Antrainieren des Toilettengangs bei Kühen

Ich gestehe: ich bin eine Umweltsünderin. Ich esse gerne zuweilen – eh nicht oft – Fleisch, genau gesagt am liebsten Innereien. Ich trinke Milch, esse Joghurt, selten auch Schlagobers, genieße auch ein Butterbrot und liebe Käse!

Warum das so schlecht für die Umwelt ist:

Kuh-Urin enthält Urea, ein nitrogen-reiche Zusammensetzung, die, wenn sie durch Enzyme in Kuh-Fäkalien zersetzt wird, sich in Ammoniak verwandelt.  Bakterien, die sich im Boden befinden, verwandeln nun das Ammoniak in Stickstoffoxyd. Dieses – als Lachgas bekannt – wird einerseits bei Zahnbehandlungen zur Schmerzvermeidung verwendet, ist aber andererseits ein sehr mächtiges Treibhausgas. Und die gesamte Landwirtschaft erzeugt ziemlich viel davon. In der Europäischen Union trägt die Viehwirtschaft 70% der Treibhausgas-Emissionen bei.  

Nun wurde überlegt, was dagegen zu unternehmen sei. Kuh-Urin zu sammeln und zu behandeln bevor das Ammoniak erzeugt wird, scheint eine gute Idee zu sein. Aber WIE? Das scheint nur zu funktionieren, wenn man den Spielraum der Kühe sehr, sehr enge Grenzen setzt, etwas, das aber gar nicht zu ihrem Wohlbefinden beiträgt.

Nun gibt es Menschen, die meinen eine Lösung für das Problem zu kennen: man muss Kühe – die sich grundsätzlich frei bewegen dürfen – nur dazu bringen, eine Latrine zu benutzen!  Das fordert aber einigermaßen viel von den Rindviechern. Sie müssen lernen, festzustellen, wann ihre Blase voll ist, sie müssen lernen ihre „normalen Reflexe“, sich jederzeit und überall zu entleeren, zu beherrschen. Sie müssen in der Lage sein, eine Latrine aufzusuchen und sich nur dann und nur dort zu entleeren. Das bedeutet, sie müssen lernen bewusst ihre Muskeln, die den Urinfluss steuern zu beherrschen. Uff!

Es wurde nur ein Mehr-Stufen-Plan entwickelt, wie man Kühen Toiletten- also Latrinenbenutzung beibringen könnte.  Die erste Stufe bestand darin, die Kühe zu lehren, den richtigen Platz – also die Latrine aufzusuchen. Man versuchte es mit Kälbern – sie wurden in der Latrine eingesperrt durch Fütterung mit Melasse belohnt, wenn sie in die Latrine pissten, wenn‘s daneben ging, wurden sie geduscht. Etwas später durften sie sich in der der näheren Umgebung der Latrine bewegen. Wenn sie die Latrine aufsuchten, um sich zu erleichtern, wurden sie belohnt. Wenn sie Umgebung dafür „benutzten“ wurden sie mit Wasser besprüht. Nach und nach wurde die Umgebung erweitert, damit sollte erreicht werden, dass die Tiere Selbstkontrolle über längere Zeit ausübten und auch größere Distanzen zu den Latrinen zurücklegen konnten.

Kühe sind ziemlich intelligente Tiere, und das Lernen zeigte Erfolg. Getestet wurde an 16 Kälbern, 11 davon beherrschten nach dem Training den Toilettengang. Forscher meinten, den diesbezüglichen Lernerfolg mit jenen von kleinen Kindern vergleichen zu können. In 77% der Fälle schafften es die Kälber, sich in die Latrine zu erleichtern.

Forscher gehen davon aus, dass die Trainingsmethoden durchaus verbesserbar sind. Man könnte die Methode auch auf Fäkalien ausdehnen, die ebenfalls Nitrogen enthalten und daher weitere Quelle von Stickstoff sind.  Weiters könnte die Lernperiode ausgedehnt werden. Auch das Belohnungs- Bestrafungssystem könnte besser angepasst werden. Schon allein eine andere Aufstellung der Wassersprüher konnte eine Verhaltensänderung der Kälber herbeiführen. Allerdings war die Anzahl der behandelten Tiere zu klein, um eine statistisch valide Aussage machen zu können. Die Forschung auf diesem Gebiet muss noch erheblich erweitert werden.

Ein nächster Schritt besteht nun darin, zu untersuchen, ob das Vieh auf einer Farm ähnlich „ausgebildet“ werden kann. Was die Bauern, also die Viehhalter dazu sagen werden, ist noch recht ungewiss. Die Anlage von Latrinen und vor allem die Ausbildung der Tiere kosten beides, Geld und sehr viel Mühe.

Aber die Verbesserung der Umwelt sollte uns das doch wert sein?

Wenn jetzt in Zukunft die Fleischesser genauso verdammt werden, wie jetzt die Impfverweigerer, sehe ich uns schon auf der Alm beim „Unterricht der Kühe“, um diesen beizubringen regelmäßig „auf die Toilette“ zu gehen. Aber sind diese Kühe nicht manchmal recht aggressiv? Also vielleicht ist es doch gescheiter, auf das Fleisch zu verzichten? Aber wir sollten nicht vergessen, es geht doch nicht nur ums Fleisch, was ist mit Milch, Butter und Käse?????

Ist dann unsere Zukunft nur mehr vegan zu essen?

Antrainieren des Toilettengangs bei Kühen

2 Gedanken zu “Antrainieren des Toilettengangs bei Kühen

  1. Der Mittelweg wäre, weniger tierisch zu essen. So wie es auch nicht nur Säufer und Blaukreuzler gibt, sondern auch Menschen, die dann und wann ein Gläschen trinken, so gibt es nicht nur Überfluß Konsum ohne Schranken oder Veganismus, sondern auch die Möglichkeit, weniger Fleisch und Milchprodukte zu essen.

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