung ist der Anreiz oder die Verleitung zu einer Handlung, die reizvoll erscheint, jedoch unzweckmäßig ist, einer sozialen Norm widerspricht bzw. verboten ist. Sie kann sich auf alle Arten von Tun oder Lassen (Handlungen oder Unterlassen) beziehen. Die begangene Handlung kann Reue und Schuldgefühle auslösen. Die Versuchung kann in dem Gegenstand der Begierde als solchem oder in der Art seiner Präsentation liegen oder durch andere Personen hervorgerufen werden, die durch Verführungskünste in Versuchung führen (z. B. Schmeicheln, Bitten, Anleiten, Anstiftung, Anpreisen, Erwecken von Neugier, Einsatz von Autorität, Erzeugen von Angst, Drohung mit Verlust oder Manipulation). Also so betrachtet ist auch Werbung „Verführung“!

Die wohl bekanntesten Stellen der Bibel, an denen von der Versuchung die Rede ist, sind der im 1. Buch Mose beschriebene Sündenfall durch Adam und Eva, die Versuchung Ijobs durch den Teufel und die bereits oben erwähnte Versuchung Jesu.

Adam und Eva lebten im Garten Eden. Dort wird Eva von der Schlange überredet, trotz Gottes Verbot vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Diese Schlange wird in der christlichen Tradition oft auf den Teufel bezogen. Die im Essen der verbotenen Frucht zum Ausdruck kommende Abkehr von Gottes Geboten gilt sowohl in der jüdischen als auch in der christlichen Religion als Ungehorsam gegenüber Gott, wie auch die Rebellion des Teufels gegen diesen. In der biblischen Erzählung zeugt Adam nach der Vertreibung aus dem Paradies mit Eva Kain, Abel und Set[CC1] .

Ijob oder Hiob bezeichnet eine biblische Person, einen Gerechten aus dem Land Uz, die meisten von uns kennen ihn aus der Verwendung von “Hiobsbotschaft“. Gott (JHWH) prüft Ijobs Treue mit schwerem Leiden und rechtfertigt ihn zuletzt. Ijob lebt mit seiner Frau und zehn Kindern als wohlhabender Mann im unbekannten Land Uz. Er wird als frommer Mann geschildert. Satan meint nun Gott gegenüber, Ijob sei nur solange fromm, wie er in angenehmen Verhältnissen lebe und schlägt vor, Ijobs Gottesfurcht auf die Probe zu stellen. Gott lässt den Verlust allen Besitzes Ijobs zu sowie den plötzlichen Tod seiner zehn Kinder. Ijob nimmt die Schicksalsschläge an, ohne Gott zu verfluchen. Satan lässt nicht nach und verlangt, dass er Ijobs Gesundheit schädigen darf. Ijob meint dazu nur: „Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?“ Weil Ijob in all seinem Leid, seiner Armut und seiner Trauer seinem Gott dennoch die Treue hielt, erlöst Gott ihn von der Krankheit und segnet sein weiteres langes Leben.

Nun auch wir werden laufend „versucht“. Und jede Versuchung stellt uns vor eine Entscheidung – sollen wir der Versuchung nachgeben oder sollen wir standhaft bleiben. Aus welchen Gründen wir nun standhaft bleiben, oder auch nicht, können durchaus unterschiedlich sein – aber ich meine, wir sollten auch in kleinen Dingen – wenn’s geht – unserem Gewissen folgen. Wesentlich erscheint mir, die Entscheidung bewusst zu überlegen und auch an die möglichen Konsequenzen der Handlung für uns selber – als auch für andere – zu bedenken.

Was wäre gewesen, wenn Eva auf den Apfel verzichtet hätte, wenn Kann den Abel nicht erschlagen hätte, wenn Jesus den Stein in Brot verwandelt hätte, weil der Hunger doch so groß gewesen ist?  


 [CC1]

Fastengedanken – soll ich verzichten?

Es geht leider nicht mehr so wie früher.

Das ist zuweilen ziemlich enttäuschend und frustrierend. Ich versteh‘ schon, dass ich alt bin, dass mein Kurzzeitgedächtnis miserabel funktioniert, und ich sehr oft auf Suche bin, einfach weil ich vergessen habe, wohin ich etwas gelegt habe.

