Der Muff

ein aus der Mode gekommenes winterliches Kleidungsstück

Eine Freundin meinte zu meiner Maroni-Geschichte, dass Maroni in ihrer Kindheit untrennbar mit ihrem Muff verbunden wären. (https://christachorherr.wordpress.com/2020/10/19/heute-habe-ich-mir-zum-ersten-mal-wieder-maroni-gekauft/)

Wissen Sie noch, was ein Muff ist? Muffe bestehen aus einem mit wärmendem Material gefüllten Muffbeutel, das Obermaterial ist zumeist Fell. Ein Muff (abgeleitet von lat. muffula für Pelzhandschuh) ist ein röhrenförmiges Bekleidungsaccessoire, in das die Hände von beiden Seiten hineingesteckt werden, um sie warm zu halten. In der Regel besteht er aus Pelz, seltener aus Stoff oder Strick. Meist ist er zusätzlich warm ausgefüttert, in den besseren Qualitäten mit einem Daunenfederbeutel. Er hat entweder eine Schlaufe, um ihn in der Hand halten zu können, oder eine lange Kordel, mit der er um den Hals getragen werden kann. Meist ist ein kleines (Geld-)täschchen eingearbeitet. Es gibt auch Muff-Accessoires, wie z.B. einen Muffwärmer, eine mit Heißwasser zu füllende Porzellanflasche, die im Muff getragen wurde. Oder einen Muffkarton, auch Muffschachtel genannt, das ist ein in der Regel aus kaschierter Pappe hergestelltes Behältnis für den Handwärmer Muff. Er schützt den Inhalt vor Insektenbefall, Verbleichen durch Lichteinwirkung und Staub. Der Muff muss gut ausgeschüttelt und gebürstet werden, bevor er darin über den Sommer verstaut wird.

Pelze wurden im Mittelalter und danach fast ausschließlich als pelzgefütterte und pelzbesetzte Kleidung getragen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden zusätzlich ganz besonders Pelzgarnituren modern, Zusammenstellungen von kleinen Pelzaccessoires. Dies waren vor allem Muffe, Pelzkrawatten oder Pelzschals, Pelzkolliers, Pelzmützen und eventuell Pelzfäustlinge.

Muffe wurden früher vor allem vom Bürgertum und den gehobenen Ständen statt Handschuhen getragen. Heute sind sie weitgehend aus der Mode gekommen. Erstmals erwähnt ist ein Muff im Jahr 1590 in einem Buch über venezianische Trachten. Im 17. Jahrhundert wurde er auch in Deutschland und Frankreich bei den höheren Ständen populär, und zwar bei Männern wie Frauen gleichermaßen. Der Muff wurde bis in das 18. Jahrhundert auch „Schlupfer“ genannt. Im 19. Jahrhundert wurde der Muff dann zu einem reinen Damen-Accessoire.

Seit etwa nach 1860 behielt der Muff die kleine Form, gelegentlich war er flach, meist aber glich er einer Rolle. Ab etwa 1910 wurde er wieder größer, für wenige Jahre bis zu Ausmaßen, die er schon einmal im 18. Jahrhundert erreicht hatte. Dabei blieb er jedoch flach. Man nennt ihn Taschenmuff, weil man darin einiges unterbringen konnte. Die eigentliche Kombination von Muff und Tasche, die Mufftasche, kam erst um 1935.

Die Idee, perfekt geformte Muffe auf Holzblöcken herzustellen, nehmen die Wiener Kürschner für sich in Anspruch: „Die Erfindung, Muffe auf Stöcken zu machen (Wiener Stockmuff, 1883) ist ein Verdienst des heimischen Gewerbes und heute können wir mit Stolz sagen, dass die Wiener Kürschnerkunst vor aller Welt in Ehren bestehen kann und was Geschmack anbelangt, an erster Stelle steht“.

Seit etwa 1890 konnten Muffe auch mit Köpfen und Schwänzen der verwendeten Fellart versehen sein. Um 1910 war er Teil der Pelzgarnitur und gehörte zwingend zur eleganten weiblichen Wintergarderobe, um 1939 endete mit der veränderten Lebensweise durch besser beheizte Wohnungen und geschlossene Kraftfahrzeuge die ganz große Epoche des Muffs, einen zwar wärmenden aber wenig dekorativen Ersatz bildeten die Pelzhandschuhe.

1959 wurde eine Umfrage unter Berücksichtigung der verschiedenen Einkommensschichten und Altersgruppen durchgeführt, welche Chancen der Muff am deutschen Markt hat. Auf die Frage, was gegen die Anschaffung eines Muffs spräche, antworteten rund 47 Prozent „nicht mehr üblich“, 21 Prozent gaben an, der Muff sei unpraktisch und 19 Prozent fanden ihn zu teuer. 17 Prozent der befragten Damen besaßen einen Muff. Dennoch wurden in den Modenschauen der großen Couturiers in den darauffolgenden Jahrzehnten immer wieder einmal Muffe gezeigt.

Oder ist Ihnen vielleicht die Erzählung von Marie v. Ebner Eschenbach „der Muff“ bekannt. Darin trägt die Generalin deutlich autobiographische Züge: sie schriftstellert, und auch im Hang zur Wohltätigkeit und zur Selbstironie gleichen sich die beiden Frauen. Der Drang zur Hilfeleistung verkehrt sich allerdings in „Der Muff“ ins Gegenteil und gibt der Autorin Gelegenheit, ironisch menschliche Schwächen sowohl in den Kreisen der höheren Gesellschaft wie auch in der Unterschicht aufzudecken. Eben dadurch, dass sie nie in plumpe Anklagen oder Rechtfertigungen verfällt, wird die (allzu)menschliche Seite der Personen und das krasse soziale Gefälle zwischen ihnen deutlich. Vielleicht ein Vorschlag zum Nachlesen?

Ich selbst trug als Kind (wohl das letzte Mal) einen Muff, woraus er gemacht worden war, daran kann ich mich nicht erinnern. Jedenfalls zum Eislaufen trug ich ihn nicht.

Aber in meinen späteren Jahren schenkte ich meinen Mann einen Muff: da er halbseitig gelähmt war, konnte er über die gelähmte Hand keine Handschuhe tragen. Und da er dann schon im Rollstuhl saß, war der Muff ein recht nützliches Kleidungsstück. Ich wollte ihm einen Muff aus Pelz kaufen, so wie ihn die Jäger auf der Pirsch verwenden, mein Mann lehnte das aber ab, es wurde einer aus Kunstfell. Mir hätten die Jagdmuffe viel besser gefallen (aus Loden oder aus Pelz), und ich hielt sie auch für praktischer, da es beheizte Varianten gab. Aber da konnte ich mich nicht durchsetzen.

Praktisch ist so ein Muff natürlich heutzutage nicht besonders, da ja man meist etwas zu tragen hat, aber elegant, na das war er schon – für eine Dame für ihren Spaziergang im Winter.

Der Muff

Gedanken zur bevorstehenden Wahl in den USA

Die erstarkende Rolle der Latinos

Ich habe in den USA studiert (1953/54). Ich habe diese Zeit zumeist in Kalifornien – dort kamen die Wanderarbeiter aus Mexiko und wurden „wetbacks genannt – und zum geringeren Teil in New York verbracht. Das war die Zeit, als wir die USA als „Land der Fülle, ja des Überschusses“, das Land der Freiheit erlebt haben, während es bei uns noch recht karg zugegangen ist bzw. wir ein besetztes Land waren. Wir sind später oft und gern in die USA gereist, haben viele dieser unterschiedlichen Staaten dort kennenlernen dürfen. Die USA war immer etwas „Besonderes“ für uns gewesen, auch ein Vorbild.  Die USA haben uns im Kalten Krieg beschützt.  Und sie haben „Weltpolizeifunktionen“ innegehabt. Sie waren DIE Weltmacht!

