Eine zufällige „Ahnenforschung“

Franz Xaver Chorherr

Heute, wie ich im Netz so herumgekramt habe, bin ich auf einen Vorfahren meines Mannes gestoßen. Ich habe von ihm des Öfteren im Kreise der Familie gehört, nichts Genaues leider. Viel steht im Netz aber auch nicht, schade, dass es damals noch kein Wikipedia gab, dann wüsste ich mehr.

Es handelt sich um Franz Xaver Chorherr. Er wurde um 1843 in Wien geboren, als Kind muss er die Revolution von 1848 erlebt haben, gestorben ist er 1929. Er spielte in den Kapellen von Carl Michael Ziehrer, Josef und Eduard Strauß und leitete 1875-1905 eine eigene Salonkapelle. Chorherr komponierte Märsche, Lieder und Tänze.

So genau habe ich aus Familienkreisen nicht gewusst. Aber es gab die von mir sehr geschätzte Tante Betty. Ich kann mich noch gut an ihren 80. Geburtstag erinnern. Der muss so in den späten fünfziger Jahren stattgefunden haben. Wenn ich mich recht erinnere, muss sie die zweite, weitaus jüngere Frau von Franz (?) gewesen sein. Allerdings gab es auch die „Mär“, dass ihr verstorbener Mann irgendetwas mit der Bahn zu tun gehabt hätte, und sie daher ihr gesamtes Leben in Österreich gratis Bahn fahren durfte und eine Auslandsreise „frei“ hätte. Sie war eine sehr lebenslustige Person, daher nehme ich an, dass sie dieses Privileg eifrig genutzt hat. Außerdem stand ihr noch eine jährliche Kohlenlieferung (Heizen!) zu. Wie das mit dem Musiker zusammenpasst, weiß ich nicht. Vielleicht leitete er auch eine der Kapellen der k.k. Eisenbahnen? Rührige Eisenbahnkapellen gibt es auch noch heute!

Tante Betty jedenfalls war für meinen Mann und seinen Bruder eine enge, liebevolle  Bezugsperson, unterstützend zu ihrer sehr früh verwitweten Mutter.

Schade, dass wir alle miteinander damals nicht mehr gefragt haben!

Eine zufällige „Ahnenforschung“

Mir wird es nicht immer leicht gemacht!

Ein angriffslustiger Hund und der Vienna Night Run am Ring

Wie bereits oft erwähnt, ich gehe gerne ins Theater und ich habe Abonnements für Burg- und Akademietheater. „Außertourlich“ wollte ich mir gestern Taboris „Mein Kampf“ noch einmal ansehen. Zu Beginn der Pandemie habe ich schon einmal dieses Stück empfohlen. (Allerdings, beim zweiten Mal wird es nicht besser): https://christachorherr.wordpress.com/2021/09/22/im-burgtheater-taboris-mein-kampf-2/

Daher weniger zum Stück, aber zu den „Rahmenbedingungen“.

Ich machte mich zu Fuß auf. Mein Weg ins Burgtheater geht durch den Burggarten, die Höfe der Burg und dann die Löwelstraße. Der Beginn der Aufführung war um 20 Uhr. Daher war’s leider schon ein bissel finster. Aber im Burggarten, vor dem Palmenhaus saßen noch vereinzelt Leute im Freien, die Sessel und Tische stehen ja noch einladend heraussen.  Vor einem dieser besetzten Tische lag ein Hund. Da zu dieser Zeit auch ein großer Laster – ich glaube es war ein Catering-Fahrzeug – vorbeifuhr musste ich nahe an den Tischen gehen. Und das mochte dieser Hund gar nicht. Eigentlich lag er friedlich da, aber als ich vorbeiging, sprang er wütend (ohne vorher zu bellen) auf, und erwischte mich an der Hand, die ich aber noch schnell aus seinem Maul ziehen konnte. Er hat mir nicht wirklich wehgetan, aber geschreckt hab‘ ich mich schon ordentlich. Der junge Mann, der am Tisch saß, entschuldigte sich zwar, meinte aber, dass ich zu nahe an ihm, also dem Hund, vorbeigegangen wäre. Der Hund war „mittelgroß“, kein Kampfhund, Rasse konnte ich nicht erkennen, da bin ich nicht sehr bewandert. Ich empfahl eigentlich für so einen Hund einen Maulkorb, der junge Mann brachte den üblichen Einwand vor: so etwas tut er sonst nie!  Ich finde es schlimm, dass die Leute ihre Hunde nicht erziehen können/wollen und sie dann im Falle von Fehlverhalten noch in Schutz nehmen.

Im Theater klappte alles vorzüglich, meine Karte war reserviert, „geprüft“ wurde diesmal sehr genau, nicht nur meinen Impfpass musste ich vorweisen, auch ein Lichtbildausweis wurde gefordert, um meine Identität festzustellen (mir ist das nur recht, denn das Theater war fast voll).

Nach der Aufführung – es war inzwischen doch halb elf geworden (das Stück hatte keine Pause) wollte ich eigentlich mit der Straßenbahn nach Hause fahren. Aber nix da! Der Ring war wieder einmal für den Verkehr gesperrt, es waren auch keine Taxis da.  Auf der Anzeige für die Straßenbahnzüge waren war alle aufgelistet, aber „wegen Veranstaltung nicht im Betrieb“, oder so ähnlich, konnte ich erbittert lesen. Der Vienna Nicht Run fand statt (wie ich später herausfand). Beim Parlament sah ich „blau blinkende“ Polizeiautos. Wie und wann die Busse, die Besucher gebracht hatten, dann wegfahren konnten, war mir nicht klar. Also machte ich mich halt wieder zu Fuß auf meinen Heimweg. Die Burg ist ja zum Glück auch in der Nacht offen, sodass man sie durchqueren kann, und ich dann bald zu Hause war.

 Aber ins Burgtheater gehen ja auch ältere Menschen, die teilweise gehbehindert sind, was sollen die dann machen, wenn es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt? Ich bin froh, dass ich halt vorläufig noch hatschen kann.

Aber Theater werde ich weiterhin besuchen! Und jetzt wird ja, wetterbedingt, der Ring nicht mehr gar so oft wegen diversen Läufen gesperrt werden, bzw. die Ringlinien werden doch wieder regelmäßiger fahren!

Hoffentlich!

Mir wird es nicht immer leicht gemacht!

