Die „gnädige Frau“ und die Feminisierung der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik?

Zum ordentlichen Grüssen gehört auch die passende Anrede (eine Wiederveröfffentlichung)

Vorauszuschicken ist: ich war fuchsteufelswild, wenn ich im Berufsleben mit Gnädige Frau angesprochen wurde. Derjenige, der das tat, wäre, so versuchte man mich in meiner Wut zu beruhigen, ein „Kavalier der alten Schule“, und es wäre für ihn daher selbstverständlich, mich so anzusprechen. Für mich war es aber der Ausschluss der gleichberechtigten Kollegin, ich fühlte mich nicht „beruflich“ nicht ernstgenommen. Die anderen (Männer) wurden entweder mit ihren Titeln (sei es akademischen oder die beruflichen – ich verfügte über einen akademischen) angesprochen, oder Mit Herr und Zunamen oder bei größerer Vertrautheit als Fritz, Helmut oder Herbert – also ihren Vornamen. Er ließ nicht ab von seinen Konventionen, aber ich musste mit ihm verhandeln. Er ist dann früh in Pension gegangen und soweit ich informiert wurde, bald darauf gestorben.

Ja, es war in Österreich üblich, Frauen (Damen) mit gnädiger Frau anzusprechen. Im gesellschaftlichen Umgang war es auch praktisch, man (=Mann) musste sich nicht an einen Namen erinnern. „Gnädiger Herr“ gab es kaum mehr, höchstens für jene Herren, die über Butler verfügten.

„Die Gnädige“, so sprach man von der Gattin eines Mannes. Die Gnädige war auch die Arbeitgeberin für Haushaltshilfen. „Gnädige Frau“ wurde man noch – etwas früher – in manchen Geschäften beim Einkauf angesprochen.  Legendär war die Anrede in der dritten Person in der Konditorei Demel am Kohlmarkt in Wien.  In der Konditorei-Café Demel wird seit dem 19. Jahrhundert traditionell weibliches Servierpersonal beschäftigt. Von den Wienern werden die Kellnerinnen im Demel seit langem scherzhaft als Demelinerinnen bezeichnet. Früher kamen sie stets aus derselben Klosterschule im 18. Wiener Gemeindebezirk. Bei ihrem Eintritt arbeiteten die Demelinerinnen zunächst in der Bonboniere Abteilung, später wurden sie auch bei diversen Buffets außer Haus eingesetzt. Bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert trugen die Demelinerinnen weiße Hauben. Bis heute tragen sie eine in Schwarz und Weiß gehaltene Dienstbekleidung. Die Kleider sind schwarz, die Schürzen und Krägen weiß. Die Demelinerinnen pflegen den Kaffeehausgästen gegenüber eine noch aus der Monarchie stammende Sprache. Zu Berühmtheit gelangte vor allem der von den Demelinerinnen traditionell bei der Aufnahme der Bestellung geäußerte Satz „Haben schon gewählt?“ Wenn eine Demelinerin sagt „Wird die Dame selber streuen?”, so ist damit das Bestreuen der Mehlspeise mit Staubzucker gemeint.

Ausgestorben ist der Begriff „gnädige Frau“ noch nicht, aber Damen werden halt nur mehr sehr selten so angesprochen und ich glaube, dass es wenigstens im Berufsleben verschwunden ist.  Denn heute lese ich den Begriff: Feminisierung der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Vorerst im Netz habe ich recht wenig dazu gefunden. Z.B., dass man hofft, dass die Einbeziehung von Frauen in Friedens- und Sicherheitsgespräche zu integrativeren, konkreteren Plänen führt. Vor fast 21 Jahren (!) hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 1325 über Frauen, Frieden und Sicherheit verabschiedet. Aus Sicht von wichtigen Entscheidungsträgerinnen aus EU, Vereinten Nationen und NATO bleiben auch heute noch für eine gleichberechtigte Vertretung jedoch noch viele Jahre Arbeit. Also, wie man so sagt: Luft nach oben“. Österreich ist da jetzt einmal ziemlich „fortschrittlich“ – wir haben mit Klaudia Tanner die erste Bundesministerin für Landesverteidigung.

Ich habe beim Lesen dieser „Statements“ derzeit immer die Ukraine-Krise im Hinterkopf. Würden Frauen in Entscheidungspositionen anders handeln als die gegenwärtigen Männer? Derzeit ist das ohnedies nur ein „was-wäre-wenn“ Gedankenspiel. Denn derzeit versuchen Frauen in Führungspositionen oft nur noch männlicher als Männer zu sein, um sich in diesem Umfeld überhaupt behaupten zu können. Denn wenn nicht Frauen in der Mehrzahl in verschiedenen Staaten in diesen Verteidigungs- und Sicherheitspositionen im Einsatz wären, würde sich – so fürchte ich – herzlich wenig ändern. Es reicht ja wohl ein einzelner Macho bei einer der Supermächte, um die Kriegsrethorik und -handlungen aufrecht zu erhalten.

Aber ich bin davon überzeugt, dass Frauen viel eher auf Dialog setzen würden (ließe man sie), als mit Panzern und Geschützen um sich zu werfen. Denn auf den berühmten Roten Knopf für einen Atomangriff zu drücken, sehe ich eher keine Frau (und hoffentlich auch keinen Mann).

Ich fürchte, dass derzeit eine Generation „am Ruder ist“, die selbst keine Kriege im eigenen Land erlebt hat. Und weder mit Geschichte(n), noch mit Filmen oder Ausstellungen kann man Menschen die Gräuel des Krieges so nahebringen, dass sie das heutige „mit-dem-Feuer-spielen“ unterlassen würden.

Wir sind zwar keine „Gnädigen“ mehr, aber „feminisiert“ ist die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik – so fürchte ich – noch lange nicht.

Die „gnädige Frau“ und die Feminisierung der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik?

Ich küsse Ihre Hand, Madame

(Eine Wiederveröffentlichung im Zusammanhang mit „ein paar Vorschläge zum derzeit tobenden Grußstreit)

Neulich erzählte mir eine von mir sehr geschätzte Dame – sagen wir „mittleren Alters“ – dass sie bei einer coronabedingten Outdoor Veranstaltung einen Jugendfreund – ca. gleichen Alters – mit dem sie damals Tennis gespielt hatte, getroffen hätte – und er hätte ihr die Hand geküsst. Sie meinte, sie wäre perplex gewesen.  Ich hinwieder habe nur die Umstände als ein bissl komisch gesehen, nicht aber die Tatsache selbst.