Die erste Bewunderung ist dann bald schon etwas abgebröckelt, als wir die Infrastruktur in den USA näher gesehen haben – alle Stromleitungen „oberhalb“ – na kein Wunder, dass beim ersten Schnee oder Sturm gleich die Stromausfälle kamen, die schlecht gewarteten Dämme etc. und so viel besser war dann so ab Mitte der 70er Jahre die Lebensqualität der USA auch nicht mehr. Vor allem die fehlende Sozialversicherung ist uns aufgefallen. Sicher aus den USA stammen die meisten Nobelpreisträger, aber die Umstellung von Kohle und Stahl auf andere Industriezweige ist auch nicht so problemlos erfolgt, wie anderswo. Die Rassenprobleme wurden immer evidenter. Die USA verloren langsam ihre Vorbildfunktion für uns. Nun mit Präsident Trump ist der absolute Tiefpunkt mit America first in dieser Entwicklung erreicht. Und daher schauen wir mit Interesse aber auch Sorge auf den Wahlausgang am 3. November. Dabei stellen die Latinos erstmals die größte für die Wahl registrierte Minderheit.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind derzeit das drittbevölkerungsreichste Land der Welt mit einer geschätzten Bevölkerung von 328.285.992 (Stand 12. Januar 2019). Es ist ein stark urbanisiertes Land, denn 82,3 % der Bevölkerung leben in Städten und Vorstädten. Die Mehrheit der Bevölkerung der USA besteht aus weißen Amerikanern. 2017 waren dies rund 234.370.202 oder 73 % der Bevölkerung. Nicht-hispanische Weiße (Weiße ohne Abstammung aus Spanien oder Lateinamerika) machen 61,5 % der Bevölkerung des Landes aus. Die hispanische Bevölkerung ist aufgrund von Einwanderung und Geburtenüberschuss für knapp die Hälfte des Bevölkerungswachstums verantwortlich.

Vor den Gründungen der ersten Siedlerkolonien waren die Vereinigten Staaten von verschiedenen Indianerstämmen besiedelt, die keine ethnische, kulturelle oder sprachliche Einheit bildeten. Die europäische Besiedelung Amerikas begann im Jahre 1620 mit der Überfahrt der Mayflower. Die ersten Siedler waren vorwiegend religiöse Flüchtlinge (Puritaner), die von den britischen Inseln kamen. Mit der Zeit stieg die Zahl der Siedler aus anderen europäischen Nationen an, was vor allem an den großen freien und landwirtschaftlich nutzbaren Siedlungsflächen in Amerika, bei einer gleichzeitig stark wachsenden europäischen Bevölkerung, lag, was eine Überfahrt attraktiv erscheinen ließ. Wurden zuerst die Flächen des heutigen Neuenglands (Nordosten) erschlossen, so begannen sich die Siedlungsgebiete danach immer weiter nach Westen und Süden auszubreiten. Diese demografische Expansion erfolgte zulasten der ursprünglichen indigenen Bevölkerung. Von 1620 bis 1700 stieg die Zahl der Siedler und Sklaven in den Siedlerkolonien. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden massenhaft Sklaven von der Westküste Afrikas verschleppt, die auf den Plantagen der neugebildeten Südstaaten arbeiten mussten. Bereits 1790 wurde die Abstammungsfrage für viele irrelevant, da die Mischehen verschiedener ethnischer Gruppen immer häufiger wurden und die Menschen eine gemeinsame amerikanische Identität bildeten.

Eine große Zahl an Deutschen migrierte nach der gescheiterten Revolution von 1848 und viele Iren während der Hungersnot von 1845 bis 1852. Weitere Gebiete mit steigender Immigration in die USA waren Italien, Osteuropa und Skandinavien. Es kam zudem erstmals zu bedeutenden Migrationsbewegungen aus außereuropäischen Gebieten, vor allem aus Lateinamerika und China.

Die sich dadurch verändernde Bevölkerungsstruktur erregte allerdings den Unmut der angloamerikanischen Bevölkerung und einwanderungsfeindliche Kräfte begannen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend an Einfluss zu gewinnen. Mit dem Chinese Exclusion Act von 1882 wurde die Einwanderung aus China blockiert und die Einwanderung aus anderen außereuropäischen Gebieten wurde stark eingeschränkt. Im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 kam es zur bisher größten demografischen Katastrophe. Gleichzeitig brachte das Ende des Krieges die Befreiung der schwarzen Bevölkerungsgruppe, die allerdings weiterhin von der weißen Bevölkerung getrennt blieb. Aufgrund der starken Diskriminierung in den Südstaaten migrierten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Millionen Afroamerikaner in die Industriestädte des Nordens. Der steigende Anteil an Katholiken, Nichtweißen und Juden verursachte eine fremdenfeindliche Stimmung in Teilen der weißen Bevölkerung. Durch den Emergency Quota Act von 1921 wurde die Einwanderung quotiert und beschränkt. Das Einwanderungsrecht wurde erst durch den Immigration and Naturalization Services Act von 1965 liberalisiert. Die seitdem stark angestiegene Migration aus Lateinamerika und anderen Teilen der Welt verschob das demografische Profil des Landes deutlich hin zu einem höheren Anteil von Migranten und ethnischen Minderheiten an der Gesamtbevölkerung.

Grob wird derzeit in den USA folgendermaßen nach Ethnien unterschieden: Weiße Amerikaner, schwarze oder Afroamerikaner, Ureinwohner Amerikas, Asiatische Amerikaner, Indigene Hawaiianer oder andere pazifischer Inselbewohner;  Hispanos oder lateinamerikanische Amerikaner gelten nach der derzeitigen Definition nicht als eigene rassische Gruppe, sondern lediglich als kulturelle Identität und können jeder rassischen Gruppe angehören. Rund 60 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner identifizieren sich als Hispanics.

Noch nie war in einer US-Wahl die Gunst der hispanischen Wählerschaft so wichtig wie 2020. Die Pandemie beschäftige die „Hispanics“ von allen politischen Themen derzeit am meisten. Sie sind überdurchschnittlich hart vom Virus und von dessen gesundheitlichen Folgen betroffen. Es wird erwartet, dass eine deutliche Mehrheit der Latinos Biden unterstützt, doch die regionalen Unterschiede sind groß!

Gedanken zur bevorstehenden Wahl in den USA

Heute habe ich mir zum ersten Mal wieder Maroni gekauft.

Zur Maronibraterei

Heute war’s schon ein wenig herbstlich draußen, trocken war’s, aber es wehte doch ein recht kühles Lüfterl. Und wenn man dann so draußen herumgeht, kriegt man leicht kalte Hände, wenn man wiederum keine Handschuhe angezogen hat.

Aber Herbst und Winter kündigen auch schon anders an. Die Maronibrater haben ihre Öfen aufgestellt, und dort bekommt man ein Sackerl heiße Maroni, an denen man sich dann die Hände wärmen kann. Eigentlich bin ich ja gegen das Essen „im öffentlichen Raum“, also auf der Straße, aber zwei Ausnahmen gönn ich mir: das erste (Schleck-)Eis im Frühjahr und die ersten Maroni im Herbst.

Diesmal waren sie gar nicht so leicht zu schälen, aber zum Glück gibt es auf der Straße genügend Abfall Container in denen man die Schalen versenken kann.

Maronibrater haben in Wien eine lange Tradition: Maronibrater, das sind Wiener Straßenverkäufer, die im Winter auf transportablen eisernen Öfen, die vor einfachen Holzverschlägen stehen, Edelkastanien („Maroni“) und Erdäpfel braten und an Passanten verkaufen. In meiner Kindheit, als es noch viel kälter als heute in Wien war und es auch noch Schnee gab, trugen die Maronibrater Stiefel aus Stroh. Die Maronibraterei war ursprünglich durch ein Patent von Maria Theresia nur Wanderhändlern vorbehalten. Heute ist es ein freies Gewerbe, das von jedem ausgeübt werden kann.

Die geröstet süß schmeckenden Früchte des Edelkastanienbaums (Castanea sativa) sind reich an Mineralien und Vitamin B. Vor dem allgemeinen Gebrauch der Erdäpfel waren sie ein sättigendes Grundnahrungsmittel, aus dem man Mehl und Brot herstellte. In Südtirol sagte man, ein Baum ernähre eine Familie. In Wien kaufte man Edelkastanien bei den Maronibratern, die riefen: „Brennhaße Kästen! Große wällische Kästen! Ossa hassa hob i do!“

Die meisten Maronibrater kamen früher aus der Gottschee, (Kočevska im Herzogtum Krain, heute: Slowenien). Die Bewohner der deutschen Sprachinsel besaßen seit Anfang des 17. Jahrhunderts Wanderhändler-Privilegien. Um 1900 gab es in Wien 300 Gottscheer Maronibrater. Heute verteilen sich 190 Unternehmen mit 250 Ständen laut Marktamt in den Wiener Einkaufsstraßen. Und die Zahl bleibt schon seit einigen Jahren relativ stabil. Fast 19 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften die Maronibrater in Wien. Sie bieten von Oktober bis März neben Maroni auch Bratkartoffel und Kartoffelpuffer an. Ein Stand kommt im Schnitt auf rund 79.000 Euro pro Saison. Heute sind Maronibrater ganz normale Kleinunternehmer.

