Gedanken zur Seidenstraße

Der antiken aber auch der neuen.

Manche von Ihnen kennen das schon – ich habe eine Freundin, die in ihrem Leben sehr viel gereist ist, aber auch getreulich bei all diesen Reisen gefilmt hat und hinterher diese Filme auch bearbeitet hat (Karten dazugegeben, Texte gesprochen, und Musik unterlegt hat).

Und sie lädt mich dazu ein, diese Filme anzusehen.  Heute waren wir im Jahr 1988 auf den Spuren von Teilen der „antiken“ Seidenstraße. Es gab ja mehrere parallele Routen durch Zentralasien, und alle 6400 km umfasst auch keine organisierte Reise. Auf der antiken Seidenstraße wurde in westliche Richtung hauptsächlich Seide, gen Osten vor allem Wolle, Gold und Silber gehandelt. Nicht nur Kaufleute, Gelehrte und Armeen nutzten ihr Netz, sondern auch Ideen, Religionen und ganze Kulturkreise drangen ineinander ein und wanderten auf den Routen von Ost nach West und umgekehrt: hierüber kamen z. B. der Nestorianismus (aus dem spätantiken Römischen Reich) und der Buddhismus (von Indien) nach China. Allerdings wird in der neueren Forschung davor gewarnt, das Handelsvolumen (zumindest auf dem Landweg) und die Verkehrsinfrastruktur der verschiedenen Handelsrouten zu überschätzen. Was ich da heute von der „antiken Route“ gesehen habe, veranlasst mich anzunehmen, dass es sehr, sehr mühsam gewesen sein muss, auch nur Teile dieser Strecke zu bereisen.  Und auch 1988 war es mühsam genug, wie der Film zeigte, auch wenn ein Teil der Strecke Karakorum Highway heißt.  Also 1988 gab es jede Menge Erdrutsche, abgebrochene teilüberschwemmte Straßen und unsichere Brücken auf denen ein Fortkommen sehr mühsam war. Ich glaube, was ich da heute gesehen habe, war ein Zeitdokument, und die Städte werden wohl heute ganz anders aussehen, als damals.

Rufen wir uns in Erinnerung: General Zia, the U.S. Botschafter und Spitzen der pakistanischen Armee Pakistans kommen am 17. August 1988 bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben.  Der Tod von General Zia beendete eine 11-jährige Periode militärischer Herrschaft.  Ihm folgt die elegante Benazir Bhutto, die die Wahlen im November gewinnt. (Die Reise meiner Freundin fand im Sommer statt).

In dem bei dieser Reise auch Peschawar auf dem Programm stand, kommen mir auch die dortigen Koranschulen in den Sinn. Die Zahl der Koranschulen in Pakistan hatte nach dem Einmarsch der Sowjets nach Afghanistan 1979 drastisch zugenommen. In den Medresen bekamen die Schüler (Talibs) eine (extremistisch) religiöse, ebenso wie eine militärische Ausbildung – um als junge Mudschaheddin in den Kampf gegen die Rote Armee im Nachbarland zu ziehen. 1996 übernahmen die radikalislamischen Taliban die Macht in Kabul. Die meisten Regierungsmitglieder des Ende 2001 gestürzten Regimes waren in pakistanischen Medresen ausgebildet worden.

Im Nachbarland Afghanistan herrschte Krieg – die sowjetische Intervention in Afghanistan fand zwischen 1979 und 1989 statt. Sie begann mit der militärischen Unterstützung der durch einen Putsch an die Regierung gekommenen afghanischen Machthaber durch die Sowjetunion gegen die zahlreichen Gruppierungen der Mudschahidin, die sich vor allem als Reaktion auf die Säkularisierung Afghanistans bildeten. Diese islamistischen Rebellengruppen wurden in der Folge politisch und materiell von den USA sowie einigen NATO-Staaten und Teilen der islamischen Welt unterstützt.

Aber die gezeigten Bilder dieser Reise waren phantastisch, vor allem die Landschaftsaufnahmen mit dem Hohen Gipfeln – wie z.B. dem Nanga Parbat. Die Gegend ist steinig, manche dieser Steine tragen Felszeichnungen, nur in den Tälern ist Landwirtschaft und damit Leben möglich. Vieles hängt vom Wasser ab, Reis und Getreide wird in Terrassen gezogen. Mir ist fast kein Wald aufgefallen.

Viele Namen von Orten habe ich das erste Mal gehört. An manche konnte ich mich erinnern, wie z.B. Taxila. Bei dieser Reise von Islamabad bis an die chinesische Grenze spielten Landschaft und Berge die Hauptrolle, Kultur und Geschichte waren dabei weniger vertreten.

Aber mit der Geschichte der Gegend habe ich so meine Probleme, wer waren diese Mogulkaiser, die diese Gegend beherrschten und wie weit haben sich ihre Reiche ausgedehnt. 

Aber statt mich um die „antike“ Seidenstraße zu kümmern, denn ihre größte Bedeutung hatte das Handels- und Wegenetz zwischen 115 v. Chr. und dem 13. Jahrhundert n. Chr. erreicht. Mit dem allmählichen Verlust römischen Territoriums in Asien und dem Aufstieg Arabiens in der Levante wurde die Seidenstraße zunehmend unsicher und kaum noch bereist. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Strecke unter den Mongolen wiederbelebt; unter anderen benutzte sie zu der Zeit der Venezianer Marco Polo, um nach Cathay (China) zu reisen. Nach weit verbreiteter Ansicht war die Route einer der Hauptwege, über die Mitte des 14. Jahrhunderts Pestbakterien von Asien nach Europa gelangten und dort den Schwarzen Tod verursachten.

Ja, ich sollte mich lieber mit der heute von China geplanten Seidenstraße auseinandersetzen.   One Belt – One Road. Denn durch sie könnte uns Ungemach drohen. Ist die Neue Seidenstraße vielleicht eine geostrategische Jahrhundertidee, mit der China seine Ordnungsvorstellungen und Machtprojektion durchzusetzen entschlossen ist? Könnten dadurch Staaten, die sich an diesen Projekten beteiligen, zu Vasallen Chinas werden?  Und könnte auch heute durch die Einschleppung gebietsfremder Arten die Biodiversität beeinträchtigt und dadurch die Ökosysteme geschädigt werden?

Dabei ist doch Seidenstraße für mich ein so romantischer Begriff.

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