Ein Handkuss ist ein vollendeter oder bewusst unvollendeter Kuss auf den Rücken einer vom Adressaten meist eigens dafür hingehaltenen Hand. Er kann unter anderem aus Respekt, Unterwürfigkeit oder Liebe gegeben werden. Im obigen Fall würde ich eher Respekt als Ursache annehmen.

Nach traditioneller Etikette kann ein Handkuss vollzogen werden, wenn ein Mann einer Frau gegenüber besondere Wertschätzung, Ergebenheit, Demut, Bewunderung, Huldigung oder Verehrung zum Ausdruck bringen will. Er beugt dazu ehrerbietig den Nacken vor ihr und deutet respektvoll einen Kuss ihrer dargebotenen rechten Hand an, welche er zuvor leicht nach oben führt. Wenn er sich nach Abschluss des Handkusses wieder aufrichtet, sollte der Mann Blickkontakt herstellen. Frauen behalten etwaige Handschuhe an. Als fehlerhaft angesehen wird es, wenn die Hand der Dame zu fest gehalten oder ruckartig nach oben geführt wird. Ebenso ist es falsch, wenn die Hand tatsächlich geküsst (d. h. der Kuss nicht nur angedeutet) wird. Küsst ein Mann einer Frau tatsächlich die Hand, wird dies unter Umständen als Liebeserklärung gedeutet.

Als überholt gelten heute Regeln, wonach ein Handkuss nur verheirateten Frauen gebührt oder nur in geschlossenen Räumen ausgeführt werden darf. All das hab‘ ich noch beim Elmayer in der Tanzschule gelernt – ob es heut noch gelehrt wird, weiß ich nicht.

Im Übrigen ist der Handkuss in Europa noch gegenüber katholischen und orthodoxen Geistlichen vom Bischof aufwärts, sowie gegenüber weiblichen Monarchen gebräuchlich, wenn auch in der Regel nicht zwingend vorgeschrieben. Bei Geistlichen wird dabei der an der rechten Hand getragene Siegelring, beim Papst der Fischerring geküsst. War es früher üblich, den Fischerring kniend zu küssen, reicht heute bei Männern eine mehr oder weniger tiefe Verbeugung, bei Frauen eine leichte Kniebeuge.

Es ist schon ein Weilchen her, ich durfte meinen Mann bei einigen Interviews von hochrangigen Kardinälen (nicht bei allen) begleiten. Nur einem dieser Herren hatte ich den Ring geküsst und mein Mann fragte mich hinterher, warum ich das getan hätte, da ich doch sonst so kritisch bei derartigen „Ehrbezeugungen“ wäre. Ich glaube, gerade dieser sehr alte Kleriker hatte mich durch seine demütige, liebevolle Heiligkeit überzeugt.

Monarchinnen, etwa der Queen gegenüber, wird der Handkuss in der Regel nur angedeutet, nicht voll ausgeführt. Dabei macht der Mann eine deutliche Verbeugung, die Dame, je nach Vorschrift, einen einfachen Hofknicks.

Von z ’wegen: einfacher Hofknicks. Gar so einfach ist der auch wieder nicht und will geübt sein, um nicht recht unelegant auszurutschen. Auch dieser wurde noch in der Tanzschule gelehrt, schließlich müssen die Eröffnungs-Damen bei den Wiener Bällen am Schluss einen vollendeten Knicks hinlegen. Na heutzutage würde ich mir das nicht mehr zutrauen. Aber einmal, auch das ist schon lange her, bin ich allerdings nur beinahe in die Verlegenheit gekommen, zu knicksen. Es war ein Empfang für die englische Königin in Schönbrunn. Nein, nein, ich wurde ihr nicht vorgestellt. Aber sie wurde durch einen Raum geleitet, in dem ich gerade mit einem Glas in der Hand herumgestanden bin. In gerade diesem Raum hingen Pferdebilder (ich glaube von Pferden der Kaiserin Elisabeth). Daran – so nahm man an – hätte die englische Königin Interesse. Während sie hereinkam überlegte ich kurz, ob ich jetzt knicksen müsste – was mich eher gestört hätte – aber so interessiert war sie dann doch nicht, und sie war schon vorbei, bevor ich zum Knicks hätte ansetzen können. Da war ich aber froh!

Wir kennen es eher aus Filmen etc. In der Türkei und auch teilweise traditionellen Gesellschaften Ost- und Südostasiens und in mafiosen Kreisen ist es durchaus üblich, aus Respekt den Eltern, Lehrern und wesentlich älteren Verwandten oder Bekannten die Hand zur Begrüßung zu küssen. Der islamischen Tradition folgend, wird dies jedoch fast ausschließlich gegenüber älteren Personen gemacht und nur bei Ausnahmesituationen bei Gleichaltrigen oder gar Jüngeren.

Der Handkuss hat seinen Ursprung in dem Küssen des Siegelringes eines höhergestellten Adligen oder Geistlichen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Der Siegelring war Zeichen und Legitimation der Macht, der man durch den Kuss Respekt und Unterwerfung bekundete. Auch innerhalb der – adeligen und nichtadeligen – Familie war noch lange der Handkuss für Vater und Mutter eine übliche Form der besonderen Ehrerbietung. Spätestens um 1900 herum wurde der Handkuss an den Monarchen und hohen Vorgesetzten in West- und Mitteleuropa weithin als Zeichen unnötiger Selbstverleugnung und Servilität sowie als Ausdruck eines fragwürdigen Byzantinismus gesehen und zu recht kritisiert. Mit dem Sturz der Monarchien 1917/18 kam er völlig außer Gebrauch. Über Jahrhunderte war er besonders in adligen und großbürgerlichen Kreisen die übliche Art, wie Männer Damen begrüßten. Es galt als unfein, die Hand einer Frau zu schütteln. In Österreich wurde und wird die Tradition des Handkusses weiterhin gepflegt.

Ich find’s – mich betreffend – nicht ganz unmöglich, wenn mir jemand die Hand küsst (eher selten) aber durchaus oft mit den Worten: Küss‘ die Hand begrüßt oder verabschiedet. Nur den Zusatz „gnädige Frau“ mag ich nicht – aber über diese wiederum ein anderes Mal.