Im Burgtheater: Taboris „Mein Kampf“

eine Wiederveröffentlichung, geschrieben 2020

Ja, es ist eine Empfehlung, es sich anzusehen

Vorweg noch zu den Corona-Maßnahmen des Burgtheaters. Sie sind noch immer sehr effizient. Aber man MUSS seinen Mantel in der Garderobe abgeben. Um dem „Rummel“ bei der Garderobe am Schluss der Vorstellung zu entgehen, wollte ich meinen Mantel verstauen: ev. unter dem Sitz, oder auf dem Sitz (also draufsetzen) oder auf einem der beiden (freien) Nebensitze. Na, nichts da! Der Billeteur kam umgehend herbeigeeilt und meinte, ich müsste den Mantel in der Garderobe abgeben. Den oben genannten Grund nannte ich ihn. Aber hier schlagen feuerpolizeiliche Vorschriften die gesundheitlichen Erwägungen. Und mit dem Billeteur wollte ich nicht streiten, der führt ja nur Anordnungen aus. Außerdem hielt sich die Drängerei vor der Garderobe nach der Vorstellung in Grenzen. Leider hat man nur wenig Platz sich den Mantel anzuziehen. Noch eine kleine Bemerkung zu Corona-Maßnahmen. Man soll ja nach der Vorstellung sitzen bleiben, bis man „reihenweise aufgerufen“ wird, den Zuschauerraum zu verlassen. Einige Oberschlaumeier rennen schon während es noch dunkel ist und der Applaus grad einsetzt hinaus – um halt „die ersten zu sein“. Da gab es dann ein Kuddelmuddel mit den Billeteuren. 

Leider habe ich die Uraufführung 1987 im Akademietheater nicht gesehen. Tabori hatte damals selbst inszeniert und mitgespielt. Und die Originalsprache dieser Groteske ist Englisch, wobei ich mir das nicht gut vorstellen kann, denn ein Teil der verwendeten Sprache ist bereits die Diktion aus dem späteren so genannten Dritten Reich. In Taboris Stück wird die Entwicklung Hitlers vom erfolglosen und unbedarften Aspiranten eines Kunststudiums zum antisemitischen Demagogen und späteren despotisch herrschenden Diktator in einer zugespitzt-sarkastischen Weise dargestellt.

Kurz zur Handlung: Das Stück spielt 1910 in einem Männerasyl in der Wiener Blutgasse. Der junge, untalentierte Zeichner Adolf Hitler kommt nach Wien, um Kunst zu studieren. Er trifft auf die Juden Schlomo Herzl und den Koch Lobkowitz. Herzl und Hitler freunden sich an. Der kluge Buchhändler Schlomo Herzl arbeitet an einem Roman, der den Arbeitstitel Mein Kampf trägt. Als Hitler vom Aufnahmegremium der Wiener Kunstakademie abgelehnt wird, tröstet ihn Herzl. Hitler erfährt zum ersten Mal in seinem Leben so etwas wie Zuneigung. Herzls Fürsorge für den traurigen Mann, der nie in seinem Leben geweint hat, geht sogar so weit, dass er ihn zu einer neuen Karriere führt, mit fatalen Folgen für die Weltgeschichte. Der Jude bereitet Hitler auf ein Leben als Politiker vor und überlässt ihm sogar den Titel seines Romans, damit Hitler ihn für seine politische Schrift verwenden kann. Schließlich verwandelt Herzl ihn auch äußerlich in den Adolf Hitler, den die Geschichtsschreibung kennt.

Der israelische Schauspieler und Regisseur Itay Tiran ist für die Neuproduktion verantwortlich. Er gehört zum neuen Ensemble des Burgtheaters. Mit den Mitteln des Humors und der Groteske wurde in diesem Stück das Trauma des Holocaust aufgearbeitet, dem unter anderem der Vater von Tabori in Auschwitz zum Opfer fiel.

Ja, man kann in dieser Aufführung viel lachen, aber dabei rinnt immer ein Schauer über den Rücken. Der jüdische Humor kommt wunderbar zur Geltung, aber den Holocaust kann man keine Sekunde aus dem Denken verbannen. Ich bin mit großem Vorbehalt in diese Aufführung gegangen. Ich mag den ewigen Bezug auf den Holocaust eigentlich gar nicht. Und, so fand ich, bevor ich das Stücke gesehen hatte, diese Annäherung als Groteske völlig unpassend. Aber ich wurde eines Besseren belehrt.

Der Inhalt des Stückes wird aus der Perspektive des Holocaust-Überlebenden erzählt. Ist es Rache an Hitler? Der Mensch Hitler und sein Gedankengut (seine bodenlose Dummheit) werden durch Lächerlichmachen entlarvt.

Aber nicht nur Hitler wird lächerlich gemacht, auch Schlomo, der Mitleid mit ihm hat, der ihm helfen will, der sich um ihn sorgt, ja bemuttert, der ja letztlich auch im Männerheim in der Blutgasse wohnt, und nicht in der Lage ist, sein Buch – mein Kampf – wirklich zu schreiben, wird in seiner Beziehung zum Koch Lobkowitz – oder auch im Gespräch mit Gott – dargestellt durch Lobkowitz einigermaßen lächerlich gemacht.

Ich gebe zu, nicht alles habe ich verstanden. Das war kein sprachliches Problem, es wird klar und deutlich, verständlich gesprochen, warum (und wann) der Koch z.B. durch wen verletzt worden war.  Die Wandlung von Gretchen, der etwas erfolglosen Geliebten von Schlomo zu einer Nationalsozialistin ist grad noch nachvollziehbar.

Die Schauspieler sind hervorragend, nicht nur sprachlich, sondern auch durch ihre Körperbeherrschung und ihren Mut zu Hässlichkeit.

Ob ich Ihnen empfehle, ins Burgtheater zu gehen um sich dieses Stück anzusehen? Es hängt natürlich von Ihrer Einstellung zu diesem Thema ab bzw. ob Sie eine Groteske als Aufarbeitung des Holocaust ertragen, aber mir hat es gefallen, es war mir nicht peinlich. Gehen Sie also doch hin!

Im Burgtheater: Taboris „Mein Kampf“

Wie der (die) kleine Maxi sich die große Politik vorstellt

Zum Thema AUKUS (schon wieder ein neuer Begriff!)

Für mich, die ich als Österreicherin „Binnenländerin“ bin, und U-Boote bestenfalls aus aufregenden Filmen (Roter Oktober) kenne, war der Streit um die U-Boot Ausstattung Australiens nicht von prioritärer Bedeutung. Aber als Europäerin (also diesbezüglich EU-Bürgerin) fühle ich mich schon betroffen.

Als ich im Radio von der Gründung von AUKUS (Australia, United Kingdom, United States) hörte, fand ich das ganz vernünftig. Es handelt sich um ein trilaterales Militärbündnis zwischen diesen drei Staaten. Das Bündnis wurde Mitte September 2021 zwischen Australien (Regierung Morrison II), den USA (Regierung Biden) und Großbritannien (Kabinett Johnson II) geschlossen. Die USA und Großbritannien sollen Australien bis März 2023 im Rahmen des Bündnisses insbesondere bei der Entwicklung und dem Einsatz von Atom-U-Booten unterstützen. Außerdem sollen durch die Zusammenarbeit Kenntnisse unter anderem bezüglich künstlicher Intelligenz, Quantentechnologie und Cyberthemen ausgetauscht werden.