Ich rede jetzt nicht von Problemen mit Zähnen, mit Haaren etc., die sind ja bekannt. Ich bin auch langsam geworden, bei allem was ich tue. Ich werde sehr schnell müde, egal was ich tue, ob schreiben, spazieren gehen oder einkaufen gehen. Etwas Tragen ist unangenehm, es fühlt sich immer wie Schleppen an, mein Kreuz tut mir dabei ziemlich weh – jetzt sind leider meine Mitbewohner in der WG nicht da und können nicht mit mir einkaufen gehen.

Dabei muss ich dankbar sein, wir können jetzt den gesamten Samstag einkaufen, nicht wie früher, wo ab 13 Uhr „tote Hose“ war. Ich wüsste auch, wo ich am Sonntag Lebensmittel einkaufen kann, nur tue ich das nur in Ausnahmsfällen, wobei frische Kipferln am Sonntag früh schon ein besonderer Luxus sind. Ich weiß, dass diese  Bequemlichkeit zulasten der Angestellten in den Geschäften geht, die sicher auch gerne zu Hause wären.

Solange meine Mitbewohner nicht da sind, werde ich halt öfter einkaufen gehen, damit die Schlepperei nicht zu arg wird, das ist aber wieder eine Zeitfrage. Sie werden sich fragen, was bei einer alten Frau ein Zeitproblem ist – naja, es ist schon ein selbstgewähltes Problem. Ich bilde mir halt ein, täglich mindestens zwei Geschichterln schreiben zu müssen (neuerdings: Ausnahme am Sonntag – da ist Ruhetag, außer mir wäre sonst fad, und ich schreibe lieber). Es gibt so viel, worüber ich glaube berichten zu müssen, wozu ich gerne „meinen Kren dazu geben“ (hochdeutsch: dazu Stellung nehmen) möchte.

Aber nach jeder geschriebenen Geschichte muss ich mich ausruhen. Ich habe da so einen „Ausruhsessel“, da kann man die Füße heben(lassen) und die Lehne zurückfahren lassen und zum Buch greifen. Zeitungen muss ich leider bei einem Tisch lesen. Und nach dem Einkaufen – also Schleppen – muss ich mich auch hinlegen.

Und wenn ich keinen „guten Tag“ habe, schleiche ich auch beim Spazierengehen herum, meide jedes „Bergerl“ und bin spätestens nach einer Stunde erschöpft. Zum Glück habe ich aber auch gute Tage, da kann ich dann selbstverständlich munter fürbass schreiten, und das durchaus auch länger aufrechterhalten.  Und ob es gute oder schlechte Tage sind, das ist leider „wetterabhängig“. Wetterwechsel spüre ich im Voraus – und die finden derzeit recht oft statt. Also ich wünsche mir halt längerfristiges stabiles (Hoch-)druckwetter.  Nebel und Nieselwetter bedrücken mich, mir ist es lieber, wenn die Sonne scheint.

Aber ein weiteres Altersproblem besteht darin, dass ich manchmal – also eher öfter als seltener – in der Nacht nicht gut schlafen kann. Wenn ich mich also ziemlich lange herumgewälzt habe, greife ich zu dem Buch, wenn es spannend ist, lese ich dann lang – bis ich halt müde genug bin. Aber – mit Ausnahme des Wochenendes (da herrscht „self-ending sleep“) ratscht dann doch der Wecker um 7.28 Uhr. Und dann bin ich untertags wieder müde. Oje. Wenn ich mittags nicht kurz schlafen kann, bin ich nachmittags „nicht zu gebrauchen“.

Und wenn ich schlecht geschlafen habe, dann nicke ich gerne vor dem Fernseher ein wenig ein. Meist sind weder die Nachrichten noch das sonstige Programm interessant genug, um mich davon abzuhalten. Früher, als mein Mann noch lebte, da habe ich mich immer gewundert, wenn er regelmäßig vor den Fernseher eingeschlafen ist, jetzt passiert das mir! Schande!