Ich küsse Ihre Hand, Madame

Grow Together (für den Start in ein gutes Leben) feiert sein zehnjähriges Jubiläum:

Mit einem CHARITY-KONZERT

Es spielt die Wiener Konzertvereinigung

Anita Giovanna Rosati, Sopran

Anna Manske, Mezzosopran

Tristan Schulze, Dirigent

PROGRAMM:

Wolfgang Amadeus Mozart

Ouverture zu »La Clemenza di Tito« K 621 (1791)

Gaetano Donizetti

O luce di quest‘ anima »Ach, zu lange säumt ich« (Arie der Linda aus »Linda di Chamounix«) (1842)

Tristan Schulze

»Das Vorsingen« op. 108 für Sopran, Mezzosopran und Orchester (2022)

Tristan Schulze

»Neun Lieder nach Texten der Growtogether Familien« op. 110 für Sopran, Mezzosopran und

Orchester UA (2022)

I. Musik

II. Keine Zeit

III. Damit das Schreiben wieder leicht fällt

IV. Was haben wir davon?

V. Blick in die Seele

VI. Ohne Ende Sommerliebe

VII. Liebes Ich!

VIII. Liebes anderes Ich!

IX. Friede mit Mutter Natur

***

Peter Iljitsch Tschaikowsky

Symphonie Nr. 5 e-moll op. 64 (1888)

Das Konzert findet am 12.12.2022 19:30 Uhr VHS Festsaal, Längenfeldgasse 13-15,1120 Wien

Kartenbestellung: charitykonzert@growtogether.at

Ausgesendet im Namen von Dr. med. Katharina Kruppa (meine Tochter)

Vorstand Verein Grow Together

http://www.growtogether.at

http://www.facebook.com/growtogetherwien/

Grow Together (für den Start in ein gutes Leben) feiert sein zehnjähriges Jubiläum:

Warum uns Europäer diese „Lokal-Wahlen“ so interessieren

Georgia bleibt demokratisch

Es ist schon interessant, wie Europa z. B. jetzt Anteil an US-amerikanischen „Lokalwahlen“ nimmt. „Demokrat Warnock gewinnt Stichwahl in Georgia bei US-Midterms 2022“. Im US-Bundesstaat Georgia hat der demokratische Senator Raphael Warnock die Stichwahl gegen seinen republikanischen Herausforderer Herschel Walker gewonnen. Die Demokraten von Präsident Joe Biden bauen damit ihre hauchdünne Mehrheit im US-Senat aus.

Die Stichwahl in Georgia wurde nötig, weil bei den landesweiten Zwischenwahlen vor einem Monat in dem US-Südstaat keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erhalten hat. Die Wahlbeteiligung ist sowohl in den Wahllokalen als auch bei der Briefwahl hoch gewesen. „Die Menschen in Georgia waren sehr motiviert, ihre Stimme abzugeben.“

Warnocks Sieg macht Georgia zu einem Schlüsselstaat bei den Präsidentschaftswahlen 2024. Die Demokraten haben in den vergangenen zwei Jahren drei Senatswahlen in der ehemaligen republikanischen Hochburg gewonnen, unter anderem hatte der demokratische Präsident Joe Biden den Bundesstaat 2020 für sich entschieden. Auch ist das schlechte Abschneiden Walkers eine weitere Niederlage bei den Zwischenwahlen für einen Protegé von Ex-Präsident Donald Trump, der Walker zur Kandidatur ermutigt hatte und in zwei Jahren erneut als Kandidat der Republikaner ins Rennen um das Weiße Haus gehen will.

Für jene unter uns, denen die US-amerikanische Demokratie am Herzen liegt, ist die „Niederlage“ Walkers deshalb relevant, weil er ein von Trump favorisierter Mann ist. Und für diese Europäer wäre ein neuerlicher Sieg Trumps 2024 ein Zeichen für den Niedergang amerikanischer Werte.

Allerdings fragen sich viele, wie Herschel Walker überhaupt zu dieser Kandidatur gebracht hat: Herschel Junior Walker (* 3. März 1962 in Wrightsville, Georgia) ist ein US-amerikanischer ehemaliger American-Football-Spieler, Bobfahrer und jetzt Politiker (Republikanische Partei). Walker spielte in der United States Football League (USFL) für die New Jersey Generals und in der National Football League (NFL) für die Dallas Cowboys, Minnesota Vikings, Philadelphia Eagles, und die New York Giants auf der Position des Runningbacks. Er kandidiert bei der Wahl zum Senat der Vereinigten Staaten 2022 für einen der beiden Sitze Georgias im Senat der Vereinigten Staaten.

Walker wurde als eines von sieben Kindern von Willis und Christine Walker geboren. Er spielte für die Johnson County High School Trojans in Wrightsville.  Ihm verdanken die Trojans ihre einzige State-Meisterschaft. Herschel Walker spielte dann für die University of Georgia, wo er 1982 die Heisman Trophy für den besten College-Spieler gewann. Aber er schloss seine Studien an der University of Georgia nicht ab, da er sich vor dem Abschluss für eine professionelle Sportkarriere entschieden hatte. Und seine Football-Karriere bracht ihm viele Siege und viel Ruhm ein. Trotz aller Rekorde und besonderen Leistungen spielte Walker nie in einem Meisterschaftsteam. Walker übte auch andere Sportarten erfolgreich aus.

Herschel Walker begann sich nach seiner Sportkarriere als Geschäftsmann zu betätigen. Aber Walkers Haupteinnahmequelle bildeten Markenrechte, Einnahmen aus Reden und Repräsentationen von Unternehmen. Nach dem Ende seiner Football-Karriere begann Herschel Walker psychische Probleme zu entwickeln. Bei ihm wurde eine dissoziative Identitätsstörung diagnostiziert. Später suchte er eine Klinik im kalifornischen Torrance auf, wo diese Diagnose bestätigt und er weiter behandelt wurde. 2008 veröffentlichte Walker das Buch Breaking Free über seine Erfahrungen mit der Krankheit.

Also trat er bei der Wahl zum Senat der Vereinigten Staaten 2022 in Georgia an. Walker ist Republikaner und Unterstützer von Donald Trump, so unterstützte er auch Trumps Versuche, die Wahl 2020 nicht anzukennen und die Big Lie (die große Lüge: Verschwörungserzählung von Donald Trump und vielen weiteren Republikanern für den Mythos der angeblich gestohlenen, verlorenen Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2020).Trump meinte in Richtung Walker: „Wäre es nicht fantastisch, wenn der legendäre Herschel Walker für den United States Senat in Georgia kandidierte? Er wäre unaufhaltbar, genauso wie damals als er für die Georgia Bulldogs und in der NFL gespielt hat. Außerdem ist er eine großartige Persönlichkeit. Lauf, Herschel, lauf!“

Im Vorwahlkampf vermied Walker Pressekonferenzen, Debatten mit seinen Mitbewerbern und Interviews, mit Ausnahme ihm gewogener rechter Medien. Er nahm aber an großen Wahlkampfveranstaltungen mit Trump teil. Er konnte so kritische Nachfragen wegen übertriebenen Angaben zu seinen Geschäftserfolgen, Falschangaben zu seinem Collegeabschluss und zu Vorwürfen häuslicher Gewalt im Vorwahlkampf umgehen. In der republikanischen Vorwahl vom 24. Mai 2022 gewann Herschel Walker klar die Nominierung seiner Partei.