Das Abkommen richtete sich vor allem gegen den wachsenden Einfluss Chinas in der Indopazifikregion, wobei aber China in den offiziellen Kommuniqués nicht direkt erwähnt wurde. Die chinesische Seite reagierte empört. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärte, dass das Abkommen den regionalen Frieden und die Stabilität unterminiere sowie das Wettrüsten intensiviere.

Die französische Regierung zeigte sich empört, da mit dem Abschluss des Abkommens der im Jahr 2016 abgeschlossene Vertrag Australiens zum Kauf konventioneller französischer U-Boote mit dieselelektrischem Antrieb von Australien gebrochen oder gekündigt wurde. Es handelt sich um ein seit Langem vereinbartes Milliarden-U-Boot-Geschäft mit Frankreich. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass sowohl Frankreich, als auch das Vereinigte Königreich, sowie die Vereinigten Staaten NATO-Partner sind. Dieser neue Deal wird als „schweren Vertrauensbruch“ zwischen Verbündeten gesehen. Auch die EU-Kommission stellt sich hinter Frankreich.

Die USA und Großbritannien haben nun betont, dass die diplomatische Krise wegen des strategisch wichtigen U-Boots-Deals mit Australien ihre längerfristige Beziehung zu Frankreich nicht beeinträchtigen wird. Der britische Premierminister Boris Johnson erklärte, dass die Beziehung zwischen beiden Ländern unzerstörbar sei: „Großbritannien und Frankreich haben eine sehr wichtige und unzerstörbare Beziehung. Natürlich werden wir mit all unseren Freunden sprechen, wie wir den AUKUS-Pakt so zum Laufen bringen, dass er nicht ausgrenzend und spaltend wirkt, das muss wirklich nicht sein.“

Mehr Kooperationen, eine bessere Koordination und weniger Zersplitterung sei nötig, um Stabilität und Frieden im indopazifischen Raum zu erreichen, wird vonseiten Frankreichs und der EU postuliert. „Es gibt viele offene Fragen, die beantwortet werden müssen“, betonte von der Leyen.

Ich habe meine eigene Meinung zu diesem Thema, es gibt vieles, das in diesem Zusammenhang „im Hintergrund läuft“ und nicht offen ausgesprochen wird. Großbritannien ist aus der EU ausgetreten und nicht alles läuft so problemlos ab, wie das vonseiten der britischen Regierung dem Volk versprochen worden ist. Das heißt nun, dass Großbritannien gerne die Austrittsbedingungen einseitig ändern will, und das wird seitens der EU zurückgewiesen. Johnson sucht halt jetzt Möglichkeiten, Druck auf die EU auszuüben, um deren Haltung aufzuweichen.

Seitens Großbritannien ist beim Austritt aus er EU auch angekündigt worden, sich einerseits verstärkt den USA zu zuwenden, und andererseits das Commonwealth wieder aufzuwerten. Mit AUKUS ist genau das geschehen. Man hat sich mit den USA diesbezüglich verbündet und Australien eingebunden.

Und das „Geschäftliche“, das Geld, das sollte man auch nicht vergessen. Frankreich – jetzt, nach dem EU-Austritt, nicht mehr Partner, sondern Konkurrent, konnte man einen erheblichen Verlust zufügen. Das Milliardengeschäft mit den dieselbetriebenen U-Booten ist für Frankreich pfutsch, Vertragstreue scheint es nicht mehr zu geben. Wohin soll Frankreich jetzt diese Verluste schreiben, wird jetzt, nachdem dies alles publik ist, ein anderer diese “altmodischen“ U-Boote kaufen wollen, wenn ja, zu einem wesentlich günstigeren Preis. Denn sicher ist ein atomgetriebenes U-Boot moderner, effizienter, energiepolitisch vernünftiger als ein dieselbetriebenes. (Wesentlich ist, dass diese U-Boote „atombetrieben“ aber nicht atombewaffnet sind – nehme ich an?).

Als Europäerin stört mich dieses „Ausspielen“, diese Schädigung von EU-Staaten durch Großbritannien sehr.  Johnson ist schlau, er wird diese Politik weiterhin betreiben. Die EU, sowohl die Kommission als auch die Mitgliedsstaaten müssen auf der Hut sein.

Wie der (die) kleine Maxi sich die große Politik vorstellt

Geplanter Güter-Transport: unterirdisch

Jetzt in der Schweiz – früher in Wien

Gar so neu ist sie gar nicht, diese Idee: in der Schweiz ist eine unterirdische Güter-Metro in Planung. Die ersten Fahrzeuge sollen bereits 2031 Waren transportieren. Und selbstverständlich sollen diese Fahrzeuge vollautomatisiert laufen. Und – auch selbstverständlich – sollen sie mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Ein ehrgeiziges Projekt. Aber kann dieses neue Projekt wirtschaftlich betrieben werden, immerhin gibt es ja noch die Straße und die Bahn. Denn die unterirdische Güterbahn wird teuer im Bau und im Unterhalt sein. Es handelt sich um ein privates Projekt.

Bereits 2026 soll mit dem Bau der ersten Teilstrecke begonnen werden. Die ersten Fahrzeuge sollen ab 2031 in dreispurigen Tunnels unterwegs sein. Diese unbemannten und elektrisch betriebenen Transporter werden laut den Plänen mit kleinteiligem Stückgut in Palettengröße Tag und Nacht mit rund 30 Kilometern pro Stunde unterirdisch quer durch die ganze Schweiz rollen. „Cargo Sous Terrain“, so hießt das Projekt, will die großen Produktions- und Logistikzentren mit den städtischen Zentren verbinden. An den Zugangsstellen in den Städten werden die transportierten Lebensmittel, Kleider und elektronischen Güter wieder an die Oberfläche geholt und fein verteilt – mit kleineren Lieferfahrzeugen statt mit Schwertransportern.

Die erste Teilstrecke ist rund 70 Kilometer lang und verfügt über zehn Anschlussstellen. Laut Planung soll bis 2045 ein 500 Kilometer langes Gesamtnetz von Genf bis nach St. Gallen entstehen – mit Ablegern nach Basel, Luzern und Thun. Die Kosten belaufen sich auf geschätzte 30 bis 35 Milliarden Franken. Cargo Sous Terrain soll das bestehende Straßen- und Schienennetz entlasten – und damit verbunden Lärmemissionen reduzieren. Experten gehen von einem Wachstum des Güterverkehrs auf Straße und Schiene um 30 Prozent bis 2040 aus. Das Projekt ist breit abgestützt. Zu den Hauptaktionären gehören die Großverteiler Migros und Coop, staatsnahe Betriebe wie SBB, Post und Swisscom, die Finanzunternehmen Credit Suisse, ZKB, Vaudoise und Mobiliar sowie die Logistiker Rhenus Alpina, DSV und Swisslog.