Die AK hat die Ware von 36 Wiener Maroniverkäufern überprüft. Nur bei drei Anbietern fand sich kein verdorbenes Stück im Sackerl. Bei fast einem Drittel der Maronibrater war jede fünfte Maroni nicht in Ordnung. Diese Preise steigen auch erheblich: In fünf Jahren wurde sie um 50 Prozent teurer.

Die meisten Maronistände gibt es daher auch im dritten und im siebten Bezirk, wo sich auf den Einkaufsstraßen Landstraße und Mariahilfer Straße ein Maronistand an den nächsten reiht. Zehn Hütten sind es allen in der Mariahilfer Straße. Die guten Standorte sind unbefristet vergeben! Wer neu in das Geschäft mit den Maroni einsteigt, erhält meist nur eine befristete Bewilligung für ein Jahr. Davor prüfen die Polizei, die Magistratsabteilungen für Verkehrsorganisation (MA 46) und für Architektur und Stadtgestaltung (MA 19) den gewünschten Standort. Entscheidend ist dabei nicht etwa die Anzahl von Maroniständen in der Umgebung, sondern allein die Fußgänger- und Verkehrssicherheit. Fällt der Lokalaugenschein durch die Behörden positiv aus, dann erhält der Maronibrater eine „Gebrauchserlaubnis für einen transportablen Maroniverkaufsstand“, an dem er neben Maroni auch noch gebratene Kartoffeln verkaufen darf. Ihre Ware beziehen die meisten Wiener Maronibrater über den Großgrünmarkt. Dort können sie zwischen Maroni und Edelkastanien wählen. Der Unterschied liegt in der Konsistenz: Maroni sind speckig, Edelkastanien mehliger.

Die in Wien erhältlichen Früchte kommen überwiegend aus der Türkei und Italien. Bis die Maroni aber schließlich im Stanitzl in Wien landen, durchlaufen sie aufwendige Konservierungsverfahren. Laut Wirtschaftskammer Wien werden während einer Saison insgesamt rund eine Million Kilogramm Maroni an den Wiener Maroniöfen gebraten und verkauft.

Am besten laufen die Maronigeschäfte von Mitte November bis Ende Dezember. Die Maronisaison startet in Wien am 1. Oktober und endet pünktlich am 30. April. Während dieser sieben Monate dürfen die Brater ihre Ware jeden Tag – auch sonntags – von 9 bis 22 Uhr anbieten. Neben der Qualität der Maroni ist auch das Wetter entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg. „Optimal wären zehn Grad, Sonne und Silvester. Regen ist ganz schlecht“, meint man in der Branche. 70 Prozent der Brater sind männlich. Die Frauen sind aber vielfach im Hintergrund tätig. Und dort auch in leitender Funktion.

Die angestellten Maronibrater müssen nach der Maronisaison Ende April auf andere Erwerbsquellen zurückgreifen. Sie sind im Sommer auf dem Bau, als Bademeister oder auch als Fiakerfahrer tätig. Andere Maroniunternehmer wandeln ihre Maronihütten im Sommer in Marktstände um. Dort gibt es dann statt Maroni alkoholfreie Getränke, Schokolade und Blumen

Mehr konnte ich über dieses Thema nicht in Erfahrung bringen…

Heute habe ich mir zum ersten Mal wieder Maroni gekauft.

Was so an einem 19. Oktober passierte …

Des einen Glückstag ist des anderen Pechtag

Betreffend Karthago

Der 19. Oktober ist ein wirklich bemerkenswerter Tag für die Karthager(damals wahrscheinlich Punier genannt): an diesem Tag siegten die Römer unter Publius Cornelius Scipio Africanus über die Karthager unter Hannibal in der Schlacht von Zama in der Nähe von Karthago; In der kriegsentscheidenden Schlacht von Zama verfügten die Karthager über mehr Infanteristen als die Römer, doch fehlte ihnen nach die benötigte Kavallerie, mit der Hannibal zuvor seine großen Siege erringen konnte. So endete in der Schlacht von Zama die Rolle Karthagos als Großmacht. Damit war der Zweite Punischen Krieg entschieden. Insgesamt gab es dann doch drei Punische Kriege.

Aber auch fast 600 Jahre später, eroberten 439 die von der Iberischen Halbinsel gekommenen Vandalen unter König Geiserich Karthago, das an Stelle von Hippo Regius (uns bekannt als Bischofssitz des Kirchenlehrers Augustinus) neue Residenz der Vandalen und Stützpunkt ihrer Flotte wird. In Africa etablierte Geiserich ein Reich, welches für fast hundert Jahre bestand und vor allem für den weströmischen Staat und Italien eine ernsthafte Bedrohung darstellte. Africa war dicht besiedelt und galt als die Kornkammer Roms und Italiens; es war somit von enormer strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung und erbrachte gewaltige Steuereinnahmen, die Westrom nun fehlten, was fatale Folgen haben sollte. Geiserich konnte nun den Kaiser erpressen.

Betreffend England

Aber auch für die Briten und ihre Geschichte ist der 19. Oktober ein wichtiger Tag: Durch den Tod seines Vaters Johann Ohneland 1216 wird Heinrich III. im Alter von neun Jahren König von England. Er war der jüngste Sohn des englischen Königs Heinrich II. und von Eleonore von Aquitanien. Johann Ohneland wurde nach dem Tod seines Bruders Richard Löwenherz 1199 englischer König. Im Krieg mit Frankreich verlor er bis 1204 die Normandie und weite Teile seiner Festlandsbesitzungen, des sogenannten Angevinischen Reichs (gesamte westliche Hälfte Frankreichs sowie das Königreich England). Seine Rückeroberungsversuche scheiterten. Während seiner Herrschaft kam es zu einer Rebellion der englischen Barone, die ihn 1215 zur Anerkennung der Magna Carta zwang.

1453 also ca. 200 Jahre später nehmen die Truppen des französischen Königs Karl VII. das in englischer Hand befindliche Bordeaux ein. Nach dem Hundertjährigen Krieg verbleibt somit nur Calais als einziger Besitz der Engländer auf dem Festland. Der Herzog von Guise erschien am 1. Januar 1558 mit einem Heer von 25.000 Mann vor der Stadt und begann deren Belagerung. Am Morgen des 8. Januar 1558 kam eine Kapitulation zustande, nach der sich die Stadt mit allen Vorräten unter der Bedingung eines freien Abzugs der Besatzung ergab. Somit verlor England seine letzte Besitzung auf dem Kontinent an Frankreich.

Die Kapitulation der Briten unter General Charles Cornwallis in der Schlacht von Yorktown 1781 (Sieg der französisch-amerikanischen Truppen unter dem Befehl von Comte de Rochambeau und George Washington gegen die britische Armee) entscheidet den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Dieser Krieg fand von 1775 bis 1783 zwischen den Dreizehn Kolonien einerseits und der britischen Kolonialmacht andererseits statt. Er war der Höhepunkt der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung und führte nach der Unabhängigkeitserklärung 1776 und der Bildung der Konföderation 1777 zu deren siegreichem Abschluss und zur Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Betreffend Napoleon

Im Dritten Koalitionskrieg besiegen Napoleons Truppen unter Michel Ney 1805 ein österreichisches Heer unter Karl Mack von Leiberich in der Schlacht bei Elchingen (vollständige Einschließung der österreichischen Armee in Ulm). Hierauf verlies Kaiser Napoleon verließ Ulm am 21. Oktober 1805, um über München nach Österreich zu marschieren, nach kleineren Scharmützeln entlang der Donau gelang seinen Truppen weniger als einen Monat später, am 13. November 1805, die kampflose Einnahme Wiens. Mit der Schlacht bei Austerlitz konnte Napoleon dann den Krieg siegreich beenden.

Nach dem Scheitern des Russlandfeldzuges verlässt Napoleon 1812 mit den Resten der Grande Armee Moskau. Es beginnt ein fluchtartiger Rückzug aus Russland, der sich bis in den Dezember hinzieht.

Die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 während der Befreiungskriege endet mit der entscheidenden Niederlage Napoleon Bonapartes und dem Einmarsch der verbündeten preußischen und russischen Truppen in Leipzig.

