das altwiener Veilchenfest

Zur Zeit, als Österreich ein Herzogtum war, als in Wien gerade eine neue Stadtmauer gebaut wurde (Teile davon kann man heute noch am Stubentor sehen) und die Babenberger, die über Österreichische Lande herrschten,  gerade aus Klosterneuburg nach Wien übersiedelt waren, wurde auch das Veilchenfest gefeiert. Jener, der das erste Veilchen fand, legte seinen Hut darauf, lief zum Hof in Wien, meldete sich beim Herzog und teilte ihm mit, das erste Veilchen gefunden zu haben. Daraufhin ordnete der Herzog das Veilchenfest an, er zog mit seinem Gefolge, begleitet von seinem Hofstaat, begleitet von Musikern und vielen neugierigen Wienern, zu dem Ort, wo das Veilchen unter einem Hut lag. Dort – so war es üblich, wurde gesungen, getanzt, geschmaust  und getrunken. Das kam wohl auch daher, dass die Winter kalt waren und es auch wenig zu essen gab. Daher wurde der Frühling besonders sehnsüchtig erwartet.

An einem wunderschönen Vorfrühlingstag wanderte ein Barde, also ein Dichter und Sänger, namens Neidhart von Reuental, am Fuße des Kahlenberges entlang, blickte auf die Erde und entdeckte ein Veilchen. Da in diesem Jahr noch kein Veilchenfest gefeiert worden war, eilte er erwartungsvoll zurück in die Stadt, betrat die Burg des Herzogs, ließ sich melden und verkündete stolz, das erste Veilchen gefunden zu haben.

Der Herzog freute sich, nicht nur, dass das erste Veilchen gefunden worden war, sondern auch dass es sein Sänger, Neidhart war, der es gefunden hatte.  Sogleich ordnete er huldvoll das Frühlingsfest an, zu dem er ankündigte auch seine Gemahlin mitbringen zu wollen. Welche Ehre für Neidhart.

Sehr zur Freude der Wiener wurde das Fest ausgerufen. Es dauert nicht lange, bis sich ein langer Zug gebildet hatte: Voran ging Herr Neidhart, der ja den Weg zum Veilchen zeigen musste. Im folgten die Musiker, damals waren es Trompeten, Posaunen und Pauken, eine Schar weißgekleideter Mädchen, dann ritt  gemeinsam das Herzogspaar in ihren Festgewändern auf prächtig geschmückten Pferden . Ganz nach ihrem Rang ordneten sich die Ritter und Adeligen nun in den Festzug ein, zuletzt die Bürger von Wien und das gewöhnliche Volk. Es war ein langer Weg, der fröhlich zurückgelegt werden musste. Heute könnten wir ihn mit der Straßenbahn, der Linie D fahren.

Endlich waren alle bei dem Hut angelangt und bildeten einen Kreis, um einen Blick auf das erste Veilchen werfen zu können. Es war das Vorrecht des Herzogs, den Hut aufheben zu dürfen, um das erste Veilchen zu begrüßen. Der Hut wurde nun feierlich aufgehoben, aber herrjeh, es befand sich kein Veilchen darunter, sondern ein Kothaufen. Der Herzog war erbost, er beschimpfte Neidhart, es ärgerte ihn besonders, dass er seine Gemahlin mitgebracht hatte. Neidhart versuchte sich zu entschuldigen und brachte vor, dass ihm ein übler Streich gespielt worden war, aber er konnte den Herzog nicht umstimmen. Die Menschen, die umher standen, lachten Neidhart aus. Und alle die anderen, die fröhlich herausgekommen waren, fühlten sich um ihr Fest betrogen. Sie wollten Neidhart zu Leibe rücken, aber dieser entzog sich durch Flucht. Dann erst zogen sie sich erbittert in die Stadt zurück.

Neidhart verlangsamte seinen Lauf, als er sah, dass er nicht mehr verfolgt wurde und dachte nach, wer ihm das denn angetan haben könnte. Dabei entdeckte er ein Wirtshaus in Heiligenstadt, indem er gedachte einen Humpen Wein zu trinken. Vor diesem Wirtshaus tanzte die Jugend des Ortes um eine Stange, auf der – ein Veilchen befestigt war. SEIN Veilchen. Neidharts Wut vergrößerte sich zusehends. Er fragte einen Burschen, woher dieses Veilchen stamme. Der Junge erzählte ihm lachend, dass einige arglistige Bauern, die einen Ritter beobachtet  hatten, als er einen Hut auf die Erde gelegt hatte, das darunter liegende Veilchen gepflückt und es durch Mist ersetzt hatten. Nun zierte es die Stange in Heiligenstadt.

Da Neidhart nicht nur ein Barde, sondern auch ein stolzer Ritter war, zog er sein Schwert, um die Bauern zu bestrafen. Die Bauern stoben auseinander, es wurde niemand getötet, doch aber einige,möglicherweise Unschuldige, verletzt.

Jedenfalls riss er das Veilchen von der Stange, eilte stehenden Fußes zurück in die Stadt. Es gelang ihm zum herzog vorzudringen, und ihm das Veilchen zu überreichen. Er erzählte dem Herzog von dem bösen Streich, der ihm gespielt worden war. Der Herzog lachte, war wieder versöhnt und versicherte Neidhart seiner Huld. Er erkannte, dass Neidhart sich die Heiligenstädter Bauern zu Feinden gemacht hatte, das sie auch, bis an das Lebensende von Neidhart, blieben.

das altwiener Veilchenfest

Brexit-Folgen: Europol

Kaum ist der Brexit-Antrag in Brüssel eingelangt, zeigen sich schon die ersten Probleme. Großbritannien will mit der EU auch in Sicherheitsfragen weiterhin kooperieren – gut so. Der geplante Auszug der Briten trifft Europol in einer heiklen Phase. Noch in diesem Jahr wurde turnusmäßig eine neue Europol-Regulation beschlossen, die Europols Rolle im Kampf gegen den Terrorismus stärkt. Die Briten besetzen wichtige Führungspositionen bei Europol. Ohne Briten dürfte der Anti-Terror-Kampf deutlich schwieriger werden, zumal die personellen Veränderungen bei Europol bei einem Brexit erheblich wären. Derzeit stellt Großbritannien mit 61 entsandten Mitarbeitern nach Deutschland (63), Spanien (72) und den Niederlanden (251) den viertstärksten bei Europol vertretenen EU-Mitgliedstaat dar. Britische Polizisten besetzen führende Positionen, mit Rob Wainwright stellen die Briten sogar den Direktor der Behörde. Rob Wainwright war vorher unter anderem für den Inlandsgeheimdienst MI5 tätig und arbeitete für den National Criminal Intelligence Service, wo er mit internationalen Operationen sowie einer britischen „Strategie gegen illegale Einwanderung“ befasst war.