Die Wahl gewonnen hat dann allerdings der Demokrat Raphael Warnock.

Dennoch ist es für uns Europäer erschreckend, dass ein derart hoher Prozentsatz der Wähler sich für den von Trump nominierten Kandidaten (ohne politische Erfahrung) entscheiden konnte, er gewann die Stimmen fast der Hälfte der Menschen in Georgia!

Warum uns Europäer diese „Lokal-Wahlen“ so interessieren

Das „Neue Lernen“

Einblicke in die Digitalisierungsinitiative in Schulen

In meiner weiteren Verwandtschaft gibt es jede Menge Lehrer. Aber auch noch Kinder im Schulalter. Und weil ich einfach neugierig bin, was sich seit meiner Schulzeit so alles geändert hat, habe ich einen Lehrer in einer Neuen Mittelschule (unterrichtet hauptsächlich erste Klassen) in Niederösterreich und einen Schüler in einem Wiener Gymnasium ebenfalls Erste Klasse befragt.

Vielleicht zu meiner Situation – 1. Klasse Realgymnasium: es war das Jahr 1945 und alles war knapp. Wir hatten Hefte, es gab auch Papier zum Schonen der Heftdeckel, es gab auch Schilder zum Bekleben für die Aufschriften. Wir hatten Federn und Tintenfässer, die in die „Bänke“ – also Tische eingelassen waren. Schulbücher hatten wir fast gar keine, da die aus der Nazizeit nicht mehr zugelassen waren, aus der Vorkriegszeit nicht vorhanden waren, und die neuen noch nicht erschienen waren. Aber es gab das Klassenbuch, in das alles (Böse) eingetragen wurde und es gab die kleinen Hefterln, die zur Kommunikation mit den Eltern dienten, jeder Eintrag in der Schule musste von den Eltern unterschrieben, wieder vorgewiesen werden (in höheren Klassen: fälschungsanfällig) . Für die Eltern gab es primär Sprechtage (ich weiß noch, dass meine Mutter sich einen neuen Hut für diesen Anlass anfertigen ließ, aus einem Stumpen, den sie noch von meinem Onkel erhalten hatten) und eventuell Sprechstunden – zwischenzeitlich, die meine Eltern nicht nutzten – für spezielle Notfälle. 

Was ich jetzt erfahren habe: Jedes neu in die Schule kommende Kind in den Schulen der beiden Befragten (und der:die Lehrer: in) bekommt ein Tablet (Ipad), mit Tastatur und Stift, für vergleichsweise wenig Geld (knapp 90 €). Der Rest wird im Rahmen der Digitalisierungsinitiative bezahlt.

.Es gibt keine Tafel mehr – zu meiner Zeit schwarz, später grün, sondern ein Smartboard (interaktive digitale Tafel, die mit einem Computer verbunden ist. Mit Hilfe eines Beamers wird der anzuzeigende Bildschirminhalt auf die weiße Fläche des Whiteboards projiziert). In jeder Klasse seht auch ein zusätzlicher Computer, auch Lehrer haben ihre eigenen Computer. In der modernen Schule in Niederösterreich hast auch jeder Lehrer einen Schreibtisch im geräumigen Lehrerzimmer. Ein Merkmal welches leider sehr oft nicht dem Standard entspicht.

Das früher (ominöse) Klassenbuch ist heute elektronisch vorhanden, und darin scheinen auch Benachrichtigungen für Lehrer auf, wann z.B. in welcher Klasse ein Lehrer supplieren muss. Es gibt auch den detaillierten elektronische Stundenplan für Lehrer und Schüler, wobei über Änderungen Nachrichten ausgesendet werden.

Die Kommunikation Lehrer – Eltern erfolgt über Schoolfox, dort werden Messages an Eltern bzw. an Lehrer ausgetauscht (geht auch auf Handy der Eltern), es gibt kaum “Zettelwirtschaft“ mehr. Die Kommunikation  zwischen Lehrkräften, Lehrkräften und Schülern (es gibt Einzelnachreichten oder Gruppennachrichten) funktioniert über Microsoft Teams. Eine Kommunikationsplattform, die für Schulen optimiert wurden. Gruppen/Teams können je nach Bedarf gebildet werden um Informationen auszutauschen

Teams haben ein „Klassennotizbuch“: darin scheint die Planung auf, entsprechende Dokumente werden verteilt, Arbeitsblätter finden sich dort. Jede:r Schüler:in hat einen eigenen Ordner, z.B. Übungsblätter für Schularbeiten sind dort vorhanden, Unterlagen können untereinander weitergeschickt werden. Darüber werden auch Hausübungen (mit Termin) aufgegeben. Auch Chatten ist möglich.

Damit die Kinder in der Lage sind, mit all diesen Tools auch umzugehen, wird auch das Fach digitale Grundbildung (für mobiles Learning) gelehrt.

Dennoch gibt es noch Hefte – und die Handschrift wird geübt. Und es gibt auch weiterhin Schulbücher, in die – wie üblich hineingeschrieben werden kann. Es ist wichtig, dass die Kinder auch ohne Tablet bestehen können. Es gibt trotzdem auch hin und wieder Cyber-Homeworks (z.B. in der  Helbling E-zone; die Internetseite eines der Schulbuchverlage).  

Es werden auch Lern-Quizz Unterlagen angeboten, die die Kinder sehr schätzen. Ganz allgemein gibt es unglaublich viele verschiedene Learning -apps und andere Tools im Bereich Education Technology (kurz EdTech), welche von verschiedenen Lehrkräften unterschiedlich genutzt werden.

Sowohl Lehrer als auch Kinder sind gefordert, weil das Angebot sehr breit ist und (was mich erstaunt) die gesamte diesbezügliche Namensgebung – von Anfang an – in Englisch erfolgt (vielleicht auch weil „mein“ Lehrer all dies für den Englisch-Unterricht nutzt).