Betreffend die Börsen

Der Schwarze Montag am 19. Oktober 1987 war der erste Börsenkrach nach dem Zweiten Weltkrieg. Er begann an der Hong Kong Stock Exchange und nach Öffnung der Börsen in Westeuropa einige Stunden später auch dort, wieder einige Stunden später an den Börsen in den USA und Kanada und dann auch in Australien und in Neuseeland. Der Dow Jones fiel innerhalb eines Tages um 22,6 % (508 Punkte); dies ist bis heute der größte prozentuale Rückgang innerhalb eines Tages in dessen Geschichte. Bis Ende Oktober fielen die Börsenkurse in Australien um 41,8 %, in Kanada um 22,5 %, in Hongkong um 45,8 % und in Großbritannien um 26,4 %. Die Bezeichnung lehnt sich an die Bezeichnung Schwarzer Donnerstag für den New Yorker Crash vom 24. Oktober 1929 an, der die Weltwirtschaftskrise einleitete. Auch der 8. August 2011 wird „Schwarzer Montag“ genannt. An diesem Tag entzog die Ratingagentur Standard & Poors den Vereinigten Staaten die Bonitäts-Bestnote AAA.

Es passierte noch vieles mehr an einem 19.Oktober aber das würde den Rahmen hier sprengen.

Was so an einem 19. Oktober passierte …

QAnon: Verschwörungstheorien bedrohen die Demokratien

In den USA aber auch bei uns  

In „Zeiten wie diesen“, also derzeit 3-Krisen Zeiten (Gesundheit-, Wirtschaft/Sozial- und Klimakrise) blühen die Verschwörungstheorien. Nun haben Verschwörungstheoretiker zusammengefunden, und es gibt eine, no sagen wir einmal – gemeinsame Plattform, genannt QAnon. (Q für eine Person, anon für anonym).  Neulich, in den österreichischen Nachrichten über eine Demonstration sah ich einen jungen Mann, der eine Tafel mit „Q“ hielt. Seine Äußerungen, wofür das stünde, schienen mir sehr unbefriedigend – und so fing ich an, Informationen darüber zu suchen.

Also „Q“ steht für QAnon. Und was ist nun QAnon? Und ich fand eine Menge, und fand das recht verstörend. QAnon oder kurz Q nennt sich eine mutmaßlich US-amerikanische Person oder Gruppe, die seit 2017 Verschwörungstheorien mit teilweise rechtsextremem Hintergrund und nationalistischen, rassistischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Inhalte im Internet verbreitet. Das Pseudonym bezeichnet seitdem auch diese Verschwörungsthesen. Zentral ist die beleglose Behauptung, eine einflussreiche, weltweit agierende, satanistische Elite entführe Kinder, halte sie gefangen, foltere und ermorde sie, um aus ihrem Blut eine Verjüngungsdroge zu gewinnen. Diese wirren Theorien erinnern mich stark an die Ritualmorde des Mittelalters. Eine (christliche) Mehrheitsgesellschaft wirft einer gesellschaftlich ohnedies schon diskriminierten Minderheit (Juden) Ritualmorde vor. Historisch besonders wirksam waren Ritualmordanklagen im europäischen Christentum, die behaupteten: Die Juden bedürften des Blutes von Christenkindern für ihre Pessachfeier und zu verschiedenen magischen oder medizinischen Zwecken. Dieser Vorwurf tauchte erstmals 1144 in England auf und wurde zu einem dauerhaften Stereotyp des christlichen Antijudaismus. Die Legende bewirkte oft Judenpogrome, Lynch- und Justizmorde an den Beschuldigten, ihren Angehörigen und Gemeinden.

Ich hatte gehofft, dass dieses Denken der Vergangenheit angehöre!

Zurück zu QAnon-Thesen:  US-Präsident Donald J. Trump bekämpfe diese satanische Elite und einen vorgeblichen „Deep State“. Er ist der Held der QAnon Bewegung – Trump hinwieder nennt diese Anhänger Patrioten.

Die Behauptungen knüpfen an die von Trump-Anhängern im Präsidentschaftswahlkampf 2016 verbreitete „Pizzagate“-These an, wonach hochrangige Politiker der Demokraten angeblich einen internationalen Kinderhändlerring zur Prostitution Minderjähriger betreiben. Sie werden oft mit weiteren Verschwörungsthesen verknüpft. Daraus entwickelte sich eine Verschwörungsideologie mit Millionen Anhängern, die Experten in den USA und Deutschland als schwere aktuelle Gefahr für die parlamentarische Demokratie einschätzen.

Qs zentrale Behauptung lautet, Barack Obama, Hillary Clinton, George Soros und andere hochrangige Vertreter von Staat und Wirtschaft würden einen Putsch planen, um die USA in eine Diktatur zu verwandeln, und seien gleichzeitig in einen internationalen Kinderhändlerring verstrickt. Der Vorwurf des Kinderhandels, in den angebliche Vertreter des „Deep State“ und Prominente verwickelt seien, ist ein ständig wiederkehrendes Motiv. Patriotische Militärs hätten den politischen Außenseiter Trump zum Präsidenten gemacht, damit er diesem Treiben ein Ende setze. Außer Ronald Reagan seien sämtliche US-Präsidenten seit Lyndon B. Johnson kriminell, pädophil und satanistisch gewesen. Der Kinderhandel sei der Hauptzweck, zu dem die Verschwörer den Staat unterwanderten.

Trump sei der einzige Politiker, der es mit den Kinderhändlern, liberalen Globalisten und jüdischen Bankern aufnehmen könne. Der Tag der Abrechnung stehe bevor, an dem Trump ihnen offen den Krieg erklären werde. Dabei werde er von John F. Kennedy, Jr. unterstützt, der seinen Tod nur vorgetäuscht habe und bald zurückkehren werde. Es werde Zehntausende Verhaftungen geben, tausende Vorstände großer Unternehmen würden zurücktreten, da ihre geheime Herrschaft beendet sei, und auch Hillary Clinton werde in Haft genommen. Weiter behauptete Q, Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un sei eine von der CIA installierte Marionette. Trump habe sich mit Kim gegen die Verschwörer verbündet.

Ab Frühjahr 2020 verbreiteten QAnon-Anhänger Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie: Die Massenquarantäne (der „Lockdown“) diene nicht der Pandemiebekämpfung, sondern solle Gelegenheit bieten, Kinder aus Folterkellern zu befreien, wo ihnen im Auftrag der Elite massenhaft Adrenochrom entzogen würde. Von diesem Stoffwechselprodukt des Adrenalins wird fälschlich behauptet, es würde ewige Jugend verleihen. Außerdem machten sich QAnon-Anhänger die ID2020-Verschwörungstheorie zu eigen, wonach Bill Gates plane, bei Impfungen Menschen ein RFID-Mikrochip implantieren zu lassen, der in der Folge sensible Daten übermittle.

In den USA kam es wiederholt in diesem Zusammenhang zu Gewalttaten: Am 31. Mai 2018 durchsuchten Mitglieder der Gruppe Veterans on Patrol („Veteranen auf Streife“) ein offenbar aufgegebenes Obdachlosenlager in Tucson (Arizona). Sie waren überzeugt, dass es sich dabei um ein Sex-Camp handele, in dem Kinder in einem unterirdischen Bunker festgehalten und dort sexuell missbraucht würden. Es konnten aber weder Kinder noch Leichen gefunden werden. Am 4. Juli 2018 veröffentlichte die Republikanische Partei von Hillsborough County (Florida) im Netz ein Video, in dem QAnon als „geheimnisvoller anonymer Leaker über die Aktivitäten des Deep State und die Gegenmaßnahmen von Präsident Trump“ bezeichnet wurde. Die Beiträge wurden später wieder gelöscht.

Wie viele Menschen zu diesem Netzwerk gezählt werden können, ist unklar. Die Verschwörungslegende wird aber unter anderem von rechten Politikern und Medien in den USA verbreitet. Q-Texte, sogenannte „Q-Drops“, sind oft kryptisch oder vollkommen unverständlich und werden auf eigenen Channels und sozialen Medien verbreitet (Facebook blockiert sie bereits). Die US-Bundespolizei stuft die QAnon-Bewegung bereits 2019 als inländische Terrorismusgefahr ein.

Im deutschsprachigen Raum wurden die QAnon-Behauptungen anfangs vornehmlich von Rechtsradikalen und Protagonisten der Reichsbürgerszene geteilt. Im Zuge der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen wurden sie auch in Teilen dieser neuen Bewegung populär. Sie liefert klare Feindbilder, universelle Erklärungsmodelle für alle Vorgänge und apokalyptische Visionen. Sie negiert die Existenz von Zufällen und komplexen Zusammenhängen. Gegenbeweise sind in ihrem Narrativ nicht möglich. Ihren Anhängern gibt sie das Gefühl, Teil einer Elite zu sein, die im Besitz eines Geheimwissens ist und für das Gute kämpft. Wer widerspricht oder auch nur Zweifel äußert, wird dem Feindeslager zugeordnet. Experten sehen daher in der QAnon-Bewegung sektenähnliche Strukturen. Die QAnon-Legenden zeigen Bezüge zu apokalyptischen, religiösen Motiven wie einem prophezeiten Endkampf zwischen Gut und Böse. QAnon knüpft an bestehende Ressentiments an – beispielsweise gegen Medien und sogenannte Eliten.