Und zusätzlich zu dem Personalproblem gibt es noch ein Datenproblem: Wainwright warnte auch im Fall eines Brexits vor massiven Sicherheitslücken. Die Briten sind der stärkste Lieferant von Geheimdienstinformationen für die Datenbanken von Europol. Damit könnte jedoch bei einem Brexit Schluss sein. Danach dürften die Briten nach Verlassen der EU ihre Ermittlungserkenntnisse nicht mehr über die einschlägigen Datenbanken anderen EU-Mitgliedstaaten zur Verfügung stellen. Im Gegenzug dürften sie auch deren Daten nicht mehr nutzen.

Die Briten sind die einzigen Mitglieder der EU, die auch zu der Gruppe der Five-Eyes-Alliance gehören. Es gibt mehrere Stufen der Zusammenarbeit zwischen der National Security Agency (NSA) in den USA und den diversen Ländern: Eine der engsten ist die Five-Eyes-Allianz (mit Australien, Kanada, Neuseeland, Vereinigtes Königreich). Diese Partnerschaft besteht seit 1946 und baut auf der engen Kooperation dieser Länder während des Zweiten Weltkriegs auf. Mit dem Aufkommen des Kalten Kriegs wurde sie formalisiert. In „Five Eyes“ sind nicht die bekannten Geheimdienstorganisationen wie CIA oder der Canadian Security Intelligence Service (CSIS) miteinander verbunden, sondern die Geheimdienste, die sich auf das Abhören von elektronischen Netzwerken sowie deren Auswertung spezialisiert haben. Das ist die NSA in den USA , die kanadische CSEC (Communications Security Establishment Canada) oder die britische GCHQ (Government Communications Headquarters,  Regierungskommunikationszentrale). Hauptzweck dieser Allianz ist das Teilen von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen und der Lasten. Aufgabengebiete werden verteilt, und die technologischen Ressourcen, Software und Computer, die notwendig sind, um die abgefangenen Signale zu interpretieren, werden gemeinsam genutzt. In diesem Club spioniert man natürlich auch nicht die anderen Partner aus. Es sei „langjähriger Brauch“, dass diese Länder ihre Arbeit nicht auf die Bürger der Partnerstaaten richten.Diese Staaten werden damit seltener (von den USA) ausgespäht, es sei denn, es wird von den Vertretern eines dieser Länder dezidiert verlangt. Sie arbeiten auch eng zusammen, entwickeln gemeinsam Projekte, zum Beispiel jenes des britischen Geheimdienstes GCHQ mit der NSA, die gängigen Verschlüsselungsmethoden zum Datenschutz bei Internettransaktionen von Privatpersonen zu unterlaufen, etwa beim Online-Banking oder beim Abrufen von medizinischen Befunden. Der GCHQ zapft ebenfalls Kommunikationsdaten aus Unterseekabeln ab, die dann 30 Tage gespeichert werden, damit sie gesichtet und analysiert werden können – das betrifft in der Mehrzahl unschuldige Personen. Das alles geschieht ohne öffentliche Kenntnis, ohne öffentliche Debatte! Nicht nur Großbritannien, auch Kanada verfügt über einen effektiven Spionagedienst – auch für gezielte Wirtschaftsspionage, um die eigene Wirtschaft zu stützen. Bei der Five-Eyes-Allianz stellen die betroffenen Regierungen die Wünsche der NSA über die Privatsphäre ihrer eigenen Bürger. Australien beispielsweise hat die NSA ausdrücklich gebeten, seine eigenen Staatsbürger intensiver zu überwachen.

Eine etwas weniger „privilegierte“ Gruppe von Ländern wird von der NSA bei speziellen Überwachungsprojekten einbezogen, aber auch intensiv ausgespäht. Dazu zählen Österreich, Belgien, Tschechien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Island, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Polen, Spanien, Schweden, Schweiz und die Türkei. Diese Länderliste wird ständig erweitert, auch internationale Organisationen wie die NATO gehören dazu. Die Partner werden bei bestimmten technischen Entwicklungen und ihren Überwachungsaktivitäten unterstützt, aber auch dafür bezahlt.

Es gibt eine weitere Gruppe von Ländern, in denen die USA routinemäßig Spionage betreiben, mit denen sie aber so gut wie nie zusammenarbeiten. Die NSA betreibt auch auf diplomatischer Ebene Spionage. Zum Beispiel wurden 2011 die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und ihre wichtigsten Berater sowie der damalige mexikanische Präsidentschaftskandidat (und heutige Präsident) Enrique Pena Nieto und neun seiner engsten Mitarbeiter überwacht. Beide Länder finden sich auf einer Liste, betitelt „Freund, Feind oder Problem?“, zusammen mit Ägypten, Indien, Iran, Jemen, Saudi-Arabien, Somalia und Sudan.

Eine besondere Partnerschaft bindet Israel an die NSA, die zuweilen enger als mit der Five-Eye-Allianz ausfällt. Rohdaten über die Kommunikation amerikanischer Staatsbürger mit Israel werden routinemäßig ausgetauscht. An Israel wird Material geliefert, das das gesetzlich verlangte Verfahren der „Minimierung“ nicht durchläuft. (Minimierung soll gewährleisten, dass die NSA-Kommunikationsdaten, deren Sammlung selbst die sehr weitgefassten Richtlinien für den Nachrichtendienst nicht erlauben, so bald wie möglich zerstören muss und nicht weiter verbreiten darf).

