Werden 4000 zusätzliche US Soldaten die Taliban ausrotten können?

Wenn man über Afghanistan spricht, muss man die Taliban erwähnen.  Die Taliban sind aber nicht die einzige extremistische Organisation, die in Afghanistan ansässig ist, da gibt es noch die Al-Qaida, Vertreter des Islamischen Staates aber auch das hierorts weniger bekannte Haqqani-Netzwerk (militante, terroristisch-islamistische Organisation in Afghanistan und Pakistan; wird für zahlreiche tödliche Anschläge in Afghanistan verantwortlich gemacht).

Die Taliban selbst gehören der ideologischen Schule der Deobandis an, einer fundamentalistischen Gruppe mit Hauptsitz in Deoband, Indien. In der Koranschule in Peschawar, dem größten pakistanischen Ableger der Dar ul-‚Ulum Haqqania-Koranschule, rekrutierten sich viele hochrangige Taliban. Politischer Zweig und Unterstützer der Schulen der Deobandis ist die Partei Jamiat Ulema-e-Islam in Pakistan. 2007 wurden die Medresen in Pakistan auf 13.500 geschätzt, andere gehen von 20.000 aus.

Die Taliban zerstörten auch kulturelle Zeugnisse, die sie als unislamisch werteten. Dazu gehörten die Buddha-Statuen von Bamiyan (UNESCO Weltkulturerbe) sowie buddhistische Ausstellungsstücke des Museums in Kabul.

Während der Regierungszeit der Taliban im Islamischen Emirat Afghanistan von 1996 bis 2001 wurden die Taliban durch die Unterdrückung von Frauen weltweit bekannt. Ihr Ziel war es, ein „sicheres Umfeld für die Frau zu schaffen, in der ihre Keuschheit und Würde wieder unantastbar ist“. Frauen wurden gezwungen, in der Öffentlichkeit die Burka zu tragen, weil „das Gesicht der Frau eine Quelle der Korruption für die mit ihr nicht verwandten Männer ist“. Es wurde Frauen verboten zu arbeiten, und sie durften ab einem Alter von acht Jahren nicht mehr unterrichtet werden. Dieses Arbeitsverbot hat besonders Witwen betroffen, die ihren Unterhalt nur mehr durch Bettelei finanzieren konnten. Durch die Wirren des Krieges lebten allein in Kabul ca. 30.000 Frauen als Witwen ohne jegliche männliche Verwandtschaft.

Nachdem sie die Kontrolle über Afghanistan erkämpft hatten, erließen die Taliban zudem Edikte, die die Rechte der Frauen noch weiter einschränkten. Sie betrafen die Bereiche Bildung, medizinische Versorgung, Kleidung und Verhalten in der Öffentlichkeit. Mädchen war es verboten, zur Schule zu gehen. Viele Schulen wurden geschlossen, worauf die Mädchen, wenn überhaupt, nur noch privat unterrichtet werden konnten.

Zugang zu medizinischer Versorgung war vor allem den Frauen fast unmöglich. Es gab zur Zeit der Talibanherrschaft in Kabul ein einziges Krankenhaus, in dem Frauen behandelt werden durften. Dort war die Grundausstattung mangelhaft, Röntgen- oder Sauerstoffgeräte und Medikamente fehlten, fließendes Wasser war nicht vorhanden. Es war schwierig überhaupt behandelt zu werden, ohne männlichen Begleiter durfte einer Frau nicht geholfen werden. Da es männlichen Ärzten generell verboten war, Frauen anzuschauen oder zu berühren, konnten Frauen nur noch sehr eingeschränkt untersucht werden. Das Tragen der Burka war auch während der Behandlung Pflicht. Eine einfache Untersuchung oder ein Zahnarztbesuch war fast unmöglich, da der Schleier nicht hochgehoben werden durfte. Um die Einhaltung dieser Gesetze zu wahren, waren Taliban-Mitglieder in den Krankenhäusern anwesend. Falls sich Ärzte den Taliban-Gesetzen dennoch widersetzten, wurden schwere Strafen verhängt: z. B.  Schläge, Berufsverbot und Gefängnisstrafen.

Sowohl in den Städten als auch auf dem Lande waren (und sind teilweise heute noch) die hygienischen Verhältnisse auf niedrigstem Niveau. Öffentliche Bäder waren, soweit noch vorhanden, Frauen generell nicht mehr zugänglich.