Es scheint mir dermaßen wirr, dass ich es kaum glauben kann, aber dennoch müssen wir uns damit auseinandersetzen, um diesen Unsinn – im wahrsten Sinn des Wortes bekämpfen zu können.

QAnon: Verschwörungstheorien bedrohen die Demokratien

Ein musikalischer Ausflug nach Arkadien

Philharmonisches Abonnementkonzert: Debussy (Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns)

Heute, am Vormittag, habe ich mich entführen lassen, in das Reich der Faune, Nymphen und Najaden, bzw. in das des Feuervogels. Ich war im Philharmonischen Konzert. Ja, schon, man musste während des gesamten Konzerts die Maske aufbehalten, verfroren bin ich angekommen, weil ich mir halt die Zeit für und das Gedränge bei der Garderobe sparen wollte, und die Stiegen musste ich auch hinaufgehen, da die Lifte schon überlastet waren.  Aber dann!

Das dem „Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns“ zugrunde liegende Gedicht von Stéphane Mallarmés, das dieser zwischen 1865 und 1867 geschrieben und 1876 veröffentlicht hat, habe ich leider nicht gefunden.  Es gilt als sein bekanntestes Werk und beschreibt das sinnliche Erleben eines Fauns, als dieser aus einem nachmittäglichen Schlaf erwacht und das Geschehen des Morgens in einem rauschhaften Monolog Revue passieren lässt. Mallarmé griff mit seinem Gedicht den antiken Mythos von Pan und Syrinx auf, der in Dichtung und Malerei immer wieder dargestellt worden ist. Ein arkadischer Sommertag bildet den Hintergrund. Mallarme interessierte sich für die poetische Erfassung erotischen Verlangens und sexueller Begierde. Er stellt eine zwischen Einbildung und Wirklichkeit oszillierenden Gefühlssituation dar.

Arkadien ist eine Landschaft im Zentrum der Peloponnes. Die Arkader betrachteten sich als das älteste griechische Volk. Dort wohnten anfänglich Kleinbauern und Hirten. Schon in der Zeit des Hellenismus wurde Arkadien verklärt zum Ort des Goldenen Zeitalters, wo die Menschen unbelastet von mühsamer Arbeit und gesellschaftlichem Anpassungsdruck in einer idyllischen Natur als zufriedene und glückliche Hirten lebten. Viel später ließen sich Aristokraten im Schäferkostüm malen und setzten sich als Hirten in Szene. Dies war die symbolisch überhöhte Form, in der die archaische Vorstellung, wonach der Herrscher auch immer ein Hirte seines Volkes sei, in der Neuzeit als Bestandteil adliger Herrschaftsansprüche und Machtlegitimation überdauerte und aktualisiert wurde.

Und in dieser Landschaft lebte nun ein Faun. Er ist der altitalische Gott der Natur und des Waldes, der Beschützer der Bauern und Hirten, ihres Viehs und ihrer Äcker. Er tritt in vielerlei Gestalt und unter vielen Namen auf. Sein Fest, die Luperkalien, fand am 15. Februar statt. In der griechischen Mythologie entspricht ihm der Hirtengott Pan. Später wurde Faunus als gehörnter Waldgeist oder als Mischwesen aus Mensch und Ziegenbock aufgefasst.

Viele von uns haben in Ihrer Schulzeit Ovid gelesen, wenn nicht in lateinischer Sprache, dann doch in den Sagen des klassischen Altertums (von Gustav Schwab). Als eines Tages der Gott Pan die Nymphe erblickte, verliebte er sich sofort in sie und warb heftig um sie. Syrinx aber verschmähte seine Zuneigung. Auf der Flucht vor ihm wird sie, auf ihr Bitten hin, am Fluss Ladon in Schilfrohr verwandelt, aus dem Pan mit Hilfe von Wachs die Syrinx genannte Hirtenflöte (Panflöte) fertigt und auf ihr seine Lieder spielte. So lesen wir in den Metamorphosen Ovids.

Und die Flöten spielen ja auch die tragende Rolle in Debussys Werk. Dort allerdings denkt der Faun an Nymphen und Najaden. Eine Nymphe („Braut, junge Frau, heiratsfähiges Mädchen“) ist in der griechischen und römischen Mythologie ein weiblicher Naturgeist. Im weiteren Sinne wird die Bezeichnung auch für Priesterinnen gebraucht. In der griechischen Mythologie sind Nymphen weibliche Gottheiten niederen Ranges, die als Personifikationen von Naturkräften überall auftreten und teils als Begleiterinnen höherer Gottheiten wie des Dionysos, der Artemis oder der Aphrodite, teils als selbstständig wirkend gedacht wurden.

Sie galten als die – vorwiegend – wohltätigen Geister der Orte, der Berge, Bäume, Wiesen oder Grotten, sind aber nicht immer an dieselben gebunden, schweifen vielmehr frei umher, führen Tänze auf, jagen das Wild, weben in kühlen Grotten, pflanzen Bäume und sind auf verschiedene Weise den Menschen hilfreich. Nymphen galten wie die Menschen als sterblich. Sie sollten allerdings wesentlich länger leben – bis hin zu Fast-Unsterblichkeit und ewiger Jugend. Der Tod einer Nymphe wurde meist mit dem Ende dessen, was sie verkörperte – zum Beispiel eine Quelle oder einen Baum – gleichgesetzt.

Eine „Unterart“ der Nymphen sind die Najaden: sie wachen über Quellen, Bäche, Flüsse, Sümpfe, Teiche und Seen. Sie galten entweder als Töchter des Zeus oder des Okeanos. Trocknete das Gewässer einer Najade aus, so musste sie sterben. Die Najaden waren oft Objekte örtlicher Kulte, die sie als Fruchtbarkeitsgöttinnen verehrten. Ihren Gewässern wurden mitunter eine magische heilende Wirkung oder prophetische Kräfte zugesprochen. Allerdings waren die Najaden darüber hinaus für ihre extreme Eifersucht bekannt.

Und in dieser wunderbaren Welt Arkadiens, unter Faunen, Nymphen und Najaden habe ich den ersten Teil des Konzerts verbracht. Die Wiener Philharmoniker unter Gergiev haben mich dorthin entführt. Ihnen sei Dank!

Über den Feuervogel berichte ich Ihnen dann später.

PS: ich (Schweinsohr!) habe natürlich nichts davon gemerkt, dass die Akustik im Musikverein aufgrund weniger Besucher schlechter sein sollte, wie manche Kenner behaupten.

Ein musikalischer Ausflug nach Arkadien

Die Loretokapelle

In der Wiener Augustiner Kirche

Heute bin ich in die Vorabendmesse in meine Pfarrkirche gegangen – die Augustiner Kirche. In vor-Corona-Zeiten fand diese Messe in der Loretokapelle statt. Jetzt findet sie in der Augustiner Kirche selbst statt – um Corona Regeln zu genügen.

Ich möchte Ihnen, nostalgisch wie ich schon bin, von der Loretokapelle berichten und dass mir auffällt, dass bei Betreten der Kirche nicht mehr in ein Weihwasserbecken gegriffen wird, um ein Kreuz zuschlagen, sondern die Hände desinfiziert werden.

Ich mochte die Messen in der intimen Loretokapelle, besonders weil auch meine Eltern dort geheiratet hatten. Und darum haben wir auch die Gedächtnismessen für meine Eltern dort gefeiert.

Die erste Loretokapelle in der Augustinerkirche wurde durch Kaiserin Eleonora Gonzaga (1598–1655) gestiftet, die Gemahlin Kaiser Ferdinands II. Die Stiftung erfolgte 1627 analog zur Loretokapelle auf dem Hradschin in Prag. Die drei Architekten der Kapelle mussten auf ihren Wunsch im Jahre 1624 die Santa Casa in Loreto (bei Ancona, an der Adria) genau studieren, um diese in Wien in derselben Form nachbauen zu können. Sie entwickelte sich als Ort der Marienverehrung zu einem Privatheiligtum des Kaiserhauses. Nach Art orientalischer Häuser bestand die Kapelle aus Bruchsteinen, die Mauern waren unverputzt. Im Inneren befand sich ein Altar und in der dahinterliegenden Mauernische eine Marienstatue mit dem Jesuskind aus Zedernholz. Am 12. September 1627 konnte die Kapelle von Franz Kardinal von Dietrichstein im Beisein des kaiserlichen Hofes geweiht werden. Kaiserin Eleonora Gonzaga beschenkte die Kapelle mit kostbaren Gegenständen aus Gold, Silber und Edelsteinen und bestimmte die Herrschaft Walpersdorf als Liegenschaft zur Versorgung der Kapelle mit jährlich 400 fl. Kurz vor ihrem Tod stiftete sie weitere 8000 fl. zur Erhaltung der Kapelle.