Nun, Großbritannien könnte diese Daten dem Datenpool der Europol entziehen, wenn nicht ein Abkommen zu diesem Thema getroffen wird. Mit einer Drohung des Personal- und Datenentzuges hat Großbritannien eine bedeutende Handhabe, um die Brexit Verhandlungen zu beeinflussen.

In Großbritannien selbst gibt es zur Frage, ob sich das Land durch den EU-Austritt in puncto Sicherheit selbst schwächt, kontroversielle Ansichten. Was Europol betreffe, habe man bisher immer mehr investiert als zurückbekommen, meint etwa Sir Richard Dearlove, der zwischen 1999 und 2004 Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 war. Seiner Ansicht nach sind gerade für den Antiterrorkampf einzelne, bilaterale Abkommen effizienter. Und die würde London auch künftig pflegen. Lynne Owens, Chefin der britischen National Crime Agency (NCA), hingegen schätzt vor allem das Europol-Netzwerk sehr. “

(In meinem Buch „die Angstspirale“ wurde das Thema der abgestuften Zusammenarbeit der Nachrichtendienste, bzw. der Überwachungsstaat ausführlich behandelt)

 

Brexit-Folgen: Europol

Exit – Sezession -allüberall?

 

Es gab und gibt eine Reihe von Sezessionsbestrebungen, derzeit und früher. Der wohl nachhaltigste diesbezügliche Versuch war die Sezession der Südstaaten aus den USA. Es kam zu einem blutigen Bürgerkrieg, der damit endete, dass es eben keine Sezession gab. Noch heute ist eine Sezession – egal wo – ein Schreckgespenst für die USA.

Aber auch in Europa ist es noch nicht so lange her, dass es zu Sezessionskriegen kam – der Zerfallsprozess von Jugoslawien war ebenfalls für die meisten der neu entstehenden Länder ein blutiger zerstörerischer Prozess. Die Wunden sind bis heute nicht geheilt, Kosovo z.B. wird immer noch von Serbien reklamiert.

Andererseits haben wir ein Europa einen 60jährigen Prozess des Zusammenschlusses gehabt. Die EU ist aus 6 Mitgliedern zu 28 angewachsen. Das hat Frieden gebracht, aber auch zum Wohlstand beigetragen. Nun kommt der Brexit. Vom Zaun gebrochen wurde er von Nationalisten unterstützt, die im Kampf um die Abstimmung die Wähler nicht immer mit Fakten belieferten. Im Juni 2016 stimmten die Wähler des Vereinigten Königreichs mehrheitlich mit 51,89 % für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ab. Dieser Ausgang war denkbar knapp, von Emotionen getragen. Der Haupt-Proponenten des Brexit zog sich nach Erreichen seines Ziels mit stolzgeschwellter Brust zurück und überließ es anderen, sich mit der Durchführung abzumühen. Die britische Premierministerin Theresa May leitete den Austrittsprozess gemäß Artikel 50 des Vertrags über die Europäische Union heute, also am 29. März 2017 durch schriftliche Mitteilung an den Europäischen Rat rechtlich wirksam in die Wege. Damit ist nach der vertraglich vorgesehenen zweijährigen Verhandlungsperiode mit dem Austritt für März 2019 zu rechnen.

Aber schon der Brexit zieht weitere – mögliche – Abspaltungen nach sich. Da gibt es die Schotten, die jetzt entscheiden müssen, was ihnen wichtiger ist, der Verbleib in Großbritannien oder der Verbleib in der EU – sie jedenfalls hatten bei der Brexit Abstimmung mehrheitlich für den Verbleib in der EU gestimmt. Auch Nordirland, wirtschaftlich eng mit Irland verbunden, könnte einen Anschluss an Irland überlegen und dabei Großbritannien verlassen. Besonders krass ist die Situation in Gibraltar: dort haben 96% der Wähler für einen Verbleib in der EU gestimmt. Wird das ein Teil der Brexitverhandlungen sein?

Und das Verhalten der Schotten könnte auch Vorbild für die Katalanen sein: Katalonien ist eine von 17 autonome Gemeinschaften Spaniens. Die Hauptstadt ist Barcelona. Amtssprachen sind Katalanisch und Spanisch sowie Aranesisch. Aufgrund geschichtlicher und kultureller Besonderheiten gilt die Region neben dem Baskenland und Galicien als eine der „historischen Autonomen Gemeinschaften“. In Katalonien existiert eine einflussreiche Unabhängigkeitsbewegung, die auf eine Lösung von Spanien hinarbeitet.

Seit 1978 besitzt Katalonien den Status einer Autonomen Gemeinschaft innerhalb des spanischen Staates. Unter diesen ragt Katalonien gemeinsam mit den übrigen „historischen“ Autonomen Gemeinschaften, dem Baskenland, Galicien und Navarra durch ein besonders hohes Maß an eigenen Befugnissen in Gesetzgebung und Verwaltung hervor. Unter anderem verfügt Katalonien über eine eigene Polizeieinheit, die nach und nach die Aufgaben der spanischen Polizei auf katalanischem Gebiet übernimmt. Auch in zahlreichen anderen Politikfeldern, so etwa der Bildungs-, der Gesundheits- und der Wirtschaftspolitik, verfügt Katalonien über weitreichende Kompetenzen. Diese sind im Autonomiestatut niedergelegt, das einerseits die Befugnisse der Autonomen Gemeinschaft gegenüber denen des spanischen Staates abgrenzt, andererseits das Zusammenspiel der katalanischen Institutionen regelt und somit als funktionales Äquivalent einer Verfassung fungiert. Es bedarf der Zustimmung des katalanischen Parlaments, des spanischen Parlaments und der katalanischen Bevölkerung durch ein Referendum. Das erste Autonomiestatut von 1978 wurde 2006 durch eine Neufassung mit erweiterten Kompetenzen abgelöst. Weiterhin strebt eine Mehrheit der katalanischen Parteien nach einer Ausweitung der autonomen Befugnisse.