Als in Wien 1863 der Wiener Gemeinderat den Bau des großen Zentralfriedhofs außerhalb der Stadt beschlossen hatte, erwartete man pro Tag 50 Tote, die dorthin transportiert werden müssten. Das war eine Herausforderung, der vor allem mit Pferdefuhrwerken auf der Straße erfolgten sollte – zum Leidwesen der Bevölkerung. Neben dem Vorschlag, den Transport unter die Erde zu verlegen, sorgten der Ingenieur Franz von Felbinger und der Architekt Josef Hudetz mit ihrer „Rohrpost“ für Leichen für Aufmerksamkeit. Sie warben für eine „Begräbnishalle mit pneumatischer Förderung“. Im Mittelpunkt ihres Projekts stand eine zentrale Bestattungshalle, die sowohl die Aufbahrung als auch die notwendige technische Infrastruktur kombiniert. Im Rahmen der feierlichen Zeremonie in der Halle sollte vom Verstorbenen, aufgebahrt auf einem „Versenkungssarg“, Abschied genommen werden. Mit dem Absenken des Sargs sollte das Ende der Zeremonie signalisiert werden.

Über ein pneumatisches Antriebssystem – mit Druckluft – sollten nach der Idee von Felbinger und Hudetz die Leichen in Zügen durch ein unterirdisches Tunnelsystem zum Zentralfriedhof geschickt und dort weitgehend abgeschirmt begraben werden. Druckluft sollte den Zug vor sich her drücken – mit einer Geschwindigkeit von bis zu 27 km/h.

Innerhalb von etwa zehn Minuten sollte diese „Rohrpost“ den Zentralfriedhof erreichen, so die Vision der beiden Planer. Entscheidende Kriterien für diese Art des Leichentransports waren Effizienz und Hygiene. Vielfach war das Argument der Ausbreitung von Seuchen verwendet worden, um Friedhöfe aus dem Zentrum der Stadt an den Rand zu verlagern. Die neuen Friedhöfe sollten zudem außerhalb des Einflussbereichs der Kirche sein, ein Ort, „der die bürgerliche Macht manifestiert und repräsentiert“. Die Gemeinde Wien habe sich mit der Idee der Begräbnishalle mit anschließendem Leichentransport erhofft, „traditionelle Riten, die sich als Teil religiöser Praxis in konfessioneller Hand befinden, weiter abschütteln zu können“.

Auch die k. k. privilegierte österreichische Staats-Eisenbahn-Gesellschaft bot an, den Transport der Leichen auf die Schiene zu verlegen. Das wurde von der Gemeinde Wien und der zuständigen Friedhofskommission aber abgelehnt. Die Kosten wurden als zu hoch bewertet, der innerstädtische Ausbau der Bahn als unzureichend.

Gebaut wurde der unterirdische Leichentransportweg aber dennoch nicht. Der Wiener Gemeinderat, ohnehin politisch und wirtschaftlich durch die Finanzkrise von 1873 belastet, schreckte vor den hohen Kosten und den umfassenden dafür notwendigen Bauarbeiten zurück. Anwohner der Simmeringer Hauptstraße beschwerten sich über die häufigen sichtbaren Leichenzüge. Dieses Transportproblem wurde bis 1918 nicht gelöst. Erst dann wurde erstmals die Straßenbahnlinie 71 für den Leichentransport genutzt, genannt die Leichentramway, die schon im 1. Weltkrieg, und dann in der Zwischenkriegszeit und im 2. Weltkrieg auf der Linie 71 in Wien Verstorbene zum Wiener Zentralfriedhof brachte. Der Zentralfriedhof weit außerhalb der Stadt auf dem Gebiet von Kaiserebersdorf sollte so groß sein, dass selbst bei einem damals prognostizierten Bevölkerungsanstieg der Wiener auf vier Millionen Einwohner bis zum Ende des 20. Jahrhunderts der Friedhof nicht zu klein werden würde.

Und heute? Wenn ich mir so die Baustellen in Wien anschaue – und deren gibt es fürwahr viele (z.B. Planung der U-5), kann ich mir kaum vorstellen, dass sich bei den vielen Röhren, Leitungen etc., die sich bereits jetzt im Boden befinden, noch Platz für unterirdischen Gütertransport vorhanden wäre …

Geplanter Güter-Transport: unterirdisch

Die weltweiten Probleme mit der Migration

Nur eine selektive Momentaufnahme

In den vorangegangenen Wochen waren über 120 000 Personen aus Afghanistan von den amerikanischen und anderen westlichen Streitkräften evakuiert worden. Allerdings konnten dabei längst nicht alle Schutzbedürftigen – also ehemalige Ortskräfte und ihre Familien, aber auch prominente Politikerinnen oder Frauenrechtlerinnen – einen Platz in den Flugzeugen erhalten. Aber weiter Flüge finden nun statt. Qatar-Airways z.B. hat vom Flughafen in Kabul am 18.09.2021 mehr als 200 Personen unterschiedlicher Nationalitäten (aber auch Bürger aus den USA aber auch Afghanistan) ausgeflogen.

Die meisten Flüchtlinge versuchen, sich in den Iran, nach Tadschikistan oder Pakistan durchzuschlagen. Aber viele dieser Menschen sitzen in den Nachbarländern in Lagern, denn „keiner will sie bei sich aufnehmen“. Tadschikistan blickt mit Sorge auf die Grenzen Afghanistans. Zehntausende Reservisten sollen nun die eigene Grenze schützen.

Wenn es für Afghanische Flüchtlinge überhaupt weitergeht – dann in die Türkei. Angeblich kommen dort täglich mehr als 1000 Afghanen über die Grenze. Die Türkei hat begonnen, eine Mauer zu bauen. In der Europäischen Union ist man angesichts dieser Entwicklungen alarmiert. Es liegt auf der Hand, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Vertriebenen in den „Westen“ will. Syrische Flüchtlinge werden – aufgrund von Zahlungen der EU – in der Türkei toleriert. Afghanen, werden in Richtung EU-Außengrenze geschleust.

