Gedanken anlässlich des großartigen Films „Lawrence von Arabien“

Gestern und vorgestern haben wir uns, auf Vorschlag meines Enkels, „Lawrence of Arabia“ angesehen. Ich habe den Film nach seiner Entstehung in den sechziger Jahren im Kino gesehen, manche der Szenen waren wir beim Wiedersehen noch in Erinnerung, anderes hatte ich vollständig vergessen.  Nach wie vor großartig die Bilder von der Wüste, die Massenszenen, die großen Schauspieler ihrer Zeit und die unvergessene Filmmusik.

Zwischenzeitlich habe ich mich ausgiebig mit der Geschichte dieser Region befasst, aber manches wird durch diesen Film schon nachdrücklich demonstriert. Wie alle im Ersten Weltkrieg besiegten Reichen (Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich) wurde diese zerbrochen und instabile Nachfolgestaaten entstanden, wodurch weiteren Kriegen grundgelegt wurde.

Was dieser Film – diesmal zwei Mal überarbeitet, Director’s Cut – zeigt, ist das Dilemma der „Soldaten“ gegenüber den Diplomaten.   Lawrence war einer der Soldaten, der sich in einer besonderen persönlichen Mission befand, er wollte „den Arabern“ ihr eigenes Land „schenken“, und Frieden stiften. Aber was er versucht hat, nämlich aus den verschiedenen Stämmen geeinte Araber zu machen, das ist ihm nicht gelungen. Sie kämpften unendlich tapfer – aber sobald sie ihre Beute erobert hatten, zogen sie sich zurück. Und da sie ein Leben – in der Wüste verbringend und ihre Wasserlöcher verteidigend – indem es im städtischen Umfeld erforderlich gewesen wäre, technische Geräte zu benutzen, verstanden sie diese nicht – und vergaben auch damit ihre Chance auf ein geeintes Arabien (da sie ja selbst aber auch nicht die Kolonialmächte gar nicht anstrebten).

Für mich ist das Bespiel von Faisal 1. signifikant. Faisal wurde als dritter Sohn von Hussein ibn Ali des Scherifen von Mekka geboren. 1913 wurde er als Abgeordneter von Dschidda in das Parlament des Osmanischen Reichs gewählt. Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs plante Hussein ibn Ali eine Revolte gegen die Osmanen mit dem Ziel der Bildung eines arabischen Staates unter der Herrschaft der Dynastie der Haschemiten. Hussein entsandte seinen Sohn Faisal 1915 nach Syrien um Kontakte für diesen Plan herzustellen. Faisal schloss sich in Damaskus der arabisch-nationalistischen Gruppe Al-Fatat an. Im Juni 1916 erklärte Hussein ibn Ali die Arabische Revolte. Faisal fiel dabei die Rolle des Militärführers zu. Nach der Eroberung Akabas durch Auda ibu Tayi und T. E. Lawrence, der als britischer Offizier, mit dem Hussein eine persönliche Freundschaft verband, führte der Aufstand weiter nach Damaskus. Nach der Eroberung der Stadt durch die Aufständischen (und durch ein Corps australischer Lanzenreiter) marschierte am 26. September Faisal in Damaskus ein und beendete die vierhundertjährige Herrschaft der Osmanen in Syrien.

Als Leiter der arabischen Gesandtschaft trat er auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 für die Unabhängigkeit der arabischen Emirate vom Osmanischen Reich ein. Am 3. Januar 1919 unterzeichnete er gemeinsam mit dem späteren Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation (WZO), Chaim Weizmann, das Faisal-Weizmann-Abkommen, in dem die arabische Seite die Balfour-Deklaration akzeptierte. Durch den weiteren Verlauf der Geschehnisse in Palästina wurde dieses Abkommen jedoch nicht wirksam.

Vom syrischen Nationalkongress wurde Faisal am 7. März 1920 zum König von Syrien proklamiert. Aufgrund des Sykes-Picot-Abkommens erhielt Frankreich jedoch auf der San-Remo-Konferenz im April 1920 das Völkerbundmandat für Syrien und Libanon. Faisal I. wurde daraufhin am 24. Juli 1920 durch die Franzosen vertrieben und ging nach Großbritannien ins Exil.

Die Briten fanden für Faisal eine weitere Verwendung in ihrem Mandatsgebiet Mesopotamien. Am 12. März 1921 schlug Kolonialminister Winston Churchill Faisal als neuen König für den Irak vor. Nach einem Plebiszit, bei dem Faisal 96 % der abgegebenen Stimmen erhielt, traf Faisal Ende Juni 1921 im Irak ein. Die Schiiten, die das Plebiszit aufgrund von Aufrufen ihrer Geistlichen weitgehend boykottiert hatten, bereiteten ihm einen äußerst kühlen Empfang.

Faisal war zwar König des Irak, musste allerdings die britische Herrschaft über den Irak als Mandat des Völkerbundes anerkennen. Der Irak erhielt 1925 die Staatsform der konstitutionellen Monarchie. 1930 erreichte Faisal in einem Freundschaftsvertrag die Anerkennung der irakischen Unabhängigkeit durch Großbritannien, wobei sich Großbritannien weiterhin wirtschaftlichen Einfluss und Militärstützpunkte sicherte.

Am 8. September 1933 erlitt Faisal einen Herzinfarkt und starb. Sein ältester Sohn Ghazi I. folgte ihm auf dem Thron.

In dieser Geschichte sind bereits die „diplomatischen Aktivitäten“ zutage getreten, die eigentlich den kriegerischen entgegenliefen.  Das Sykes-Picot-Abkommen vom 16. Mai 1916 war eine geheime Übereinkunft zwischen den Regierungen Großbritanniens und Frankreichs, durch die deren koloniale Interessengebiete im Nahen Osten nach der erwarteten Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg festgelegt wurden. Dass man irgendetwas den Arabern übergeben werde, davon war nie die Rede.

Mit dem Sykes-Picot-Abkommen wurden Staatsgrenzen unabhängig von bestehenden ethnischen oder religiösen Gruppierungen gezogen. Als Folge von Sykes-Picot entstanden unter anderem die Staaten Libanon, Syrien, Jordanien und Irak mit ihren bis heute bestehenden Grenzen. Aktuelle Kriege zeigen, dass die damalige Aufteilung des Nahen Ostens immer noch zu Konflikten führt.

Unabhängig davon kam es zur Balfour Erklärung (vom 2. November 1917): Darin erklärte sich Großbritannien einverstanden mit dem 1897 festgelegten Ziel des Zionismus, in Palästina eine „nationale Heimstätte“ des jüdischen Volkes zu errichten. Damals befand sich Palästina noch im Machtbereich der Osmanen. Man versprach sich von der Zusage an die zionistische Bewegung Vorteile in der Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen während des Krieges und auch langfristige strategische Vorteile.

Die Welt leidet noch heute unter den damaligen Entscheidungen.

Gedanken anlässlich des großartigen Films „Lawrence von Arabien“

Ist „Hitler“ zu erwähnen, heute ein Tabu?

Rund um den 20. April 1945

Gestatten Sie mir, dieses Tabu kurz zu brechen – und darauf hinweisen, dass der 20. April, also heute, Hitlers Geburtstag war. Gleichzeitig möchte ich versuchen, Ihnen zu erklären, warum ich mich noch heute, so viele Jahre später, noch immer daran erinnere.

