Byzanz und der Westen – 1000 vergessene Jahre: Ein Erlebnis

Von dieser Ausstellung „Byzanz und der Westen, 1000 vergessenen Jahre“ war ich sehr angetan. Die ausgezeichnete Führerin fragte die Teilnehmer, wieviel sie von Byzanz in ihrer Schulzeit gehört hätten, und es war nur ein Teilnehmer, der meinte, „ein wenig“. Man sollte meinen, dass mein Enkel (17 Jahre alt, achte Klasse Gymnasium) vielleicht mehr darüber gelernt hat, mitnichten!

Neulich, im Radio (oe1) habe ich im Rahmen einer Jazzsendung unerwarteter Weise einen Schlager, gesungen von Caterina Valente aus meiner grauen Vorzeit gehört: „Istanbul not  Constantinople“. Diese wunderbare Stadt hat mindestens drei Namen: Byzantion war eine um 660 v. Chr. am südwestlichen Ausgang des Bosporus gegründete Koloniestadt dorischer Griechen aus Megara, Argos und Korinth. Byzantium wurde unter römischer Herrschaft zu einer mittelmäßig wichtigen Stadt in der römischen Provinz Thracia. Byzantion von 326 bis 330 von Kaiser Konstantin I. zur neuen Hauptstadt des Römischen Reiches ausgebaut und in der Folgezeit Konstantinopel genannt. Nach der Eroberung der Stadt und des nach ihr benannten Byzantinischen Reichs durch die Türken war sie von 1453 bis 1923 die Hauptstadt des Osmanischen Reiches, aus der das heutige Istanbul hervorging.

Aber in dieser Ausstellung geht es nicht um die Stadt Byzanz, sondern um das Byzantinische Reich, uns oft besser bekannt als oströmisches Reich. Und selbst um dieses geht es nur zum Teil, denn es geht um die Beziehungsgeschichte zwischen dem byzantinischen Reich und dem „Westen“, denn wer sich auf der Schallaburg über Byzanz hätte informieren wollen, hätte dies 2012 tun müssen. Da lief die Ausstellung „Das goldene Byzanz und der Orient“.

Die Ausstellung beginnt mit der Teilung von West- und Ostrom und geht bis zum Fall Konstantinopels (1453). Unter der sogenannten Reichsteilung von 395 n. Chr. versteht man die nach dem Tod von Theodosius I. erfolgte Teilung des Imperium Romanum in eine westliche und eine östliche Hälfte, in der jeweils ein Kaiser residierte. West- und Ostrom waren im 5. Jahrhundert allerdings nicht etwa zwei voneinander unabhängige Reiche, sondern bildeten nach damaligem Verständnis weiterhin gemeinsam das unteilbare Imperium Romanum. So gab es weiterhin auch nur ein einziges römisches Bürgerrecht (civitas Romana). Latein war zwar anfänglich die gemeinsame Sprache, aber im Osten setzt sich Griechisch immer stärker durch und verdrängt letztlich die frühere gemeinsame Sprache. Auch das führte zu Missverständnissen.

476 endet das weströmische Reich mit der Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustus, den seine Gegner „Augustulus“ (Kaiserlein) nannten, durch den germanischen Heerführer Odoaker. Dieser wurde zum König von Italien ernannt und stellte Italien unter die Oberherrschaft des Kaisers von Ostrom. Damit war vorerst die hierarchische Stellung Ostroms eindeutig. Das sollte aber nicht so bleiben.

Aber man reist – aus verschiedenen Gründen: da sind jene, die sich als Söldner des einen oder anderen verdingen. Oft kehren sie nicht zurück, sondern siedeln sich auch im attraktiven Osten an.  Schon damals pilgert man ins Heilige Land, das ja damals noch Teil des Byzantinischen Reiches war.  Und der Handel blühte!  Der Osten weckt Begehrlichkeiten, denn nur dort gibt es z.B. Seide. Bekanntlich war es ja verboten Seidenraupen zu exportieren (nebstbei hätte man dann im Westen auch die entsprechenden Maulbeerbäume benötigt). Und Seide war im Westen sehr begehrt. Sie wurde nicht verkauft, sondern sie wurde nur verschenkt!  Die ausgestellten Seidenstoffe waren wunderbar fein gewebt mit komplizierten Mustern versehen. Auch noch anderes war im Westen rar: Reliquien. Die Kaiserin Helena (Mutter von Konstantin) hatte im Heiligen Land die drei Kreuze gefunden, auf denen Jesus und die beiden Mitangeklagten gekreuzigt worden waren. Kreuzsplitter wurden in wunderbaren, reich verzierten Behältern bewahrt und ausgestellt. Ein Drittes war „ein rares Statussymbol“ im Westen: eine byzantinische Prinzessin.   Auch die österreichischen Babenberger können byzantinische Prinzessinnen aufweisen: Theodora Komnena, Prinzessin von Byzanz, Herzogin von Österreich (* um 1134 in Konstantinopel; † 2. Jänner 1184 in Wien), wurde durch ihre Ehe mit Heinrich II. Jasomirgott von Österreich aus dem Haus der so genannten Babenberger, Markgräfin von Österreich (1149–1156), Herzogin von Bayern (1149–1156) und erste Herzogin von Österreich (1156–1177) und Theodora Angela Prinzessin von Byzanz, Herzogin von Österreich (* zwischen 1180 und 1185, † 22./23. Juni 1246 in Kahlenberg) war als Gemahlin von Leopold VI. dem Glorreichen von Österreich Herzogin von Österreich und Steiermark, wurde als Witwe Zisterzienserin im Stift Lilienfeld. Diese und andere Prinzessinnen kamen mit großem Hofstaat, mit all dem Geschmeide und Seidenkleidern, die im Osten üblich (standesgemäß) waren.