Die Taliban verübten systematische Massaker gegen die Zivilbevölkerung, insbesondere gegen Angehörige der mehrheitlich schiitischen Hazara-Volksgruppe. Anfang 1998 schnitten die Taliban das Hauptsiedlungsgebiet der Hazara, systematisch von UN Hilfslieferungen ab. Die sogenannte 055 Brigade al-Qaidas war ebenfalls an Gräueltaten gegen die afghanische Zivilbevölkerung beteiligt. Zeugenaussagen beschreiben, dass arabische Milizionäre lange Messer mit sich trugen, mit denen sie Kehlen aufschnitten und Menschen häuteten. Die Taliban verfolgten zudem eine Politik der Verbrannten Erde. Ganze Landstriche wurden verbrannt, gesamte  Städte niedergerissen, die Einwohner ermordet oder vertrieben.

Zivilisten sind mehr als doppelt so häufig das Ziel tödlicher Anschläge der Taliban als afghanische Regierungstruppen oder Truppen der ISAF. Das sind jetzt doch wohl Kriegsverbrechen. Selbst religiöse Führer verurteilten die Anschläge der Taliban als Verstoß gegen die islamische Ethik.

Neben dem Drogenhandel finanzieren sich die Taliban über Spenden aus dem Ausland, dem Abzweigen internationaler Hilfsgelder, Schutzgelderpressung und der Erhebung von Steuern in den von ihnen kontrollierten Gebieten. Im Jahr 2017 wurde angenommen, dass Russland die Taliban mit Waffenlieferungen unterstützt.

Im von den Taliban regierten Afghanistan in den späten 1990er Jahren verdienten die Taliban am Anbau von Drogen und am Schmuggel mit Opium, Heroin, Haschisch und anderen Gütern. Dabei ließen die Taliban den Bauern und der Weiterverarbeitung des Rohopiums zu Heroin freie Hand und erhoben auf Anbau sowie Handel Steuern.

Im Jahr 2001, vor den Terroranschlägen am 11. September, setzten die Taliban ein rigoroses Anbauverbot für Schlafmohn in Afghanistan durch, welches weltweit den bisher größten Rückgang an Drogenproduktion innerhalb eines Jahres in einem Land zur Folge hatte.

Daraufhin wurde nur noch im nicht von den Taliban kontrollierten Norden Afghanistans Schlafmohn angebaut. Jedoch handelten die Taliban weiterhin mit Opium und Heroin aus Lagerbeständen. Der Anbaustop führte zu einer „humanitären Krise,“ da sich Tausende Kleinbauern ohne Einkommen wiederfanden. Der Rohopiumpreis stieg damals von einem Allzeittief von 28 $/kg auf ein Allzeithoch von 746 $/kg am 11. September 2001. Später fiel er wieder auf 95 $/kg, wahrscheinlich weil Lagerbestände angesichts einer drohenden Invasion verkauft wurden.

Im Jahr 2002 stieg die Anbaufläche für Schlafmohn von 8000 auf 74.000 Hektar. In den von Taliban kontrollierten Gebieten erheben lokale Taliban-Kommandeure oft eine zehnprozentige Steuer nicht nur auf den Verkauf von Rohopium, sondern auch auf diverse andere Geschäfte, z. B. die von kleinen Läden und Kleinbetrieben. Bei Nichtzahlung der Steuer wird Gewalt eingesetzt. Taliban-Kommandeure finanzieren sich auf Dorf-Ebene aus weiteren mafiösen Geschäften, z. B. Wegzöllen, müssen aber einen Teil davon an die ranghöheren Kommandeure abgeben. Taliban-Kommandeure schützen Produktion und Schmuggel von Opium militärisch und verlangen dafür bis zu 20 % der Einnahmen. Dabei setzen sie Waffengewalt gegenüber staatlicher Polizei ein und überfallen mitunter Kontrollpunkte um Drogenkonvois freie Fahrt zu garantieren. Daneben sind Taliban-Kommandeure an der Besteuerung oder dem Betrieb von bis zu 60 Heroinlaboren beteiligt.

Spendengelder erhalten die Taliban aus allen Teilen der Welt, vor allem aber aus der Golfregion. Genaue Zahlen zu den Spendensummen seien zwar schwierig zu ermitteln, jedoch seien Spendengelder „wichtiger“ als der Drogenhandel.

Ob die geplanten 4000 US Soldaten diese Situation erheblich verbessern werden können, bleibt anzuzweifeln.

Der Zivilbevölkerung Afghanistans ist jedenfalls zu wünschen, dass sie nicht unter einer Taliban Herrschaft leben muss.

 

Werden 4000 zusätzliche US Soldaten die Taliban ausrotten können?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s