Es ist eine neue Lernwelt, die sich mir da bietet. Sie gefällt mir!

Das „Neue Lernen“

Ich schaff’s heuer so gar nicht!

Irgendwie geht’s nicht, dass ich in Weihnachtsstimmung komme – und die benötige ich aber, damit mir Geschenkideen kommen, dass ich für den 24. eine weihnachtliche Geschichte zum Vorlesen zusammenbring‘ …

Da hilft derzeit kein Christkindlmarkt, keine Weihnachtsbeleuchtung, da helfen keine Weihnachtslieder, keine geschmückten Auslagen. Vielleicht – hoffentlich – wird’s besser, wenn die Christbaummärkte öffnen werden, wenn es nach Tannenreisig duftet?  Aber heuer plane ich gar keinen Baum, wenn man Witwe ist, wird man dankenswerterweise bei Kindern und Enkeln eingeladen. Wozu also. Die Familienfeier wird auf vor Weihnachten  verlegt und nach Weihnachten fahre ich ein paar Tage weg. Also, dieser Baum bliebt diesmal im Wald – eh g’scheiter, aus ökologischer Sicht. Nur ein bissel traurig ist dann doch.

Also habe ich mich heute aufgemacht, um mich in Stimmung zu bringen – ich habe jenen Rundgang gewählt, den mein lieber, leider verstorbener Mann immer so gerne gegangen ist (Augustinerstraße, Michaeler Platz, Kohlmarkt, Graben, Kärntner Straße) und bin nicht, wie sonst, durch die Parks gegangen (immerhin haben diese bis 17:30 offen).  Wobei die Kärntnerstraße habe ich dann doch weitgehend gemieden, denn da ist das Gedränge unerfreulich, vor allem, weil viele alles nur Denkbare photographieren, die Gebäude, die Geschäfte, die Weihnachtsbeleuchtung, ihre Kinder, ihre Familie, ihre Freunde und nicht zuletzt sich selbst. Dabei passen sie auf nichts und niemanden auf. Man muss um sie herumnavigieren.

Ich habe in viele Auslagen geschaut, aber fast nichts ist mir aufgefallen, dass ich irgendjemand schenken möchte. Die wenigen Dinge, die vielleicht – eben nur vielleicht, in Frage gekommen wären, waren preislich einfach prohibitiv. Ich habe eine große Familie, und man möchte ja doch auch gerecht bleiben, beim Schenken! Ich denke an die „Weihnachtseinkäufe“ von Schnitzler … (ANATOL. Ich finde nur nichts Rechtes! – Dabei stehe ich seit Wochen jeden Abend vor allen Auslagefenstern in allen Straßen! – Aber die Kaufleute haben keinen Geschmack und keinen Erfindungsgeist.)

Nicht heute, aber schon in den vergangenen Tagen habe ich bei einige Märkten vorbeigeschaut, der am Karlsplatz bietet meist ganz nette Sachen,  der auf dem Michaeler Platz auch. Aber üblicherweise stört mich das Gedränge auf den Märkten. Vielleicht probier‘ ich noch den auf der Freyung, der ist oft ganz stimmungsvoll – mit Weihnachtsliedern oder jener am Hof mit dem Kunsthandwerk. Nicht einmal der „Genussmarkt“ in der Mahlerstraße macht mir Appetit.

Ich bin diesbezüglich träge und prokrastiniere. Ich könnte ja auch endlich die Listen anlegen, wer etwas bekommen soll, vor allem für die nicht in Wien Wohnenden wäre es langsam Zeit, zu schreiben … (aber dazu fehlt dann die Weihnachtsgeschichte)

Ich überlege auch, woher dieses Fehlen der Weihnachtsstimmung kommt? Ich nehme nicht an, dass es davon kommt, dass wir in der WG einen Coronafall haben. Vielleicht ist der nicht enden wollende Krieg in der Ukraine, der mich mit all seine Konsequenzen doch belastet? Nicht, dass ich mich fürchte, ich hab schon Schlimmeres erlebt. Aber ungut ist diese unberechenbare Situation doch.  Wie kann ich mich da auf Weihnachten vorbereiten?

Vielleicht heute ein kleines Gebet zum Heiligen Nikolaus, schließlich ist er der Patron Russlands!

Ich schaff’s heuer so gar nicht!

Im Advent komm jetzt einmal der Nikolo

eien Wiederveröffentlichung aus Vor-Corona-Zeriten

Ich habe mich immer auf den Nikolo gefreut, und tu’s noch heute. Den Krampus habe ich zugegegenermaßen schon gefürchtet, aber der wurde dann letztlich immer vom Nikolo in Zaum gehalten.

Ich finde die Streiterei schon schade, dass manche von uns aus lauter „political correctness“ den Nikolo verbieten wollen. Nicht einmal das Verbot des Zwarte Piet finde ich richtig. Der Zwarte Piet („Schwarzer Peter“) ist in den Niederlanden und Belgien der Helfer des Sinterklaas, des Heiligen Nikolaus. Der Zwarte Piet ist in der Bevölkerung außerordentlich beliebt, das Sinterklaasfest ist dort überhaupt wesentlich wichtiger als Weihnachten. Der Zwarte Piet hatte eine ähnliche Funktion wie der Ruprecht oder vielleicht Krampus in deutschsprachigen Gegenden: das Bestrafen böser Kinder anstelle des sich körperlich zurückhaltenden Heiligen. Doch seit seiner Einführung im 19.Jahrhundert ist der Helfer ein dunkelhäutiger Diener orientalischer Anmutung. Gerade im 20.Jahrhundert wurde aus dem einzelnen Helfer eine Gruppe von Zwarte Pieten, die dem Sinterklaas zur Seite stehen. Die Gesichter der Darsteller sind braun oder schwarz geschminkt, getragen wird bunte festliche Kleidung, die an Diener des 16. Jahrhunderts erinnert. Vereinzelt bereits zuvor, vor allem aber im Jahre 2013 ist die Frage aufgekommen, ob die Figur des Zwarte Piet rassistisch geprägt sein könne. Anlass war die Forderung der jamaikanischen Professorin für Sozialgeschichte Verene Shepherd, Mitglied einer Arbeitsgruppe bei dem Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCHR), das Sinterklaasfest mitsamt dem Zwarte Piet abzuschaffen. Auf die Vorwürfe wurde in der Bevölkerung überaus emotional reagiert.