Aber im Westen steht die Zeit nicht still, nach dem Ende der großen Völkerwanderung blieben die Franken als Großmacht übrig. Und dort kam es zur Entwicklung eines neuen Kaisertums, das in Karl dem Großen gipfelte. Nun gab es doch eine Konkurrenzsituation, aber Kaiser Karl ließ sich vom Papst krönen. Ab dann ist es mit der Oberhoheit von Byzanz vorbei. Das bedeutet aber nicht, dass der Westen den prunkvollen Osten nicht bewundert, aber nun importiert man die Güter nicht mehr von dort, sondern man versucht deren Stil nachzuahmen.

Der byzantinische Bilderstreit war eine Zeit der leidenschaftlichen theologischen Debatte in der orthodox-katholischen Kirche und dem byzantinischen Kaiserhaus während des 8. und 9. Jahrhunderts, in der es um den richtigen Gebrauch und die Verehrung von Ikonen ging, die hier auch ausgestellt sind. .

Es kam auch zur Kirchenspaltung, zum morgenländischen Schisma, der ersten großen Spaltung der Christenheit. Ihre Auswirkungen reichen tief: nicht nur religiös, sondern auch politisch hat der Gegensatz zwischen Rom und Byzanz Europa bis heute geprägt. Differenzen hatte es schon lange vor 1054 gegeben, insbesondere zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel war es immer wieder zu Spannungen gekommen. Theologisch spielte dabei besonders die so genannte Filioque-Kontroverse eine Rolle. Hintergrund war ein 589 im Westen eingeführter Zusatz zum Glaubensbekenntnis, demzufolge der Heilige Geist nicht nur aus dem Vater, sondern auch aus dem Sohn („filioque“) hervorgeht. Am konfliktträchtigsten waren aber die politischen Spannungen wer war authentischer Nachfolger: Kaiser und Papst oder Kaiser und Patriarch.  Nun exkommunizierte man einander. Zudem beanspruchte Konstantinopel einige Territorien in Italien. Vor allem das Gebiet um Ravenna, aber auch Teile Unteritaliens gehörten zu seinem Einflussbereich. Als die Normannen begannen, die Gebiete zu erobern, veränderte sich das Kräftegleichgewicht. Aber diese Normannen passen Herrschaft und Verwaltung den Gewohnheiten ihrer Untertanen an. Das führt zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Blüte.

Nun kommt es auch zu den Kreuzzügen. Der Erste Kreuzzug war ein christlicher Kriegszug zur Eroberung Palästinas, zu dem Papst Urban II. im Jahre 1095 aufgerufen hatte. Sein ursprüngliches Ziel war die Unterstützung des Byzantinischen Reiches gegen die Seldschuken. Der Kreuzzug begann 1096 zum einen als bewaffnete Pilgerfahrt von Laien, zum anderen als Zug mehrerer Ritterheere aus Frankreich, Deutschland und Sizilien und endete 1099 mit der Einnahme Jerusalems durch ein Kreuzritterheer. Nun wurden auch eigene christliche Reiche in jenem Territorium gegründet, von dem die Byzantiner erwartet hatten, dass es ihnen zurückerstattet wird. Und es folgen weitere Kreuzzüge. Am schlimmsten wirkte sich jener auf diese Ost-West- Beziehungen aus, indem Konstantinopel von einem Kreuzfahrerheer (französische und venezianische Ritter) angegriffen, geplündert und angezündet wird. Byzanz wird nun (kurzfristig) katholisch.

Aber 1261erobern die Byzantiner Konstantinopel zurück. Doch schon bedrohen die Osmanen diese ohnedies schon klein gewordene Reich. 1453 ist es soweit, Konstantinopel fällt an die Osmanen.

Diese gesamte komplizierte Geschichte wird durch atemberaubende Objekte – von hie und da, die auch ausgetauscht wurden, untermalt. Diese Objekte wurden aus aller Welt zusammengestellt. Diese Ausstellung erfolgte in Kooperation mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. Sie ist auch die wertvollste Ausstellung, die je auf der Schallaburg zu sehen war. Einzigartige Exponate aus namhaften Sammlungen wie dem Pariser Musée du Louvre, Schatzkammer von San Marco, Israel Museum in Jerusalem verschiedenen Klöstern, der österreichischen Nationalbibliothek sind zu sehen.

Ich war ehrlich begeistert!

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