Im Laufe der Zeit wurde die Loretokapelle zum wichtigsten Wallfahrtszentrum der Wiener und des Adels. Die Augustinerkirche selbst wurde im Jahre 1634 zur kaiserlichen Hofpfarrkirche erhoben und die Loretokapelle erhielt den Rang einer öffentlichen Privatkapelle des Kaiserhauses. Kaiser Ferdinand II. pflegte hier für den siegreichen Ausgang seiner militärischen Kampagnen zu beten. In der Folge bürgerte sich der Brauch ein, dem Feind abgenommene Feldzeichen, Fahnen und Siegestrophäen der „Mutter von Loreto“ zu weihen und in der Kapelle aufzustellen.

Die erste Hoftrauung, die in der kleinen Kapelle stattfand, war 1631 die des späteren Kaisers Ferdinand III. mit der Infantin Maria Anna von Spanien. Seine und die Hochzeit seiner Schwester Cäcilia Renata sind die einzigen Trauungen, die in dieser kleinen Kapelle stattfanden. Aber auch in der Folge fand in der Augustinerkirche keine Hoftrauung ohne vorausgehende Andacht in der Loretokapelle statt.

Die Frauen aus dem Haus Habsburg beteten in der Kapelle um Nachkommenschaft, und hier wurden die ersten Andachten der kaiserlichen Mütter nach der Geburt ihrer Kinder abgehalten. Noch Maria Theresia ließ 1756 das Gewicht ihres jüngsten Sohnes Maximilian Franz in Gold aufwiegen und auf den Altar der „Hausmutter des Erzhauses Österreich“ in der Loretokapelle legen.

Die Loretokapelle wurde aber auch zum Bestattungsort der Habsburger, als Ferdinand IV. (1633–1654) hier sein Herz beisetzen ließ. Er hatte die Gottesmutter Maria zu Lebzeiten besonders verehrt und testamentarisch verfügt, dass sein „Hertz unnser Lieben Fawen Maria zu Loreto unter Ihre Füess legen und begraben [werden] sollte“.

Bis dahin waren die Herzen der verstorbenen Habsburger meist neben dem Leichnam im selben Sarg oder im Stephansdom bestattet worden. Als Ferdinand IV. starb, wurde sein Leichnam noch am selben Abend seziert, sein Herz in einen Becher gelegt und während der feierlichen Aufbahrung neben dem Körper auf dem Schaubett ausgestellt. Einen Tag nach seinem Tod erfolgte um neun Uhr abends die Übertragung des Herzens in die Augustinerkirche, wo es in einer schlichten Feier bei der Marienstatue in der Loretokapelle beigesetzt wurde.

Die späteren österreichischen Habsburger behielten diesen Brauch bis ins 19. Jahrhundert bei. In einem Hofrecht aus dem Jahr 1754 heißt es über den Brauch „von der Vertheilung des Leichnams zur Beysetzung an verschidenen Orten“ etwa: „Bey dem Erz-Herzoglichen Hause Österreich haben jedesmahl drey Kirchen in Wien an dem Leichnam eines regierenden Herrn Antheil“.

Die Körper der verstorbenen Monarchen und ihrer nächsten Angehörigen wurden in der Kapuzinergruft bestattet, die Herzen in der Loretokapelle der Augustinerkirche und die Eingeweide in der Herzogsgruft im Stephansdom. Die Organe wurden in Seidentücher gehüllt, in Spiritus eingelegt und die Behältnisse zugelötet.

Die Herzgruft bestand bis 1784 aus einer kleinen mit Marmor ausgekleideten Kammer im Fußboden hinter dem Altar und der Mauernische mit der Muttergottesstatue. Die Kammer, in die die Herzurnen gestellt wurden, war circa 40 cm tief. Eine eiserne und darüber eine marmorne Platte bildeten den Verschluss.

Im Zuge der Regotisierung der Augustiner Kirche im Jahre wurde die seit 1627 im Mittelschiff stehende Loretokapelle geschleift. Auf Drängen des Volkes wurde am 25. Mai 1784 aber eine neue Loretokapelle eingerichtet, für deren Standort Kaiser Joseph II. jenen unteren Teil der Georgskapelle bestimmte, der im Mittelalter dem Kloster als Kapitelsaal gedient hatte. Der Kapellenzugang ist mit einem kunstvollen Schmiedeeisengitter verschlossen.

Während der napoleonischen Kriege wurde 1809 die kostbare Silberausstattung der Loretokapelle eingeschmolzen, auch die meisten anderen Stücke der einst reichen Innendekoration gingen im Laufe der Zeit wieder verloren. Erhalten blieb jedoch ein Stein aus der Santa Casa, den ein Augustinermönch 1758 von einem Besuch in Loreto mitgebracht hatte. Dieser Stein wurde nach Abtragung der ursprünglichen Kapelle in die neue Loretokapelle übertragen, wo er sich heute noch befindet. Er trägt die Inschrift: „Dieser Stein ist aus dem wahren H. Hauss Mariae von Loreto hierher übertragen worden. Anno 1758.“

Im Zuge des Neubaus wurden auch die Herzurnen aus der alten Herzgruft in die neue Loretokapelle übertragen. Bis zum Bau der heutigen Herzgruft im Jahre 1802 wurden die Herzurnen in einem versiegelten Kasten aufgehoben. Für die im Laufe der Jahrhunderte entfernten Herzen wurde in der Augustinerkirche ein eigener Raum eingerichtet.

Naja, und über die Augustiner Kirche selbst werde ich Ihnen demnächst berichten.

Die Loretokapelle

Ein hervorragender Film: Hannah Arendt

Er regt dazu an, sich mehr mit den Werken dieser Frau zu beschäftigen

Ich sehe noch immer „klassisch fern“, meine Enkel haben mir zwar Netflix eingerichtet, aber dennoch – da bin ich wirklich altmodisch, schaue ich mir das Fernsehprogramm-Heft an, und versuche „Vernünftiges“ für mich zu finden.

Gestern hat meine „Bildungsbürgerseele“ bei der Auswahl die Oberhand gehabt und ich habe mir den Film Hannah Arendt angesehen. Ich muss gestehen, dass ich zwar von Hannah Arendt gehört hatte, aber eigentlich nur wusste, dass sie eine jüdische deutsch-US-amerikanische Philosophin, politische Theoretikerin und Publizistin war.

Zu Beginn des Films war ich etwas verwirrt, da ja eigentlich nur vier Jahre des Lebens von Hannah Arendt dargestellt werden. (Der Film entstand 2012, und stammt von Margarethe von Trotta, von ihr kannte ich bislang nur „die bleierne Zeit“).  Und ein Großteil des Films dreht sich um den Eichmann Prozess, der ja meiner (höchst bescheidenen) Meinung nach, eine nachhaltige Veränderung in Israel bewirkt hatte.  Während mir ab den fünfziger Jahren Israel als ein junges dynamisches, verteidigungsbereites, erfolgreiches Land erschien (mich faszinierte damals z.B. die Kibbuz-Bewegung), setzte sich nach dem Eichmann Prozess so etwas von einer „Opferrolle“ durch. Dies mag sehr vereinfachend dargestellt sein, aber entspricht meiner subjektiven Wahrnehmung.  

Hannah Arendt versuchte bei der Aufarbeitung des Eichmann-Prozesses – in dem auch damalige „Live-Bilder“ gezeigt wurden, dem Menschen Eichmann auf den Grund zu kommen. Ihr Fazit war das dann später geflügelte Wort von der „Banalität des Bösen“. Da stand, der ehemals mächtige Eichmann vor Gericht, nachdem ihn Israelis in Argentinien aufgespürt und gefangen genommen hatten, und stellte sich als ein kleiner Bürokrat dar, ein Befehlsempfänger. Adolf Eichmann, Sturmbannführer und über fünf Jahre die Schaltstelle der Judenvernichtung im Dritten Reich! Hat er bei dem Prozess die Rolle des irgendwie unschuldigen halbintellektuellen Bürokraten nur gespielt? Aber als er schon am Galgen stand: Da sagte er, „es lebe Deutschland, … und ich war gottgläubig und sterbe gottgläubig“. Wie sich dann aus Nachlässen ergab, hatte Eichmann mit ebenfalls nach Argentinien untergetauchten Nazigrößen geplant, noch in den 50er-Jahren Umsturzversuche in Deutschland durchzuführen. Er hatte – wie Tonbandaufzeichnungen ergaben – 16 Jahre nach dem Krieg noch bedauert, nur sechs und nicht zehn Millionen Juden getötet zu haben.