Ich glaube, dass auch muslimische Kinder gerne beschenkt werden wollen. Außerdem kommt der Heilige Nikolaus aus der heutigen (muslimischen) Türkei. Nikolaus von Myra lebte zwischen 270 und 286 und 326, 345, 351 oder 365und ist einer der bekanntesten Heiligen der Ostkirchen und der lateinischen Kirche. Unter den Flüchtlingen, die über die Türkei aus Syrien zu uns gekommen sind, sind auch viele orthodoxe Christen. Für deren Kinder hat der Heilige Nikolaus eine besondere Bedeutung.  Sein Gedenktag, der 6.Dezember, wird im gesamten Christentum mit zahlreichen Volksbräuchen begangen.

Nikolaus wirkte in der ersten Hälfte des 4.Jahrhunderts als Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien, damals Teil des römischen, später des byzantinischen Reichs, heute der Türkei. Zahlreiche Legenden werden von ihm erzählt. Er rettete Jungfrauen vor der Prostitution, indem er dem Vater Goldklumpen zukommen ließ, um ihre Mitgift für eine ordentliche Hochzeit finanzieren zu können. Er half in Hungersnöten, in Seenot,  rettete zu Unrecht Verurteilte vor dem Tod, erfüllte Kinderwünsche, zog auch gegen das Heidentum zu Felde (er ließ einen der Diana geweihten Baum umschlagen – die sich jedoch zu rächen versuchte). Er bekehrte Juden, er konnte aber auch bereits Tote wieder zum Leben erwecken. Selbst bei der Grablegung des Heiligen Nikolaus  entsprang am Kopfende des Sarkophags eine Quelle mit Salböl und am Fußende eine mit Wasser.

Nikolaus ist der Schutzpatron von verschiedenen slawischen Völkern sowie von Regionen wie Süditalien und Lothringen. Die zahlreichen Legenden führten dazu, dass er von vielen weiteren Gruppen als Schutzheiliger auserwählt wurde, von Berufen wie Seefahrer, Binnenschiffer, Kaufmann, Rechtsanwalt, Apotheker, Metzger und Bäcker, von Getreidehändlern, Dreschern, Pfandleihern, Juristen, Schneidern, Küfern (Fassbinder oder Binder, Handwerker der Behälter und Gefäße, meist aus Holz, herstellt), Fuhrleuten und Salzsiedern. Nikolaus ist der Patron der Schüler und Studenten, Pilger und Reisenden, Liebenden und Gebärenden, der Alten, Ministranten und Kinder, aber auch von Dieben, Gefängniswärtern, Prostituierten und Gefangenen. Aus dem Schutzpatronat für die Kinder leitet sich das heutige Brauchtum ab.

Als Kind war „mein Nikolaus“ fast immer vom Krampus begleitet; ich fürchtete mich sehr, als er mit Ketten rasselte und drohte, mich in seine große umgehängte Butte zu stecken und mitzunehmen. Später versuchten wir bei unseren eigenen Kindern dem Fest den Schrecken zu nehmen. Aber besonders lustig wurde es, als die Kinder später selbst als Nikolaus und Krampus auftraten und die „Sünden“ der Eltern aus ihren Büchern vorlasen.

In verschiedenen Ländern wird der Heilige Nikolaus auch unterschiedlich gefeiert, in manchen werden Schuhe zur Tür gestellt. Die Kinder hoffen dann, dass der Heilige Nikolaus sie in der Nacht mit Süßigkeiten füllt  – wenn sie nicht brav warten, sind dann eben Kohlestücke drin. Anderswo werden für die nicht ganz so braven Kinder Apfelbaum-Ruten in die Schuhe gesteckt, Allerdings, wenn man diese dann ins Wasser stellt und sie blühen bis Weihnachten, sind die bösen Taten vergeben. Bei uns sind es die Barbara-Zweigerln, Zweige von Obstbäumen, die nach einem alten Brauch am 4. Dezember, dem Gedenktag der hl. Barbara, geschnitten und in einer Vase in der Wohnung aufgestellt werden. Sie sollen bis zum Heiligen Abend blühen und in der kalten und düsteren Winterzeit zum Weihnachtsfest Schmuck in die Wohnung bringen.

Ich würde heute keinem Kind, egal welcher Religion – oder auch „nicht-Religion“ das Nikolausfest oder sonstige Adventbräuche vorenthalten wollen. Die Erwachsenen pilgern ja auch zum Punschstand!

Im Advent komm jetzt einmal der Nikolo

 Was so an einem 6. Dezember geschah

(und es folgt keine der so beliebten Nikolo-Geschichten)

Aber dafür steht halt Kiew – indirekt – wieder im Mittelpunkt:  Am 6. Dezember 1240: Im Zuge ihrer Invasion in Russland erobert die Goldene Horde der Mongolen unter Batu Khan Kiew, massakriert die meisten Einwohner und zerstört die Stadt teilweise.

Mit mongolischer Invasion der Rus wird die Unterwerfung der russischen Fürstentümer (Rus) durch die Truppen Batu Khans in den Jahren 1237 bis 1240 bezeichnet. Der auch als Mongolensturm bezeichnete Feldzug des Enkels Dschingis Khans führte in den ersten beiden Jahren in die nordöstliche Rus. In der zweiten Phase führte er in die südwestliche Rus und war durch die Zerstörung von unter anderen und zuletzt Kiew gekennzeichnet.

Die Verwüstung der Rus, die von der politischen Zersplitterung der einzelnen Fürstentümer begünstigt wurde, hatte einen beträchtlichen Rückgang der Bevölkerung zur Folge, warf die wirtschaftlich-soziale Entwicklung der Rus zweifellos zurück und hatte eine nachhaltige Wirkung auf die politische Entwicklung der Region, indem sie den Beginn einer langen Abhängigkeit der Rus von dem Steppenreich der Goldenen Horde markierte.

Goldene Horde ist die Bezeichnung eines mittelalterlichen mongolischen Khanates, das sich von Osteuropa bis nach Westsibirien erstreckte.

Nach dem Mongolensturm von 1237 bis 1240 trat das Steppenreich als dominierende Macht auf, wurde nach der Teilung des Mongolischen Reiches ab 1260 auch formal unabhängig und gehörte zu den spätmittelalterlichen Großmächten des östlichen Europas. Bis um 1360 war es straff organisiert, verfiel dann aber in interne Auseinandersetzungen um das Erbe der erloschenen Linien der Gründerkhane Batu und Berke. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts spalteten sich mehrere Teilreiche ab: Khanat Kasan, Khanat Astrachan und Khanat der Krim.

