Warum misstrauen wir Muslimen so sehr?

Warum sind so wenige Muslime Lehrer (und nicht nur für Religion), warum sind so wenige Muslime Polizisten. Warum arbeiten so wenige Muslime in unseren Ministerien? Ich glaube – was nun öffentliche Institutionen betrifft, sind Muslime noch meist beim Militär vertreten, vor allem bei dem Garde-Bataillon gibt es junge Muslime.

Warum ist das so? Mitgliedern anderer Religionsgemeinschaften wird mit viel weniger Vorurteilen entgegengetreten. Dabei wird ja die Religionszugehörigkeit ohnedies nicht mehr abgefragt, weder bei einer Volkszählung, noch einer Bewerbung für einen Job.

Ein wesentlicher Faktor in dem Zusammenhang ist die Tatsache, dass sich manche muslimische Frauen „kennzeichnen“, sie tragen ein Kopftuch, bzw. sie bestehen darauf ein Kopftuch zu tragen.  Und dann kommen die Forderungen mancher Parteien nach einem Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst. Als Argument wird vorgebracht, dass Österreich ein in religionsfreundlicher, aber auch ein säkulärer Staat sei. Besonders umkämpft ist diesbezüglich der Schulbereich, weil es dort angeblich um Vorbildwirkung und Einflussnahme auf junge Menschen geht.

Ist Integration muslimischer Mitbewohner unseres Landes wirklich schwieriger als bei anderen Zugewanderten?  Ich glaube schon, besonders wenn man die Zugehörigkeit absichtlich oder unabsichtlich „kennzeichnet“. Genauso wie es ein „Nicht-Weißer“ möglicherweise schwerer hat, „akzeptiert“ zu werde.

Sicher spielt die Tatsache einer Rolle, dass fast alle Anschläge, die in Europa passiert sind, von islamistischen Personen oder Gruppen durchgeführt worden sind, oder aufgrund von Konflikten zwischen Muslimen und Nichtmuslimen erfolgt sind (ich erinnere hier nur an alle die Morde im Zusammenhang mit den Mohammed-Karikaturen von Charlie Hebdo).

Auch andere Religionen beruhen auf Büchern, in denen allerhand Gräueltaten beschrieben sind, auch er Gott der Juden bzw. der Gott der Christen, beschrieben am Alten Testament ist ein grausamer Gott, der die Feinde der Juden im Roten Meer samt und sonders ertränkt hat. Aber dem Abendland scheint es durch die Aufklärung längerfristig geglückt zu sein, Staat und Religion zu trennen und den Säkularismus zu entwickeln. Ja, es stimmt, da haben auch Muslime mitgewirkt. In Damaskus wurden die Schriften der Griechen und Römer bewahrt und übersetzt, und letztlich über das maurische Spanien nach Europa gebracht. Auf dieser Basis konnten dann die Entwicklungen vor sich gehen, die zu den modernen demokratischen Staaten geführt haben.

Diese Entwicklung konnten die Muslime noch nicht durchmachen. Der Koran ist für sie das unabänderliche Wort Gottes, die Hadithe geben ihr Handeln vor. Und der Koran enthält sowohl religiöse wie auch politische Vorgaben.  Der Koran kennt keine „Staaten“, sondern nur die Umma, die Gemeinschaft aller Muslime.

Manche Muslime, die vielleicht nicht so viel Gelegenheit zu islamischer Bildung hatten, kennen nur „herausgerissene“ Sätze aus dem Koran und halten sich an die dort angeführten Worte (so etwas kann auch mit z.B. der Bibel gemacht werden). Und wenn sie an einen kriegerischen Imam geraten, können das auch die Sätze sein, die für die Unterdrückung der Frauen sprechen wie auch für einen islamischen Expansionskrieg. Und diese irregeleiteten, falsch ausgebildeten meist jungen Männer können dann zu den gefürchteten Islamisten werden. Und diesen Islamisten misstrauen wir, ja, wir fürchten sie. Aber die Mehrheit der hier wohnenden Muslime sind aus Kriegsgebieten hierher zu uns gekommen, sie suchen nicht den Krieg, sie wollen in Frieden leben. Sie wollen die Möglichkeiten nutzen, sich hier eine Existenz aufzubauen und am Wohlstand dieses Landes teilhaben.

Es sind auch viele unbegleitete Jugendliche gekommen und nicht alle haben die Gelegenheit gehabt, in freundlichen Familien aufgenommen worden zu sein. Diese „im Stich Gelassenen“ fallen dann vielleicht den so genannten Dschihad-Predigern in die Hände. Es wird ihnen das Paradies vorgegaukelt, das sie in Syrien erwartet. Manche von ihnen sind dorthin in den Krieg gezogen und als er für sie verloren war, der IS sein gesamtes Territorium verloren hatte, sind sie, verblendet, wie sie waren, hierher zurückgekehrt mit dem Auftrag, mit Feuer und Schwert den Islam zu verbreiten. Es sind wenige, sie werden „Gefährder“ genannt und sie sind den Polizeiorganen bekannt. Aber um sie dauerhaft zu überwachen, fehlt leider das Personal. Daher können sie halt leider immer und überall zuschlagen.