Für uns, damals als Kinder, war der 20. April ein Feiertag, ein bemerkenswerter Tag, wie man uns, sagen wir einmal, eingebläut hat. Warum glauben Sie wohl, dass ich mich heute noch daran erinnere. An diesem Tag im Jahr 1945 sollte ich feierlich in den Jungmädelbund (altersmäßiger Vorläufer des BDM – Bund deutscher Mädel) eingeführt werden. Ich sollte eine Uniform bekommen (blauer Rock, weiße Bluse und braunes Jackerl). Allein die Tatsache neues Gewand zu bekommen, war ein „Lichtblick“. „Hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder“ sollten wir werden Es war ein für damals wichtiger Schritt in Richtung „Erwachsenwerdens, Dazugehörens …“

Leiter der Hitlerjugend war seit 1932 Baldur von Schirach (* 9. Mai 1907; † 8. August 1974). Schirach gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen und wurde am 1. Oktober 1946 wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt, jedoch von der Anklage des Verbrechens gegen den Frieden freigesprochen.

Grundlage für die Organisation wurde das HJ-Gesetz von 1936. Der Beitritt zur HJ beziehungsweise zum BDM wurde zur Pflicht, aber nicht jeder durfte Mitglied werden. Die Kranken und Schwachen wurden zurückgewiesen und die Juden waren von der Zugehörigkeit zur Hitlerjugend ausgeschlossen. Auch wenn einige Eltern es nicht gerne sahen, wenn ihre Kinder in die HJ gehen wollten, sie davon abzuhalten war nicht leicht. Wer dies dennoch versuchte, dem drohten Geld- und Gefängnisstrafen. 1939 hatte die Hitlerjugend deshalb fast neun Millionen Mitglieder. Die Zehn- bis 14-Jährigen dienten im Deutschen Jungvolk oder beim Jungmädelbund, die 14- bis 18-Jährigen in der HJ (Hitlerjugend) oder im BDM (Bund Deutscher Mädel).

Was mich reizte, war wohl „Zugehörigkeit“, die Ausflüge, Wanderungen und rucksackbeladene Märsche in freier Natur, oft gefolgt von Lagerfeuer mit Kochen und gemeinsamem Gesang. Auch Vollmond-Beobachtungen mit anschließender Übernachtung in Heuschobern erschienen im Sommerhalbjahr „aufregend“. Märchen- und Theateraufführungen, teils mit Puppen und Marionetten, fand ich faszinierend. Die Sportanforderungen machten mir eher Angst, da ich ja diesbezüglich schon immer „patschert“ gewesen bin.

Um die damaligen Zielsetzungen kümmerte ich mich als 10jährige nicht: „Die Gleichberechtigung der Frau besteht darin, dass sie in den ihr von der Natur bestimmten Lebensgebieten jene Hochschätzung erfährt, die ihr zukommt. Auch die deutsche Frau hat ihr Schlachtfeld: Mit jedem Kinde, das sie der Nation zur Welt bringt, kämpft sie ihren Kampf für die Nation.“ Oder: „Die Jungen werden zu politischen Soldaten und die Mädel zu starken und tapferen Frauen erzogen, die diesen politischen Soldaten Kameraden sein sollen – und unsere nationalsozialistische Weltanschauung später in ihrer Familie als Frauen und Mütter leben und gestalten – und so wieder großziehen eine Generation der Härte und des Stolzes. Wir wollen darum bewusst politische Mädel formen. Das bedeutet nicht: Frauen die später in Parlamenten debattieren und diskutieren, sondern Mädel und Frauen, die um die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes wissen und dementsprechend handeln.“ die 10- bis 14-jährigen Jungmädel sollten sich in Handarbeit und Kochen auskennen und für „die Wärme des heimatlichen Herdes“ sorgen können. Auch sollten sie es verstehen, ein Heim behaglich einzurichten. Im Zentrum der BDM-Erziehung stand „die Synthese von körperlicher und hauswirtschaftlicher Ertüchtigung“ in Verbindung mit der Aufgabe, „den Zucht- und Auslesegedanken“ der gesamten weiblichen Jugend zu Bewusstsein zu bringen. Durch die Einrichtungen des BDM sollten Mädchen geschlechtsspezifisch sozialisiert und an Themen wie Mutterschaft und kulturelles Brauchtum herangeführt werden.

Daneben gab es aber teils noch andere Meinungen, die den Mädchen mehr Eigenständigkeit zuzusprechen schienen. „Jugend ist keine Vorbereitungszeit, sondern ein Teil des Lebens, der sich nach eigenem Gesetz erfüllen will und soll. Das gilt für Jungen und Mädchen gleichermaßen.“ Manche distanzierten sich auch vom „Kochtopf als Erziehungsziel“ und von den „drei K“ (Küche, Kirche, Kinder).

Alle diese Zielsetzungen waren mir nicht bewusst, und schon damals – und das weiß ich auch heute noch sicher – wollte ich „Bürofräulein“ (das war der von mir verwendete Begriff) werden, also heutig interpretiert, eine Karriere jenseits von Haushalt und Mutterschaft anstreben.  Dass ich dann viel später beides vereinen konnte, verdanke ich auch meiner Mutter, die verlässlich meine Kinder betreute – nicht immer in meinem Sinn erzog, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Alles kam anders, der Deutsche Heer löste sich zu dieser Zeit auf und die Alliierten waren im Vormarsch. Mein Beitritt zu dieser Jugendorganisation ist am 20.April 1945 ist nicht erfolgt. Meine nationalsozialistische Erziehung war auch mit diesem Datum beendet.

Ist „Hitler“ zu erwähnen, heute ein Tabu?

Zum Supermarkt und zurück

Der Wandel der Einkaufsgewohnheiten

Finden Sie auch, dass es (im Fernsehen) derzeit viele Werbe-Einschaltungen von Supermärkten gibt? Sie sind ja sehr bemüht, teilweise hübsch, und meist ziemlich patriotisch. Aber so viele Alternativen zum Einkaufen gibt es doch gar nicht, dass die Supermärkte so viel schalten müssen?  Also beobachten wir einen Verdrängungswettbewerb:  Wer ist billiger – Hofer oder Lidl, wer ist der frischeste: Penny, wer ist hat die schöneren Filialen: Billa oder Spar.

Ich gehe meist zum Nächstgelegenen, schon allein deshalb, damit ich das Eingekaufte nicht allzu weit schleppen muss.

Früher kaufte man anders ein: bei uns im Haus gab’s eine Milchfrau, dorthin ging man mit einer Flasche (retour) oder einer Kanne hin. Die Milch wurde jedenfalls dort eingefüllt und auf die Flasche gab’s einen Pappendeckel-Deckel. Dort gab’s auch Butter und vielleicht Käse. Bei Käse gab es nicht viel Auswahl: Emmentaler (jeder Schnittkäse) und Eckerlkäs (Streichkäse). Um die Ecke gab es noch die Eierfrau oder die Gemüsefrau.  Befragt warum das alle Frauen waren: in meiner Kindheit waren das „Frauenberufe“, die wahrscheinlich kein Mann ausgeführt hätte. Keine Frau war meist der Pracker, also der Wanderhändler, der seinen Karren durch die Straßen zog, von dem er das Obst und Gemüse (geerntet in der Umgebung) verkaufte.

