Ich benötige Fensterpolster

Wahrscheinlich sind Sie, lieber Leser, noch viel zu jung, um zu wissen, was Fensterpolster sind. Das sind jene matratzenartigen Gebilde, die man zwischen das äußere und das innere Fenster legt – als es noch keine Verbundscheiben gab.

Einerseits dienen diese  Dinger dazu, den „Zug“, also die kalte Luft von draußen, im Winter abzuhalten.  Andererseits – ganz früher – als es noch kein Fernsehen gab, lehnten sich manche Leute auch im Sommer drauf, um beim offenen Fenster hinauszuschauen, denn es gab kein Fernsehen, auf der Straße waren noch viele Fußgänger, allmöglichen Wanderhändler, die ihre Waren feilboten und ausriefen, andere boten ihre Dienstleistungen an , wie z.B. Scherenschleifen oder Kesselflicken, damals war auf der Straße allerhand los, es gab wenig Autos, aber noch Pferdefuhrwerke – so wurde die Milch ausgeliefert, aber auch das Bier, es war kurzweilig, auf den Fensterpolster gelehnt gemütlich beim Fenster hinauszusehen, das schlug wahrscheinlich das heutige Fernsehen. In manchen Straßen fuhren noch quietschende Straßenbahnen, von denen Leute auf- und absprangen, damit sie nicht bis zu einer Haltestelle warten mussten. Das war schon verboten. Solche oder ähnliche Szenen sieht man heute wahrscheinlich nur mehr als Wimmelbilder in Kinderbüchern.

Innen sahen die Fensterpolster wie Matratzen aus, außen hatten sie einen Überzug, wie ein Bettpolster.

Solche Fensterpolster wünschte ich mir! Eine Freundin meinte, dass sie derartiges schon in einem Möbelhaus gesehen hätte. Ich scheute mich allerdings sehr dorthin zu gehen, denn es gibt unendlich viele Artikel und das Gewünschte zu finden, ist eine Herausforderung, da meistens wenig und oft auch wenig geschultes Personal vorhanden ist.

Heute war ich noch nicht „draußen“ gewesen, das Wetter war nicht einladend, Nieselregen, allerdings nicht kalt und kein Wind. Eigentlich wollte ich ins Kunstforum, um mir die Pierre Bonnard Ausstellung anzuschauen. Aber erstens musste ich feststellen, dass das Kunstforum heute geschlossen hat und zweitens, dass die Bonnard Ausstellung schon abgelaufen war.

Daher: keine Ausrede mehr, ab ins Möbelhaus.  Um von mir zu Hause in dieses Möbelhaus zu kommen, gibt es keine g‘scheite öffentliche Verbindung, man kann nur zu Fuß gehen und es ist nicht weit. Das Nieseln wurde zu Regen, als ich das Möbelhaus erreichte. Mir schwante nichts Gutes. Eigentlich wollte ich beim Haupteingang hineingehen, aber der Hintereingang war näher. Ich schlenderte einmal so durch, bis ich einen Verkäufer sah, der mich sogar freundlich grüßte. Naja, so versuchte ich mein Glück und fragte ihn nach Fensterpolstern. Erstaunlicherweise wusste er sofort warum es ging und schickte mich: da grad hinten, bei den Vorhängen, da steht eine Schachtel mit Fensterpolstern. Dort befanden sich nun wirklich kleinere und größere Objekte dieser Art. Ich schnappte mir die letzten 5 Stück jener Sorte, deren Größe mir passend erschien. Da sie heutzutage nicht mit einem Überzug aus Stoff ausgestattet sind (leider), sondern aus Plastik rutschte dieses Zeug beim Tragen ziemlich durcheinander, ich hatte auch Probleme beim Lift, aber endlich kam ich zur Kasse. Dort wurden mir Säcke zum Transport nach Hause angeboten, die Fensterpolster passten nicht hinein. Also wurden sie  – zwei Stück und drei Stück – zusammengebunden (eigentlich gepickt) und dann noch ein einigermaßen brauchbarer „Haltegriff“ verfertigt (früher gabs so Dinger, die man in Schnüre einhängen konnten und die oben eine Rolle hatten – also Haltegriffe für Pakete, aber auch für Derartiges ist die Zeit vorüber – ebenfalls schade!).

So machte ich mich auf den Heimweg. Inzwischen schüttete es. Selbst wenn ich einen Schirm gehabt hätte, hätte ich ihn nicht aufspannen können, weil ich ja die zwei recht sperrigen Pakte zu befördern hatte. Ich wurde immer nässer, auf der Straße hatten sich große Lacken gebildet, über die ich mit meinen Paketen drüber balancierte. Fast war ich schon zu Hause, da rempelte mich ein Mann (ein Herr war’s sicher nicht, sonst hätte er mich nicht gerempelt) an, und der Tragegriff eines der beiden Pakete riss ab. Das Paket fiel hinunter, er hob es mir nicht einmal auf, sondern bemerkte nur, dass es schmutzig wäre – no na – und eilte davon. Da war ich halt jetzt, mit einem Paket in der Hand, dem anderen – schmutzigen –  unter dem Arm, und konnte die sehr schwere Haustür nicht aufmachen. Ein freundlicher Nachbar, der gerade seine Zigarette vor diesem Haustor geraucht hatte, half mir dann.

Jetzt müssen sie noch trocknen und gesäubert werden, diese Fensterpolster, und dann kommen sie zum Einsatz. Hoffentlich wird’s dann etwas wärmer hier bei mir in der Wohnung. (Sonst muss ich halt weitere Fensterpolster kaufen).

Ich benötige Fensterpolster

2 Gedanken zu “Ich benötige Fensterpolster

  1. Rudolf Sadransky schreibt:

    Liebe Frau Dr. Chorherr!

    Bei Amazon online gemütlich zu Hause bestellen und liefern lassen. Es gibt seitenweise Angebote.

    Und nicht wundern dass die Einzelhändler immer weniger werden.

    Liebe Grüße R. Sadransky

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    1. ich hab einfach angenommen, dass so etwas Altmodisches, wie Fensterpolster icht von Amazon angeboten werden. Vielen Dank für den Hinweis. Ihc hab‘ mich sehr gefreut von Dir (war es nicht so?) zu hören – alles Gute und liebe Grüße
      Christa

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