Und noch etwas – mir fällt derzeit das Alleinsein, also der Lockdown schwerer, als im Frühjahr. Aber andererseits gibt es jetzt die Apotheken, die gratis testen, und es sind wirklich schon viele in Wien, ganz in meiner Nähe, also werde ich mich halt öfter testen lassen, um dann wieder vermehrt mir liebe Menschen treffen zu können.

Und jetzt hoffe ich auf einen Vorteil meines hohen Alters: ich hoffe bald geimpft zu werden. Freunde von mir – etwas älter als ich – haben schon ihre Impftermine bekommen. Ich habe jedenfalls nicht „Hochrisiko“ bei der Anmeldung angegeben, vielleicht verzögert das den Impftermin etwas. Obwohl „Vorerkrankungen“ könnte ich durchaus nennen, die waren aber bei der on-line-Anmeldung nicht gefragt.

Ich hoffe, ich klinge nicht zu weinerlich, denn eigentlich geht’s mir gut und ich bin für mein derzeitiges Leben dankbar.

Es geht leider nicht mehr so wie früher.

Die Piefke Saga -reloaded

Man spricht wieder über Tirol, sei über die Auseinandersetzung zwischen Tirol und Wien, sei es über die Auseinandersetzungen zwischen Bayern und Tirol. Und dazu höre ich, dass Felix Mitterer an der fünften Fortsetzung der Piefke Saga schreibt.

Die Piefke Saga, die damals in den frühen neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts so umstritten war, habe ich gestern zum ersten Mal gesehen, auf ORF III, alle vier Fortsetzungen. Ich denke nach, warum wir (mein seither verstorbenener Mann und ich) damals diese Filme im Fernsehen nicht gesehen habe, ich glaube, dass mein sehr patriotischer Mann die Piefke Saga damals als Nestbeschmutzung angesehen, und daher abgelehnt hat, sie anzuschauen. Und wahrscheinlich hat er auch nicht darüber geschrieben – wenn er sie nicht gesehen hat – aber das ist eine Vermutung, es sind  ja schon dreißig Jahre her.

Aber leider scheint es so, dass sich an der Situation in Tirol seit den Zeiten der 80er Jahre sehr wenig verändert hat.  Spannungen mit dem Bund, mit Bayern bleiben und harte Worte fallen noch immer.
Tirol lebt weitestgehend vom Tourismus, bezieht Tirol seine Identität aus Winter und Schnee?  Wenn derzeit von Tirol die Rede ist, fällt aber alsbald das Wort Ischgl – 1.500 Einheimische vermieten 10.000 Gästebetten.

Vielleicht kurz zum Autor – Felix Mitterer (* 6. Februar 1948 in Achenkirch, Tirol), Dramatiker und Schauspieler. Er wurde als Sohn einer verwitweten Landarbeiterin und eines rumänischen Flüchtlings geboren und direkt nach der Geburt von einem mit der Mutter damals befreundeten Landarbeiterehepaar adoptiert. In Kitzbühel und Kirchberg ging er zur Schule, besuchte danach die Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck und arbeitete ab 1966 beim Innsbrucker Zollamt. 1977 machte er sich als freier Autor selbständig. Neben seiner literarischen Tätigkeit tritt er auch immer wieder als Schauspieler auf. Felix Mitterer arbeitete und lebte von 1995 bis 2010 in Irland. 2010 kaufte er zwecks Übersiedlung nach Österreich in Ravelsbach im Weinviertel einen Bauernhof, den er seit 2011 auch bewohnt.

Mitterer bezeichnet sich selbst als „Tiroler Heimatdichter und Volksautor“ und führt mit seinen Werken die Tradition des Volksstücks in Inhalt und Form fort. Dabei greift er meist problematische und kontroverse Themen auf, wie eben das Verhältnis von Deutschen und Österreichern am Beispiel des Tourismus in Tirol in der Satire Die Piefke-Saga. Sie war beim Erscheinen 1991 höchst umstritten. Seine Protagonisten sind oft sozial isolierte Außenseiter. 2020 veröffentlichte er den Roman Keiner von Euch über Angelo Soliman, den ich mir nun kaufen werde.

