Hitzegedanken

In Wien

Heute ist es in Wien schon recht warm, um nicht zu sagen, es ist heiß (ich hab’s allerdings so empfunden). Ich hatte einiges zu besorgen, und wie üblich bin ich am späteren Vormittag losgezogen (war falsch – ich hätte früher starten sollen, da wäre es noch kühler gewesen). Ich habe aufgepasst, und bin, wenn möglich im Schatten gegangen, aber immer ist das einfach auch nicht möglich. Vielleicht hätte ich auch einen Hut aufsetzen sollen Es war kein besonders weiter Weg, aber da ist mir aufgefallen, dass es in der Stadt – also erster Bezirk Wien – wenig Sitzgelegenheiten gibt. Für so ein Bankerl wäre ich zwischenzeitlich sehr dankbar gewesen. Natürlich wären auch Bäume eine Freude, auf den längeren sonnigen Durststrecken gewesen, aber das versteh ich schon, dass man diese nicht überall spontan pflanzen kann. Aber auf sonnigen Plätzen könnte man doch viel mehr mit großen Kübelpflanzen Schatten und Kühlung in die Stadt bringen. Ja, es wäre mit Arbeit verbunden, sie müssten ja auch gepflegt werden, aber man könnte ja anbieten, dass drauf Namenstaferln angebracht werden, jener z.B. die sie pflegen, so es nicht die Straßenreinigung übernehmen könnte, die haben doch Wasser dabei.

Aber ich erinnere mich, einmal durch den Schweizerhof der Hofburg gegangen zu sein, als dort auf dem Pflaster Beete errichtet worden waren, abgegrenzt mit kleineren Pflastersteinen, die die Erde umfassten, die aufgeschüttet war, in denen dann Blumen gepflanzt waren. Es hat so hübsch ausgesehen und die große Hitze strahlte nicht mehr von dem Steinboden aus.

Sommerliche Hitzeperioden sind ein Gesundheitsrisiko. In der Hitzewelle sterben Menschen, besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Personen. Zwischen 2003 und 2012 wurden in Österreich durchschnittlich 240 Hitzetote gezählt, heute geht man von mindestens 800 Hitzetoten pro Jahr aus – selbstverständlich abhängig von der Wetterentwicklung.

Die Hitze wirkt unterschiedlich in Städten: In ländlichen Gebieten wirken Bäume und andere Pflanzen, aber auch Oberflächenwasser wie natürliche Klimaanlagen. Da fließt ein Bach, da liegt ein See. Sie kühlen die Umgebung in erster Linie durch die Verdunstung von Wasser. In den städtischen Zentren verhindert die bebaute Fläche diese Hitzeregulierung. Regenwasser wird unterirdisch abgeleitet, der Beton und Asphalt macht Verdunstung unmöglich, heizt sich besonders gut auf und strahlt diese Hitze wieder ab. Auch die stark erhöhte Oberfläche durch die Gebäude und das Vermindern der Luftzirkulation tragen zur Hitze bei. Dazu kommen künstliche Wärmequellen wie Autos, Industrie oder Abwärme von Klimaanlagen (diese strahlt besonders unangenehm auf Gehsteigen). So kann es in Städten zu bis zu 12 Grad höheren Temperaturen als in der Umgebung kommen.

Was wünsche ich mir ganz generell von meiner Stadt (außer die bereits oben erwähnten Bankerln und viel mehr Bäume): Wichtige Schritte sind strategische Maßnahmen auf der Ebene von Flächenwidmungen, Raumplanung und Wohnbau! Die Anlage von Straßenbegleitgrün, grüne Wandelemente, Fassaden- und Dachbegrünung, Entsiegelung und Regenwassermanagement oder auch die Freilegung von verrohrten Gewässern. In Wien gibt es so viele abgedeckte Bäche! Weiters ist der Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel hilfreich Hitzespots zu verringern. Weniger Autos, mehr Fahrräder! Baulich sind Maßnahmen notwendig wie zum Beispiel Außenjalousien montieren, Wärmedämmungen anbringen, Fassaden-, und Hofbegrünung. So ein paar Blumen und ein hübscher Springbrunnen in einem Innenhof, würden Wunder für die Umgebung wirken. Da wir ja fast ein Klima wie früher in Oberitalien haben, sollten wir uns die entsprechenden baulichen Maßnahmen dort ansehen.

Es gibt ja die Hitzekarte der Stadt Wien, die 2019 angelegt wurde. Neben dem Alter von Bevölkerungsgruppen wurde für die Erstellung dieser Karte die Vegetation, Wasserflächen sowie die sommerliche Hitzebelastung der Oberfläche aus Satellitendaten herangezogen. Es gibt auch einen Hitzeplan, aber die Corona-Pandemie hat die ernsthafte Beschäftigung mit anderen Krisen, etwa der Klima- und Biodiversitätskrise, jedenfalls stark verzögert. Der Schwerpunkt dieses Hitzeaktionsplans liegt dabei auf Akutmaßnahmen und Maßnahmen, die relativ kurzfristig zu setzen sind, um auf Hitzeperioden im Sommer gut vorbereitet zu sein. Hierzu benennt der Hitzeaktionsplan 29 Schlüsselmaßnahmen, von denen die Hälfte auf die gesamte Stadtbevölkerung ausgerichtet ist, während die andere Hälfte die spezifischen Bedürfnisse spezieller vulnerabler Zielgruppen im Blick hat. Unter den empfohlenen Maßnahmen habe ich die Errichtung von Schattenbankerln gefunden – bitte um möglichst baldige großflächige Aufstellung. Ich getraue es mich gar nicht zu sagen: statt einiger Parkplätze vielleicht?

Was mich auch freuen würde: vielleicht könnte verstärkt die die begrünte Straßenbahngleise errichtet werden, bei einigen Linien wurde das ja schon erprobt. Auch die begrünten Wartehäuschen sind hübsch und angenehmer. Es gibt auch viel zu wenige Trinkbrunnen und Trinkhydranten. Bei den wenigen Verfügbaren drängen sich die Menschen, wenn die noch kühlen Dampf versprühen, kommt man gar nicht mehr dorthin, so drängen die Menschen.

Ob es ökologisch sinnvoll ist, diesen Wasserdampf auf Markisen zu richten, weiß ich nicht, aber angenehm ist es schon, halt nur für die Leute die drunter sitzen. Früher jedenfalls wurden sie auch bei den Bäumen in der Kärntner Straße eingesetzt, derzeit vermisse ich das – vielleicht ist es noch nicht heiß genug.

Aber es gibt auch noch eine weiter Methode der Abkühlung (und Entschleunigung), die besonders im Ersten wirkt: setzen Sie sich auf ein paar Minuten in eine der vielen kühlen Kirchen …

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