Wir werfen zu viel weg – auch Brot

Ich bin in der Familie verschrien, dass es bei mir meist nur altes, hartes Brot gibt. Das stimmt aber nur zum Teil, bzw. zeitweilig. Ich kann Brot nicht wegwerfen. So wurde ich erzogen: altes weißes Bort wurde zu Bröseln gerieben, in Bröckerln geschnitten, die dann zu Semmelknödeln verarbeitet wurden. Altes Briochebrot wurde zu Scheiterhaufen (mit Äpfeln, köstlich!!) verwandelt. Mein Großvater hat Brot oder Gebäck, egal wie alt es war, in seinen Kaffee getunkt.

All das steht nicht auf meinem Arbeitsplan, aber z.B. gibt es zuweilen Brotsuppe, die ich sehr gerne esse, aber halt auch altes Brot (einmal ist sogar eine Brotschneidemaschine an meinem alten Brot gescheitert und hat den Geist aufgegeben).  

Als mein Mann noch lebte – der altes Brot auch verabscheute – kam öfters ein lieber Freund zu Besuch, der die von mir gesammelten Brotreste seinen Krähen verfütterte – auch gut (Hendln und Schweindln stehen halt diesbezüglich in der Großstadt nicht zur Verfügung). Fiakerpferde sind zu edel für Brotreste.

Jetzt, in der Wohngemeinschaft mit meinen zwei Enkeln ist die Lage noch etwas komplizierter geworden. Ihre Anwesenheit ist bestenfalls als „erratisch“ zu bezeichnen, besonders jetzt in der Pandemie, man fährt halt doch eher ungeplant (oder gibt die Pläne der Großmutter nicht unbedingt bekannt) ins Häusel aufs Land oder kommt überraschend von dort zurück. Dann sollte aber jedenfalls ausreichend Brot vorhanden sein, daher gibt es öfter frisches, aber auch altes Brot gleichzeitig in unserem Haushalt (ich esse das alte!).

Mir ist es ein Anliegen, dass Brot nicht weggeworfen wird, und auch von der Bäckerei meines Sohnes wird das übriggebliebene Brot an eine caritative Einrichtung geliefert.

In der „Neuen Zürcher Zeitung“ las ich kürzlich einen interessanten Artikel: „Unser täglich entsorgtes Brot: Wie in der Schweiz jedes Jahr Hunderttausende Tonnen Getreide verloren gehen“ und ich gehe davon aus, dass das bei uns in Österreich nicht viel anders abläuft. In diesem Artikel wird der Weg vom Getreidekorn bis zum Brot und seiner Verwendung beschrieben. Dort wird z.B. geklagt, dass mehr als die Hälfte der Ernte aber gar nie von Menschen gegessen, sondern zu Tierfutter verarbeitet wird, im Regal liegen bleibt oder im Abfall eines Haushalts oder eines Restaurants verschimmelt. Die Kosten für Umwelt, Gesundheit und Finanzen sind hoch – obwohl es Möglichkeiten gäbe, die Lebensmittelabfälle deutlich zu reduzieren.

Vermeidbare Abfälle werden auch Food-Waste genannt. Untersuchungen zeigen, dass mehr als ein Drittel der landwirtschaftlich produzierten Lebensmittel verloren geht, dazu gehören z.B. die falsch gekrümmte Gurke oder die braun gewordene Banane. Bei Brot und Backwaren – so wird geschätzt – werden fast 55 Prozent des dafür angebauten Getreides gar nie gegessen, das meiste davon geht in der Mühle, in der Gastronomie und in den Haushalten verloren.

Schon in den Mühlen bleiben also zahlreiche Kilogramm Korn auf der Strecke. Das liegt unter anderem an der Kleie. Diese entsteht bei der Produktion von Weißmehl, welches vorwiegend aus dem inneren Teil des Getreidekorns gewonnen wird. Die Kleie, bestehend aus verschiedenen Schalenschichten, wird als Tierfutter verwendet – obwohl die Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien für Menschen besonders gesund und nährstoffreich wären. Und diese Kleie wird zum Food-Waste gerechnet, worüber man zweifelsfrei streiten kann. Vollkornmehl ist einfach besser für den Menschen.

Fast keine Verluste entstehen beim Backen und im Detailhandel. Die großen Detailhändler sind offensichtlich darum bemüht, die Lebensmittelverschwendung beim Brot so gering wie möglich zu halten. Die enge Zusammenarbeit zwischen Detailhandel, Industrie, Logistik und Landwirtschaft ermögliche eine gute Sortimentsplanung, Überschüsse würden so Großteils vermieden. Dennoch wird versucht, bis Ladenschluss alle möglichen Brot- und Gebäcksorten anzubieten. Aber das geht nicht immer – irgendwann sind die Regale leer – das passiert auch mir zuweilen, wenn ich einfach knapp vor Geschäftsschluss noch einkaufen gehe.

Konsumentinnen und Konsumenten sind für einen Großteil der vermeidbaren Lebensmittelabfälle verantwortlich. In Restaurants, Hotels, Kantinen, Spitälern, Kiosken oder Tankstellen landen Brot und Backwaren im Abfall. Vor allem aber bei Privatpersonen: Am allermeisten Brot wird nämlich in den Haushalten weggeworfen. Der Grund dafür scheint darin zu liegen, dass die Menschen die Herstellung von Brot wenig schätzen, sie werfen schnell einmal Reste weg und kaufen ein frisches Brot. Zum Teil liegt es auch daran, dass Brot nicht teuer ist (der Brotpreis war in Österreich bis etwa in die 1970er Jahre hinein amtlich preisgeregelt). Haushalte investieren unter 10% durchschnittlich des Haushaltseinkommens für Lebensmittel, für Mobilität wird oft mehr ausgegeben. Mengenmäßig geht in den Haushalten also ein Fünftel der Gesamtproduktion verloren. Denn für das Brot, das hart wird und schließlich im Abfall landet, wurden viele Ressourcen aufgewendet. Beim Transport entstehen unnötige Treibhausgasemissionen, es müssen Düngemittel hergestellt werden, und es fallen Biodiversitätsverluste sowie ein hoher Land- und Wasserverbrauch an.

Doch jede und jeder von uns kann dazu beitragen, Brotabfälle zu vermeiden: Weniger kaufen, dafür dunkles Brot, das ist länger haltbar und auch gesünder. Brot sollte in kleineren Mengen gekauft werden. Würden wir nur noch Vollkornprodukte essen, könnte man einen Fünftel weniger Getreide anbauen, schätzen Experten. Unzählige Hektare würden frei werden – beispielsweise für Biodiversitätsflächen. Noch dazu wäre viel für die Gesundheit getan. Weniger Food-Waste bedeutet weniger Treibhausgasemissionen und einen kleineren Biodiversitäts‐Fußabdruck pro Person.

Aber nicht in jedem Haushalt gibt es eine Großmutter die gerne altes Brot isst und Reste auch verwertet.

PS: Über Brot habe ich schon geschrieben:

https://christachorherr.wordpress.com/2019/12/09/zum-brot-2/

Wir werfen zu viel weg – auch Brot

Räumen bringt neue Einsichten

Meine Entwicklung in und aus der Bildungsbürgerwelt

Gestern haben wir wieder geräumt – einer meiner Mitbewohner, mein Enkel, hat mir dabei geholfen. (Allein schaff‘ ich das nicht). Manches kann man problemlos entsorgen, sogar in großen Mengen – z.B. mehr als sieben Jahre alte Kontounterlagen etc., bei anderen ist es schon schwieriger. Soll ich jetzt wirklich alle die Karten aufheben, die ich zum Abschied aus dem Berufsleben bekommen habe? Nein war die Entscheidung, es reichen die Photos von damals. Aber es sind auch ganz andere Unterlagen darunter, die ich halt selbstverständlich genau durchschaue, bevor ich sie dem Müll überantworte. Da ist eine Mappe mit Themen, über die mein verstorbener Mann noch schreiben wollte. Ich habe sie aufgehoben, weil ich angenommen habe, darin Hinweise zu finden, worüber ich jetzt meine Blogs verfassen könnte. Und siehe da, wie sehr sich das, worüber ich schreibe, von jenem unterscheidet, worüber mein Mann schreiben wollte.