Sollte es den Katalanen je gelingen ein eigenständiges Katalonien zu errichten, werden die Basken kaum lange zögern, ähnliches für sich zu erreichen. Das Baskenland umfasst in Spanien die drei Provinzen der Autonome Gemeinschaft Baskenland sowie die Provinz Navarra und in Frankreich das nördliche Baskenland im Westen des Département Pyrénées-Atlantiques. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte von 1959 bis 1973 ein Wirtschaftsaufschwung in Spanien, der in den vier Provinzen des südlichen Baskenlandes durch starken Industrialisierungsschub gekennzeichnet wurde. 1959 entstand dann die radikal-nationalistische Gruppe ETA (Euskadi ta Askatasuna = Das Baskenland und dessen Freiheit) mit dem Ziel der Befreiung, der Loslösung und Unabhängigkeit des Baskenlandes von Spanien durch den bewaffneten Kampf. Seit 1961 verübte die ETA Sabotageakte, 1968 gab es das erste Todesopfer. 1975, nach dem Tod Francos, wurde der Kampf gegen die ETA begonnen, bei dem vom spanischen Staat unterstützte Gruppen gegen die ETA kämpften. Im März 2006 verkündete dieETA eine einseitige Waffenruhe zur Aufnahme von Friedensgesprächen mit der spanischen Regierung. Mit einem am 30. Dezember 2006 verübten Sprengstoffanschlag auf den Flughafen Barajas in Madrid hatte die ETA die Waffenruhe allerdings noch im gleichen Jahr gebrochen, dabei kamen zwei Menschen ums Leben.

Aber wie geht es in Europa weiter? Die rechtsradikalen Parteien, die allesamt gegen die EU eingestellt sind, werden hart daran arbeiten, zu erreichen, dass Volksabstimmungen über den Verbleib in der EU in ihren jeweiligen Ländern abgehalten werden. Das ist z.B. auch das erklärte Ziel von Marine Le Pen. Sollte sie Präsidentin von Frankreich werden – die Wahlen finden im April/Stichwahl im Mai 2017 statt – wird sie auf diese Volksabstimmung dringen. Ohne Frankreich wäre die EU wohl zu Ende. Und was kommt dann? Darüber gib keiner dieser Proponenten des Austritts genaue Auskünfte – jedenfalls würde der Einfluss oder die Herrschaft Russlands über Europa gewaltig zunehmen (le Pen z.B.  ist ja in Russland hoch verschuldet).

Wollen wir das?

Exit – Sezession -allüberall?

Wohin führt Trump Amerika?

und was bedeutet das für uns Europäer?

Eigentlich mag ich nicht schon wieder über Trump schreiben, aber er fordert ja Kommentare direkt heraus. Andererseits – vielleicht können wir gar nicht mehr so lange über ihn schreiben, er handelt ja so, dass es scheint, er wäre nicht regierungsfähig.

Seine Hauptziele scheinen derzeit darin zu liegen, dass er alles abschaffen will, das sein Vorgänger eher mühsam erreicht hat. Das ist zwar kein Programm, aber angekündigt hat es Trump im Wahlkampf. An Obamacare ist Trump grandios gescheitert. Das überlässt er jetzt sich selbst, in der Hoffnung dass es „implodieren“ wird. Damit muss man sich neuen Themen zuwenden, und zwar der Abschaffung aller Maßnahmen, die dem Klimaschutz gedient haben, der angeblich so viele Arbeitsplätze gekostet haben.

Von einer Seite wird Trump vorgeworfen, ein Faschist zu sein, eine andere Seite vergleicht ihn mit Lenin während der Oktoberrevolution. Er selbst soll von Bannon, seinem Chefstrategen, gesagt haben, er wüsste nicht, ob dieser nun rechts oder links wäre. Diese Kategorien treffen auch auf ihn selbst nicht zu.

Während seines Wahlkampfes stellte er sich eher reaktionär dar, scheinbar in Einklang mit der Fremdenfeindlichkeit der europäischen extremen Rechten. Er brachte jedenfalls Demagogie in den Wahlkampf. Man fürchtet nun um die Demokratie und sieht Parallelen zwischen der derzeitigen Situation in den USA und den dreißiger Jahren in Europa, als sich die Tyrannen entwickelten.

Besonders Trumps Attacken gegen die Medien und sein permanentes Lügen höhlen die Demokratie aus: „Post-truth is pre-facism“. Zu diesem düsteren Bild trägt auch Trumps Feinseligkeit gegen Immigranten und Muslime bei. Man wählt einfach eine bestimmte Gruppe von Bürgern aus und verbindet sie mit einer weltweiten Drohung – das geschah in den 1930ern. Das waren damals in Deutschland die Juden in Verbindung gebracht mit den Weisen von Sion.

Heute halten wir Hitler und Stalin für die übelsten Bösewichte, aber anfänglich wurden sie nicht so gesehen, es bedurfte einer Übereinstimmung der Wähler mit ihren Zielen. Hitler wurde schließlich demokratisch gewählt, um hinterher die Demokratie abzuschaffen. Aber es gibt einen gravierenden Unterschied zu dem 1930er Faschismus. Trump predigte vielleicht einen antikapitalistischen Populismus während des Wahlkampfes, der aber jetzt bei der eingeschlagenen Politik fehlt. Es mangelt auch die europäische Ausgangslage für Diktatoren der 30er Jahre: der Schlüssel für den Erfolg des Faschismus war das Versprechen riesiger Aufbauprojekte der durch den Krieg zerstörten Staaten und die nach wirtschaftlichen Ruin wieder rehabilitiert würden. Der Faschismus hat seine Kraft nicht daraus bezogen, dass er die niedrigsten Instinkte der Menschen ansprach, er kümmerte sich um die gesellschaftlichen und psychologischen Nöte der Bürger, um sie vor dem verheerenden Wüten des Kapitalismus der damaligen Zeit zu schützen, als andere politische Kräfte wenig Hilfe boten.

In der Zeit der großen Depression versprachen die Faschisten Sozialhilfe, staatlichen Einfluss auf die Wirtschaft, und ein besseres Los für die Unterdrückten. Der „New Deal“ in den Vereinigten Staaten war eine Antwort  auf ähnliche Bedingungen, aber ohne das extreme politische Ergebnis. Es ist keine Frage, dass Gewalt und Rassismus wesentliche Züge des Faschismus gewesen sind. Aber für die Mehrzahl der Italiener, Deutschen, Österreicher und andere europäische Faschisten war die Anziehungskraft des Faschismus nicht wegen Rassismus oder ethnische Säuberung, aber die erwartete Fähigkeit der Faschisten auf die Krise des Kapitalismus zu antworten.