In Wien und der näheren Umgebung wird noch immer viel Landwirtschaft betrieben. Im Jahr 2014 besaß Wien 630 landwirtschaftliche Betriebe, davon 11 für Gemüseanbau, 87 für Blumen- und Zierpflanzenbau,79 für Weinbau, 121 für Ackerbau, elf für Feldgemüsebau, elf für Tierhaltung, acht für Obstbau und zwei forstwirtschaftliche Betriebe.

Wenn keine Kunden bei dem Wagen des Wanderhändlers standen, musste er weiterfahren, daher versuchte er durch lautes Rufen Kunden anzulocken. Man wusste, wann man ihn wahrscheinlich an welchem Ort antreffen würde.

In meiner Jugend gab es auch ein Geschäft in der Garnisongasse, in dem Wild verkauft wurde. Und als ich schon verheiratet war, gab es noch die Geflügelhandlung „um die Ecke“. Ja, und nicht zu vergessen waren die Kolonialwarenhändler, wo man die etwas exotischeren Waren bekam. Dann gab es noch die Delikatessenhändler, wo man vielleicht die etwas „feineren“ Lebensmittel kaufen konnte. Selbstverständlich gab es die Fleischhauer – die meist noch selbst schlachteten und Würste machten. Lämmernes (wie man damals sagte) war nicht sonderlich populär, aber das Kitzerl zu Ostern musste selbstverständlich auf den Tisch. Und dann gab es noch den Pferdefleischhauer – in der Liechtensteinstraße.  Seine Tafel hing noch lange auf dem langsam zerfallenden Haus, als es schon lange kein Pferdefleisch (oder Pferdefleischleberkäse) dort gab. Letzteren konnte man noch eine Zeitlang bei einem Würstlstand bei der Friedensbrücke kaufen.

Alle diese Geschäfte bestehen jetzt nicht mehr. Große Handelsketten für Lebensmittel mit zahlreichen Niederlassungen gab es in den USA spätestens seit 1859, zunächst in New York City. Supermärkte im heutigen Sinne gründete ab 1930 die King-Kullen-Kette. Sie eröffnete ihren ersten Laden im August 1930 in einer ehemaligen Autowerkstatt in Queens, New York City. Der selbsternannte Preis-Abwracker führte die Selbstbedienung und das in mehreren Abteilungen präsentierte Lebensmittel-Komplettangebot (Fleisch, Backwaren, Obst und Gemüse) ein. Die Waren „hoch stapeln und zum Niedrigpreis verkaufen“ war sein Motto. Eine neue Herausforderung wurden die großen Einkaufszentren „auf der grünen Wiese“, die Shopping Malls. Auch fertig abgepackte Waren sowie vermehrt Markennamen hielten Einzug in die Läden.

Die Migros in der Seidengasse in Zürich wurde am 15. März 1948 auf das Selbstbedienungskonzept umgestellt. Es war somit der erste Selbstbedienungsladen der Schweiz. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Einzelhandel, beispielsweise der Edeka-Verbund um 1954, sukzessive zur Selbstbedienung über. Als einer der ersten Selbstbedienungsläden in Westdeutschland wurde 1949 am Berliner Tor in Hamburg ein Geschäft der Konsumgenossenschaft Produktion eingerichtet. Als erster Selbstbedienungsladen in Österreich wurde am 27. Mai 1950 der KONSUM in Linz an der Wiener Reichsstraße, heute: Wiener Straße in Linz eröffnet.

Wir haben heute Alternativen zu den Supermärkten: Es gibt Organisationen, die meist Bio-Lebensmittel (Wochenverbrauch) aus der Umgebung (regional und bio) für x-köpfige Familie zusammenstellen und nach Hause liefern. Einige davon bieten auch gleich entsprechende Rezepte dazu an. In anderen Fällen arbeiten Landwirte selbst daran, diese Lebensmittel an die Konsumenten zu liefern.

Mir ist aber noch ein Selbstaussuchen der Lebensmittel doch noch immer lieber. Manchmal allerdings, greift man daneben: heute im Supermarkt haben uns die Fisolen angelacht, erst zu Hause haben wir gemerkt, dass sie aus Marokko kamen. Aber sie waren dann wirklich köstlich! Dafür haben wir auch den Marchfelder Spargel genommen, er war schon ziemlich teuer, (nachdem ich – Schande übe mich – den Spargel aus Peru gekauft hatten).

Es hat alles seine Vor- und Nachteile, aber zum Glück haben wir ja heutzutage die Wahl!

Zum Supermarkt und zurück

Ich bin verwirrt!

Über Gerechtigkeit bei Corona(-Maßnahmen)

In fünf Tagen wurde ich die zweite Impfdosis bekommen. Und dann? Dann warte ich einmal 2 Wochen, und dann?

Also ich gehe davon aus, dass ich sowohl weiterhin Masken tragen werden müsse, wo es geboten und dass ich mich auch wieder testen lassen muss, bevor ich z.B. zum Friseur gehe (ev. mich dann schon in einen Schani setze).

So interpretiere ich die derzeitige Gesetzeslage. Wenn jemand von Ihnen sicher weiß, dass es anders ist, bitte ich um dringende Verständigung.

So besehen, bleibt als einziger Vorteil, dass – sollte ich mich dennoch anstecken – mein Krankheitsverlauf ein weniger ernster sein wird.

Vielleicht wird das anders – mit der „Grünen Karte“. Aber grundsätzlich ist es ja heftig umstritten, ob Geimpfte Privilegien haben sollen, solange bis alle, die es wollen, geimpft sein werden. Diesen Gedanken kann ich nachvollziehen, diejenigen, die noch auf ihre Impfung warten, wären dann benachteiligt. Das heißt aber, dass die Grüne Karte erst dann gültig sein sollte, wenn alle, die dies auch möchten, ihre Impfung erhalten haben. Dann blieben nur die Impfgegner über, und die sollten dann benachteiligt sein – ob sie das klaglos (ohne Monsterdemonstrationen) hinnehmen werden?

Und noch eine Unklarheit (für mich zu mindestens) betreffend diese „Grüne Karte“. Man soll sie auch bekommen, wenn man getestet ist. Wunderbar! Läuft sie dann wieder ab noch 48 bzw. 72 Stunden ab, ich kann mir nicht vorstellen, wie das (elektronisch) gehandhabt werden soll. (Bitte kein neues „Kaufhaus-Österreich“-Chaos.)

Für mich wäre es erfreulich, wenn es bezüglich aller dieser Fragen ein „Merkblatt“ gäbe, ja, selbstverständlich online, aber auch digital, weil es in unserer Gesellschaft Menschen gibt, die nicht über ein Smartphone, einen Laptop, ein Tablet verfügen, oder damit umgehen können. Dieses Merkblatt sollte auch in jenen Sprachen aufliegen, verteilt werden (an jeden Haushalt), die von vielen Menschen gesprochen werden, Ich bin dafür, dass jeder, der hier lebt ordentlich deutsch kann, aber staatlicherseits darf nicht davon ausgegangen werden, dass dem auch so ist.