Hannah Arendt hat über diesen Eichmann Prozess ein Buch geschrieben – nicht leichtfertig, sie war anwesend gewesen, als die Menschen in Israel ihre Verluste darstellten und während der Anhörungen zusammenbrachen. Sie hatte die Prozessprotokolle penibel studiert, um daraus Erkenntnisse zu gewinnen. Und dennoch, das Buch „Eichmann in Jerusalem“, mit dem Untertitel Ein Bericht von der Banalität des Bösen, vor der das Wort versagt und an der das Denken scheitert,  löste viele Kontroversen aus. Häufig wurde ihr vorgehalten, es sei völlig unangemessen, überheblich und für die Opfer verletzend, wenn sie Eichmann „komisch“ oder einen „Hanswurst“ nenne, der ohne Motiv lediglich im Sinne seines persönlichen Aufstiegs gehandelt und im Prozess leere Phrasen von sich gegeben habe. Ihre teilweise ironische Ausdrucksweise stieß großenteils auf Ablehnung. Arendt selbst sprach von ihrer Sprach- und Heimatlosigkeit angesichts des beispiellosen Massenmordes. All dies könne sie nur mit einem Lachen bewältigen.

Neben ihren Überlegungen zur Banalität des Bösen führte auch ihre Darstellung der Rolle der Judenräte im Prozess der Vernichtung zu kontroversen Debatten. Laut Arendt habe Eichmann „Kooperation“ von den Juden verlangt und sie in „wahrhaft erstaunlichem Maße“ erhalten. Auf dem Weg in den Tod hätten die Juden nur wenige Deutsche gesehen. Die Mitglieder der Judenräte hätten von den Nationalsozialisten eine „enorme Macht über Leben und Tod“ bekommen, „so lange, bis sie selbst auch deportiert wurden“. So seien beispielsweise die Transportlisten nach Theresienstadt vom Judenrat zusammengestellt worden. „Diese Rolle der jüdischen Führer bei der Zerstörung ihres eigenen Volkes ist für Juden zweifellos das dunkelste Kapitel in der ganzen dunklen Geschichte.“ Andererseits sah es Arendt als eine „Wohltat“ an, vor Gericht den „ehemaligen jüdischen Widerstandskämpfern“ zu begegnen. „Ihr Auftreten verjagte das Gespenst einer allseitigen Gefügigkeit.“ In den „Todeslagern“ seien „die direkten Handreichungen zur Vernichtung der Opfer im Allgemeinen von jüdischen Kommandos verrichtet“ worden. Arendts Ansichten stießen bei vielen jüdischen Organisationen auf vehemente Ablehnung. Demnach hatte sie die Judenräte verkürzt und nicht abgewogen beurteilt.

Nebenbei fiel mir auf, wie sehr sich auch unserer Lebensgewohnheiten von jener Zeit unterscheiden, es wäre heute höchst ungewöhnlich, dass Personen beständig rauchen, im Privatlebe wie auch in Gesellschaft. Faszinierend auch die Darstellung des Lebens der damaligen Intellektuellen, ihre internationalen (aus den USA noch immer zu Deutschland) Verbindungen untereinander.

Ein sehr anregender, gut gespielter Film, den ich nur empfehlen kann. Für mich jedenfalls gibt der den Anstoß, mich mehr mit dem Werk von Ahrends (nicht nur ihre Analyse des Eichmann Prozesses )auseinanderzusetzen.

Ein hervorragender Film: Hannah Arendt

LEOPOLD VON BABENBERG MARKGRAF VON DER OSTMARK

Eine Sage und ein wenig Geschichte

Und weil die Gegenwart ja nicht gar so heiter ist – das Wetter ist auch einigermaßen deprimierend – greife ich diesmal in meine „Sagenkiste“. Dabei habe ich eine gefunden, die weit in Österreichs Vergangenheit zurückreicht. Sie heißt:

WIE LEOPOLD VON BABENBERG MARKGRAF VON DER OSTMARK WURDE

Meine Feder (also genau genommen, meine Tastatur) sträubt sich ein wenig, bei der Verwendung des Wortes „Ostmark“. Denn das war der Begriff für Österreich in der Nazizeit.

Kaiser Otto I. …

Otto I. der Große (* 912 – 973) aus dem Geschlecht der Liudolfinger war ab 936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches (regnum francorum orientalium), ab 951 König von Italien und ab 962 römisch-deutscher Kaiser. Otto setzte während der ersten Hälfte seiner langen Herrschaftszeit die Unteilbarkeit des Königtums und seine Entscheidungsgewalt bei der Ämtervergabe durch. Damit griff er tief in das bestehende Herrschaftsgefüge des Adels ein. Die schwersten Aufstandsbewegungen gingen aber von den Mitgliedern der Königsfamilie selbst aus. Er war von Adelheit von Burgund verheiratet, sie wurde 1097 heiliggesprochen.

… war ein großer Liebhaber der Jagd, scheute keinerlei Gefahren und eilte oft im Eifer der Verfolgung des Wildes seinen Jagdgesellen voraus. Einst hatten seine Hunde eine kräftige Bärin aufgespürt, die sich erschrocken in den Wald flüchtete. Kaiser Otto stürmte ihr so rasch nach, dass ihm nur Leopold von Babenberg zu folgen vermochte. Als die Bärin keinen Ausweg fand, wendete sie sich plötzlich gegen den Kaiser, der ihr schon nahegekommen war und drohte ihn anzugreifen. Otto griff nach seiner Armbrust, spannte jedoch in der Eile den Bogen so straff, dass er zerbrach. In dieser höchsten Gefahr eilte Leopold …

Leopold I., (* um 940; † 994) der Erlauchte/Durchlauchtigte auch Luitpold genannt, aus dem Geschlecht der Babenberger, war Markgraf von Österreich von 976 bis 994. Er wurde zum Markgrafen eines Gebietes im Osten, dem heutigen österreichischen Kernland, ernannt. Am 21. Juli des Jahres 976 wird er erstmals als Markgraf, marchio Liutpalus, bezeichnet. Er residierte wahrscheinlich in Pöchlarn, vielleicht aber auch schon in Melk, wie seine Nachfolger. Die Markgrafschaft erstreckte sich damals vom Erlabach, einige Kilometer östlich der Enns, im Westen bis vor den Wienerwald im Osten; im Norden kamen zum Donautal noch die Täler am Unterlauf der Nebenflüsse (Krems und Kamp) und der Wagram dazu, im Süden reichte die Mark bis vor das Gebirgsland. 991 wurde das Gebiet im Osten bis zur Fischa erweitert.

… herbei und reichte dem Kaiser seinen Bogen, womit er das wütende Tier durch einen wohlgezielten Schuss erlegte. Hierauf sprach der Kaiser zu Leopold, indem er ihm den zerbrochenen Bogen übergab: „Wenn du einst von mir eine Gnade erbitten willst, so bringe mir diesen Bogen; er soll dein Fürsprecher sein!“ Wenige Jahre nach diesem Ereignis besiegte Kaiser Otto in einem schweren Kampfe das wilde Reitervolk der Magyaren und errichtete an der Ostgrenze seines Landes zum Schütze gegen die Hinfalle derselben eine Markgrafschaft, die von ihrer Lage Ostmark genannt wurde. Ottos Nachfolger war dessen Sohn Otto II. …

Otto II. (955; † 983) aus dem Adelsgeschlecht der Liudolfinger war römisch-deutscher Kaiser von 973 bis 983. Bereits in jungen Jahren wurde Otto durch seinen Vater Otto den Großen 961 zum Mitkönig und 967 zum Mitkaiser erhoben, um ihm die Nachfolge zu sichern. Als einziger Herrscher in nachkarolingischer Zeit wurde Otto II. bereits zu Lebzeiten des Vaters zum Kaiser erhoben. Als nach 37-jähriger Herrschaft sein Vater verstarb, trat der erst 18-jährige Otto die Alleinherrschaft an. Während seiner Herrschaft betrieb er eine sukzessive Neuordnung im Süden des Reichs. Durch Ausschluss der bayerischen Linie der Liudolfinger von der Königsherrschaft stärkte er die Königsgewalt und sicherte seinem Sohn die Nachfolge. Der Versuch, ganz Italien in die Reichsherrschaft einzubeziehen, führte zu Konflikten mit den Sarazenen und Byzanz in Süditalien. Ottos Feldzug gegen die Sarazenen endete 982 in einer katastrophalen Niederlage, wenig später folgte mit dem Slawenaufstand von 983 ein herber Rückschlag bei der Christianisierung und Unterwerfung der Slawen. Der plötzliche Tod des Kaisers mit 28 Jahren in Italien und die daraus resultierende Krise des Reiches prägten in der Nachwelt das Bild eines glücklosen Herrschers. Als einziger deutscher Herrscher wurde er in Rom beigesetzt.