Batu Khan oder auch Batu der Prächtige (* 1205; † 1255) war als Sohn Dschötschis und Enkel Dschingis Khans ein mongolischer Teilherrscher. Als solcher war Batu der Khan über die von ihm gegründete Goldene Horde[CC1] .

Batu Khan setzte 1252 Alexander Newski als alleinigen Großfürsten der Wladimirer Rus ein. Bei seiner Rückkehr in die Steppe begründete Batu zudem im Wolgagebiet die Blaue Horde. Batu starb 1255 und als Nachfolger als Khan der Goldenen Horde wurden seine Söhne Sartaq und Ulaqchi eingesetzt. Doch kurze Zeit später konnte deren Onkel, Berke Khan, die Macht an sich reißen.

1237 hatte die mongolische Invasion der Rus begonnen. Unter Batu Khan hatten die Mongolen die nördlichen Gebiete von Halytsch-Wolhynien, Rjasan und das Fürstentum Wladimir-Susdal, 1239 dann die südliche Rus mit den Städten Perejaslaw und Tschernihiw. Als die Mongolen 1239 mehrmals die Übergabe der Stadt gefordert hatten, wurden ihre Delegationen durch Michael von Tschernigow hingerichtet.

1240 erreichte Batu Khan mit seinen Truppen die Grenzen der Stadt Kiew, die nur von etwa 1.000 Soldaten verteidigt wurde. Daniel Romanowitsch von Galizien, der Fürst der Stadt, flüchtete nach Westen, als die Schlacht den Anschein machte, nicht gut für ihn auszugehen. Daher führte der Woiwode Dmytro das Kommando über die Verteidiger. Möngke Khan begann daraufhin mit der Belagerung der Stadt und besiegte außerdem die Verbündeten Chorni Klobuky der Rus, welche die Belagerten entsetzen wollten.

Am 28. November 1240 begannen die Mongolen, mit Katapulten die von Bäumen verdeckten Mauern der Stadt nahe den polnischen Toren zu beschießen. Am 5. Dezember waren die Mauern eingestürzt, und die Belagerer drangen in die Stadt vor. In den folgenden Straßenkämpfen mussten die Kiewer schwere Verluste hinnehmen, und Dmytro wurde von einem Pfeil getroffen.

Beim Einbruch der Nacht zogen sich die Kiewer in die Innenstadt zurück, die Mongolen hielten ihre Positionen in den Randbezirken. Viele Menschen hatten sich in eine Kirche zurückgezogen. Beim Angriff der Mongolen am nächsten Tag brachen die völlig überladenen Emporen der Kirche zusammen und begruben viele Einwohner der Stadt unter sich. Die Mongolen nahmen schließlich die gesamte Stadt ein, plünderten sie und richteten ein Massaker unter den bis zu 30.000 Einwohnern der Stadt an. Lediglich Dmytro und 2.000 Einwohner wurden am Leben gelassen. Die Stadt wurde beim Abzug der Mongolen bis auf wenige Gebäude niedergebrannt.

Nach seinem Sieg setzte Batu Khan den Eroberungsfeldzug in Richtung Halytsch-Wolhynien und Polen fort.

Damals waren Pfeil und Bogen (Komposit-Reflexbogen – Nomo) – und Schwerter – die Waffen, heute sind es Drohnen, die Zerstörungen anrichten. Menschen kamen und kommen so zu Tode.


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 Was so an einem 6. Dezember geschah

Ein paar Vorschläge zum derzeit tobenden „Gruß-Streit“.

Es gibt so viel mehr als Grüß Gott und Guten Tag

Wenn man grüßt, erweist man dem Gegrüßten Respekt. Also – so meine ich – sollte man aufpassen, welche Grußworte man verwendet. Einer der als sehr konservativ einzustufenden Bekannten meines Mannes hat mir erzählt, wie respektlos er es findet, mit „Hallo“ angesprochen zu werden. Ein „Hi“ wurde selbst ihm nicht entboten. Vielleicht hätte ihm „g‘schamster (gehorsamer) Diener“ besser gefallen, aber das ist eben aus der Mode gekommen. Und noch etwas wäre vielleicht in Frage gekommen: „habe d’jere“ (habe die Ehre); aber das, so glaube ich, wird eher von Taxifahrern gegenüber ihren Kunden verwendet.

Mir gefällt auch „Servus“, sowohl zum Gruß und Abschied. Um Servus sagen zu können muss man eigentlich per Du sein. Wir haben es früher viel verwendet, es setzt eine gewisse Vertrautheit voraus, war früher unter der gehobenen Beamtenschaft üblich (da gab es auch die Anrede z.B. Du, Herr Ministerialrat).

Früher wurde „Baba“ nur für die Verabschiedung von Kindern verwendet, heute ist es auch unter „g’standenen“ Erwachsenen üblich (manchmal wird es ergänzt durch „und fall net“) . Auf Wiedersehen oder auf Wiederschaun wäre zweifelsfrei angemessener.

Ich führe hier „Tschüss“ hier nur an, weil es leider üblich ist, kann es aber gar nicht leiden. Meine Enkelgeneration weiß das, du verwendet es in meinem Beisein dann eher doch nicht. Stattdessen gefällt mir z.B. „Pfiat Di“ oder „Pfiat God“ (eigentlich abgekürzt behüte Dich – Gott oder der Himmel). Ciao verwenden jene gerne, die sich eher „Bobo-affin“ benehmen. In gehobenen Kreisen verwendet man dafür eher das Adieu.

Als ich noch im Beruf stand, gab es dreierlei Begrüßungsformeln: Grüß Gott (das wurde mit von den als „politisch als schwarz“ einzustufenden verwendet). Wenn man mit „Grüße Sie“ angesprochen wurde, konnte man davon ausgehen, dass der Betreffenden eher aus dem „Roten Lager“ kam. Diese Anreden wurden zwischen ca. 11 bis 14 Uhr durch ein politisch neutrales „Mahlzeit“ ersetzt.

In Corona-Zeiten, die diesbezüglich schon vorbei zu sein scheinen, fügte man jeder Abschiedsgrußformel auch zuweilen ein „ xund (gesund) bleiben“ hinzu.

Die Corona-Zeit hat auch der „Bussi-Bussi“ Begrüßung und Verabschiedung ein Ende bereitet, aber ich fürchte, es kommt schon wieder zurück. Ja, aber da hat man einander auch nicht die Hände geschüttelt, sondern allerhand abartige Körperstellen berührt. Das scheint auch vorbei zu sein.