Dazu muss ich ein bissel ausholen: mein Mann – seit seinem 62. Lebensjahr halbseitig gelähmt – hatte zwar vor seiner Gehirnblutung die Redaktionscomputer benutzt, war aber nachher auf „Diktieren“ umgestiegen, und benutzte keinen Computer mehr (damals waren die Computer, denen man diktieren konnte, erst in den Anfangsstadien). Er wusste aber sehr wohl um den Nutzen dieser Technologie. Daher, wenn er eine Idee – meist für ein neues Buch, vielleicht später für einen Artikel im „Spectrum“ der Zeitung die Pressehatte, bat er mich „alles diesbezüglich Verfügbare“ aus dem Netz zu suchen und für ihn auszudrucken. Wir hatten einen großen Verbrauch an Drucker-Papier. Das heftete er dann fein säuberlich zusammen (das Nachfüllen der Heftmaschine war dann wieder meine Aufgabe).  Und wenn nicht gleich jemand fürs Diktieren zur Verfügung stand (eine Tätigkeit, die ich strikt verweigerte), wurde das in entsprechenden Mappen fein säuberlich abgelegt. Und es war eine dieser Mappen, die uns beim Entsorgen in die Hände fiel.  Und „ung’schaut“ wirft man nichts weg. Aber wie erstaunt war ich dann letztendlich, als ich feststellen musste, dass all diese Themen, zu denen mein Mann Unterlagen gesammelt hatte, nicht meine Themen sind: wie Bürgerlichkeit, Eliten, Hoi Polloi (bedeutet: die vielen oder im strengsten Sinne die Menschen. Im Englischen wurde eine negative Konnotation gegeben, um die Massen zu bezeichnen. Synonyme für hoi Pollok sind „die Plebejer“ oder „Plebs“, „der Pöbel“, „die Massen“ und „die Proles“), Sans Culottes (ohne Kniebundhose, Culotte, so wurden in der Zeit der Französischen Revolution (1789–1799) die Pariser Arbeiter und Kleinbürger bezeichnet, die im Gegensatz zu den von Adligen getragenen Kniebundhosen oftmals lange Hosen trugen. Die Sansculottes wurden politisch einflussreich, weil sie die Jakobiner unterstützten, allerdings verfolgten sie unterschiedliche politische Ziele).

Für mich ist es faszinierend bei mir selber festzustellen, wie ich mich von der „Bildungsbürgerwelt“ meines Mannes, der ich mich eigentlich zugehörig fühle, weg-entwickelt habe. Ich habe meinen Mann immer für seine Bildung und sein Wissen bewundert, bis dann die weitgehend erwachsen gewordenen Kinder frech bemerkten, „Bildung ist, was der Vater weiß“.

Wenn ich es so recht bedenke, war vieles, das ich gelernt und gewusst habe, in den Augen meines Mannes lange nicht relevant. Ich habe in der Frühzeit der technologischen Entwicklung und Nutzung der Computer mich bereits mit künstlicher Intelligenz auseinander zu setzen versucht, was von meinem Mann mit dem Bemerken „unnütz“ vom Tisch gewischt wurde. Sein Lieblingsspruch in diesem Zusammenhang war der Titel eines Buches „Digitale Demenz“, und damit war dieses Thema vom Tisch.

Eigentlich erst sehr spät in seinem Leben, als mein Mann schon gebrechlich geworden war – und ich begonnen hatte, zu schreiben, zuerst Bücher und dann den Blog, hat mein Mann anerkannt, dass ich bei manchen Dingen über mehr Wissen verfügte, als er. Das hat in sehr erstaunt.

Dass ich gesellschaftlich nicht den Rang meines Mannes hatte, hat mich nie sonderlich betroffen gemacht. Ich habe ihn eigentlich mein Leben lang als mein Vorbild betrachtet.  Wahrscheinlich ist diese mein Selbstbewusstsein eigentlich erst  zu Tage getretengetreten, als ich zu schreiben begonnen habe. Wahrscheinlich hätte mir mehr Selbstbewusstsein während meiner beruflichen Karriere geholfen, aber ich lebte halt in einer Zeit anderer Werte – die eine „Überlegenheit“ einer Frau (in der Ehe) nicht anerkennen konnte.

Die Zeiten haben sich geändert, Frauen haben heute einen anderen Stellenwert als zu meiner Zeit, ich bin sicher, dass meine Tochter, meine Enkelinnen und Urenkelinnen nicht mit diesem Problem konfrontiert sind – meines Wissens haben sie allerdings viele andere Probleme, die unsere Zeit jetzt bringt, mit denen sie fertig werden müssen, ob sie nun Frauen/Mädchen oder Männer sind.

Räumen bringt neue Einsichten

Wer leidet nicht unter dem Lockdown?

Was kann man dagegen tun?

Wie vielen anderen macht auch mich dieser lange Lockdown (der wiederum von so vielen nicht eingehalten wird) langsam trübsinnig. Ich gebe zu, es ist zwar verwerflich, aber ich neige derzeit zu Selbstmitleid. Aber eigentlich reicht es ja, sich nur ein wenig umzusehen, und Menschen wahrzunehmen, die noch sehr viel mehr Gründe zum Selbstmitleid hätten, als ich selber. Es gibt immer noch viele, denen es viel schlechter geht, als mir selber. Ich versuche es, als Trost zu sehen!

In Österreich, aber auch im restlichen Europa wird derzeit viel seitens des Staates für die „Alten“ getan. Man wird sie ziemlich bald gegen Corona impfen, vielleicht nicht nur ihretwegen, sondern auch um das Gesundheitssystem vor einem Kollaps zu bewahren. Ich gehöre zu der Gruppe, und ich bin doch recht zuversichtlich, innerhalb des nächsten Monats (wenn es nicht zu weiteren Lieferschwierigkeiten kommt), geimpft zu werden; angemeldet (on-line) habe ich mich schon.

Aber manchen Menschen fällt diese Anmeldung z.B. schwer. Das sind solche, die nicht als behindert gelten, aber von der Gesellschaft schwer behindert werden.

Stellen Sie sich vor: ein älterer Mensch, eventuell nicht so besonders gut zu Fuß, hört vielleicht etwas schlechter als andere, sieht nicht mehr ganz so gut wie früher, in seinen ihren/jüngeren Jahren. Möglicherweise gehören sie auch zu der Gruppe der Computer-Illiterates – und leben allein, vielleicht irgendwo am Stadtrand, im „Grünen“.

Wie geht es diesen Menschen: die naheliegende Bankfiliale hat schon lange zugesperrt, wenn sie Glück haben gibt es noch ein Bankfoyer, aber selbst da gibt einen keine Person, die angesprochen werden kann, die Hilfe leisten könnte. Briefkästen sind ja weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden, die Postfilialen werden geschlossen, oder durch automatisierte Versionen ersetzt, mit denen oben beschriebene Menschen einfach schwer oder gar nicht zurechtkommen können. Aber sie benötigen doch Briefmarken, weil sie ihre Korrespondenz noch immer nicht mit E-Mail abwickeln können. Viele Supermärkte verfügen nur mehr über eine besetzte Kassa, (vor der dann lange Schlangen stehen), aber man könnte doch die automatisierte Kasse benützen, wo man seine Produkte selbst einscannt.  Wie praktisch, für jene „gesellschaftlich-Behinderte“.

Die so behinderte Person hatte auch anfangs Schwierigkeiten, sich z.B. beim ersten Corona-Massentest anzumelden, das ging nur online (erst später dann auch telephonisch), aber zuweilen sind diese Telephone überlastet und man kann nur schwer durchkommen- dasselbe gilt jetzt auch für die Anmeldung für die Impfung.