Für niemandem ist es einfach, mit dieser Pandemie umzugehen, es wird auch nicht einfacher, wenn jetzt manche Regeln nur lokal gelten, also dass es unterschiedliche Regelungen pro Bundesland, ja Region gibt. Da hätte die EU ihre große Chance gehabt, europaweit zu handeln. Mir ist klar, wie schwierig es ist, 27 Meinungen unter einen Hut zu bringen, aber einen Versuch wäre es doch wert gewesen.

Ich weiß auch, dass Österreich „föderal“ aufgestellt ist, und Gesundheitswesen zum großen Teil „Ländersache“ (siehe den umstrittenen Spitalsbau) aber Viren sind leider „universal“. Ich überlege grad, welche Auswirkungen es hat, wenn jetzt die vielen burgenländischen Pendler – die sich jetzt zu Hause frei bewegen können – nach Wien kommen, um hier zu arbeiten. Wir Wiener*innen, und Menschen aus Niederösterreich dürfen aber nicht zum Friseur (oder nach Parndorf – nicht, dass Sie glauben, dass danach mein Sinn steht) ins Burgendland hinein, das kontrolliert die Polizei – an den Autonummern!

Wo bleibt denn da die „Gerechtigkeit“, die bei der Grünen Karte so vehement gefordert wird. Und wenn ein burgenländischer Corona-Patient kein Intensivbett in einem burgenländischen Spital mehr bekommen kann, wohin wird er denn gebracht werden? Nach Niederösterreich oder nach Wien – ist das dann gerecht?

Und wenn wir uns erlauben, ein klein wenig an die Nach-Corona, oder die Übergangszeit dahin, nachzudenken. Was geschieht dann mit den erklärten Impfgegnern, wenn diese dann noch immer viele Intensivbetten belegen? Wie erklärt man dann einem Schlaganfallspatienten, dass er kein Intensivbett bekommt, weil diese von Impfgegnern belegt sind?  Oder wie erklärt man jenen, die sich an die Regeln gehalten haben, sich impfen haben lassen, die Kosten für die Behandlung von Impfgegnern?

Natürlich werden Sie mir jetzt antworten, dass es auch bei einer Pandemie nicht gerecht zugeht – wer wird betroffen, sicher jene, die viel Kontakten mit anderen Personen ausgesetzt sind, wurden diese wirklich alle „rechtzeitig“ geimpft.

Wie ich schon sagte, ich bin verwirrt und kann nur hoffen, dass durch Testen, Impfen etc. die Pandemie möglichst bald vorbei sein wird.

Ich bin verwirrt!

Unqualifizierte Kommentare von einer Banausin

Zum Fall Parsifal

Vorweg möchte ich schicken, dass ich KEIN Opern-Fan bin. Ich gehe nicht gerne in die Oper. Wenn Sie die Oper lieben, dann bitte hören Sie sofort auf zu lesen, denn sie würden sich beim Weiterlesen ärgern, und das will ich auf jeden Fall vermeiden. Ja, ich habe wenige wirklich hervorragende Aufführungen gesehen und war begeistert aber meistens langweile oder eher ärgere ich mich in der Oper.

Diese Haltung kommt aus meiner (wahrscheinlich pubertären) Jugendzeit. Es gab das „Theater der Jugend“ und wir gingen viel und gerne ins Burgtheater (damals sogar noch im Ronacher untergebracht). Meine Mutter fand, Oper gehört zur Erziehung und schickte mich in die Oper. Diese fand z.T. noch im Theater an der Wien statt, manche Aufführungen wurden auch in der Hofburg dargeboten (in dem Saal, der zwischenzeitlich abgebrannt war, wieder aufgebaut wurde und jetzt das Parlament beherbergt). Es war z.B. eine der herrlichen berühmten Figaro Aufführungen, die mich so ärgerten (ja, Sie lesen richtig). Es geht um die turbulenten Verwechslungen im letzten Akt. Susanne war eine gertenschlanke besonders hübsche Person und die Gräfin war halt leider eine Dame mit erheblichem Embonpoint. Und ich fragte mich beklommen, wie man die beiden verwechseln konnte? Ja, Opernlibretti sind in der Mehrzahl, wirklich mit wenigen genialen Ausnahmen, ziemlich dümmlich. Und dann noch eine Salome, da musste man wenigstens nicht so lange stehen, die ebenfalls nicht so ganz meinen „Schönheitsvorstellungen“ (aufgrund ziemlich umfangreicher Körpermaße) entsprach und ich hatte entschieden, die Oper hinfort zu meiden. Und dabei blieb es, mein Mann litt etwas darunter, denn er mochte Oper aber ich war nicht zu bewegen, mir eine Oper anzusehen. Eine liebe Freundin versuchte mich dazu zu begeistern, sie schleppte mich mit und fragte nach 10 Minuten, warum ich so herumwetze – naja. Opern im Fernsehen, die schaute ich mir ganz gerne an, da konnte ich zwischendurch aufstehen, und etwas anderes nebenbei tun.

Vielleicht hat auch meine Musiklehrerin im Gymnasium zu meiner Haltung beigetragen. Sie war eine ausgezeichnete Lehrerin, konnte uns durchaus für klassische Musik begeistern – indem sie uns berühmte Stücke aus Opern, Oratorien etc. singen ließ, Nur ich sang falsch, konnte den Ton nicht halten und daher war ich „im Weg“, bekam eine schlechte Note und war auch vom Chorsingen ausgeschlossen.

Eigentlich wollte ich mir den Fall Parsifal gar nicht ansehen. Schon allein deshalb, weil er erst um 22 Uhr begonnen hat. Andererseits hatten mir einige Leute erzählt, wie neugierig sie wären, auf diese Inszenierung, die eine 5stündige Oper zu zwei Stunden zusammendrängte, Ausschnitte davon in Nachrichten hatte ich ja schon gesehen.  Ich hatte beschlossen maximal eine halbe Stunde vor dem Fernsehgerät zu bleiben, dann aber blieb ich doch, einfach um ein Gesamtbild von der Aufführung zu bekommen.

Naja, am Anfang war ich doch etwas befremdet, als die Strichmanderln gezeichnet wurden, überlegte aber dann doch, dass vielleicht viele Seher die Personen und die Handlung nicht kennen – und diese ist ja – siehe oben – verworren und unzeitgemäß genug. Dann kam es mit Wucht – die Menschen in heutiger (Häftlings-) Kleidung und es wurde von Ritterrüstungen gesungen. Der Ort und die Darstellung der Menschen wichen von dem gesungenen Text eklatant ab.  Das irritierte mich wirklich enorm. Ob die Idee einen „jungen“ eigentlich stummen Parsifal einzuführen eine gute oder schlechte war, kann ich nicht beurteilen.

Schwierig stelle ich mir eine „on-line“ Regie von Kirill Serebrennikov – aus Russland – schon vor.

Andererseits war die Aufführung „fernsehgerecht“ als es auch Einblendungen gab, die die Handlung mehr oder weniger ergänzten. Was mich doch sehr gestört hat, waren die Unterbrechungen besonders vor der letzten Szene, um die Hauptdarsteller und den Dirigenten zu interviewen. Das hätte an den Anfang oder an das Ende gepasst, aber – meines Erachtens – nicht mittendrin. Der Einschub über Wagner war für mich sehr interessant, vor allem der Teil über das Festspielhaus am Grünen Hügel.