In Litauen wird seit einiger Zeit eine steigende Zahl an Migranten registriert, die über Weißrussland kommend die Grenze in die EU überschreiten. Es scheint, dass nicht nur Weißrussland, sondern auch Russland die Passage der Afghanen in die EU absichtlich fördert. Auch hier soll ein Zaun soll gebaut werden, schon jetzt werden die Grenzpatrouillen verstärkt. Aber Russland und Weißrussland leiden unter EU-Sanktionen und wollen die einzelnen Mitgliedsländer mithilfe von Flüchtlingen  in Zugzwang bringen.

Kabul unter den Taliban hat unterdessen die europäischen Staaten aufgefordert, Abschiebungen nach Afghanistan wegen der zunehmenden Gewalt der Taliban und der anhaltenden Corona-Pandemie für einige Monate auszusetzen.

Auf den griechischen Inseln sitzen seit geraumer Zeit viele Flüchtlinge fest – sie scheinen keine Aussicht zu haben, je von dort wegzukommen. In einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos ist am 18. September 2021 ein Feuer ausgebrochen. Es betrifft das Lager Vathy, wo nach Angaben der Behörden noch rund 300 Menschen untergebracht waren. Während es an Ort und Stelle noch brannte, sagte der Bürgermeister von Samos das Lager sei völlig geräumt worden. Die Bewohner hätten am Montag in ein umstrittenes neues Lager auf der Insel gebracht werden sollen. Die Bewohner wollen aber von der Insel weg!

In den USA sitzen Tausende haitianischer Migranten in der Grenzstadt Del Rio fest. Haiti wurde schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre weitgehend zerstört, noch sind die Schäden des ersten Erdbebens nicht behoben. Es sieht dort nicht nach einer raschen Verbesserung der Lage aus. Verständlicherweise versuchen die Menschen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Sie sollen nun verstärkt in ihre Heimat zurückgeflogen werden. Man beschaffe zusätzliche Transportmittel, um Tempo und Kapazität entsprechender Flüge nach Haiti und zu anderen Zielen in der Region innerhalb der kommenden Zeit zu erhöhen, teilte das US-Heimatschutzministerium mit. Zudem sollten zusätzliche Grenzbeamte in die an Mexiko grenzende Stadt im US-Bundesstaat Texas geschickt werden. Vielleicht sollten mit diesem Geld lieber den Menschen in Haiti geholfen werden?

Im Jahr 2021 wurden in Österreich bis Ende Juli rund 13.700 Asylanträge gestellt. Hochgerechnet aufs Gesamtjahr wäre mit circa 23.400 Anträgen zu rechnen; damit würde ihre Zahl das zweite Jahr in Folge steigen. Asyl wird Personen gewährt, die wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen oder sozialen Gruppe oder ihrer politischen Überzeugung verfolgt werden. Die Anerkennungsquote unterscheidet sich stark nach den Herkunftsländern der Asylbewerber. Davon zu unterscheiden ist der Subsidiäre Schutz: Ihn erhalten Personen, deren Asylantrag zwar mangels Verfolgung abgewiesen wurde, aber deren Leben oder Gesundheit im Herkunftsstaat bedroht wird. Sie sind daher keine Asylberechtigten, erhalten aber einen befristeten Schutz vor Abschiebung, der bei weiterem Vorliegen der Voraussetzungen verlängert werden kann. Darüber hinaus können bei besonderen Härtefällen auch humanitäre Aufenthaltstitel vergeben werden.

Dass die österreichische Bundesregierung keine bedrohten Menschen aus Afghanistan aufnehmen will, und sogar Afghanen temporär in Nachbarländer Afghanistans abschieben will, halte ich für falsch (und genier mich dafür, besonders da z.B. Wien vorgeschlagen hat, einige von afghanischen Flüchtlingen aufzunehmen).

Aber auch die EU kann sich auf keine einheitliche Flüchtlingspolitik einigen.

Es schaut düster aus für Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen. Hilfe „vor Ort“ kann nur sehr schwer geleistet werden, und sich auf internationale Organisationen und NGOs zu verlassen, finde ich zu wenig an Engagement. Wo bleiben unsere „Werte“, wir sollten sie nicht gegen andere verteidigen, sondern in diesen Fällen zur Anwendung bringen.

Die weltweiten Probleme mit der Migration

Drei Hügel und das Abendland

In Zeiten wie diesen, in denen die Werte unserer Gesellschaft stark in Frage gestellt werden, in denen die Demokratie „ins Wanken gerät“, denke ich oft an einen Satz, den mein leider verstorbenener Mann gerne zitiert hat. „Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Capitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muss sie als Einheit sehen.“ Der deutsche Bundespräsident Theodor Heuss gebrauchte dieses Bild 1950.

In Athen entstand die griechische Philosophie. Begonnen mit Platons Schrift „politeia“, der ersten umfassenden Staatsphilosophie, hat vor allem Aristoteles Grundformen der Demokratie entworfen, die dann insbesondere während der Aufklärung weiterentwickelt wurden. Dazu gehören das Wahlrecht, die Gewaltenteilung, der Minderheitenschutz und vieles mehr.

Rom verdanken wir das Rechtsstaatsprinzip und die bürgerlichen Rechte, also Staats- und Zivilrecht. Ohne Rechtssicherheit lassen sich andere demokratische Prinzipien leicht aushöhlen. Das später so genannte „Corpus Iuris Civilis“, den ersten umfassenden Rechtskanon, ließ der römische Kaiser Justinian im Jahre 529 veröffentlichen. Ohne dieses Werk wäre ein bürgerliches Gesetzbuch, wie wir es heute für selbstverständlich erachten, nicht denkbar.

Und damit zum dritten Hügel: nach Jerusalem. Golgatha ist die Wiege des Christentums. Der christliche Glaube hat die westlichen Demokratien entscheidend geprägt, wenn sie auch erst im Laufe der Zeit „säkular“ geworden sind.  Hügel hin oder her, Jerusalem, wo eben auch Golgatha liegt,  ist das Zentrum des Judentums. So sprechen auch viele vom jüdisch-christlichen Abendland. Denn Juden und Christen schöpfen aus derselben Quelle: Dem Ersten (Alten) Testament und den Werten, die darin beschrieben werden. „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“ Dieser Text aus dem 1. Buch Mose ist die Grundlage für den Gedanken der Menschenwürde.