Diese Menschen sind auf Verwandte oder Freunde, vielleicht sogar Nachbarn angewiesen, die sie aber im Lockdown nicht treffen sollen. Wie sollen diese Alten in dem lang andauernden Lockdown zurechtkommen?

Denn auch andere Gruppen, die vielleicht für die Unterstützung dieser durch das System behinderten Alten „zuständig“ wären, sind nicht minder betroffen. Ich möchte nicht in der Haut von Eltern stecken, beide – mehr oder minder – voll berufstätig, oder ein Teil alleinerziehend, natürlich auch vollberufstätig – im Home-Office arbeitend, mit zwei schulpflichtigen Kindern. Der Platz in der Wohnung ist wahrscheinlich beschränkt, in vielen Fällen kein Garten vorhanden, möglicherweise stehen Laptops nur für die Erwachsenen zur Verfügung. Normalerweise teilen sich zwei Großmütter die Kinderbetreuung – aber das geht jetzt nicht. Na diesen Stress in der Familie möchte ich mir gar nicht vorstellen.  Die Arbeit für die Eltern – im ungewohnten Umfeld – ist herausfordernd, die Kinderbetreuung samt Distance-Learning muss „zwischendurch“ erfolgten, und sollte geteilt werden, etwas, das zweifelsohne zu Auseinandersetzungen führen kann. Die Hausarbeit muss auch verrichtet werden. An wem sie „picken bleibt“, können Sie sich ausmalen. Wenn dann selbst nur ein leichter Corona-Fall in dieser Familie ausbricht, und das kann leicht der Fall sein, dann kommt noch eine Quarantäne für alle dazu – das möchte ich mir dann gar nicht ausmalen!

Aber auch eine weitere Gruppe, der es nach außen hin „gut zu gehen scheint“ und deren Probleme von anderen vielleicht als Luxusprobleme bezeichnet werden, geht es nicht so gut.  Jene, die im Herbst mit dem Studium angefangen haben, sich enthusiastisch auf das neue freie Studentenleben gefreut haben, sitzen jetzt zuhause, vor ihrem Laptop, folgen Webinaren, haben ihre Studienkollegen kaum kennengelernt, legen Prüfungen zu Hause an ihren Computern ab – (wenn sie diszipliniert genug dazu sind). Jetzt beginnen die für Studenten ziemlich langen Semesterferien, sonst stünden Schiurlaube, an – geht nicht, Reisen, vielleicht das nächste Semester im Ausland (mit Erasmus) – geht nicht, vielleicht ein Job um etwas Geld zu verdienen – gibt es nicht. Der Lockdown ist auch für diese von anderen als privilegierte Gruppe betrachtet, gar nicht so einfach.

Also finden wir uns mit der jeweiligen eigenen (trostlosen) Situation ab – sie dauert hoffentlich (!!!) nur mehr drei Wochen und denken wir an jene, denen es ungleich schlechter geht, als uns selber und derer gibt es sehr, sehr viele! Auch bei uns, in Österreich.

Wer leidet nicht unter dem Lockdown?

Wir alle wollen doch so bald als möglich in unser „normales Leben“ zurück

Warum wird es Menschen gestattet, durch ihre Handlungen diesen Prozess zu verzögern

Ich schicke voraus – ich bin kein Experte für Pandemien oder Verfassungsrecht – oder sonst irgendetwas, aber ich bin nur Dilettant in Sachen Hausverstand.

Also, Norbert Hofer (immerhin ehemals Präsidentschaftskandidat in unserem schönen Land) droht (!!) mit weiteren umfangreicheren Demonstrationen, weil jetzt von der Regierung verordnete Lockdown Maßnahmen herrschen und verlängert und verstärkt wurden.  Herbert Kickl (ehemals Innenminister!) will gegen Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) wegen Amtsmissbrauchs Anzeige erstatten.

Am vergangenen Wochenende fand eine Großdemonstration gegen Corona-Maßnahmen statt, bei der viele Menschen ohne Maske und ohne Abstand zu halten, laut schreiend um den Ring gezogen sind. Die Polizei schaute weitgehend – ohne einzugreifen – zu. Meines Erachtens gefährden diese Menschen sich und andere erheblich, da sie sich und andere bei dieser Demonstration angesteckt haben und das in ihre Familien, in ihre Arbeitsplätze weiterleiten werden.  Sie tragen dazu bei, dass die Maßnahmen, die sie angeblich bekämpfen, länger dauern werden müssen, dass Menschen zu Tode kommen, Firmen pleitegehen werden und Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. (Ich entschuldige mich, weil ich das  schon mehrfach geäußert habe.)

Jetzt frage ich mich, ist die Demonstrationsfreiheit „das höhere Gut“ als die Gesundheit der Mitbürger und Erhalt ihrer wirtschaftlichen Grundlagen? Ich finde, das gilt es abzuwiegen bei einer Genehmigung einer Demonstration, bei der man bereits im Voraus genau weiß, wie es zugehen wird? Handelt die Regierung nicht grob fahrlässig, wenn sie derartige Demonstrationen zulässt? Oder stecken andere Motive dahinter – man will die „blaue Klientel“, die die Türkisen gewählt hat, nicht vergrämen? Wäre es wirklich schändlich, derartiges in diesem Zusammenhang zu denken?

Und warum wurden die Demonstranten, die nicht einmal den berühmten Babyelephanten-Abstand eingehalten haben oder gar eine Maske getragen hätten, von der reichlich anwesenden Polizei nicht gleich aufgefordert, diese Demonstration umgehend zu verlassen und nach Hause zu gehen? Schließlich werden wir doch laufend alle aufgefordert, zu Hause zu bleiben, zu Hause zu arbeiten, zu Hause zu lernen? Diese Menschen haben sich nicht zur „Erholung“ im Freien getroffen. Oder muss ich annehmen (und ich hoffe sehr, dass ich mich irre), dass manche der Polizisten mit den Demonstranten einer Meinung sind?

Ich sitze verzweifelt zu Hause, versuche mich weitgehend an all die ausgegebenen Regeln zu halten, wobei ich zugebe, dass ich manche nicht verstehe und andere schlicht für falsch halte, und hoffe, möglichst bald aus diesem Schlamassel herauszukommen und andere brechen offensichtlich alle diese Regeln und sie kommen damit ungeschoren davon? In welchem „Rechtsstaat“ lebe ich denn?

 Meine Freiheiten werden laufend beschnitten – um die Gesundheit anderer nicht zu gefährden, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, aber diese anderen, diese haltlosen Demonstranten, dürfen unbestraft alle Regeln brechen?

Vielleicht waren viele dabei, weil endlich „etwas los war“, wo man einander treffen konnte, wo man sich eines Sinns mit vielen anderen sah. Man konnte Österreichfähnchen schwenken (wo kamen die nur plötzlich alle her) es gab ein “Miteinander“ (vielleicht egal, wofür oder wogegen?), das vielen von uns, schon lange so sehr abgeht.

Ich ersuche die Bundesregierung dringend, auf uns „Gesetzestreue“ endlich Rücksicht zu nehmen und uns vor diesen Covidioten zu schützen, die nur zur Verlängerung der Pandemie und der Gegenmaßnahmen beitragen.  Sollen sie glauben, was sie wollen, das sei ihnen unbenommen, aber verhindern Sie, dass sich diese hochansteckende Form – wo immer sie auch herkommt, aus England, Südafrika, Brasilien oder sonst wo – durch undisziplinierte Demonstrationen weiter exponentiell ausbreitet.

Gesinnung kann man nicht ausrotten (Dummheit leider auch nicht), aber Werbung dafür und damit Gefährdung der Mehrheit der Mitbürger muss verhindert werden.