Sehr beeindruckt war ich vom Gesang, aber auch von der Mimik und Gestik der handelnden Personen. Die Musik hinwieder empfand ich (bitte alle Wagnerianer wegschauen) wie eine gute Filmmusik, also keine Hauptrolle spielend, sondern nur die Handlung unterstützend.

Insgesamt hat es mir nicht leidgetan, so lange aufgeblieben zu sein – mich würde jetzt eine „konventionelle“ Aufführung dieser Oper interessieren, aber ich weiß, dass ich fünf Stunden nicht durchstehen würde.  Vielleicht finde ich eine Fernsehvariante, die ich mir dann „gestückelt“ ansehen/anhören kann.

Unqualifizierte Kommentare von einer Banausin

Zur Donut-Economy

Und die hat wenig mit den Doughnuts zu tun

Umgeben von Pflanzen, Blumensträußen und einer Torte kann ich doch nicht umhin, mich mit anderen Dingen auseinanderzusetzen.

Manchmal taucht ein Begriff auf, der einfach stutzig macht, der einem seltsam vorkommt und man fängt an zu „graben“. Ich habe zuerst in meiner Umgebung herumgefragt, aber dort habe ich keine Auskunft darüber bekommen, also habe ich Dr. Google befragen müssen. Was ist Donut-Ökonomie? Ich mag ja Doughnuts nicht so besonders gerne (ich ziehe unsere Krapfen vor), aber mein Mann hat sie geliebt und in der Wiedner-Hauptstraße gab es kurzfristig ein Geschäft – von dort habe ich ihm öfters welche geholt.

Der Begriff Donut-Ökonomie bezeichnet eine wirtschaftswissenschaftliche Theorie. Die Theorie geht von planetaren Grenzen und sozialen Grenzen aus und verortet darin den sicheren und gerechten Handlungsraum für die menschliche Zivilisation. Zu den planetaren Grenzen zählen hierbei der Klimawandel und der Verlust der Artenvielfalt. Diese Grenzen dürfen nicht überschritten werden. Das entspricht ja wiederum meinen Vorstellungen, von einer Ökonomie, wie sie sich verhalten sollte.

Zu den sozialen Grenzen zählen Bereiche wie Gesundheit und Bildung. Bei diesen Grenzen darf es kein Defizit geben. Na diese Grenzen sind heutzutage wichtiger als vieles andere. Der in Form eines Donuts visualisierte Handlungsspielraum für wirtschaftliches Handeln ergibt sich durch diese Grenzen.

Die Theorie der Donut-Ökonomie wurde erstmals am 13. Februar 2012 in einem Beitrag mit dem Titel A Safe and Just Space for Humanity von Kate Raworth vorgestellt. Die Theorie wurde im Jahr 2017 in Raworths Buch Doughnut Economics: Seven Ways to Think Like a 21st-Century Economist vertieft. Raworth stellt in ihrem Buch die Einhaltung des durch den Donut definierten Bereich in der Donut-Ökonomie als alternative Zielvorgabe der bisherigen Zielvorgabe eines Wachstums des Bruttoinlandsproduktes in der traditionellen Wirtschaft gegenüber.

Als erster Wirtschaftsraum hat die Stadt Amsterdam zusammen mit Raworth ein Konzept für den Umbau der Stadt- und Wirtschaftsentwicklung gemäß den Prinzipien der Donut-Ökonomie entwickelt. Ziele des Vorhabens, das im April 2020 gestartet wurde, sind der schonende, auf Nachhaltigkeit angelegte Umgang mit Ressourcen bei gleichzeitiger Sicherung der Grundbedürfnisse der Menschen. Die Stadt verspricht: Um Umwelt und Klima zu schonen, soll die Energiegewinnung auf Solarstrom und Windkraft umgestellt und der CO2-Ausstoß entscheidend gesenkt werden. Möglichst sollen nur noch recycelte Rohstoffe zum Einsatz kommen, und zwar ab 2030 zu 50 und ab 2050 sogar zu 100 Prozent. In der Bevölkerung scheint Optimismus vorzuherrschen, dass die Einführung der Kreislaufwirtschaft gelingen kann. Jedenfalls sind dort bereits eine Reihe von Initiativen zu dem Vorhaben gestartet: Zum Beispiel treibt ein Chemiker ein Verfahren zur Wiederverwertung von Zement voran, eine Wohnungseigentümergemeinschaft baut klimaneutrale Häuser auf dem Wasser und eine Wissenschaftlerin probt den platzsparenden Nahrungsmittelanbau mitten in der Stadt. Es gibt in Amsterdam noch viele weitere Projekte zu dem Thema. Auch die Städte Kopenhagen, Philadelphia und Portland (Oregon) planen die Einführung einer am Donut-Prinzip orientierten Ökonomie.

Nachdem mir noch die Jubelschreie im Ohr hallen, als bekannt gegeben wurde, dass sich das Wachstum im China im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr sich von der Pandemie erholt hätte und 18% betragen hätte, bin ich schon ein wenig erschrocken. Natürlich geht es bei Verlautbarung dieser Ziffern auch um Propaganda und im Vorjahr herrschte ja kompletter Lockdown an vielen Orten in China, daher ist die Basis für den Vergleich relativ niedrig! Aber unser Glaube an das „Wirtschaftswachstum“ ist schon noch sehr bedeutend.  

So eine Kreislaufwirtschaft, wie in der Donut Economy angestrebt, finde ich schon recht sinnvoll.  Das wäre dann ein regeneratives System, in dem Ressourceneinsatz und Abfallproduktion, Emissionen und Energieverschwendung durch das Verlangsamen, Verringern und Schließen von Energie- und Materialkreisläufen minimiert werden; dies kann durch langlebige Konstruktion, Instandhaltung, Reparatur, Wiederverwendung, Remanufacturing (Möglichkeit zur Aufarbeitung gebrauchter Geräte), Refurbishing (qualitätsgesicherte Überholung und Instandsetzung von Produkten zum Zweck der Wiederverwendung und -vermarktung) und Recycling erzielt werden. Das Recycling ist dabei zumeist das Mittel letzter Wahl. Das Gegenteil zur Kreislaufwirtschaft wird zumeist Linearwirtschaft (auch „Wegwerfwirtschaft“) genannt; es ist das derzeit vorherrschende Prinzip der industriellen Produktion. Dabei wird ein Großteil der eingesetzten Rohstoffe nach der jeweiligen Nutzungsdauer der Produkte deponiert oder verbrannt; nur ein geringer Anteil wird einer Wiederverwendung zugeführt.

Es würde mir sehr gefallen, wenn auch Wien – wie eben Amsterdam – derartige Donut-Economy-Projekt vorantreiben würde, sie müssten ja nicht gerade unter diesem Namen laufen.

Zur Donut-Economy

Zum Thema Geburtstage

Es gab in meinem Leben schon sehr viele Geburtstage, eigene, in der Familie, von Freunden.

Die spektakulärsten waren die „Runden“ meines Mannes. Diese Geburtstage wurden immer im ganz großen Kreis gefeiert. Die Familie, die Freunde (viele) und Vertreter aus Politik und Wirtschaft – in interessanten Lokationen, wie z.B. am Dach des Justizpalastes, im Lusthaus im Prater … Den letzten Geburtstag feierten wir dann noch im Refektorium des Franziskanerklosters. Mein Mann überlegte schon, wo der dann seinen Neunzigsten feiern würde, aber dazu ist es dann leider nicht mehr gekommen.