Aber das sind nicht die Muslime, unsere freundlichen Mitbürger, die bereits kleine Firmen betreiben, die Dinge in unseren Haushalten reparieren, ….

In manchem unterscheiden sie sich von uns „Ureinwohnern“, aber das werden wir doch ertragen können. Seien wir lieber neugierig und erfahren mehr über ihre Lebensweise, über ihre Sprache. Heißen wir sie willkommen und misstrauen ihnen nicht!

Warum misstrauen wir Muslimen so sehr?

5 Gedanken zu “Warum misstrauen wir Muslimen so sehr?

  1. Kathi schreibt:

    Woher nimmst du die Überzeugung, dass sie wegen „unserer“ Vorurteile und wegen „unseres“ Misstrauens in diesen Berufsgruppen nicht stärker vertreten sind?! Gibt es da Statistiken, wie viele abgelehnt wurden?! Vielleicht wollen sie auch einfach nicht, bewerben sich nicht für diese Jobs oder erfüllen die Voraussetzungen nicht?!?

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    1. Ich meine, dass sie lange keine Chance hatten, diese Berufe zu ergreifen. (sie wurden z.B. auch lange nicht in die Feuerwehren aufgenommen). Vielleicht liegt es auch daran, dass es wahrscheinlich erst in der zweiten (teilweise) und in der dritten Generation dazu kommt.

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  2. Solange jemand nicht versucht oder es unternimmt, die Gebote und Vorschriften seiner Religion oder sonstigen Ideologie anderen aufzudrängen oder gar aufzuzwingen, oder diese Gebote und Vorschriften über die in parlamentarisch-rechtsstaatlichen Verfahren zustandegekommenen Gesetze zu stellen (außer, er tut dies für sich persönlich, und nur für sich persönlich, nicht für andere, auch nicht für Familienangehörige !), sollte es keine Reibungen geben.

    Allerdings grenzen sich manche Menschen allein wegen ihrer Religionszugehörigkeit selbst aus der Mehrheitsgesellschaft aus — diskriminieren sich selbst. Das darf jede und jeder in einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat selbstverständlich tun, sollte sich dann aber nicht über eine (angebliche) Diskriminierung durch seine Mitmenschen beklagen, also eine — institutionalisierte — Opferrolle einzunehmen versuchen.

    Glauben darf hier in Europa jeder was er will, und Herkunft, Abstammung oder Religionszugehörigkeit sowie Weltanschauung sind kein Fehlverhalten — aber auch nicht das Gegenteil davon.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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    1. Auch parlamentarisch-rechtsstaatliche Verfahren garantieren nicht, daß der Inhalt der Gesetze mit den Menschenrechten vereinbar ist. Sehen Sie sich die französische Regierung an; die europäische Kommissarin für Menschenrechte mahnt; die Menschenrechtskommission der UN mahnt, und man geht unbeirrt seinen Weg, Religion als Grundwurzel allen Übels zu betrachten. Marlène Schiappa hat sich nicht entblödet zu behaupten, „noch nie wurde jemand ermordet unter dem Ruf ‚es gibt keinen Gott'“. Wo war die Frau eigentlich, als in der Schule die „Terreur“ behandelt wurde?
      Jetzt wird ein seit dem Ende des Pétain-Régimes geltendes Tabu gebrochen: der Staat listet ab sofort Moslems. So, wie seinerzeit Juden gelistet wurden, damit man sie leichter abholen konnte.

      Bitte gehen Sie einmal in die Vorstädte von Paris und sagen Sie mir: haben diese Menschen sich selbst ausgegrenzt? Oder sind sie durch die Politik in diese Ghettos gedrängt worden? Eine Politik, die bezahlbaren Wohnraum für größere Familien nur dort bereitgestellt hat? EIne Politik, die seit über 60 Jahren versucht, die Schichten unter sich zu halten? Eine Politik, die es bis vor ganz wenigen Jahren erlaubte und selbst praktizierte, daß Menschen mit einem Abiturzeugnis aus 93 trotz besserer Noten keine Chance hatten, an die UNiversität oder in eine Arbeitsstelle zu kommen, während ein Zeugnis aus 78 mit mittelmäßigen Leistungen alle Türen öffnet? Ja wen wundert es denn da, wenn diese Desperados mitten in Europa sich an das einzige halten, was verläßlich scheint, und an die einzigen Menschen, die sie nicht als unwerte Menschen verachten (oder zumindest sich den Anschein geben)?
      Nein, ich kann es nicht gutheißen, wie diese jungen Menschen versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen. Aber die Schuld für die Situation liegt nicht bei ihnen.
      Aber über die angeblich so gewalttätigen Moslems wird einem ja ständig lauter Unfug in die Ohren geblasen, dem mit Fakten und Vernunft kaum noch beizukommen ist.

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