Im Wahlkampf bediente sich Trump ähnlicher Argumente: der derzeitige Status hätte Millionen vergessener Amerikaner zurückgelassen, nationale Interessen den Globalismus-Eliten untergeordnet und war schwach gegenüber ausländischen Feinden. Aber alles, was sich seit der Inauguration gezeigt hat, den Abbau des „administrativen Staates“, das Sicherheitsnetz für die Armen zu demontieren, die üppige Unterstützung seiner eigenen Interessen durch den Steuzerzahler, zeigte ein sehr ego-zentriertes Programm.

Auch daher sollte man auf Trump nicht durch die Faschismusbrille schauen, er hat keine faschistische Organisation hinter sich. Er war und ist ein Fernsehstar, er organisiert und mobilisiert die Massen nicht, er richtet sich an ein Publikum von Konsumenten. Faschistische Ideen sind heute weniger weit verbreitet als sie vor 70 oder 100 Jahren waren, während der McCarthy Ära oder während der Periode der Roten Angst (red scare: sie war geprägt von antikommunistischer Hysterie, die sich in Stigmatisierung und Verfolgung der politischen Linken, insbesondere auch von Einwanderern  , manifestierte).Die bolschewikische Bedrohung existiert nicht länger. Putin hat für die Amerikaner noch nicht das Gewicht von Stalin. Das Gespenst des Terrorismus ist im Moment weniger bedrohlich, schreckt die Amerikaner derzeit nicht soweit, dass sie ihre Freiheit zugunsten von Versprechungen von Sicherheit aufgeben würden. Das haben sie schon nach 9/11 getan. Dennoch führt der neue amerikanische Weg ins Ungewisse.

Der Aufstieg Trumps ist nicht eine plötzliche Rückkehr zur Barbarei, es entspricht nicht einem Meteor, der plötzlich auf ein friedliches Land niederfällt, es ist auch kein Wiederwachen des Faschismus, sondern etwas Neues, das man vielleicht als „Post-Faschismus“ bezeichnen könnte?

Was wirklich kommen wird, kann jetzt noch nicht gesagt werden, aber es werden endlose politische Kämpfe sein. Historische Vergleiche geben uns moralische und faktische Richtungen vor, aber wie es mit Trump weiter, davon hat wirklich niemand eine Vorstellung – wahrscheinlich auch er selbst nicht.

Wohin führt Trump Amerika?

1967 – vor 50 Jahren, „die gute alte Zeit“?

Im Radio wird derzeit davon berichtet, dass das Radiofunkgesetz mit 1. Jänner 1967 in Kraft getreten war. Begonnen  hatte es mit dem ersten Volksbegehren, dem Rundfunkvolksbegehren,  es wurde im Jahr 1964 abgehalten. Ziel des Volksbegehrens war, den Österreichischen Rundfunk durch ein Gesetz aus der Tagespolitik und den jeweils herrschenden politischen Verhältnissen herauszuhalten, und ihn damit zu einem unabhängigen Medium zu machen. Nachdem Josef Klaus unerwarteter Weise mit der ÖVP die absolute Mehrheit erlangt und die erste Alleinregierung gebildet hatte, löste er das Wahlversprechen ein. Am 8. Juli 1966 wurde das Rundfunkgesetz mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ beschlossen und trat mit dem 1. Jänner 1967 in Kraft.

Am 21.Februar wird die Skipiste Hohe-Wand-Wiese in Wien zum Austragungsort des weltweit ersten Parallelslaloms. Heute mussten große Umstellungen vorgenommen werden, um überhaupt einen Schibetrieb dort aufrecht zu erhalten.

Eine Sensation: Am 6. März reist Swetlana Allilujewa, die einzige Tochter des früheren sowjetischen Staats- und Parteichefs Josef Stalin, in die USA ein und lässt sich dort nieder.

Am  21. April 1967 kam es zum Putsch des Militärs in Griechenland und zu dessen Machtübernahme. Das Regime konnte sich aufgrund der militärischen Bedeutung Griechenlands für die NATO und die USA vorübergehend stabilisieren, doch es kam im November 1973 durch innere Konflikte zu einem  internen Machtwechsel. 1974 verlor die Junta jede internationale Duldung und die Unterstützung im eigenen Offizierskorps und wurde zum Rücktritt gezwungen.

Während eines Staatsbesuchs des Schahs des Irans kommt es am 2. Juni in Berlin zu Demonstrationen und schweren Ausschreitungen. Der Student Benno Ohnesorg wird von einem West-Berliner Polizisten erschossen. Ohnesorgs Erschießung und der gerichtliche Freispruch für den Täter tragen zur Ausbreitung und Radikalisierung der westdeutschen Studentenbewegung der 1960er-Jahre bei.

Am 1. Juni veröffentlichen die Beatles ihr epochales Pop-Album Sgt. Pepper’sLonely Hearts Club Band

Es beginnt der so genannte Sechstage-Krieg zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien, und Syrien, er dauerte vom 5. bis zum 10. Juni 1967. Unmittelbare Auslöser des Krieges waren die ägyptische Sperrung der Straße von Tiran für die israelische Schifffahrt, der von Nasser erzwungene Abzug der UNEF-Truppen vom Sinai und ein ägyptischer Aufmarsch von 1000 Panzern und fast 100.000 Soldaten an den Grenzen Israels. Der Krieg begann mit einem Präventivschlag der israelischen Luftstreitkräfte gegen ägyptische Luftwaffenbasen, der einem befürchteten Angriff der arabischen Staaten zuvorkommen sollte. Jordanien, das am 30. Mai 1967 einen Verteidigungsvertrag mit Ägypten geschlossen hatte, griff daraufhin Westjerusalem und Netanja an. Am Ende des Krieges kontrollierte Israel den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel (dazwischen wieder an Ägypten retourniert und vom IS bedrängt), die Golanhöhen, das Westjordanland und Ostjerusalem. Der Ausgang des Krieges beeinflusst die Politik der Region und seiner Verbündeten bis zum heutigen Tag.

