„Eigenlob stinkt“

Das bedeutet auch „Bescheidenheit ist eine Zier“, und Sie kennen den nun folgenden Teil dieser Redensart: „doch weiter kommt man ohne ihr“ – naja – um des Reims willen wird auf grammatikalische Korrektheit verzichtet. Man kann, wie oft fälschlich angenommen wird, nicht Wilhelm Busch dafür verantwortlich machen. Wenn man schon Zitate für gewisse menschliche Eigenschaften oder vielleicht besser gesagt, sogar Schwächen verwendet, könnte man auch sagen „Eigenlob stinkt“. Das heißt nun in die heutige Diktion übersetzt: es spricht für den guten Charakter eines Menschen, wenn dieser nicht mit seinen Fähigkeiten oder Leistungen angibt oder sie öffentlich darlegt. Zurückhaltung ist ein positiver Wert, bzw. Charakterzug eines Menschen. Wer ernsthaft daran interessiert ist, ein Teil der Lösung zu sein, statt ein Teil des Problems, der kommt nicht umhin, seine Lebensweise unter dem Aspekt der Bescheidenheit zu betrachten und auf Dinge und Aktionen zu verzichten, die entbehrlich sind. Und um noch ein Sprichwort in diesem Zusammenhang zu zitieren (meine Mutter hat es gerne verwendet) „Dummheit und Stolz, wachsen auf einem Holz“. Aber wie viele andere Redensarten, differenziert es zu wenig und generalisiert zu viel.

Die Wirtschaft und die Politik stellen diese Haltung, also Bescheidenheit, vor eine große Herausforderung, denn all unsere Systeme laufen mit großem Schwung exakt in die entgegengesetzte Richtung, wie man in allen Medien wahrnehmen kann.

Bescheidenheit (von „sich bescheiden“, „sich zurücknehmen“, „sich begnügen“, „verzichten“) ist im heutigen Sprachgebrauch gleichbedeutend mit „Genügsamkeit“, „Anspruchslosigkeit“, „Einfachheit“, „Zurückhaltung“. Sie kann sich auf die Wesensart eines Menschen beziehen oder auch nur ein bestimmtes Verhalten auszeichnen. In der positiven Bewertung bildet sie den Gegensatz zu Begriffen wie „Geltungssucht“, „Überheblichkeit“, „Unbescheidenheit“, „Maßlosigkeit“ oder „Prunksucht“. In einer spöttisch abwertenden Tönung findet sie sich in Redewendungen wie „eine bescheidene Leistung“, „mit einer bescheidenen Intelligenz gesegnet“, „aus bescheidenen Lebensverhältnissen kommend“. Selbstironisch spricht man auch von „mein bescheidener Anteil“ (= geringer Anteil), „meine bescheidene Person“ (= meine Wenigkeit – das ist schon seit längerer Zeit aus der Mode gekommen), „mein bescheidener Beitrag“, „meine bescheidene Gabe“ (= Mitbringsel/Spende).

Erst seit Martin Luther wird im Deutschen „Bescheidenheit“ auch gebraucht als Entsprechung zu lateinisch moderatio, modestia, also im Sinne von „Zurückhaltung“ wie im heutigen Alltagssprachgebrauch. Aber das Wort Bescheidenheit selbst stammt ursprünglich von „Bescheid geben“. „Bescheidenheit“ wird auch unter die „Zwölf Früchte des Heiligen Geistes“ eingeordnet, wie etwa im Katechismus der Katholischen Kirche. Sollten Sie die anderen 11 nicht kennen, es sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit.

Wer also mittels Verstandes zuträgliches von schädlichem Handeln „scheiden“ kann und selbst auch so handelt, dem wird Bescheidenheit nachgesagt. Dagegen führt uns ein „Geiz ist geil“ zu einem eher unbescheidenen Konsumieren.

Sich selbst zu loben gilt je nach Situation und Kulturkreis oft als anmaßend und selbstüberschätzend. Es wird auch differenziert zwischen Eigen- und Selbstlob: Eigenlob sei „nämlich ein Selbstlob, das sich ein Mensch ausschließlich, als Vorzug vor andern beilegt.“ Selbstlob sei positiver konnotiert und als Rechtfertigung gegenüber einer ungerechten Beschuldigung legitim.

Ich habe „Bescheidenheit ist eine Zier …“ nicht so sehr mit frugaler Lebensweise assoziiert, sondern vielmehr mit öffentlichem Auftreten – und wer fällt Ihnen ein, wenn von unbescheidenem Auftreten gesprochen wird? Wessen Eigenlob „stinkt Ihnen“?  Für mich ist das jedenfalls der jetzige 45. Präsident der USA. (Mir fielen auch noch ein paar anderer ein).

Aber man muss Trump zugestehen, dass er es damit oder dennoch (und auch vielen anderen positiven und negativen Eigenschaften) geschafft hat, Präsident der USA zu werden. Er am jedenfalls „weiter ohne ihr“ (Bescheidenheit).

Dass viele von uns in Europa manche seiner Aktionen, die vielleicht gut für die USA sind (aber auch wahrscheinlich primär seiner Wiederwahl und seiner Beschreibung in zukünftigen Geschichtsbüchern) – ob sie schädlich für den Rest der Welt sind, kümmert diesen Präsidenten ja nicht, ablehnen, ist wahrscheinlich auch auf deren Präsentation zurückzuführen.  Es muss fast immer „the greatest Deal“ sein, den er abgeschlossen hat, seien die Ergebnisse noch so mager.

Viele von uns fragen sich, warum er sich so präsentiert, und warum das so vielen seiner Wähler gefällt? Warten wir den Ausgang des Impeachment Verfahrens ab, das Trump wahrscheinlich wieder als seinen größten Triumpf verkaufen wird. Wahrscheinlich hilft es ihm sogar bei seinen Wahlkämpfen, denn die „bösen Eliten“ haben – nach seiner Sicht – ja versucht, seinen Wählern ihren Präsidenten wegzunehmen.

Oje, welche Aussichten!

„Eigenlob stinkt“

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