Stimmt das alles heute noch so? Wenn wir uns auf das Abendland berufen, verhalten wir uns da nicht ziemlich exklusiv, ja überheblich?  Als Abendland oder Okzident wurde ursprünglich der westliche Teil Europas bezeichnet, also die spätestens im Jahre 476 beim Untergang des Weströmischen Reiches verloren gegangenen lateinischsprachigen römischen Provinzen in Europa. Sie sind einigermaßen deckungsgleich mit dem Sprengel des Patriarchats von Rom. Der Begriff Abendland ergab sich aus der antiken und mittelalterlichen Vorstellung von Europa als dem westlichsten, der untergehenden Abendsonne am nächsten gelegenen Erdteil. Das ihm entsprechende Antonym ist daher das griechisch-orthodox und islamisch geprägte Morgenland oder der Orient.  In Zeiten des Kalten Krieges wurde der Begriff teils übereinstimmend mit dem Begriff der westlichen Welt verwendet, d. h. vor allem die alten Mitgliedsländer der Europäischen Union und Nordamerika. Seit dem Mauerfall im Jahre 1989 und dem Zerfall der Sowjetunion wird der Abendlandbegriff nicht mehr beschränkt auf den lateinischen Westteil Europas gedacht, sondern der christlich-orthodoxe Teil Ost- und Südosteuropas bis zum Bosporus mitgemeint. Istanbul, der Kulturhauptstadt Europas im Jahre 2010, wurde (vielleicht vor Erdogan) eine kulturelle und wirtschaftliche Brückenfunktion zwischen Abendland und Morgenland bzw. Okzident und Orient zugeschrieben. Mit der Begriffserweiterung auf praktisch ganz Europa wird der Begriff des Abendlands in erster Linie geographisch gedacht.

Der Begriff wird aber heute verwendet, um eine eigene westliche kulturelle Identität vom z.B. Islam abzugrenzen. Im nationalkonservativen, rechtspopulistischen oder rechtsextremen Diskurs wird behauptet, das als „christlich“ oder „jüdisch-christlich“ attribuierte Abendland müsse gegen eine angeblich drohende Islamisierung verteidigt werden. „Abendland“ wurde in der lateinischen Christenheit als „Kampf- oder Ausgrenzungsbegriff“ gegenüber äußeren Feinden wie Byzanz oder dem Islam verwendet. Auch der Begriff „jüdisch-christliches Abendland“ ist ziemlich irreführend: Tausend Jahre lang hat das christliche Abendland alles darangesetzt, die Juden auszugrenzen und als Sündenböcke zu diskriminieren.

Also haben die „Drei Hügel“ ausgedient? Ich fände es schade, diese Werte samt und sonders über Bord zu werfen, aber mir fällt auch kein Bild ein, das „inklusiver“ wäre. Aber der Islam war schon immer ebenfalls eine Quelle unserer Werte (ich denke an die Anfänge des Islam, als nicht nur die griechischen Philosophen übersetzt wurden, sondern auch die Text aus Indien etc. in den Kanon aufgenommen wurden – woher kommen denn unsere arabischen Ziffern). Heute leben viele Bürger mit muslimischem Hintergrund in unseren Landen.  

Ich meine, dass wir uns von dem „Abendland-Begriff“ verabschieden sollten. Ja, Churchill hat gesagt: “No one pretends that democracy is perfect or all-wise. Indeed, it has been said that democracy is the worst form of government except all those other forms that have been tried from time to time.“ Würde er das heute auch sagen, in Anbetracht der wirtschaftlichen Erfolge Chinas, des Debakels der USA in Afghanistan.

Vielleicht fallen Ihnen noch ein paar Hügel ein, die wir für die Entwicklung unserer gemeinsamen Werte besteigen könnten?

Drei Hügel und das Abendland

Wo kann man am Sonntag zu Mittag gut speisen?

Restaurant mit „gutbürgerlicher Küche“?

Es ist schon schwierig geworden, ein Restaurant in meiner Umgebung für Sonntag zu Mittag zu finden. Teilweise ist das sicher auf Corona zurückzuführen, denn es sind zwar schon merkbar mehr Touristen in Wien, aber wie vorher, so ist es noch nicht. Manche Restaurants haben nach den Lockdowns einfach nicht mehr aufgesperrt. Wahrscheinlich macht sich auch da der Personalmangel bemerkbar.

Ich glaube aber, dass es auch andere Gründe gibt. In meiner Umgebung gibt es sehr viele Büros und viel weniger private Wohnungen. Deswegen haben die Restaurants wochentags offen, und am Wochenende geschlossen. Irgendwann müssen sie ja auch Ruhetag haben. Und ich glaube auch, dass es wenig Bedarf für – wie man früher sagte – gutbürgerliche Familienrestaurants gibt. Denn wo ist sie hingekommen, die gutbürgerliche Familie?  Ich glaube schon, dass es sie gibt – aber halt nicht im Restaurant, vielleicht eher noch beim Brunch, in einem Hotel?

Es gibt viele Singles, es gibt viele alleinerziehende Elternteile, es ist mit Kindern oder auch für Kinder nicht lustig, langmächtig in einem Restaurant zu sitzen. Mit einem offenen Schanigarten, der wirklich ein Garten ist, wäre es vielleicht noch leichter. Außerdem hat in der COVID-Zeit das Bestellen von fertigen Speisen sehr zugenommen (und es wird auch eifrig Werbung dafür betrieben), überall sieht man diese Radlboten (ein beliebter Studentenjob). Man braucht sich bei Lieferung nicht „schön“ anzuziehen, kann gemütlich bei jedem Wetter zu Hause bleiben und dennoch seine Lieblingsspeisen aus dem Restaurant essen.

Nur weil ich es kaum verwende: es gibt auch die Fertiggerichte im Supermarkt. Da kann man schon im Voraus z.B. die Pizza kaufen, und sie dann zu Hause in den Ofen schieben, also wozu ins Restaurant gehen?  

Und was ist gutbürgerlich überhaupt? Ziemlich unzeitgemäß, es ist ein Attribut, mit dem nur mehr Speisen der gutbürgerlichen Küche bezeichnet werden. Und genau genommen ist auch diese nicht zeitgemäß, man geht heute eher vegetarisch oder vegan essen. Gutbürgerlich assoziiert erstrebenswertes Bürgertum, gutbürgerlich steht für „ordentlich, solide, nicht übertrieben“. Der „höfischen Küche“ des Adels stand die „bürgerliche Küche“ der Bürger als „Abglanz“ gegenüber; in den „gutbürgerlichen Küchen“ des 19. Jahrhunderts wurde das Kochen „Objekt des Prestiges“. Die Erdäpfel und der Erdäpfelsalat stammen noch aus der bürgerlichen Küche; der Anbau ebenjener Erdäpfel in großem Stil begann für den deutschsprachigen Raum erst 1716 in Sachsen.

Als repräsentativ für die gutbürgerliche Küche gilt Sophie Wilhelmine Scheiblers Kochbuch aus dem Jahre 1823. Nach dem Erscheinen von Henriette Davidis Kochbuch im Jahre 1845 entstand der Begriff der „bürgerlichen Küche“, womit der Grundstein für die „gutbürgerliche Küche“ von heute gelegt war. Der antiquiert anmutende Begriff hat sich bis heute erhalten. Er steht für solides, aber leicht raffinierte Hausmannskost (englisch comfort food) mit großzügig portionierten Qualitäts-Zutaten“ (manchmal auch Sättigungsbeilagen genannt). Gutbürgerlich ist eine Mahlzeit, die aus Vorspeise oder Suppe, Hauptgericht und Dessert besteht.