Aber auch der Vietnam-Krieg tobte zu dieser Zeit heftig, und die Verbündeten beider Seiten heizten den Konflikt an. So unterstützte die Sowjetunion das Land mit Hilfszahlungen in Höhe von jährlich 400 Millionen Rubel und lieferte umfangreiche Waffen, darunter Panzer, Flugabwehrraketen, damals moderne Abfangjäger, Radargeräte und monatlich 150.000 Tonnen Treibstoff und 150.000 Tonnen Getreide. Im April 1966 hielten sich rund 500 sowjetische Militärspezialisten im Land auf. Die Volksrepublik China lieferte 1966 rund 250.000 Tonnen Reis. Ab 1965 gab es einen systematischen Luftkrieg der USA gegen Nordvietnam. Bis 1968 eskalierte der Krieg trotz militärischer Überlegenheit der USA.

Die Hippiebewegung (gegen den Vietnamkrieg eingestellt) erreicht mit dem Summer of Love einen Höhepunkt

Am 27. Juni wird in England der erste Geldautomat in Betrieb genommen -ein Leben ohne Geldautomaten ist heute kaum vorstellbar.

Wahrscheinlich können sich nur Ältere an den Ausdruck „er schaut aus wie ein Biafra Kind“ erinnern: Am 6. Juli 1967 war der Beginn des Biafra-Krieges in Nigeria. Es ging um die Sezession des nigerianischen Gebietes Biafra im Süd-Osten von Nigeria, einem Vielvölkerstaat mit zwei Hauptreligionen, dem Christentum im Süden Nigerias und dem Islam im Norden. Ein Muster, das seither in vielen afrikanischen Staaten zu bitteren Kriegen geführt hat. Seit der Unabhängigkeit Nigerias von Großbritannien im Jahr 1960 rangen einige Völker Nigerias um die Vormachtstellung im Staat. Dabei fühlten sich vor allem die in der Biafra-Provinz beheimateten Christen gegenüber den Muslimen des Nordens benachteiligt. Verschärft wurde der Konflikt dadurch, dass in der Nähe des  christlichen Siedlungsgebietes im Nigerdelta Erdöl entdeckt wurde, das bald zu einer wichtigen wirtschaftlichen Stütze Nigerias heranwuchs. Nach dem Putsch vom 15. Januar und dem Gegenputsch kam es zu einem Pogrom an den Christen, von denen mehrere Zehntausend starben.

Im Juli 1967 kommt es zu schweren Rassenunruhen in den USA, in Newark bei New York und in Detroit. Der Boxer Muhammad Ali verweigert den Kriegsdienst in Vietnam.

Am 9. Oktober wird Che Guevara von einem Feldwebel der bolivianischen Armee ohne Gerichtsverhandlung erschossen. Ernesto Rafael Guevara de la Serna, genannt Che Guevara (*1928, † 1967) war ein marxistischer Revolutionär, Guerillaführer, Arzt und Autor. 1956 bis 1959 war er ein zentraler Anführer (Comandante) der Rebellenarmee der Kubanischen Revolution und ist neben Fidel Castro deren wichtigste Symbolfigur. Einzelne seiner Schriften und Reden beeinflussten revolutionäre Strömungen weit über Kuba hinaus. Sein Leben wie sein Sterben führten zu einem posthumen weltweiten Personenkult.

An seinem 48. Geburtstag, am 26. Oktober finden die Krönungsfeierlichkeiten von Schah Mohammed Reza Pahlavi und seiner Ehefrau Farah statt. Farah Diba war eine Bürgerliche und diente mit ihrer aufgetürmten Frisur weltweit al Role Model.

Erst am 30. November endet die britische Kolonialherrschaft im Südjemen; daraufhin wird die  Republik Südjemen ausgerufen. Ein weitere kriegerischer Hotspot bis in unsere Tage. Heute herrscht dort eine Hungersnot.

Im Dezember erfolgt die erste Herztransplantation durch Dr. Christaan Barnard in Kapstadt. Heute eine durchaus gängige Operation.

Im Dezember wagt der griechische Könit Konstantin II. einen Gegenputsch  gegen das Obristen-Regime, der Putsch misslingt, er geht ins Exil, jedoch ohne Abdankung.

Ebenfalls zu dieser Zeit erfindet Wolfgang Hilberg  die Funkuhr. Können wir uns die Zeitumstellung auf Sommerzeit ohne Funkuhren noch vorstellen?

Vieles hat sich verändert, vieles wirkt bis heute! Eine gute alte Zeit? Ich bewzeifle das!

1967 – vor 50 Jahren, „die gute alte Zeit“?

laetare – „freue dich“

 

Laetare ist das heutige Moto der  christlichen Kirchen. Laetare („freue dich!“) ist der nach dem Anfangswort des Introitus in der römisch-katholischen und evangelisch-lutherischen Liturgie benannte vierte Fastensonntag oder vierte Passionssonntag. Der gesamte Text lautet: „Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr über sie traurig wart. Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum!“ In der römisch-katholischen Kirche wird Laetare umgangssprachlich zuweilen auch „Rosensonntag“ genannt, da an diesem Tag vom 11. bis zum 19. Jahrhundert die Goldene Rose (Tugendrose) gesegnet wurde, die der Papst einer Person oder Institution verlieh, die sich um die Kirche besonders verdient gemacht hatte. Regional wird Laetare auch „Todsonntag“ genannt, was auf den Brauch des allegorischen Todaustragens von Winter und Sommer zurückgeht, bei dem der Sommer gewinnt.