Nun zur Pieke Saga selbst (für alle, die sie nicht gesehen haben oder ihren Inhalt weitgehend vergessen haben. Es ist doch schon ein Weilchen her, dass man sie sehen konnte): Die Piefke-Saga ist ein vierteiliger österreichischer Fernsehfilm aus den Jahren 1990 (Teil 1–3) und 1993 (Teil 4). Das Drehbuch stammt von dem Schriftsteller und Dramatiker Felix Mitterer. Regie führten Wilfried Dotzel und Werner Masten. Die Serie entstand als Gemeinschaftsproduktion des NDR und des ORF. Die Serie hatte zunächst nur drei Teile, der vierte Teil wurde 1993, drei Jahre nach den ersten drei Teilen gedreht. Im Mai 2020 gab Felix Mitterer bekannt, aufgrund der Vorfälle in Tiroler Skiorten im Zuge der COVID-19-Pandemie an einem fünften Teil zu arbeiten.

In dem Film wird auf satirische und tragikomische Weise das Verhältnis zwischen Deutschen und Österreichern beleuchtet, und zwar vor allem das Verhältnis zwischen deutschen Touristen und einheimischen Tirolern. Auch die Verachtung der Wiener durch die Tiroler wird thematisiert. Mit beißendem Sarkasmus werden sowohl Eigenheiten bundesdeutscher Touristen wie auch die Verhaltensweisen der Einheimischen entlarvt, wobei keine Partei sonderlich gut wegkommt. Die teilweise massive Gesellschaftskritik der Filmserie führte zu heftigen Diskussionen. Es wird hervorragend gespielt, die Schmierigkeit und Bestechlichkeit der Politiker – auf allen Ebenen -, ihre Lügen kommen klar zutage. Die einheimischen Tiroler, die keinen Trick auslassen, um die damals DM – bringenden Touristen „auszunehmen“. Und die deutschen Touristen selbst, die mit beispielsloser Arroganz das meiste und Beste für ihr Geld bekommen wollen. Großartig auch, der damals sehr junge „ungeschliffene“ Tobias Moretti als Tausendsassa, heute würde ich ihn als „Schilehrertyp“ bezeichnen.  

Ein reales Ereignis, das in der Serie verarbeitet wurde, war eine Titelschlagzeile des Wiener Magazins Wochenpresse (im Film als fiktives Wochenmagazin Die Woche dargestellt) vom 12. Juli 1983: „Wer braucht die Piefkes? Österreich im Ausverkauf“.

Der vierte Teil, der mir zugegeben weniger gut gefallen hat, – vielleicht war ich ja auch schon etwas müde – Der vierte Teil also,  der in der aus damaliger Sicht „nahen Zukunft“ spielt, überhöht die Satire ins Absurde und beinhaltet einige befremdliche, beinahe verstörende Begebenheiten. In vielen europäischen Ländern gibt es Unruhen und Aufstände. Lediglich Tirol wird als ruhiger Ort der Erholung dargestellt. In Tirol wiederum ist alles auf den Tourismus ausgerichtet. Beispielsweise reichen Hotels dreizehn Stockwerke nach unten, um die Ortsbilder nicht zu zerstören. Auf den Almen gibt es mechanische Kühe, die von japanischen Technikern gewartet werden müssen. Die Berge sind riesige Müllhalden, die mit künstlichen Wiesen und Bäumen überzogen sind. Der Großteil der Bevölkerung wurde optisch und chirurgisch verändert, um sich wie ursprüngliche Tiroler zu benehmen. Terroristen/Freiheitskämpfer hingegen kämpfen gegen diesen Wandel an.

Ich empfehle die Piefke Saga anzusehen, sie ist auch ein visionäres Spiegelbild unserer derzeitigen Situation, das mir – damals wie jetzt – gar nicht gut gefallen will.

