Noch immer in Stift Göttweig – Schweigeseminar

30. Dezember 2021, Fragen zu Hölle und Fegefeuer: schwierig!

Um es vorauszuschicken: die Themenwahl liegt beim Kursteilnehmer (Schweige- und Einzelexerzitien zum Jahreswechsel in Göttweig) und wird nicht vom Begleiter vorgegeben. Mein Begleiter hier ist P. Johannes Paul Abrahamowicz, der auch zuweilen in Twitter postet.

Und da mein (“großes“) Thema für die ganze Woche das Sterben ist, und weil man sich unweigerlich fragt, „was dahinter kommt“, war es heute das Fegefeuer und die Hölle. Vielleicht weil es mir wichtig ist: Vorstellungen von Fegefeuer und Hölle, sind es nicht, die ich fürchte und etwas, das mich zu Wohlverhalten veranlasst. Aber mehr wissen, das möchte ich doch gerne. Weil so genau, weiß man es dann doch nicht!

Ich habe bisher dazu bisher so meine eigenen Vorstellungen gehabt:

Das Fegefeuer ist der Moment des Sterbens, wenn einem bewusst wird, was man alles – an Gutem – unterlassen hat und alles an Bösem, Schlechten – getan hat. Z. B. wen man wissentlich und vielleicht auch unwissentlich verletzt hat.

Und von der Hölle habe ich gemeint, dass sie leer wäre, denn die Liebe Gottes ließe nicht zu, dass dort Gestorbene verweilten.

Und dann gibt es noch in manchen Kirchen und z. B. Museen Bilder vom Jüngsten Gericht, die einigermaßen andere Vorstellungen vermitteln, die ziemlich verstören können, wenn man es nicht schafft, sie zu belächeln. Mir fällt da die Sixtinische Kapelle ein, oder Hieronymus Bosch, die Hölle, etc.

Das war, mein Ausgangspunkt unseres Gesprächs.

Also zuerst zum Fege-Feuer, auch nicht das, was mich zu „Wohlverhalten“ führt. Vom Wort her: Feuer brennt, Feuer ist ein Symbol für Gott – wir erinnern uns an den brennenden Dornbusch in der Wüste. Nicht, dass er gebrannt hat, war das Wunder, nein, dass er nicht verbrannt ist, war das Besondere. Das Feuer ist die Gegenwart Gottes.

Feuer wird zur Läuterung von Edelmetallen von Verunreinigungen verwendet. Feuer soll auch uns Menschen läutern, damit das Wahre, das Gute (Gold), das in uns ist, rein hervorgebracht wird.

Ja und „Fegen“, das bei uns eher Kehren genannt wird, entspricht ja auch ins Reine kommen, Ordnung machen, Aufräumen etc.

Wenn aber jemand vor seinem Tod selbst mich sich „ins Reine“ gekommen ist, sich selbst erkannt hat (schwierig!) und alle Fehler, ja bedauert – also „bereut“ hat, den Menschen, die er gekränkt hat, Abbitte geleistet hat, dann wird ihm/ihr das Fegefeuer, diese Läuterung; die Reinigung, erspart bleiben.  

Aber wer schafft das schon, rechtzeitig?

Es war auch kurz vom „Ablass“ die Rede, aber aus Zeitmangel konnten wir nicht näher darauf eingehen: „Der Ablass bezeichnet einen in der römisch-katholischen Theologie geregelten Gnadenakt fußend auf dem Gnadenschatz, durch den nach kirchlicher Lehre zeitliche Sündenstrafen erlassen (nicht dagegen die Sünden selbst vergeben) werden.“ (das stammt jetzt aus Wikipedia) „die jenseitige Läuterung kann nun durch die Erlangung von Ablässen verkürzt oder erleichtert werden.“ Auch sind bestimmte Voraussetzungen zur Gewinnung eines Ablasses zu erfüllen. Nur der guten Ordnung halber: Einen regelrechten Ablasshandel gab es nach dem 16. Jahrhundert nicht mehr.

Zur Hölle

Das ist jetzt für mich schwierig darzustellen. Auch hier – wie für alle Texte aus Göttweig gilt, dass es nicht notwendigerweise das Gesagte darstellt, sondern das „Verstandene“. Wobei vielleicht „gehört“ besser wäre, weil wirklich verstanden habe ich letztlich auch nicht alles.

In die Hölle kommt man nicht, die Hölle ist die Zurückweisung der Liebe Gottes. Gott will nicht, dass man in die Hölle kommt, das muss man schon selbst bewerkstelligen. Gott liebt die Menschen, unbedingt, ohne Voraussetzung auf Seiten des Menschen. Aber er hat ihnen auch den Freien Willen gegeben, und damit ist der Mensch in der Lage, diese angebotene Liebe Gottes von sich zu weisen. Also, wenn ich das recht verstehe, sind es nicht die „ihre bösen Taten“, die die Menschen in die Hölle befördern, sondern ihre Zurückweisung Gottes, alternativ der Liebe.  

All das bedarf noch einiger Reflexion bei mir. Auch das „ewig in der Hölle Bleiben“. Nach dem Tod ist ja alles zeit- und raum-los. Vielleicht – so hoffe ich – kann man diese Zurückweisung der Liebe rückgängig machen?

Eine Hoffnung, denn ich will nicht, dass jemand, den ich liebe, in der Hölle landet – könnte ihn meine Liebe davor bewahren?

Hoffentlich bleibt mir noch ein wenig Lebenszeit, um einige der immer noch weiter bestehenden Fragen vielleicht doch besser zu klären.

Noch immer in Stift Göttweig – Schweigeseminar

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