In meiner Kindheit wurden Geburtstag selbstverständlich wahrgenommen, ich bekam auch immer Geschenke von meinen Eltern – weniger von sonstigen Familienmitgliedern und Feiern wurden keine veranstaltet. Vielleicht war das erst auf den Krieg, und später dann auf die schwierige Nachkriegssituation zurückzuführen. Wenn auch unsere wirtschaftliche Situation prekär war: Geld für ein meist doch ein recht aufwändiges Geburtstagsgeschenk „fand“ meine Mutter immer! „Nachhaltig“ sollte es ein, also z.B. Silberbesteck für meine Ausstattung. Oder eine Goldmünze. (Naja, mein Enthusiasmus hielt sich in Grenzen.) Einmal, das war schon während meiner Studienzeit, ich verbrachte gerade ein halbes Jahr in Nancy, hat meine Mutter mir einen selbstgestrickten Mantel – blau – geschickt. Die Geburtstage meine Mutter habe ich (ebenso wie die Muttertage) gefürchtet, weil ich ihr nie „das Richtige“ geschenkt habe, egal was es war – gepflückte Vergissmeinnicht, gestohlener Flieder, später eine schöne Armbanduhr – nie war es „recht“. Immer wurde es entweder umgetauscht, lange unbenutzt aufgehoben und nie bedankt.

Die „normalen“ Geburtstage, also die nicht-runden eines Mannes und mir, wurden nicht besonders gefeiert, meistens kochte ich eine „Leibspeis“, wir tranken einen guten Wein dazu, und tauschten Geschenke aus (im schönen Einpacken dieser Geschenke war ich nie sehr gut). Was meine Geschenke anlangte, wurde ich meist gefragt, was ich mir denn so wünsche, ich nannte das Geschäft dazu, wo man es kaufen könne …

Diese Routine änderte sich dann, als unsere Kinder heirateten. Da kam dann plötzlich eine ganz andere „Feiertradition“ in die Familie. Erst waren wir von dem „Rundherum“ einigermaßen überwältigt, gewöhnten uns aber dann daran, ohne es vollständig für uns zu übernehmen.

Als wir dann viele Geburtstage in unserem Häusl in Pernitz feierten, kamen als Geschenke z.B. Pflanzen dazu. Ich war beglückt über eine Magnolie – die ich mir schon immer gewünscht hatte. Sieben Jahre hat sie gebraucht, bis sie dann endlich das erste Mal – ich glaube mich richtig zu erinnern – drei wunderschöne Blüten hervorgebracht hatte. Aber anderen diesbezüglichen Geschenken ging es leider nicht gut, z.B. der wunderschöne roten Trompeten-Jasmin, den ich unbedingt an der Hauswand sehen wollte, ging traurig ein.  Naja! Geburtstagsblumensträuße halten auch nicht ewig. Aber die Geburtstagsfeiern waren immer lustig, meist fanden sie im Garten statt.

Einmal hatten wir sogar eine Tradition gestartet. Meine Mutter war dreißig Jahre älter als ich, meine Tochter ist 30 Jahre jünger als ich. Somit haben wir den 80er meiner Mutter an ihrem Geburtstag im Mai gemeinsam gefeiert. Damals haben wir unsere gesamte Pernitzer Verwandtschaft, die ja sehr groß ist, meine Mutter hatte nämlich 5 Geschwister, dazu eingeladen.

Diese Tradition haben wir fortgesetzt und erweitert (bis uns halt dann Corona einen Strich durch die Rechnung machte). Jetzt umfasst diese Runde auch eine meiner Enkeltöchter, weil sie 20 Jahre jünger als meine Tochter ist, und einen Enkel der den 30er zu seiner Mutter erreicht hat. Und wenn man die „Halbrunden“ einbezieht, gehört auch mein Sohn dazu. Dieses Geburtstagsfest wollen wir vielleicht dann doch im Mai probieren …

Denn voriges Jahr, – da blieb – Corona-bedingt vom Geburtstagsfest nur die Liste aller jener übrig, die ich einladen wollte (leider musste ich schon einige wieder davonstreiche – die uns inzwischen für immer verlassen haben). Gefeiert haben wir dann aber dennoch schön, im Schönbrunner Schlossgarten hat meine Tochter für mich ein kleines familiäres Picknick veranstaltet, es hat rundherum geblüht, die Vögel haben gesungen …

Heuer verbringe ich den Tag weitgehend telephonierend (und im Internet),  es ist schön, wie viele alte Freunde sich dazu rühren. Und wunderschöne Blumen sind auch eingetroffen – sogar eine Bougainville ist darunter (hoffentlich kommt sie am Balkon durch!)

Wie viele Geburtstage ich noch feiern werde? Das überlasse ich vorläufig einmal dem Lieben Gott und hoffe doch auf noch einige, es müssen ja nicht alle meine eigenen sein!

Zum Thema Geburtstage

Was koch‘ ich?

Bei einer auf’s äußerste reduzierten Familienfeier

Heut wäre so ein Anlass – meine ganze Familie um mich zu haben. Naja, geht halt nicht. Daher kommen mein Sohn (getestet) und meine Tochter (geimpft)! Vielleicht später, wenn die Mehrzahl geimpft sein wird, kann es wieder ein großes Familientreffen geben. …

Wir fangen früh an, mit dem Essen. Damit das „Gelage“ dann nicht zu lange dauert – schließlich ist ja Lockdown.

Heute möchte ich etwas „Entsprechendes“ (?) kochen. Also erinnere ich mich – was haben wir „damals“ bei solchen Anlässen gerne gegessen?  Meist waren wir in einem italienischen Restaurant in der Annagasse und konnten im Freien sitzen. Erinnerungen, Erinnerungen ….

Manchmal waren wir nur zu viert unterwegs – mein Mann, mein Sohn meine Tochter und ich. Es waren jeweils Wochenenden. Es waren alle davon schöne, interessante Ausflüge, und lustig war’s auch. Einmal da waren wir in Triest. Herbst war’s, aber noch sonnig und warm. Und gut essen zu gehen, war einfach ein „Muss“. Und damals waren die „Kinder“ (aus unserer Sicht halt) so begeistert von Jakobsmuscheln.

Also hab‘ ich heute beschlossen eine Vorspeise aus „Meeresfrüchten“ – mit Jakobsmuscheln und Shrimps natürlich – gemischt mit Avocado auf Salat zu machen. Und hinterher, Spaghetti Vongole (Muscheln).  

Ein Essen, das man eigentlich nur bereits in Anwesenheit der Gäste kochen kann, aber das sollte keine Rolle spielen, man kann ja auch in der Küche beim Zubereiten tratschen und einen Prosecco dazu trinken.  Ob ich die Meeresfrüchte flambieren soll, wohl mit Grappa?

Jetzt muss ich nur noch einen guten italienischen Weißwein finden, in den Beständen, die noch mein Mann angelegt hat.

Hoffentlich gelingt alles, so wie die Gäste es erwarten.

Was koch‘ ich?