Die Piefke Saga -reloaded

Manchmal wundere ich mich

Was ich in der Washington Post so finde

Wieso, werden Sie fragen? Ich lese die Washington Post, na, nicht alles, aber sicher alles, wenn es Österreich betrifft. Ich finde heute (19. Februar 2021) einen Artikel, datiert mit 18. Februar 2021 unter den Generalthema „Climate Solutions“:  This Austrian ski resort is preparing for a snowless future – St. Corona is a model for ski resorts in the Alps that are transitioning to mountain biking, hiking and other tourist offerings that don’t depend on snow.

Darunter ein sehr hübsches, sommerliches Bild der Family Ski Area St. Corona am Wechsel, Austria. Zuerst frage ich mich, ob der Autorin dieses Artikels, Denise Hruby, der Name des Ortes nicht aufgefallen oder interessant erschienen ist. Denn soweit ich weiß, heißt die uns derzeit plagender Pandemie in den USA ebenfalls Corona. Ganz am Schluss, zeigt sie dann doch auf, dass Touristen nach St. Corona kämen, um das Ortsschild zu photographieren.

Weiters haben wir heuer einen ziemlich schneereichen Winter (wenn auch gleichzeitig einen Lockdown) aber auch das scheint dem der Autorin entweder nicht aufgefallen zu sein oder es ist irrelevant für die Leser.  Denn gerade heuer kann man in Österreich auch in den nicht „höher gelegenen Schigebieten“ trefflich Schifahren. Und von St. Corona am Wechsel weiß ich das sicher – aus erster Hand. Denn meine Urenkelin erfuhr dort vorige Woche ihre erste Schiausbildung, denn ihre Großeltern sind mit ihr jeden Tag (es gibt ja keine Übernachtungsmöglichkeiten) von Wien nach St. Corona gefahren, um ihr diese Ausbildung auch in Lockdown Zeiten zu ermöglichen.

Es stimmt, man kann nicht davon ausgehen, dass jedes Jahr ein schneereicher Winter sein wird, aber man sollte das Schifahren in diesen Orten dennoch nicht einfach abschreiben – meine ich.

Es wird darauf hingewiesen, dass Unterstützungen für Investitionen in den Wintertourismus bereits gestoppt worden wären, man sich seit 2015 an wärmere Winter aufgrund der Klimaänderung bereits gewöhnt hätte, und sich daher vom Schitourismus abwenden würde, selbst wenn man davon ausginge, dass ein Drittel der Österreicher Schifahrer wäre.

Schon im Sommer 2016, so berichtet die Autorin, wäre ein „Sommer-Toboggan“ eingerichtet worden, das besonders im „Corona-Sommer 2020“ von vielen Wienern genützt worden war, die Ferien in näherer Umgebung vorzögen. Seit den 1960 und 1970er Jahren hätte sich im gesamten Alpenbereich das Klima doppelt so stark erwärmt, als in den übrigen Regionen. (Ich kann diese Aussage der Autorin nicht nachprüfen), aufgrund dessen wäre sehr viel in Schneekanonen investiert worden. Selbst wenn sich die Durchschnittstemperatur um ca. 2° erwärmen würde, bedeutete das für ein Drittel der Schigebiete der Ostalpen das Ende des Schifahrens, denn der Schnee ob künstlich oder natürlich, würde sich nicht am Boden befestigen.  

Und St. Corona biete nun, so die Autorin – eine Blaupause für’s wirtschaftliche Überlegen niedriger gelegenen Orte, die dann auch beispielhaft angeführt werden. Mancherorts sieht man in Mountain-Biking eine Alternative zum Schifahren, aber man fürchtet die wilden Raser, die es unter diesen Sportlern auch gibt.  Aber es gibt auch andere Touristen, die gerne spazieren gehen, oder mit Elektrorädern fahren, Eltern mit kleinen Kindern, Kletterparks für mutige Jugendliche.

Jedenfalls, die Autorin traf auf Tourismus-Verantwortliche, die meinten, die Zeiten, in denen man auf ein Pferd setzen können, wären vorbei. Schifahren allein würde viele Orte nicht mehr retten können.

Ich stimme diesem Text ja weitgehend zu, aber jetzt – in Corona-Zeiten – wo internationales Reisen noch länger nicht möglich sein wird, einen (oder mehrere) sommerliche Ort vorzustellen, erscheint mir etwas seltsam. Sicher, dem Klimawandel zu trotzen, ist vorbildlich.  Aber vielleicht interessiert es manche Leute sogar jetzt.

