Zum Problem der Diskriminierung

Unserer muslimischen Mitbürger

Wie angekündigt, möchte ich „im Sinne der gemeinsamen Integrationsbemühungen“ ein paar Fakten zum Islam darlegen, in der Hoffnung, dass damit das Verständnis der Mehrheitsbevölkerung für ihre islamischen Mitbürger steigt.

Es wird geklagt, dass Muslime (so wie auch Menschen mit dunkler Hautfarbe) auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden.

Muslimische Frauen entscheiden sich häufiger dafür, sich um ihre Familie zu Hause zu kümmern, statt einer bezahlten Arbeit nachzugehen. Da spielt das konservative Rollenbild der Frau im Islam eine große Rolle, der Mann ist nach den Regeln des Koran verantwortlich für den Unterhalt der Frau bzw. seiner Familie. Das Geld, dass „sie“ verdienen würde, gehört nur ihr.  Es scheint klar, dass dieser Mann seine Frau nicht zur außerhäuslichen Arbeit drängen wird. Dadurch, dass sie im Gegensatz zur „arbeitenden Frau“ weniger Kontakte in der Gesellschaft hat, werden ihre Sprachkenntnisse mangelhaft bleiben, sie wird mit ihren Kindern nur in ihrer Muttersprache sprechen, und deren Deutschkenntnisse werden bestenfalls verzögert, wenn nicht gar verhindert. Zusätzlich kann sie wahrscheinlich ihren Kindern zu Hause bei ihren schulischen Herausforderungen weniger helfen, als eine Frau die in die Gesellschaft gut integriert ist. Das hat sich ja jetzt bei Home-Schooling Herausforderungen deutlich gezeigt. Aber diese Frau wird nicht von der Gesellschaft diskriminiert!

Neben dem Bildungsniveau der Eltern spielt das Alter, in dem junge Menschen heiraten, eine entscheidende Rolle. Das durchschnittliche Erstheiratsalter er in Österreich nach Geschlecht betrug im Jahr 2019 33 Jahre bei den Männern und 30,8 Jahre bei den Frauen. Statistiken über Heiratsalter der Muslime liegen nicht vor (aus Datenschutzgründen darf Religion auch bei Bevölkerungszählungen nicht abgefragt werden). Aber es ist evident, dass das Heiratsalter bei z.B. bei Kindern türkischen Zuwanderern erheblich unter diesem österreichischen Durchschnitt liegt. Je früher die Eheschließung desto höher ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass eine eventuelle Ausbildung abgebrochen oder nicht fortgesetzt wird. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass Männer, die jung heiraten, rasch Geld verdienen müssen und ihre jungen Frauen kümmern sich um den Haushalt und Kinder, die ehebaldigst geboren werden. Bekannt ist, dass sich die Zahl der Kinder in einem Haushalt negativ auf die schulische Leistung jedes einzelnen dieser Kinder auswirkt. Der Grund dafür ist, dass das Geld und die Zeit, die Eltern zur Unterstützung der schulischen Laufbahn ihrer Kinder haben, begrenzt sind. Darüber hinaus spielten die Deutschkenntnisse der Eltern eine erhebliche Rolle.

Eine gute Kenntnis der Sprache des Einwanderungslandes in Wort und Schrift ist von erheblicher Bedeutung bei der Jobsuche. Dieses Faktum allein führt zu höheren Chancen, einen Job zu finden und zwar einen besser bezahlten, als ohne diese Sprachkenntnisse. Ist das Diskriminierung? Die Tatsache, dass Muslime stärker als andere Gruppen getrennt von der Mehrheitsgesellschaft leben, hat direkte Folgen für ihre Sprachkenntnisse und damit für ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Es kann nicht geleugnet werden, dass soziale Kontakter für den Erfolg auf dem Arbeitsmarkt sehr wichtig sind. Ich rede hier nicht von Nepotismus oder Freunderlwirtschaft, sondern von Kontakten außerhalb der eigenen Gruppe. Diese Kontakte ermöglichen Zugang zu neuen Informationen und Ressourcen. Nicht-muslimische Nachbarn oder Freunde könnten erklären, wie der Arbeitsmarkt funktioniert, wie man ein Bewerbungsschreiben verfasst, oder ein Praktikum findet, oder wie man sich bei einem Bewerbungsgespräche verhält. Interethnische Kontakte können auch geringere Bildung durchaus ausgleichen.

Religiöse Regeln des Islam – soweit er „konservativ“ gelebt wird – behindern den Kontakt zu Nicht-Muslimen, weil z.B. gemischtgeschlechtliche Aktivitäten vermieden und auch Ehen mit Nichtmuslimen abgelehnt werden. Der Mangel and Freundschaften und familiären Bindungen zu Mitgliedern der Aufnahmegesellschaft wirkt sich negativ auf die Arbeitsmarkt- und Bildungschancen der Muslime aus.

Wer die Landessprache nicht gut beherrscht, hat es schwerer, einen Job zu finden und die Kinder, die in der Schule zum ersten Mal mit der Landessprache in Kontakt kommen, können oft ihre Bildungsnachteil zuweilen nicht mehr ausgleichen. (Aus diesem Grund gibt es ja das verpflichtende Kindergartenjahr für alle Kinder in Österreich).

Hier sei vermerkt, dass in vielen muslimischen Familien diese Hindernisse bereits überwunden sind, und die Anwesenheit von Muslimen in vielen Berufen und Ämtern beweist diese positive Entwicklung. Integration ist keine kurzfristige Entwicklung und kann zuweilen halt auch die eine oder andere Generation benötigen.  Das Heiratsalter steigt, die Anzahl der Kinder sinkt, die außerhäusliche Betätigung der Frauen nimmt zu, Kontakte zu Nicht-Muslimen nehmen zu. Das Bildungsniveau steigt, sicher nicht gleichmäßig und bei allen – aber bei vielen.

Helfen wir selber mit, reden wir nicht nur über Muslime, sondern reden wir mit ihnen.

Zum Problem der Diskriminierung

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