Also: haben Sie einen schönen Tag (have ein nice day)

Ein paar Vorschläge zum derzeit tobenden „Gruß-Streit“.

Der große Getreidediebstahl

Russen stehlen ukrainisches Getreide

Kreml-Chef Wladimir Putin frohlockte Mitte Mai bei einem Treffen hochrangiger Wirtschaftsvertreter in Moskau: „Wenn das geschieht, wovon wir ausgehen, könnte das ein neuer Rekord in der russischen Geschichte sein.“ Denn Russlands Präsident rechnet mit neuen Bestmarken bei der Getreideernte und beim Export vor allem von Weizen.

Dass Russland in diesem Jahr so viel Getreide verkaufen kann, liegt allerdings nicht allein am Wetter, sondern vermutlich auch an einem großangelegten Raubzug im Zuge des Angriffskrieges gegen die Ukraine. Seit Wochen häufen sich die Berichte, dass Moskau in den besetzten Gebieten gezielt Silos plündert, um das Getreide gewinnbringend zu verkaufen.

Laut eines Berichts von Forschern im Auftrag des ukrainischen Landwirtschaftsministeriums habe Russland bereits Getreide im Wert von 613 Millionen US-Dollar aus den besetzten Gebieten vor allem im Süden des Landes abtransportiert. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schätzt, dass der Ukraine allein bis Anfang Mai rund 700.000 Tonnen Getreide gestohlen wurden.

Aus meiner Zeit der russischen Besatzung Österreichs sind mir manche russische Wörter in Erinnerung geblieben: z.B. Puschka (Gewehr), dawai (schnell) und sabrali (stehlen). Letzteres betraf sowohl persönliches Eigentum als auch Staatliches (so genanntes Deutsches Eigentum, das aber Österreich gehört hatte: z.B. Zistersdorfer Öl).

Die britische BBC hat nun nachzeichnen können, wie und wohin das Getreide abtransportiert wurde. Die Recherchen zeigen auch, wie systematisch Russland bei dem Diebstahl vorging. Mithilfe von Zeugenaussagen ukrainischer Bauern, der Analyse von Satelliten- und Überwachungsbildern sowie Bewegungsdaten von Lastwagen und Schiffen fand die BBC heraus, wie gezielt russische Truppen offenbar dabei vorgingen. Sie zwangen ukrainische Bauern, ihr Getreide zu Preisen deutlich unter Marktwert zu verkaufen. In etlichen Fällen, gerade in den Wochen unmittelbar nach der Großinvasion, wurde ihnen die Ware einfach gestohlen.

Russland gelangt nach Aussage betroffener Bauern und Agrarunternehmer auf verschiedene Arten an das Getreide. Die Besatzer würden teilweise Ernten von Bauern, die aufgrund der Kriegshandlungen ihre Betriebe verlassen haben, beschlagnahmen. In anderen Fällen kaufen russische Offizielle das Getreide auch ab, jedoch zu Preisen, die nach Aussage der Betroffenen oft weit unter dem Vorkriegsniveau lägen.

Das Getreide wurde dann in den meisten Fällen mithilfe von – teils ebenso entwendeten – Lkw zuerst auf die Krim gebracht. Satellitenaufnahmen zeigen auffällig lange Lkw-Staus an den Kontrollstellen zwischen den besetzten ukrainischen Gebieten und der bereits 2014 von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel.

Auf der Krim wurde das Getreide umgeladen: Es wurde entweder mit Zügen und über die Brücke über die Straße von Kertsch nach Russland transportiert. Oder es wurde zu den Schwarzmeerhafen in Sewastopol und Kertsch geschafft und von dort ebenfalls nach Russland oder ins Ausland verschifft. Satellitenaufnahmen des Hafens von Sewastopol würden der BBC zufolge außergewöhnlich hohe Aktivitäten von Frachtschiffen am dortigen Getreideterminal zeigen.

Zudem versucht Russland offensichtlich die Herkunft des erbeuteten Getreides zu verschleiern. Zum einen würden Frachtschiffe unerlaubterweise ihre Tracker ausschalten, sodass ihre Route nicht mehr nachzuvollziehen ist. Der ukrainische Ökonom Andriy Klymenko vom Kiewer Institute for Black Sea Strategic Studies nennt weitere Vorgehen: „In der Straße von Kertsch laden sie ukrainisches Getreide von kleinen Schiffen auf Massengutfrachter um, wo es mit russischem Getreide vermischt wird – oder sie fahren in einigen Fällen in dieses Gebiet, nur um den Anschein zu erwecken, sie würden russisches Getreide laden“, sagte Klymenko der BBC. In jedem Fall bekomme das Getreide russische Zertifikate für den Export.

Entsprechend dem  Völkerrecht ist dies ein mögliches Kriegsverbrechen!

Zielländer seien unter anderem die Türkei und Syrien. Beide Länder hatte auch die „New York Times“ in einem Bericht Anfang Juni als Empfänger von „gestohlenem ukrainischen Weizen“ ausgemacht. Die US-Tageszeitung hatte über mehrere Frachtschiffe berichtet, die zuvor von Russland kontrollierte Häfen verlassen hatten. Ebenso hatte der ukrainische Botschafter in der Türkei Moskau beschuldigt, ukrainisches Getreide zu stehlen und dieses vor allem an die Türkei zu liefern. Ankara konnte laut eigener Aussage jedoch keine Hinweise dafür finden.

Der türkische Außenminister Mevlut Çavuşoğlu betonte, dass kein Verkauf von gestohlenem Getreide in der Türkei erlaubt würde. Die Türkei werde Vorwürfe von Getreideschmuggeln genau untersuchen. Anfang Juli setzten türkische Behörden einen russischen Frachter mit angeblich gestohlenem Getreide fest, ließen diesen nach einer Überprüfung allerdings wieder frei. Die Ukraine warf daraufhin der Türkei vor, selbst von russischem Getreidediebstahl zu profitieren. Dass dies dennoch der Fall sein könnte, legen die aktuellen Recherchen jedoch nahe.

US-Außenminister Antony Blinken bezeichnete aber die Berichte, wonach Russland ukrainisches Getreide beschlagnahmt, um dieses selbst zu verkaufen, als „glaubwürdig“. Die US-Regierung wies deshalb 14 überwiegend in Afrika gelegene Länder, für welche der Weizen eigentlich bestimmt sei, auf die Vorgänge hin.

Vor der russischen Invasion war die Ukraine der weltweit viertgrößte Exporteur von Weizen und Mais.

Russki sabrali!

Der große Getreidediebstahl