Das Essen im Plachutta – und der Weg dorthin

Reminiszenzen

Gestern haben mich liebe Freunde „zum Plachutta“ in der Wollzeile eingeladen. Ich esse gerne dort, es ist eine verlässliche gute Wiener bürgerliche Küche -mit dem Rindfleisch im Mittelpunkt. Ich war mit meinem leider verstorbenen Mann dort, mit Teilen der Familie, mit Freunden aus dem Büro, mit Kollegen englischen und irischen Kollegen anlässlich einer Tagung.

Das Lokal ist noch immer sehr populär, es war rammelvoll. Es hat mich auch gefreut, dass ich beim Eingang erkannt und gegrüßt worden bin. Ich habe eine geröstete Leber gegessen, die Suppe betreffend, haben mich die Freunde an ihrer Portion teilnehmen lassen. Ein bissel traurig war ich schon, denn es gab keine Grießnockerln für meine ansonsten köstliche Rindsuppe – ich musste mit aber sehr guten Frittaten Vorlieb nehmen.

Den angebotenen Markknochen hinwieder habe ich verschmäht und mich daran erinnert, wie gerne ihn mein Mann gegessen hätte. Dafür durfte ich den Erdäpfel-Schmarrn kosten (eine Beilage zum Rindfleisch), der hier immer ganz exzellent ist.  

Beim Dessert war ich aber dann doch etwas enttäuscht, denn die von mir so geschätzten Schneenockerl standen nicht auf der Karte, es fehlte auch die Creme Brûlée, die eine Alternative gewesen wäre. Beides wäre ziemlich aufwendig, wenn man es zu Hause verfertigen müsste. Im Grunde war es vernünftig, dass kein Dessert passte, denn wir waren ohnedies schon so voll.

Und genau aus diesem Grunde machte ich mich auch zu Fuß auf den Weg nach Hause. Hier stand ich also, beim alten Stubentor. Früher hat hier eine mächtige Mauer die Stadt geschützt, und das Stubentor gewährte Einlass – gegen eine Maut. Die spärlichen Reste kann man in der U-Bahnstation Stubentor besichtigen. Teile von Tor und Kurtinenmauer wurden über Straßenniveau beim Abgang zur U-Bahn-Station wieder aufgemauert. Durch das Stubentor floss einst der Verkehr in den Osten, genauer gesagt von und nach Ungarn – dem wichtigsten Lieferanten von Rindern. Das Stubentor war der verbindende Durchlass zwischen dem anfänglich am Ochsengries gelegenen Viehmarkt (heute Am Heumarkt) und den Fleischbänken am Lichtensteg, die 1564 in den Tiefen Graben verlegt wurden. Hier schließt sich der Kreis zum „Rindfleischtempel Plachutta.

Das Aussehen des Stubentores wurde mehrfach verändert und an den jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Zu Beginn der 30er-Jahre des 19. Jahrhunderts erfuhr das Stubentor eine grundlegende Umgestaltung. Es erhielt rechts und links der Einfahrt je einen Durchgang für Fußgänger, die Fassaden wurden in klassizistischem Stil gestaltet. Der Grundriss der Torhalle wurde nach Abschluss der Bauarbeiten für die U3-Station im Straßenpflaster verewigt. Nicht nur Bauteile des Stubentores, sondern auch der Kurtine, also des gerade verlaufenden Walls zwischen Dominikaner- und Braunbastion, sowie zwei Brückenpfeiler kamen bei den Bauarbeiten für die U3-Station zutage. Dokumentiert werden konnte ein Abschnitt der Eskarpe, also der Mauer mit der die Grabenböschung verkleidet war. Ihre Stärke betrug an der Basis beachtliche 4,80 Meter. Die Konstruktion erwies sich als äußerst komplex.

Ich kam beim Lueger Denkmal vorbei, man kann zu diesem Bürgermeister stehen wie man will (man kann ohnedies einen langen Text zu ihm lesen) aber die Anschmiererei finde ich grässlich – und unnotwendig.

Ich gehe nicht in den, auf der gegenüberliegenden Seite liegenden Stadtpark, sondern den Parkring hinauf. Parkring, benannt (1861 bzw. 6. November 1919 Stadtrat) nach dem Stadtpark; ab 1910 Kaiser-Wilhelm-Ring.  Im Mittelalter hatte das Gebiet zur Vorstadt vor dem Stubentor gehört, ab dem 16. Jahrhundert teils zum Glacis, teils zur Befestigung.

Noch eine interessante Eigenheit: Der Parkring weist nur gerade Hausnummern auf, da die zentrumsfernere Straßenseite zur Gänze vom Stadtpark gesäumt wird. Und diese Hausnummern stehen auf einer Reihe von Palästen: Dumba-Palais, Erzherzog-Wilhelm-Palais („Deutschmeisterpalais“), Henckel-Donnersmarck-Palais, Leitenbergerpalais, ehemaliges Helfertpalais. Aber für mich birgt das Gartenbaukino viele schöne Erinnerungen, wie auch natürlich die ehemalige Himmelsstube, mit der prächtigen Aussicht auf den Stadtpark, heute „das Schick“.

Gleich daneben befindet sich das Hotel Marriott. In diesem Haus befand sich jahrelang die Redaktion der Zeitung „die Presse“. Viele Male gab es Presse-Veranstaltungen in diesem Haus, denen auch ich beiwohnen durfte. Oftmals habe ich meinen Mann dort abgeholt, oder manchmal die Schellinggasse hinuntergeschaut, ob er schon endlich nach Hause käme. Denn durch seine Behinderung wurde die Zeit für diesen Weg nach Hause immer länger. Am Ende des Herzl-Platzes ragt das prächtige Palais Coburg in die Höhe. Vielleicht erinnern Sie sich an die Verhandlungen über den inzwischen etwas lädierten Atomdeal, der hier verhandelt wurde …

Über den anschließenden Kärntnerring habe ich schon einmal geschrieben, sollte Sie es interessieren, finden Sie es unter https://christachorherr.wordpress.com/2021/03/26/ein-korso-ware-das-nicht-hubsch/

Das Essen im Plachutta – und der Weg dorthin

2 Gedanken zu “Das Essen im Plachutta – und der Weg dorthin

  1. Kurt Friedl schreibt:

    Habe mir erhofft, auch etwas über den großartigen Vorgänger vom Plachutta zu lesen. DER Koranda. Wer kann dich noch erinnern. Fotos? Das Geflügelrisotto, die Herren Ober, … bin noch nicht darüber hinweg, deshalb war ich erst sehr selten beim Nachfolger.

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