Nur eine Gasse in Meidling

Für einen Wiener Bürgermeister: Daniel Fockhy

Wenn auch meine Miniserie „Wiener Bürgermeister“ nur bei sehr wenigen von Ihnen Interesse geweckt hat, möchte ich sie doch fortsetzen. Wahrscheinlich war die Wahl des ersten vorgestellten Bürgermeisters nicht gerade günstig. Aber ich habe mich halt täuschen lassen, durch ein sehr prominent gelegenes Denkmal, eine Gasse „in guter Lage“ und vertreten auf der Ankeruhr – also dreifach geehrt, das muss doch eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein – tätig zu Pest- und Türkenzeiten. Ja, aber die Amtszeit betrug nur drei Jahre und erfolgreich waren andere in seiner Amtszeit. Also ich finde seine Ehrung – also Liebenbergs – doch etwas übertrieben, im Vergleich mit anderen Bürgermeistern unserer Stadt.

Zum Vergleich möchte ich Ihnen den nur mehr wenig bekannten Bürgermeister Daniel Fockhy (* 8. März 1626, † 23. März 1695) vorstellen, besonders deshalb, weil er Liebenberg während seiner Krankheit vertreten hat. Es gibt kein Fockhy Denkmal in Wien, wohl aber die Fockhygasse in Meidling. Daniel Fockhy war Sohn eines Honig- und Zwetschkenhändlers, der aber bereits in den rittermäßigen Adelsstand erhoben worden war.

Fockhy wandte sich zunächst dem Kaufmannsstand zu, erwarb 1661 das Bürgerrecht und begann 1663 seine öffentliche Laufbahn. 1674 kam er in den Inneren Rat, während der Pestepidemie von 1679 kontrollierte er die Lazarette, 1682 wurde er Oberkämmerer, und während der Türkenbelagerung (1683) war er Oberstleutnant der Bürgerwehr, überwachte die Verteilung des Proviants und leitete die Löscharbeiten bei Bränden; während der Krankheit Liebenbergs übernahm er dessen Vertretung, nach dessen Tod bis Ende 1683 die Verwesung des Bürgermeisteramts. 1686 zog er sich in den Inneren Rat zurück, als dessen Senior er fungierte; am 24. Jänner 1687 wurde er mit dem Titel „Kaiserlicher Rat“ ausgezeichnet.

Auch Fockhy übte das Bürgermeisteramt nicht lange aus, 1688-1691 war er Bürgermeister, aber er hat einiges für die Stadt getan. Unter ihm wurde am 5. Juni 1688 die öffentliche Beleuchtung von Straßen und Plätzen eingeführt, im selben Jahr erließ er eine neue Feuerordnung, 1690 empfing er den zum König gekrönten Josef in Wien.

Privat besaß er 1660-1666 das Haus „Zum goldenen Wolfen“ in der Alservorstadt, 1670-1695 das Haus Stadt 502 (1, Judengasse 4) und 1688-1695den Galvagnihof (Conskriptionsnummer 514; 1, Hoher Markt 10-11, Teil C).

Noch kurz zu den Conskriptionsnummern: Ursprünglich erfolgte die Bezeichnung der Häuser und Geschäfte, insbesondere der Wirtshäuser, Apotheken und dergleichen, mittels Schildnamen, welche die späteren Hausnummern ersetzten. Optisch waren die Namen durch Schmiedeeisenschilder, Bilder, Tafeln oder Skulpturen kenntlich gemacht.

Unechte Häusernummerierungen sind die nummerierten Listen von Häusern in den Hofquartierbüchern (1566, 1587, 1664) und die Reihungen in den Steuerbüchern (ab 1749), welche Albert Camesina als Grundlage für seine Zusammenstellungen benützte; diese Nummern waren nicht an den Häusern angebracht.

Erst 1770/1771 wurden im Zuge der „Seelenkonskription“ in der Stadt und in den meisten Vorstädten die Häuser mit sichtbar aufgemalten „Konskriptionsnummern“ nummeriert. Da unverbaute Grundstücke keine Nummern erhielten, ergab sich von Zeit zu Zeit die Notwendigkeit der Umnummerierung, so unter anderem 1795 und 1819/1821. In einigen Vorstädten erfolgte die Nummerierung erst später, außerdem gab es in sechs Vorstädten zwischen 1827 und 1830 eine weitere Umnummerierung.

1862 wurden die Konskriptionsnummern durch die bis heute gültigen, straßenweise vergebenen Orientierungsnummern abgelöst.

(Selbst in dem Haus, in dem ich lebe, sind noch (Innen) zwei Conscriptionsnummern angebracht)

Nur eine Gasse in Meidling

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