Das Feuer, Symbol der Sonne, des kommenden Sommers, soll die Natur wecken, Fruchtbarkeit bewirken. Das Scheibenschlagen ist heute noch üblich: Glühende Holzscheiben oder brennende Karrenräder wurden von einem Hügel oder Berg ins Tal laufen gelassen. Funkenschlagen, das Schwenken einer mit Stroh umwickelten brennenden Stange, hatte den gleichen Sinn. Beim Saatgang zog man mit brennenden Fackeln durch die Felder. Fackelschwingen oder Fackelwettrennen waren üblich. Laetare hieß in England zu Zeiten von Heinrich III. (1216–1239) „Mothering Sunday“, ein Tag, an dem der „Mutter Kirche“ für ihre Mutterschaft gedankt wurde. Zu diesem Feiertag der Kirche gehörte es schon damals, dass auch gegenüber der leiblichen Mutter an diesem Tag Dank ausgedrückt wurde – ein Vorläufer des heutigen „Muttertages“.

Aber jetzt abgesehen, von all den Bräuchen: haben wir nicht hier in Österreich Grund zur Freude? Der Frühling kommt, der Himmel ist blau und allenthalben sprießt es grün und bunt. Wir leben in einer funktionierenden Demokratie. Ja, sicher, die Koalitionspartner streiten über Petitessen, aber im Grunde funktioniert unsere Demokratie. Wir sind ein wohlhabendes Land, die Aussichten der Wirtschaftsentwicklung haben sich gebessert, ja, sicher, wir haben eine viel zu hohe Arbeitslosigkeit, aber gehen wir davon aus, dass sich das durch den Wirtschaftsaufschwung verbessert. Wir haben ein Bildungssystem, das den Kindern im Land eine gute Ausbildung gewährleistet. Werden wir nicht von anderen für unser duales Bildungssystem beneidet? Sind Fachkräfte von uns nicht im Ausland gefragt? Ja, sicher, unser Bildungssystem ist eine permanente Baustelle, aber muss sich das Bildungssystem nicht laufend den gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen? Ja, es harren viele offenen Frage einer Lösung, aber sie wird immerhin angestrebt und die Verantwortlichen „raufen sich alleweil wieder zusammen“. Wir haben noch immer ein funktionierendes Pensionssystem, trotz aller Unkereien, die Pensionen werden ausbezahlt, und eigentlich sinkt der Staatszuschuss. Selbstverständlich muss endlich das Pensionsalter der Frauen jenem der Männer angepasst werden, ja sicher muss das Pensionsantrittsalter dem steigenden Lebensalter angepasst werden, das ist bei der österreichischen Mentalität schwierig, aber nach und nach, Schritt für Schritt wird uns auch das gelingen. Wir haben ein funktionierendes Gesundheitssystem für alle. Ja, die Wartezeiten in den Ambulanzen sind mancherorts unerträglich, natürlich ist es nicht zulässig, dass Patienten in Betten auf dem Gang liegen. Grad auf diesem Gebiet gibt es noch „Gleichere“, die sich eine frühere Leistung „kaufen“ können. Ja, es sollte auf die Schwere der Erkrankung ankommen, aber auch das ist bereits ein guter Vorsatz der Gesundheitsministerin. Im Moment ist auch noch die Pflege der Alten und Gebrechlichen kein Problem, dank der vielen Osteuropäerinnen, die diesen verantwortungsvollen Job ausfüllen. Sicher, es gilt auch diesbezüglich Vorsorge für die Zukunft zu treffen. Wir sind auch – bis jetzt – und dafür müssen wir nicht nur dankbar sein, sondern auch wachsam bleiben, von großen terroristischen Anschlägen verschont geblieben. Diesbezügliche Angst ist ein schlechter Ratgeber, vor der wir uns hüten müssen. Und die Integration der Flüchtlinge holpert noch, aber wir sind ja lernfähig.

Die EU wird sich längerfristig auch von dem Brexit erholen und langsam (und mühsam) wieder Fahrt aufnehmen, bei ihrer eigenen Fortentwicklung. Auch dort wird gestritten, aber es werden Kompromisse gesucht – und letztlich immer auch wieder gefunden. Es ist gut, dass Österreich jetzt versucht , Initiativen zu ergreifen, um vor allem das Flüchtlingsproblem zu lösen – vielleicht ist lösen zu viel gesagt, aber zu seiner Lösung beizutragen.

Und auch auf der internationalen Bühne wird dafür gesorgt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Ein bissel Schadenfreude sei mir gegönnt, aber auch Trump kann nicht alle seine Anliegen durchsetzen. Erdogan ist sicher eine wachsende Bedrohung – primär für sein eigenes Volk – aber es ist noch nicht sicher, dass es am 16. April eine Zustimmung zu seine „Diktaturwünschen“ geben wird.

Ja, die Kriege in Syrien, im Irak, im Jemen wüten weiter, ein Ende ist nicht abzusehen. Auch Afghanistan wird zunehmen d unsicherer, die Warlords wittern wieder ihre Chancen und der Taliban wird wahrscheinlich wieder zunehmend Frauen unterdrücken.

Trotzdem  ist Österreich ein gutes Land, indem wir leben. Perfekt ist es nirgends. Aber es gibt Anstrengungen, es zu verbessern. Daher sollte nicht (nur) gejammert werden.

Also laetare, freue Dich!

laetare – „freue dich“

Vom Kochen und vom Essen

Ich gebe es ja zu: ich esse gerne und ich koche gerne. Gern gegessen habe ich schon immer. Und das Kochen hat sich außerordentlich gewandelt – aber auch das Essverhalten. Einen Teil meiner Kindheit verbrachte ich auf dem Land. Da gab es noch die großen Herde. Oben, auf der Kochfläche waren Öffnungen, die mit diversen Ringen abgedeckt werden konnten, um Speisen in Töpfen verschiedener Größen kochen zu können. Diese Oberfläche  wies auch verschiedene Wärmegrade auf. Direkt über dem Feuer war es heiß, gegen die Ränder zu wurde es kühler. Also ein optimales Umfeld zu gleichzeitigen Kochen von Speisen mit unterschiedlichen Wärmeanforderung.

