Heute ist St. Josefstag – auch ein Lostag

Auch um etwas von dem COVID-19 Umfeld abzulenken, schlage ich vor uns kurz in die Welt unserer Altvorderen zu begeben. Heute ist ein Lostag: Ist es am Josephstage schön, kann es nur gut weitergeh’n. Also schön war’s nur recht kurzfristig, bisher hat es geregnet, gegraupelt und richtiggehend geschneit.  

Also lassen wir lieber die Regeln für Lostage, die aufgrund des Klimawandels ohnedies nicht mehr stimmen können. Wenden wir uns dem Josef zu. Es geht um den Heiligen Josef von Nazareth. Die Evangelien und das Protoevangelium des Jakobus berichten, er sei Zimmermann oder Bauhandwerker aus Nazareth gewesen. Und er war Bräutigam von Maria, der Mutter des Herrn. Wesentlich ist, dass Josef aus dem Geschlecht des israelitischen Königs David stammen soll. Der Josefstag ist seit 1621 ein Fest im römischen Kalender. Aber in der Ostkirche wurde der hl. Josef schon sehr früh verehrt, in der Westkirche dagegen erst ab etwa 850 und nur sehr zögernd, da das juristische Vaterschaftsverhältnis im Mittelalter als schwer verständlich galt; eine theologische Profilierung seiner Persönlichkeit als Vater Christi sowie Ehemann der Maria und Verteidiger ihrer Jungfräulichkeit setzte ab dem 15. Jahrhundert ein. Seit dem 17. Jahrhundert wurde der hl. Josef, der der Überlieferung zufolge im Schoß Mariens und im Beisein Jesu starb, zum Schutzpatron der Sterbenden; seine Verehrung als Zuflucht für Sterbende wurde neben den Karmeliten besonders von den Jesuiten gefördert. Papst Benedikt XIII. fügte den Namen Josefs in die Allerheiligenlitanei ein. Papst Pius IX. ernannte Josef 1870 zum Patron der katholischen Kirche. Josef gilt als Frühlingsfigur, er trägt den Moment des Aufbruchs, des Anfangs in sich.

Neben dem Josefstag am 19. März wird seit 1955 auch der 1. Mai als „Josef der Arbeiter“ gefeiert. Papst Pius XII. hat den seit 1889 als „Kampftag der Arbeiter“ begangenen Tag als Zeichen der Aussöhnung mit der Arbeiterschaft eingeführt. Damit soll der Heilige geehrt, aber auch die Würde der menschlichen Arbeit bewusst gemacht werden. Josef ist also, wie oben erwähnt, Patron der gesamten Kirche, aber auch von Mexiko, den Philippinen, Kanada, Peru, Böhmen, der Steiermark, von Kärnten und Tirol, des Bistums Osnabrück und des Erzbistums Köln. Außerdem ist er der Patron der Ehepaare und der Familien, der Kinder und Jugendlichen, der Erzieher, der Zimmerleute, Holzfäller, Tischler, Handwerker, Arbeiter, Ingenieure, zudem Schutzheiliger in Wohnungsnot, in Versuchungen und verzweifelten Lagen, sowie für einen friedlichen Tod.

Wie sehen wir ihn zumeist, da in der Bibel nicht besonders viel von ihm zu lesen ist: Josef, der Zimmermann. Josef, der an der Krippe die Laterne hält. Josef, der Ziehvater Jesu. Vielleicht auch: Josef als alter Mann mit dichtem Bart. Denn so oder so ähnlich zeigen ihn viele Darstellungen. Ein Grund für die Vorstellungen von einem betagten Josef könnte sein, dass er eine bewegte Vergangenheit hatte. Der Bart erscheint plausibel, aber war er wirklich ein alter Mann? Das kann den neutestamentlichen Quellen nicht entnommen werden. Eine Ursache für die Vorstellung eines betagten Josef ist womöglich die Tatsache, dass er vor seiner Ehe mit Maria schon einmal verheiratet gewesen sein soll. Ein Mann heiratete jedoch in der damaligen Zeit gewöhnlich im Alter von 18 Jahren, sodass Josef durchaus auch in zweiter Ehe noch ein – aus unserer heutigen Sicht – junger Mann gewesen sein kann. Seine Herkunft aus dem südlichen Mittelmeerraum spricht dafür, dass Josef dunkelhaarig und von nicht sehr großer Statur war. Sein Beruf als Zimmermann weist auf einen kräftigen Körperbau, vor allem aber auf starke Hände und Arme hin.

Es wird angenommen, dass Gerechtigkeit ein zentraler Charakterzug Josefs war. Der gerechte Josef, der nicht auf seinem Recht beharrt, mit Maria als Ehefrau zusammenzuleben. Der Mann, der ein Kind, dessen leiblicher Vater er nicht ist, als seinen Sohn aufzieht und ihm die Liebe eines Vaters schenkt. Josef hat anfänglich an Marias Treue gezweifelt und wollte sich von ihr trennen. Doch dann erklärte ihm ein Engel in einem Traum, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger sei. So blieb Josef bei ihr. Nach der Geburt Jesu floh die Familie gemeinsam nach Ägypten, auch im Auftrag eines Engels, um dem Kindermord des Herodes zu entgehen. War sicherlich nicht einfach, das Haus, die Werkstatt in Nazareth aufzugeben und als Flüchtling nach Ägypten zu ziehen. Die Überwindung des inneren Konflikts und die Annahme Jesu als Sohn zeugt von einem großen und weiten Herzen.

In dem Jahr, in dem Jesus seinen zwölften Geburtstag feiert, pilgert Josef mit seiner Familie zum Osterfest nach Jerusalem. Damals haben ihn Josef und Maria auch tagelang gesucht, weil Jesus nicht gleich mit Ihnen nach Nazareth zurückgekehrt, sondern im Tempel zu Jerusalem zurückgeblieben war. Danach wird von Josef nicht mehr berichtet. Denn beim Auftreten Jesu bei der Hochzeit von Kanaan ist Maria alleine, ohne Josef, anwesend.

Josef gilt in der Kirche heute als Identifikationsfigur für Männer, denn er definiert sich nicht ausschließlich über seine Männlichkeit, sondern neige zu Reflexion und Gespräch.

Sicher hat es Josef – wie viele Heilige der Kirche – in seinem Leben nicht besonders leicht gehabt.

Heute ist St. Josefstag – auch ein Lostag

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