Das Dreier-Treffen im Haas & Haas

Am Stephansplatz

„Ihr steht’s auch nicht mehr so flott auf“ bemerkte eine meiner Freudinnen heute am Vormittag, als wir uns zum Kaffee trafen. Wir drei sind halt schon alte Damen gleichen Alters, die es aber noch gerne lustig haben.

Wir drei kennen einander schon ziemlich lange, wir haben gemeinsam studiert- damals, an der „Welthandel“, als der Frauenanteil der Studierenden noch bei 10 % lag. Wir haben gemeinsam gelernt und sind zusammen in Paukerkurse gegangen. Unsere Promotion fand „gemeinsam“ statt und kurz danach sind wir alle drei zur Atombehörde gegangen. Die beiden haben dort Karriere gemacht und sind geblieben, ich habe sehr viel gelernt – nämlich „das Computergeschäft“, und bin dann gegangen, nämlich zur damaligen Creditanstalt.

Mit einer von den beiden sind wir gemeinsam im Belvedere Park gestanden, als die Unterzeichnung des Staatsvertrages dort stattgefunden hat, am 15. Mai 1955.

Wir haben einander nicht häufig gesehen, jetzt sind wir in Pension, zwei von uns sind Witwen – und haben beschlossen einander öfter zu treffen. Heute war der Treffpunkt im Haas & Haas, in den historischen Räumlichkeiten im Kloster des Deutschen Ordens am Stephansplatz. Ich hatte gestern schon vorbestellt.

Eine von uns Dreien war schon vor mir gekommen und vom Kellner in das Innere des Lokals geleitet worden. Ich hab‘ sie gefragt, ob sie warm angezogen wäre, um doch draußen zu sitzen.  Wir nahmen in dem von mir so geschätzten Hof Platz. Heiß war’s nicht gerade, aber gefroren haben wir aber auch nicht.

Wir waren einer Meinung zu dem Thema, dass die Schanis heuer über den Winter erhalten und offenbleiben sollten. Es ist in Corona-Zeiten allemal g’scheiter draußen zu sitzen, als in einem Lokal. Ich werde heuer sogar meine Schimpferei über die „Heizschwammerln“ (Energieverschwendung) einstellen, weil damit und einer Decke ist es draußen doch recht gemütlich.

Ich mag ja diesen überdachten Hof hinter der Stephanskirche auch an Tagen wie heute sehr. Natürlich ist er hübscher, wenn die Sonne durch die begrenzenden Grünpflanzen blinzelt und das Segeltuch leuchtet. Aber auch an Tagen wie heute ist es heimelig dort. Und wir waren beileibe nicht die einzigen, die dort gesessen sind. Am Nachbartisch wurde einer Familie ein üppiges Frühstück serviert.

Für uns war’s für ein Frühstück doch ein bissel spät – halt schon nach 10 Uhr, die beiden anderen tranken nur Kaffee aber ich gönnte mir ein Kipferl. Ich finde ja, dass unsere Wiener Kipferlkultur weitgehend vernachlässigt wird, überall bekommt man nur die – leider oft sehr fettigen – Croissants. Aber so ein Butterkipferl, ein mürbes Kipferl oder ein Briochekipferl – das sind schon feine Sachen. Von den gefüllten rede ich gar nicht, weil für’s Frühstück brauche ich eines von den obigen – mit Butter. Und genau das bekam ich, es war köstlich und dazu trank ich, weil es im Haas % Haas  viele unterschiedliche Teesorten gibt– einen koffeinhaltigen Schwarztee. Die beiden anderen mussten feststellen, dass der Kaffee nicht besonders gut wäre.

(Ich gehe ja auch zu Mittag gerne hierher, da mag ich am liebsten die Spinatknödel, da ich von den sonst angebotenen indischen Gerichten nicht ganz so begeistert bin.)

Heute war die Bedienung sehr freundlich und nett, bei einem früheren Besuch waren wir einmal recht unzufrieden, haben das auch hinterher schriftlich geäußert – und dann einen Gutschein für ein weiteres Kommen erhalten.

Jedenfalls, unsere Gespräche drehten sich nicht unbedingt um frühere Zeiten, es ging auch nicht um Krankheiten – wie das sonst in Gruppentreffen in unserer Altersklasse der Fall ist. Es ging um die Familie, aber auch um das Kulturleben in Coronazeiten. Wir alle haben starke Bezüge zu den USA und natürlich ging’s auch um die Situation dort und den von uns erhofften oder gefürchteten Ausgang der Wahlen im November. Obwohl wir alle früher viel gereist sind, stellte sich heraus, dass das eigentlich kein Thema derzeit ist. Interessant für mich war auch, dass von verschiedenen Gruppierungen die Rede war, wer sich da im Alter mit wem zusammentut. Besonders gut gefallen hat mir jener, der Witwen eines Rotary Clubs.

Die beiden Damen sind noch immer sehr lernbegierig, besonders, was Fremdsprachen betrifft, daher war die Festlegung des nächsten Termins gar nicht so einfach.

Vom nächsten Treffen werde ich dann getreulich berichten.

Das Dreier-Treffen im Haas & Haas

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