Geheizt wurde mit Holz, das vorher in Scheite gehackt werden musste, zum Entzünden des Feuers benötigte man eher ganz dünne Späne und Papier, das Holz lagerte in einer Kiste beim Herd und es war Aufgabe der Kinder, diese Kiste immer wohl gefüllt zu halten. In diesem Herd gab es auch ein Backrohr, und einen Wasserbehälter aus Kupfer, wo man schnell warmes Wasser ablassen konnte. Unter glücklichen Umständen lag eine schnurrende Katze neben dem Stockerl für jene, die das Feuer zu entfachen hatten. Und entfacht wurde es neu für jede Mahlzeit. Bis der Herd dann die richtige Temperatur hatte, dauerte es ein Weilchen. Nach dem Mittagessen musste der Herd wieder geputzt werden, d.h. die Asche musste ausgeleert, die Kochplatte und die Ringe gereinigt werden, sollte etwas übergangen sein. Der Rand musste geschmirgelt werden, bis er glänzte. Aufwändig, alles das. In der Stadt gab es zu dieser Zeit natürlich schon die Gasherde, die in etwa jenen entsprechen, die heute verwendet werden.

Dazu gab es zwar „Eiskästen“: aber das Eis wurde in Blöcken von Männern ins Haus geliefert, die offene Säcke über Kopf und Schultern trugen. Sobald das Eis geschmolzen war, musste dann das Wasser wieder entsorgt werden. Geschirrwaschmaschinen gab’s nicht, es gab zwei Schaffeln, die mit heißem Wasser gefüllt waren, in dem einen  wurde abgewaschen, in dem anderen geschwemmt und das Geschirr auf Gestelle gestellt – zum Abtropfen. Das Geschirr mit den Geschirrtüchern zu trocknen war meist die ungeliebte Aufgabe der größeren Kinder.

In meiner Kinderzeit musste aus frischer Ware selbst verfertigt werden, das heute selbstverständlich gekauft wird. Heutige Selbstverständlichkeiten, wie gefrorenes Gemüse gab nicht. Wann dieses Gemüse reif und am Markt war, mussten die Erbsen z.B. selbst ausgelöst werden, Spinat geputzt, gekocht und gehackt oder passiert werden. Dazu benützte man die so genannte „Flotte Lotte“, die hinterher auseinandergenommen und gewaschen werden musste. Und all das wurde nicht in einem Supermarkt gekauft, sondern in verschiedenen Geschäften, z.B. beim Fleischhauer, im Gemüsegeschäft oder bei einem Pracker, einem Wanderhändler, der auf einem Karren die Ware vor sich herschob. Die Milch, Butter konnte bei der Milchfrau besorgt werden, wozu man allerdings die gewaschenen Flaschen mitbringen musste, auf diese wurden als Verschluss ein Pappendeckel-Blatterl gesetzt. Das Henderl besorgte man in der Geflügelhandlung – wo man auch rechtzeitig z.B. die Weihnachtsgans bestellte, dort wurde auch Wild verkauft. Fische standen ja nicht so oft auf dem Speiseplan und wenn, dann waren es meist einheimische Süßwasserfische wie Forellen oder Karpfen, und die wurden in der Fischhandlung angeboten.

All das war mit Berufstätigkeit – die für Frauen damals ohnedies viel seltener als heute war – kaum zu vereinbaren. Allerdings waren Haushaltshilfen auch selbstverständlicher als sie heute sind.

Am Land wurde vieles selbst gemacht, Tiere wurden selbst geschlachtet. Ich  erlebte als Kind, als meine Tante einem fürwitzigen Hahn den Kopf auf dem Hackstock mit einer großen Hacke abhackte. Als der Hahn dann noch kurz kopflos herumlief, war’s um meine Fassung geschehen. Hühner, oder auch geschossene Rebhühner mussten gerupft werden, geschlachtete Hasen abgezogen werden. All das war die Arbeit der Frauen und Kinder. Bei größeren Tieren musste das Blut aufgefangen werden, um die Blunzen zu produzieren, Würste vorbereitet und Fleisch portioniert werden, um es dann haltbar zu machen, durch Suren, Räuchern, „Einwecken“, kochen etc.

Am Land gab es auch den Gemüsegarten, der gepflanzt,  gegossen, gejätet und geerntet werden musste. Dort wuchsen auch die Kräuter, die entweder frisch verwendet wurden oder später getrocknet wurden , um auch im Winter würzen zu können.

Die Küchen hatten somit wenig Ähnlichkeit mit unseren heutigen: keine Induktionsfelder, keine Dampfgarer, keine Fritteusen, keine Brotschneidemaschinen, keine Griller (gegrillt wurde im Freien auf Spießen), keine Küchenmaschinen, der Schnee oder das Schlagobers wurde mit der Schneerute geschlagen ….. Der Speiseplan hat sich auch gewandelt. Damals gab’s oft Suppen und dann Mehlspeisen, die aber auch vollständig selbst gemacht werden mussten: so z.B. der Teig für den Apfelstrudel, wenn er „Ausgezogen“ wurde, durfte er ja keine Löcher bekommen und er musste so dünn sein, dass man eine Zeitung darunter lesen können musste. Selbstverständlich wurden alle Knödelarten selbst gemacht: von den Germknödeln über die Zwetschgen- und Marillenknödel. Heute sind die Kühlregale in den Supermärkten voll davon, da gibt’s auch noch Kaiserschmarrn und vieles mehr. Meine Mutter machte auch noch die Suppennudeln selbst. Bröseln wurden nicht gekauft, sondern aus altem Brot gerieben.

Wenn ich heute Rezepte lese (und das tu ich gerne) scheitere ich oft schon an den Zutaten. Ich weiß nicht, was sie sind und schon gar nicht, wo ich sie bekommen könnte. Aber das kommt wahrscheinlich aus der Fusion-Küche. Eine Weile, da  hab‘ ich Kochbücher gesammelt; dann aber festgestellt, dass ich aus den meisten nur wenige Rezepte regelmäßig nachkoche – und somit reicht mein Kochbuchvorrat auf Lebenszeit.  Ich experimentiere ja  gerne beim Kochen, ich mache auch noch das Erdäpfelpüree aus Erdäpfeln und nicht aus dem Packerl, aber für gefrorene Erbsen oder Spinat bin ich schon dankbar. Aber allzu lange darf die Kocherei auch nicht dauern, es gibt ja so viel anderes zu tun!

 

 

Vom Kochen und vom Essen