Vielleicht muss das ein oder andere Gesetz geändert oder neu erfunden werden, Sie haben die Mehrheit – tun Sie es, und selbst wenn eine zwei Drittel Mehrheit erforderlich ist: ich vertraue noch immer auf die Vernunft der Parlamentarier.

Vielleicht wenden Sie ein, dass Sie, Mitglied der Bundesregierung, geklagt würden, sollte Sie diese Demonstrationen verhindern. Aber, siehe oben – Sie werden auf jeden Fall von den Hofers, den Kickls etc. geklagt werden. Ich vertraue der österreichischen Justiz – tun Sie das doch bitte auch!

Ich werde mich selbstverständlich zum frühestmöglichen Zeitpunkt impfen lassen und diesen Wunsch höre ich von vielen, vielen Seiten und jetzt ergeht meine Aufforderung  an die Medien, bringen Sie doch nicht bitte jede Meldung, die Menschen erschreckt und von einer Impfung abhält. Wir alle, die wir schon oft und klaglos geimpft wurden, wenn wir in ein fernes Land gereist sind, kennen die Tatsache, dass es Impfunverträglichkeiten gibt, und dass die aber selten vorkommen. Bitte „blasen“ Sie doch derartige Meldungen nicht auf!

Es tut mir leid, Sie immer wieder mit meinen Einwänden belästigen zu müssen, aber wir wollen doch alle ab Sommer 2021 unser „normales Leben“ zurück und um das zu erreichen, gilt es den „Verleugnern und Co.“ schnell und effektiv den Riegel vorzuschieben.

Wir alle wollen doch so bald als möglich in unser „normales Leben“ zurück

Reflexionen: War ich mutig – feig, angepasst – eigenwillig

Anhand von einigen Beispielen aus meinem Leben

In meiner Kindheit ertrug ich eines nicht – wenn jemand zu mir sagte „du bist feig“. Also z.B. Schulschikurs in Annaberg. Die Turnlehrerin, die als Schilehrerin fungierte, hatte uns Schülerinnen verboten einen Hang (naja, ein Hangerl) herunterzufahren. Irgendjemand aus meiner Klasse, die wohl wusste, wie man mich provozieren konnte, meinte, Du bist ja doch zu feig, hier herunterzufahren.  Mehr brauchte sie nicht sagen, natürlich fuhr ich hinunter. Passiert ist nichts, außer, dass ich einen Tag Hausarrest während des Schikurses hatte, was bitter genug war.

In meiner Jugend bin ich Bergsteigen gegangen, ja auch mit Pickel und Seil, ja, auch im Winter sind wir im Gebirge Touren gegangen. Und ganz ungefährlich war da auch nicht, besonders beachten mussten wir – hauptsächlich im beginnenden Frühling – die Lawinengefahr. Aber gefürchtet habe ich mich nicht. Klettern allerdings, hat mich nie gereizt – und das habe ich auch unterlassen.

Und als einem von mir erwarteten Standard nicht zu entsprechen ertrug ich auch nicht wirklich gut: es war während meines Studienjahres in den USA, in denn Semesterferien fuhren wir Studenten gemeinsam in den Yosemite Park, um schizufahren. Die Ausrüstung musste ich mir ausborgen. Von mir als Österreicherin erwartete man rasantes Schifahren (ich glänzte ja in sonst keinem Sport). Also was bleib mir übrig, als mich einen steilen Hang todesmutig hinunterzuwerfen – anfangs gings ja noch ganz gut, unten kam es dann zu einem Monstersturz und zu einem gebrochenen Knöchel (den man doch auf die ausgeborgte, nicht passende Ausrüstung schieben konnte). Die Ehre war gerettet und der Unfall nicht ganz so arg.

Es gibt alltägliche Dinge, die ich in meinem Leben einfach nie gemacht habe:

Das kommt mir jetzt in Corona-Zeiten zugute: ich habe nie in meinem Leben meine Haare gefärbt oder färben lassen. Der Grund dafür ich glaube, dass man das natürliche Gleichgeweicht seines Aussehens – der Farben der Haut, der Augen etc. stört, wenn man färbt. Früher war meine Haarfarbe dunkelbraun – mit hellen Streifen im Sommer, durch die Sonne. Als ich langsam anfing, grau zu werden, haben mich meine Freundinnen bestürmt, doch nicht „alt aussehen“ zu wollen.  Ja, vielleicht hat das eine Weile auch gestimmt, denn es hat mich schon getroffen, als mich ein Bekannter meiner nur 5 Jahre jüngeren Freundin als deren Mutter angesehen hat. Aber meine Haltung hat auch dieser „Tiefschlag“ nicht geändert. Auch ein andermal – viel später, als eine andere Freundin ausrief: „jetzt weiß ich, warum du so anders ausschaust, du bist ja ganz weiß geworden“, hat mich das einigermaßen schockiert. Inzwischen haben sich alle meine Freunde und Freundinnen an meine kurzen weißen Haare gewöhnt, und ich muss nicht drei Stunden lang beim Friseur sitzen, um immer wieder meine Haare färben zu lassen. (Jetzt wäre ich schon dankbar, wenn die die Friseure aufsperren dürften, denn jetzt schauen die kurzen Haare schon sehr „ausgewachsen“ und damit ungepflegt aus)

Ich war auch noch nie in meinem Leben in einem Solarium. Kürzlich habe ich den Medien entnommen, dass der Solarium Besuch eine Zeitlang sehr in Mode war, dann später erheblich zurückgegangen sind, viele derartige Institute mussten zusperren oder „umsatteln“, aber jetzt, in Corona-Zeiten, in denen winterliche Fernreisen nicht möglich sind, ist der Zulauf angestiegen, denn viele Menschen möchten „wie nach einem Urlaub“, also gebräunt aussehen. Manche Hotels, in denen wir einen so genannten Wellness-Urlaub (mein Mann wollte abnehmen) verbracht hatten, verfügten über derartige Geräte, ich konnte sie genau inspizieren, aber hinein gelegt habe ich mich nie, mich haben diese Geräte immer an die antiken Särge erinnert, die man in Museen oder Ausgrabungsstätten sehen kann. Außerdem habe ich gelernt, dass „zu viel Sonne“ der Haut auch nicht so besonders guttut.

Mit einem Motorrad bin ich auch nie gefahren. Mir fehlt auch die Voraussetzung dazu: ich habe weder ein Motorrad noch einen Motorradführerschein. Nach ganz wenigen Fahrradversuchen meiner Kindheit hatte ich Zwei-rädrigen Fahrzeugen eher misstraut. Besonders beim motorisierten Fahren habe ich gerne eine solide Schutzschicht um mich. In meiner Jugend bin ich zwar (im Damensitz) schon auf einer Vespa oder einem Puchroller mitgefahren, einmal ist das auch ein wenig schief gegangen, der Fahrer ist in einer Straßenbahnschiene gerutscht und wir sind mit dem Ding umgefallen. Außer, dass wir etwas schmutzig waren, ist uns nichts passiert, aber wir waren ohnedies am Weg zum Schinakel-Fahren an der Alten Donau.  Viel später dann bin ich bei einem meiner Mitarbeiter mit dessen Motorrad unter lautem Gejohle der anderen Kollegen vom Büro zu einem gemeinsamen Festl (traditionelles gemeinsames Ganslessen) mitgefahren (mit Helm!).

Im Alter fragt man sich dann zuweilen – sein Leben reflektierend: war ich feig, war ich mutig, war ich angepasst, war ich aufmüpfig? Es wird wohl von allem ein wenig gewesen sein ….