Hoffentlich!  Ich wünsche jedenfalls St. Corona heuer eine lange Schisaison!

Manchmal wundere ich mich

Wie Träume zerschellen können

Der Servierwagen und seine Tücken

Als Jugendliche habe ich mir immer vorgestellt, dass ich in meiner zukünftigen Wohnung einmal einen Servierwagen haben würde. Ein Servierwagen, auch Dinett, Kaffeetisch oder Teewagen genannt, ist ein aus Holz und/oder Stahl bestehendes, mindestens doppelstöckiges kleines Regal auf Rädern oder Rollen, das zum Abstellen und Transportieren von Geschirr und Speisen dient.

Als ich dann relativ spät mit ernsthaftem Kochen (beschrieben unter https://christachorherr.wordpress.com/2017/07/27/wie-ich-zum-kochen-kam/) begann und auch über Platz und Geld für derartiges verfügt, habe ich mir einen Servierwagen angeschafft. Ohnedies nur „zweistöckig“, und vor allem zusammenfaltbar.  Oft habe ich ihn nicht eingesetzt, z.B. wenn wir „Besuch“ hatten.

Denn so praktisch, wie man annimmt, ist das Ding auch wieder nicht – in unserer Wohnung gibt es noch Schwellen und ich fürchtete immer, dass das entweder noch volle oder schon leere Geschirr herunterfallen könnten. Als „Barwagen“, wie mein (leider verstorbener) Mann das „Ding“ verwenden wollte, hielt ich es auch für zu instabil – vor allem, dazu würde man ein en nicht faltbaren Wagen mit größeren Rädern benötigen.

Also verstaubte der Servierwagen in einer Nische in der Küche vor sich hin. So geht es halt mit Wünschen und Träumen, bis meine Enkelkinder den Wagen entdeckten. Sie gingen wirklich fachgerecht und ernsthaft damit um, waren froh, sich nützlich machen zu können, mit etwas, das es bei ihnen zu Hause nicht gab.

Bis es eines Tages zu einer „mittleren Katastrophe“ kam. Für einen meiner Enkel, der zuweilen nach der Schule zu mir zum Essen kam, kochte ich seine Lieblingsspeise: eine Peperonata. Zu ihrer Information: Peperonata ist ein einfaches gedünstetes Gericht der italienischen Küche aus Gemüsepaprika, Tomaten und Zwiebeln, sowie diversen Gewürzen. Man kann es warm, kalt oder lauwarm essen, man kann Erdäpfel dazu servieren, oder wie in unserem Fall, eher Nudeln. Und da alle meine Enkel gerne „groß und stark“ werden wollen, koche ich es immer in großen Mengen.

Also lud mein Enkel in der Küche alles auf diesen Wagen; den Topf mit der Peperonata, Teller Besteck, Gläser, Wasserkrug und wollte von der Küche damit ins Esszimmer fahren. Aber wie es so geht, mit Dingen, die man zusammenklappen kann, der gut beladenen Servierwagen klappte sich von selbst zu. Alles fiel auf den Küchenboden. Es ist zwar nichts zerbrochen, da das Zuklappen eher langsam vor sich ging und die Objekte eher herunterrutschten als zu Boden fielen, aber dennoch hat sich ein Teil der Peperonata auf den Küchenboden ergossen. Es war so komisch, wir haben einfach gelacht, bis uns die Tränen kamen. Mein Enkel war froh, dass wir gelacht haben und ich nicht geschimpft habe. Den Großteil der Speisen konnten wir retten. Keine Angst! Wir waren nach dem Essen nicht hungrig.

Diese Geschichte hat selbstverständlich in der Familie die Runde gemacht, und jeder, der dieses Wagerl benutzt, ist sehr vorsichtig und sichert den aufgeklappten Wagen mit Sorgfalt.

Ich benutze ihn nicht (aber für eine Person zahlt sich das eigentlich auch nicht aus!)

Wie Träume zerschellen können