Baschar al-Assad, Syrien, lässt sich derzeit wieder „wählen“

Kommentare zu seinem Vater, seiner Kindheit und seiner Frau

Vielleicht ist es sinnvoll, nicht nur die jetzige Situation zu betrachten, sondern sich die Geschichte der Familie Assad genauer anzusehen.

Der Vater: Hafiz al-Assad (* 6. Oktober 1930; † 10. Juni 2000), gehörte der Religionsgemeinschaft der Alawiten an, eine religiöse Sondergemeinschaft in Vorderasien, die im späten 9. Jahrhundert im Irak entstanden ist und zum schiitischen Spektrum des Islam gehört. Sie machen nur etwa 12 % der syrischen Bevölkerung aus. Als erstes Mitglied seiner Familie erwarb Assad eine höhere Schulbildung. Da die Familie nicht genug Geld für die Universität aufbringen konnte, besuchte er 1951 die Militärakademie. Dort wurde er – teilweise in der Sowjetunion – zum Piloten ausgebildet. Hafiz al-Assad entstammte einer angesehenen Grundbesitzerfamilie aus dem alawitischen Kernsiedlungsgebiet. Sein Vater Ali Sulaiman al-Assad (1875–1963) war einer von sechs Notabeln, die 1933 während der französischen Mandatszeit in einer Stellungnahme an den französischen Ministerpräsidenten Léon Blum die Beibehaltung des autonomen Alawitenstaates neben einem späteren unabhängigen Syrien gefordert hatten. Hafiz al-Assad Assad war verheiratet und hatte sechs Kinder.

Assad trat 1947 als Jugendlicher der panarabistisch-sozialistischen Baath-Partei bei. 1961 wurde in Syrien erfolgreich gegen die ägyptisch-syrische Union geputscht. Innerhalb der Baathpartei bildete sich nach der Machtübernahme ein Gegensatz zwischen dem politischen und dem militärischen Flügel der Partei. Der Militärflügel putschte 1966 und unter Assads und Dschadids Führung wurde der Präsident Amin al-Hafiz abgesetzt. Assad wurde nach dem Umsturz Verteidigungsminister. Die eigentliche Macht konzentrierte sich weiterhin in den Händen der Militärs. Am 16. November 1970 putschte Assad. Im Rahmen dieses offiziell als Korrekturbewegung bezeichneten Umsturzes ließ Assad seine Konkurrenten inhaftieren und ernannte Ahmed al-Chatib zum zeremoniellen Staatsoberhaupt. Am 12. März 1971 wurde Assad per Plebiszit zum Staatspräsidenten gewählt. Assad stützte seine Macht auf das Militär und den Geheimdienst der Luftwaffe. Unter Assads Regierung kam der Libanon 1976 unter syrische Herrschaft. Der Islamismus und die Muslimbrüder wurden unterdrückt, 1982 wurde ihr Aufstand beim Massaker von Hama blutig niedergeschlagen. An diesem Massaker war auch Assads Bruder maßgeblich beteiligt, Rifaat al-Assad (* 1937), der lange Syriens „Nr. 2“ war. 1983 putschte Rifaats Miliz (die Verteidigungsbrigaden) und Teile der Armee. Den folgenden Bürgerkrieg gewann der inzwischen herzkranke „Löwe von Damaskus“; sein Bruder musste ins Exil gehen.

Assad sah am Beginn seiner Herrschaft eine militärische Revanche gegen Israel als Hauptziel seiner Politik. In Folge eines ausgeprägten Personenkultes wurde in zentralen öffentlichen Plätzen der größeren Städte Bronzestandbilder des Präsidenten aufgestellt; Plakate mit seinem Porträt an den Hausfassaden und in jedem öffentlichen und privaten Umfeld waren allgegenwärtig. Die Plakate sind mittlerweile durch solche ersetzt, die Abbildungen seines Sohnes zeigen. Dieser Personenkult glorifizierte Assad als Vorkämpfer der von ihm als Ziele der arabischen Völker vorgegebenen Ideologien Sozialismus und Nationalismus. Im Ersten Golfkrieg zwischen dem Irak und dem Iran von 1980 bis 1988 unterstützte er den Iran, im Zweiten Golfkrieg von 1990 bis 1991 beteiligte er sich an der anti-irakischen Koalition. In den 1990ern näherte sich Assad dem Westen und den konservativen Regimen Arabiens an. Friedensgespräche mit Israel scheiterten jedoch. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch beschuldigte Assad, dass unter seiner Herrschaft Tausende Syrer staatlichen Morden zum Opfer gefallen seien.

Baschar al-Assad vor Antritt der Regierung Syriens: Einige Monate nach Assads Tod im Jahr 2000 wurde sein von ihm als Nachfolger vorgeschlagener zweiter Sohn Baschar al-Assad mit 34 Jahren sein Nachfolger. Über Baschar al-Assads Kindheit und Jugend ist vergleichsweise wenig bekannt. Baschars damals recht einseitiges Gesichtsbild zeigte als Feinde böse und verschwörerische Kolonialmächte und Juden. Er erhielt keine militärische Ausbildung, sondern nahm ein Studium der Medizin auf. Er führte sein Studium nach einiger Zeit in London fort und durchlief im Western Eye Hospital eine Ausbildung zum Augenarzt. Neben seinem medizinischen Interesse gilt Assad auch als technisch begabt und entwickelte eine besondere Vorliebe für Computer. Mit Unterstützung Basils gründete er 1989 die Syrian Computer Society (SCS) und wurde deren Präsident. Die SCS hat sich die Verbreitung von Computern und Internet zur Aufgabe gemacht und fungiert seit Assads Machtübernahme als wichtige Kaderschmiede.

Anders als sein Vater und der als dessen Nachfolger ausersehene ältere Bruder Basil al-Assad war Baschar vor Basils Tod 1994 nie Teil des Personenkults um den Präsidenten. Im Gegensatz zu ihren älteren Geschwistern Basil und Buschra lernten Baschar und sein jüngerer Bruder Maher ihren Vater nicht mehr zu Zeiten kennen, als dieser noch nicht als nationaler Mythos angesehen wurde. Die Beziehung zwischen Baschar und seinem Vater nahm daran sichtlich Schaden und wird als „distanziert“ beschrieben. In öffentlichen und privaten Äußerungen bezeichnet Baschar ihn selten als „meinen Vater“, sondern spricht meist vom „Präsidenten Hafiz al-Assad“. Eigens für Baschar wurde am 10. Juni 2000 die Verfassung geändert und das Mindestalter für den Präsidenten von 40 auf 34 Jahre herabgesetzt. Assads ältester Sohn und eigentlicher Nachfolger Basil al-Assad war 1994 bei einem Autounfall gestorben.

Die Ehefrau: Asma al-Assad, geborene Asma (Emma) Fawwaz al-Achras, aus einer wohlhabenden sunnitischen Familie, ist eine in Großbritannien aufgewachsene syrische Finanzanalystin und seit 2000 als Ehefrau von Baschar al-Assad die First Lady Syriens. Es gibt drei Kinder aus dieser Ehe.

Die derzeitigen Wahlen in Syrien werden als weder frei noch fair bezeichne.

Baschar al-Assad, Syrien, lässt sich derzeit wieder „wählen“

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