Reflexionen: War ich mutig – feig, angepasst – eigenwillig

Das römische Mautern, der Weinbau an der Donau und der heilige Severin

Es ist ziemlich selten geworden, dass ich kurz aus Wien hinauskomme, und desto aufmerksamer nehme ich die Umgebung wahr, in der ich mich dann gerade befinde – und dazu fällt mir dann natürlich einiges ein. Als wir an einer Tafel „Mautern“ vorbeigefahren sind, und sich in der Umgebung viele Weinberge befunde haben, ist mir durch den Kopf gegangen, dass es ja die Römer waren, die den Wein nach Österreich (also damals Noricum, im ersten Lateinbuch: Austria Romana) gebracht haben. Das gesamte Territorium des heutigen Österreich stand unter dem direkten oder indirekten politischen Einfluss Roms. Alle Gebiete diesseits (südlich) der Donau waren ab dem ausgehenden 1. Jahrhundert v. Chr. Teil des Imperium Romanum und gehörten zu den römischen Provinzen Rätien, Noricum und Pannonien. Hingegen lagen das Mühl-, Wald- und Weinviertel nördlich der Donau im so genannten Barbaricum, standen also nicht direkt unter römischer Verwaltung. Immer wieder überschritten römische Truppen den Donaulimes, um Einfälle oder Bedrohungen aus diesem Gebiet zu bekämpfen. Meist aber pflegten die über dem Fluss ansässigen germanischen Stämme rege friedliche Beziehungen zum Römischen Reich. Ursprünglich ansässig in dieser Gegend waren wohl die Kelten gewesen. Aber über 600 Jahre dominierten die Römer.

Der größte Teil des heutigen Österreich wurde um 15 v. Chr. ins Römische Reich eingegliedert. Der römische Kaiser Claudius richtete während seiner Herrschaft (41–54 n. Chr.) die römische Provinz Noricum ein, deren Grenzen im Norden bis zur Donau, im Nordosten bis zum Wienerwald, im Osten etwa entlang der heutigen steirischen Ostgrenze sowie im Südosten und Süden jenseits von Eisack und Drau verliefen. Mit den Römern fand in den Provinzen Noricum und Pannonien der Weinbau rasch Verbreitung. Cassius Dio, römischer Senator, Konsul, Schriftsteller und Geschichtsschreiber, war unter anderem Statthalter von Pannonien und Dalmatia und beschrieb die Qualität des pannonischen Weinbaus als schlecht. Das hat sich aber seither gründlich geändert!

Im Jahr 470 wurden Rebflächen bei Mautern erwähnt. Der Fund eines Winzermessers in Lauriacum, einer römischen Siedlung im Bereich von Lorch, einem Stadtteil des heutigen Enns in Oberösterreich gilt ebenfalls als Beleg des frühen Weinbaus zur Zeit der Römer. Erst der Babenberger Heinrich II. „Jasomirgott“, der im Jahr 1145 Wien zu seiner Residenz erhoben hatte, und stärkte wiederum den Weinbau.

Mautern war zur Zeit der Römer eine bedeutende Siedlung, da sie an einer wichtigen Handelsroute (Eisen/Salz) und direkt an der Nordgrenze zu den germanischen Völkern lag. Der römische Name für Mautern lautete wahrscheinlich „Favianis“ oder „Favianae“. Das Kastell Favianis schützte einen wichtigen Flussübergang (möglicherweise eine Furt) am östlichen Ausgang der Wachau. Seine größte Bekanntheit erlangte Favianis in der Spätantike schon am Ende der Römerzeit in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts, als Severin von Noricum hier ein Kloster gründete.

Über Severins von Noricum (Severinus; * um 410; † 8. Januar 482 in Favianis) Abstammung ist wenig bekannt. Seine Sprache war angeblich die eines „ganz und gar lateinischen Menschen“. Daraus und aus weiteren Indizien wird gefolgert, dass Severin aus Italien stammte und dass seine Familie einer vornehmen, gebildeten Schicht angehörte. Da er Auskunft über seine Abstammung aus Bescheidenheit verweigerte, ist davon auszugehen, dass er der politischen Führungsschicht entstammte. Seine Ausbildung als Mönch erhielt er im Osten des Reichs bei den in der Wüste lebenden Einsiedlern. Nach dem Tod des Hunnenkönigs Attila im Jahr 453 kam er von Pannonien nach Ufernoricum (der römischen Provinz nördlich der Ostalpen), die zu jener Zeit bereits durch den Zerfall des Weströmischen Reiches infolge der Völkerwanderung bedroht war. Severin hielt sich hauptsächlich im Donauland zwischen Carnuntum im Wiener Becken und der Gegend von Passau auf.

Zunächst trat Severin offenbar im Gebiet Niederösterreichs in Erscheinung, er unterstützte und bestärkte demnach zunächst deren romanische Bevölkerung angesichts der ständigen germanischen Überfälle, organisierte dann aber ihre Evakuierung nach Lauriacum (Lorch) an der Enns, bald wegen anhaltender Bedrohungen weiter zurück in die niederösterreichische Nachbarschaft seines früheren Wirkungsorts Favianis.

Severin bekleidete selbst kein Amt, sondern scheint auch nach der Konventsgründung weiter als Anachoret (ein Mensch, der sich aus persönlichen Gründen aus der Gemeinschaft, der Chora, zurückzog) gelebt zu haben. Er betätigte sich als Mahner, Helfer und Seelsorger, setzte sich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ein und organisierte Lebensmittel- und Kleiderlieferungen. In den Jahren 469/470 erlangte er vom alemannischen König Gibuld, den er im Gebiet von Passau traf, die Freilassung römischer Kriegsgefangener. Sein entschiedenes Auftreten im Umgang mit Herrschern zeugt von seiner außergewöhnlichen persönlichen Autorität.

Severin starb also 482 in Favianis. Den eigenen Todestag 8. Jänner wie auch die Entvölkerung von Ufernoricum durch Abzug der Einwohner soll er vorausgesagt haben. Der von ihm gegründete Konvent schloss sich dann einem Zug über die Alpen an, den Hunulf 488 im Auftrag seines Bruders Odoaker durchführte, und siedelte samt den Gebeinen Severins nach Italien über.

Neuer Standort der Gemeinschaft wurde Castellum Lucullanum bei Neapel. Die Gebeine des Severin scheinen bis nach der Konventsgründung in Neapel gelagert worden zu sein. Von dort kamen sie nach Lucullanum. Die Reliquien des heiligen Severinus wurden seit dem Jahr 902 in der Kirche des bedeutenden Benediktinerklosters Santi Severino e Sossio in Neapel aufbewahrt, von wo sie 1807 in die Pfarrkirche von Frattamaggiore in Kampanien überführt wurden, wo sie bis heute liegen.

Was einem so bei eiern Fahrt durch Niederösterreich – bei der heute fast blauen Donau – durch den Kopf geht.

Das römische Mautern, der Weinbau an der Donau und der heilige Severin

In den Wintern meiner Kindheit gab es noch Eisstöße auf der Donau

Ein Spektakel, das sich in Zukunft wahrscheinlich nicht wiederholen wird.

Nachdem heute am Vormittag der Winter einen Versuch in Wien unternommen hatte, die Stadt in den Griff zu bekommen, er war ohnedies nicht erfolgreich, nachmittags war in der Stadt schon wieder aller Schnee weg, habe ich mich daran erinnert, dass mich mein Vater im Jänner 1940 mitgenommen hat, um den Eisstoß auf der Donau zu bewundern.  Damals war ich 5 Jahre alt. Schön anzuschauen waren die bizarren Formen schon gewesen, aber ich begleitete meinen Vater nicht auf das Eis, da war ich zu furchtsam dazu. In den Morgenstunden des 23. Jänner 1940 hatte der größte Eisstoß seit dem Jahr 1929 die Wiener Reichsbrücke erreicht – ein Ereignis, das die uns folgenden Generationen nie mehr beobachten werden können. Denn seit Ende der 1940er Jahre steigen die Wintertemperaturen deutlich an und die Donau und andere große Flüsse frieren nicht mehr langanhaltend zu. Der letzte auffallende Eisstoß fand in Wien im extrem kalten Ausnahmewinter 1955/1956 statt.

