Zum Thema „Vorbilder“

Besonders in Corona Zeiten

Welche Vorbilder haben wir heute? Welche Vorbilder haben unsere Jungen gewählt?  Und welche Vorbilder gibt es überhaupt in Corona-Zeiten.  

Fangen wir mit eventuellen Vorbildern in Corona-Zeiten an. Immer wieder gab es in der Vergangenheit die Pest, die sich über die jeweils bekannte Welt ausbreitete. Man kannte ihre Ursache nicht, man wusste nicht, wie man sie zu bekämpfen hätte. Sie verging – und kam oft nach (sieben) Jahren wieder. Die Wiener behielten wenigstens ihren Humor: sie ließen den „lieben Augustin“ betrunken in die Pestgrube fallen – und rechtzeitig, vor dem Begraben-werden, wieder gesund herauskommen.  

Die letzte Pandemie fand vor 100 Jahren statt, das waren böse Zeiten, Reiche zerbrachen, Staaten entstanden, Hunger und Not herrschten. Soldaten verteilten sich über die ganze Welt, da waren die Sieger, die stolz in ihre Heimat zurückkehrten und die Verlierer, die Geschlagenen, die ebenfalls versuchten ihre Heimat irgendwie wiederzufinden – die nicht jenem stolzen Gebilde entsprach, das sie verlassen hatten. Es begann auch die Vertreibung der anderen Volksgruppen, Flüchtlings-Trecks waren unterwegs. Und sie alle verbreiteten die Spanische Grippe.

Das alles kann man wohl kaum mit der heutigen Situation vergleichen. Ich vermute, dass dieser Mangel an Vorbildern auch zu den chaotischen Lösungen führte, mit denen versucht wurde, der Situation Herr zu werden. Man suchte neue „Weise“, jetzt sind es die Virologen, die Epidemiologien, und sonstige Experten. Man setzte auf die Entwicklung neuer Impfstoffe, man war gezwungen, diesen zu bestellen, bevor man wusste, welcher wann auf den Markt kommen würde. Man hoffte auf wärmeres Wetter, man blickte aber auch nach China – als Vorbild? Aber ein autoritärer Staat hat andere Mittel, um eine Pandemie zu bekämpfen, und man wollte diese doch tunlichst vermeiden.

Aber die Krise ist noch nicht zu Ende, wir leiden noch immer unter gewaltigen demokratiebehindernden Maßnahmen, wie Lockdowns verschiedenen Grades. Aber immer mehr Menschen werden geimpft, wir hoffen, dass ein Ende der Pandemie in Sicht ist?

Und welchen Vorbildern sind wir gefolgt? Anfänglich waren da die Schweden, Sie erinnern sich, da gab es keine Einschränkungen, neiderfüllt blickten wir dorthin, bis uns dann die Todeszahlen dort bewusst wurden. Jetzt sehen wir in Großbritannien und Israel unsere Vorbilder. Aber ganz so vergleichbar ist das alles nicht.

Wenn man es genau nimmt, wirkliche Vorbilder in Corona-Zeiten gab es nicht. Wir alle taumeln noch ein wenig und hoffen, bald Fuß fassen zu können, und wieder sicheren Boden unter unseren Füßen zu haben. Die ersehnte „grüne Karte“ hat Schwächen. Sie wird sicher bei allen, die noch keine Impfung erhalten haben, oder bekommen konnten, Neid und Missgunst hervorrufen, wenn die „begünstigten Geimpften“ in Gaststätten sitzen werden, auf Reisen gehen können und in Hotels absteigen werden.

Welche Vorbilder bestehen aber ganz allgemein heutzutage? Vorbild ist eine Person oder Sache, die als richtungsweisendes und idealisiertes Muster oder Beispiel angesehen wird. Im engeren Sinne ist ein Vorbild eine Person, mit der ein – meist junger – Mensch sich identifiziert und dessen Verhaltensmuster er nachahmt oder nachzuahmen versucht.

Bei Erwachsenen sehe ich wenig Wunsch nach Vorbildern. Wo könnten wir sie denn auch finden. Ich könnte mir schon vorstellen, dass manche ganz gerne Superman sein möchten, oder vielleicht James Bond (allerdings die Schwierigkeiten, die dieser oft vorfindet sind sicher nicht für alle attraktiv).  Ich glaube, dass die Menschen Vorbilder in Politikern sehen. Der letzte Bundeskanzler, der mir dazu eventuell einfiele wäre Bruno Kreisky – und dessen politisch aktive Zeit liegt schon recht weit zurück. Vielleicht kommen bei Jüngeren sportliche „Sieger“ als Vorbild in Frage? Bei der Mehrheit der Vorbilder von Jugendlichen handelt es sich um Prominente und Stars aus den Massenmedien: Sportler, Sänger, Schauspieler oder Politiker. Mutter und Vater belegen aber immer noch den ersten bzw. zweiten Platz in der Hitliste der Vorbilder. Dabei muss man allerdings davon ausgehen, dass nicht grundsätzlich nur bewusste Wahlen eine Rolle spielen. Unbewusste oder nicht bewusste Entscheidungen oder Vorbildfunktionen haben mit Sicherheit einen bedeutsamen Anteil am Lernen im Rahmen von Imitationsprozessen.

Aber es gibt „Role-Models“, die einfach nähe liegen – (Eltern, Familie, Peergroup), deren Verhalten unbewusst nachgeahmt wird, was allerdings von großer Bedeutung für einen individuellen Entwicklungsprozess sein kann.  Meine unmaßgebliche Meinung: Erziehung gründet auf einem guten Vorbild der Eltern und Lehrer. Nun, das ist schwer genug, wer schafft es schon, immer ein gutes Vorbild zu sein. Aber versuchen sollte man es allemal. Während Erziehung in der Westlichen Welt heute stark wortlastig ist und explizite verbale Erläuterungen des Elternverhaltens und der Elternintentionen einschließt, setzt z. B. die Erziehung in China vor allem auf das vorbildliche Verhalten der Eltern.

Derzeit können wir nur hoffen, dass wir für unsere Kinder die „richtigen“ Vorbilder waren – und dass die Pandemie endlich soweit besiegt sein wird, dass wir keine Vorbilder in früheren Pandemien suchen müssen.

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