… Als bald nach seinem Regierungsantritte der Markgraf in der Ostmark starb, eilte Leopold von Babenberg an das Hoflager des Kaisers und bat ihn um das herrenlose Land, indem er den zerbrochenen Bogen an den Stufen des Thrones niederlegte. Otto II. gedachte des Versprechens seines Vaters und erhob Leopold zum Markgrafen der Ostmark. Er ist der Stammvater vieler ausgezeichneter Fürsten. Von seinen Söhnen bekamen Heinrich und Adalbert nacheinander die Mark. Denn die Babenberger waren ein österreichisches Markgrafen- und Herzogsgeschlecht fränkisch-bayerischer Herkunft. Der Name bezieht sich auf Bamberg im heutigen Oberfranken. Sie herrschten von 976 bis zu ihrem Aussterben 1246 – vor dem Aufstieg des Hauses Habsburg – als Markgrafen und Herzöge in Österreich.

LEOPOLD VON BABENBERG MARKGRAF VON DER OSTMARK

Gerrymandering

Eine weitere Methode, einen Wahlausgang in den USA zu manipulieren

Noch so ein Begriff, der viel mit dem US-Wahlkampf zu tun hat. Dabei handelt es sich um eine Wahlkreisverschiebung. Es geht dabei um eine Manipulation von Wahlkreisgrenzen in einem Mehrheitswahlsystem, um die eigenen Erfolgsaussichten zu maximieren. Ein reines Verhältniswahlrecht schließt Gerrymandering aus. Wir in Österreich haben ein Verhältniswahlsystem.

Beim Mehrheitswahlsystem werden im Gegensatz zum Verhältniswahlsystem die Mandate nicht verhältnismäßig nach dem Stimmenanteil der Parteien vergeben. Stattdessen steht in jedem Wahlkreis nur eine Kandidatin/ein Kandidat pro Partei zur Wahl und diejenige/derjenige mit den meisten Stimmen erhält das Mandat. Das Ziel dieser Methode ist, eine parlamentarische Regierungsmehrheit für eine Partei herbeizuführen.

Der etwas seltsam klingende Name „Gerrymandering“ kommt daher: Elbridge Gerry, ein Gouverneur von Massachusetts, hatte seinen Wahlbezirk im frühen 19. Jahrhundert so zugeschnitten, dass er – wie ein zeitgenössischer Zeitungskarikaturist bemerkte – einem Salamander glich.

Insbesondere in den Vereinigten Staaten ist diese Praxis bis heute verbreitet. In vielen Demokratien weltweit wurde der Neuzuschnitt von Wahlkreisen zur Vermeidung von Verzerrungen unabhängigen Kommissionen übertragen, die beispielsweise von Verfassungsrichtern besetzt sind, etwa die Delimitation Commission of India. In den Vereinigten Staaten sind dagegen für Kongresswahlbezirke häufig Legislative oder Exekutive der Bundesstaaten – und damit Organe, die parteipolitische Ziele verfolgen – für diese Grenzziehung zuständig.

Mit diesem Gerrymandering kann folgendes verwirklicht werden:

  • Wahlkreiszuschnitt, sodass die Opposition den Wahlkreis nicht gewinnen kann und die oppositionellen Stimmen verfallen.
  • Möglichst viele Wähler der Opposition in einem „Wegwerf“-Wahlkreis zusammenfassen, sodass viele überschüssige, für den Wahlerfolg nicht mehr benötigte Stimmen anfallen, die der Opposition dann in anderen Wahlkreisen fehlen.
  • Ein Wahlkreis wird so gebildet, dass zwei zurzeit aktive Abgeordnete der Opposition ihren Wohnsitz darin haben. Einer der beiden muss umziehen oder bei der nächsten Wahl gegen den anderen kandidieren oder seinen Sitz aufgeben. Dies ist dann möglich, wenn nur Bewohner dieses Wahlkreises darin auch wählbar sind.
  • Beide Parlamentsfraktionen teilen gemeinsam die Wahlkreise so auf, dass derzeitige Sitzinhaber mit großer Wahrscheinlichkeit wiedergewählt werden, während Gegenkandidaten wenig Chancen haben. Anstrengende Wahlkampagnen und schwer zu haltende Wahlversprechen werden somit vermieden, auch müssen die Abgeordneten kaum noch Rücksicht auf die Wechselwähler der politischen Mitte nehmen und können somit besser auf Parteilinie gebracht werden.
  • In den USA zählen Gefängnisinsassen für den Ort, an dem das Gefängnis steht, dürfen jedoch in 48 der 50 Bundesstaaten nicht wählen. Weil die meisten Gefangenen aus urbanen Gebieten stammen und überproportional schwarz sind, bedeutet diese Praxis eine Verschiebung des Gewichts hin zu ländlichen, zumeist von Weißen bewohnten Wahlkreisen (in denen sich viele der Gefängnisse befinden).

Dies alles zu bewerkstelligen bedarf es geeigneter Hilfsmittel: Der Zuschnitt von Wahlbezirken wird in den Vereinigten Staaten zunehmend systematisch per Computer und Data-Mining durchgeführt, sodass im Repräsentantenhaus nur noch etwa einer von 15 Sitzen beiden großen Parteien Chancen auf einen Sieg bietet, während die übrigen Sitze weitgehend sicher in der Hand einer der beiden Parteien sind. Im Senat, dessen Sitze jeweils ganze Bundesstaaten umfassen, ist eine Veränderung der Wahlbezirke nicht möglich. In der Regel werden Wahlkreise in den Einzelstaaten alle zehn Jahre kurz nach der Volkszählung neu eingeteilt. (Über die Volkszählung und deren Manipulation habe ich bereits geschrieben: https://christachorherr.wordpress.com/2020/10/15/wie-die-usa-wieder-ein-stuckchen-weniger-demokratisch-werden/)

Auch der Oberste Gerichtshof der USA hatte sich in Vergangenheit mit diesem Thema beschäftigt (bitte nicht vergessen: gerade derzeit wird im Senat eine neue erzkonservative Richterin auf ihre Eignung überprüft:  Amy Coney Barrett). Im Jahr 2017 entschied der Oberste Gerichtshof, einen Fall anzuhören, in dem der Wahlkreiszuschnitt im Bundesstaat Wisconsin angegriffen wurde. Die Kläger schlugen mit dem sogenannten efficiency gap eine Methode vor, die Auswirkungen des Gerrymanderings objektiv messbar zu machen. Der Oberste Gerichtshof wies die Klage im Juni 2018 einstimmig zurück, weil die Antragsteller keine Verletzung individueller Rechte geltend gemacht hätten. Die konservativen Richter erklärten, sie sähen auch zukünftig keine Möglichkeit für eine solche Klagebefugnis, während die vier „linken Richter“ in einem Sondervotum auf die mögliche Verletzung des 1. Zusatzartikels zur Verfassung hinwiesen und damit einen Weg für eine erneute Befassung mit ähnlich gelagerten Fällen aufzeigten.

Immer wieder werden neue Überlegungen angestellt, wie die Wahlen günstiger für die eigene Partei manipuliert werden können: z.B. gab es eine Studie welche Veränderungen es nach sich zöge, als Basis nicht die Gesamtbevölkerung, sondern nur wahlberechtigte US-Bürger zu verwenden. Diese Studie zeigte ganz klar, dass dies die Republikaner und Nicht-Latino-Weiße bevorzugen würde.  Daher wollte Präsident Trump bereits die Frage nach der Staatsbürgerschaft in den Fragenkatalog des US-Zensus einführen lassen (nicht geglückt)!

Mir scheint, schlau muss man sein, um eine US-Wahl gewinnen zu können.

Gerrymandering