In früheren Jahrhunderten gehörten Eisstöße und die damit verbundenen Hochwasserkatastrophen für die Bevölkerung zum Alltag. Die Donau fror regelmäßig zu und Berge von Eisschollen verhinderten den Schiffsverkehr. Dauerte die Kälte lange genug an, türmten sich die Schollen oft meterhoch übereinander – das war der Eisstoß. Sobald das Tauwetter einsetzte, rissen die Schollen Brücken nieder und Hochwasserfluten überschwemmten das besiedelte Gebiet.

Besonders schrecklich war jenes, das 1830 stattfand. Als da der Eisstoß aufbrach, drangen Wasser und Eis mit Wucht in die Wiener Vorstädte ein. Das Ergebnis: 74 Tote und 681 schwer beschädigte Häuser. Aber schon vorher war über Eisstöße berichtet worden: 29. Februar 1784: Das größte Hochwasser des Jahrhunderts, verursacht durch plötzliche Schneeschmelze und Eisstau! Das Vieh in der ganzen Au ertrank …

Durch den schnurgeraden Verlauf der Donau nach ihrer Regulierung in den 1870er-Jahren hoffte man, durch die damit einhergehende Erhöhung ihrer Fließgeschwindigkeit verheerende Eisstöße verhindern zu können. Aber das war nicht ganz gelungen: Aufgrund langanhaltender Minusgrade (bis zu -29 Grad Celsius) begann sich am 9. Februar 1929 bei der Reichsbrücke ein gewaltiger Eisstoß aufzubauen, welcher zwei Tage später Kritzendorf erreichte und sich über Tulln bis nach Krems über 40 km fortsetzte. Die Donau war von Ungarn bis zur Wachau völlig erstarrt. Am 11. März 1929 war die Donau auch von Neuburg bis Passau zugefroren. Die am 11. März in Bewegung gekommenen Eismassen zerstörten Brücken sowie die Fähre zwischen Korneuburg und Klosterneuburg. 1929 war die Donau auch zwischen der Wachau und Bratislava zugefroren. Der Eisstoß war für fast einen Monat lang die Hauptattraktion der Stadt und Schaulustige pilgerten in einem Ausmaß zu dem Naturschauspiel, dass ein Sonderzug nach Heiligenstadt installiert wurde. Sichere Fußpfade wurden quer über die Donau gelegt und zahlreiche Ansichtskarten angefertigt.

Ein Highlight war sicherlich die Aktion des Vereines „Verkühle dich täglich“, welcher am 12. Februar bei der Reichsbrücke ein Loch in die Eisdecke schlug, in welchem sich einige wagemutige Frauen und Männer unter ärztlicher Aufsicht erfrischten. Obwohl sich die Eisschollen am Nussdorfer Wehr bis zu 10 Meter hoch türmten, blieb das befürchtete Hochwasser aus. Am 15 März um genau ein Uhr setzte sich der Strom schließlich wieder in Bewegung.

Eisstöße entstehen durch bestimmte Wettereinflüsse, meist auf Bächen oder Flüssen. Wenn nach einer längeren Kälteperiode, in der die Gewässer dicker gefroren sind, eine schnelle Erwärmung eintritt, brechen die Platten an der Wasseroberfläche. Wenn keine Hindernisse im Fluss sind, so können diese Eisplatten ohne weiteres weggeschwemmt werden (Treibeis). Stoßen diese jedoch auf eine gefrorene Eisdecke, so stauen sich die Eisplatten zurück und können sich sowohl in die Höhe als auch unter das Wasser Richtung Grund aufstapeln. Sie kamen sowohl bei großen Flüssen, wie der Donau, aber auch bei kleineren, wie an der Großen Krems oder der Thaya im niederösterreichischen Waldviertel vor.

Auf Ozeanen und Seen können die Eisschollen durch anhaltenden starken Wind, Temperaturdifferenzen oder Strömungen an die Küste getrieben werden, wo sie sich zu über 12 Meter hohen Eiswällen auftürmen können. Bekannt sind Eisstöße nur auf der nördlichen Erdhalbkugel.

Die Eisstöße können so anwachsen, dass das Wasser nicht mehr abfließen kann und sich zurückstaut, was in der Folge zu Hochwasser im oberen Uferbereich führen kann. Wird der Wasserdruck so hoch, dass der Eisstoß von alleine bricht, so kann unterhalb eine Flutwelle entstehen. Da sich die Eisstöße auch bei Brückenpfeilern bilden können, kann der Wasserdruck so ansteigen, dass Brücken beschädigt oder zerstört werden. Eisstöße können oft nur durch eine Sprengung aufgelöst werden, da man mit üblichen Baumaschinen nicht in das Gewässer vordringen kann. Da der Eisstoß ständig in Bewegung ist, stellt ein Bearbeiten eine große Gefährdung dar.

Auf stehenden Gewässern kann das meterhoch aufgetürmte Eis weiter ins Landinnere gedrückt werden und dann schwere Schäden an küstennahen Gebäuden und Bäumen verursachen. Zeugen berichten, dass solche Eisstöße Geräusche ähnlich eines Zuges oder Donners verursachten

In der Vergangenheit stellten Eisstöße auf den Flüssen eine Gefahr für Schiffmühlen dar und zerstörten solche wiederholt, was zur Folge hatte, dass Mühlkanäle angelegt und die Schiffmühlen durch ortsfeste Landmühlen ersetzt wurden.

Ich bin dankbar, dass ich einen derartigen Eisstoß sehen durfte, aber eigentlich geht er mir heute nicht besonders ab. Ich weiß aber sehr gut, dass dieses Fehlen auf den höchst bedauerlichen Klimawandel zurückzuführen ist.

In den Wintern meiner Kindheit gab es noch Eisstöße auf der Donau

Oh, wie schön ist Panama

Viele von uns können sich vielleicht an dieses Kinderbuch erinnern, weil es ihnen vorgelesen wurde oder weil sie es selbst Kindern und Enkelkindern vorgelesen haben. Es wurde von Horst Eckert alias Janosch geschrieben und ist am 15. März 1978 erschienen.

Das können Sie jetzt überspringen, wenn Sie das Buch halb auswendig können:

Die zwei Freunde Kleiner Tiger und Kleiner Bär leben glücklich in einem Häuschen in der Nähe eines Flusses. Der kleine Bär ist leidenschaftlicher Fischer, und der kleine Tiger ist ein versierter Pilzsammler, der eine kleine gelbschwarz gestreifte Holzente mit Rädern besitzt. Er nennt sie deshalb „Tigerente“. Eines Tages fischt der kleine Bär eine leere Holzkiste mit der Aufschrift „Panama“ aus dem Fluss. Er schnuppert an der Kiste, und sie riecht nach Bananen, und er beschließt, dass Panama das Land seiner Träume sei. Der kleine Bär erzählt seinem Freund Kleiner Tiger phantasievoll, dass Panama ein Ort sei, wo alles besser, größer und schöner als zuhause sein soll und dass sie nun in dieses Land reisen sollen. Am nächsten Tag machen sich die beiden mit einem Kochtopf, einer Fischerrute, einem Hut und der Tigerente auf den Weg nach Panama. Zuerst fertigen sie aus der Kiste einen Wegweiser und gehen in die gezeigte Richtung. Während ihrer Reise treffen sie auf die verschiedensten Tiere. Die meisten wissen nicht, wo Panama liegt, und einige geben ihnen falsche Richtungsangaben. Die beiden Freunde laufen durch diese Angaben im Kreis herum und kommen schließlich wieder in ihrem alten Zuhause an. Da in der Zwischenzeit ihr Haus durch die Witterung angegriffen aussieht, die Brücke nicht mehr vollständig intakt ist und die Bäume und Sträucher beträchtlich gewachsen sind, ist ihnen nicht bewusst, dass sie wieder in ihrem ursprünglichen Zuhause angekommen sind. Sie finden auf dem Boden vor ihrem Haus den Wegweiser mit der Aufschrift „Panama“ und glauben deshalb, tatsächlich an ihrem Ziel angekommen zu sein. Sie reparieren das Haus und sind glücklich, endlich im Land ihrer Träume zu sein.