In der Gastronomie wird der Begriff „gutbürgerlich“ verwendet, um zu vermitteln, dass Gerichte nach bekannter oder traditioneller Zubereitungsart angeboten werden. Der Duden definiert sie als „Küche, die einfache und nicht verfeinerte Gerichte in reichlichen Portionen bietet.“

Drei Restaurants, bei denen ich bestellen wollte, teilten mir mit, dass Sonntag geschlossen wäre. Ja es gibt natürlich noch andere. Aber es war nicht mehr ganz so warm, dass „Heraussen-Sitzen“ gewährleistet werden konnte. Und in manchen Lokalen drinnen zu sitzen hat Tücken. Bei dem einen, das ich sonst sehr schätze, auch der Speisekarte wegen, sitzt man so eng, dass man jedes – auch leise gesprochene Wort der benachbarten Tische hört, wo man im Gegenzug auch gehört werden kann. In einem anderen Lokal, das innen besonders hübsch ist, Gewölbedecken, ist die Akustik eine Katastrophe, man hört zwar das Gespräch eines gegenüberliegenden Tischs, nicht aber die Worte am eigenen Tisch, sehr gemütlich, aber nur wenn man sich nicht unterhalten will.  

Jetzt wollen Sie vielleicht noch wissen, wo wir gelandet sind? Im Sole in der Annagasse. Gesessen sind wir im Freien, gegen den Wind ist der Schanigarten abgedeckt und außerdem gibt es Heizstrahler. Im Grunde bin ich ja gegen diese Dinger – aus energiepolitischen Gründen, aber angenehm waren sie heute schon. Und wir haben fein gegessen: Tintenfischarme, butterweich – auf Rucola als Vorspeise – sehr empfehlenswert. Und als Hauptspeise einen Risotto mit Radicchio und Barolo.  Köstlich! Natürlich habe ich mich gleich erkundigt, wie man das macht. Wichtig ist es den Radicchio in einer Suppe zu kochen – nicht zu braten – und am Ende erst zum Risotto dazugeben. Und weil ich es nicht lassen kann, am Ende ein Dessert zu genießen, wurde es ein Semifreddo Café. Der Limoncello am Schluss durfte natürlich nicht fehlen.

Es war dann ein sehr gemütliches, ausgedehntes, köstliches Sonntag-Mittagessen.

Wo kann man am Sonntag zu Mittag gut speisen?

Manchmal habe ich schon einen Vogel

Vor langer, langer Zeit, als ich noch eine Jugendliche war, schenkte mir meine Tante einen Ring aus den Beständen meiner damals verstorbenen Großmutter. Es war ein Skarabäus-Ring.

Als Skarabäen (Glückskäfer) werden Abbildungen des Heiligen Pillendrehers (Scarabaeus sacer) in der altägyptischen Kunst bezeichnet. Die Verwendung erfolgte vor allem als kleine Amulette aus Stein. Allerdings gab es auch große, aus Stein bestehende Plastiken bei Tempeln. Die altägyptische Bezeichnung für den Skarabäus war cheperer. Je nach hieroglyphischer Schreibung war der Skarabäus-Käfer, Mistkäfer, der Gott Chepre oder auch ein Schmuckstück in Form eines Skarabäus gemeint.

Die Befreiung und schnelle Vermehrung dieses Käfers im Nilschlamm nach dem Rücktritt des Nils führte zur Meinung, er entstehe ohne Fortpflanzung, weswegen er als Symbol der Schöpferkraft galt. In seiner fast runden Gestalt, in der glänzenden, goldschimmernden Farbe der Flügeldecken fand man Ähnlichkeit mit Gestalt und Glanz der Sonne, der nächsten sichtbaren Bildungsursache, und man weihte ihm eine göttliche Verehrung (z. B. als Verkörperung der Gottheit Chepre). Das Verhalten des Skarabäus, Dungkugeln vor sich her zu rollen, stellte einen Bezug zu Re und seiner Fahrt mit der Sonnenbarke über den Himmel her.

Derartiges lernte man früher im Gymnasium.

Ich schätzte meinen Ring sehr, und trug ihn auch eigentlich gerne, er begleitete mich durch meine Studienzeit und auch bei allen damals unternommenen Reisen. Er war sicher alt, ob aus Gold oder vergoldet, weiß ich nicht, das kümmerte mich auch nicht. Es war kein „antiker“ Skarabäus, ausgegraben aus dem Sand um die Pyramiden, ich glaube mich zu erinnern, dass er aus einem bearbeiteten Türkis bestand.

Als dann irgendwann meine Tochter begann, verwegene Reisen zu unternehmen, schenkte ich ihr diesen Ring – wohl in der Hoffnung, dass der Glückskäfer sie doch ein wenig beschützen würde (aber eigentlich bin ich ja gar nicht abergläubig!) und wie’s so geht, bei Reisen von jungen Menschen, der Ring ging verloren.

Lange habe ich nicht an diesen Ring gedacht. Überhaupt jetzt, da ich durch meine Arthrose verknöcherte Gelenke habe, über die ich manche Ringe nicht einmal mehr drüber bringe. Warum er mir gerade jetzt eingefallen ist, kann ich auch nicht sagen. Aber ich wünsche mir, wieder einen Skarabäus-Ring zu besitzen, halt ähnlich jenem, wie ich ihn schon einmal besessen habe.

Es stimmt schon, ich habe halt einen Vogel, mein Vater hat gesagt, es wäre ein Lämmergeier, das finde ich doch übertrieben. Meist besiege ich diesen Vogel, aber zuweilen dann doch nicht. Also ich will noch immer den Skarabäus Ring. Ich gebe zu, es ist in meinem Alter komplett unvernünftig, sich „Neues“ zu kaufen. Wie lange kann ich mich denn noch daran erfreuen? Und meine Erben, werden sie dieses Glumpert dann überhaupt noch haben wollen. All das ist mir bewusst, und doch.

Zuerst habe ich im Internet gesucht, habe auch einiges Interessantes gefunden, aber schließlich gebe ich nicht einen Haufen Geld aus, für etwas das ich nicht live gesehen habe. Darum habe ich mich heute am Nachmittag aufgemacht, um in ein Geschäft zukommen, von dem ich vermute, dass sich dort derartiges findet.

