Impressionen im Weltmuseum

Gestern habe ich mich aufgemacht und bin in das neu gestaltete Weltmuseum gegangen. Früher schon als Kind (mit meinem Vater) war ich in dem „Vorgänger“, dem Völkerkunde Museum.

Schon vor dem Eingang befindet sich eine Bar, wo man sich auch in Liegestühlen bequem ausruhen kann. Aber ich will mich ja noch nicht ausruhen, ich will das Museum sehen. Wenn man hineinkommt ist man einmal von der Pracht und der Eleganz dieses Gebäudes sehr beeindruckt. Im Erdgeschoss gibt es gleich wieder ein Café – aber dafür ist jetzt keine Zeit. Ich bin ja neugierig auf das Museum. Ich wusste, dass ich 14 Säle zu bewältigen hätte, und dass 3 127 zu besichtigende Objekte auf mich warten. Und wieder sind nur manche Räume gekühlt!

Beeindruckt hat mich die Mischung aus Objekten, alle detailliert beschrieben, die dazugehörige Auffindung und oft auch die Geschichte des jeweiligen Landes. Ich hab‘ das als eine Herausforderung empfunden!  Man muss sicher öfter hierherkommen, um das alles zu bewältigen. Übrigens, Mittwoch ist Schließtag. Es waren auch nicht sehr viele Leute dort, die die die Sammlung besuchten, aber die Anwesenden waren wirklich   interessiert.

Gleich zu Anfang betritt man den Saal, genannt „Im Schatten des Kolonialismus“. Ich gebe zu, das hat mich gestört: Sicher hat der Kolonialismus sehr viel Böses angerichtet, darüber besteht kein Zweifel, aber als erstes ein „Schuldbekenntnis“? Noch dazu war Österreich auf diesem Gebiet keine Kolonialmacht.

Dann, im zweiten Saal, gleich das anschauliche Beispiel dazu

, Benin und Äthiopien. Kunst, Macht, Widerstand. Früher wurde noch prächtige Geschenke ausgetauscht zwischen den Herrscherhäusern (der äthiopischen Kaisers Menelik II. an Kaiser Franz Joseph I.) Um alle die aufschlussreichen Texte zu lesen, übersieht man manchmal die ausgestellten Objekte.

Der dritte Saal machte es mir nicht leicht: hier wird ein Kulturkampf in Wien dargestellt, „Konservative Katholiken gegen „gottlose Moderne“. Die ausgestellten Objekte sollen die Argumente der Christen bestätigen – ich konnte wenig Bezüge zwischen dem Kulturkampf und den Objekten herstellen.

Hier – im Saal „Ein österreichisches Mosaik Brasiliens“ war mir zu mindestens die Geschichte schon vertrauter: der österreichische Kaiser Franz I. hatte seine Tochter, Erzherzogin Leopoldine, nach Brasilien verheiratet. Um mehr über Pflanzen, Tiere und Menschen zu erfahren, segelte auch eine naturkundliche Expedition über den Atlantik. Hier konnte ich mich der Objekte erfreuen, die die ursprüngliche indianische Kultur des Landes zeigen.

Schon wieder beschäftigt man sich mit Kolonialismus: viele Stücke der ethnographischen Museen sind in dieser Periode nach Europa gewandert. (ich frage mich: sind sie hier nicht großartige bewahrt und analysiert worden?) Hier, ich gebe es zu, habe ich es schon etwas eilig gehabt, durchzukommen.

Im Saal „Die neue Wahrnehmung – Der Blick auf China“, gibt es wunderschöne Objekte zu bewundern, seien sie aus Porzellan, oder Seide.  Begeistert haben mich die Lackarbeiten oder Gewänder aus Seide.

Bei „1873 – Japan kommt nach Europa“ war es das Modell einer Daimyō-Residenz der Edo-Periode (1600–1868), das ich besonders fasziniert hat, es stammt aus dem Japan-Pavillon der Wiener Weltausstellung 1873.

„Sammlerwahn. Ich leide an Museomanie!“ Da wurde wirklich viel zusammengetragen.  Die österreichischen Erzherzöge frönten der Jagd und dem Reisen, und sammelten mit wilder Leidenschaft, sei es Ferdinand Max, der spätere Kaiser Maximilian von Mexiko, Kronprinz Rudolf oder Franz Ferdinand. Letzterer meinte sogar an Museomanie zu leiden.

Nun geht es zu den „Fernwehzielen“: „Südsee: Begegnungen mit dem verlorenen Paradies“ Zahlreiche Alltags-, Schmuck- und Ritualgegenstände erinnern an erste Kontaktnahmen, rege Tauschgeschäfte und gegenseitige Gastfreundschaft.

In „Fasziniert von Indonesien“ gibt es viele wunderschöne Objekte, die aber nicht „zu mir sprechen“, ich weiß einfach viel zu wenig von dieser Kultur um das alles interpretieren zu können. Schön, aber sehr fremd, das empfinde ich hier.

In „die Welt in Bewegung“ dominieren für mich die Texte z.B. über die Anziehungskraft der Städte und mancher Länder.

Dann geht’s „In eine Neue Welt“, zu den indigenen Kulturen Nordamerikas. Vieles davon beeinflusst auch das heutige Leben – z.B. die ausgestellten Baseball-Kappen. Hier finde ich meinen eigenen Bezug zu Texten und Objekten.

Bei „Der Orient vor der Haustüre“ ist vieles ebenfalls vertraut: hier gefallen mir besonders die wunderbar gearbeiteten Koranständer, die Keramik und vieles mehr!

In den „Geschichten aus Mesoamerika“ werden Textilien, komplizierte Federarbeiten, die besonderen Stellenwert für Österreich erhielten, als Maximilian Kaiser in Mexiko war. Hier gibt es auch Zeugnisse des Christentums und der Religiosität dieser Menschen. Hier stoße ich dann (endlich) auf die lange von mir erwartete Federkrone, ein immer wieder eindrucksvolles Objekt, der Höhepunkt. Und weil ich schon so müde war, ließ ich mich vor einem großen Bildschirm nieder, der ein mexikanisches Hüftballspiel zeigte.

Dann war noch das „Ein Dorf in den Bergen (buddhistisches Dorf im Himalaya-Gebiet)“ eigentlich nicht mehr ganz so interessant. Man sieht Menschen, die im Haus im Dorf leben, sie arbeiten auf den umliegenden Feldern, manche auf den Almen hoch darüber, wieder andere als Mönch oder Nonne in einem Kloster, wenige zieht es als Asketen in die Einsamkeit der Berge. Besondere Beachtung gilt der Verflechtung von religiösen Vorstellungen und profanem Tun. Einerseits ist es auf Bildern dargestellt – andererseits sind die Objekte so angeordnet, wie man es auf den abgebildet sieht. Besonders bedrückend finde ich die Darstellung einer Frau, die – wie eine Pieta – einen Sarg am Schosshält und als Hintergrund sind kleine Bilder von Menschen die „nicht zurückgekommen sind“.

Jedenfalls muss ich dieses Museum noch öfter besuchen und mir eine Strategie überlegen, wie ich mir’s anschauen soll – vielleicht nur einzelne Säle und die intensiver oder getrennt nach nur Texten oder nur Objekten. Man kann viel erfahren hier, wenn ich auch nicht mit allem einverstanden bin. Aber das liegt vielleicht auch an meinem Alter – bin ich schon aus der Zeit gefallen?

Impressionen im Weltmuseum

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