Und warum ich Ihnen gerade jetzt diese bezaubernde Geschichte ans Herz lege? Jetzt, als gerade wieder die „Mächtigen“ über eine Lockerung, Verlängerung, Intensivierung des Lockdowns beraten, und wir alle diesen Lockdown so satthaben, könnten wir darüber nachdenken, wo sich denn unser „Traumort“ befindet?

Für viele wäre es derzeit vielleicht in Ort hoch in den Bergen, wo es zahllose Aufstiegshilfen gibt, und man mit den Schiern, dem Snowboard oder der Rodel herunterflitzen kann – dann schauen Sie hinaus, draußen schneit es, es wäre ziemlich kalt dort (-12°) und ein eisiger Wind fegte über die Berge, die Lawinengefahr wäre hoch – also vielleicht würden Sie sich von dort in die warme gemütliche Stube, also in Ihr Zuhause sehnen.

Für andere wäre der Traumort – eine tropische Insel, mit einem endlosen Sandstrand, mit Palmen, die das Ufer säumen, mit sanften Wellen in einem azurblauen Meer. Jetzt überlegen Sie einmal, wie lang dauert ein Flug dorthin, wie unbequem sitzt man in Flugzeugen, wie lange muss man auf Anschlussflüge warten, bis man endlich auf der Trauminsel angekommen wäre. Und würde Ihnen dort nicht das Schnitzel und der Gurkensalat abgehen?  Und dann noch die vielen unbekannten Fische im Meer, die Sie anstupsen, während Sie schwimmen, wäre da nicht eine von diesen lästigen Quallen darunter, durch deren Berührung Sie den grauslichen Nesselausschlag bekämen. Würden Sie sich dann – auf einer Krankenstation der Nachbarinsel liegend, nicht nach Hause, in ihr gemütliches Heim wünschen?

Es gibt höchst unterschiedliche Traumorte, wohin sich manche Menschen „hinwünschen“.  Für meinen verstorbenen Mann war es Angkor Wat, diese faszinierende Tempelanlage der Khmer in Kambodscha.  Durch die Nähe zum Äquator herrscht dort ein tropisch feuchtwarmes Klima. Diese Wege durch die Anlage sind extrem holprig, Wurzeln der sich immer mehr ausbreitenden Bäume heben die ursprünglich gelegten Platten auf, die Stufen zu den Anlagen sind äußerst hoch, gerade, wenn Sie diese in der feuchten Hitze zu erklettern versuchten, würden Sie nicht an Ihren gemütlichen Fauteuil zu Hause denken, während sie dort einen Film über Angkor Wat ohne viel Anstrengung ansehen könnten, der mehr zeigte, als Sie hier in der brütenden Hitze wahrnehmen könnten.  

Einer meiner nie erreichten Traumorte ist Machu Picchu, eine von den Inka gegründete Stadt hoch in den peruanischen Anden. Die Stadt liegt auf 2400 Metern Höhe, ich bin nicht ganz sicher, wie gut ich diese Höhe vertragen würde. Und die Anreise wäre – auch ohne Corona-Restriktionen – ziemlich beschwerlich. Und das wirklich Interessante, das Herumstreifen zwischen den Ruinen würde mich wahrscheinlich ziemlich überfordern, daher sitze ich lieber in meiner warmen Stube und lese ein interessantes Buch über die Inkas und ihre Kultur.

Ja, und weil man in diesen Tagen dringend Freunde/Verwandte  braucht, Freunde, mit denen man vieles gemeinsam hat, oder mit denen man vieles gemeinsam erlebt hat, werde ich dann anfangen zu telephonieren, aus meinem Panama, meinem Traumort: zu Hause.

Oh, wie schön ist Panama

Gedanken zur Netflix-Serie „The Crown“

Vielleicht bin ich diesbezüglich ein wenig spät dran, und Sie haben das alles schon längst gesehen. Aber früher, also vor langer, allzu langer Zeit, habe ich Ihnen von Restaurants berichtet, habe ich Museumsbesuchte geschildert, und über Theateraufführungen meine Meinung abgegeben. Sogar Kinofilme waren es manchmal wert, sie zu erwähnen. Damit ist in Corona-Zeiten (und schon gar in Zeiten von B.1.1.7.) vieles, ja fast alles, weggefallen, das vielleicht auch für Sie von Interesse gewesen wäre.

Das Fernsehprogramm bietet (zu den Zeiten, zu denen ich schaue) meist irgendwelche „Kriminalserien“ oder zuckersüße Liebesgeschichten, die eher Jungmädchenträumen vergangener Zeiten entsprechen, als mich zu interessieren – also auch nichts Berichtenswertes.

Meine Enkel haben mir nun Netflix eingerichtet. Anfangs wollte ich mir „House of Cards“ ansehen, aber da hat mir die erste Folge gründlich missfallen, außerdem habe ich das zugrundliegende Buch bereits gelesen, also war mein Interesse daran enden wollend. Es gibt interessante Dokus dort, aber dazu braucht man gute Beratung, um sie zu finden.

Also verließ ich mich auf die die Ratschläge der Familie und begann mir Folge für Folge (jeweils zwei pro Abend) „the Crown“ anzusehen. Jetzt bin ich „durch“ – und hoffe, dass irgendwann eine neue Staffel kommt, zeitlich gibt es ja noch viel Luft nach oben, wir halten bei Ende der Thatcher Periode.

Gefallen hat es mir schon, obwohl die ein oder andere Folge mir doch ein wenig fad war. Denn ich bin weder an Hunden, noch an Pferden und schon gar nicht an der Jagd interessiert. Also vielleicht der Reihe nach: aufschlussreich waren die Rückblenden auf den Herzog von Windsor, manches daran (also an seiner Nazi-Verwicklung) habe ich in diesem Detail nicht gewusst. Interessant fand ich auch die Folge der Premierminister, wobei manche kaum in der Serie aufgetreten sind: Clement Attlee, Winston Churchill, Anthony Eden, Harold MacMillan, Alec Douglas-Home, Harold Wilson, Edward Heath, James Callaghan, Margaret Thatcher. Verstörend fand ich die Erziehungsmethoden, die sowohl Prinz Philip als auch sein Sohn erleiden mussten. Andererseits fand ich wiederum das Portrait, das von der Mutter von Prinz Philip gezeigt wurde, eher berührend.

Etwas gefehlt haben mir z.B. die Darstellung politischer Umwälzungen wie z.B. der Irlandkonflikt, die Bergarbeiterstreiks etc., die eigentlich nur am Rande erwähnt wurden. Ebenso der Abbau des Sozialsystems. Zu breit wurden und werden für mich die „emotionalen Probleme“ in der Königsfamilie dargestellt – also die Wirren um Prinzessin Margaret, oder später das Ungemach von Prinzessin Diana. Überhaupt kommt – für meinen Geschmack – viel zu viel „Fiktion“ in die Darstellung, wer hat denn gelauscht als die jeweils handelnden Personen miteinander gesprochen haben. Das betrifft auch den Einbrecher in den Palast. Das könnte doch so – oder auch ganz anders abgelaufen sein.

Manche Personen kommen ganz schlecht weg, z.B. Margaret Thatcher, da habe ich den Film „die Eiserne Lady“, in dem sie von Meryl Streep dargestellt worden war, viel besser gefunden und ich meine, dass dieser auch viel näher an der Wirklichkeit war. Und wenn wir schon bei Filmen sind: da war auch noch der grandiose Film „The Queen“ mit der wunderbaren Helen Mirren. Allerdings betrifft dieser die Regierungszeit der Queen, der in „the Crown“ noch nicht erreicht ist.

Interessant fand ich die Darstellung des Hofstaates, die Auswahl für die verschiedenen Positionen und die gnadenlosen Härte, mit der sie entsorgt wurden, wenn es dem Image ihrer Dienstherren genehm war.