Zu den Verhandlungen zur Rettung des Atomdeals in Wien

April 2021

Gestern bin ich über den „Korso-Teil“ der Ringstraße gegangen, also vom Schwarzenbergplatz zur Kärntnerstraße.  Es war sonnig, es war kalt und ziemlich windig. Meine Platanen haben noch keine Blätter. Es war viel Polizei dort unterwegs, mitsamt ihren Mannschaftswagen.  Ich schlängelte mich durch. Da ich lauten Lärm hörte, wusste ich, dass eine Demonstration stattfand, keine große, aber eine laute. Bein Näherkommen sah ich, dass es Menschen waren, die für Freiheit für den Iran demonstrierten, mit Fahnen, Transparenten und Lautsprechern. Nicht in deutscher Sprache, ich nehme an, es war in Farsi.

Ich brauchte mich nicht lange zu fragen, warum hier? Denn ich gehe davon aus, dass in dem der Demonstration gegenüberliegenden Hotel die neuen Verhandlungen stattfinden, um den Iran Deal – aus dem Donald Trump ausgestiegen war, wieder zum Leben zu erwecken, oder wo vielleicht die iranische Delegation wohnt. Jedenfalls stand eine „Batterie“ von Journalisten (vor allem mit Kameras bewaffnet) vor dem Hoteleingang – in gebührendem Abstand natürlich.  

Ich habe ja auch die ursprüngliche Erstellung dieses Abkommens „mitbegleitet“, die damals im Palais Coburg stattgefunden hat. (Dort geht nämlich der Weg zu meinem Fleischhauer vorbei).

Warum geht es?

Der Iran will nach dem mutmaßlich israelischen Angriff auf seine Atomanlage in Natans den Grad seiner Urananreicherung auf 60 Prozent erhöhen. Nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Isna vom 13. April 2021 wird Vize-Außenminister Abbas Araghchi auch die Atombehörde IAEA davon in Kenntnis setzen. Iran hat bis jetzt sein Uran schon auf 20 Prozent angereichert, obwohl nach dem internationalen Abkommen von 2015 eigentlich nur weniger als 4 Prozent erlaubt sind. Angeblich ist der Iran nur mehr 3 Monate „von den Bombe entfernt“.

Teheran macht seinen Erzfeind Israel für den Angriff am Sonntag verantwortlich. Israel macht kein Hehl daraus, dass es das iranische Atomprogramm torpediert und an einem Erfolg der neuen Verhandlungen in Wien kein Interesse hat. Die Explosion von Natans erhöht denn auch den Druck der Hardliner auf den scheidenden Präsidenten Rohani, „angemessen“ zu reagieren und in Wien keine Zugeständnisse zu machen. So können aber die Sanktionen nicht aufgehoben werden, was wiederum Wasser auf die Mühlen der Hardliner ist, die die Konfrontation suchen. „Nach Natans“ sind die Wiener Verhandlungen jedenfalls noch komplizierter geworden.

Die Frage der Sanktionen gilt als besonders schwierig. Eine Verständigung hierüber „ist die essentielle Voraussetzung für einen Erfolg“, während bei dem, was Iran auf der „nuklearen Seite“ tun müsse, mehr oder weniger klar sei. In Wien dürfte es jetzt vor allem darum gehen, vom Abstrakten zum Konkreten zu kommen, also Sanktion um Sanktion zu behandeln. Es sind Hunderte an Sanktionen, die von der Trump-Administration eingeführt worden sind. Wenn die amerikanische Seite einfach den Text der Begründung ändern möchte, aber die Sanktion belassen, dürfte das den Iranern kaum genügen. Aber in der Biden-Regierung gibt es das Bedürfnis, die Vereinbarung „longer and stronger“ zu machen, also Fristen zu verlängern und auch Themen wie die Waffenentwicklung oder die destabilisierende Politik Irans einzubeziehen.

Araghchi ist derzeit in Wien, um die iranische Delegation bei den Gesprächen über die Zukunft des Atomabkommens zu leiten. Nach Angaben der iranischen Atomorganisation AEOI sollen die Vorbereitungen für die 60-prozentige Anreicherung in Natans noch am 13.04.2021 abends beginnen. Dieses höher angereicherte Uran soll für medizinische Zwecke verwendet werden. Gleichzeitig startet auch die Produktion der neuen Zentrifugen, die die bei dem Angriff beschädigten Teile umgehend ersetzen sollen. Iran hatte sich 2015 aber verpflichtet, den Anreicherungsgrad unter 4 Prozent zu halten. Doch nach dem 2018 erfolgten Ausstieg der Vereinigten Staaten aus der Vereinbarung – damals unter Präsident Donald Trump – kam Iran schrittweise seinen Verpflichtungen nicht mehr nach.

Zuvor schon hatte Teheran vor negativen Auswirkungen des Angriffs auf die Bemühungen zur Rettung des Abkommens gewarnt. „Der Vorfall in Natans erschwert die Verhandlungen“, sagte Außenminister Dschawad Sarif am Rande von Gesprächen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Lawrow warnte bei seinem Iran-Besuch sogar vor einem Scheitern der internationalen Gespräche. Russland zählt zu den Ländern, die sich um die Rettung des Abkommens bemühen, das 2015 zwischen Iran, den fünf UN-Vetomächten und Deutschland in Wien geschlossen worden war. Es soll sicherstellen, dass Iran nicht die Fähigkeiten zum Bau einer Atombombe erlangt. Nun laufen dazu neuerliche Verhandlungen.

Nach Angaben der iranischen Atomorganisation AEOI richtete der Angriff auf Natans keine größeren Schäden an. „Das war nur eine leichte Brise, die uns nicht mal zum Zittern bringt“, behauptete ein Sprecher. Die „New York Times“ hingegen berichtete unter Berufung auf amerikanische Geheimdienstler, die Uran-Anreicherung Irans werde um mindestens neun Monate zurückgeworfen.

Erst am Montag, dem 12. April hatte die EU schärfere Sanktionen gegen Iran wegen Verstößen gegen grundlegende Menschenrechte verhängt. Seit Montag stehen acht Vertreter der iranischen Sicherheitsbehörden wegen ihrer Rolle bei der Niederschlagung von Protesten im November 2019 auf der Brüsseler Sanktionsliste. Als Reaktion suspendierte Teheran den Dialog mit der EU zu Menschenrechtsfragen, zu Anti-Terror-Maßnahmen, zur Bekämpfung des Drogenhandels und zu Flüchtlingsangelegenheiten. Diese Angelegenheit werfe viele Fragen auf, kritisierte Lawrow. „Wenn es in der Europäischen Union keine Koordination gibt und die rechte Hand nicht weiß, was die linke macht, ist das eine Katastrophe.“ Wenn diese Entscheidung aber bewusst inmitten der Gespräche über eine Rettung des Atomabkommens getroffen worden sei, sei das ein Fehler.

Für mich ist es schön, im Sonnenschein am Verhandlungsort vorbei zu spazieren, denn diese Verhandlungen stell‘ ich mich schon sehr schwierig vor.

Mögen sie gelingen!

Zu den Verhandlungen zur Rettung des Atomdeals in Wien

Zur modernen Sklaverei

Das Thema „Sklaverei“ – in der Vergangenheit – wird heute eifrig „aufgearbeitet“. Das ist gut so, hat aber auch Konsequenzen, die für manchen unangenehm sein können. Sklaverei – darunter versteht man das Eigentumsrecht von Menschen über Menschen; sie war in den Sklavenhaltergesellschaften kulturell anerkannt und rechtlich abgesichert. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden der Sklavenhandel und die rechtlich legitimierte Sklavenhaltung in den westeuropäischen Staaten und ihren Kolonialgebieten zunehmend infrage gestellt, bekämpft und schrittweise verboten.