Die Stadt ist voll von Touristen, aber da es an neuralgischen Punkten (am Weg Brot zu kaufen – für mich) großes Gedränge gibt, habe ich mir die Maske aufgesetzt. So eng, wie man bei Touristengruppen vorbeikommen muss, sitzt man nicht einmal im Theater. Dennoch begab ich mich dann, nachdem ich wirklich fast das „letzte Brot“ ergattert hatte, ins Kabul Shop.

Es gab Ringe und es gab Skarabäen – allerdings aus Porzellan – aber keine Skarabäus-Ringe. Naja, in dem Geschäft ist man findig, man wird mir einen silbernen Skarabäus Ring anfertigen.

Da ich in dem Geschäft schon lange ein- und ausgehe, sprachen wir noch ein Weilchen über die trostlose Situation in Afghanistan. Nicht primär über die Menschen, die jetzt gefangen genommen werden, sondern vielmehr über jene Jungen, die in den letzten 20 Jahren groß geworden sind, die Schulen besucht haben, an Universitäten studiert haben, und die jetzt ohne jegliche Perspektive zu Hause sitzen, und nicht wissen was sie tun sollen oder können. In dem Land geht es derzeit nicht aufwärts, sondern zurück, nicht grad in die Steinzeit, aber ins tiefste Mittelalter.

Ich glaube nicht, dass wir viel tun können, aber jedenfalls sollten wir etwas sicher nicht tun: Afghanen verteufeln, als Gewalttäter hinstellen, nur weil einige wenige von ihnen, die bei uns leben, kriminell geworden sind. Und wir müssen endlich aufhören zu sagen, dass wir genug Flüchtlinge aufgenommen haben! Das ist jedenfalls sicher eine Schande – europaweit – und weltweit für uns!

Manchmal habe ich schon einen Vogel

Wieder ein Abschied für immer

Wie ein Freund sagt: viel zu früh

Altwerden bzw. Altsein bringt viel Schönes! Es bringt eine große Freiheit – die manchmal gesundheitlich etwas eingeschränkt ist. Dennoch, man kann auf vieles dankbar zurückblicken.

Es kommen aber auch die sehr traurigen Momente, wenn man Menschen verliert, auch jene, die einem oft nur „mehr oder minder“ nahegestanden sind. Man erinnert sich an die gemeinsam verbrachte Zeit, die schönen, lustigen Stunden, in denen interessante Gespräche geführt wurden, gemeinsame Reisen, oder sonstige Erlebnisse. Mir geht es jedenfalls so, dass ich jene Freunde am meisten vermisse, mit denen ich gemeinsame Interessen geteilt habe, man hat einander angerufen, wenn man Fragen zu diesem bestimmten Thema hatte. Man hat nicht immer eine Antwort bekommen, aber das „Gemeinsam-Reden“, das Bestätigen der Meinung war doch sehr, sehr wichtig. Oftmals wenn eine Frage auftaucht – zu einem bestimmten Thema, ja da muss ich den X anrufen – aber der X ist halt leider – wie mein leider auch schon eine gute Weile verstorbener Mann oft sagte, zu seinen Vätern versammelt worden.

Diese Woche habe ich wieder einen solche Verlust erlebt. Und man liest dann über: das erreichte Alter, vielleicht einen Hinweis an eine „geduldig ertragene Krankheit“, oder im Kreise der Familie, verstorben. Dann kommen die beruflichen Erfolge: Direktor des …, Geschäftsführer dort …, Vorsitzender da …, Aufsichtsrat von …, er hat dieses oder jenes Unternehmen gegründet, er hat auch nach der Pensionierung beigetragen. Vielleicht wird noch das Gebiet angeführt, auf dem er „führend“ war. Dann werden eventuell jene Organisationen aufgezählt, bei denen der Betreffende ehrenamtlich tätig war. Und dann – so vorhanden, kommen die verschiedenen Ehrungen: verliehene Orden mitsamt der Angabe von Klassen, verliehene Titel. Man ist überwältigt.

Vielleicht haben Sie gemerkt, dass ich immer „er“ verwendet habe. Bei Frauen lauten Parten ganz anders, da ist von der liebevollen Mutter, der guten Großmutter die Rede, da wird die „Aufopferung – eh schon ein grässliches Wort – für die Familie“ gerühmt – auch wenn diese Frauen ihr Leben lang berufstätig waren – aber meist, bei den jetzt Verstorbenen halt nicht „in führender Stellung“, daher nicht erwähnenswert. Naja, Billakassierin klingt halt nicht so gut. Da schlägt das „klassische Frauenbild“ noch immer voll durch.

Aber jetzt zu dem kürzlich Verstorbenen, der diese Gedanken wieder einmal ausgelöst hat. Wie erinnere ich mich an ihn. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass er ein wirklich liebevoller Ehemann und guter Vater war. Er hat sich in jeder Lebenslage um seine Familie gesorgt. Er hat aber seine Frau auch bei ihrer Arbeit unterstützt und diese Arbeit immer gewürdigt, er hat ihre Überlegenheit in manchen Gebieten nicht nur anerkannt, sondern auch gerühmt. Er hat den Seinen die Wünsche von den Augen abgelesen. Er ist immer treu zu seinen Freunden gestanden. Ja auch zu seinen „Freundinnen“, also den Ehefrauen seiner verstorbenen Freunde. (Dazu darf ich auch mich zählen!)

Ich möchte nur ganz wenige „gemeinsame Ereignisse“ aus seinem Leben herausgreifen. Da waren die berühmten Adventtreffen, zu denen das Ehepaar jährlich in sein Haus in Währing eingeladen hat. Diese Einladungen waren sehr begehrt und diese Feste waren „üppig“. Das Haus war wunderschön weihnachtlich geschmückt, fastenmäßig war das Essen und Trinken gar nicht. Man traf alte Freunde und interessante, bisher Unbekannte – aus allen gesellschaftlichen Gruppierungen – aus Wirtschaft, Politik, aus Kunst, und selbstverständlich aus den Medien.

Dann war da einmal ein „Nachtmahl“, wir waren nur zu sechst. Aber der Tisch bog sich, spartanisch war anders. Eine „ausgefallene“, aber dennoch köstliche Speise folgte der anderen. Es hätten wahrscheinlich doppelt oder drei Mal so viele Personen das Gebotene essen können – und trotzdem satt werden.

Und dann war noch einmal – viel später – ein Treffen in einem Restaurant – wir waren zu viert – zwei davon waren schon Witwen. Und dem Gastgeber war alles schon ziemlich mühsam aber er spielte seine Rolle sehr tapfer. Ein nächstes Mal gab es dann nicht mehr, der Termin fiel ins Wasser, denn das Ehepaar wollte verständlicherweise im kalten Winter lieber nach Mallorca fliegen, wo es ein gemütliches Haus gibt.

Leb wohl, lieber F.! Du fehlst uns jetzt schon.

Wieder ein Abschied für immer