Ein bissel stört mich auch das fast krampfartige Nachahmen der „Haltung“ der Original-Personen, das – so fand ich – trat besonders bei Prinz Charles (der ewig vorgeneigte Kopf) und Margaret Thatcher (der dauerhaft verkniffenen Mund) auf.

Faszinierend für mich ist die Tatsache, dass die Sprache von Prinz Philip (ich schau mir die Serie in Englisch, mit englischen Untertiteln an) jener von Boris Jonson gleicht, den ich kürzlich im Fernsehen gehört habe.

Und noch kurz dazuzufügen: Ich hatte einmal die Chance der „echten“ Queen einmal kurz zu begegnen: Am 5. Mai 1969 kam Queen Elizabeth II. zum ersten und bislang einzigen Staatsbesuch nach Österreich. Sie blieb bis zum 10. Mai 1969 in Österreich. Unter vielen anderen Ereignissen in Österreich war ein Empfang in Schloss Schönbrunn angesetzt, zu dem auch mein Mann und ich als seine Ehefrau eingeladen waren. Und wie das so ist auf Empfängen, stand ich in einer Galerie herum, in der Bilder von Pferden der Kaiserin Elisabeth hingen (denen ich aber kaum Beachtung schenkte). Plötzlich kam die Queen begleitet von ihrer österreichischen Entourage vorbei, wahrscheinlich um ihr gerade diese Bilder zu zeigen. Ich war etwas überfordert, was ich nun tun sollte (knicksen wollte ich eigentlich nicht, warum denn auch) aber bevor ich diesbezüglich eine Entscheidung getroffen hatte, war die Queen schon vorbei … (Wenn ich die Serie damals schon gesehen hätte, wäre ich wohl gewitzter gewesen).

Gedanken zur Netflix-Serie „The Crown“

Ich gratuliere zum 20. Geburtstag von Wikipedia

Und sage DANKE!

Ich bin kein „digital native“ – leider. Aber bei meinem Geburtsjahr geht sich das leider nicht aus. Aber mein derzeitiges Leben könnte ich mir ohne Computer, soziale Netzwerke, Plattformen wie Google und vor allem Wikipedia nicht mehr vorstellen. Und heute lese ich, dass Wikipedia 20 Jahre alt geworden ist.

Meine „heftige Nutzung“ von Wikipedia hat nicht nur mit meinem Blog zu tun. Z.B. mein Gedächtnis lässt leider nach und mir fallen Namen partout nicht ein. Als mein Mann noch lebte, schafften wir das Erinnern gemeinsam – einer erinnerte sich an den Vornamen – und flugs war dann der Begriff wiedergefunden, aber allein? Naja, manchmal fällt mir denn in der darauffolgenden Nacht, wenn ich nicht schlafen kann, etwas ein, das ich ein paar Stunden vorher so dringend gerne gewusst hätte.  Es ist einfach peinlich, wenn man so öffentlich nach Namen oder Begriffen „ringt“. Aber mit Wikipedia kann ich mir trefflich helfen, da kann ich durch die mir bekannten Attribute z.B. einer Person fast alles in doch relativ kurzer Zeit finden. Ähnlich geht’s mir, wenn mir z.B. nur der englische Begriff für etwas einfällt – umgehend kann man das nachschauen.

Na und beim Schreiben meines Blogs ist Wikipedia überhaupt unerlässlich – welches Jahr war das gerade, als …? Wenn ich etwas in meiner Religion ziemlich bestimmt weiß, kann ich immer nachschauen, wie das Thema in den anderen abgehandelt wird.  

Meine Enkel haben mir erzählt, dass sie Wetten abgeschlossen haben, wie man lange man über die vorhandenen Hinweise brauchte, um von einem möglichst „exotischen“ Begriff sich zu einem anderen „mehr gängigen“ durchzukommen (z.B. von „Hawaii“ zu „Goldene Bulle“). Versuchen Sie es einmal!

Aber wie konnten wir existieren, als es z.B. Wikipedia noch nicht gab? Und das gilt für einen Großteil meines Erwachsenenlebens. Ich habe drei wissenschaftliche Arbeiten ohne Wikipedia geschrieben – noch dazu auf der Schreibmaschine …

Mein Mann und ich hatten selbstverständlich den großen Brockhaus zu Hause, einen – damals aktuellen – und einen aus dem Jahr 1905 (der weist sich auch jetzt noch als ganz praktisch, da man dort Dinge über unaktuelle Themen finden kann, die noch nicht in Wikipedia auffindbar sind). Natürlich verfügten wir auch über die Encyclopaedia Britannica, und ihre zahllosen jährlich „Updates“ – was natürlich das Suchen nicht gerade erleichterte. Dann gab’s noch ein Filmlexikon – in mindestens zwei Dutzend Bänden, weiters Zitatenlexika, und jede Menge historische Lexika über verschiedene Perioden und Orte. Es war aufwändig, sich alles zusammenzusuchen und es kostete jede Menge Zeit. Jetzt braucht man nicht mehr vom Schreibtisch aufstehen, verschiedene Bibliotheken aufsuchen, über Bibliotheksleitern in verschiedenen Institutionen klettern …

Wikipedia ist die größte frei zugängliche Online-Enzyklopädie und eine der meistbesuchten Websites der Welt. Sie wurde am 15. Januar 2001 als gemeinnütziges Projekt von den Amerikanern Jimmy Wales und Larry Sanger gegründet und finanziert sich durch Spenden. Gegenwärtig umfasst Wikipedia mehr als 55 Millionen Artikel in über 300 Sprachen. Rund 2,5 Millionen Artikel gibt es auf Deutsch. Jeder kann Artikel erstellen und bearbeiten. Es gibt keine Moderation der Beiträge „von oben“ wie etwa bei Twitter oder Facebook. Die Wikipedia-Community, die aus mehr als 3 Millionen Freiwilligen besteht, diskutiert über Streitfälle und soll dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden und keine „Fake-News“ in Wikipedia auftauchen. Wenn Sie etwas in „Wiki“ suchen und es nicht finden – naja, vielleicht versuchen Sie selbst einmal einen Eintrag (ich habe vor, es in Zukunft zu tun) und auch für Wikipedia zu spenden, denn nur viele kleine Spenden können dieses Service gewährleisten.

Es gibt noch viel Potential zur Weiterentwicklung: Wikipedia gibt es noch nicht in allen Sprachen, manches Wissen dieser Welt wird nicht schriftlich, sondern nur mündlich weitergegeben. Und was nun die „Neutralität“ betrifft: Fake News werden sich eher nicht finden, allein durch die rigorosen Prüfungen bei Neu-Eintragungen. Aber sicher ist Wikipedia noch „einseitig“, bis jetzt stammt die Mehrzahl der Einträge von den berühmten „alten weißen Männern“ (nur ca. 10 – 15 % der Einträge stammen von Frauen). Die besten Eintragungen sind jene, die von Menschen mit großem Fachwissen geschrieben wurden. Daher ist es sehr wichtig, dass sich eine diverse Community an der Erstellung beteiligt, in der es alle möglichen Interessen gibt. Bei Wikipedia gilt die Regel, dass “ich habe davon noch nie etwas gehört“ kein triftiger Grund dafür ist, sich für das Löschen von Beiträgen auszusprechen. Es ist ein stetiger Prozess in der Community, an diesen Dingen zu arbeiten und sie richtig zu machen. Es ist ein Problem, dass man Vorurteile und Einseitigkeiten oft gar nicht bemerkt, bis man innehält und darüber reflektiert.

Um unter „Wiki“ gefunden zu werden, kommt fast einem Ritterschlag in vergangenen Zeiten gleich. Wikipedia ist Teil der Weltinfrastruktur geworden, „jeder“ nutzt Wikipedia.

Ich gratuliere zum 20. Geburtstag von Wikipedia