Ich meine aber, dass es heute die sogenannte „moderne Sklaverei gibt, und ich sehe es als unsere Pflicht, HEUTE etwas dagegen zu tun.  

Ein wenig zur „Gesetzeslage“:

Es gibt den Artikel 4 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.“ 1956 wurde es um das Zusatzübereinkommen über die Abschaffung der Sklaverei, des Sklavenhandels und Sklaverei-ähnlicher Einrichtungen und Praktiken ergänzt. Der Begriff der Sklaverei wurde in diesem Abkommen um Praktiken wie die Schuldknechtschaft, die Leibeigenschaft und den Verkauf von Frauen oder Kindern inhaltlich erweitert.

Bis es zu dieser Übereinkunft über die Menschenrechte 1948 gekommen war, gab es schon eine Reihe von internationalen Initiativen, die Sklaverei abzuschaffen: Im „Übereinkommen betreffend die Sklaverei vom 25. Sept. 1926“ des Völkerbunds verpflichteten sich die Vertragsstaaten schließlich, „Sklavenhandel zu verhindern und zu unterdrücken“ und auf die Abschaffung der Sklaverei in all ihren Formen hinzuwirken.

Da aber auch Zwangsarbeit zu Sklaverei-ähnlichen Tätigkeiten gehört, gilt seit 1930 ein Übereinkommen über Zwangs- und Pflichtarbeit der Internationalen Arbeitsorganisation. Zwangsarbeit wird darin definiert als „jede Art von Arbeit oder Dienstleistung, die von einer Person unter Androhung irgendeiner Strafe verlangt wird und für die sie sich nicht freiwillig zur Verfügung gestellt hat.“ Ausgenommen sind Arbeiten im Militärdienst, übliche Bürgerpflichten, Arbeit im Strafvollzug, notwendige Arbeit in Fällen höherer Gewalt und Arbeiten, die dem unmittelbaren Wohl der Gemeinschaft dienen. Das wurde 1957 ergänzt: Zwangsarbeit als Mittel politischen Zwanges oder politischer Erziehung oder als Strafe gegenüber politischen oder ideologischen Gegnern; als Methode der Rekrutierung und Verwendung von Arbeitskräften zur wirtschaftlichen Entwicklung; als Maßnahme der Arbeitsdisziplin; als Strafe für die Teilnahme an Streiks; als Maßnahme rassischer, sozialer, nationaler oder religiöser Diskriminierung.

Heute wird von moderner Sklaverei gesprochen, wenn eine Person zum Zweck der wirtschaftlichen Ausbeutung unter der Kontrolle einer anderen Person steht, welche Gewalt- und Machtmittel einsetzt, um diese Kontrolle aufrechtzuerhalten. Der Begriff der modernen Sklaverei ist allerdings nicht scharf definiert, sondern als Überbegriff für diverse Praktiken zu verstehen: Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Zwangsprostitution, Zwangsheirat, Menschenhandel. Dieses Konzept bezieht sich also auf vielfältige Situationen der Ausbeutung, die eine Person aufgrund von Drohungen, Gewalt, Zwang, Irreführung und/oder Machtmissbrauch aus eigener Kraft nicht verlassen kann.

Im Jahre 2007 setzte der UNO-Menschenrechtsrat erstmals das Amt eines Sonderberichterstatters zur Bekämpfung der zeitgenössischen Formen der Sklaverei ein.

Die Realität:

Aber die Realität sieht dann doch ganz anders aus. Es gibt weltweit nach wie vor verbreitete Formen von rechtswidriger extremer Ausbeutung, welche unter dem Sammelbegriff der „modernen Sklaverei“ zusammengefasst werden. Die modernen Formen der Sklaverei haben das gemeinsame Merkmal, dass sie gesetzlich verboten sind und daher größtenteils im Verborgenen ausgeübt werden. Am meisten verbreitet ist die Zwangsarbeit im privaten Sektor, wovon die Schuldknechtschaft etwa die Hälfte ausmacht. Deutlich weniger Menschen sind von staatlicher Zwangsarbeit betroffen – vergleichbar der Anzahl von Frauen, die zur sexuellen Ausbeutung gezwungen werden. Eine deutlich größere Anzahl von Frauen hat eine Zwangsheirat erfahren. Auch diese Kategorie gilt als Form moderner Sklaverei.

Heutzutage gibt es noch Reste der so genannten erblichen Sklaverei. Früher waren Kriegsgefangene, entführte Personen oder Schuldner in eine gesellschaftlich legitimierte Sklaverei geraten, worauf ihre in Gefangenschaft gezeugten Nachkommen ebenfalls das Stigma der Sklaverei trugen. Es heute selten geworden, aber noch immer vorhanden.

Weiter verbreitet ist heute die Schuldknechtschaft. Privatpersonen oder private Unternehmen bieten bedürftigen und oftmals perspektivlosen Privatpersonen Kredite zu überhöhten Zinsen an. Häufig wachsen die Schulden durch die Zinsen schneller als sie zurückbezahlt werden können. Dadurch kann ein Verhältnis der Zwangsarbeit entstehen: Die Schuldner sehen sich gezwungen, ihre Schulden abzuarbeiten, ohne reelle Chancen, dass dieses Ziel mit dem kleinen Verdienst zu erreichen ist. Die Arbeit findet häufig unter schlechten Arbeitsbedingungen, Gewalt oder Gewaltandrohung, Missbrauch und sexueller Ausbeutung statt. Schulden werden dabei auch über Generationen weitergegeben und bewirken dabei eine Form erblicher Sklaverei.

Internationalen Berichten zufolge werden weltweit rund 4,8 Millionen Menschen sexuell ausgebeutet, 99 Prozent davon Frauen. 21 Prozent der Opfer sind minderjährig. Menschenhandel zwecks sexueller Ausbeutung entsteht im Kontext von weltweit vorherrschenden Ungleichheits- und Machtverhältnissen und ist eng mit geschlechtsspezifischer Diskriminierung verknüpft. Frauen haben weltweit weniger Zugang zu Bildung und Erwerbsarbeit als Männer und tragen den Großteil der Verantwortung für ihre Familien. Dies macht sie verletzlich. Menschenhändler nutzen diese Verletzlichkeit aus.

Auch Zwangsheirat zählt als eine Kategorie der modernen Sklaverei. In ärmeren Familien werden die jüngeren Mädchen verkauft, um die Familie zu entlasten und zu versorgen, oder um Schulden zu begleichen. In Kriegsgebieten werden bisweilen Mädchen entführt, misshandelt oder an Kämpfende verheiratet.

Rund ein Viertel der modernen Sklaven sind Kinder[CC1] . Viele von ihnen schuften in Haushalten oder auf landwirtschaftlichen Betrieben und Plantagen, etwa zum Anbau von Kakao oder Baumwolle. Der Einsatz von Kindern als Soldaten gilt als extreme Form von ausbeuterischer Kinderarbeit.

Wir alle sind heute gefordert, dazu beizutragen, dass modere Sklaverei vermindert, bzw. ganz verhindert wird.


 [CC1]V

Zur modernen Sklaverei